Irreversibel - Hans-Werner Lücker - E-Book

Irreversibel E-Book

Hans-Werner Lücker

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Beschreibung

„Und plötzlich war ich alt!“ Viele Menschen werden diesen Satz schon so ähnlich gehört oder sogar sich selbst gesagt haben. Dabei sind sicher nicht die Annehmlichkeiten gemeint gewesen, die wir im Lebensherbst auch erfahren dürfen. Im Gegenteil – es sind die Tücken des Älterwerdens, die uns mit ihren rücksichtlosen Attacken im Alltag begegnen. Der Autor hat sie in fünf schicksalhaften Episoden aufgespürt und persönlich beim Namen angesprochen, um sich mit ihrem Tun arrangieren zu können. Das Buch richtet sich an keinen oder jeden – gerade wie man es empfinden mag. Aber sich angesprochen zu fühlen, wäre jedenfalls das Normalste der Welt: Denn alt werden (wollen) wir doch alle!

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Table of Contents

Section 1

Prolog

I. Die Tücken und ihre Attacken

II. Versuche, sich mit ihnen zu arrangieren

Epilog

Über das Buch

Wer einen neutralen Ratgeber zum Umgang mit dem Älterwerden erwartet hat, den oder die muss ich enttäuschen. Subjektiver als im vorliegenden Buch kann man sich kaum mit dieser Thematik befassen.

Dennoch glaube ich, dass sich die Leserschaft hier oder dort in den Zeilen wiederfinden wird.

Um besser auf die Tücken des Alter(n)s eingehen zu können, habe ich sie personifiziert. So werden einem bei der Lektüre des I. Teils Figuren wie Gregor Granate und Amelie Atrophie begegnen, mit denen ich mich im II. Teil zu arrangieren versuche.

Auch wenn ich mich von meinen persönlichen Erfahrungen habe leiten lassen, so sind dennoch alle Personen, Orte und Handlungen in den fünf Episoden des I. Teils frei erfunden. Das Geschehen im Prolog ist dagegen weitgehend autobiografisch verfasst.

Hans-Werner Lücker im Januar 2026

Über den Autor

Hans-Werner Lücker, geboren 1953 in Neuwied, ist pensio­nier­ter Gymnasial­lehrer mit den Fächern Mathe­matik, Physik und In­formatik. Er widmet sich seit siebzehn Jah­ren dem Schreiben.

Nachdem er sich zunächst vorwiegend mit Lyrik beschäftigte, hat er sich in den folgenden Jahren der erzählenden Literatur zugewandt.

Eine in Bildern festgehaltene Aufstellung seiner bisher erschienenen Werke befindet sich am Ende dieses Buches.

Hans-Werner Lücker

Irreversibel

Die Tücken des Alter(n)s

Ich freue mich über eine Rückmel­dung auf meiner Facebook-Autorenseite: www.facebook.com/hanswernerluecker© 2026 Hans-Werner Lücker

ISBN: 978-3-384-79109-2 (Softcover)

978-3-384-79110-8 (Hardcover)

978-3-384-79111-5 (e-Book)Umschlagfoto: Frank RunkelDruck und Distribution im Auftrag des Autors:tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, DeutschlandDas Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig.Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter:Hans-Werner Lücker, An der Linde 6, 56567 Neuwied, Germany.Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:[email protected]

Inhalt

Prolog

Mister Volleyball

Die folgenden Ereignisse haben sich in den ersten Wochen des Jahres 2025 in etwa so zugetragen.

Ich sitze samstagmorgens am Frühstückstisch und blättere durch die aktuelle Wochenendausgabe der Tageszeitung – wie immer von hinten.

Auf den Sportteil folgen etliche Seiten mit den Todesanzeigen, die ich seit einiger Zeit aufmerksam studiere.

„Ob er das wohl sein mag?“, frage ich halblaut in den Raum. „Von wem sprichst du?“, will meine Frau von mir wissen. Sie scheint ein Fragezeichen auf der Stirn zu haben.

„Einen Moment!“, entgegne ich und schaue mir den Text der Anzeige etwas genauer an. Vor- und Nachname stimmen ja mit denen meines ehemaligen Mitspielers in der Volleyballmannschaft der 1970er Jahre überein. Da aber kein Geburtsdatum darin angegeben ist und die Liste der Hinterbliebenen außer deren Vornamen nichts enthält, fehlt mir die letzte Gewissheit.

Dann lese ich meiner Frau die Anzeige vor und erzähle ihr, was ich vermute. Da wir schon zu meiner aktiven Volleyballzeit ein Paar waren, kann sie sich gut an den damaligen Zuspieler erinnern.

„Er müsste etwa achtzig Jahre alt sein“, stelle ich fest. „Denn er war ja um einiges älter als ich und damals schon mit seinem Sportstudium fertig, als ich gerade mein Abi hinter mir hatte.“

„Ja klar!“, pflichtet meine Frau mir bei. „Aber ohne Geburtsdatum kann man schlecht etwas über das Alter sagen.“ Ich werfe noch einmal einen Blick auf die Traueranzeige, bevor ich die Zeitung beiseitelege. „Und der Name ist ja auch kein seltener.“

Nachdenklich gönne ich mir einen Schluck aus meinem Lieblingskaffeebecher und blättere dabei in dem Terminkalender, den ich – obwohl schon fast acht Jahre in Pension – immer noch aus Gewohnheit führe, ohne ihn wirklich zu benötigen.

„Außerdem könnte ich auch nicht zur Beerdigung gehen“, erkläre ich meiner Frau und füge, ehe sie nach dem Grund fragen kann, noch hinzu: „Denn am Freitag habe ich doch meine Magenspiegelung.“

Sie schaut mich bedeutungsvoll an, ohne dabei ein Wort zu verlieren – weiß sie doch um meine innere Anspannung, die mit diesem Termin verbunden ist.

Wenige Tage später wird meine Vermutung zur Gewissheit. Im Lokalteil der Tageszeitung erscheint unter dem Titel „Mister Volleyball“ ein Nachruf auf meinen ehemaligen Mannschaftskameraden.

Er ist wirklich einundachtzig Jahre alt geworden und hat sich nach seiner aktiven Spielerzeit weiter um den Volleyballsport im Verein und gleichzeitig als internationaler Schiedsrichter verdient gemacht. Beruflich ist er bis zu seiner Pensionierung an einem der beiden Gymnasien der Stadt als Sportlehrer tätig gewesen. Dort hat er Generationen von Schülerinnen und Schülern für seine Lieblingssportarten – neben dem Volleyballspiel auch Fußball und Schwimmen – begeistern können.

Die letzten Tage wird ein bisschen viel gestorben, denke ich mir, während ich die Seiten der Zeitung wieder zusammenlege und mich weiter meinem Frühstück widme.

Die letzten Tage wird ein bisschen viel gestorben“, sage ich zu meinem Studienfreund, als er eine Woche später mit seiner Frau bei uns zu Besuch ist und mir von der Beerdigung meines Volleyballkameraden, berichtet, der jahrzehntelang sein Lehrerkollege war.

„Zunächst der erst kürzlich in den Ruhestand getretene Pfarrer der Innenstadtgemeinde“, beginne ich an den Fingern einer Hand abzuzählen, „dann unser gemeinsamer Bekannter und schließlich – erst gestern – auch noch der Abgeordnete aus unserem Wahlkreis.“

„Ja“, stimmt mir mein Gegenüber zu, „und alle so plötzlich!“ „Dabei erst in unserem Alter!“, stelle ich ergänzend fest.

Mein Freund kann den Anflug eines Schmunzelns nicht verbergen. „Was heißt bei dir denn erst?“

„Na ja – zum Sterben sind wir mit Anfang siebzig doch noch zu jung, oder?“

„Klar, aber alt sind wir schon. Zum Beispiel sind die Fahrgestelle deiner Volleyballkameraden ganz schön ramponiert.“

Ich stutze einen Moment lang. „Wie kommst du denn darauf? Ich habe dir doch bisher nur von meinen kaputten Knochen erzählt.“

„Wärst du selbst bei der Beerdigung gewesen, dann würdest du mir die Frage nicht stellen.“

„Ich bin ganz Ohr – schieß los!“

„Neben meinen ehemaligen Lehrerkollegen saß unter den Trauergästen auch noch eine Gruppe älterer, hochgewachsener und auffallend schlanker Herren. Als wir uns schließlich alle in Bewegung setzten, um auf dem Weg zur Grabstätte dem Sarg zu folgen, fielen mir genau diese Männer wieder ins Auge. Sie standen allesamt nur mühsam von ihren Sitzplätzen auf und schleppten sich – mehr als dass sie gingen – hinter den Sargträgern her. In diesem Moment war mir klar: Das konnten nur deine alten Volleyballkameraden gewesen sein."

I. Die Tücken und ihre Attacken

Wie Christopher Traut die wohlvertrauten Dinge wegbrachen

Es war an diesem Wochenende einiges los im Haus des Landwirtes Christopher Traut. Die beiden Söhne Max und Robert waren sonntags mal wieder mit ihren Familien zu Besuch.

Nicht dass der Hausherr ein Mehr an Arbeit zu stemmen hätte – die Söhne und Schwiegertöchter kümmerten sich um alles – aber die vier Enkelkinder hielten ihren Opa ordentlich auf Trab. Und genau dies war die Absicht der Söhne.

Max und Robert hatten zehn Jahre zuvor den mittlerweile auf Gänsemast sowie den Anbau von Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren spezialisierten Aussiedlerhof übernommen und ihren Vater nach dessen sechzigsten Geburtstag in den verdienten Ruhestand geschickt.

Christopher Traut hatte nämlich den Betrieb – samt Hofladen – alleine führen müssen, nachdem die Söhne mit dem Abitur in der Tasche beide den Studiengang Landwirtschaft aufgenommen hatten. Zeitgleich hatte ihn die sich bis dahin aufopfernd um Hof und Familie kümmernde Ehefrau über Nacht verlassen, um ein – wie sie es ausdrückte – erfülltes und unbeschwertes Leben genießen zu können.

Trotz dieser emotionalen Belastung hatte der Landwirt die folgenden Jahre gut gemeistert – war ihm doch die Arbeit ein sicherer Anker im Alltag eines alleinerziehenden Vaters fast erwachsener Söhne gewesen.

Doch mit dem Beginn des Ruhestandes und dem folgenden Umzug vom Aussiedlerhof in das deutlich kleinere städtische Anwesen seiner Vorfahren hatte sich bei Christopher ein ihm bis dahin unbekanntes Gefühl der Unsicherheit eingestellt: Wird jetzt etwa alles anders?

Da er dies auch der Familie gegenüber geäußert hatte, waren die Söhne in Alarmstimmung versetzt worden. Sie hatten befürchtet, dass ihr Vater in ein emotionales Loch fallen könnte wie Onkel Stefan – sein älterer Bruder. Der verbrachte nach dem allzu frühen Tod seiner Frau den ganzen Tag nur noch vor dem Fernseher auf der Couch im Wohnzimmer und leerte eine Bierflasche nach der anderen.

So hatten Max und Robert damit begonnen, den Senior auf alle möglichen Weisen zu beschäftigen und nach ihrer Ansicht dadurch auch aufzumuntern. Doch der empfand die Aktionen der Söhne eher als überflüssig – fast lästig sogar, hatte er doch schon bald seinen Alltag mit ihm vertrauten Aktivitäten für sich zufriedenstellend eingerichtet.

Für Gartenarbeit, Besuch im Fitness-Studio, die Tätigkeit im Bauern- und Winzerverband, das Singen im Männerchor und das Senioren-Tischtennis mit seinen Kameraden der früheren Jugendmannschaft hatte Christopher nun endlich ausreichend Zeit gehabt und die neu gewonnene Freiheit genossen.

Deshalb waren die gutgemeinten Einladungen der Söhne zu kulturellen Veranstaltungen und auch die auf ihr Betreiben hin regelmäßig durchgeführten Familientreffen für den Vater mehr Pflichterfüllung als Wohlfühlmomente gewesen.

Entsprechend empfand Christopher auch wieder den heutigen Besuch. Die Schwiegertöchter hatten zwar Kuchen mitgebracht und ihre Ehemänner den Kaffee kochen lassen, doch das Unterhaltungsprogramm für die Enkelkinder fiel – wie meist – wieder ihm zu.

Aber das hatte es in sich, denn die vier wilden Jungs wollten alles, nur nicht still am Tisch sitzen.

„Opa, können wir wieder die Fische in deinem Teich futtern?“, meinte der dreijährige Luca, was dem Großvater ein Lächeln entlockte. „Füttern heißt das, mein Kleiner. Futtern sollst du deinen Kuchen, ehe wir zum Teich gehen.“

Das wollte sich Luca nicht zweimal sagen lassen und stopfte sich ein Stück Schokoladenkuchen mit beiden Händen in seinen Mund. Er kaute, schluckte und wischte sich grunzend mit einem Zipfel der weißen Tischdecke die Schokoladenreste von den Wangen. Schließlich meldete er Erfolg: „Fertig!“

„Ich will mit Opa Fußball spielen“, protestierte Lucas älterer Bruder Simon. „Aber Opa kann sich nicht teilen“, ermahnte Max Traut seine Söhne. „Also zuerst Fische füttern und dann Fußball spielen!“

Das kann ich schon selbst entscheiden, dachte sich Großvater Christopher und ehe er das auch äußern konnte, meldeten sich Roberts Jungs zu Wort.

Lautstark posaunten die neunjährigen Zwillinge ihre Forderungen in den Raum. „Opa, du wolltest uns mit deiner Modelleisenbahn spielen lassen“, begann Tim. „Ja – und mit deinem Computer, Opa!“, ergänzte Tom.

Mehr schlecht als recht meisterte Christopher Traut die familiären Anforderungen dieses Nachmittags. Er ging zwar nacheinander auf sämtliche Wünsche der Enkelkinder ein, doch merkten die Söhne, dass er dabei nicht die Freude empfand, die sie sich für ihn von ihrem Besuch versprochen hatten.

„Vielen Dank, für deine Gastfreundschaft, Papa!“, meinte Robert beim Abschied und schob die Frage hinterher: „Oder waren wir dir zu anstrengend?“

„Anstrengend ist das falsche Wort“, entgegnete der Vater. „Ich habe mich ja mein ganzes Leben lang bei der Arbeit auf dem Hof angestrengt und mich deshalb weniger um euch kümmern können und – dank eurer Mutter – auch müssen.“

Max war zu den beiden getreten. Er hatte ihnen zugehört und wollte nun wissen: „Das soll heißen?“

Christopher Traut räusperte sich verlegen, bevor er erklärte: „Nun ja – das soll heißen, dass ich mich nicht an eine Änderung meiner – ähm – vertrauten Lebensumstände gewöhnen wi...“

„Papa, jetzt lass aber mal die hochtrabenden Sätze beiseite und rede Tacheles!“, fiel Max – argwöhnisch blickend – mit einem fast schon gereizten Unterton seinem Vater ins Wort.

Und der kam auch sofort der Aufforderung nach. „Ich hatte noch nie und habe auch jetzt keinen Bock auf Kinderbespaßung.“

Die beiden erwachsenen Söhne schauten sich an. Sie hatten verstanden. „Wird in dieser Form auch nicht mehr verkommen“, kündigte Robert an.

Christopher Traut ging mit geschulterter Sporttasche in Richtung seines vorm Haus geparkten Autos. Wie jeden Mittwoch stand heute Vormittag das Training im Fitness-Studio auf seinem Programm. Und wie immer um diese Uhrzeit lungerte – mehr als dass er tatsächlich seiner täglichen Gartenarbeit nachging – Nachbar Roth an seinem in die Jahre gekommenen Jägerzaun.

„Grüß dich, Heinz! Ich bin spät dran.“ Christopher hatte heute wenig Lust auf ein längeres Gespräch, zu dem der Mann am Gartenzaun regelmäßig neigte.

„Tu dir bloß keinen Zwang an!“, entgegnete Heinz Roth. „Ich kann es dir ja auch später noch erzählen.“ Schwerfällig bückte er sich, nur um einen einzelnen Grashalm zwischen den Gehwegplatten zu entfernen.

„Was denn erzählen?“ Christopher bereute bereits beim Aussprechen der Frage, dass er sie – aus purer Neugier – überhaupt gestellt hatte.

„Du kennst doch auch den alten Herrn, der jeden Morgen hier mit Wanderausrüstung und seinem Hund …“ Nachbar Roth musste nicht weitersprechen, denn sein Gegenüber nickte zustimmend.