Israel - Sotill Wolfgang - E-Book

Israel E-Book

Sotill Wolfgang

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Beschreibung

Israel ist ein wunderbares Land: vielfältig, gegensätzlich, zuweilen auch schrill. Nur eines ist es nicht – leicht zu bereisen. Wolfgang Sotill, Journalist und seit Jahrzehnten Reiseleiter im Nahen Osten, kennt die Fragen, die Israel-Touristen und Pilger bewegen: „Wer ist das, ein Jude?“, „Wem gehört das Land Israel?“, „Warum ist Israel so oft in den Schlagzeilen?“, „Wie muss man sich eine Kreuzigung vorstellen?“ Fundiert und unterhaltsam beantwortet er die „Top-40-F.A.Q.“ aus den Bereichen Politik, Land und Leute, Kultur und Religion. Das ideale Buch für alle Israel-Reisenden, die mehr als oberflächliche Eindrücke sammeln und gerne hinter die Kulissen blicken wollen.

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M E I N E M

G E L I E B T E N

S O H N  E L I A S

G E W I D M E T

Wolfgang Sotill

ISRAEL

40 EINFACHE FRAGEN

40 ÜBERRASCHENDE ANTWORTEN

Fotos von Christian Jungwirth

1WARUM 40 FRAGEN? EIN VORWORT

LAND & LEUTE

2WAS SOLLTE MAN WISSEN, WENN MAN NACH ISRAEL FÄHRT?

3WIE GEFÄHRLICH IST EINE REISE NACH ISRAEL?

4WELCHE ORTE SOLLTE MAN UNBEDINGT BESUCHEN?

5SPRECHEN SIE JIDDISCH, HEBRÄISCH ODER ARABISCH?

6WAS MACHT JERUSALEM SO HEILIG, SO SCHWIERIG, SO EINZIGARTIG?

7WER IST DAS ÜBERHAUPT: EIN JUDE?

8WORÜBER LACHEN JUDEN, WENN SIE LACHEN?

9SIND JUDEN INTELLIGENTER ALS NICHTJUDEN?

10WAS HAT EUROPA MIT DEM KONFLIKT IM NAHEN OSTEN ZU TUN?

11WARUM HÖRT MAN VON ISRAEL STÄNDIG IN DEN MEDIEN?

12WANN HÖREN DIE JUDEN ENDLICH AUF, VOM HOLOCAUST ZU REDEN?

13SIND DIE SIEDLER EIN HINDERNIS FÜR DEN FRIEDEN?

14SIND ARABER IN ISRAEL AUCH PALÄSTINENSER?

15WARUM HAT ISRAEL AUSREICHEND WASSER?

JUDENTUM – CHRISTENTUM – ISLAM

16WORAN GLAUBEN JUDEN?

17WARUM IST DER PLATZ DES FELSENDOMS AUCH JUDEN HEILIG?

18WAS BEDEUTEN DIE SYMBOLE DES JUDENTUMS?

19IST DIE SYNAGOGE DIE KIRCHE DER JUDEN?

20WIRD AN DER KLAGEMAUER NUR GEKLAGT?

21WIE BEGEHEN JUDEN DEN SCHABBAT?

22WIE SCHMECKT KOSCHERES ESSEN?

23SIND DIE JUDEN EIN AUSERWÄHLTES VOLK?

24WER IST EIN ORTHODOXER JUDE?

25WAS HAT DAS JUDENTUM FÜR DIE WELT GELEISTET?

26WIE VERSTEHEN JUDEN DIE TORA?

27WIE KANN MAN SICH DAS LAND ZUR ZEIT JESU VORSTELLEN?

28WIE VIELE KINDER LIESS HERODES IN BETLEHEM TÖTEN?

29WAR JESUS JUDE?

30WARUM WAR JESUS DEN FÜHRENDEN JUDEN IM WEG?

31WIE VERLIEF DER PROZESS GEGEN JESUS?

32WIE MUSS MAN SICH EINE KREUZIGUNG VORSTELLEN?

33WARUM FÜHLT SICH JESUS AM KREUZ VON GOTT VERLASSEN?

34WARUM LEHNEN DIE JUDEN JESUS ALS MESSIAS AB?

35IST GOLGOTA ALS ORT DER KREUZIGUNG HISTORISCH GESICHERT?

36WARUM VERSETZEN DIE KREUZFAHRER DIE ARABER NOCH IMMER IN ANGST?

37WIE KOMMT ÖSTERREICH ZU EINEM HOSPIZ IN JERUSALEM?

38WARUM IST JERUSALEM DIE DRITTHEILIGSTE STADT IM ISLAM?

39WARUM STEHT ÜBER MARIA IM KORAN MEHR ALS IN DER BIBEL?

ZEITTAFEL

40WAS WAR WANN?

Anmerkungen

Danksagung

Der Autor

WARUM 40 FRAGEN?

EIN VORWORT

EINE FRAGE wird mir bei der Vor- oder Nachbereitung von Reisen und nach Vorträgen immer wieder gestellt: „Welches Buch empfehlen Sie?“ Die Liste der bemerkenswerten Publikationen ist lang, aber kaum jemand findet in der Geschäftigkeit des Alltags Zeit für die Lektüre mehrerer Bücher. Die meisten suchen eine Publikation, die umfassend, fundiert und verständlich Orientierung bietet. Dieses Buch enthält Fragen, die mir Touristen und Pilger während meiner langjährigen Tätigkeit als Reiseleiter wiederholt gestellt haben. Das inhaltliche Spektrum ist dementsprechend breit und reicht vom Nahost-Konflikt bis hin zum jüdischen Witz. Mein Ziel ist es, Fakten zu vermitteln, Zusammenhänge aufzuzeigen und Klischees aufzubrechen.

Die Motive jener, die nach Israel reisen, sind sehr unterschiedlich: Manche kommen als fromme Pilger, denen vornehmlich an den christlichen heiligen Stätten gelegen ist. Andere sehen sich als „kulturell Interessierte“. Für sie ist die Religion oft zur religiösen Kultur geschrumpft, die Glaubensdecke ist womöglich dünn geworden und von vielen Fragezeichen begleitet. Nicht selten suchen sie im Land der Bibel den naiv-vertrauenden Glauben ihrer Kindheit oder eine Bestätigung dafür, warum sie sich von ihrer Kirche distanziert haben. Das eine ist nicht, das andere sehr leicht zu entdecken.

Immer wieder reisen Menschen auch aus politischen Gründen. Sie wollen ihre Solidarität mit einer der beiden Gruppen des Konflikts bekunden. Ihr bevorzugtes Interesse gilt Orten, an denen arabische Selbstmordattentäter viele Juden getötet haben, oder auch den Flüchtlingslagern der Palästinenser. Auch wenn ihr Interesse vordergründig profan und politisch ist, so wollen sie doch die prominentesten Adressen der Religionsgeschichte besuchen: die Grabeskirche, die Westmauer, die großen Moscheen, Betlehem …

Was auch immer der Grund für eine Reise ist – für alle stellt sich der Besuch des Landes als „geistiges Abenteuer“ dar. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, Bilder, die sie aus den Tagen ihrer frühen Kindheit von den biblischen Orten in sich tragen, mit der Realität in Einklang zu bringen. Plötzlich ist der Stall der Geburt Jesu kein Stall mehr, sondern eine Höhle. Und der Garten Getsemani, der Ort der Verhaftung Jesu am Ölberg, ist kein lauschiges Wäldchen, sondern nur eine Gruppe von 16 Bäumen. Und selbst die stammen nicht aus der Zeitenwende, sondern wurden von Kreuzfahrern gepflanzt. Man sieht: Die eigenen Vorstellungen erfüllen sich im Land der Bibel oft nicht.

Dazu kommt bei Pilgern die Frage, welchen Stellenwert die Bibel für sie hat. Sind die Psalmen doch mehr als bloß eine wunderbare Dichtung? Und ist das Hohelied der Liebe, in dem es heißt „ein Beutel Myrrhe ist mein Geliebter, der zwischen meinen Brüsten ruht“ (1,13) nicht doch anders zu lesen als nur eine Allegorie des Verhältnisses Jesu zu seiner Kirche? Darf dieses Lied, das König Salomon als Verfasser zugeschrieben wird, erotische Literatur sein, voll Lebensfreude und Zärtlichkeit? Man kann das Land der Bibel bereisen und nur bestätigt sehen, was man auch zu Hause schon gewusst hat. Man kann sein Wissen aber auch erweitern. Das ist einem lebendigen Glauben geschuldet.

Dieses Land ist uns allen irgendwie Heimat und doch hat es viele Seiten an sich, die uns fremd sind und uns verunsichern – etwa: Wie gehe ich mit dem zeitgenössischen Judentum um, das seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und von allen nachfolgenden Päpsten als göttliche Offenbarungsreligion gehandelt wird? Wie bringe ich diese biblische Sicht in Einklang mit meinem Solidaritätsgefühl, das ich den unter dem Konflikt stark leidenden Palästinensern entgegenbringe? Manche Reiseleiter machen es sich einfach und unterscheiden zwischen den „guten Juden“ in biblischer Zeit und den „bösen Israelis“ der Gegenwart. Das ist schlichtweg falsch.

Schon an diesen wenigen Fragen erkennt man: Israel ist ein ewiges Verwirrspiel des Intellekts und auch der Gefühle. Vor allem dann, wenn man erkennen muss, dass die maschinelle Menschenvernichtung der Shoa nicht nur ein Aspekt der jüdischen Geschichte, sondern auch einer der österreichischen und der deutschen ist. Nach dem Besuch der Holocaust-Memorialstätte Yad Vashem habe ich des Öfteren Gespräche geführt, die sehr persönlich waren: „Was hat mein Vater, der an der Ostfront eingesetzt war, gewusst? War er aktiv an Judenerschießungen beteiligt? Gesprochen hat er über seine Zeit im Krieg jedenfalls nie, sondern die verlorenen Jahre immer nur mit dem Satz zusammengefasst: ,Es war eine schwere Zeit.‘“ Solch ein Resümee lässt viele Deutungen zu.

Ich wiederhole mich, wenn ich sage: Israel ist ein geistiges Abenteuer, ein, wenn man ihn nur zulässt, bereichernder Prozess, der mit einer einzigen Reise freilich nicht beendet ist. Darum sollten Sie verstehen: Auch eine noch so fundiert geführte Tour kann nie der Endpunkt, sondern immer nur der Ausgangspunkt für weitere Fragen sein – egal ob im Bereich des Glaubens oder in der Politik.

Ich war als Student in Jerusalem sehr orientierungslos. Ich hatte arabische Freunde und jüdische. Beide Seiten waren sehr nett, sehr hilfsbereit, sehr kumpelhaft. Zu beiden fühlte ich mich hingezogen, während diese mehr oder weniger strikt gegeneinanderstanden. Lange Zeit hatte ich ein schlechtes Gewissen der jeweils anderen Gruppe gegenüber. In diesem Schlamassel meiner Gefühle suchte ich Rat. Und zwar bei dem Benediktiner Laurentius Klein, mittlerweile verstorbener Abt der deutschen Benediktinerabtei Dormitio Mariae am Berg Zion. Seine Antwort lautete: „Weißt du, je länger ich im Land bin, desto weniger durchblicke ich die politischen Zusammenhänge. Wenn du aber unbedingt eine Antwort hören willst, dann sage ich dir: Mit dem Herzen bin ich oft auf der Seite der Araber, mit dem Kopf aber auf der der Israelis.“1 Diese Antwort ist wahrscheinlich die beste, die ich jemals zum Konflikt gehört habe. Wohl aber auch die schwierigste, weil sie sich unserem Streben nach eindeutigen Kategorisierungen entzieht. Dabei wünschen wir so sehr, Gutes und Böses, Recht und Unrecht klar erkennen zu können. Stattdessen zwingt uns Israel in einer offenen Gedankenwelt zu leben, in der es eben nicht immer nur eine einzige richtige Antwort gibt. Es ist ein Land, in dem man mit Antworten auf Fragen überrascht wird, die man gar nicht gestellt hat.

Israel zwingt seine aufmerksamen Besucher auch in neue Kategorien der Geschichtsbetrachtung. Eines der ältesten Völker der Erde, das wunderbare Leistungen für die Welt erbracht hat – die Idee des Eingottglaubens und der Nächstenliebe und vieles andere mehr –, steht vor der Frage: „Wird es diesen Staat, den einzigen sicheren Hafen für Juden auf der Welt, für unsere Kinder oder Enkelkinder noch geben?“ Eine Frage, die sich in Europa niemand von seinem Land zu stellen braucht. Solch eine permanente Bedrohung lässt Menschen nachdenklicher, aber auch lebensfroher werden. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele junge Menschen aus Europa für ein paar Tage nach Tel Aviv fliegen, um dort die Intensität des Lebens in besonderer Weise zu spüren.

Israel wirft Fragen über Fragen auf. Warum aber sind es in diesem Buch ausgerechnet 40? Die Zahl 40 spielt in der Bibel eine große Rolle. 40 Tage dauerte die Sintflut, 40 Tage war Mose auf dem Berg Sinai, um die Gesetzestafeln in Empfang zu nehmen, 40 Jahre dauerte die Wüstenwanderung des Volkes Israel von Ägypten ins gelobte Land, 40 Tage und 40 Nächte ging der Prophet Elias in schwerer Niedergeschlagenheit zum Berg Horeb, 40 Tage fastete Jesus, um sich auf seine Sendung vorzubereiten. Die Zahl 40 steht immer für einen Zeitraum, der eine Wende, eine Umkehr und einen Neubeginn ermöglicht. Ich wünsche mir, dass die Leserin, der Leser nach der Lektüre der 40 Antworten Israel mit neuen Augen sieht. Niemand erwartet eine unkritische Jubelstimmung, aber sehr wohl fundierte Urteile, die keine oberflächlichen Vorurteile mehr sind. Das ist es, was Israel verdient. Nicht mehr und nicht weniger.

LAND

&

LEUTE

WAS SOLLTE MAN WISSEN, WENN MAN NACH ISRAEL FÄHRT?

ES SOLL Sie nicht abschrecken, wenn ich sage: Der Flughafen von Tel Aviv ist der gefährlichste Ort, wenn Sie in einer Gruppe reisen. Dort verschwinden die meisten Leute. Und andere, nach denen der Guide – vermeiden Sie in Israel den Ausdruck „Führer“– nie gesucht hat, tauchen plötzlich auf. Aber der Reihe nach. Die Gruppe war noch vollzählig, als ich sie in der Wartehalle des Flughafens in Empfang nahm. Aber keine zwei Gehminuten später war ein Mann verschwunden. Zugegeben: Ich hätte noch einmal nachzählen müssen, aber da mir von der Ankunftshalle in Ben Gurion bis zu dem davor wartenden Bus noch nie jemand verloren gegangen war, dachte ich gar nicht daran. Wir fuhren ohne ihn los. Der abgängige Herr, ein pensionierter Lehrer, hat sich die Fahrt nach Tiberias mit Zug und Bus schließlich selbst organisiert. „Ich habe Israel schon ein wenig kennengerlernt“, schwärmte er geradezu, als er am Abend im Hotel zur Gruppe stieß. Er sei ganz begeistert von dem Land, denn er habe so viele hilfsbereite Leute getroffen.

Ein anderes Mal habe ich meine Reiseteilnehmer doch gezählt. Mit dem Ergebnis, dass ich eine Person zu viel im Bus hatte. Wie sich herausstellte, war es eine betagte Frau, die die Reise von ihren Kindern zu einem runden Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Reiseunerfahren hatte sie sich am Flughafen einer deutschsprachigen Gruppe angeschlossen, von der sie glaubte, es sei die ihrige. Das war unsere Gruppe aber nicht. Auf die Frage, bei welchem österreichischen Unternehmen sie gebucht habe, wusste sie ebenso wenig eine Antwort wie auf jene nach dem Hotel, in dem sie wohnen sollte. Einen so alten Menschen, der die Sprache des Landes nicht versteht und sich nicht zu helfen weiß, kann man nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Einige Telefonate später hatten wir ihre Gruppe ausfindig gemacht. In charmantem Kärntnerisch bedankte sich die 80-Jährige mit den Worten: „Eigentlich würde ich gerne bei euch bleiben. Ihr seid so nett!“

Was möchte ich Ihnen damit sagen? Israel ist ein kleines, überschaubares Land mit vielen warmherzigen und hilfsbereiten Menschen. Vieles lässt sich ganz unkompliziert organisieren, selbst wenn es manchmal ein wenig chaotisch zugeht. Diesem Lebensstil, Kleinigkeiten nicht zu problematisieren, sondern sie unkonventionell zu lösen, steht allerdings auch ein striktes staatliches Regelsystem gegenüber, das zur Aufrechterhaltung der Sicherheit – auch Ihrer – dient. So dürfen Sie nur einreisen, wenn Ihr Reisepass vom Tag der Abreise aus Israel zumindest noch sechs Monate und einen Tag gültig ist. Visum braucht man als österreichischer oder deutscher Staatsbürger keines. Bei der Einreise erhalten Sie keinen Stempel in Ihren Pass, dafür aber eine scheckkartengroße Kopie des Passes, die Sie bis zur Abreise aufbewahren sollten.

Schwierig kann sich die Einreise allerdings gestalten, wenn ihr Pass Stempel aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder dem Iran aufweist. Das führt zu ernsthaften Komplikationen. Im Allgemeinen sind die Sicherheitskontrollen aber meist schon nach wenigen kurzen Fragen erledigt. Dramatische Berichte, die immer wieder die Runde machen, die Israelis würden Reisende schikanieren, Koffer auf der Suche nach Waffen und Sprengstoff durchwühlen, Bücher durchleuchten und sogar Früchte durchschneiden, gehören ins Reich der Vergangenheit. Die Sicherheitskräfte sind im Allgemeinen professionell, freundlich und hilfsbereit. Immer wieder bin ich über die Handhabung der Sicherheitsbestimmungen überrascht. So darf man in Israel zum Beispiel Wasserflaschen mit an Bord von Flugzeugen nehmen, was in Europa streng verboten ist.

Manche, besonders ältere oder kranke Menschen, haben Bedenken, was die medizinische Versorgung betrifft. Sie dürfen selbstverständlich alle persönlichen Medikamente im Flugzeug mit sich führen. Wenn Sie medizinisch-technische Geräte, wie etwa zur Atmungsunterstützung, benötigen, empfiehlt es sich, eine Beschreibung des Geräts mitzunehmen. Wer im Rollstuhl reist, muss dies der Fluglinie rechtzeitig bekannt geben. Wenn vor Ort gesundheitliche Probleme auftreten, darf ich Sie beruhigen. Die medizinische Versorgung in Israel ist erstklassig. Es kann allerdings empfindlich teuer werden, wenn man im Krankenhaus behandelt werden muss. Daher sollten Sie mit einer guten Versicherung vorsorgen.

Die meisten Fragen von Reisenden beziehen sich aufs Geld. Es ist nicht notwendig, in Europa israelische Schekel zu schlechten Konditionen zu kaufen. Nehmen Sie Euro mit und wechseln Sie bei einem autorisierten „Moneychanger“. Die Kurse sind meist besser als in den Hotels oder am Flughafen. Niemand, der Geld wechseln will, geht in Israel in eine Bank. Dort ist der administrative Aufwand zu hoch und die Wartezeit zu lang. Sehr viele Geschäfte und Restaurants akzeptieren auch Euro- oder Dollar-Banknoten. Das Netz an Bankomaten ist in seiner Dichte ausreichend. Solche, die in religiös-jüdischen Wohnvierteln aufgestellt sind, funktionieren am Schabbat nicht. Nur schwer zu beantworten ist die Frage, wie viel Geld Sie mitnehmen sollten. Das hängt ganz von Ihren Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten ab. Ich hatte einmal einen Reiseteilnehmer, dessen Goldene Kreditkarte ihm nach wenigen Tagen den Dienst versagte, weil er hemmungslos Ikonen und auch Diamanten eingekauft hatte. Andere Reisende kommen mit ganz wenig Geld aus.

Ein weiterer schwieriger Punkt ist die Frage nach Trinkgeldern. In Israel wird für diverse Dienstleistungen Trinkgeld erwartet, in einem Restaurant sollten es zumindest zehn Prozent sein. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie essen gehen. Die Preise sind sehr hoch und alkoholische Getränke wirklich teuer. Das Wasser mit Minze oder Zitrone, das Ihnen obligatorisch in jedem Restaurant auf den Tisch gestellt wird, können Sie problemlos trinken.

Wenn Sie individuell reisen, kommen Sie sowohl in Israel als auch in den Palästinensergebieten mit Englisch sehr gut durch. Sollten Sie einen Mietwagen nehmen, dann beachten Sie, dass Sie mit einer israelischen Nummerntafel nicht ins Westjordanland reisen können. Auch wenn Sie das Fahrzeug bereits von zu Hause aus bei einer internationalen Agentur gebucht haben, sollten Sie Orte wie Betlehem oder Jericho meiden, da Sie dort keinen Versicherungsschutz haben. Eine Ausnahme stellen die Straßen durch das Jordantal von Galiläa bis zum Toten Meer und jene von Jericho nach Jerusalem dar. Auf diesen Straßenabschnitten sind Sie versichert. Der öffentliche Verkehr ist gut ausgebaut und Sie können das Land auch mit öffentlichen Bussen bereisen. Sammeltaxis, Sheruts genannt, finden Sie an nahezu allen Verkehrsknotenpunkten.

Telefonieren mit dem Handy und die Nutzung des Internets können sehr teuer werden. Immer wieder höre ich diesbezüglich Klagen von Reisenden. Auch wenn Israel im Sport Europa zugerechnet wird, beim Telefonieren ist das nicht der Fall. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Anbieter vor der Reise über die entsprechenden Konditionen. Die Internet-Abdeckung ist im ganzen Land hervorragend und WLAN gibt es auch in den meisten Reisebussen.

Das Fotografieren ist beinahe überall erlaubt. Und sollte es einmal verboten sein, dann werden Sie mit Warntafeln darauf hingewiesen. Auch wenn es verlockend ist, am Schabbat an der Westmauer die Kamera zu zücken – verzichten Sie darauf. Respektieren Sie die Privatsphäre und die religiösen Gefühle von Menschen. Es wird auch nicht gerne gesehen, wenn Sie arabische Frauen fotografieren. Es ist ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts, zu fragen, bevor man den Auslöser drückt. Wenn jemand bereit ist, sich fotografieren zu lassen, erwartet er/sie eine kleine Gegenleistung, ein Bakschisch. Geschäft ist eben Geschäft.

Noch ein Tipp: Berücksichtigen Sie bei Ihrer Reiseplanung die religiösen Feiertage der einzelnen Religionen. Der Freitag ist der heilige Tag des Islam, am Samstag ist Schabbat und der Sonntag ist der christliche Feiertag. Dementsprechend gestalten sich die Öffnungszeiten verschiedener Sehenswürdigkeiten. Die Westmauer sollten Sie an einem Montag- oder Donnerstagvormittag besuchen, denn dann können Sie dort eine Bar Mitzwa miterleben.

Sie können Israel zu jeder Jahreszeit besuchen, von Anfang Jänner bis Ende Dezember. In den Wintermonaten kann es am See Gennesaret, am Toten Meer und in Eilat durchaus frühlingshafte Temperaturen haben. Regenfälle können zwar sehr intensiv sein, dauern aber selten länger als einen Tag. In den Monaten März, April und Mai und im Herbst ist es angenehm warm, aber nicht heiß und zudem niederschlagsarm. Und im Hochsommer? Da sind nur wenige Touristen im Land, denn es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass in Jerusalem die Temperaturen oft angenehmer sind als in Mitteleuropa.

Traditionell beenden Juden den Seder-Abend zu Pessach mit dem Wunsch: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Vielleicht haben ja auch Sie Lust, sich diesem Wunsch anzuschließen.

WIE GEFÄHRLICH IST EINE REISE NACH ISRAEL?

EINE LEHRERIN rief mich zwei, drei Jahre vor ihrer Pensionierung immer wieder an und fragte: „Wann fahren Sie das nächste Mal nach Israel?“ Ich nannte ihr Termine, aber einmal waren es berufliche, dann wiederum private Gründe, deretwegen sie verhindert war. Als sie dann in Pension war, meldete sie sich tatsächlich zu einer Reise an. In den Wochen davor telefonierten wir mehrfach, sprachen über alles Mögliche, aber von Sicherheitsbedenken war dabei nie die Rede. Drei Wochen vor Reiseantritt leuchtete ihre Nummer erneut auf meinem Handy auf. Aufgeregt erklärte sie mir, dass sie sich abmelden wolle, denn ihre Frisörin habe ihr erklärt, dass es zu gefährlich sei, nach Israel zu fahren. Auf meine Frage, ob die Frisörin Nahosterfahrung habe, verneinte sie. Nein, das zwar nicht, aber das sage ihr ihr Bauchgefühl.

Die Angst vor Israel treibt manchmal seltsame Blüten, wie Markus Bugnyar, Rektor des Österreichischen Hospizes in der Altstadt von Jerusalem, erfahren musste. Bei einer Sicherheitskontrolle am Flughafen Wien-Schwechat wandte sich ein Passagier, dessen Flug gleich nebenan abgefertigt wurde, an ihn und meinte: „Sie fliegen nach Tel Aviv? Sie fliegen in die Hölle!“ Bugnyar erwiderte beiläufig: „Aber die ist sehr gut besucht.“

Tatsächlich schreibt Israel immer neue Besucherrekorde. Schon 2017 war mit 3,6 Millionen Besuchern aus aller Welt ein Rekordjahr, das 2018 noch einmal deutlich übertroffen wurde. Man überschritt erstmals die Zahl von vier Millionen Touristen. Die Beruhigung im Nahost-Konflikt motivierte in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 rund 161.000 Deutsche und 23.500 Österreicher, das Land zu besuchen. Das sind Zuwachsraten gegenüber dem Rekordjahr 2017 von 24 beziehungsweise 25 Prozent.

Wie gefährlich ein Land ist, ist keine Frage der subjektiven Befindlichkeit, sondern kann objektiviert werden. Leicht kann man im Internet recherchieren, wie viele Touristen in Israel verletzt oder gar getötet worden sind. Gibt man die dementsprechenden Suchbegriffe bei einer Internet-Suchmaschine ein, findet man heraus, dass 2016 eine Britin und 2017 ein US-Bürger ums Leben kamen. Statistisch gesehen ist jede Stadt in Israel für Touristen also sicherer als London, Köln, Berlin, Madrid, New York, Tokio, Istanbul oder Moskau. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Dennoch erlebe ich immer wieder, dass sich Reiseteilnehmer als besonders mutig empfinden, wenn sie nach Israel fliegen. Sie erklären mir oft schon während der Busfahrt zum Flughafen, wer ihnen nicht aller von der Reise abgeraten habe: beste Freunde, der Schwager, Arbeitskollegen, sogar die Schwiegermutter. Ein Ehepaar berichtete mir, es habe vor Reiseantritt vorsorglich seinen Nachlass geregelt. Man wisse schließlich nicht, ob man im Heiligen Land nicht von einer Rakete getroffen würde.

Ob stille Helden oder Ehepaare, die bereit sind mit dem Leben abzuschließen – sie alle erwarten von ihrem Reisebegleiter eine Bekräftigung ihres Entschlusses, Zuspruch und Ermutigung. Ich sage dann: „Sie werden nicht die Einzigen sein, die das Land besuchen. Ganz im Gegenteil.“ Beim Anblick der Menschenmassen, die sich vor den heiligen Stätten drängen, relativiert sich dann der Heldenmut. Die Angst ist verflogen, sobald die Leute im Land sind. Sie geben an, sich „sicher, wie in Abrahams Schoß“ zu fühlen.

Israel ist also keine Risiko-Destination. Das bestätigen zahlreiche Touristen, die das Land besucht haben, und das lässt sich auch an Statistiken ablesen. Dass viele Menschen dennoch Bedenken haben, dorthin zu fahren, ist aufgrund der Medienberichterstattung verständlich. Ich rate Menschen, die Ängste haben, sich bei Experten zu informieren. Eines ist klar: Absolute Sicherheit gibt es in Israel nicht. Aber die gibt es auch sonst nirgends auf der Welt. Mit einem Wort: Besuchen Sie Israel, das Land wird Sie in so vielfältiger Weise bereichern, faszinieren und Ihren Blick weiten.

WER IST DAS ÜBERHAUPT: EIN JUDE?

Die Antwort finden Sie auf Seite 40.

WELCHE ORTE SOLLTE MAN UNBEDINGT BESUCHEN?

DAS IST eine Frage des Anspruchs: Sind Sie ein lebensfroher Tourist, dann ist Tel Aviv mit seinen Restaurants, Bars und Clubs die erste Adresse. Als Pilger werden Sie möglichst viele heilige Stätten besuchen, als Kulturreisender Museen, Ausgrabungen oder auch die Oper in Tel Aviv. Als politisch Interessierter werden Sie möglicherweise Kibbuzim, den Golan oder das Westjordanland besuchen. Dann werden Sie die Mauer zwischen Israel und Palästina entlangwandern und in Betlehem Hunderte Graffiti sehen, die auf die Situation der Araber in den besetzten Gebieten aufmerksam machen. Darunter finden sich auch einige Arbeiten des britischen Streetart-Künstlers Banksy, dessen Identität noch immer ungeklärt ist. Wenn Sie Orte wie Nablus oder Ramallah besuchen, werden Sie dort hören, wie schwierig das Leben hinter der 2002 errichteten Mauer geworden ist. Aber kaum jemand wird Ihnen erzählen, dass sich durch den Mauerbau die Zahl der arabischen Selbstmordattentate in Israel erheblich reduziert hat.

Als jemand, der das Land seit 1977 mehrfach im Jahr als Journalist, Buchautor und Reiseleiter bereist, rate ich Ihnen: Versuchen Sie nicht, nur Ihre eigene politische oder religiöse Kultur wiederzufinden. Das ist ohnedies nur schwer möglich, denn die einzelnen historischen Stätten, deren Geschichte und die dazugehörigen Religionen sind eng miteinander verwoben. Einige Beispiele: Man kann den Felsendom, der an die Nachtreise des Propheten Mohammed erinnert (Sure 17), nur verstehen, wenn man weiß, dass sich im siebten Jahrhundert mit dem Judentum und dem Christentum bereits zwei monotheistische Religionen in der Stadt etabliert hatten, die der junge Islam überwinden wollte. Oder: Man kann in der Paternoster-Kirche am Ölberg die Anrede Gottes als „Vater unser“ nur dann in ihrer ganzen Dimension wertschätzen, wenn man weiß, dass Juden aus Ehrfurcht den Namen Gottes nicht einmal aussprachen. Auch Betlehem ist nicht nur der Geburtsort Jesu, sondern auch jener von König David. Die direkte Abstammung Jesu aus dem Geschlecht Davids war wiederum die Voraussetzung dafür, dass er überhaupt der Messias sein konnte.

Es gilt, immer und überall überraschende Entdeckungen zu machen. Die Kuppel der in den 1960er-Jahren fertiggestellten katholischen Verkündigungskirche in Nazareth wurde beispielsweise nach jüdisch-kabbalistischen Grundsätzen errichtet. Das Land der Bibel ist also weder kulturell noch religiös eindimensional.

Zu den Orten, die man unbedingt gesehen haben muss, gehören die heiligsten Stätten der drei monotheistischen Religionen: die Westmauer (auch: Klagemauer), die Geburtskirche, die Grabeskirche und der Felsendom samt Al-Aqsa-Moschee. Die Westmauer ist Tag und Nacht zugänglich. Dort kann man auch – ausgenommen am Schabbat – immer fotografieren. Am besten besucht man diese westliche Begrenzungsmauer des herodianischen Tempels am Montag- oder Donnerstagvormittag, wenn 13-jährige Juden im Rahmen einer Bar Mitzwa ihre religiöse Großjährigkeit feiern. Sie können dort tolle Fotos machen.

Die islamischen Heiligtümer sind von Sonntag bis Donnerstag (meist zwischen 7 und 11 Uhr und 12.30 bis 13.30 Uhr) geöffnet. Das Betreten der Moscheen ist nach einer muslimischen Verordnung aus „Sicherheitsgründen“ verboten. Der Felsendom mit seiner achteckigen Architektur, seiner vergoldeten Kuppel und seinen wunderbaren Fayence-Fliesen ist es aber wert, aus der Nähe betrachtet zu werden. Um überhaupt auf den Tempelplatz zu gelangen, muss man Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, bei denen den Besuchern Bibeln oder Kreuze ebenso abgenommen werden wie Alkohol oder Computer-Tablets. Muslimische Wächter achten streng darauf, dass Frauen „züchtig“ gekleidet sind.

Ein Tipp: Sollten Sie den Tempelplatz aus irgendwelchen Gründen nicht besuchen können, dann gehen Sie in das „Jewish Quarter Café“ in der Tiferet Israel Straße im jüdischen Viertel, der Eingang befindet sich beim „Burnt House“. Dort gehen Sie am besten in den ersten Stock des Selbstbedienungsrestaurants (ausgezeichnete Küche!). Von dort haben Sie einen wunderbaren Blick auf die Westmauer, die Moscheen und den Ölberg im Hintergrund.

Ein Tipp zur Grabeskirche: Suchen Sie diese in den späten Nachmittagsstunden auf. Dann sind bereits viele Touristen auf dem Weg zurück in ihre Hotels und Sie können auch die besondere Zeremonie verfolgen, wenn Wajeeh Nusseibeh, ein Moslem, die Tür der Grabeskirche nach einem vorgeschriebenen Ritual versperrt. Wenn Sie ein Frühaufsteher sind, dann lohnt sich der Besuch des Gotteshauses, in dem sechs Konfessionen beheimatet sind, an Sonntagen zwischen 5.30 und 8 Uhr. Dann erleben Sie die Kirche beinahe ohne Touristen und liturgisch belebt. Zeitgleich feiern die Griechen, die Franziskaner, auch die Armenier, die Kopten und die Syrer ihre heiligen Messen. Nur die orthodoxen Äthiopier leben und feiern abgesondert am Dach der Kirche. Auf jeden Fall erleben Sie am Heiligen Grab eine kirchliche Vielfalt, die ihre Einheit in Christus sucht. Kritiker sagen freilich, nirgends sei die Zerrissenheit der Christenheit so augenscheinlich wie gerade an diesem Ort.

Ins Programm jedes Israel-Reisenden gehört die Holocaust-Memorialstätte Yad Vashem. Gerade als Österreicher oder Deutscher ist es wichtig, diesen Ort der Erinnerung zu besuchen, um das heutige Israel mit seinen Sicherheitsbedürfnissen besser verstehen zu können. Es geht aber auch darum, anzuerkennen, dass die Shoa nicht nur ein Teil der jüdischen Geschichte, sondern sehr wohl auch einer der mitteleuropäischen ist. In Yad Vashem erfährt man, was in den Schulen hierzulande lange Zeit verschwiegen wurde: die Dimension und die Brutalität der Judenverfolgung. Man sollte das Museum, die „Allee der Gerechten“, das Kindermemorial und die Halle mit der ewigen Flamme sehen. Auch ein Blick in die modern gestaltete Synagoge lohnt sich. Für Kinder unter 15 Jahren ist der Besuch allerdings nicht empfehlenswert.

Sehenswert ist das Israel-Museum in Jerusalem. Im Freigelände befindet sich ein Modell der Stadt zur Zeit Jesu im Maßstab 1:50. In der Nähe ist der „Schrein des Buches“, in dem die Rollen von Qumran gezeigt werden. Dort bekommen Sie einen guten Einblick in das Leben der Essener-Gemeinde. Vorbei am Skulpturengarten – dort stehen Werke von Auguste Rodin – sollte man sich auch Zeit für das Hauptgebäude des Museums nehmen. Dort ist vor allem die archäologische Abteilung (Unterabteilung Zeitenwende) sehenswert. Schon die Präsentation der Exponate – ganz ohne Schutzglas – fällt positiv auf. Dort sind der Sarkophag von Herodes dem Großen, Zöpfe und Sandalen eines Mädchens aus Masada und ein Ossuarium, das die Knochen von Joseph bar Kajaphas beinhaltet hat, ausgestellt. Kajaphas war der Hohepriester und jüdische Ankläger im Prozess gegen Jesus. Damit werden biblische Ereignisse unmittelbar erlebbar. Neben dem Ossuarium liegt ein 11,8 Zentimeter langer Nagel aus der Zeit Jesu. Er ist der einzige archäologische Beweis für Kreuzigung durch Annagelung. Wenn man vor diesem Exponat steht, kann man ermessen, welche Schmerzen Gekreuzigte bis zum Eintritt ihres Todes erlitten haben.

Reisen hat für viele Menschen auch mit Lebensfreude und Genuss zu tun. Deshalb empfehle ich Ihnen den Markt Mahane Yehuda in der jüdischen Neustadt (leicht mit der Straßenbahn erreichbar). Bei orientalischen Snacks und einem süffigen „Alexander“-Bier bekommen Sie den Kopf frei, sollten Ihnen die archäologischen, politischen und religiösen Informationen zu viel geworden sein. Mahane Yehuda ist ein Ort, an dem man in das Alltagsleben der Israelis eintauchen kann.

Fahren Sie auch ans Tote Meer, das Gefühl der Schwerelosigkeit im Wasser ist einzigartig. Bedenken Sie: „Wildes“ Baden ist zwar nicht verboten, sie werden es aber bitter bereuen, wenn Sie sich nach dem Bad im Salzwasser (ca. 32 Prozent Salzgehalt) nicht mit Süßwasser duschen können. Zudem sei vor Spaziergängen in „closed areas“ gewarnt. Es könnte sich unter Ihren Füßen ein „sink hole“ auftun, eine mehrere Meter tiefe Erdhöhle, die nur oberflächlich von Erde bedeckt ist. Völlig ungefährlich und wunderschön ist hingegen der Besuch des Nationalparks von Ein Gedi. Dort können Sie auf gesicherten Pfaden durch die Judäische Wüste wandern. Dabei werden Sie überrascht sein, wenn Sie inmitten der kahlen Landschaft Wasserfälle sehen, in deren Nähe sich fast immer Klippdachse – ähnlich unseren Murmeltieren – tummeln. Mit ein wenig Glück sieht man auch Steinböcke.

Wer religiös interessiert ist, sollte am See Gennesaret die christlichen heiligen Stätten besuchen: die aus byzantinischer Zeit stammenden Mosaike von Tabgha, die an die Speisung der 4000 beziehungsweise 5000 Menschen erinnern, Kapernaum, das Zentrum jesuanischen Wirkens, und die Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen, die inmitten einer wunderbar gepflegten Gartenanlage liegt. Neben den historischen Stätten sollte man sich auch noch für die Landschaft und die Natur Zeit nehmen. Es empfiehlt sich ein leichter 20-minütiger Spaziergang von den Seligpreisungen hinunter zum See. Dabei kann man ein Gespür dafür entwickeln, wie die Menschen vor 2000 Jahren gelebt haben. Um sich in die Zeit Jesu zurückzuversetzen, ist es zudem hilfreich, Texte aus dem Neuen Testament zu lesen. Gleichnisse wie jenes vom Senfkorn, das in die Erde fällt und tausendfache Frucht bringt, oder jenes vom Schaf, das verloren geht, oder jenes vom Sturm am See ermöglichen es Ihnen, sich der faszinierenden Person Jesus von Nazareth anzunähern.

Ein Ort, der besonders für Österreicher von Bedeutung ist, ist die Küstenstadt Akko, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Der Legende nach sollen hier während des Dritten Kreuzzugs die Nationalfarben Rot-Weiß-Rot entstanden sein. Auch wenn das historisch nicht belegt ist, so ist Akko als die schönste und besterhaltene Kreuzfahrerstadt des gesamten Orients doch einen Besuch wert.

Wenn Sie an Bauhaus-Architektur interessiert sind, dann sind Sie in Tel Aviv richtig. Tel Aviv, „Hügel des Frühlings“, ist eine pulsierende Großstadt, die an London oder Frankfurt erinnert. Es gibt nicht viel zu besichtigen, dafür umso mehr zu erleben, bevorzugt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Sie können am frühen Abend bei einem Bummel durch das pittoreske Jaffa am Hafen einen Aperitif zu sich nehmen, dann in einem der ausgezeichneten, aber auch hochpreisigen Restaurants ein Abendessen genießen und sich schließlich bis in den Morgen in diversen Bars und Clubs vergnügen. Vorausgesetzt, man kann sich das leisten.

SPRECHEN SIE JIDDISCH, HEBRÄISCH ODER ARABISCH?

NEIN? DOCH! Sie werden sich wundern, wie viele Ausdrücke und Redewendungen Ihnen vertraut sind. Wie gut Ihr Hebräisch beziehungsweise Jiddisch ist, zeigt Ihnen folgender Text:

In einem Beisl treffen sich zwei ausgekochte Typen. Über dem einen schwebt der Pleitegeier und er ist schon ziemlich geschlaucht, weil seine Mischpoche (Verwandtschaft) den Kies (Geld), den sie ihm vorgestreckt hat, wiederhaben will. Deswegen macht diese auch einen ziemlichen Pahöll (Aufregung):

Der Onkel habe mit ihm sogar schonTachelesgeredet – es sei alles ein einzigesTohuwabohu. Und das mit demMalochen(Arbeiten) sei nicht so seins, er überlege vielmehr, mit seinerSchickseabzuhauen. Worauf sein Freund sagt: „Red net so einen Kohl. Ich habe ein paarEzzes(Ratschläge) für dich: Da gibt es in einemKaff, gar nicht weit von hier, einen sehr betuchtenHaberer. Man muss aufpassen, denn er ist ein bisserlmeschugge(verrückt) – aber bei demmachst einen Bruch(Einbruch) und ich stehe dirSchmiere. Mit einem bisserl einemMassel(Glück) kannst du einen richtig gutenReibach(Gewinn, Beute) machen. Dann ist deineSaure-Gurken-Zeitvorbei.Halleluja, ich wünsch DirHals- und Beinbruch. Pass aber auf, sonst geht’s für uns beide in denKnast. Und das wäre nicht sodufte.

Zunächst waren es die Beschäftigung mit den Texten der Bibel, die zahlreiche Termini aus dem Hebräischen über das Lateinische ins Deutsche einfließen ließ. Dazu gehören Ausdrücke wie Amen, Halleluja, Hosanna, Jubel, aber auch Messias. Durch die Juden, die im Mittelalter in ihrer Alltäglichkeit nicht mehr das „heilige Hebräisch“, sondern Jiddisch sprachen, kam es schließlich zu einer deutlichen Beeinflussung des Deutschen. Die jiddische Mischsprache aus dem Mittelhochdeutschen, dem Hebräischen und dem Slawischen entwickelte sich nach 1350 in Osteuropa. Dorthin waren viele Juden geflohen, nachdem sie in Westeuropa beschuldigt worden waren, mit der Pest die christliche Bevölkerung ausrotten zu wollen. Die einzige Gruppe in Israel, die bis heute kein Neuhebräisch spricht, sondern immer noch „jiddelt“, sind die aschkenasischen Juden aus Osteuropa. Sie halten an dem Jiddischen ihrer Vorväter, das sie allerdings in hebräischen Buchstaben schreiben, fest.

Den meisten Reisenden sind einige Ausdrücke aus dem Jiddischen vertraut. Dass auch viele Lehnwörter aus dem Arabischen stammen, erstaunt sie aber sehr. Diese sind vor allem durch die Kreuzfahrer ins Deutsche übernommen worden. Aber schon früher hatte es durch die Eroberung Spaniens (711) und Siziliens (827) eine Beeinflussung der europäischen Sprachen durch das Arabische gegeben. Am folgenden Textbeispiel wird ersichtlich, wie viele Wörter aus dem Arabischen entlehnt wurden.

Ahmed war ein einfacher Seemann, aber er legte Wert darauf, immer gut gekleidet zu sein. Seine blaueJackewar leicht mitWattegefüttert, seineMützesaß perfekt. So, wie er sich präsentierte, hätte man meinen können, er sei einAdmiral. Tatsächlich aber war er ein armer Schlucker, der sich in den Häfen mit den Touristen ein Zubrot verdiente, wenn sie ihn baten, sich vor einemKamelzu präsentieren. Dann zückten sie ihreKameras. Zwischen Ahmet und den Touristen stimmte einfach dieChemie. In ihm sahen sie den typischen Vertreter der arabischenRasse. Er mochte die Fremden auch, auch wenn er als frommerMuslimnicht verstehen konnte, dass sie immerAlkohol