Jerry Cotton 2118 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 2118 E-Book

Jerry Cotton

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Zehn große Schatten, Schatten von unheildrohenden Kolossen in der kleinen Hütte, irgendwo im chinesischen Riesenreich. Pranken rissen die Kinder erbarmungslos von ihren Schlaflagern. Die Eltern schrien, Fäuste erstickten ihre Stimmen und lodernde Fackeln zündeten die Hütten an. Die Kinder aber traten eine große Reise an - nach New York, Chinatown, in den Tod ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 131

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Die Kinder von Chinatown

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Johnny Cris

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-1197-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Die Kinder von Chinatown

Sie kamen aus der Dunkelheit.

Zehn große Schatten, Waffen in den Händen.

Wu Han schreckte aus dem Schlaf, als das Knattern ihrer Maschinenpistolen die Stille der Nacht zerriss.

Angstschweiß trat auf die Stirn des Jungen und er sprang schreiend aus dem Bett, wollte seine Eltern suchen.

Er fand sie. Mit über den Köpfen verschränkten Armen lagen sie auf dem Boden des Wohnraums, über ihnen einer der grässlichen Schatten.

»Du kommst mit!«, befahl der Koloss, als er Wu Han erblickte.

»Nein!«, hörte der Junge seine Mutter schreien. »Nicht meinen Sohn!«

Aber der große Schatten kannte kein Erbarmen.

Im nächsten Augenblick hatte er Wu Han gepackt, ihn mit brutaler Gewalt an sich gerissen und schleppte ihn davon …

»Nein!«

Wu Hans Vater sprang auf, seine von der Arbeit zerschundenen Händen zu Fäusten geballt. Er schrie aus Leibeskräften, während er dem Hünen nachsetzte.

»Vater, Hilfe! Hilf m …«

Der Schrei des Jungen verstummte, als ihm der Koloss seine riesige Hand auf den Mund presste.

Im nächsten Moment hatte Wu Hans Vater den Schatten erreicht. Er sprang ihn an wie ein Raubtier, begann, mit beiden Fäusten auf ihn einzuhämmern.

Der große Schatten lachte nur.

Mit einer einzigen Bewegung schüttelte er den Angreifer von sich, während sein linker Arm weiterhin das Kind umklammert hielt.

Dann zuckte seine Rechte hoch, mit der er die Maschinenpistole hielt.

Der Kolben der Waffe traf Wu Hans Vater am Kopf, ließ ihn zurücktaumeln.

»Nein!«, schrie der Junge, als er sah, wie sein Vater mit blutender Kopfwunde zusammenbrach.

Seine Mutter stürzte aus dem Haus, warf sich weinend über ihren Mann, den Schatten verzweifelt anbettelnd und anflehend.

Doch der Koloss lachte nur, sagte dann etwas in einer fremden Sprache.

Danach rief er seinen Kumpanen, die die Kinder aus den anderen Hütten geraubt hatten, etwas zu und alle brachen in dieses grässliche Gelächter aus.

Einige von ihnen hielten lodernde Fackeln in ihren Händen, legten nun Feuer an das Stroh der Hüttendächer.

Binnen Sekunden stand das Dorf in Flammen. Sengendes Feuer verzehrte die Häuser und den wenigen Besitz, den seine Bewohner zusammengetragen hatten, ließ sie in Elend und Verzweiflung zurück.

Trotzdem leistete niemand Widerstand – jeder wusste, wer die Schatten waren und wer sie geschickt hatte. Furcht hielt die Herzen der Dorfbewohner umklammert.

Die Söldner lachten nur, während sie die entführten Kinder auf ihre breiten Schultern luden und in die Dunkelheit davontrugen.

Wu Han blickte zurück, sah den gleitenden Feuerschein, der sich in seinen tränennassen Augen spiegelte.

Und er hörte das Wehklagen seiner Eltern, bis es in der Finsternis verklang.

***

Es war 6 Uhr morgens gewesen, als mich der Anruf der Telefonzentrale ereilt hatte.

Sofort hatte ich Phil Decker, meinen Freund und Partner, verständigt und ihn an unserer gewohnten Ecke abgeholt. Danach waren wir zum Hafen gefahren, wo sich in der Nacht offenbar ein grausames Verbrechen ereignet hatte.

»Verdammt, Jerry«, raunte Phil mir zu, während wir auf die ölig glatte Wasserfläche des Überlaufbeckens starrten.

Die Sonne war soeben erst aufgegangen und schickte ihre ersten, zaghaften Strahlen über die Skyline von Brooklyn, das sich jenseits des East River mit seinen grauen Häusermassen abzeichnete.

Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass es ein schöner Tag werden würde. Düstere Wolken ballten sich am Himmel zusammen. Aber nicht nur die vermiesten mir die Laune.

»Woher kam der Hinweis?«, fragte Phil, während wir zusahen, wie die Froschmänner der Hafenpolizei in das Überlaufbecken stiegen und langsam abtauchten. Eine Spur blubbernder Luftblasen verriet ihren Weg unter Wasser.

»Ein Hafenarbeiter hat einen Fetzen eines Kleides gefunden«, gab ich zurück. »Daraufhin ist er zum Becken gegangen und glaubte, einen Augenblick lang etwas erkannt zu haben.«

»Verstehe«, erklärte Phil. »Hoffen wir, dass er sich geirrt hat.«

Wieder starrten wir auf die ölige Wasseroberfläche im Becken, an die Stelle, wo gurgelnd die Blasen aufstiegen.

Dann, plötzlich, zeichneten sich die Umrisse der Taucher in der Tiefe ab.

»Sie kommen hoch«, kommentierte Phil und warf mir einen erwartungsvollen Blick zu.

Nun würde sich zeigen, ob sich unsere Befürchtungen bestätigten oder nicht.

Die Froschmänner tauchten auf.

Ich sah, wie sich ihre Konturen aus dem dunklen Grund des Beckens hoben – und auch, dass sie etwas bei sich trugen.

Etwas, das aussah wie …

»Verdammt«, brummte Phil, der es im gleichen Moment erkannte.

Dann waren die Froschmänner aufgetaucht.

Vorsichtig stiegen sie an Land, hoben ihren grausigen Fund aus dem Wasser und betteten ihn auf den nackten Asphalt – fast sanft, mit unverhohlener Betroffenheit.

Sofort traten die Beamten der Spurensicherung vor, um ihre Arbeit aufzunehmen und auch Phil und ich mussten uns nun davon überzeugen, dass sich der grausige Verdacht des alten Hafenarbeiters bestätigte.

Was die Froschmänner aus dem Überlaufbecken geborgen hatten, war die Leiche eines kleinen Mädchens, das vielleicht zehn Jahre alt sein mochte.

Man hatte dem Kind einen Bleigürtel um den Leib geschnürt und es dann einfach in den Fluss geworfen. Der Zustand der Leiche verriet, dass sie noch nicht lange im Wasser gelegen hatte – die grausame Tat war also erst vor kurzem begangen worden …

Ich ballte meine Fäuste beim Anblick des leblosen kleinen Körpers und ich fühlte, wie Phil sich verkrampfte.

»Wer immer das getan hat«, sagte er, während das Blitzlicht eines Fotografen, der Aufnahmen für die Beweisaufnahme machte, die Morgendämmerung flackernd erhellte, »er wird dafür bezahlen!«

***

Es bestand kein Zweifel daran, dass Helen den besten Kaffee der Welt kochte, aber an diesem Morgen schmeckte selbst er bitter und schal, so kam es mir vor.

»Wo befindet sich die Leiche jetzt?«, erkundigte sich Mr. High, nachdem seine Sekretärin das Büro wieder verlassen hatte.

»Im Labor, Sir«, gab ich zurück. »Der Pathologe führt bereits eine Obduktion der Leiche durch – es besteht Grund zu der Annahme, dass der Tod nicht durch Ertrinken eingetreten ist.«

Mr. High nickte. Er warf uns düstere Blicke über seinen Schreibtisch zu.

Natürlich haben wir jeden Tag mit Gewaltverbrechen der übelsten Sorte zu tun und natürlich hat jeder von uns im Lauf seiner Dienstzeit Schutzmechanismen gegen das alltägliche Grauen entwickelt – aber es gibt Fälle, in denen dieser Selbstschutz versagt …

»Der dritte Kindermord innerhalb von vierzehn Tagen«, resümierte Mr. High. »Einer drüben in Jersey, einer auf Long Island. Und immer noch keine konkrete Spur.«

»Nun ja – immerhin gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen den Opfern«, erklärte Phil. »Alle Kinder, die gefunden wurden, waren asiatischer Herkunft. Chinesen. Bei den anderen beiden Mordopfern konnten wir bislang weder den Namen noch die genaue Herkunft ermitteln – und ich möchte wetten, dass es uns bei dem Mädchen genauso ergeht.«

»Außerdem …«, wollte ich hinzufügen, als ich durch das Klingeln von Mr. Highs Telefon unterbrochen wurde.

»Entschuldigen Sie«, sagte er und nahm den Hörer ab.

Einige Augenblicke lang lauschte er, während seine Züge zunehmend versteinerten. Dann legte er wieder auf.

»Das war das Labor«, berichtete er uns mit einer Stimme, die nicht ganz so ruhig und beherrscht klang wie sonst. »Sie hatten Recht mit Ihrer Vermutung, Jerry – das Mädchen ist tatsächlich nicht ertrunken. Die Pathologie hat Spuren sexueller Gewalteinwirkung gefunden, die zu erheblichen inneren Verletzungen geführt haben – das arme Kind ist einfach verblutet. Sonst keine weiteren Spuren, der Täter war verdammt vorsichtig.«

»Verdammt«, presste Phil hervor und ich sah, wie sich seine Finger in die Armlehne des Besuchersessels krallten.

»Ich empfinde ebenso wie Sie, Jerry und Phil, glauben Sie mir«, versicherte Mr. High. »Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, dass wir keine Rachefeldzüge führen. Aber wir müssen den Täter so schnell wie möglich fassen, ehe noch mehr unschuldige Kinder sterben.«

»Wir haben bereits einen ersten Hinweis, Sir«, kam ich auf das zurück, was ich vor dem Anruf des Labors hatte sagen wollen.

»Ja?« Mr. High hob erstaunt die Brauen.

»Nun«, sagte ich nachdenklich, »es ist noch keine konkrete Spur, aber immerhin ein Anhaltspunkt. Die Kleidungsstücke, die die Kinder trugen, stammen in allen drei Fällen aus Chinatown. Ein Großhändler namens Lao Fei importiert sie aus China, der Stempel seiner Firma befand sich in allen Kleidungstücken.«

Mr. High nickte. »Beginnen Sie dort mit Ihren Ermittlungen, Jerry und Phil. Ich werde unterdessen einen unserer Psychologen auf den Fall ansetzen und das Verhaltensmuster des Täters analysieren lassen – sollten wir es mit einem Serienkiller zu tun haben, ist äußerste Vorsicht geboten. Drei Leichen wurden gefunden – wer weiß, wie viele Opfer es noch gibt, von denen wir nichts wissen.«

»Keine Sorge, Sir«, versicherte Phil, während wir uns aus unseren Sesseln erhoben. »Wir finden den Kerl und fassen ihn.«

»Falls es überhaupt nur einer ist«, gab ich zu bedenken.

»Wieso, Jerry? Was meinen Sie?«

»Nun, ich weiß nicht, Sir«, entgegnete ich nachdenklich, »es ist nur so ein Gefühl – aber ich denke, wir haben erst die Spitze des Eisbergs gesehen …«

***

Donner grollte, als die metallenen Türen des Containers zugeschlagen wurden.

Das Sonnenlicht, das soeben noch in grellen Strahlen hereinflutete, war plötzlich ausgeschlossen und es war stockdunkel. Zurück blieb nur die sengende Hitze, die den Aufenthalt im Container zur Qual machte.

Es war feucht, heiß und stickig.

Die Kinder wimmerten, während sie sich angstvoll aneinander drängten, ohne sich dabei sehen zu können.

Wu Han kauerte in der hintersten Ecke.

Er war als einer der Ersten von den Schatten gepackt und hereingestoßen worden. Dann hatte der große Metallkasten auch alle seine Freunde verschluckt, die Kinder aus dem Dorf und schließlich noch viele andere, die Wu Han nicht kannte.

Sie alle fürchteten sich und wollten zurück zu ihren Eltern – doch wann immer sie die Schatten darum baten, lachten die Männer nur und erwiderten etwas in ihrer eigenen, schrecklichen Sprache.

Wu Han wurde von Krämpfen geschüttelt, während er bitter weinte. Man hatte ihn von der Seite seiner Eltern weggerissen und in ein dunkles Loch gepfercht. Angst war alles, das ihm geblieben war.

Angst vor den Schatten.

Angst vor dem, was sie ihm antun würden.

Angst, seine Eltern nie mehr wieder zu sehen.

Die Kinder schrieen auf, als der Container plötzlich zu schwanken begann und ein brummendes, durchdringendes Geräusch in ihren Ohren hallte.

Der Container schien von irgendetwas hochgehoben und durch die Luft getragen zu werden. Dann durchlief ein dumpfer Schlag den Kasten und das Schwanken hörte auf.

»Was macht ihr mit uns?«

»Ich will nach Hause!«

»Bitte, lasst uns frei!«

Wu Han beteiligte sich nicht an den Hilferufen der Anderen.

Er wusste, dass niemand sie hörte und dass alles Rufen vergeblich war.

Er selbst hatte gesehen, wie die großen Schatten seinen Vater zusammengeschlagen hatten und er wusste, dass sie nicht zu besiegen waren.

Von niemandem.

***

›Dragon Imports Inc.‹ stand auf der rostigen Metalltafel, die über dem Eingang des Geschäftshauses in der White Street hing. Darunter hing ein zweites Schild aus Holz, das den Namen der Firma in chinesischen Schriftzeichen abbildete.

Ich betätigte die Glocke, die neben dem Türsturz angebracht war und erntete ein eigenartiges Bimmeln, das irgendwie fernöstlich anmutete.

»Hübsch«, kommentierte Phil tonlos.

Dann öffnete sich auch schon die Tür einen Spaltbreit und das Gesicht eines hageren Asiaten erschien.

»Ja?«

»Guten Tag«, sagte ich, während wir bereits in die Innentaschen unserer Jacketts griffen und unsere Dienstausweise hervorholten. »Mein Name ist Cotton – Special Agent Cotton vom FBI. Das hier ist mein Partner, Special Agent Decker.«

Der Chinese grunzte unwillig, nahm unsere Marken genau in Augenschein und betrachtete dann uns.

»Was kann ich für Sie tun, meine Herren?«

»Wir würden gern Mr. Lao Fei sprechen«, erklärte Phil. »Ist er hier?«

»Haben Sie denn einen Termin?«

»Nein, wir haben keinen Termin«, gestand Phil, »aber ich denke, dass Ihr Chef uns trotzdem einen kleinen Teil seiner kostbaren Zeit opfern wird.«

»Da wäre ich mir nicht so sicher.« Der Türsteher – ein Mann mittleren Alters, dessen Akzent darauf schließen ließ, dass er noch nicht lange in den Staaten weilte – schnitt eine bissige Grimasse. »Ich würde vorschlagen, Sie rufen zuerst an und lassen sich einen Termin geben wie jeder andere auch.«

Mir riss der Geduldsfaden.

»Hören Sie, Freundchen«, sagte ich leise, während ich meinen Fuß zwischen Tür und Angel schob. »Wir sind nicht zum Vergnügen hier, sondern ermitteln in einer Mordsache. Wenn Sie uns nicht augenblicklich durchlassen und bei Ihrem Chef anmelden, könnte es sein, dass ich einfach mal so Ihre Aufenthaltspapiere sehen will, verstehen Sie?«

Der Chinese verstand.

Sein Gesicht wurde merklich blasser und der hochmütige Ausdruck, der soeben noch seine Züge gezeichnet hatte, verschwand.

»Bitte«, sagte er, als er die Tür öffnete und sich in fernöstlicher Höflichkeit vor uns verbeugte. »Mein Name ist Chao Ling. Ich bin Mr. Feis persönlicher Assistent und Sekretär. Ich werde ihm unverzüglich mitteilen, dass Sie ihn zu sprechen wünschen.«

»Sehr freundlich«, meinte Phil mürrisch. »Vielen Dank auch.«

Der Sekretär warf uns noch ein paar verunsicherte Blicke zu, dann flüchtete er sich zum Ende des Korridors, wo er in einen alten Aufzug stieg, der ihn knarzend nach oben trug.

Wenige Minuten später kehrte er zurück und ich hatte den Eindruck, dass sich seine Gesichtshaut noch mehr verfärbt hatte.

»Mr. Fei erwartet Sie jetzt«, verkündete er verheißungsvoll und geleitete uns zum Aufzug, der uns daraufhin ins Dachgeschoss des Gebäudes brachte.

Im obersten Stockwerk hielt der Lift, wir traten heraus und blickten uns um – und waren beeindruckt.

Denn das Äußere des alten Gebäudes in der White Street ließ in keiner Weise auf die inneren Werte schließen, die sich nun vor unseren Augen zeigten.

Das Dachgeschoss der Dragon Imports Inc. glich mehr einem Museum als einem Handelsbüro.

Die Wände ringsum waren mit Regalen und Vitrinen voll gestopft, in denen kunstvoll gefertigte Figuren und Artefakte aufgereiht standen, die meisten von ihnen mit Gold verziert.

Kleine Buddha-Statuen fanden sich darunter ebenso wie Darstellungen verschiedener Glücks- und Familiengötter, von denen Chinesen ganze Heerscharen verehren. Dazwischen lagen Papierrollen und alte Bücher und über allem lag der süßliche Duft von Rauchstäbchen, wie sie bei festlichen Zeremonien abgebrannt werden.

»Gefällt Ihnen meine Sammlung?«, erkundigte sich eine hohe, singende Stimme und erst jetzt nahm ich bewusst den Mann wahr, der inmitten all dieser Schätze an einem Schreibtisch saß und uns unverwandt musterte.

»Ich bin beeindruckt«, gestand ich, vom Prunk des zur Schau gestellten Besitzes gleichermaßen überrascht wie von seiner Exotik. »Aber deswegen bin ich eigentlich nicht hier. Mein Name ist Jerry Cotton, Mr. Fei. Das hier ist …«

»Ich weiß, wer Sie sind«, unterbrach mich der Chinese und winkte uns zu sich heran. »Kommen Sie näher, Gentlemen – so spricht es sich leichter übers Geschäft.«

»Um Geschäfte geht es uns eigentlich nicht, Sir«, gestand ich, während wir auf den Firmenchef zutraten und seine Züge genauer erkennbar wurden.

Lao Fei war ein Chinese, wie er im Buche stand – er hätte in jedem Kung Fu-Film den Bösewicht mimen können.

Trotz seines kleinen Wuchses wirkte er zäh und drahtig, sein schwarzes Haar war lang und wallte über seine Schultern, er hatte auch einen langen Spitzbart.

Das funkelnde Augenpaar, das uns aus dieser Umrahmung entgegenblickte, verriet unverhohlene Abneigung.

»Wir ermitteln in drei Mordfällen«, erklärte ich und kam damit zur Sache, »und dazu würden wir Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.«

»So?« Fei hob seine schwarzen Brauen, dann lehnte er sich in seinem Ledersessel zurück. »Aus welchem Grund? Halten Sie mich für den Täter?«

»Es gibt da ein paar Dinge, die wir gern von Ihnen geklärt hätten.«

»Und die wären?«

»Kennen Sie diese Kinder?«, fragte ich und legte dem Geschäftsmann drei Fotos vor. Sie zeigten die Opfer der schrecklichen Mordserie – das Mädchen, das am Morgen im Fluss gefunden worden war, den Jungen, dessen leblosen Körper man vor zwei Wochen auf einer Mülldeponie in Jersey City gefunden hatte und der andere Junge, der vor der Küste von Long Island an Land getrieben worden war.

»Bei allen Göttern!« Der Chinese tat entsetzt, als er die Fotos in Augenschein nahm. »Wer, in aller Welt, tut so was?«

»Um das herauszufinden, sind wir hier, Mr. Fei«, erklärte ich.

»Was wollen Sie wissen?«