Jerry Cotton 3349 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton 3349 E-Book

Jerry Cotton

0,0
1,49 €

Beschreibung

Die Männer des Drogenbarons Zack Jordan, den das FBI seit geraumer Zeit im Visier hatte, übernahmen von zwei Vertretern eines kolumbianischen Kartells Kokain im Wert von 800 000 Dollar. Wir hatten von dem Geschäft Wind bekommen und lagen auf der Lauer. Doch bevor wir zuschlagen konnten, tauchten zwei Männer auf - ganz offensichtlich als Polizisten verkleidet - und kassierten sowohl das Geld als auch die Ware. Jordan schäumte vor Wut und setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um herauszufinden, wer die falschen Cops waren. Für Phil und meine Kollegen begann damit ein Wettlauf gegen die Zeit, denn wir mussten nicht nur das Diebesgut sichern, sondern vor allem ein Blutbad verhindern!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 139

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Copy Cops

Vorschau

Impressum

Copy Cops

Wir trugen Headsets.

»Sie kommen, Jerry«, flüsterte Zeerookah mir ins Ohr.

»Wie viele sind es, Zeery?«, erkundigte ich mich.

»Zwei.«

»Okay.« Ich wandte mich an Phil und Steve, die mit mir auf der Lauer lagen. »Habt ihr's mitgekriegt?«

»Alles klar«, meldeten die beiden.

»Zugriff erfolgt auf mein Kommando«, sagte ich.

»Das wird 'ne leichte Übung«, versetzte Steve Dillaggio.

Aber er sollte sich irren. Und zwar gewaltig ...

Lorraine hatte vier Kinder von vier verschiedenen Männern – und zwischendurch, wenn sie nicht schwanger war, ging sie auf den Strich.

Natürlich illegal.

Seit ich ihr vor einem Jahr das Leben gerettet hatte, fühlte sie sich mir zu ewigem Dank verpflichtet und ließ mir immer wieder Informationen zukommen, die kein anderer FBI Agent von ihr zu hören bekommen hätte.

Sie hatte – damals – einen Tablettenmix mit zu viel Whisky heruntergespült, und das war ihr nicht bekommen. Als ich an ihre Tür klopfte, um mit ihr über einen Ganoven, den sie kannte, zu reden, hatte sie dem Tod bereits die Hand gegeben, und ich hatte Mühe, die beiden im allerletzten Augenblick noch voneinander zu trennen. Man pumpte ihr den Magen aus und entgiftete ihr Blut. Sie war wieder auf die Beine gekommen, und seitdem hatte ich bei ihr als einziger G-man einen dicken, großen Stein im Brett.

Ihr Anruf hatte mich heute exakt um elf Uhr fünfzehn erreicht. »He, Mister G-man.«

»Hallo, Lorraine. Wie geht's?«

»Hab mich von meiner Brut getrennt.«

»Soll heißen?«

»Ich habe die Kids zur Adoption freigegeben. War besser so. Für uns alle. Ich bin eine Rabenmutter. Habe mich viel zu wenig um sie gekümmert. Sie wären verwahrlost, wenn ich sie behalten hätte. Von nun an werden sie ein schönes, geregeltes Leben haben ... Spendierst du mir ein belegtes Fladenbrot bei Mustafa?«

»Bist du so knapp bei Kasse?«

»Ich hab mal wieder was für dich.«

Wir aßen eine Stunde später in der 46th Street West in Mustafa Efrens Restaurant Ankara zwei riesige, reichlich mit Hühnerfleisch, Mozzarella und Oliven belegte köstlich schmeckende Fladenbrote.

Man sah Lorraine Johnson ihren Job nicht an. Offiziell kaufte und verkaufte sie Waren aller Art im Internet. Aber man konnte sie auch »buchen«.

Sie sah fantastisch aus, hatte langes rotes Haar, eine Traumfigur und das glatte Gesicht eines Teenagers, obwohl sie auf die dreißig zuging.

Ihr fliederfarbenes Kostüm war von Donatella Versace – garantiert aus keinem Secondhandshop –, und an jedem ihrer Finger glänzte, glitzerte und funkelte ein teurer Ring. Nach dem Essen erzählte sie mir von einer Party, zu der man sie »eingeladen« hatte. Ich fragte sie lieber nicht, zu welchem Zweck. Gastgeber war Zack Jordan gewesen. Ein aalglatter Drogenbaron, den das FBI seit geraumer Zeit im Visier hatte.

»Als ich mal für kleine Mädchen musste, habe ich zufällig ein Telefongespräch mitbekommen«, berichtete Lorraine. Sie schmunzelte. »Wenn Zack Jordan wüsste, dass ich ihn belauscht habe und jetzt mit dir hier sitze ...« Sie wedelte mit der Hand, als hätte sie sich die Finger verbrannt.

»Mit wem hat er telefoniert?«

»Mit jemandem vom kolumbianischen Kartell.«

»Worum ging es?«

»Um Kokain im Wert von achthunderttausend Dollar.«

Ich pfiff leise durch die Zähne.

»Jordans Leute werden die Lieferung heute übernehmen.«

»Wann genau? Und wo?«

Lorraine sagte es mir, und sobald ich wieder im FBI Field Office an der Federal Plaza war, klemmte ich mir meinen Partner unter den Arm und ging mit ihm zu unserem Chef.

Helen, seine attraktive Sekretärin – es gab niemanden im ganzen Haus, der sie nicht in sein Herz geschlossen hatte –, sah mich an und stellte fest: »Du siehst aus, als gäbe es etwas zu feiern, Jerry.«

»Jetzt noch nicht«, sagte ich. »Aber bald.« Hoffentlich, ergänzte ich insgeheim.

Sie verwöhnte uns mit einer unübertrefflichen Kaffeekreation, während ich unserem Chef berichtete, was ich von Lorraine Johnson erfahren hatte.

»Okay, Jerry«, hatte Mr. High erwidert, nachdem ich geendet hatte. »Ich möchte, dass Sie, Phil, Zeerookah und Steve sich um die Sache kümmern.«

Das war die Vorgeschichte.

Und jetzt lagen wir auf der Lauer. Es war später Abend. Uns gegenüber glänzte Manhattan im gewohnt verschwenderischen Lichterglanz.

Die imposante Skyline spiegelte sich auf dem breiten East River, und Phil, Zeerookah und Steve Dillaggio warteten gespannt auf mein Startkommando.

»Ich habe gehört, du machst mit Tommys Mieze rum«, sagte Dominic Atwell. Er saß am Steuer des schwarzen Chevrolet und wartete mit seinem Kumpel Neal Cooper auf die Kolumbianer.

Cooper lutschte an einem dicken, runden Cannabislolli. »Von wem?«

»Darf ich dir einen gut gemeinten Rat geben?«, fragte Dominic Atwell.

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Ich weiß, was du mir raten möchtest ...«

»Und?«

Cooper nahm den Lolli aus dem Mund, öffnete das Fenster und warf ihn ins Wasser. »Ich bin nicht interessiert.«

»Mann, die Kleine tut dir nicht gut«, sagte Dominic Atwell eindringlich.

»Ich kümmere mich doch bloß ein bisschen um sie. Sie ist sehr einsam, seit Tommy im Knast sitzt.«

»Er wird davon erfahren. Und es wird ihm nicht gefallen. Du kennst ihn. Du weißt, wie eifersüchtig er ist.«

»Ich mache ganz bestimmt nichts an ihr kaputt. Er bekommt sie genauso zurück, wie sie war, bevor man ihn eingelocht hat.«

»Wenn ich du wäre, würde ich die Finger von ihr lassen.«

Neal Cooper griente. »Du bist aber zum Glück nicht ich.«

»Tommy wird euch beide umlegen, wenn er rauskommt.«

Cooper zuckte unbekümmert mit den Schultern. »Bis dahin wird noch viel Wasser den East River hinunterfließen.«

Vor ihnen tauchte ein Scheinwerferpaar auf.

»Die Kolumbianer«, brummte Dominic Atwell.

Neal Cooper rümpfte die Nase. »Ich mag diese schmierigen Typen nicht.«

Atwell öffnete die Wagentür und stieg aus. »Du musst ja keinem von ihnen einen Heiratsantrag machen.«

Cooper verließ das Fahrzeug ebenfalls. Der Mercedes der Kolumbianer kam näher und blieb stehen.

»Den Geldkoffer, Neal«, sagte Dominic Atwell.

Cooper öffnete den Kofferraum und griff nach einem graugrünen Hartschalenkoffer. Die Kolumbianer stiegen zwar ebenfalls aus, waren jedoch nicht zu sehen, weil sie sich noch hinter dem hellen Licht der Scheinwerfer befanden.

Jetzt kamen sie nach vorn – ebenfalls mit einem Hartschalenkoffer.

»Buenas tardes, amigos«, grüßte Dominic Atwell übertrieben freundlich.

Aber es war kein guter Abend.

Bei Weitem nicht.

Umgeben von sehr viel schützendem Grün beobachtete ich unbemerkt den Koffertausch. Das war der Moment, auf den ich gewartet hatte. Jetzt sollte die Falle zuschnappen.

Doch es kam anders.

Als ich den Befehl zum Zugriff geben wollte, passierte etwas, womit keiner von uns rechnen konnte. Ein Streifenwagen raste quer durch die Botanik. Direkt auf die Gangster zu. Gras, Steinchen und Erde spritzten hoch. Es sah beinahe so aus, als wollten die Cops die Verbrecher über den Haufen fahren.

Das Polizeifahrzeug stoppte erst im allerletzten Augenblick. Zwei Cops sprangen heraus und brüllten Befehle, die die Kolumbianer und Zack Jordans Männer vermutlich einschüchtern sollten.

Schüsse fielen.

»Verdammt, Jerry«, wetterte Steve Dillaggio, »die verderben uns den ganzen Spaß!«

»Wer hat denn die Cops informiert?«, rief Zeerookah.

Ich befahl einzugreifen. Wir flitzten aus unseren Verstecken.

»FBI!«, brüllte Phil.

Und sogleich wurde das Chaos noch größer. Kugeln flogen uns um die Ohren. Ich stürmte nicht weiter vorwärts, sondern warf mich flach auf den Boden.

Im Fallen zog ich meine Glock und schoss zurück. Zwei Gangster-Projektile bohrten sich links von mir in den Boden. Ich rollte hastig nach rechts.

Der Mercedes der Kolumbianer raste mit aufheulendem Motor los. Auch Zack Jordans Leute machten sich aus dem Staub. Und um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, brauste auch noch der Streifenwagen mit Vollgas davon.

Ich sprang auf.

Steve Dillaggio erschien in meinem Blickfeld. »Verflucht, Jerry, was war das denn?«, schrie er komplett konfus.

»Scheiße!«, schimpfte Neal Cooper wütend gegen die Windschutzscheibe. »Kannst du mir das erklären, Dominic?«

»Nein, Neal, kann ich nicht.«

»Ich glaube, ich spinne.«

»Leider nicht.« Atwell drückte kräftig auf die Tube, umklammerte das Lenkrad mit festem Griff.

Cooper schlug auf das Armaturenbrett. »Verfluchter Drecksmist, wo kamen denn auf einmal die gottverdammten Cops her?«

»Frag mich was Leichteres, Neal.«

»Wieso wussten sie von diesem Treffen?«

»Ich hab's ihnen nicht gesteckt.«

»Ich werd nicht mehr«, tobte Neal Cooper. »Die Cops haben uns das Geld und den Kolumbianern den Stoff abgenommen. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wie konnte das passieren?«

»Sie haben uns und die Kolumbianer auf dem falschen Bein erwischt«, gab Dominic Atwell grimmig zurück. »Wir waren alle ein paar Sekunden lang gelähmt, und sie wussten das Überraschungsmoment perfekt auszunutzen.«

Neal Cooper schüttelte den Kopf. »Ich fasse es nicht, Dominic. Wir haben uns wie hirnlose Anfänger benommen. Zack wird uns in Stücke reißen.«

Dominic Atwell presste die Lippen fest zusammen und schwieg.

Es war geschossen worden. Wir entdeckten zwar keine Blutspuren, konnten aber dennoch nicht ausschließen, dass jemand getroffen worden war.

Phil, Zeerookah und Steve Dillaggio waren genauso fassungslos wie ich. Mein Partner sprach von einem großen, unbegreiflichen Kommunikationsproblem.

»Die Cops hätten sich mit uns in Verbindung setzen müssen«, grummelte er.

Steve nickte. »Sie hätten sich mit uns abstimmen müssen. Die haben da dreingeschlagen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.«

»Vielleicht reichte die Zeit nicht«, mutmaßte unser indianischer Kollege. »Sie erfuhren erst im allerletzten Augenblick von diesem Geschäftstreffen, und ihnen war klar, dass sie sofort handeln mussten. Dass wir ebenfalls an der Sache dran waren, wussten sie nicht.«

Phil nagte nachdenklich an seiner Unterlippe. »Ich weiß nicht ...« Er sah Zeerookah, Steve und mich mit gerunzelter Stirn an. »Irgendwie schmeckt mir die Geschichte nicht, Leute.«

»Mister High wird nicht gerade vor Freude im Dreieck springen.« Steve seufzte. »Andererseits ... Also ich meine, es sollte im Grunde genommen von zweitrangiger Bedeutung sein, wer dieses Drogengeschäft torpediert hat. Ob wir oder die Kollegen von der Metropolitan Police – egal. Hauptsache es kam nicht zustande.«

»Uns wären Zack Jordans Männer und die Kolumbianer nicht durch die Lappen gegangen«, wagte Zeerookah zu behaupten.

Sein Partner wackelte mit dem Kopf. »Nimm den Mund lieber nicht so voll, Zeery.«

»Bist du etwa anderer Meinung, Steve?«

»Es kann bei jedem Einsatz irgendetwas schiefgehen. Das wissen wir doch aus Erfahrung.«

Wir waren mit zwei getunten dunkelblauen Chevrolets aus der Fahrbereitschaft des Field Office hergekommen. Die Dienstfahrzeuge parkten fünfzig Yards entfernt hintereinander am Fahrbahnrand. Wir kehrten zu ihnen zurück.

Phil kontaktierte unsere Zentrale und versuchte herauszufinden, wer die uniformierten Helden gewesen waren, die uns die Show gestohlen hatten.

Und da kam der Hammer ...

Dem Drogenbaron Zack Jordan gehörten mehrere klug über die fünf New Yorker Bezirke verteilte Nachtklubs. Sie begannen alle mit Sweet und endeten mit einem klangvollen Mädchennamen. Sweet Mariah, Sweet Chantalle, Sweet Rebecca und so weiter. Bestens organisierte Umschlagplätze für Drogen aller Art. Man bekam sie einzeln oder in größeren Mengen.

Je nach Wunsch. Crystal Meth, Heroin, Crack, Kokain, Ecstasy, LSD und was sonst noch alles in den Giftküchen dieser Welt zusammengebraut wurde.

Das Angebot war nirgendwo breiter gefächert als bei Zack Jordan. Gute Ware. Darauf legte er größten Wert. Und das wussten seine Kunden.

Auch dass er nicht billig war, war ihnen bekannt. Aber dafür konnte man sich darauf verlassen, dass man kein verschnittenes, gepanschtes oder gestrecktes Zeug bekam, das einen nicht, wie gewünscht, sanft in den Himmel hob, sondern brutal in die Hölle beförderte.

Gutes hat nun einmal seinen Preis.

Sein Lieblingsklub war das Sweet Arabella. Deshalb war er da auch am häufigsten anzutreffen. Die anderen Klubs besuchte er nur sporadisch, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass alles rundlief.

Die Verantwortung lag bei zuverlässigen Geschäftsführern, die er alle selbst ausgesucht hatte. Keiner von denen wagte, ihn zu hintergehen.

Einmal hatte es einer gewagt. Sein Name war Hadley Hurt. Er leitete das Sweet Romina und zweigte nicht nur laufend Drogen für den Eigenbedarf ab und behauptete, er sei von Unbekannten bestohlen worden, sondern griff auch unverschämt tief in die Kasse und machte seiner Frau, die ihn wegen seiner ausufernden Drogensucht nicht mehr liebte, teure Geschenke, damit sie sich von ihm nicht scheiden ließ.

Nachdem es Hadley Hurt einmal besonders unverfroren übertrieben hatte, suchte Zack Jordan ihn im Sweet Romina mit zwei starken Männern auf und stellte ihn zur Rede. Hurt wies zunächst alle Vorwürfe entrüstet zurück und log, dass sich die Balken bogen, doch nach der ersten Backpfeife, die ihm beinahe den Kopf von den Schultern gerissen hätte, erkannte er den Ernst der Lage und gestand weinerlich seine Verfehlungen.

Zack Jordan schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. »Hadley. Hadley.« Er wirkte dabei völlig ruhig. Gefährlich ruhig. »Was hast du dir dabei gedacht? Hm? Was?«

Hurt hielt sich die glühende Wange und schluchzte immer wieder: »Es tut mir leid, Zack. Ehrlich.«

»Hast du geglaubt, es würde mir nicht auffallen, wenn du mich beklaust?«

»Du bekommst alles wieder. Ich verspreche es.«

»Du hast mich beleidigt, Hadley. Ich bin kein Idiot. Aber du hast mich für einen gehalten, und das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Wie stehe ich denn da? Ich habe dir vertraut. Ich dachte, ich kann mich auf dich verlassen.«

»Das kannst du, Zack. Das kannst du.«

»Wie denn – wenn du mich fortwährend bestiehlst?«

»Ich tu's nie wieder. Ganz bestimmt nicht. Ich habe einen Fehler gemacht, Zack. Das bedauere ich zutiefst. Ich werde von nun an dein bester Mann sein. Es wird nie wieder zu irgendwelchen Unregelmäßigkeiten kommen. Nie, nie wieder. Heiliges Ehrenwort. Gib mir eine zweite Chance. Ich bitte dich. Ich flehe dich an. Ich lasse in Zukunft die Finger von den Scheißdrogen. Ich mache eine Therapie. Es ist mir total ernst damit.«

»Kennst du Chris Harris?«

»Klar kenne ich den.«

»Was hältst du von ihm?«

»Er ist ein sehr guter Mann, Zack.«

»Er war gestern bei mir, hat mich um einen Job gebeten.«

»Gib ihm einen.«

»Meinst du?«

»Unbedingt.«

»Gut, dass du das so siehst. Er wird ab morgen das Sweet Romina für mich führen.«

»Das Sweet Romina? Aber ... aber ... aber das leite ich doch.«

»Nicht mehr«, sagte Zack Jordan frostig. Er wandte sich an seine Begleiter. »Bringt ihn zum Wagen.«

Das taten sie. Und sie wussten auch, warum. Als Zack Jordan den Nachtklub verließ, hatten seine Männer den diebischen Junkie bereits mit einem Seil an das Fahrzeug gebunden.

»Zack!«, bettelte Hadley Hurt verzweifelt. »Bitte, Zack, das kannst du nicht machen!«

»Ach«, gab Jordan ungerührt zurück. »Aber mich zu bestehlen, das war okay, oder wie?« Er sah seine Männer an. »Ihr bleibt hier.«

Sie nickten. Zack Jordan stieg ein und fuhr die nächtliche, menschenleere Straße einmal rauf und runter. Als er zum Sweet Romina zurückkehrte, befahl er seinen Begleitern, nach Hadley Hurt zu sehen und ihn loszubinden.

»Lebt er noch?«, fragte er, ohne auszusteigen.

»Nein, Boss«, bekam er zur Antwort.

»Los, steigt ein. Wir fahren nach Hause.«

Tags darauf hatte Zack Jordans Name ganz oben auf der Liste der Verdächtigen gestanden. Doch er hatte für die Tatzeit ein hieb- und stichfestes Alibi.

Einer seiner besten Freunde bestätigte, dass Jordan die Nacht bei ihm, in seinem Haus in Baltimore, verbracht hatte. Und da kein Mensch an zwei Orten zugleich sein kann, war Zack Jordan damit aus dem Schneider. Ein zweites Exempel brauchte er danach nicht zu statuieren, denn schließlich war keiner seiner »Vertrauten« scharf darauf, so zu enden wie Hadley Hurt.

»Meine Güte, das ist ja wie im Kino«, stieß Steve Dillaggio fassungslos hervor. »Kneif mich, Zeery«, verlangte er von seinem Partner. »Ich möchte wissen, ob das wirklich wahr ist oder ob ich bloß schlecht träume.«

»Es ist wahr, Steve«, sagte Phil.

»Leider«, seufzte Zeerookah.

Ich war genauso von der Rolle wie meine Kollegen, denn was da vor unseren Augen abgelaufen war, war keine polizeiliche Amtshandlung gewesen, sondern ein ganz dreistes Verbrechen. Ein rotzfrecher Überfall.

Zwei als Cops verkleidete Ganoven hatten einen Streifenwagen gestohlen und Zack Jordans Männer und die Typen vom kolumbianischen Kartell überfallen.

Sie hatten sich sowohl die Ware als auch das Geld gekrallt und waren mit beidem abgehauen. Wir hatten dabei – mehr oder weniger tatenlos – zugesehen und nichts, rein gar nichts, verhindern können.

Zeerookah fuhr sich mit gespreizten Fingern durch sein dichtes schwarzes Haar. »Also ich glaube nicht, dass ich meinen Bericht morgen so verfassen kann, dass wir darin auch nur einigermaßen gut wegkommen. Ich bin schließlich nicht Ernest Hemingway.«

»Mist!«, zischte Steve Dillaggio.

»Wer immer die beiden Cop-Kopien waren«, sagte mein Partner, »sie haben einen schweren Fehler gemacht.«

»Weil sie Zack Jordan bestohlen haben?«, fragte Zeerookah.

Phil nickte. »Genau. Das lässt sich der Drogenbaron nicht einfach so bieten. Er wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sich zurückzuholen, was ihm gehört.«

Steve Dillaggio seufzte. »Und der Hebel, derer er sich bedienen kann, gibt es erschreckend viele.«

»Bedauerlicherweise«, brummte Zeerookah.

»Wir müssen diese Copy Cops vor ihm finden«, sagte ich.

»Bevor er ihnen ihre Totenhemd anziehen kann«, fügte mein Partner hinzu.

Zack Jordan saß im Sweet Arabella in seiner Loge. Im Eiskübel steckte eine halb volle Flasche Dom Perignon. Zwei leicht bekleidete Mädchen leisteten ihm – kichernd und gackernd, weil sie ziemlich stoned waren – Gesellschaft. Das Trio bot jedem Betrachter ein perfektes Klischee. Besser hätte die Szene nicht einmal Martin Scorsese, der Meister großer Gangster-Opern, arrangieren können.