Jerry Cotton - Folge 2973 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton - Folge 2973 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Dog Hanson hatte einen Fehler gemacht. Wie groß dieser Fehler wirklich war, konnte er nicht einmal erahnen. Er sah nur den Profit, den seine Dealer machten, indem sie ihren teuflischen Stoff vor den High-Schools an Jugendliche, fast noch Kinder, verkauften. Was dabei herauskam, sahen Phil und ich auf Dr. Drakenharts Seziertisch liegen. Es ging darum, die Stadt von einem skrupellosen Drogenbaron zu befreien, aber nicht nur wir wollten das ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Die Rechnung wird mit Blei bezahlt

Jerry Cotton aktuell

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Film: »Mimic 3«/ddp images

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-8387-5816-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Die Rechnung wird mit Blei bezahlt

Die Rechnung wird mit Blei bezahlt

Der Atlantik war eine einzige schimmernde Fläche. Am Horizont versank die rot glühende Sonne langsam im Meer. Ein weiterer heißer Tag ging zu Ende. Seeschwalben und Albatrosse strichen hart übers Wasser auf der Suche nach Nahrung. Sie kamen von der Chesapeake Bay, die keine 30 Meilen entfernt lag. Mateo sah auf die Uhr. In zwei Stunden würden sie die Küste von Florida erreichen. Sie lagen gut in der Zeit. Er drückte den Gashebel durch. Mit über 150 Knoten jagte das Speed-Boot seinem Ziel entgegen.

Diego steckte den Kopf durch die Kajütentür. »Komm runter, Mateo. Wir feiern ein bisschen.«

Mateo schüttelte unwillig den Kopf. »Ich habe Don Vargas versprochen, bis Mitternacht in Santa Marta zu sein.«

»Das schaffen wir locker.«

Mateo zögerte. Er hatte kein gutes Gefühl. Mateo feierte lieber, wenn ein Job abgeschlossen war. So weit waren sie noch nicht. Der Deal war gut über die Bühne gegangen, sie hatten das Geld bekommen. Aber erst wenn sie es ihrem Boss abgeliefert hatten, durften sie feiern.

»Stell den Motor aus und trink ein Glas mit uns. Don Vargas bekommt seine Bucks früh genug.« Damit verschwand Diego wieder in der winzigen Kajüte. Kurz darauf dröhnten die Klänge einer angesagten US-Hip-Hop-Band herauf und ließen den Boden unter Mateos Füßen vibrieren.

Seufzend stellte er den Motor ab und arretierte das Steuerrad. Ein Glas würde er trinken, mehr nicht.

Die beiden jungen Männer feierten offenbar schon länger. Auf dem schmalen Tisch standen mehrere leere Bierflaschen und Rum. Mateo schüttelte den Kopf.

»Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr es nie zu etwas bringen.«

Hernan, der Jüngste, grinste ihn unverschämt an. »Halt den Mund, Opa!«

Mateo musterte ihn prüfend. Der Junge war betrunken. Sturzbetrunken. Er hatte Mühe, gerade zu stehen. Und das lag nicht am Seegang.

»Das war das letzte Mal, dass ich mit dir zusammengearbeitet habe, pajero!«, zischte Mateo verächtlich.

»Kein Problem, Opa«, konterte Hernan grinsend. »Dann muss ich dich zum nächsten Job wenigstens nicht im Altersheim abholen!«

Der Junge bekam einen hysterischen Lachanfall. Gleichzeitig verschluckte er sich an seinem Schnaps. Diego schlug ihm immer wieder auf den Rücken. Sein Kumpel kippte nach hinten und fiel auf die gepolsterte Sitzbank. Das Lachen ebbte ab, stattdessen begann er zu röcheln und schnappte verzweifelt nach Luft.

Einen verrückten Moment lang stellte Mateo sich vor, Hernan könnte tatsächlich den Löffel abgeben. Erstickt an seinem eigenen hämischen Lachen.

Im ersten Moment würde er sagen: Kein großer Verlust. Aber die Sache war komplizierter. Hernan war der Neffe von Don Vargas. Der Boss würde nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn der einzige Sohn seiner Lieblingsschwester bei einer Mission draufgehen würde. Man würde einen Schuldigen suchen.

Und Mateo war nun einmal der Verantwortliche für diese Mission. Er war deutlich älter als Hernan und Diego und verfügte über wesentlich mehr Erfahrung.

Auf eine solche Untersuchung hatte Mateo keine Lust. Er warf einen Blick auf Hernan. Er hatte immer noch Probleme beim Luftholen. Sein Gesicht hatte jede Farbe verloren.

Mateo holte ein großes Glas aus dem Hängeregal, füllte es mit Wasser und schüttete es in Hernans Gesicht. Der Junge prustete, spuckte und richtete seinen Oberkörper auf. Er starrte Mateo wütend an.

Die beiden Männer fixierten sich wie aufgeputschte Kampfhunde. Dann brachen sie gleichzeitig in Gelächter aus. Die Spannung löste sich. Die Farbe kehrte in Hernans Gesicht zurück.

Mateo goss sich ein Glas Rum ein, dann füllte er die Gläser von Diego und Hernan. Er stellte die Flasche ab und prostete den beiden Grünschnäbeln zu.

»Salud!«

Dann hörten sie das Geräusch. Ein dunkles Brummen, das rasch näher kam.

»Was ist das?«, fragte Diego irritiert.

»Ein Powerboot«, tippte Hernan. Seine Augen funkelten. »Da will jemand ein Rennen gegen uns fahren. Los, Mateo, dem zeigen wir es!«

Hernan war bereits auf dem Weg zur Treppe.

»Das ist kein Bot«, sagte Mateo ruhig. »Das ist ein Hubschrauber.«

Die beiden jungen Männer sahen ihn ungläubig an.

»Willst du uns verarschen?«, fragte Diego kopfschüttelnd.

»Wenn ihr mir nicht glaubt, geht nach oben«, erwiderte Mateo gelassen.

Nacheinander kletterten die drei Männer aus der Kajüte. Mateo hatte recht gehabt: Die Geräusche kamen von einem Helikopter. Er war noch etwa zwei Meilen entfernt und kam genau auf sie zu.

»Was will der von uns?« Diegos Stimme klang unsicher, fast ängstlich. Kein Wunder, immerhin hatten sie eine Million Dollar an Bord.

»Ich wette, er bringt Nachschub«, versuchte Hernan einen Scherz. »Bier ist alle, und der Rum geht auch zur Neige.«

Mateo presste ärgerlich die Lippen aufeinander. Vielleicht sollte er Don Vargas mal einen Hinweis geben. Sein Neffe hatte ein echtes Problem. Auch sein Kumpel wurde zusehends nervöser. Der Helikopter, der auf sie zugeflogen kam, machte ihm sichtlich zu schaffen.

»Warum wirfst du den Motor nicht an?«, forderte Diego ihn auf, ohne seinen Blick von dem Hubschrauber abzuwenden. »Wir sind doch schneller als dieser … Vogel.«

Auch Mateo fixierte den Hubschrauber jetzt, der nur noch eine Meile entfernt war.

»Erstens würde er unser Tempo locker mitgehen«, erwiderte er. »Und zweitens möchte ich verdammt noch mal wissen, was der Kerl von uns will!«

Der Helikopter war feuerrot, durchbrochen von silbernen Elementen, die seine Dynamik unterstreichen sollten. Mateo konnte drei Männer ausmachen, zwei vorne in der Kanzel und einer dahinter. Als er das Speed-Boot fast erreicht hatte, stieß er abrupt herunter und blieb etwa dreißig Fuß über dem Boot stehen.

»Ihr habt uns zwanzig Kilo Koks geliefert, bezahlt haben wir vierzig«, kam es über Mikro von dem Heli. »Wo sind die restlichen zwanzig?«

Mateo griff sich das Mikrofon, das neben der Tür zur Kajüte angebracht war, und schaltete die Außenlautsprecher ein.

»Wir haben vierzig geliefert«, antwortete er. »Es war alles korrekt.«

Eine Weile hörte man nur das Rattern der Rotorblätter, dann: »Ich warne euch: Wer Dog Hanson aufs Kreuz legt, lebt nicht mehr lange. Entweder ihr rückt den Stoff raus, oder es gibt Krieg!«

Mateo sah seine beiden Mitstreiter fragend an, sie zuckten die Schultern und schüttelten die Köpfe.

»Wir haben keinen Stoff an Bord. Den Stoff hat Dog Hanson!«

Mateo hatte kaum ausgesprochen, als eine Maschinenpistole losratterte.

Noch ehe er überhaupt begriff, was geschehen war, fiel neben ihm Diego um.

»Diego!« Mateo kniete sich neben ihn. Diego war tot. Zwei Kugeln hatten ihn mitten ins Herz getroffen.

»Fällt dir jetzt wieder ein, wo ihr das Koks gebunkert habt?«, ertönte es höhnisch aus dem Hubschrauber.

Kochend vor Wut sprang Mateo in die Kajüte, riss den Waffenschrank auf und holte zwei Sturmgewehre heraus. Eins warf er Hernan zu, das andere legte er selbst an.

»Feuer einfach auf die offene Luke!«, rief er dem Jungen zu. Aber noch während Hernan das Maschinengewehr anlegte, mähte ihn eine Salve um.

»Mierda!«, fluchte Mateo. Die nächste Kugel traf ihn in die Brust. Er stöhnte laut auf, dann warf er sich mit letzter Kraft hinter den Kajütenaufbau.

»Schönen Gruß von Dog Hanson!«, schallte es schadenfroh aus dem Helikopter.

Dann drehte der Hubschrauber ab. Offenbar wollten die eiskalten Mörder den Rückzug antreten.

Mateo wusste, wo bei dem Hubschrauber der Tank lag. Er hatte Schmerzen. Höllische Schmerzen. Seine Wunde blutete stark. Lange würde er nicht mehr leben. Aber vorher hatte er noch einen Job zu erledigen.

Er rollte sich hinter seinem Versteck hervor. Der Helikopter gewann an Höhe, er musste sich beeilen. Mateo legte das Gewehr an und zielte. Dann zog er ab. Die Schüsse knatterten. Und trafen.

Ein riesiger Feuerball aus Kerosin war das Letzte, was Mateo auf dieser Erde sah.

***

5 Tage später …

Wir hatten im Mezzogiorno zu Mittag gegessen und kehrten bester Laune ins Büro zurück. Die letzten Wochen waren hart gewesen, eine Serie äußerst brutaler Banküberfälle hatte uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Mit Hilfe unserer Kollegen Blair Duvall und June Clark war es uns vor drei Tagen endlich gelungen, der Bande das Handwerk zu legen. Dafür waren wir in den Medien regelrecht gefeiert worden.

Wir waren einfach nur froh, dass es vorbei war.

Auf meinem Schreibtisch klebte ein Post-it: »Sofort zum Chef!« Ich seufzte. Die kurze Verschnaufpause war anscheinend schon wieder vorbei.

Helen winkte uns eilig durch und sagte dabei: »Er hat Besuch!«

Ich klopfte an und öffnete die Tür. Mr High saß mit zwei Männern zusammen. Als wir eintraten, kam er auf uns zu und stellte uns vor.

»Jerry, Phil schön, dass Sie so schnell kommen konnten. – Special Agent Jerry Cotton und sein Partner Special Agent Phil Decker. Und das sind Special Agent Tom Brenner und sein Kollege Finn McCarson vom Field Office Richmond, Virginia.«

Wir schüttelten unseren Kollegen die Hand und setzten uns zu ihnen. Mr High fasste das Wesentliche zusammen.

»Gestern früh rief mich mein Kollege aus Richmond an, Special Agent in Charge George Branton. Vor der Chesapeake Bay hatte die Küstenpatrouille ein Speed-Boot und einen abgestürzten Helikopter aufgebracht. Auf dem Boot und im Helikopter wurden jeweils drei Tote gefunden. Aufgrund der rätselhaften Umstände schaltete der zuständige Beamte das FBI ein.«

Mr High nickte den Agents aus Richmond zu.

»Wir sind sofort mit der Spurensicherung rausgefahren und haben uns die Sache angesehen«, fuhr Tom Brenner fort. »Die drei Männer im Speed-Boot konnten wir anhand der Fingerabdrücke identifizieren. Es handelt sich um Mateo Sanchez, Diego Torres und Hernan Valdés. Sie gehören zum Clan von Mario Carlos Juan Vargas, genannt Don Vargas – der mächtigste Drogenbaron in Santa Marta, Kolumbien.«

»Von den drei Toten im Hubschrauber war nicht mehr viel übrig geblieben«, machte sein Kollege weiter. »Der Heli war explodiert. Immerhin ist es unseren Experten gelungen, seinen Besitzer zu ermitteln. Es handelt sich um einen gewissen Martin ‚Dog‘ Hanson, Drogenhändler in New York.«

Bei dem Namen klingelte es bei mir nicht. Aber das hatte nichts zu sagen. Man kann nicht alle kennen.

»Wir nehmen an, dass die jeweiligen Unterhändler ein größeres Drogengeschäft für ihre Bosse abgewickelt haben«, nahm nun wieder Tom Bremer den Ball auf. »Es kam zu Unstimmigkeiten, die dann auf ziemlich blutige Art und Weise ausgetragen wurden.«

»Wie kommen Sie zu der Einschätzung, dass es sich um ein größeres Geschäft gehandelt hat?«, wollte mein Partner wissen.

»Ganz einfach: Wir haben in einem Tresor auf dem Speed-Boot eine Million Dollar gefunden.«

»Sie kennen die genauen Umstände am Tatort«, wandte ich mich an die beiden Special Agents. »Was genau hat sich Ihrer Meinung nach vor der Küste abgespielt? Und wann? Und was wissen Sie über die Hintergründe?«

Tom Brenner und Finn McCarson wechselten einen kurzen Blick. Schließlich ergriff McCarson das Wort.

»Der Zwischenfall ereignete sich vor fünf Tagen, vermutlich am frühen Abend. Einige Stunden vorher war in New York ein Drogengeschäft im Wert von einer Million Dollar abgewickelt worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei dem Stoff um Kokain, denn Don Vargas handelt in der Regel mit keinen anderen Drogen.«

»Die Atlantikküste ist lang, das Speed-Boot kann überall angelegt haben. Worauf stützen Sie Ihre Annahme, dass der Deal in New York über die Bühne gegangen ist?«, fragte Phil.

»Die Frage ist berechtigt«, gab Tom Brenner zu. »Es ist bisher auch nicht mehr als eine Vermutung – allerdings eine durchaus stichhaltige. Die Küste ist zwar lang. Aber es gibt nicht viele Orte, die Don Vargas mit einer solchen Lieferung anfahren lassen würde. In kleineren Städten wäre das Risiko aufzufallen viel zu groß. Außerdem fehlen dort in der Regel die finanzkräftigen Abnehmer.«

»Es gab also einen Deal«, überlegte ich. »Dabei lief alles glatt, sonst wäre es schon früher zu einer Auseinandersetzung gekommen.«

»Dog Hanson bekam seinen Stoff und Don Vargas seine Kohle«, spann Phil den Faden weiter. »Das Boot macht sich auf den Rückweg nach Santa Marta. Da taucht plötzlich ein Hubschrauber von Dog Hanson auf. Warum?«

»Wir vermuten, dass bei dem Deal etwas nicht korrekt gelaufen ist, die Leute von Dog Hanson das aber erst später festgestellt haben.«

»Zum Beispiel?«

»Zum Beispiel dass zu wenig Stoff geliefert wurde. Oder dass der gelieferte Stoff minderwertig war.«

»Dog Hanson ist sauer und schickt seinen Hubschrauber hinterher, um das zu klären.«

Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.

»Was geschah weiter?«

»Die beiden Parteien haben offenbar noch versucht, zu einer Einigung zu kommen. Auf dem Speed-Boot war der Außenlautsprecher aktiviert, und das Mikrofon lag auf dem Boden.«

»Dann müssen die Leute im Helikopter das Feuer eröffnet haben. Sie haben nacheinander die drei Männer auf dem Boot erschossen. Zwei waren sofort tot, der dritte hat noch ein paar Minuten gelebt. Die Zeit hat er genutzt, um mit seinem Gewehr ganz gezielt auf den Tank des Hubschraubers zu schießen, was schließlich zur Explosion geführt hat.«

Ich nickte nachdenklich. Eine Sache wollte ich noch wissen.

»Sie sagen, Sie haben eine Million Dollar auf dem Boot gefunden?«

»Das ist richtig.«

»Haben Sie auch Kokain gefunden? Oder andere Drogen?«

Die beiden Agents aus Virginia schüttelten synchron die Köpfe. »Kein Gramm.«

***

Der Computer spuckte eine Adresse in den Pine Barrens aus.

»Weißt du, wie weit das ist?«, stöhnte Phil. »Warum wohnt er nicht in einem schicken Loft in Downtown Manhattan?«

Ich blickte auf den Ausdruck mit den Angaben zu Martin Hanson, genannt Dog Hanson.

»Ganz einfach. Weil es schwer ist, in Manhattan eine Wohnung zu finden, in der du sieben Frauen, dreizehn Kinder, neun Angestellte und vor allem vierzehn Kampfhunde unterbringen kannst.«

Phil nahm mir das Blatt aus der Hand. »Du machst Witze.«

Wir hatten es zweifellos mit einem Mann der Extreme zu tun. Dog Hanson war 48 Jahre alt, hatte mit Mühe und Not einen Schulabschluss gemacht, aber nie einen Beruf gelernt, und war nie einer geregelten Arbeit nachgegangen, sondern bereits in jungen Jahren ins kriminelle Milieu abgerutscht.

Dort hatte er im Laufe der Zeit eine Art Karriere gemacht, hatte mehrere Gefängnisstrafen abgesessen – die längste hatte sieben Jahre gedauert – und sich schließlich einen gewissen Namen gemacht, der in bestimmten Kreisen etwas galt.

Und in den letzten drei Jahren hatte er auch richtig viel Geld verdient. Natürlich nicht legal. Aber mittlerweile war er gerissen genug, seine Geschäfte so zu tarnen, dass er dafür nicht mehr gleich belangt werden konnte.

Wir waren auf dem Weg in die Pine Barrens. Ich hatte die Klimaanlage eingeschaltet, denn draußen herrschten Saunatemperaturen. Während ich mich auf den Verkehr konzentrierte, checkte Phil die registrierten Polizeieinsätze an dem Nachmittag vor fünf Tagen.

»Das könnte passen«, murmelte er. »Ein Einsatz im Battery Park. Direkt am Pier. Da könnte das Speed-Boot angelegt haben.«

»Irgendwelche näheren Informationen?«

»Nicht viel. Eine Festnahme. Bart Snyder. Schon mal gehört?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Wir kümmern uns darum, wenn wir zurückkommen.«

Die Gegend wurde einsamer, die Häuser seltener, dafür nahm der Kiefernbestand dramatisch zu. Kein Zweifel, wir hatten die Pine Barrens erreicht.

Die glatte Asphaltdecke hörte abrupt auf, stattdessen rollte der Jaguar jetzt über einen sandigen Waldweg, der mit Schlaglöchern übersät war. Nach einer Weile gab es keinerlei menschliche Ansiedlungen mehr, was im Übrigen auch für Straßenschilder galt.

Wir gerieten immer tiefer in den Wald hinein, und ich war kurz davor umzukehren, weil mich das Gefühl beschlich, ich hätte mich verfahren.

Da hörten wir die Hunde bellen.

»Bingo!« Phil deutete in die Richtung, aus der das Gebell kam. Fünf Minuten später lenkte ich den Wagen auf einen großen, mit Kiefernnadeln übersäten Platz vor einem hohen Gittertor.

Als wir ausstiegen, zuckten wir unvermittelt zusammen. Das Hundegebell war ohrenbetäubend, denn der Zwinger, in dem sie sich aufhielten, befand sich rechts von uns hinter dem hohen Maschendrahtzaun. Ich fragte mich, wie man hier leben konnte, mit diesem Lärm Tag und Nacht.