Jerry Cotton - Folge 2976 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton - Folge 2976 E-Book

Jerry Cotton

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1,49 €

Beschreibung

In New York tauchten auf einmal Waffen auf, die es gar nicht geben durfte. Hightech Sturmgewehre mit einer immensen Feuer- und Durchschlagskraft in den Händen von Gangstern. Bei unserer Suche nach der Herkunft der Waffen, stießen wir auf eine Bürgermiliz in Springfield und auf den Waffenhändler Edgar Mason. Schnell stellte sich heraus, dass die Bürgermiliz nur ein kleiner Fisch im Haifischbecken war. Der große Fisch, Edgar Mason, aber war nach Venezuela verschwunden. Phil und ich folgten ihm dahin und gerieten in die Fänge der Drogenbosse ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Den Tod in der Hand

Jerry Cotton aktuell

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Film: »Rasende Gewalt«/ddp images

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-8387-5819-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Den Tod in der Hand

Caleb war hinter seinem Taxi in Deckung gegangen, als die wilde Schießerei losging. Sein Fahrgast schüttelte ungläubig den Kopf.

»Runter! Gehen Sie in Deckung«, rief er.

Der ältere Mann stand jedoch, starr vor Schreck, mitten auf dem Gehsteig vor dem Mietshaus. Caleb reagierte automatisch. Mit einem unterdrückten Fluch sprang er auf und riss den Mann zu Boden. Caleb spürte einen harten Schlag im Rücken und versank in der Dunkelheit.

Als ich aus dem Jaguar stieg, fiel mein Blick auf die Einschusslöcher an Fahrzeugen und Hauswänden.

»Das muss wie im Krieg gewesen sein«, sagte ich.

Wir kannten die Löcher, die von Pistolen oder automatischen Waffen erzeugt wurden. Das war schlimm genug, aber es stand in keinem Verhältnis zu den Kratern in unserem Blickfeld.

»Drei Cops wurden getötet, obwohl sie Schutzwesten trugen«, erwiderte Phil.

Insgesamt gab es bislang elf Tote, darunter vier Zivilisten. Ein Taxifahrer hatte seinem Fahrgast das Leben gerettet und dabei sein eigenes verloren. Die Zahl der Verletzten lag noch weitaus höher. Ein grimmig dreinblickender Captain des NYPD trat zu uns.

»FBI, Special Agent Cotton, und das ist mein Partner, Special Agent Decker«, sagte ich.

»Captain Gander. Die toten Kollegen gehörten zu meinem Revier.«

Wir drückten ihm unser Beileid aus, was Gander mit einem stummen Nicken quittierte. Sein Zeigefinger deutete auf einige Einschusslöcher in der Hauswand.

»Die Gangster haben die Straße in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Woher haben sie diese Waffen?«, fragte er.

Er spielte auf eine nicht erfolgte Warnmeldung an. Normalerweise schickte das FBI umgehend an alle Reviere eine solche Nachricht, sobald wir etwas von Kriegswaffen im Umlauf erfuhren.

»Da sind wir genauso ratlos wie Sie, Captain«, antwortete ich.

»Wir haben vor einer halben Stunde eine bundesweite Anfrage gestellt. Nirgends werden Waffen mit einem solchen Kaliber als vermisst gemeldet. Das Pentagon kann uns nicht weiterhelfen«, warf Phil ein.

Ein Windstoß trieb eine Zeitungsseite vor sich her, die für wenige Sekunden das tiefe Loch in der Karosserie eines Mercury verdeckte.

»Es ist nicht nur das große Kaliber, mit dem wir es hier zu tun haben«, sagte Captain Gander.

Er führte uns zu einem Wagen der Kriminaltechniker. Gander winkte einen stämmigen Farbigen mit grauen Haaren zu sich.

»Agent Cotton und Agent Decker vom FBI. Erzählen Sie ihnen, was Sie mir vorhin berichtet haben«, befahl er.

Der Techniker zog eine Karte aus einer Mappe, die ich nach einem flüchtigen Blick als eine Straßenkarte der näheren Umgebung erkannte. Jemand hatte mehrere Kreise darauf gemalt, die in wachsendem Ausmaß von einem Block ausgingen.

»Hier war das Zentrum der Schießerei. Herumfliegende Projektile haben bis an den Rand des größten Kreises noch Schäden an Personen und Gegenständen verursacht«, erklärte der Techniker.

Wir verfolgten die Erklärung und schauten dabei auf die Karte. Phil stieß einen ungläubigen Ruf aus.

»Das liegt fast eine Meile vom Zentrum entfernt«, rief er aus.

Der Techniker zeigte uns Bilder von Einschusslöchern, die an Fahrzeugen im äußeren Ring entstanden waren.

»Deswegen wurde Ihre Behörde alarmiert, Agent Cotton. Die Gangster haben nicht mit einer der bekannten Waffen geschossen. Es muss eine Kriegswaffe sein«, sagte Captain Gander.

Wir ließen uns alle Informationen ins Field Office schicken und dankten dem Techniker für seine Erklärungen.

»Was wissen wir bisher über die beteiligten Gangster?«, fragte ich den Captain.

Er konnte uns einige Namen von getöteten Schützen liefern.

»Könnten Kolumbianer sein«, spekulierte ich.

Doch Gander war bereits einen Schritt weiter.

»Nein, das sind Venezolaner«, widersprach er.

Phil schaute mich verblüfft an.

»Demnach hätten wir es mit Gangstern des Kartells zu tun?«, hakte ich nach.

Es gab aktuell nur eine Gruppe venezolanischer Gangster, die von sich reden machte. Sie gehörten zum Drogenkartell von Vincente Caldera.

»So sieht es aus, Agent Cotton. Was mich außerdem noch irritiert, sind die anderen Gangster«, erwiderte Gander.

Unter den Toten befanden sich auch Männer, die keiner Organisation aus dem Drogenumfeld angehörten. Der Name Steve Hackett wies in eine uns nicht unbekannte Richtung. Er war ein Komplize von Tom Warren, der als Waffenhändler einen zweifelhaften Ruf genoss.

»Möglicherweise will sich jemand ins Geschäft des Kartells drängen«, sagte Phil.

***

Er hatte Mühe, seine Gedanken zu ordnen. Tom Warren war lange genug in dem Geschäft, um auch mit unerwarteten Krisen umgehen zu können. Doch was an diesem Vormittag mitten in Manhattan passiert war, bereitete ihm mehr als nur ein wenig Kopfschmerzen.

»Steve und seine Leute wurden von Mendez’ Bande angegriffen?«, fragte er nach.

Vor seinem Schreibtisch stand Jason Falk, der bei der Schießerei nur einen Streifschuss abbekommen hatte. In seinen braunen Augen loderte es gefährlich.

»Es war ein Angriff aus dem Nichts! Diese Dreckskerle haben uns mit den Sturmgewehren aus Massachusetts angegriffen«, stieß er hervor.

Für Warren blieb das Vorgehen der Kartellgangster unerklärlich. Es hatte zwar eine zeitliche Verzögerung bei der Grenzüberquerung der Trucks gegeben, in denen die Kisten mit den meisten Gewehren transportiert wurden, aber das rechtfertigte kaum einen solchen Angriff.

»Was denkt sich Mendez eigentlich? Verschwinde und sorg dafür, dass sie uns nicht noch einmal kalt erwischen«, befahl Warren.

Während Falk bereits mit langen Schritten durch die Tür verschwand, nahm Warren das Telefon zur Hand. Er wollte persönlich mit Caldera über diese Vorkommnisse sprechen.

»So etwas schadet doch nur unseren Geschäften«, murmelte der Waffenhändler.

Warren musste sich seine Worte gut überlegen. Sein Telefon wurde zwar von einem Kryptosystem neuester militärischer Bauart geschützt, dennoch traute er der NSA ein gezieltes Abhören zu. Doch es gab noch einen weiteren Grund, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Vincente Caldera war es gewohnt, dass man seiner Person mit größter Ehrfurcht begegnete. Er würde jede Drohung mit großer Brutalität erwidern, und danach stand Tom Warren wahrlich nicht der Sinn.

***

Die Anweisungen aus Valencia waren eindeutig gewesen: Mendez sollte Warren eine deutliche Warnung zukommen lassen. Die Verzögerung beim Transport der Sturmgewehre durfte nicht ohne Weiteres hingenommen werden. Der Boss wollte ein Zeichen setzen, und deswegen hatte Ruben Mendez einem seiner Anführer den Befehl für den Angriff gegeben.

»Was ist schiefgelaufen?«, fragte er.

Zwölf ausgesuchte Männer waren vor zwei Stunden aufgebrochen, und nun konnte Mendez sich nur noch mit zweien davon unterhalten. Es waren hartgesottene Gangster, die normalerweise kaum zu erschüttern waren. Doch bei dem Angriff musste etwas passiert sein, was ihre Abgebrühtheit nachdrücklich erschüttert hatte.

»Zuerst nichts. Wir haben Masons Leute vor dem Diner am Minskoff Theatre abgepasst«, berichtete Ramon.

Zeitpunkt und Ort hatte Mendez selbst bestimmt. In dem Diner waren Masons Komplizen regelmäßig zu dieser Uhrzeit anzutreffen. Der Befehl hatte gelautet, einige Schüsse auf sie abzugeben und dann schleunigst zu verschwinden. Die Botschaft hätte Mason sicherlich verstanden.

»Wir wurden von einem Fahrzeug aus unter Beschuss genommen. Mit einer automatischen Waffe«, sagte Ramon.

Offenbar war einer von Masons Männern vor seinen Komplizen aus dem Diner gegangen, um den Wagen zu holen. Als der Angriff erfolgte, reagierte er schnell und überraschte mit seinem Eingreifen Mendez’ Leute.

»Hector hat umgehend das Feuer erwidert. Die Kugeln aus dem Sturmgewehr haben den Wagen wie einen Käse durchlöchert«, sagte Ramon.

Der Fahrer hatte nicht den Hauch einer Chance gehabt. Doch seine Komplizen nutzen die kurze Ablenkung, um ihrerseits die Waffen zu ziehen und einzusetzen. Der Angriff entwickelte sich zu einem kurzen, aber heftigen Feuergefecht.

»Was ich immer noch nicht verstehe, sind die hohen Verluste in unseren Reihen. Ihr hattet doch drei dieser Sturmgewehre. Wieso habt ihr Warrens Leute nicht einfach ausgeschaltet?«, bohrte Mendez nach.

Ramon tauschte einen Seitenblick mit Ernesto aus.

»Wir haben die Gewehre eingesetzt, aber auf einmal schoss niemand mehr damit«, erklärte Ramon.

Mendez krauste verwundert die Stirn. Er verstand einfach nicht, was seine Leute ihm erzählen wollten. Trotz der deutlich besseren Bewaffnung war der Angriff zu einem Fehlschlag geworden. Mendez wollte erfahren, wieso es dazu gekommen war. Später musste er Vincente Caldera alle Fragen beantworten können, und es wäre gut für ihn, wenn die Antworten zur Zufriedenheit des Kartelloberhauptes ausfielen.

***

Ich konnte die Nervosität im Vorraum zu Masons Büro gut nachvollziehen. Ein Angestellter nahm uns in Empfang und blieb trotz der Ausweise extrem angespannt.

»Mister Warren führt ein dringendes Telefonat. Sie müssen warten, bis er damit fertig ist«, sagte er.

In einer Sitzgruppe saßen zwei Männer, die Phil und mich keine Sekunde aus den Augen ließen. Die Hände blieben in der Nähe ihrer Gürtel, an denen Waffen sichtbar wurden, sobald einer sich bewegte. Der Angestellte bemerkte meinen kritischen Blick und versicherte ungefragt, dass beide Männer auch verdeckt Waffen tragen durften.

»Deswegen sind wir nicht hier«, erwiderte ich frostig.

Meine Geduld neigte sich dem Ende zu, als die Verbindungstür aufflog und Mason in den Vorraum stürmte. An seiner Stirn zeigte sich eine geschwollene Ader und in seinen hellblauen Augen flackerte Wut.

»Das sind Agent Cotton und Agent Decker vom FBI, Sir«, sagte der Angestellte.

Mason klappte den Mund wieder zu. Der Angestellte hatte in letzter Sekunde verhindert, dass der Waffenhändler in unserem Beisein seiner Wut freien Lauf ließ. Mason stierte uns einige Sekunden stumm an, bevor er sich umwandte.

»Wir können in meinem Büro reden«, sagte er.

Phil und ich folgten dem schlanken Mann, der mit eckigen Bewegungen hinter einen Schreibtisch aus poliertem Metall eilte. Mason fiel schwer in den Stuhl dahinter und deutete einladend auf die Besucherstühle vor seinem Schreibtisch.

»Setzen Sie sich bitte«, sagte er.

Wir kamen seinem Wunsch nach. Masons Büro wirkte auf den ersten Blick unauffällig. Nur die Bilder von Soldaten in Kampfuniformen, die verschiedene Waffensysteme bedienten, ließen seine Geschäfte erahnen.

»Können Sie uns erklären, warum einige Ihrer Mitarbeiter in die Schießerei vor dem Diner verwickelt waren?«, fragte ich.

Der Blick seiner Augen wurde eisig.

»Sie sind die Opfer und nicht die Angreifer, Agent Cotton! Fragen Sie lieber die Männer, die meine Angestellten so feige angegriffen haben«, erwiderte er.

»Sie müssen aber doch eine Ahnung haben, warum eine Gruppe Venezolaner auf Ihre Männer geschossen hat«, bohrte ich weiter.

Masons Kiefer mahlten einige Sekunden aufeinander. Dann ging ein Ruck durch seinen Körper und er beugte sich vor, um die Ellenbogen auf der Tischplatte aufzustützen.

»Da könnte ich nicht einmal raten, Agent Cotton. Ich mache zurzeit keine Geschäfte mit Venezolanern«, antwortete er.

Es war Mason gelungen, die aufkommende Wut herunterzuschlucken. Seine Stimme klang zwar leicht gepresst, aber dennoch ruhig.

»Die Angreifer gehörten allem Anschein nach zum Kartell von Vincente Caldera. Gab es eventuell in jüngerer Vergangenheit einen Streit zwischen Ihnen?«, fragte Phil.

Das minimale Flackern von Masons Augen verriet die Wahrheit.

»Nein. Mit Gangstern mache ich keine Geschäfte«, log er.

Vorerst schluckte ich es, da wir noch keine gegenteiligen Beweise hatten.

»Demnach würden Sie Polizeischutz für Ihre Person als nicht erforderlich einschätzen?«, fragte ich.

Edgar Mason hob abwehrend beide Hände in die Höhe. »Natürlich, Agent Cotton. Das wäre pure Verschwendung von Steuergeldern. Ich werde bereits beschützt.«

Wir verabschiedeten uns, nicht ohne weitere Besuche anzukündigen.

»Ich werde selbstverständlich Ihre Ermittlungen nach Kräften unterstützen«, versicherte Mason.

Auch diese Lüge kam ihm glatt über die Lippen. Als Phil und ich fünf Minuten später im Jaguar saßen, lachte mein Partner leise auf.

»Man sollte erwarten, dass ein Waffenhändler besser lügen kann«, sagte er.

»Wenn er besser vorbereitet gewesen wäre, hätte Mason es gekonnt«, erwiderte ich.

Phil hob verwundert die Augenbrauen an. »Du meinst, wir haben ihn überrumpelt?«

»Ich denke, dass Mason noch unter dem Eindruck seines Telefonats stand und deswegen nicht völlig konzentriert war«, erwiderte ich.

Ich startete den Motor und fädelte mich in den fließenden Verkehr ein.

***

An diesem Dienstag stand für die Angehörigen der Bürgermiliz ein Feuerwechsel unter Gefechtsbedingungen auf dem Übungsplan. Miles Forrester hatte die Führung der Miliz vor drei Jahren übernommen und sofort ein straffes Trainingsprogramm eingeführt. Er nutzte dazu seine eigenen Erfahrungen aus seiner langjährigen Dienstzeit bei der US-Army.

»Gruppe Alpha bezieht an dieser Höhe Stellung«, sagte er.

Insgesamt dreiundzwanzig Mitglieder der Bürgermiliz hatten sich in den Feeding Hills nur wenige Meilen außerhalb von Springfield eingefunden. Forrester akzeptierte Absagen nur dann, wenn sie beruflich oder durch Krankheit begründet waren.

Heute fehlte fast die Hälfte der Angehörigen der Miliz, da sie noch bei der Arbeit waren. Forrester hatte ein Dutzend seiner Soldaten ausgewählt, die eine Stellung angreifen und im Sturmangriff zu nehmen hatten.

»Achtet auf eure Nebenleute. Ich möchte keine Ausfälle durch Friendly Fire«, mahnte er.

Unmittelbar nach der Einweisung bezogen er und die nicht ausgewählten Milizionäre eine Beobachterstellung, um den Sturmangriff verfolgen zu können. Im Anschluss würde es eine ausgiebige Manöverkritik geben, bevor Forrester sein Gesamturteil sprach.

Er war sehr stolz auf seine kleine Truppe, die im Laufe der zurückliegenden Jahre immer professioneller geworden war. Aber auch die moderne Ausrüstung machte aus den Milizen eine ernst zu nehmende Einheit, die es im Notfall sogar mit regulären Truppen aufnehmen konnte.

Bei seinem Ausscheiden aus der Army bekleidete Forrester den Rang eines Staff Sergeant. Doch seine Milizionäre redeten ihn mit Captain Forrester an, was er gerne hörte und auch als angemessen empfand.

»Achtung! Übung beginnt«, rief er.

Alle Augen im Beobachterstand richteten sich auf den kleinen Hügel, an dessen Fuß jeden Augenblick ihre Kameraden zum Angriff übergehen mussten. Zuerst konnte man nur vereinzelte Bewegungen ausmachen, da die Tarnkleidung die Milizionäre mit ihrer Umgebung verschmelzen ließ.

Erst etwa fünfzig Yards vor der Hügelkuppe begann der eigentliche Sturmangriff. Die zwölf Angreifer gingen so vor, dass immer die eine Hälfte der Soldaten vorrückte und der Rest ihren Vorstoß absicherte.

»Gut so«, stieß Forrester hervor.

Seine Augen glühten vor Begeisterung, als alle zwölf Milizionäre zum entscheidenden Vorstoß ansetzten. Die langen Feuerstöße aus den Sturmgewehren zerrissen die Nachmittagsruhe zwischen den Bäumen und ließen Vögel erschrocken auffliegen. Vermutlich würden sie später auch ein oder zwei Hasen entdecken, die von Kugeln getroffen worden waren.

»Abbruch!«

Urplötzlich veränderte sich die Situation auf dem Hügel vor ihnen dramatisch. Mehrere der Milizionäre wälzten sich unter Schmerzen am Boden, während konsternierte Kameraden zu ihnen eilten. Miles Forrester überwand den Schock als Erster und rannte los.

Die übrigen Angehörigen der Bürgermiliz schlossen sich ihrem Anführer an. Als sie endlich auf der Kuppe des Hügels eintrafen, bot sich ihnen ein erschütterndes Bild: Drei ihrer Kameraden wiesen schwere Verletzungen im Brust- und Kopfbereich auf.

»Wir haben die Rettungswagen und das Krankenhaus alarmiert«, meldete Oscar Harrison.

Er hatte den Sturmangriff angeführt und war im Zivilberuf Feuerwehrmann. Die Erfahrungen aus seiner Arbeit machten ihn jetzt zum kompetenten Krisenmanager. Miles Forrester stand zwischen den Verletzten und dem Rest seiner Bürgermiliz.

Als sein Blick auf ein völlig deformiertes Sturmgewehr am Boden traf, brach kalter Schweiß auf seiner Stirn aus. Er schaute hinüber zu Tom Warren, der kreidebleich zwischen seinen Kameraden stand und schockiert auf die verletzten Freunde starrte.

***

Zu meiner Überraschung erwartete am nächsten Vormittag nicht nur Mr High uns zu einer Besprechung. Am Konferenztisch saß bereits June Clark mit ihrem Partner Blair Duvall. Nachdem wir uns begrüßt hatten, gingen alle Blicke zum Chef.

»Am gestrigen Nachmittag kam es in der Nähe der Stadt Springfield zu einem Zwischenfall, der möglicherweise mit unseren Ermittlungen in einem Zusammenhang steht«, sagte er.

Der Chef berichtete über die Übung der Bürgermiliz und die drei verletzten Männer.

»Bei dem simulierten Sturmangriff kamen Sturmgewehre zum Einsatz. Bei drei dieser Waffen explodierten die Kammern, nachdem die Milizionäre längeres Dauerfeuer geschossen hatten«, erzählte er.

Vor uns auf dem Tisch lagen Kopien des Polizeiberichts aus Springfield. Die Parallelen zu den Opfern der Schießerei vor dem Diner waren unübersehbar.

»June und Blair übernehmen die Ermittlungen vor Ort. Ich habe die Kompetenzen mit den Kollegen in Springfield abgeklärt«, ordnete Mr High an.

Anschließend fasste ich die bisherigen Erkenntnisse zusammen.

»Könnte Mason der Bürgermiliz die Sturmgewehre verkauft haben?«, fragte June.

Angesichts der kleinen Menge, es war die Rede von maximal zehn Waffen, hielt ich das für wenig wahrscheinlich.

»Mason ist kein Straßenverkäufer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich für so kleine Geschäfte interessiert«, erwiderte ich.