Verlag: Bastei Lübbe Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

Jerry Cotton - Folge 2978 E-Book

Jerry Cotton  

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E-Book-Beschreibung Jerry Cotton - Folge 2978 - Jerry Cotton

Angesagte Boy Groups wie "Hot Stuff" waren weder Phils noch meine Sache. Als es aber während eines Konzerts im Madison Square Garden zu einem tödlichen Unfall kam, der keiner war, mussten wir ran, um den Mörder zu finden. Was auf den ersten Blick noch wie eine unendliche Party aussah, stellte sich schon bald als ein Höllenpfuhl von Eitelkeiten und Eifersucht heraus. Doch wir traten auf der Stelle und schon in drei Tagen würde das nächste Konzert stattfinden...

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E-Book-Leseprobe Jerry Cotton - Folge 2978 - Jerry Cotton

Inhalt

Cover

Impressum

Backstage-Mörder

Jerry Cotton aktuell

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: »Almost Famous – Fast berühmt«/ddp images

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-8387-7481-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Backstage-Mörder

Die Zuhörer in der großen Arena in Dallas jubelten, als die Boyband Hot Stuff ihre Zugabe beendet hatte und der Lead-Sänger, Ben Staton, über der kreischenden Menschenmasse schwebte – an einem Spezialkran. Nur wenige Meter über den Köpfen der meist weiblichen Fans badete er in der Bewunderung der Massen.

Ganze zwei Minuten dauerte diese Einlage zum Ende des Konzerts, dann zog der Kran Staton höher und zurück in Richtung Bühne.

Plötzlich riss das Seil, an dem Staton hing, und er stürzte hinab, auf die Menschen, die in den vordersten Reihen standen – ein Geschehnis, das Staton nie in seinem Leben vergessen sollte.

»Und was ist dann geschehen?«, fragte Phil den Lead-Sänger der Boyband.

Der zeigte sich gelangweilt. »Müssen wir das alles noch mal durchkauen? Das habe ich doch schon Ihren Kollegen in Dallas erzählt. Und hier, die Beule ist bis heute nicht verheilt, zum Glück sieht man sie unter den Haaren nicht. Sonst ist mir aber nichts passiert. War halt Pech, das mit dem Seil.«

»Wir sind für Ihre Sicherheit beim Konzert hier in New York zuständig«, erwiderte ich ruhig. »Und nach dem, was geschehen ist, möchten wir vorbereitet sein.«

Der junge Star setzte sich aufrecht hin. »Na gut, das Seil ist gerissen, ich bin gefallen – voll auf die Mädels, die unter mir standen. Zum Glück war ich nur drei oder vier Meter über denen, sodass sich der Schaden in Grenzen hielt. Das ist vergangen, ich habe es abgehakt, fertig, aus.«

»Am höchsten Punkt schwebten Sie mehr als zehn Meter über den Fans, und ein Fall aus dieser Höhe hätte Sie mindestens ins Krankenhaus gebracht. Apropos Krankenhaus: Was ist mit den beiden jungen Damen, die dort eingeliefert wurden?«, fragte Phil. »Ich weiß nicht, ob denen das so gut gefallen hat.«

»Hey, Mann, Sie verstehen das nicht«, sagte Staton. »Diese Girlies würden sterben, um mir nahe zu sein. Da sind ein paar Prellungen, ein gebrochener Arm und derartige Lappalien ein geringer Preis. Als wir die beiden im Krankenhaus besucht haben, waren sie hin und weg.«

»Und Sie hatten gute Publicity, nehme ich an«, sagte Phil ein wenig mürrisch.

»Das gehört zum Geschäft«, meinte Staton. »Und das läuft für uns gerade ziemlich gut. Dieser kleine Zwischenfall hat daran nichts geändert. So was kann ja mal vorkommen – Materialermüdung. Wir haben die Schwebenummer aus dem Programm gestrichen, also wird das nicht wieder passieren.«

»Gemäß der Polizei von Dallas ist Fremdeinwirkung nicht auszuschließen, sogar sehr wahrscheinlich«, sagte ich. »Daher hat man uns zu Ihrem Schutz abgestellt.«

Staton nickte und lächelte dabei. »Ja, das ist echt cool, FBI-Schutz. Gefällt mir. Aber sehen Sie das Ganze doch mal locker. Es war ein Unfall, mehr nicht. Und wenn es jemand auf mich abgesehen hätte, dann würde er sich jetzt, wo Sie da sind, ohnehin nicht mehr an mich heranwagen. Ergo: Alles okey dokey!«

Ich nickte. »Nun ja, das hoffen wir. Nur um nichts zu übersehen: Hatten Sie kürzlich mit jemandem Probleme? Gab es Drohungen gegen die Band oder Sie persönlich?«

»Nö, wir bekommen jede Woche Tausende von Fanbriefen, die wir gar nicht alle lesen können, von Drohungen weiß ich nichts«, kam die desinteressierte Antwort. »Außerdem muss ich so langsam los, gleich steht ein Fernsehinterview an und ich muss noch in die Maske.«

»Danke für Ihre Zeit«, sagte ich und erhob mich.

»Wollen Sie noch ein Autogramm oder so?«, fragte Staton. »Vielleicht auf einem Bild von der Band – für die Freundin?«

»Danke, das ist nett, aber nicht nötig«, sagte ich freundlich.

Phil stand ebenfalls auf und wir verabschiedeten uns von Ben Staton, der das Zimmer verließ.

Ich sah Phil an, dass ihm der Auftrag nicht besonders zusagte.

»Drogenbosse, Killer, Mafiagangster, Erpresser, Finanzbetrüger an der Wall Street – alle sind mir lieber als diese ausgeflippten Teens, denen die Mädchen in Scharen hinterherlaufen«, brummte er.

Ich verkniff mir ein Grinsen. »Ja, das ist ein ziemlich harter Auftrag, bei dem wir an die Grenzen unserer Fähigkeiten gehen oder diese sogar überschreiten müssen.«

Er schaute mich vorwurfsvoll an. »Ha, ha, ich lach mich tot. Aber ganz im Ernst, dieses ganze Show-Business, die schöne Glitzerwelt der Stars und Sternchen, all das liegt mir irgendwie nicht. Und dann diese jungen Bengel, die nicht mal wissen, wie man eine Gitarre richtig hält.«

»Aber mit solchen Dingen haben wir es hier ja zum Glück nicht zu tun. Unser Auftrag ist es, für die Sicherheit der Band zu sorgen, alles andere ist nicht unsere Angelegenheit.«

»Hoffentlich«, sagte Phil. »Irgendwie habe ich bei der Sache kein gutes Gefühl.«

»Dann sollten wir umso gründlicher vorgehen und uns jeden vornehmen«, sagte ich. »Wobei uns leider nicht so viel Zeit bleibt, wie ich gerne hätte, da das Konzert schon heute Abend stattfindet.«

»Was bedeutet, dass hier im Madison Square Garden der Teufel los sein und alles drunter und drüber gehen wird«, sagte Phil. »Und wir kaum eine reelle Chance haben werden, jede mögliche Gefahrenquelle auszuschließen.«

»Egal, wir haben den Job bekommen, jetzt erledigen wir ihn so gut, wie es unter den gegebenen Umständen möglich ist«, sagte ich. »Wer ist der Nächste auf der Liste?

»Duran Foreman, der Gitarrist von Hot Stuff«, entnahm Phil den Namen seiner Liste der zu befragenden Personen. »Eigentlich sollte er hier irgendwo sein. Ich schaue mal, wo ich ihn finde.«

***

Phil machte sich auf den Weg. Ich wartete. Kurz darauf kam er mit einem muskulösen jungen Mann zurück, dessen lange, blonde Haarpracht mich an den Donnergott Thor aus der gleichnamigen Marvel-Verfilmung erinnerte.

»Aber machen Sie bitte schnell, ich habe nicht viel Zeit, wir haben gleich noch eine Autogrammstunde«, sagte er statt einer Begrüßung.

»Nehmen Sie an dem Fernsehinterview nicht teil?«, fragte ich.

»Fernsehinterview? Nein, das war schon vorhin, und soweit ich weiß, ist kein weiteres geplant«, sagte Foreman überrascht.

Ich wechselte einen vielsagenden Blick mit Phil – Ben Stanton hatte wohl nur versucht, die Befragung zu beenden, und uns angelogen.

»Na gut, zum Thema. Sie wissen, warum wir hier sind?«, fragte ich.

Foreman nickte. »Ja, wegen des Unfalls in Dallas, nicht wahr?«

»So ist es«, bestätigte ich. »Wobei es möglich ist, dass es nicht nur ein Unfall war, sondern Sabotage. Kennen Sie jemanden, der sich an der Band und ganz besonders an Staton rächen möchte?«

»Nicht wirklich«, antwortete er lächelnd. »Wobei Ben ein echter Weiberheld ist – in den Augen der Fans der coolste Typ unserer Band. Ich meine, wir sind alle ziemlich beliebt und die Chicks fliegen auf uns, aber Ben ist quasi ein Magnet, für den Frauen wie Eisenspäne sind. Er zieht sie einfach an und kann nichts daran machen. Kann natürlich sein, dass er der einen oder anderen das Herz gebrochen hat. Und manche sind ja auch liiert, was die Typen auf den Plan ruft. Aber das ist nur eine ganz allgemeine Aussage. Wenn Sie einen konkreten Namen haben wollen, muss ich passen.«

»Wie sieht es mit den anderen Band-Mitgliedern und der Crew aus?«, fragte ich weiter. »Gibt es da jemanden, mit dem Mister Staton aneinandergeraten ist?«

Foreman schüttelte den Kopf. »Nein, das ist alles cool. Ey Mann, wir haben eine tolle Zeit, das ist die beste Zeit in unserem Leben, da macht man sich über so was keine Gedanken. Dafür ist unser Manager da und Cops wie Sie. Wir machen einfach nur Musik und haben Spaß.«

»Ja, so sieht es aus«, brummte Phil. »Zumindest so lange, bis jemandem wirklich etwas zustößt. Ich sage Ihnen was: Sie halten Augen und Ohren offen, und wenn Sie etwas mitkriegen, das für uns von Interesse sein könnte, kontaktieren Sie uns, okay?«

Der Gitarrist nahm die Karte, die Phil ihm reichte. »Ja, geht klar. War das dann alles?«

»Ja, das war alles«, sagte ich.

Foreman nickte und verließ den Raum.

»Kommt mir vor, als würden die alle unter Drogen stehen und die Welt durch eine rosa Brille betrachten«, bemerkte Phil.

»Ja, sieht so aus«, stimmte ich ihm zu. »Versuchen wir unser Glück beim Nächsten. Irgendjemand wird doch etwas zu sagen haben, das für uns von Interesse ist.«

Wir befragten die anderen Band-Mitglieder, Jayden Hummer, den Drummer, und Justin Flores, den Keyboarder, aber sie betrachteten den Vorfall in Dallas ebenfalls als Unfall und hatten zu unseren Ermittlungen nichts beizusteuern. Wir befragten auch gut ein Dutzend Mitglieder der Crew, wodurch wir ein paar Gerüchte erfuhren, die aber ebenfalls nicht hilfreich waren. Dann, gut eine Stunde vor dem Beginn des Konzerts, kontrollierten wir die Bühne samt Umgebung und redeten mit dem Sicherheitspersonal. Mehr konnten wir in der wenigen Zeit, die uns zur Verfügung stand, nicht machen. Wir erstatteten Mr High Bericht und bereiteten uns dann auf das Konzert vor.

***

Die Menschenmassen stürmten euphorisch in die Halle. Es handelte sich vor allem um weibliche Fans zwischen vierzehn und zwanzig. Die Sicherheitsleute schafften es, Ordnung in das Chaos zu bringen, und nach knapp einer Stunde hatten sich alle Besucher auf ihren Plätzen eingefunden.

Ein paar Groupies versuchten hinter die Bühne zu kommen, um ihre Angebeteten persönlich zu treffen, doch die Sicherheitsleute blieben standhaft und ließen niemanden durch, auch wenn ihnen neben Geld auch besondere Dienstleistungen als Bestechungsversuch angeboten wurden.

Phil und ich befanden uns seitlich hinter der Bühne und hatten alles gut im Blick.

»Mann, diese Groupies sind ja ganz schön wild«, bemerkte Phil. »Und zu allem bereit. Die meisten von denen sehen auch noch gut aus. Wahrscheinlich gar nicht so einfach für die Männer, die im Security-Bereich arbeiten, da standhaft zu bleiben.«

»Ja. Bis jetzt haben sie niemanden durchgelassen, wir sollten aber lieber einen der Agents dort postieren – nur zur Sicherheit.«

»Ich kümmere mich darum«, sagte Phil und regelte das per Handy.

Mr High hatte uns insgesamt vier Agents zur Verfügung gestellt, zwei neue aus Quantico und zwei erfahrenere, mit denen wir schon zusammengearbeitet hatten. Das waren nicht viele Leute, aber wir hatten auch nicht vor, die Security zu ersetzen.

Das Konzert stand kurz bevor. Die Zuhörer fingen an Lieder zu singen, die weder Phil noch ich kannten, wahrscheinlich von Hot Stuff.

Timothy Bowles, der Manager der Boyband, kam auf uns zu. »Und, wie sieht es aus? Können wir loslegen? Die Jungs warten hinter der Bühne, vollgepumpt mit Adrenalin, und wollen ihren Fans eine gute Show liefern.«

Ich nickte. »Ja, es kann losgehen.«

»Die Einlage, wo Ben Staton am Seil über den Zuschauern schwebt, haben Sie aber wirklich gestrichen, oder?«, hakte Phil nach.

Der Manager nickte. »Ja, haben wir, Ben will so was ja auch nicht noch mal erleben. Er macht immer einen auf cool, ist aber eigentlich ein großes Kind. Sagen Sie ihm aber nicht, dass ich so über ihn rede, das würde ihn verletzen.«

»Keine Sorge, das ist nicht unsere Art«, erwiderte ich. »Dann legen Sie mal los. Hoffen wir, dass es falscher Alarm war und alles glattgeht.«

Bowles entfernte sich mit schnellen Schritten. Kurz darauf ging in der Halle das Licht aus und Tausende von jungen Frauen jubelten. Anschließend gab es eine kurze Lasershow, die ebenfalls die Masse begeisterte.

Nach der Lasershow wurde es stockdunkel. Dann wurde ein einzelner Scheinwerfer eingeschaltet, der einen Lichtkegel auf die Bühne warf, wo Ben Staton saß, mit einem Mikrofon in der Hand, und abwartete, dass der Beifall verhallte. Dann begann die Show.

Ich bemerkte, dass sich hauptsächlich Ben Staton im Fokus des Interesses befand. Wenn er sich übers Haar strich oder eine Geste in Richtung des Publikums machte, ging ein Raunen durch die Zuschauerreihen und es waren Schreie zu hören.

Offenbar waren einige Fans völlig in ihr Idol verschossen. Ich fragte mich, wie weit sie gehen würden, um in seine Nähe zu gelangen, und ob ein manipuliertes Seil Teil eines Planes gewesen sein könnte, das zu erreichen.

Das Konzert ging weiter, anderthalb Stunden lang, immer wieder mit neuen Songs, wobei die Band-Mitglieder zwischendurch mehrmals ihre Kostüme wechselten.

Ben Staton hielt sich hinter der Bühne auf, während die anderen drei Band-Mitglieder wieder auf die Bühne gingen, um zu spielen – ein Instrumentalstück, bei dem der Sänger nicht anwesend war Eine junge Frau sprach ihn an, reichte ihm ein Telefon, woraufhin er sich in einen Raum begab, wo er besser reden konnte.

Er war gerade aus meinem Sichtfeld verschwunden, als ein großer Scheinwerfer vom Gerüst fiel. Er schlug direkt neben der jungen Frau auf, die gerade das Telefon übergeben hatte. Sie wurde von dem schweren Metallteil gestreift und zu Boden gerissen. Da die Musik auf der Bühne sehr laut war, war der Aufprall des Scheinwerfers kaum zu hören und ich war mir sicher, dass keiner der Besucher etwas davon mitbekommen hatte.

Phil und ich eilten sofort zu der Frau, um ihr zu helfen. Ich rief einen Sanitäter herbei, während sich Phil über sie beugte, um ihr zu helfen.

Aber als ich zu ihm hinabschaute, schüttelte er den Kopf. »Nichts mehr zu machen, sie ist tot!«

»Verdammt!«, fluchte ich und schaute nach oben. »Wie konnte das passieren? Das gesamte Gerüst ist doch überprüft worden. Niemand darf die Bühne verlassen, auch nicht das Gebäude«, sagte ich zu Phil. »Ich will, dass jeder, der das Gebäude verlässt, gefilmt wird. Die Crew und jeder, der Zugang zum Bühnenbereich hat oder hatte, muss hier bleiben, niemand hat eine Genehmigung, diesen Bereich zu verlassen!«

Zusammen mit Phil informierte ich die anderen Agents über das, was geschehen war, und sorgte dafür, dass die Ausgänge des Bühnenbereichs gesichert wurden.

Zwei Sanitäter kamen herangeeilt und untersuchten die junge Frau, konnten Phils Diagnose aber leider nur bestätigen.

***

Phil sperrte sofort den Bereich um den Tatort ab und forderte eine Crime Scene Unit an. Dann nahmen wir die Namen jedes Anwesenden im Bühnenbereich zusammen mit Fotos auf. Das war eine schnelle Maßnahme, auf die die Befragungen folgen würden.

Als Mr High von dem Vorfall hörte, war er nicht erfreut.

»Und es war niemand zu sehen, der für den Vorfall verantwortlich gewesen sein könnte?«

»Nein, niemand, Sir«, antwortete ich. »Das wäre uns aufgefallen. Die Konstruktion ist zwar mehr als zehn Meter hoch, aber übersichtlich genug, dass wir bemerkt hätten, wenn oben jemand gewesen wäre. Allerdings spricht die Tatsache, dass es einen zweiten Vorfall gegeben hat, dafür, dass es kein Unfall war. Wir werden alle Anwesenden befragen und in der Sache ermitteln. Ich mache mir nur Vorwürfe, dass wir nicht gründlich genug gewesen sind und jemand zu Tode gekommen ist.«

»Kann ich gut verstehen«, sagte Mr High. »Das ist leider etwas, das wir nicht ungeschehen machen können. Konzentrieren Sie sich auf die Ermittlungen, wir unterhalten uns später, wenn wir mehr wissen.«

»In Ordnung, Sir«, sagte ich.

Wir beendeten das Gespräch.

»Und?«, schaute Phil mich fragend an.

»Was soll ich sagen«, antwortete ich. »Wir sollen ermitteln und herausfinden, was passiert ist. Wie lange braucht die Crime Scene Unit noch?«

»Mindestens eine halbe Stunde«, antwortete Phil. »Sie sind aber schon unterwegs, ich habe gerade eine entsprechende Nachricht bekommen.«

»Nehmen wir weiter die Personalien auf«, sagte ich. »Sind immerhin ein paar Dutzend Leute. Wenn sich jemand am Gerüst zu schaffen gemacht hat, dann sind das unsere Hauptverdächtigen.«

»Ich habe ein paar Erkundigungen über das Opfer eingeholt«, sagte Phil. »Ihr Name ist Maria Cerdez. Sie ist die Assistentin des Band-Managers, kümmert sich um alle möglichen organisatorischen Dinge. Zwanzig Jahre alt, ledig, keine Kinder, hat ihr Studium der Kommunikationswissenschaften unterbrochen, um mit der Band zu touren.«

»Sie war noch sehr jung«, sagte ich mit Verbitterung.

»Gut, befragen wir diejenigen, die sich während des Konzerts und auch davor hinter der Bühne aufgehalten haben. Auch wenn die Crime Scene Unit noch nicht da ist und die Angelegenheit unter die Lupe genommen hat, sollten wir keine Zeit verlieren.«

Phil nickte und organisierte einen Raum, in dem wir ungestört reden konnten. Wir redeten zuerst mit Tony Strong, dem Ingenieur, der für die Beleuchtung zuständig war.

»Verdammt, das hätte nicht passieren dürfen«, fluchte er und fuchtelte nervös mit seinen Händen herum. »Kann ich hier eine rauchen?«

»Nein«, sagte ich ernst. »Sie sind derjenige, der für den Aufbau und die Wartung der Beleuchtung zuständig ist, nicht wahr?«