Jerry Cotton - Folge 3106 - Jerry Cotton - E-Book
Beschreibung

Es gab sie noch, die Gewerkschaftsbosse, die für die Rechte der Arbeiter eintraten. Und ein ebensolcher Arbeiterführer, Robert McKenzie, war auf offener Straße erschossen worden. Er blieb nicht der Einzige. Phil und ich nahmen in New York die Ermittlungen auf und hatten auf einmal das Gefühl, in den 50er-Jahren zu sein, wo die Mafia die Gewerkschaften dominierte ...

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MOBI

Seitenzahl:141


Inhalt

Cover

Impressum

Ausgang ungewiss

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Film: »Blue Jean Cop«/ddp-images

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-4190-4

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Ausgang ungewiss

»Männer, diese Baustelle wird bestreikt«, sagte Kenneth Wellington, der Gewerkschaftsführer der IWTU von New York.

»Sie verdammter Mistkerl, Sie schon wieder«, schrie ihn Michael Bannister, der Geschäftsführer des Bauunternehmens, an und baute sich provokant vor ihm auf.

»Wieder ein Toter auf Ihrer Baustelle, das war kein Unfall!«, erwiderte Wellington und sah den Bauunternehmer zornig in die Augen. »Bei der mangelnden Sicherheit hier ist das ein Mord!« Die Bauarbeiter, die sich mittlerweile um die beiden versammelt hatten, stimmten dem Gewerkschaftsmann lauthals schimpfend zu.

»Pass nur auf, dass du nicht bald auch einen Unfall hast, Wellington«, knurrte ihm Bannister an.

»Ist das eine Drohung?«, fragte der Gewerkschaftsmann.

»Ach, rutsch mir den Buckel runter«, erwiderte Bannister und schmiss seinen Schutzhelm wütend gegen die Fassade des Rohbaus.

»Wir wollen Sicherheit und höhere Löhne«, riefen die Hunderte von Bauarbeitern, die den Demonstrationszug auf der Pennsylvania Avenue anführten. Direkt auf dem Platz vor dem Capitol war eine Tribüne aufgebaut und der Gewerkschaftsführer der Washingtoner IWTU plante seine Rede zu halten, sobald die streikenden Menschen dort angekommen waren.

Die Demonstranten, die große Transparente trugen, auf denen sie ihre Forderungen verdeutlichten, wurden von einer Hundertschaft Polizisten begleitet. Zu Fuß und auch zu Pferd sicherten die Officers die friedliche Demonstration in Washington D.C. ab.

Es hatten sich etliche Pressewagen um den Platz aufgebaut und die Übertragungen liefen auf allen Sendern. Seit die International Worker Trade Union es sich zum Ziel gesetzt hatte, einen Zusammenschluss mit der größten Gewerkschaft der USA zu erwirken, gab es regelmäßige Streiks und Demonstrationen.

Böse Zungen behaupteten, dass diese Aktionen nur einem Zweck dienten, nämlich dem, eine Kraftprobe zu liefern. Die IWTU war um einiges kleiner als die AFT-CIO, die American Federation of Labor and Congress of Industrial Organisation, und musste sich mächtig ins Zeug legen, um unter Beweis zu stellen, dass ein Zusammenschluss beiden Gewerkschaften Vorteile bieten konnte.

»Peter, hast du mich gut im Bild und die Tribüne nahe genug dran?«, fragte die blonde Sprecherin von CNN und sah auf ihren Kameramann. Der hob nur seinen Daumen. »Gut, dann warten wir noch, bis Robert McKenzie das Rednerpult betritt, und dann legen wir los«, meinte sie und strich sich noch einmal durch ihr blondiertes Haar.

Mittlerweile war der Pulk auf dem Platz angekommen und unter donnerndem Applaus betrat Gewerkschaftsführer Robert McKenzie die Tribüne.

»Bei drei mache ich die Einführung und dann hältst du auf McKenzie«, gab Gloria Summer letzte Anweisungen. »Drei, zwei, eins«, zählte sie runter und dann leuchtete die rote Lampe an der Kamera.

»Wir berichten live von der Demonstration der Bauarbeiter in Washington D.C. Seit vier Tagen läuft bereits der von der IWTU-Gewerkschaft initiierte Streik der Bauarbeiter und findet heute mit der Versammlung vor dem Capitol seinen Höhepunkt. Gerade hat Robert McKenzie, einer der langjährigen Mitglieder des IWTU-Vorstands, die Bühne betreten und die Streikenden erwarten ungeduldig seine Rede. Wir blenden jetzt rüber zum Rednerpult. Das war Gloria Summer für CNN live aus Washington«, ratterte die Reporterin ihren Text herunter, dann schwenkte der Kameramann auf das Rednerpult und zoomt näher heran.

Robert McKenzie versuchte, die immer noch jubelnden Demonstranten zu beruhigen, und hob beschwichtigend seine Hände.

»Kollegen«, schallte es aus den Lautsprechern. »Danke, dass ihr heute, an diesem wunderbaren Herbsttag hierhergekommen seid. Wir haben vier harte Tage hinter uns, viele von euch sind angewiesen auf ihren Lohn und es muss schmerzlich für euch sein, die Zeit des Streiks zu überbrücken. Doch mit Stolz können wir behaupten, dass es keine Streikbrecher gab«, sagte er und reckte seine Hände zum Zeichen des Sieges empor. Wieder jubelte die Menge ihrem alten Gewerkschaftsboss zu.

»Wir haben zähe Verhandlungen mit der Bauindustrie und den Arbeitgeberverbänden hinter uns und können heute die erfreuliche Mitteilung machen, dass wir nicht nur in Hinsicht der Sicherheitsvorschriften auf Baustellen, sondern auch, was die Stundenlöhne angeht, einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben«, teilte er den Streikenden mit, und wieder war Jubel zu hören.

»Der Arbeitgeberverband hat enorme Zugeständnisse machen müssen«, sagte er gerade – und dann passierte das Unfassbare. Sein Kopf platzte regelrecht auseinander und der Körper fiel nach hinten auf die Tribüne.

»Mein Gott«, schrie die Reporterin, während ihr Kameramann stur weiter auf die Tribüne hielt. »Es ist nicht zu fassen! Gerade gab es ein Attentat auf den Gewerkschaftsvorsitzenden Robert McKenzie«, redete sie professionell in ihr Mikrofon. »Police Officers laufen auf die Tribüne, wir können sehen, wie einer der Männer den Kopf schüttelt. Es ist davon auszugehen, dass Robert McKenzie tot ist. Die Demonstranten sind wie erstarrt und die Polizei versucht den Platz zu räumen«, berichtete sie weiter und die Kamera fing nun die Aktivitäten auf dem Platz ein.

»Welch ein schwarzer Tag für die IWTU, denn sie hat mit Robert McKenzie einen ihrer ältesten und erfahrensten Männer verloren. Das war Gloria Summer, CNN, live aus Washington D.C.«, endete die Reporterin ungerührt, obwohl die Menschenmassen vor ihr langsam in Panik gerieten. Die Kamera zoomte näher an die Tribüne und fing den blutüberströmten Leichnam von Robert McKenzie ein.

***

Phil, ich und Mai-Lin Cha, unsere Computerexpertin aus Quantico, beschäftigten uns bereits seit einiger Zeit mit einem Fall von Cyber-Kriminalität. Jemand hatte es geschafft, die Firewalls verschiedener Banken zu knacken, und transferierte fleißig Geld von Kundenkonten, die das Internet-Banking benutzten.

Der Schaden war bereits auf mehrere hunderttausend Dollar angewachsen. Gerade gingen wir die Konten durch, auf die Geldsummen hin und her überwiesen wurden, um dann Offshore zu verschwinden, als Mr High in mein Büro kam.

»Jerry, Phil, lassen Sie alles stehen und liegen, ich brauche Sie bei einer Besprechung, sofort«, sagte er und wir standen auf und streiften unsere Jacketts über. Mit schnellen Schritten ging unser Chef auf den Besprechungsraum zu und wir folgten ihm. Dort warteten bereits Assistant Director Segal und ein Mann, der mir vage bekannt vorkam. Definitiv war er ein Politiker aus Washington, doch ich kam momentan nicht auf seinen Namen.

»Inspektor Cotton, Inspektor Decker, darf ich Ihnen The Honorable Congressman Walter Donbright vorstellen. Er ist Sprecher des Repräsentantenhauses«, meinte Assistant Director Segal und wir schüttelten dem Congressman die Hand. Dann öffnete sich die Tür erneut und wir waren nicht schlecht erstaunt, als Director Fuller eintrat.

»Walter«, meinte er und schüttelte dem Abgeordneten ebenfalls die Hand. »Ich freue mich, Sie wiederzusehen, wie geht es Lydia und den Kindern?«

»Danke, sehr gut. Entschuldigen Sie, dass ich so ungeplant hier reinschneie, doch wir brauchen Ihre Hilfe – die des FBI«, sagte der Politiker und wir setzten uns. Wenn der FBI Director persönlich an der Besprechung teilnahm, handelte es sich um etwas Brisantes. Höchstwahrscheinlich ging es um höhere Politik, und anscheinend war Director Fuller mit Donbright enger bekannt.

»Sie alle haben mitbekommen, wie gestern Nachmittag der Gewerkschaftsvorsitzende der Washingtoner IWTU vor dem Capitol erschossen wurde. Robert McKenzie war über dreißig Jahre bei der IWTU tätig und für den Kongress immer der Ansprechpartner. Wir werden ihn schmerzlich vermissen, denn er war ein moderater Mann, der mit der Arbeitgebervertretung faire Konditionen aushandelte. Heute Morgen habe ich dann erfahren, dass der Gewerkschaftsführer der IWTU in New York, Kenneth Wellington, gestern Nacht auf offener Straße erschossen wurde, als er mit seiner Frau ein Restaurant verließ«, fing Donbright an zu erklären.

»War es ebenfalls ein Attentat, wie bei Robert McKenzie?«, fragte ich, denn in New York passierte es oft, dass ein Mensch niedergeschossen wurde, nur weil er sich zur falschen Zeit im falschen Stadtviertel aufhielt. Big Apple war immer noch eine Stadt der Aggressionen.

»Das konnte mir die Polizei nicht bestätigen. Ein Mann mit Kapuzenshirt kam auf die Wellingtons zu, zog eine Waffe und schoss auf Kenneth Wellington. Es war auf keinen Fall ein Raubüberfall, auch die Frau ließ man ganz in Ruhe. Alles ging furchtbar schnell und sie konnte den Täter nicht beschreiben«, beantwortete er unverzüglich meine Frage.

»Sie denken, es gibt einen Zusammenhang, Walter?«, fragte jetzt Director Fuller.

»Wenn es nur um die beiden ginge, dann nicht. Doch wir haben einen weiteren Toten in Chicago, James: einer der Gewerkschaftsmänner der CtW, Change to Win-Organisation. Drei langjährige Gewerkschaftsleute und alle von der IWTU, denn die CtW ist nur eine Splittergruppe dieser Gewerkschaft in Chicago. Man fand den Mann in seinem Haus mit einer Kugel im Kopf. Alles sah erst einmal nach einem Selbstmord aus, doch keiner seiner Kollegen und auch nicht seine Familie glauben an einen Suizid. Der Mann, Robert Thomasson, war gerade erst zum Gewerkschaftsführer der CtW gewählt worden«, erklärte der Abgeordnete.

»Mister Donbright, was würde es dem Mörder bringen, drei Gewerkschaftsleute zu töten?«, fragte Phil und auch ich blickte noch nicht ganz durch. Denn ehrlich gesagt hatten wir bisher nur wenig mit Gewerkschaften zu tun gehabt.

»Unruhe, Inspektor Decker, Unruhe«, erwiderte Walter Donbright. »Der Vorstand der IWTU beschuldigt die Arbeitgeberverbände, etwas mit den Morden zu tun zu haben. Na ja, nicht direkt den Verband, aber einzelne Bauunternehmen, die momentan im Visier der Streiks stehen. Die Arbeitgeberverbände hingegen beschuldigen die IWTU, bezichtigen sie des provokativen Machtkampfs, damit es zu einer schnelleren Einigung kommt, was den Zusammenschluss der beiden Gewerkschaften angeht.«

»Sie meinen, der AFT-CIO und der IWTU, die beiden größten Gewerkschaften der Bauindustrie?«, stellte ich klar.

»Ja. Sie müssen verstehen, die Arbeitgeberverbände wollen das verhindern, denn wenn sich beide Gewerkschaften zusammenschließen, dann steht die gesamte Baubranche unter Druck. Auch wenn die Gewerkschaftszugehörigkeit in den letzten Jahrzenten rückläufig war, gehören doch etwa dreißig Prozent der Mitarbeiter von Bauunternehmen in den USA einer der beiden Gewerkschaften an«, erklärte er die Situation. »Das mag sich zwar nicht nach viel anhören, doch Sie können sich vorstellen, wie viel Druck diese neue große Gewerkschaft dann auf die Unternehmer ausüben könnte.«

»Das ist alles sehr spekulativ«, warf ich ein. »Ich meine, wir wissen nicht, ob es einen Zusammenhang bei den Morden gibt. Gut, ich räume ein, das Attentat auf Robert McKenzie, während der Demonstration, deutet auf ein politisches Motiv hin. Doch der erschossene Mann in New York und der angebliche Selbstmord in Chicago können ganz andere Gründe, private Gründe haben.«

»Nun, dann finden Sie es heraus«, sagte Director Fuller kurzerhand und ich konnte meinen überraschten Gesichtsausdruck kaum verbergen. »Inspektor Cotton, Inspektor Decker, ich möchte, dass Sie eine Task-Force bilden und sich die Fälle ansehen, in allen drei Bundesstaaten. Assistant Director Segal, ich nehme an, Sie haben nichts dagegen, wenn die Männer von Assistant Director High auch den Fall in Chicago untersuchen?«, fragte er und Assistant Director Segal schüttelte den Kopf.

»Nein, Sir, ganz und gar nicht«, meinte der Leiter der Field Operation Section Midwest.

»Walter«, wandte sich der FBI Director wieder an Donbright. »Wir brauchen einen Experten, der sich mit den Strukturen der Gewerkschaften auskennt und weiß, wie das Spiel zwischen den Unternehmern, den Arbeitgeberverbänden und der Gewerkschaft läuft.«

»Da fällt mir jemand ein. Er hat vor zwei Jahren die IWTU verlassen und ist bereits lange in Rente, doch es gibt keinen, der sich besser mit Gewerkschaften und Arbeitskampf auskennt. Ein Mann von der Straße, der sich über Jahre hinweg hochgearbeitet hat, bis in die Spitze der Gewerkschaft. Er kennt die Organisation und ihr Vorgehen aus dem Effeff. Allerdings muss ich Sie warnen, Inspektor, der Mann ist ein alter Haudegen und stur wie ein Maulesel.« Er sah mich an und zuckte leicht die Schultern.

***

Phil und ich riefen als Erstes Steve Dillaggio in New York an. Er hatte den Posten des Assistant Director übernommen, als Mr High und wir nach Washington gegangen waren. Unser alter Kollege sorgte dafür, dass der Fall Kenneth Wellington dem FBI überstellt wurde. Gerold Willson, der Pathologe des Scientific Research Team, würde mit seinem Kollegen Frederik Fortesque die Obduktion in Chicago durchführen.

Wir beide wollten so schnell wie möglich nach New York. Das Attentat hier in Washington war bereits vom FBI übernommen worden und das Field Office hatte uns Agent Sommerset und Agent Wurlitzer zur Verfügung gestellt, die vor Ort ermitteln sollten.

»Wir haben also zwei Mann in Washington, bekommen von Steve noch einen Agent, und SAC Maxwell Howard in Chicago stellt uns ebenfalls zwei Agents zur Verfügung. Mit Gerold, FGF, Concita und Mai-Lin haben wir dann eine ordentliche Personalressource für die Fälle«, meinte Phil erleichtert, denn es passierte nicht häufig, dass wir mit einer ordentlichen Personaldecke arbeiten konnten.

»Fehlt uns nur noch der Gewerkschaftsmann«, sagte ich. In dem Moment ging die Tür zu meinem Büro auf, ohne dass jemand geklopft hätte.

»Danke, Herzchen, jetzt komme ich allein klar«, sagte ein sonorer Bariton. Dorothy Taylor verzog den Mund angesichts dieser Titulierung und verschwand aus unserem Blickfeld. Ein Bär von einem Mann kam selbstbewusst in mein Büro. Ich schätzte ihn auf Ende sechzig, vielleicht sogar noch älter, doch er war körperlich verdammt gut in Schuss, mal abgesehen von dem Wohlstandsbauch, den er vor sich herschob. Er trug alte Bluejeans und ein großkariertes rotes Arbeitshemd. Eigentlich sah er mit seinen Arbeitsstiefeln aus, als wäre er gerade von einer Baustelle gekommen.

»Ich nehme an, Sie sind der Mann von der Gewerkschaft, der uns unterstützen wird«, sprach ich ihn an und reichte ihm meine Hand. »Ich bin Inspektor Cotton, das ist mein Partner Inspektor Decker«, stellte ich uns vor.

»Inspektor? So, so«, erwiderte er süffisant. »Na, das lassen wir gleich mal bleiben, Jungchen«, meinte er und griff mit seiner schwieligen Pranke nach meiner Hand, um sie zu schütteln, wobei zerquetschen es besser treffen würde. »Ihr habt doch bestimmt Vornamen, denn ich nenne niemanden Inspektor, der noch in die Windeln geschissen hat, als ich bereits meinen ersten Streik auf den Docks von New York organisierte.«

»Äh…«, war alles, was mein Partner rausbrachte, und das passierte nur sehr selten. Auch ihm schüttelte der Mann kräftig die Hand.

»Na, dann fang mal an, Jungchen, wie heißt du?«, fragte er Phil.

»Phil, Phil Decker«, erwiderte Phil brav, wie ein Schuljunge.

»Also Philipp, anständiger Name«, erwiderte er. »Dann nenne ich dich so, denn immerhin könnte ich dein Großvater sein, wenn ich mich angestrengt hätte«, sagte er und lachte laut auf.

»Eigentlich nur Phil«, kam es von meinem Partner nicht gerade überzeugend.

»Und du, Jungchen?«, fragte er, wandte sich an mich und ignorierte Phils Einwand einfach.

»Jerry, und wie heißen Sie?«, erwiderte ich überrumpelt.

»Jerry, was ist denn das für ein Name? Du bist doch kein Hund. Jungchen, wie heißt dein Kollege nun richtig«, meinte er und sah Phil wieder an. Ich konnte es nicht verhindern, obwohl ich die Schadenfreude bereits in Phils Augen sah. Sofort versuchte ich es mit einem warnenden Blick, doch Phil grinste bereits.

»Er heißt Jeremias.«

»Ein guter katholischer Name, prima. Also, ich bin Matthew Jamie Connor O’Kelly – ihr könnt mich Matthew oder Pops nennen, kommt aber nicht auf die Idee, Mat oder so etwas zu sagen. Verstanden, Jeremias und Philipp?«

»Sir, entschuldigen Sie, das hier ist eine FBI-Ermittlung, bei der Sie uns unterstützen sollen, und kein Familientreffen«, platzte mir der Kragen, was wahrscheinlich damit zu tun hatte, dass er darauf bestand, mich Jeremias zu nennen.

»Jungchen, jetzt sei mal nicht so verkrampft, stellst dich ja an, als ob dir ein Stock im Allerwertesten steckt«, musste ich mir anhören, während Phil lauthals anfing zu lachen. In dem Moment schwante mir bereits, dass mein Partner und dieser Mensch in kürzester Zeit die besten Freunde werden würden – natürlich auf meine Kosten.

»Pops, so ist mein Partner manchmal, etwas steif, doch glauben Sie mir, er ist schwer in Ordnung«, meinte Phil dann auch prompt, nachdem er sich beruhigt hatte, und war bereits völlig auf die kumpelhafte Art von O’Kelly eingegangen.

»Prima, na dann legen wir mal los. An die Arbeit, ich bin ein guter Teamplayer. Gibt’s hier auch mal einen anständigen Kaffee?«, fragte Matthew, und mir war irgendwie schon klar, wie diese Art von Teamarbeit vonstatten gehen würde. Doch ich machte mir nicht die Mühe, jetzt ein Wort darüber zu verlieren, und gab einfach auf, denn ich musste daran denken, was Donbright gesagt hatte, bezüglich des sturen Maulesels.

***

»Wir hatten eine Abmachung«, schnauzte Michael Bannister seinen Gesprächspartner an und drückte sein Handy fest ans Ohr. Er hatte immer noch einen gewaltigen Kater, denn nachdem dieser verdammte Gewerkschaftstyp Kenneth Wellington gestern Abend drei seiner Baustellen dichtgemacht hatte und die Arbeiter in den Streik getreten waren, war er kurzerhand nach Hause gefahren und hatte sich heillos betrunken.

»Michael, das haben wir auch. Wo liegt das Problem?«, fragte sein Kontaktmann.

»Wo das Problem liegt – wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Kenneth Wellington hat mir meine Großbaustellen lahmgelegt. Wissen Sie eigentlich, was es mich allein heute kostet, wenn die Männer nicht zur Arbeit erscheinen? Ich verliere jeden Tag einhunderttausend Dollar pro Baustelle, wenn nicht gearbeitet wird.« Michael Bannister schlug zornig mit der Hand auf den Frühstückstresen.

»Beruhigen Sie sich, Michael, es ist alles geregelt. Jemand ist bereits dabei, mit Ihren Arbeitern zu sprechen. Sie werden heute wieder arbeiten, glauben Sie mir einfach!«