Jerry Cotton Sammelband 25 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton Sammelband 25 E-Book

Jerry Cotton

0,0
6,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Sammelband 25: Fünf actiongeladene Fälle und über 300 Seiten Spannung zum Sparpreis!

G-Man Jerry Cotton hat dem organisierten Verbrechen den Krieg erklärt! Von New York aus jagt der sympathische FBI-Agent Gangster und das organisierte Verbrechen, und schreckt dabei vor nichts zurück!

Damit ist er überaus erfolgreich: Mit über 3000 gelösten Fällen und einer Gesamtauflage von über 850 Millionen Exemplaren zählt er unbestritten zu den erfolgreichsten und bekanntesten internationalen Krimihelden überhaupt! Und er hat noch längst nicht vor, in Rente zu gehen!

In diesem Sammelband sind 5 Krimis um den "besten Mann beim FBI" enthalten:

2900: Der Master-Code
2901: Der Countdown läuft
2902: Den Tod gibt's auf Rezept
2903: Das Haus der 1000 Augen
2904: Nur eine Leiche tilgt die Schuld

Jerry Cotton ist Kult - und das nicht nur wegen seines roten Jaguars E-Type.

Jetzt herunterladen und garantiert nicht langweilen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 662

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

BASTEI LÜBBE AG Vollständige eBook-Ausgaben der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgaben Für die Originalausgaben: Copyright © 2013 by Bastei Lübbe AG, Köln Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller Verantwortlich für den Inhalt Für diese Ausgabe: Copyright © 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln Covermotive von © shutterstock: Flik47 | sharpner ISBN 978-3-7325-8769-8 www.bastei.de www.luebbe.de www.lesejury.de

Jerry Cotton

Jerry Cotton Sammelband 25 - Krimi-Serie

Inhalt

Jerry CottonJerry Cotton - Folge 2900In Laos wurde die Leiche eines jungen Amerikaners gefunden, der im Besitz eines hochbrisanten Computer-Codes war. Ein Umstand, der sofort die FBI-Zentrale in Washington in helle Aufregung versetzte. Edward G. Homer persönlich schickte Phil und mich nach Asien, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vor Ort stellten wir fest, dass ein Menschenleben wenig galt und wir ganz oben auf der Abschussliste einer Organisation standen, die wir lange schon für erledigt gehalten hatten. Mitreißender Auftaktband des Jubiläums-ZweiteilersJetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2901Die Ereignisse in Laos ließen nur einen Schluss zu: Auf die USA war ein groß angelegter Cyperangriff geplant, von dem wir noch nicht einmal genau wussten, in welcher Form er stattfinden sollte. Phil und ich begaben uns zurück nach New York und wurden Teil einer Aktion, die sich gegen einen Feind wandte, den wir zwar kannten, aber nicht einschätzen konnten. Doch der Countdown lief- Abschlussband des packenden Jubiläumszweiteilers-Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2902Leigh Brady stand auf der George Washington Bridge, zögerte einen Moment und sprang dann in den Tod. Interessant wurde der scheinbare Selbstmörder für das FBI erst, als uns Commissioner Janet Blackwell von der New Yorker Sozialbehörde darauf aufmerksam machte, dass Brady in Bezug auf illegalen Arzneimittelhandel auffällig geworden war. Die Spur führte uns zu "GenaXent", einem Pharmariesen, bei dem nicht alles mit rechten Dingen zuging-Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2903Ein Mietshaus in New York, bewohnt ausschließlich von jungen Frauen zu sehr günstigen Konditionen, ist irgendwie verdächtig. Besonders als der Eigentümer des Gebäudes, Lewis Baxter, am Fuß der Kellertreppe tot aufgefunden wird. Schnell stellte sich heraus, dass er sie Frauen heimlich in intimen Situationen gefilmt hatte. Phil und ich machten uns auf die Suche nach dem Täter oder besser der Täterin, denn jede der Mieterinnen hatte ein Motiv-Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2904Abraham Sonnington und Peter Foxhound waren die beiden ersten - jetzt standen wir vor der Leiche von Ben Dukers. Alle drei Männer waren auf die gleiche Art ermordet worden. Wahrscheinlich von einer Frau. Schnell stellte sich heraus, dass wir es mit einem Racheengel zu tun hatten, der Männer tötete, die sich an Frauen vergangen hatten. Doch obwohl wir jede Menge Spuren hatten, blieb die Identität der Killerin lange im Dunklen-Jetzt lesen

Inhalt

Cover

Impressum

Der Master-Code

Jerry Cotton aktuell

Vorschau

Der Master-Code

Er konnte bereits das Rauschen des Flusses hören und erhöhte sein Lauftempo. Alex war kein Sportler und spürte jetzt schon das Brennen seiner Muskeln, die solche Strapazen einfach nicht gewohnt waren.

»Ich habe es geschafft«, jubelte er.

Die Lichter einer der vielen kleinen Whiskybars tauchten vor ihm auf. Mitten in seinen Jubel traf ihn etwas an den Fußknöcheln und riss Alex brutal zu Boden. Im nächsten Augenblick waren die drei Männer über ihm.

Als Alex die Messerklinge im fahlen Mondlicht aufblitzen sah, wollte er schreien.

Der Anblick des toten Landsmannes auf den Fotografien ließ Dick Henderson stutzen. Er hatte genügend Leichen im Lauf seiner Karriere beim FBI gesehen, um die erkennbaren Verletzungen nicht mit den abgegebenen Beschreibungen des Ermittlers aus Vientiane in Einklang zu bringen.

»Jemand hat dem armen Kerl die Hände gefesselt. Diese Strangulationsmale passen ebenfalls nicht zu einem Unfall«, murmelte Henderson.

Nachdem sein Misstrauen einmal geweckt war, untersuchte der Resident des FBI in Bangkok auch die persönlichen Dinge von Alexander Hartland genauer. Dessen schwer entstellter Leichnam war aus dem Nam Song gefischt worden. Angeblich gehörte Hartland zu den vielen jungen Urlaubern, die zum Rafting oder Tubing nach Laos gekommen waren. Die vergnügungssüchtigen Menschen betrachteten die kleine Stadt Vang Vieng als eine Variante eines Freizeitklubs ohne echte Regeln.

»Billiger Whisky, günstige Drogen und jede Menge Gleichgesinnter. Da passieren natürlich sehr viele Unfälle, und einige verlaufen leider tödlich«, lautete die Aussage.

Zunächst hatte Henderson dem Polizisten aus Vang Vieng durchaus Glauben geschenkt, denn er kannte die beunruhigende Anzahl der tödlichen Unfälle am Fluss Nam Song. Der Leichtsinn, der durch den Genuss von zu viel Alkohol und Drogen ausgelöst wurde, führte zu den Unglücksfällen. Doch bei näherer Betrachtung der Umstände des Todes von Alexander Hartland wuchsen die Zweifel beim Residenten des FBI erheblich.

»Sie konnten den Zugangscode knacken?«, fragte Henderson, als einer der Techniker aus der Botschaft mit dem Mobiltelefon des Opfers in sein Büro trat. Das Nicken des Technikers nahm Henderson mit Erleichterung auf, da ihn mittlerweile die berufliche Neugier gepackt hatte.

»Das kann doch nicht wahr sein!«, stieß er hervor.

Das flache Gerät, das fast die gleichen Funktionen wie ein Tablet-PC zur Verfügung stellte, entpuppte sich als aufregende Informationsquelle. Alexander Hartland unterhielt sehr ungewöhnliche Kontakte, und als der Resident das Ergebnis der Personenabfrage auf seinem Monitor angezeigt bekam, beschleunigte sich sein Pulsschlag zusätzlich.

»Ich benötige eine sichere Verbindung nach Washington«, forderte Henderson.

Der Mann vom FBI musste keine fünf Minuten warten, bis ihm eine der Leitungen freigeschaltet wurde. Anschließend wählte der Resident eine lange Telefonnummer, die ihn mit einem hochrangigen Kollegen im Hauptquartier der amerikanischen Hauptstadt verband. Als er Edward G. Homer über seine Funde informiert hatte, erhielt er klare Anweisungen.

»Schicken Sie einen Ihrer Agents nach Vang Vieng, Agent Henderson. Wir kennen die Auffassung der örtlichen Polizei, daher möchte ich Informationen aus einer zuverlässigen Quelle einholen«, ordnete Assistant Director Homer an.

Unmittelbar nach dem Gespräch veranlasste Agent Henderson den Aufbruch eines seiner Ermittler, der sich den Leichnam sowie die näheren Umstände des angeblichen Unglücksfalles genauer ansehen sollte.

»Ich sollte mit Inthavong sprechen. Er kann den Kollegen unterstützen«, murmelte Henderson.

Er griff erneut zum Telefon, um eine vertraute Nummer in Vientiane zu wählen.

***

Mr High hatte uns umfassend instruiert, bevor wir nach Bangkok aufbrachen. Die Geschehnisse, die zum Tod eines Kollegen in einem kleinen Touristenort mit dem Namen Vang Vieng geführt hatten, sorgten für einige Unruhe im Hauptquartier.

»Der Agent wurde ebenfalls tot aufgefunden, während der Leichnam von Hartland einfach verschwunden ist. So eine unglaubliche Geschichte kauft doch keiner den örtlichen Behörden ab«, sagte ich.

Als der Resident keine Rückmeldung seines Agents erhielt, wandte er sich an einen verlässlichen Informanten vor Ort. Der ehemalige Polizist hatte sich umgehört und konnte nur noch den Tod des Agents mitteilen. Angeblich war der Kollege bei einem Autounfall verunglückt und konnte seine Ermittlungen nicht einmal aufnehmen.

»Die örtlichen Behörden sind nicht unbedingt berühmt dafür, dass sie großes Engagement zeigen, wenn es um ausländische Touristen geht«, erwiderte Phil.

Die erste Teilstrecke unseres-United-Airlines Fluges dauerte knapp vierzehn Stunden und endete in Tokyo-Narita. Nach einem Zwischenaufenthalt von vier Stunden saßen wir weitere sieben Stunden im Flieger, bis wir in Bangkok eintreffen würden. Die lange Reisezeit wollten wir für die Vorbereitung unserer Ermittlungen nutzen. Unsere Sitzplätze befanden sich im hinteren Teil des Business-Class-Bereichs, direkt vor der Küche. Dadurch hatten wir Gelegenheit, auf dem langen Flug ungestört die Fakten des Falles zu erörtern.

»Den Residenten hat aber bereits der scheinbare Unfall von Alexander Hartland stutzig gemacht. Denk nur an die Fotografien des Leichnams«, ergänzte ich.

Damit hatte das Rätselraten seinen Anfang genommen. Hartland war ein vorbestrafter Hacker, der seine besonderen Fähigkeiten schon einmal für eine kriminelle Gruppierung eingesetzt hatte. Was hatte so ein Mann in Laos zu suchen? Wollte er wirklich nur einige Tage ausspannen?

»Wenn jemand einen Urlauber ausnehmen will, muss er ihn meistens nicht töten. Und wenn, gehören Fesselungen und Folter kaum zu den üblichen Gepflogenheiten«, stimmte Phil zu.

Ich hatte große Zweifel, ob wir während der Reise auch nur eines dieser Rätsel würden lösen können.

***

Er war mit dem Internet aufgewachsen. Dort kannte man den Professor nur als »Owl«, ein Spitzname, den er sich selbst zugelegt hatte. Am College, an dem er englische Literatur und griechische Philosophie lehrte, ahnte niemand etwas von seinem anderen Leben. Der Dozent war ein Außenseiter, da er trotz seiner sechsundvierzig Lebensjahre noch immer ein zurückgezogenes Junggesellendasein führte.

»Sie sind zu viel allein, Professor«, mahnte der Dekan öfter.

Das wahre Leben findet im Internet statt, dachte Owl.

Er war bereits viele Jahre dort aktiv und verfolgte mit zunehmender Besorgnis, wie sich das virtuelle Leben immer mehr verschlechterte.

»Zu viel Freiheit kann auch schädlich sein«, murmelte er.

Seitdem der mysteriöse Wettbewerb für den Zugangscode erstmals in einem der Subnetze aufgetaucht war, verfolgte Owl dessen Existenz mit hartnäckiger Verbissenheit. Da ihm viel Zeit und, dank einiger nicht ganz legaler Tricks, auch technisch nahezu unbeschränkte Möglichkeiten zur Verfügung standen, wusste er mehr. Anfangs hatte es ihn sogar gereizt, selbst diesen Code zu knacken und den Zugang in das Subnet zu finden. Sollte es ihm gelingen, erwarteten Owl angeblich 10.000 Dollar. Doch die Geheimniskrämerei des Ausrichters machte ihn stutzig. Steckte womöglich eine Regierungsbehörde dahinter?

»Die locken euch in eine verdammte Falle. Warum erkennt ihr es nicht?«

Auf allen erdenklichen Wegen versuchte der Collegeprofessor, seine Freunde im weltweiten Netz zu warnen. Als er mitbekam, dass einige der fähigsten Hacker von einer unbekannten Gruppe zu dem Wettstreit eingeladen wurden, ging Owl der Sache auf den Grund.

»Cypher? Wer zum Teufel steckt dahinter?«, fragte er sich.

Viele Stunden jagte er diesem Phantom im Netz hinterher, um so gut wie keine Hinweise zu finden. Innerhalb der Community genoss Owl einen guten Ruf, doch dieses Mal ignorierten viele seiner Freunde alle Warnungen. Ursprünglich hatte der Professor die virtuelle Welt so angenommen, wie sie sich offen präsentierte. Mit der Zeit drang Owl jedoch immer tiefer in die vielen Netze und Subnetze ein. Als er zufällig in Kontakt zu einem Hacker kam, entdeckte dieser Owls unglaubliche Fähigkeiten. Nach und nach wurde er so zu einem gefragten Ansprechpartner und erlangte eine besondere Stellung innerhalb der Netzgemeinde.

»Wo ist diese Farm?«, fragte er.

Seit einer Woche geisterte ein neues Gerücht durch die Welt der Bits und Bytes. Demnach hatte Cypher eine Gruppe von fünf besonders erfolgreichen Hackern aus dem Wettbewerb zu einer neuen Herausforderung eingeladen.

»Niemand bezahlt so viel Geld für eine Überprüfung irgendeines Sicherheitssystems«, mahnte Owl.

Es sträubte sich alles in ihm, wenn er von der Belohnung für ein Hackerprogramm las. Eine Million Dollar wurde dem Entwickler versprochen, und nachdem offenbar mehrere von ihnen bei dem ersten Wettbewerb tatsächlich die zugesagten 10.000 Dollar erhalten hatten, trauten die Hacker der Organisation. Owl nicht.

»Alles in Ordnung, Owl. Ich habe Kontakt zu Alex. Er und die anderen wurden auf einer Farm untergebracht. Es geht ihnen gut«, schrieb eines Tages Tessa.

Sie gehörte nicht zu den Hackern im eigentlichen Sinne, denn sie war nur die Schwester von Alexander Hartland. Trotzdem bewegte sie sich in den gleichen Netzwerken und kommunizierte so auch mit Owl. Auf seine Nachfragen zu der Farm reagierten andere Hacker.

»Das weiß doch niemand. Gib endlich Ruhe, Owl. Cypher ist sauber. Wir haben es überprüft«, lautete die Antwort.

Was konnten sie schon überprüfen? Nur die Spuren, die Cypher im Netz hinterlassen hatte. Wenn es gefährliche Spezialisten der Regierung wären, mussten sich diese Hinweise als falsche Fährten entpuppen. Warum wollten seine Freunde es nur nicht hören? Die Verlockung des Geldes stand wie eine Mauer zwischen ihm und den Hackern. Viele von ihnen träumten von einer finanziell gesicherten Existenz, in der sie sich dann nur noch ihrem Hobby widmen konnten.

»Lass dir von Alex sagen, wo genau sich diese Farm befindet«, bat Owl.

Obwohl Tessa es ihm zusicherte, hegte er starke Zweifel. Vermutlich sagte sie es nur, um Owl zum Schweigen zu bringen. Während er auf die Nachricht wartete, surfte der Collegeprofessor weiter durch Subnets. Er wusste, dass er irgendwann auf eine Spur stoßen würde. Eine Organisation wie Cypher konnte sich nicht im Internet bewegen, ohne technische Abdrücke zu hinterlassen. Owl hatte aber die wachsende Befürchtung, dass es bis dahin für seine Freunde schon zu spät sein könnte. Was konnte er nur tun? Die Gewissheit traf ihn wenige Stunden später mit brutaler Heftigkeit und brachte auch die Community in Aufruhr.

Hartland wurde ermordet!

Es wurmte Owl, dass an dieser Tatsache innerhalb der Community Zweifel bestanden. Auf verschlungenen Wegen hatte er sich die Ermittlungsakten beschafft und unter Mitwirkung eines Hackers aus Thailand in die englische Sprache übersetzen können. Owl erkannte auf Anhieb, dass etwas faul war an den offiziellen Ausführungen. Doch innerhalb der Netzgemeinde fand er erneut nicht genügend Gehör. Der reizvolle Auftrag der Organisation mit dem Namen Cypher blendete die jungen Hacker und ließ die Warnungen von Owl ungehört verklingen.

***

Wir blieben nur einen Abend und die Nacht in Bangkok. Der Resident des FBI speiste mit uns in der Botschaft und gab sein Wissen weiter.

»Alexander Hartland ist definitiv einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Obwohl sein Leichnam auf nicht nachvollziehbare Weise aus der Obhut der örtlichen Polizei wieder verschwunden ist, hätte unser Kollege sicherlich einige Hinweise finden können«, sagte Dick Henderson.

Der Tod seines Mitarbeiters hatte ihn sichtlich mitgenommen. Phil und ich hegten ebenfalls keine Zweifel daran, dass der Autounfall nur ein Täuschungsmanöver sein konnte. Unser Kollege hatte offenbar die Mörder von Alexander Hartland nervös gemacht und sie zu dieser Vorgehensweise veranlasst. Daraus ergab sich aber eine weitere dringliche Frage.

»Haben Sie eine Ahnung, warum Hartland sich in Laos aufhielt?«, fragte Henderson.

»Dazu müssen wir seine Schwester auftreiben. Sie ist die einzig lebende Verwandte und sollte uns Auskunft geben können. Unsere Kollegen in New York suchen sie bereits«, antwortete ich.

Da es sich bei Hartland um einen Hacker mit kriminellen Neigungen handelte, musste dieser Sache unbedingt auf den Grund gegangen werden.

»Können Sie sich vorstellen, wer in Laos ein Interesse an den Fähigkeiten eines Hackers hätte?«, fragte Phil.

Agent Henderson sah vor allem die Drogenbanden als mögliche Auftraggeber an. Welches Ziel sie jedoch verfolgen könnten, blieb auch für den Residenten des FBI ein Rätsel. Davon enthielt diese Ermittlung mehr als genug.

»Wenn Sie morgen in Vientiane ankommen, nimmt Sie dort Kilakone Inthavong in Empfang«, sagte Henderson.

Er beschrieb uns den ehemaligen Polizisten, der seit einigen Jahren als Hotelier seinen Lebensunterhalt verdiente, als verlässlichen Partner.

»Inthavong spricht alle laotischen Dialekte und dazu fließend Englisch sowie Französisch. Er wird Ihnen sicherlich wertvolle Dienste leisten«, versprach der Resident.

Nach einer wenig erholsamen Nacht – sowohl der Jetlag als auch die ungewohnten Temperaturen hinderten mich am Schlafen – flogen Phil und ich weiter nach Laos. Am Flughafen nahm uns der kahlköpfige Inthavong in Empfang und verfrachtete uns in einen Geländewagen. Nach einem Zwischenstopp bei Inthavongs Kontaktmann, der Phil und mir jeweils eine Beretta samt Reservemagazinen sowie Gürtelholster aushändigen konnte, fuhren wir weiter zu der kleinen Stadt am Nam Song.

»Das ist doch verrückt«, entfuhr es Phil.

Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können, was der Anblick in mir auslöste. Die Kleinstadt Vang Vieng war offenkundig fest in der Hand der westlichen Touristen, die überwiegend jüngeren Alters waren. Ihr lautes Treiben erinnerte mich an Collegepartys, in denen es meistens ähnlich überschwänglich zuging.

»Sehen Sie die vielen schlichten Bretterbuden, die links und rechts am Ufer aufgestellt sind?«, fragte Inthavong.

Die waren kaum zu übersehen. Wie eine Perlenschnur reihten sich diese Verschläge aneinander und auch dort herrschte lebhafter Betrieb. Die Touristen steuerten sie unter großem Gebrüll an, wobei ihnen die Betreiber mit langen Stangen das Anlegen erleichterten. Mehrfach konnte ich in den wenigen Augenblicken verfolgen, wie riskant die Manöver häufig waren. Junge Männer kreiselten auf den dicken Truckschläuchen in der Strömung des Nam Song und hatten große Mühe, einen erkennbaren Kurs einzuhalten. Tubing unter Alkohol- oder Drogeneinfluss war eine sehr gefährliche Angelegenheit.

»Ja. Was passiert da?«, fragte ich.

Inthavong deutete auf den einfach gezimmerten Anlegesteg der Bude, die uns am nächsten war. Schnell erkannte ich, worauf er mich aufmerksam machen wollte. Drei Männer schlürften eine braune Flüssigkeit aus einem großen Glasbehälter, indem sie an Strohhalmen saugten.

»Da ist billiger Whisky drin, Agent Cotton. Für wenige Dollars verkaufen die Budenbetreiber den minderwertigen Alkohol und locken die Touristen anfangs mit kostenfreien Getränken an«, erklärte Inthavong.

Doch nicht nur der Alkohol wurde am Fluss billig angeboten, Gleiches galt auch für Drogen aller Art. Die Touristen mussten keine Eingriffe der Polizei befürchten, da es scheinbar ein seltsames Agreement gab.

»Offiziell ist diese Form des Tourismus nicht erwünscht, doch hinter den Kulissen verdienen mächtige Gruppen daran und verhindern das Einschreiten der Behörden«, erklärte der Laote.

»Und hier soll sich Alexander Hartland vergnügt haben?«, fragte Phil skeptisch.

Wir tauschten untereinander Blicke aus, da wir alle daran zweifelten. Das war schlicht eine unpassende Umgebung für einen Nerd, wie Hartland einer gewesen sein sollte.

***

Mein Blick blieb an drei Männern hängen, die nicht in das übliche Bild passten.

»Kennen Sie die Männer dort hinten?«, fragte ich.

Inthavong wandte leicht den Kopf, um die drei Gestalten kurz zu mustern. Dann nickte er mit grimmiger Miene.

»Das sind Aufpasser. Sie sollen verhindern, dass es zwischen den Touristen und den Einheimischen zu Übergriffen kommt«, antwortete er.

An meinem verständnislosen Blick konnte Inthavong ablesen, dass er weiter ausholen musste.

»Für die einfachen Menschen am Fluss ist dieser Tourismus eine Katastrophe. Nach ihren Vorstellungen ist der Fluss mit allem darin für längere Zeit verflucht, wenn eine Leiche darin schwimmt. Allein in diesem Jahr gab es bereits über zwanzig Todesfälle«, erklärte er.

Doch selbst wenn die Fischer sich über diesen Fluch hinwegsetzen wollten, behinderte das wilde Treiben auf dem Nam Song ihr Geschäft. Es hatte bereits einige Kämpfe deswegen gegeben, weshalb die Betreiber der Whiskybuden und Verleihstationen für Truckschläuche die Aufpasser angeheuert hatten.

»Könnte dann nicht Alexander Hartland so einem Überfall zum Opfer gefallen sein?«, fragte ich.

Es war eine Möglichkeit, die wir nicht komplett ausklammern durften. Doch Inthavong schüttelte entschieden den Kopf.

»Nein, so weit würden die Einheimischen nicht gehen, und die Aufpasser würden eher einem in Not geratenen Touristen helfen«, sagte er.

Damit war die Sache entschieden. Wir würden am Fluss nach anderen Mördern suchen müssen. Während ich nachdenklich das Treiben dort unten beobachtete, trat auf einmal ein älterer Mann zu Inthavong. Ich registrierte einen schnellen Wortwechsel in einer Sprache, die mir völlig fremd war.

»Was ist los?«, fragte ich.

Der Einheimische war wieder in der kleinen Gasse hinter uns verschwunden, während Inthavong ein nachdenkliches Gesicht zeigte.

»Er hat Weiße beobachtet, die sich nicht wie andere Touristen verhalten. Sie sollen bewaffnet sein und sich an dem Abend vor Hartlands Auffinden am Fluss aufgehalten haben«, antwortete er.

Wenn es hier Menschen unserer Hautfarbe gab, die bewaffnet durch die Gegend liefen, war es verdächtig. Die Beobachtung des Einheimischen alarmierte mich, doch wir benötigten eindeutig mehr Informationen.

»Hat er gesehen, woher sie kamen oder wohin sie gegangen sind?«, fragte Phil.

Dazu hatte der Mann nur vage Angaben machen können, dennoch gab es eine Stelle am Fluss, die wir uns ansehen wollten.

»Dann schauen wir uns jetzt erst einmal dort um, wo Ihr Kontaktmann die verdächtigen Weißen gesehen hat«, sagte ich.

Inthavong nickte knapp und übernahm die Führung.

Als wir die Stelle erreichten, sah sie zunächst nicht anders aus als der übrige Uferbereich. Doch nachdem wir uns getrennt hatten, kam sehr schnell ein Ruf von Phil. Mein Partner hatte einen kleinen Pfad entdeckt, der vom Fluss wegführte.

»Hier, seht selbst. Da hat ein Kampf stattgefunden«, sagte Phil.

Inthavong und ich gingen im Dämmerlicht des Dschungels ebenfalls in die Hocke, um im Licht einer Taschenlampe die Spuren anzusehen. Der Pfad wurde offenbar sehr selten benutzt, denn ansonsten hätten diese Hinweise längst verschwunden sein müssen.

»Es hat eine längere Trockenphase gegeben. Dabei wurde die Erde extrem ausgetrocknet, wodurch die Spuren nahezu konserviert wurden«, erklärte Inthavong.

Während Inthavong und ich noch auf die Abdrücke am Boden starrten, setzte Phil seine Suche fort.

»Hier ist Blut«, rief er.

Wir mussten uns durch den Dschungel vorarbeiten, um zu seiner Position jenseits des Pfades zu gelangen. Die Vegetation machte es einem sehr leicht, die Spuren eines Verbrechens zu verbergen. Doch den scharfen Augen meines Partners waren sie trotzdem nicht entgangen.

»Das könnte die Stelle sein, an der die Mörder Hartland gefoltert und getötet haben«, sagte Phil.

Wir einigten uns darauf, den Pfad tiefer in den Dschungel hinein zu verfolgen.

»Es dürfte interessant sein, das Ende des Pfades zu finden«, sagte ich.

Inthavong schaute mich verwundert an.

»Wir können nicht einfach in den Dschungel gehen, Agent Cotton. Es wäre zu gefährlich, solange wir nicht besser ausgerüstet sind«, widersprach er.

»Sie haben recht, Inthavong. Verzeihung, aber ich hatte die besonderen Umstände vergessen«, antwortete ich.

Nach einem abschließenden Blick kehrten wir um. Während ich mich umdrehte, bemerkte ich eine Bewegung nicht weit von meiner Position entfernt. Ich erstarrte und schaute fassungslos in das bleiche Antlitz eines Mannes, der einen leisen Fluch ausstieß. Im nächsten Augenblick prasselten Projektile wie schwere Regentropfen in die Blätter der Bäume neben mir.

***

Die beiden Cops standen überraschend vor ihrer Apartmenttür und zeigten Tessa ihre Dienstmarken.

»Miss Hartland? Wir müssen Ihnen leider eine traurige Mitteilung machen«, sagte der Ältere von ihnen.

Tessa Hartland hatte die beiden Detectives ins Wohnzimmer geführt und dann vom Tod ihres Bruders erfahren. Sie hörte zwar die Worte, doch ihr Verstand weigerte sich, die Tatsache anzuerkennen. Alex durfte nicht tot sein! Nicht ihr Bruder war in diesem fremden Land gestorben, sondern ein Fremder. Was hätte Alex auch dort zu suchen gehabt? Er hasste jede Form von sportlichen Betätigungen und verließ seine kleine Wohnung in Brooklyn so gut wie nie.

»Sie werden später noch Besuch vom FBI bekommen, Miss Hartland. Es gibt einige Fragen zu dem Anlass, der Ihren Bruder nach Laos geführt hat«, sagte der Detective.

Fragen? Davon hatte Tessa selbst genug. Sie rief ihren Freund Ben Faulkner an, kaum dass die Cops gegangen waren.

»Hier kommst du nicht zur Ruhe, Tessa. Wir fahren in meine Wohnung«, sagte er.

Ben hatte versucht, seine Freundin zu besänftigen, doch Tessa wollte den Tod ihres Bruders nicht akzeptieren. Immer wieder machte sie Anstalten, eine Reisetasche zu packen, um zum Flughafen zu fahren und den nächstbesten Flug nach Laos zu nehmen. Ben schaffte es immerhin, seine Freundin mit zu sich zu nehmen. Seine Hoffnung, dass Tessa dadurch von ihrem Vorhaben ablassen würde, erwies sich als Irrtum. Da sie nicht lockerließ, organisierte Ben über ein Internetportal zwei Flugtickets nach Thailand.

»Wir können in fünf Stunden von Newark abfliegen. Bist du sicher, dass es dein Wunsch ist?«, fragte er.

Tessa bestand auf dem sofortigen Aufbruch. Jetzt waren sie auf dem Weg nach Newark, der ersten Station ihrer langen Reise. An deren Ende wollte Tessa ihren geliebten Bruder unversehrt in die Arme schließen. In ihr tobte ein Kampf. Sollte sie annehmen, dass ihr Bruder noch lebte? Konnten die Behörden sich dermaßen irren? Alex war seit über zwei Wochen, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, einfach aus ihrem Leben verschwunden. Ihre Vermisstenanzeige hatte lange keinen Erfolg gehabt. Bis die beiden Detectives auf einmal vor ihrer Wohnungstür aufgetaucht waren.

»Bleib ganz ruhig. Wir wissen morgen schon mehr«, sagte Ben.

Er war wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung.

»In zwanzig Minuten sind wir am Flughafen, und da trinken wir erst einmal einen Kaffee«, redete Ben weiter.

Da Tessa wusste, was er damit bezweckte, drückte sie ihm dankbar die Hand. Ben erwiderte den Druck und schaute seine Freundin lächelnd von der Seite her an. Tessa wollte gerade etwas erwidern, als ihr die heftige Veränderung in Bens Gesicht auffiel. Er riss seine Augen voller Unglauben weit auf und aus seinem Mund kam ein unverständlicher Laut.

»Was ist denn?«, fragte Tessa.

Da Ben weiterhin an ihr vorbei durch die Seitenscheibe schaute, drehte auch Tessa sich um. Ein dunkler SUV hatte sich neben das Taxi gesetzt. Die hintere Seitenscheibe war halb gesenkt, sodass Tessa die Mündungen zweier Waffen erkennen konnte.

»Fahren Sie doch, Mann!«, brüllte Ben.

Der Fahrer des Taxis, der ihn und Tessa nach Newark bringen sollte, wippte immer noch mit dem Kopf zu den Klängen der Musik. Er hatte die Bedrohung noch nicht registriert.

»Keine Panik, Mister. Wir werden rechtzeitig am Flughafen sein«, antwortete er.

Im nächsten Augenblick schlugen die Kugeln in die Karosserie des Wagens ein, die hinteren Scheiben lösten sich in einem Scherbenregen auf. Fassungslos schaute der Fahrer über seine linke Schulter und erkannte endlich, in welcher Gefahr er selbst schwebte. In einem Reflex hämmerte er den Fuß auf das Bremspedal, sodass der SUV mit hoher Geschwindigkeit an dem Taxi vorbeischoss. Doch die Schützen auf der Rückbank feuerten ununterbrochen auf das Fahrzeug und töteten auch den Fahrer. Während er zur Seite sackte, fuhr der Wagen in unkontrollierten Schlingerbewegungen weiter.

»Tessa?«, rief Ben.

Obwohl er selbst schwer getroffen worden war, blieben seine Gedanken bei der Freundin. Doch sie war bereits tot, und nachdem das schwere Fahrzeug von der Straße abgekommen war, verlor auch Ben das Bewusstsein. Nach einigen heftigen Drehungen, bei denen das Taxi mehrere Fahrzeuge auf dem Parkplatz eines Diners touchierte, kam der Wagen endlich zum Stehen. Einige Gäste und der Inhaber des Diners eilten hinaus. Als sie die Einschusslöcher in der Karosserie sowie die drei nicht ansprechbaren Insassen entdeckten, alarmierten sie die Cops.

***

Es war ein herrlicher Traum gewesen, dem Russ Bowman nachgehangen hatte. Zuerst diese Herausforderung mit dem Zugangscode, der ihm den Weg zu 10.000 Dollar versperrte.

»Kein leichtes Ding, aber für einen Mann meiner Klasse letztlich auch keine große Sache«, hatte er geprahlt.

Kaum hatte er den Code geknackt, fand er sich in einem Subnetz wieder. Keine Stunde nach seinem ersten Besuch in dem hermetisch abgesicherten Netz trudelten die versprochenen Dollars auf seinem Konto per Online-Banking ein.

»Cypher ist seriös«, hatte Russ daraufhin gepostet.

Alle seine Freunde in der Community sollten es lesen und vor Neid erblassen. So hatte es der Hacker in diesem Moment des Triumphes empfunden.

»Sie haben sich für eine höhere Aufgabe qualifiziert«, wurde ihm mitgeteilt.

Russ und vier weitere Hacker aus den USA erhielten die einmalige Chance von Cypher, bei einem Millionenprojekt mitzumachen.

»Wer den Master-Code entwickelt, der erhält eine Million Dollar in bar«, hieß es.

Allein diese gewaltige Summe an Bargeld war nahezu unwiderstehlich. Es gab trotzdem einige Nachfragen zu dem ominösen Master-Code. Cypher beschrieb ihn als neueste Absicherung für weltweit tätige Bankinstitute, die sich so vor unerwünschten Hackerangriffen schützen wollten. Wer konnte besser einen solchen Master-Code entwickeln als einer der Tophacker aus den USA? Daher ging Russ, genau wie die anderen vier Hacker, auf den Deal ein. Doch in den zurückliegenden Tagen auf dieser Farm, die irgendwo in Asien sein musste, quälten ihn immer stärkere Zweifel.

»Hier ist etwas faul, Russ. Owl hat völlig recht. Wir müssen mehr über Cypher erfahren. Wer steckt dahinter?«, hatte Alex gefragt.

Dieses Gespräch lag fast zwei Tage zurück, und seitdem war Alex spurlos verschwunden. Dabei hatte er sich in der Nacht nur ein wenig auf der Farm umsehen wollen. Russ hatte seinen neuen Freund eindringlich gewarnt, da sie beide keine Geheimagenten waren. Doch Hartland verfügte über bessere Nerven, vielleicht auch, weil er bereits Erfahrungen mit kriminellen Organisationen besaß. Oder war es nur Angeberei gewesen, um seinen Status innerhalb der Gruppe zu erhöhen?

»Alex ist mit Owl in Verbindung gewesen. Wie hat er das nur bewerkstelligt?«, fragte sich Russ.

Sein Gefühl sagte dem Hacker, dass Alexander Hartland nicht mehr am Leben war. Damit Russ nicht das gleiche Schicksal ereilte, musste er Vorkehrungen treffen. Nur wie? Die Aufpasser auf der Farm, alles gefährlich wirkende Typen, verhinderten Ausflüge in die Umgebung. Leider konnte Russ auch nicht sein bevorzugtes Medium nutzen.

Obwohl die technische Ausstattung der Farm keine Wünsche offen ließ, blieb den Hackern der Weg ins Internet versperrt. Sie konnten nur spezielle Subnetze aufsuchen, die permanent technisch überwacht wurden. Sobald einer der Hacker einen Ausgang in Richtung des öffentlichen Internets versuchte, wurde es entdeckt und der Kandidat verlor seine Berechtigung auf den hohen Wetteinsatz.

Vermutlich auch sein Leben, dachte sich Russ.

Seine anfängliche Euphorie war völlig verflogen, und daher suchte sein Gehirn fieberhaft nach einem Ausweg. Alex hatte es schließlich auch geschafft, ohne dass die Aufpasser seine Verbindung zur Außenwelt enttarnt hätten. Wie hatte er es angestellt?

»Er muss es in der Programmierung versteckt haben. Anders ist es nicht denkbar«, murmelte Russ.

Eine Weile dachte er sogar über eine Flucht von der Farm nach. Doch er wusste nur, dass sie irgendwo in Asien angesiedelt war. Die Hacker waren über verschiedene Wege bis nach Bangkok gereist, wo sie dieser unheimliche Südafrikaner in Empfang genommen hatte. Er stellte sich als Rick Steenburg vor und bezeichnete sich als Sicherheitschef von Cypher. Anschließend wurden die fünf Hacker in einen Bus mit abgedunkelten Scheiben gesetzt, zu einem kleinen Flugplatz gefahren und dort in eine Propellermaschine verfrachtet. Ab diesem Zeitpunkt verloren Russ und seine vier neuen Freunde jede Orientierung, wie sich aus den späteren Gesprächen ergab. Es war dieser Umstand, der Russ alle Fluchtpläne von der Farm aufgeben ließ.

»Ich muss Owl erreichen«, sagte er entschlossen.

***

Wer immer auch die Angreifer waren, sie beherrschten den Umgang mit automatischen Waffen. Während ich am Boden liegend das Feuer des Gangsters unmittelbar vor mir erwiderte, ratterten weitere Maschinenpistolen los. Ich hörte das Krachen von Phils Beretta und auch Inthavong wehrte sich entschieden seiner Haut.

»Jerry?«

Mein Partner machte mir Zeichen. Der ehemalige Cop aus Vientiane wollte einen weiten Bogen schlagen, um in die Flanke der Angreifer zu gelangen. Phil machte mich auf Inthavongs Vorhaben aufmerksam, damit ich die Gangster ablenken half. Mein Partner und ich wechselten in schneller Folge die Positionen, womit wir die Aufmerksamkeit der Angreifer auf uns zogen.

»Das halten wir nicht lange durch«, murmelte ich.

Die bessere Bewaffnung der Gangster wurde zunehmend spürbar. Soeben hatte ein langer Feuerstoß eine schwere Liane über meinen Kopf glatt in der Mitte durchtrennt und Pflanzenreste prasselten auf mich herab. Mit einer wütenden Bewegung schoss ich erneut auf den Gangster, der sich kaum mehr als dreißig oder vierzig Yards von mir entfernt durch den Dschungel bewegte.

Schon zum zweiten Mal verschwand mein Gegner aus meinem Sichtfeld, nur um kurze Zeit später neben einem Baumstamm in bedrohlicher Nähe aufzutauchen. Erst das Mündungsfeuer seiner Waffe zeigte mir die neue Position, während die Garbe knapp an meiner rechten Körperseite vorbei ins Unterholz zischte. Ich bereitete mich auf einen Sprung vor, um erneut mehr Distanz zwischen den Gangster und mich zu bringen.

»Na endlich«, stieß ich hervor, als Inthavong wieder in das Geschehen eingriff. Es war ein sehr effektiver Auftritt, denn schlagartig zogen sich die Gangster tiefer in den Dschungel zurück.

»Sollen wir ihnen nachsetzen?«, fragte Phil.

Mein Partner hatte die Ablenkung genutzt, um dicht zu mir aufzuschließen. Auf seine Frage reagierte ich nach kurzem Nachdenken mit Kopfschütteln.

»Wir kennen den Dschungel einfach nicht gut genug und ich möchte in der Dunkelheit nicht in eine Falle tappen«, erwiderte ich.

Weitere Schüsse klangen durch die Nacht, untermalt vom lauten Kreischen irgendwelcher Tiere. Nach und nach wurden die Geräusche leiser und dann hörte ich keine Schüsse mehr.

»Was treibt Inthavong nur? Will er die Gangster etwa die ganze Nacht verfolgen?«, fragte ich.

Ein leises Rascheln ließ mich herumfahren und die Mündung der Beretta in die Richtung der Geräusche lenken.

»Will ich nicht, Agent Cotton. Nehmen Sie bitte die Waffe runter. Es wäre doch unglücklich, wenn Sie mich aus Versehen erschießen würden«, meldete sich Inthavong.

Mit einem erleichterten Grinsen erschien er gleich darauf zwischen zwei Bäumen. Inthavong berichtete von der kurzen Verfolgungsjagd, die er für unerlässlich gehalten hatte.

»Sie sollten die Lust darauf verlieren, sich weiter um uns zu kümmern«, schloss er den Bericht.

Ich verstand sein Handeln und nickte Inthavong anerkennend zu.

»Konnten Sie erkennen, was für Männer das waren?«, fragte Phil.

»Es war wenigstens ein Weißer dabei«, warf ich ein.

Ich erzählte von meinem Augenkontakt mit dem Gangster, der uns offenbar zuvor beobachtet hatte.

»Ich habe einen Asiaten ausmachen können. Möglicherweise sind wir auf Drogenschmuggler gestoßen, die uns für Cops hielten«, sagte Inthavong.

Solche Banden waren häufig ethnisch durchmischt, wie er zu erzählen wusste. Unter den Schmugglern gab es immer wieder Weiße, die in diesem Teil Asiens an schnelles Geld kommen wollten.

»Möglicherweise haben wir aber auch die Mörder von Hartland gestört, die ihre Spuren verwischen wollten«, schlug ich vor.

Inthavong wiegte skeptisch den Kopf.

»Dann hätten sie sich doch schon früher darum kümmern können«, erwiderte er.

Ich erinnerte ihn an die angeblich ungewöhnliche Trockenperiode, die erst die Konservierung der Spuren möglich gemacht hatte.

»Ja, das wäre denkbar«, räumte Inthavong ein.

Während wir ihn sicherten, fertigte Phil einige Fotografien der Spuren mit der Kamera in seinem Mobiltelefon an. Es war nicht auszuschließen, dass die Gangster später zurückkehrten und ihren Auftrag doch noch zu Ende brachten.

»Können wir den Pfad bei Tageslicht überprüfen?«, fragte ich.

Es war einen Versuch wert, und dieser Überlegung schloss sich auch Inthavong an. Vorerst kehrten wir jedoch in unser Hotel zurück. Als ich mich aber auf eine erfrischende Dusche freute, wurde ich enttäuscht: Aus dem angerosteten Duschkopf kam nur ein lauwarmes Rinnsal, das kaum den Schweißfilm von meinem Körper abspülen konnte.

»Wie soll einer bei dieser Hitze schlafen können?«, fragte ich mich.

Ich lag, nur mit einer Boxershorts bekleidet, auf dem Bett und schwitzte bereits wieder vor mich hin. Auch die Nachttemperaturen lagen nur unwesentlich unter der Dreißiggradmarke, und da es nur einen defekten Deckenventilator gab, war an Kühlung nicht zu denken.

***

June Clark zeigte ihre Dienstmarke dem Officer, der vor der Tür zum Krankenzimmer stand und Wache hielt.

»Special Agent Clark, und das ist mein Partner, Special Agent Duvall«, sagte sie.

Der Cop prüfte die Legitimationen und notierte die beiden Besucher in einer Liste. June und Blair betraten das Krankenzimmer von Ben Faulkner. Die Aussagen des Studenten hatten dafür gesorgt, dass Mr High seine Agents umgehend ins Krankenhaus geschickt hatte. Besonders sein Hinweis auf einen Wettbewerb, der von einer mysteriösen Organisation mit dem Namen Cypher ausgelobt worden war, löste höchstes Interesse aus. Es sollte dabei um einen Zugangscode gehen, den die Hacker knacken mussten, um an 10.000 Dollar zu gelangen.

Der NSA waren bereits Gerüchte über diesen Zugangscode zu Ohren gekommen, ohne dass die Kollegen in Fort Meade mehr darüber hätten in Erfahrung bringen können. Bislang handelte es sich lediglich um eine mögliche Bedrohung, die vielleicht nach der Befragung von Ben Faulkner greifbarer wurde. Der Begriff Cyber-War sorgte sowohl in Fort Meade wie auch in Washington für nervöse Reaktionen. Das FBI sollte daher der Sache nachgehen.

»Sie sind der Freund von Tessa Hartland?«, fragte June.

»Ja, und der Überfall muss ihr gegolten haben«, antwortete Ben.

Ohne auf eine weitere Aufforderung zu warten, berichtete Ben von dem Tod Alexanders sowie Tessas Zweifel daran.

»Warum glaubte Tessa nicht an den Tod ihres Bruders?«, fragte Blair.

Ben erklärte es den Agents. Seine Ausführungen deckten sich weitgehend mit den bekannten Fakten. Alexander Hartland zählte nicht zu den Menschen, die ihre Freizeit mit Kumpels beim Trinken und Tubing zubrachten.

»Wieso musste Tessa sterben? Gehörte sie auch zu den Hackern?«, fragte June.

Sie war sehr froh gewesen, als der behandelnde Arzt ihr gesagt hatte, dass Ben Faulkner über den Tod seiner Freundin informiert sei. Offenbar halfen auch die Medikamente dem Studenten, mit dem Schmerz und der Trauer leichter zurechtzukommen.

»Nein, Tessa doch nicht! Sie hatte nicht das Talent wie Alex und wurde häufiger von ihm oder einem anderen Hacker aus dem Netzwerk wegen ihres angeblich leichtfertigen Umgangs mit dem Internet gescholten«, erwiderte Ben.

Blair warf seiner Kollegin einen Seitenblick zu. Lag hier der Schlüssel zu dem Überfall? Hatte Tessa womöglich unwissentlich brisante Hinweise auf die Hintermänner von Cypher ausposaunt?

»Wir würden uns gerne den Laptop Ihrer Freundin ansehen. Leider konnten wir ihn nicht in der Wohnung finden. Haben Sie eine Ahnung, wo wir das Gerät finden können?«, fragte June.

Sowohl Tessas wie auch Bens Wohnungen waren aufgebrochen und verwüstet worden. June und Blair hatten sich beide Apartments kurz angesehen und mit den Kriminaltechnikern gesprochen.

»Er muss in der Wohnung sein«, antwortete Ben.

June berichtete über den Einbruch und den Zustand der Wohnungen. Ben fluchte leise und dann glitt auf einmal ein Lächeln über sein blasses Gesicht.

»Worüber freuen Sie sich?«, fragte Blair verwundert.

Der Student erklärte es den Agents, die sofort hellhörig wurden. Tessa hatte einige Sicherheitsvorkehrungen von ihrem Bruder eingetrichtert bekommen. Dazu zählte auch die Auslagerung aller Dateien, mit denen sie regelmäßig arbeitete.

»Einen großen Teil davon finden Sie in einer Cloud, Agent Clark. Geben Sie mir bitte etwas zum Schreiben«, sagte Ben.

Nachdem Blair ihm einen Block und Kugelschreiber gegeben hatte, notierte Ben einige Netzadressen sowie Passwörter. Dadurch erhielt das FBI Zugang zu Tessas gesicherten Daten.

»Neben der Cloud gibt es noch zwei Rechner, auf denen Tessa alle Daten aus ihrem Laptop gespiegelt hat. So wollte sie einem Datenverlust vorbeugen«, erklärte er.

June hatte schon von dem Verfahren gehört und wusste daher, dass ihnen damit ein großer Fund gelungen war. Diese Clouds waren im Prinzip nichts anderes als Wolken von Daten, die der jeweilige Nutzer von jedem beliebigen Gerät unter Verwendung der Zugangsdaten abrufen konnte.

»Können die Daten von Fremden gelöscht werden?«, fragte Blair.

Ben Faulkner zuckte mit den Achseln. »Vermutlich schon, wenn jemand über die Qualitäten eines Alexander Hartland verfügt. Ich wüsste nicht, wie man es anstellen sollte«, antwortete er.

Nachdem June und Blair mit der Vernehmung fertig waren, eilten sie aus dem Krankenhaus und stiegen in den roten Dodge Nitro.

»Wir müssen schleunigst die Spezialisten auf Tessas Sicherungskopien ansetzen. Wenn die Angreifer tatsächlich in irgendeiner Verbindung zu den Hintermännern des Zugangscodes stehen, sind auch die ausgelagerten Daten in Gefahr«, sagte June.

Sie beugte sich über den Computer in der Mittelkonsole und erteilte entsprechende Anweisungen, damit die Spezialisten des FBI umgehend an die Arbeit gehen konnten. Zum Schluss gab sie die Netzwerkadressen sowie Passwörter ein, die ihnen Ben notiert hatte.

»Was machen wir jetzt?«, fragte Blair.

Da die Cops den SUV gefunden hatten, mit dem die Killer unterwegs gewesen waren, kannte das FBI nun auch die Vermietungsfirma des Fahrzeugs.

»Wir sehen uns bei der Vermietungsgesellschaft des Wagens um«, entschied June.

***

Der Besuch bei der Mietwagenfirma wurde zu einem unerwarteten Erfolg.

»Der Mann hat sehr genau gewusst, wo die Überwachungskameras sind«, schimpfte June.

Während sich das Personal ausgesprochen kooperativ verhielt, torpedierte der Mieter des SUV die Bemühungen der Agents.

»Das wird ihm aber wenig helfen«, meldete sich Blair.

Der farbige Partner von June kam mit einem spitzbübischen Grinsen ins Büro des Filialleiters.

»Auf Wunsch eines Kunden wurde bei einem Buick eine Kamera auf dem Armaturenbrett installiert. Nachdem die Installation abgeschlossen war, ließ der Techniker sie zur Probe laufen«, sagte er.

Blair hatte sich den Memorystick aushändigen lassen, sodass sie sich die Aufnahmen am Computer ansehen konnten.

»Da, das ist der Mann«, rief der Filialleiter.

Es gab einige Sequenzen auf dem Film, auf denen der Mieter des SUV hervorragend zu erkennen war.

»Damit hätten wir dich«, murmelte June.

Sie ließen sich den Stick aushändigen und fuhren ins Field Office. Dort organisierte June umgehend die Auswertung der Bilder und verfügte so nach einer Stunde bereits über den Namen des Mieters.

»Er heißt Rick Steenburg und stammt aus Pretoria«, sagte sie.

Ihr Partner hob alarmiert die Augenbrauen an.

»Steenburg ist Südafrikaner? Klingt in meinen Ohren verdächtig nach einem Söldner«, sagte Blair.

Damit lag er völlig richtig, wie ihm seine Kollegin bescheinigte.

»Steenburg hat zuerst vor allem auf dem afrikanischen Kontinent sein Geld als Söldner verdient. Seit einigen Jahren taucht er aber auch an Orten außerhalb seines Heimatkontinents auf«, sagte June.

Sie hatte sich alle verfügbaren Informationen zu dem dunkelhaarigen Mann beschafft und fand auch seine Einreisedaten in die USA. Bei einem der Namen seiner Freunde wurde June stutzig.

»Sag dir der Name Pete Gould etwas?«, fragte sie.

Blair krauste nachdenklich die Stirn, bevor er auf einmal mit den Fingern schnippte und eifrig auf die Tastatur seines Computers einhämmerte.

»Was ist denn?«, fragte June.

Blair hob abwehrend eine Hand in die Höhe, während er offenbar angestrengt nach einer Information im System forschte. Auf einmal stieß er einen leisen Freudenschrei aus und hob den Kopf, um seine Partnerin mit einem Leuchten in den Augen anzusehen.

»Pete Gould war einer der Hauptverdächtigen im Fall Schneesturm. Die Kollegen der DEA konnten ihn aber nicht rechtzeitig stellen. Gould tauchte ab und ist seitdem nicht wieder auffällig geworden«, erklärte er.

Die Bezeichnung des Falles bezog sich auf die unfassbaren Mengen an Drogen, mit denen ein mexikanisches Kartell die Staaten der USA vor zwei Jahren überschwemmte. Die anschließende gemeinsame Operation von DEA und FBI führte zur Zerschlagung des nordamerikanischen Netzwerks des Kartells.

»Dann weißt du auch, wo Gould ursprünglich gelebt hat?«, fragte June.

Blair schüttelte den Kopf.

»New York City«, sagte sie dann.

Es gab eine Adresse, unter der Goulds Mutter in Brooklyn gemeldet war. June und Blair wollten ihr Glück versuchen.

»Wenn er ein braver Junge ist, wird Pete seine Mutter besuchen«, sagte June.

***

Sie erreichten die ruhige Straße vierzig Minuten später und blieben zunächst im Dodge sitzen.

»Es ist das Haus dort drüben. Eine friedliche Gegend, in der überwiegend brave Bürger leben. Wenn Gould sich hier blicken lässt, müssten ihn die Nachbarn doch bemerkt haben«, sagte Blair.

Sein Blick blieb an einem Diner hängen, bevor er zu einem kleinen Eckladen weiterwanderte. June erkannte die Absicht ihres Partners und nickte zustimmend.

»Gute Idee, Großer. Ich übernehme den Diner, einverstanden?«, fragte sie.

Da Blair keine Einwände erhob, stiegen sie aus und überquerten die Straße.

Der farbige Agent betrat den Eckladen, nachdem er einen bewundernden Blick über die Körbe mit Obst und Gemüse am Eingang geschickt hatte.

»Sind Sie der Inhaber des Geschäfts?«, fragte er.

Der Mann mit dem schütteren Haar, der altmodischen Brille und einer grünen Schürze um den Bauch nickte mit einem freundlichen Lächeln.

»Harry Korvac. Womit kann ich Ihnen dienen, Sir?«

Blair zeigte seinen Ausweis und fragte Korvac, ob er Pete Gould kannte.

»Ja, natürlich kenne ich Pete. Steckt er in Schwierigkeiten?«, antwortete Korvac.

»Wann haben Sie Pete zum letzten Mal gesehen?«, fragte Blair weiter.

Ein verblüffter Ausdruck trat in die Augen des Inhabers, der in diesem Moment an Blair vorbei zum Eingang seines Ladens schaute. Es war ein purer Reflex, der Blair herumwirbeln ließ. Am Eingang stand Pete Gould und erstarrte, als er die Reaktion des farbigen Agents bemerkte.

»FBI! Bleiben Sie stehen, Gould!«, brüllte Blair.

Der Söldner ignorierte den Befehl und hetzte hinaus auf die Straße. Blair folgte ihm und konnte gerade noch erkennen, wie Gould in einen weinroten Chevrolet Malibu sprang und davonraste.

»June! Das ist Gould!«, rief Blair.

Seine Kollegin war im gleichen Augenblick aus dem Diner gekommen, als Gould mit dem Malibu losfuhr. Der Zuruf ihres Partners führte dazu, dass June in langen Sätzen auf den Dodge Nitro zurannte. Blair startete bereits den Motor, aktivierte die Warnlampen sowie Sirene und gab Gas, kaum dass June auf den Beifahrersitz gesprungen war.

»Ich löse die Fahndung aus«, sagte sie.

Obwohl sie gerannt war, konnte June mit ruhiger, präziser Stimme die Fahndung nach dem Malibu an die Zentrale durchgeben. Ab sofort würden sich die Cops an der Jagd nach dem Söldner beteiligen.

»Wo hast du ihn so schnell aufgetrieben?«, wollte June wissen.

Während Blair ihr von seinem Besuch im Eckladen berichtete, traf die erste Sichtmeldung von der Besatzung eines Streifenwagens ein.

»Er hat gewendet, um uns abzuhängen«, sagte Blair.

Gould wählte ein simples Manöver, um seine Verfolger in die Irre zu führen. Der Söldner hatte den Malibu nach kurzer Fahrt auf eine Parallelstraße gelenkt, um zurück in die Richtung seines Ausgangspunktes zu fahren. Ohne die aufmerksamen Augen der Cops hätte es durchaus klappen können, doch so konnten June und Blair sich ihm in den Weg stellen.

»Da vorne!«, rief June.

Als Blair ihrem Hinweis mit den Blicken folgte, bemerkte er nur noch das in einer Seitengasse verschwindende Heck des Malibu. Das Ziel der Fahrt irritierte Blair. Wieso wählte Gould nicht eine der breiten Straßen, wo er mit seinem Chevy zwischen anderen Fahrzeugen weniger auffiel?

»Wo will er hin?«, fragte auch June.

Blair drosselte die Geschwindigkeit und steuerte die Einfahrt der Gasse vorsichtig an. Möglicherweise unterschätzten sie Gould, der ihnen eventuell eine Falle stellte.

»Er ist in die Werkstatt gefahren«, stieß er hervor.

Das Rolltor einer Autowerkstatt senkte sich in diesem Augenblick wieder, doch Blair hatte einen letzten Blick auf das Heck des Chevrolet Malibu erhaschen können.

»Interessant, nicht wahr?«, sagte June.

Sie und Blair tauschten einen Blick aus. Ihnen ging der gleiche Gedanke durch den Kopf, weshalb sie um Verstärkung baten.

***

Die Verstärkung in Form von drei Streifenwagenbesatzungen war innerhalb weniger Minuten eingetroffen. June und Blair instruierten die Cops, um dann mit vier der Officer in die Werkstatt einzudringen.

»FBI, Special Agent Clark«, gab sich June zu erkennen.

Sie wollte weiterreden, doch da brach bereits die Hölle los. Wenigstens drei automatische Waffen jagten lange Salven in Richtung der Einsatzkräfte.

»Deckung!«, brüllte Blair gleichzeitig.

Offenbar hatte Pete Gould seine Gefährten noch warnen können, und die hatten sofort das Feuer eröffnet. Während June sich hinter einem Ford Ranger in Deckung brachte, erwischte es einen der Cops. Der junge Officer hatte das große Pech, mitten im Gang zu stehen, als die Schnellfeuergewehre losratterten. Er wurde zurückgestoßen und brach am Rolltor zusammen. Niemand hatte mit einer solchen Brutalität rechnen können. June feuerte mit ihrer SIG auf die Schützen und hörte, wie einer der anderen Cops bereits über Funk um dringende Unterstützung sowie einen Rettungswagen bat.

»FBI! Stellen Sie das Feuer ein und legen Sie die Waffen nieder. Widerstand ist sinnlos«, rief June.

Es war nur der kurze Moment zu Anfang gewesen, der den Gangstern einen Vorteil ermöglicht hatte. Doch jetzt hatten sich die Einsatzkräfte sortiert und erwiderten gekonnt das Feuer. Die beiden mit der Außensicherung beauftragten Cops verhinderten einen Ausbruch der Männer um Pete Gould.

»Fahr zur Hölle, Agent Clark!«

Sie wusste nicht, ob es Goulds Stimme war, aber June ging davon aus. Der Söldner hatte offenbar nicht vor, den Widerstand so einfach einzustellen. Vermutlich hatte er sich vor zwei Jahren auf ähnliche Weise den Weg freischießen können und wollte es jetzt wieder tun.

»Dieses Mal kommen Sie nicht so einfach davon«, rief June.

Sie wollte Gould provozieren, um ihn zu Fehlern zu zwingen. Aus dem Augenwinkel sah June, wie ihr Partner sich vorsichtig zwischen zwei Fahrzeugen weiter nach vorne arbeitete.

»Er vielleicht nicht, ich aber schon«, raunte die Männerstimme.

June spürte den harten Schlag auf ihr Handgelenk. Die SIG fiel zu Boden, und gleichzeitig riss der Unbekannte ihre Arme nach hinten, um June blitzschnell Plastikfesseln anzulegen. Alles ging so rasend schnell, dass sie sich nicht zur Wehr setzen konnte.

»Sie müssen verrückt sein, wenn Sie annehmen, damit durchzukommen«, stieß sie hervor.

Mit erstaunlicher Kraft hob der dunkelhaarige Mann sie in die Höhe und trug June einfach davon. Seine linke Hand umfasste dabei ihre Kehle, wodurch er ihr die Möglichkeit zum Schreien nahm. Schließlich eilte der Mann einige Stufen mit ihr hinunter und durchquerte einen kurzen Kellergang. Der Griff um ihre Kehle war so eng, dass June am Rande einer Ohnmacht stand. Sobald sie zu zappeln anfing, erhöhte Steenburg den Druck und June musste ihren Widerstand einstellen.

»Wir machen jetzt einen kleinen Ausflug«, sagte Steenburg.

Er warf June wie einen Kartoffelsack auf die Ladefläche eines älteren Kleintransporters und schlug die Tür hinter ihr zu.

»Was hat er vor?«, fragte sie sich.

Es hätte doch völlig ausgereicht, wenn Steenburg sich allein aus der Werkstatt abgesetzt hätte. Warum nahm er das enorme Risiko auf sich und entführte einen Agent des FBI?

»Wenn du dich nicht befreist, wirst du es vermutlich erst zu spät verstehen«, mahnte sie sich selbst.

June musste ihre Bewegungen mit dem Fahrverhalten des Fahrzeugs abstimmen, doch schließlich konnte sie sich in die Senkrechte hochstemmen. Schwer atmend lehnte sie an der Seitenwand und suchte im Dämmerlicht nach einem Gegenstand, mit dem sie die Plastikfesseln durchschneiden könnte.

»Besser als gar nichts«, sagte sie.

Es gab auf der gegenüberliegenden Wagenseite ein an der Seitenwand montiertes Regal, dessen senkrechte Verstrebungen möglicherweise als Werkzeug dienen konnten. Mit ein wenig Glück ließen sich die Fesseln an dessen Kanten durchscheuern.

»Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen«, murmelte June.

Sie stieß sich ab, und wenn der Lieferwagen nicht im nächsten Augenblick scharf abgebogen wäre, hätte ihr Vorhaben klappen können. So wurde June heftiger als geplant gegen das Regal geschleudert und stieß mit dem Kopf gegen eine der Kanten. Obwohl sie sich verzweifelt gegen den Sturz in die Dunkelheit wehrte, verlor June das Bewusstsein. Während Steenburg den Wagen weiter zügig über die Straßen New Yorks lenkte, rollte Junes bewusstloser Körper haltlos auf der Ladefläche hin und her.

***

Blair hatte sich jeden Officer vorgenommen, der bei dem Einsatz an der Werkstatt dabei gewesen war. Er stellte immer die gleichen Fragen.

»Wann haben Sie meine Kollegin zuletzt gesehen? Wo war sie zu dem Zeitpunkt?«

Nach und nach konnte er sich einen Reim auf die Abläufe machen, besonders nachdem der Kellergang entdeckt worden war. Zu seinem Fleiß kam dann auch noch Glück, denn es gab eine Überwachungskamera an der Kreuzung, über die wahrscheinlich der Entführer mit June gefahren war.

»Ich brauche die Aufnahmen sofort, Lieutenant. Meine Partnerin schwebt vermutlich in Lebensgefahr, und jede Sekunde zählt«, drängte Blair. Seit Junes Verschwinden war bereits eine Stunde verstrichen und Blair spürte eine wachsende Sorge um sie. Endlich erreichte ihn der erlösende Anruf aus der Verkehrsüberwachung.

»Sie haben einen früheren Kumpel von Gould auf einer der Überwachungsaufnahmen? Schicken Sie sie mir. Ich möchte außerdem, dass Sie den weiteren Weg des Transporters nachvollziehen«, ordnete er an.

Blair saß in seinem Dodge und starrte auf den Monitor in der Mittelkonsole. Während er auf den Eingang der Bilder der Überwachungskamera wartete, trommelten seine Finger nervös auf der Armlehne. Dann trafen sie endlich ein, und schon nach wenigen Augenblicken hatte Blair seine Entscheidung gefällt.

»Mister High? Ich habe Rick Steenburg auf einem Überwachungsbild, wie er ganz in der Nähe der Werkstatt einen Kleintransporter lenkt. Angesichts der gemeinsamen Vorgeschichte mit Gould halte ich Steenburg für den Entführer von June«, sagte er.

Der Chef hatte ausdrücklich darauf bestanden, dass er über jeden Schritt von Blair umgehend informiert werden wollte. Er kannte das Temperament seines Agents nur zu gut und wollte auf diese Weise überhastete Aktionen unterbinden können.

»Einverstanden. Bleiben Sie an Steenburg dran«, stimmte Mr High zu.

Blair ließ sich die weiteren Stationen des Kleintransporters aus der Zentrale der Verkehrsüberwachung mitteilen und folgte dieser Spur. Nach dreißig Minuten stand er mit dem roten Dodge Nitro in einer Straße und starrte auf einen geschlossenen Diner. Anhand der teilweise mit Brettern zugenagelten Scheiben sowie den Graffitisprüchen an den Wänden ließ sich unschwer erkennen, dass der Diner schon längere Zeit geschlossen sein musste. Blair musterte die Häuser in der Straße und kam zu der Überzeugung, dass es eine der schlechteren Wohngegenden des nördlichsten Stadtbezirks war.

»Special Agent Blair Duvall. Ich benötige dringend Unterstützung«, gab er über Funk durch.

Wenn es sich bei Junes Entführer tatsächlich um Rick Steenburg handelte, woran Blair keine Zweifel mehr hatte, dann war er ein gefährlicher Gegner. Aus den Angaben im System wusste er, dass Steenburg seit vielen Jahren als Söldner in diversen Ländern aktiv gewesen war. Möglicherweise traf sich der Südafrikaner in diesem aufgegebenen Diner mit weiteren Söldnern, was einen Alleingang von vornherein ausschloss.

Kurze Zeit später traf das SWAT-Team ein, mit dessen Leiter Blair den Zugriff besprach. Dann konnte es endlich losgehen.

»Wir sind gleich bei dir, June. Halte durch«, murmelte Blair.

Wie richtig Blairs Entscheidung mit der Anforderung des SWAT-Teams gewesen war, bewies sich bereits nach wenigen Sekunden. Einer der Spezialisten sprengte die Seitentür auf und dann warfen seine Kollegen Blend- und Schallgranaten in den Raum.

»Granate!«

Einer der Officer bemerkte die Granaten, die aus dem Raum zu ihnen zurückgeworfen worden waren. Sie explodierten in der Luft, und wenn die Einsatzkräfte keine Masken auf den Gesichtern sowie Hörschutz getragen hätten, wären sie für kurze Zeit kampfunfähig gewesen. Selbstverständlich trug auch Blair die entsprechende Ausrüstung. Plötzlich ging neben ihm ein Officer mit einem Aufschrei zu Boden.

Die Schutzweste verhinderte zwar, dass der Cop ernsthaft verletzt wurde, doch die Wucht der Einschläge ließ ihn zu Boden gehen. Blair packte den Officer unter den Achseln, hievte ihn in die Höhe und schob den desorientierten Mann hinaus ins Freie.

»Das sind wirklich abgebrühte Kerle«, stellte der Sergeant fest.

Der Truppführer des SWAT-Teams hatte seine Leute zurückgezogen, um sie für einen neuen Zugriff zu sammeln.

»Söldner eben, Sergeant. Wir müssen weitermachen, da meiner Kollegin ansonsten ein übles Schicksal droht«, drängte Blair.

Der Truppführer ließ seine Männer erneut vorgehen. Mörderisches Schnellfeuer aus mehreren Maschinenpistolen schlug ihnen entgegen, trotzdem konnten sich die gut trainierten Cops behaupten. Während sie die Schützen in den hinteren Bereich des Gastraumes zurückdrängten, riskierte Blair einen Alleingang in Richtung der ehemaligen Küchenzone des Diners.

Ein schneller Blick in die Küche reichte aus, um sie als mögliches Versteck seiner Partnerin auszuschalten. Blair wandte sich um und überprüfte verschiedene Türen, wovon nur zwei verschlossen waren. Während die erste Tür sich mit einem kräftigen Fußtritt öffnen ließ, wobei Blair auf das Lager der Söldner stieß, wurde der andere Raum durch eine solide Stahlkette mit einem schweren Schloss daran gesichert. In Ermangelung eines Werkzeugs richtete Blair die Mündung der SIG auf das Vorhängeschloss und zerstörte es mit einem Schuss.

»June?«

Als er in den Raum schaute, der lediglich von dem einfallenden Licht eines Oberlichts mäßig erhellt wurde, bemerkte Blair die Gestalt. Er konnte June erst erkennen, als sie ihm entgegenwankte. Blitzschnell packte Blair seine Kollegin an den Schultern und hielt sie fest.

»Mach meine Hände frei«, forderte June.

Blair schaute hinab zu den auf dem Rücken gefesselten Händen und zog ein Messer aus der Jackentasche. Im Handumdrehen durchtrennte er die Plastikfesseln, sodass June sich ihre Handgelenke reiben und dadurch die Blutzirkulation wieder in Gang setzen konnte.

»Steenburg hat mich entführt«, stieß sie hervor.

»Wir konnten Gould und zwei weitere Männer in der Werkstatt festnehmen. So wie es sich anhört, konnten die Cops Steenburg und dessen Kumpane ebenfalls überwältigen«, sagte Blair.

Tatsächlich ebbte der Lärm der Kämpfe deutlich ab und schließlich trat völlige Stille ein. June und Blair verließen den Raum und trafen auf den Sergeant, der an der Wange blutete.

»Halb so schlimm, Agent Clark. Nur ein Kratzer. Schön, Sie lebend und wohlauf zu sehen«, sagte er.

June dankte ihm und seinen Männern für den Einsatz.

»Was ist mit Rick Steenburg? Hat er überlebt?«, fragte Blair.

Bei seiner Frage huschte ein Schatten über das dunkle Gesicht des Sergeants.

»Er ist uns leider entkommen, Agent Duvall. Seine Männer hatten offenbar den Befehl, seinen Rückzug zu decken. Ich habe bereits die Fahndung nach Steenburg ausgelöst«, antwortete er.

Das war ein schwerer Rückschlag, aber wenigstens hatten sie June aus den Händen der Gangster befreien können. Mr High zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

»Steenburg kommt nicht weit, Agent Duvall. Ich habe die Fahndung ausgeweitet und besonders an Flughäfen die Alarmbereitschaft erhöhen lassen«, sagte er.

Es war anzunehmen, dass der Söldner auf schnellstem Wege die USA verlassen wollte. Blair und June waren sich einig darin, dass Steenburg nicht allzu weit kommen würde.

»Sobald wir ihn haben, werde ich Steenburg einige Fragen stellen«, sagte June.

Blairs Partnerin hatte die Fetzen eines Gesprächs mitbekommen. June konnte sich aber bislang keinen Reim darauf machen, und als sie Blair davon erzählte, musste der leider auch passen.

»Nein, das ergibt auch für mich keinen Sinn. Es wäre sehr interessant zu erfahren, mit wem Steenburg telefoniert hat«, sagte er.

June hatte bereits die NSA eingeschaltet, um an eine Aufzeichnung des Gesprächs zu kommen. Mit ein wenig Glück wären sie schon schlauer, wenn ihnen Rick Steenburg in die Hände fiel. Dann verfügte das FBI hoffentlich über ein brauchbares Druckmittel, um den Söldner zur Kooperation zu bewegen.

***

Der Südafrikaner kämpfte mit den Nachwirkungen seiner vielen Flüge in den zurückliegenden Tagen. Daher war seine Laune sowieso nicht besonders gut, und was ihm sein Stellvertreter über die Geschehnisse während Steenburgs Abwesenheit berichtete, machte den Anführer der Söldner noch verdrossener.

»Ich fliege in die USA und vernichte alle Hinweise, die auf diese Operation hindeuten können. Wozu mache ich mir diese Mühe, wenn ihr Trottel hier für maximale Aufmerksamkeit sorgt?«, fragte er wütend.

Der Franzose, der in Steenburgs Abwesenheit die Befehlsgewalt innegehabt hatte, versuchte sich in Erklärungen. Doch der Südafrikaner ließ ihn nicht zu Wort kommen.

»Diese halbe Portion schleicht offenbar längere Zeit unbemerkt durchs Haus, und als ihr Schlafmützen es endlich bemerkt, bringt ihr Hartland gleich um. Was daran sollte ich nachvollziehen können?«, brüllte Steenburg.

Wenn sein Stellvertreter dann wenigstens bei der Entsorgung des Leichnams einen kühlen Kopf bewiesen hätte, wäre die Angelegenheit nicht noch weiter eskaliert. Doch allein der Umstand, dass Hartland es fast bis nach Vang Vieng geschafft hatte, machte den Südafrikaner stinksauer. Seine Leute hatten eindeutige Spuren am Körper des Hackers hinterlassen, die sehr schnell auf einen gewaltsamen Tod schließen lassen mussten.

Eine solche Aufmerksamkeit der Behörden sollte unter allen Umständen vermieden werden. Nur deswegen hatte er Agent Clark in New York am Leben gelassen, nachdem er sich mit seinen Auftraggebern besprochen hatte. Steenburg hatte nicht einmal sein ursprüngliches Vorhaben, aus dem Agent möglichst viel Wissen herauszupressen, umsetzen können. Seine Rückkehr nach Laos war zu wichtig gewesen, sodass seine Männer im Big Apple für die Entsorgung des Agents verantwortlich gemacht wurden.

»Wieso ist es dir nicht in den Kopf gekommen, dass die Amerikaner einem Todesfall eines ihrer Landsleute auf den Grund gehen würden?«, fragte er.

Der Franzose hatte keine Ahnung über solche speziellen Abläufe, und dieses Unwissen hatte zur Verschärfung der Lage beigetragen.

»Wir haben den Agent des FBI aus dem Verkehr gezogen, bevor er überhaupt einen Blick auf Hartlands Leichnam werfen konnte. Den haben wir aus dem Kühlraum geholt und weit weg von Vang Vieng in den Fluss geworfen«, erklärte Ricks Stellvertreter.

Es war ein Leichtes gewesen, die örtlichen Cops mit einer größeren Summe Dollars zum Wegsehen zu bewegen. Leider hatte der Franzose nicht bedacht, dass sich das FBI mit dem Unfalltod eines ihrer eigenen Agents nicht so leicht abspeisen lassen würde.

»Tolle Arbeit! Statt eines vermutlich nur mäßig engagierten Agents, der lediglich den Leichnam eines verunglückten Touristen anschauen wollte, haben wir jetzt zwei misstrauische Ermittler am Hals«, lobte Steenburg zynisch.

Er überschlug im Kopf die Zeitspanne, in der sie noch auf der Farm sein würden. Die verbliebenen Programmierer arbeiteten nach Aussage des Franzosen unbeirrt weiter am Master-Code.

»Zwei von ihnen stehen offenbar kurz vor dem Durchbruch. Besonders Bowmans Ergebnisse wirken sehr vielversprechend«, meldete der Stellvertreter.

Da weder er noch ein anderer aus Steenburgs Truppe über ausreichende Kenntnisse der Programmiertechniken verfügten, gab Rick wenig auf diese Aussage. Der Franzose wollte nur von seinem Versagen ablenken.

»Davon werde ich mich persönlich überzeugen. Außerdem werden wir die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen«, erwiderte Steenburg.

Der Anführer der Söldner erwähnte vorerst nicht, dass ihre Auftraggeber einen Killer hierherschicken wollten. Es sollte sich um einen Asiaten mit dem Auftrag handeln, die Agents des FBI zu eliminieren. Steenburg war sich nicht sicher, ob dies der beste Weg war, um die Operationsphase eins zu schützen. Er hoffte, dass wirklich einer der Programmierer den Master-Code vorher entwickelt haben würde.

»Dann können wir unsere Zelte hier abbrechen, und die Ermittlungen des FBI laufen ins Leere«, sagte er sich.

***

Für Owl war das Desaster komplett. Er hatte vom Mord an Tessa erfahren und brachte ihn sofort mit dem ominösen Wettbewerb in Verbindung.

»Cypher zerstört jede Verbindung zu sich. Musste Tessa deswegen sterben?«, fragte er sich.

Für den Collegeprofessor stand fest, dass der Anschlag auf Alexanders Schwester etwas mit der Herausforderung zu tun haben musste. Inwiefern konnte Tessa dieser Organisation gefährlich geworden sein?

»Ich muss herausfinden, wo sie ihre Daten abgelegt hat«, dachte sich Owl.

Er stellte es überhaupt nicht infrage, ob die Schwester des Hackers solche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hatte. Dafür hatte Alexander mit Sicherheit gesorgt, und daher machte Owl sich auf die Suche. Natürlich hatte er auch nach den Sicherheitskopien des Hackers gesucht, doch dabei war er auf andere Hacker gestoßen.

»Wir sichern Alex’ Dateien bereits, Owl. Du musst dich nicht darum kümmern«, lautete die Botschaft.

Zu gerne hätte er einen Blick darauf geworfen, doch solche Neugier schätzten die Hacker nicht. Bei den Daten von Tessa vermutete Owl keine Vorsichtsmaßnahmen der Hacker und fand seine Annahme schon bald bestätigt.

»Diese Clouds sind sehr leicht zu knacken. Hier werde ich nichts finden«, murmelte er.

Er stöberte eine Weile in den Dateien herum und erkannte den rein privaten Charakter. Alexanders Schwester war vermutlich von ihm angehalten worden, brisante Informationen nicht in der Cloud zu lagern. Tessa musste andere Plätze im Netz gefunden haben, wo sie den gesamten Inhalt ihrer Festplatte spiegeln konnte. Es dauerte nicht sehr lange, bis Owl beide Plätze gefunden hatte.

»Diese Informationen müsste das FBI erhalten«, dachte er.

Trotz seines tief verwurzelten Misstrauens beschäftigte der Collegeprofessor sich schon länger mit dem Gedanken, ausnahmsweise mit den Behörden zu kooperieren. Die Gemeinschaft der Hacker konnte mit Sicherheit die Spuren von Cypher