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Eine Medusa verbreitet in London Angst und Schrecken! Und der Super-Vampir Corvin Hades schlägt wieder zu!
Die Forscherin Anne Murdock wird in Griechenland von einer schwarzen Schlange gebissen, die einer bisher unbekannten Art anzugehören scheint. Zurück in London hört Anne plötzlich in ihrem Kopf das Zischen von Hunderten Schlangen - und dann verwandelt sie sich! Sie wird zu einer Medusa, deren Anblick Menschen in Stein verwandelt. Und nicht nur das - der Super-Vampir Corvin Hades will sie zu seiner Verbündeten machen!
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Der Biss der schwarzen Schlange
Grüße aus der Gruft
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Marlene Klein
In der Vergangenheit hatten Suko und ich schon mit Corvin Hades zu tun gehabt. Das erste Mal, kurz nachdem ihn die Vampirin Justin Cavallo zu einem Blutsauger gemacht hatte. Durch uralte Vampir-Artefakte war es ihm sogar gelungen, zu einer Art Super-Vampir zu werden.
Er und Justine waren allerdings erbitterte Feinde. Er war auf der Suche nach ihr, um sich an ihr zu rächen, und ahnte nicht, dass sie längst nicht mehr in unserer Realität weilte, weil sie die Nachfolge der Schattenhexe Assunga angetreten hatte.
Dafür fand er eine andere Frau mit überragenden Fähigkeiten. Und mit der wollte er einen finsteren Pakt schließen ...
In keinem anderen Land in Europa gibt es so viele Reptilien wie in Griechenland. Das warme, häufig heiße Klima ist für die wechselwarmen Tiere ideal. Hierzu zählten auch neunzehn Schlangenarten.
Anne Murdock war unterwegs mit einer Gruppe von zwanzig Herpetologen, also wissenschaftlichen Forschern, die sich mit Reptilien und Amphibien beschäftigten, wobei sich Anne und ihr französischer Kollege Jaques auf Schlangen spezialisiert hatten. Es war nun über ein Jahr her, dass ein Großfeuer die Gegend rund um Athen verwüstet hatte. Anne und ihre Kollegen wollten nachsehen, inwieweit sich die Fauna von diesem Ereignis erholt hatte.
Die Landschaft auf der attischen Halbinsel, auf der Athen lag, war karg, bergig und voller Felsen und Felsnischen, die vor allem den Schlangen einen natürlichen Schutz boten.
Ein zartes Grün zog sich über den karstigen Stein. Noch war es niedrig, doch bald würden hier wieder hohe Büsche und Hecken stehen.
Seit Stunden kraxelten Anne und Jaques auf diesen Berg. Schlangen lieben die Einsamkeit, nur selten kommen sie, zumeist auf der Suche nach Nahrung, bis in die Städte. Den Kontakt zu Menschen meiden sie. Normalerweise beißen sie auch nur, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen. Als Nahrung ist so ein Mensch ja auch viel zu groß. Wird doch mal jemand gebissen, was selten genug vorkommt, dann meistens, weil der Mensch in ihr Revier eingedrungen ist.
Das alles wussten Anne und Jaques. Sie waren mit Schlangenhaken ausgestattet, nach Möglichkeit wollten sie zu engen Kontakt vermeiden.
Die giftigste Schlange, die hier weit verbreitet war, war die Hornotter. Ihr Biss war zwar nicht tödlich, wenn man nicht zu einer Risikogruppe mit Vorerkrankungen gehörte, rief aber Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Fieber hervor, und darauf konnten Anne und Jaques verzichten.
Die Schlangenarten, die hier in Griechenland vorherrschten, waren durch ihre Färbung in verschiedenen Bänderungen in Brauntönen perfekt an die steinige Umgebung angepasst.
Jaques und Anne hatten sich von der Gruppe gelöst. Zu viel Trubel hätte die Schlangen sofort vertrieben. Ihr Wanderweg fiel zu einer Seite hin steil ab, auf der anderen schob sich eine Felswand in schwindelerregende Höhe, die jedoch schroff und gefurcht war und Schlangen einen idealen Unterschlupf bot.
Anne beschloss, sich am Wegesrand niederzulassen und die Aussicht zu genießen, bevor sie die Steilwand näher untersuchen wollte. Das Gras abseits des Weges war nicht besonders hoch, Schlangen hätte man sofort entdeckt.
Jaques tat es ihr gleich. Er holte eine Wasserflasche aus einem Rucksack und trank. Sein Blick glitt hinunter in die Ebene und auf die Stadt Athen. Obwohl sie über fünf Kilometer Luftlinie entfernt waren, hatte man den Eindruck, das glitzernde Meer wäre zum Greifen nahe.
Der Franzose setzte die Flasche ab. »Du kannst mir sagen, was du willst, Anne, aber landschaftlich ist dies hier eine der schönsten Gegenden, in der ich je gewesen bin.«
Die junge Britin lachte. »Ich habe gar nicht vor, dir was anderes zu erzählen.« Sie liebte den französischen Akzent ihres um einiges älteren Kollegen. »Aber im Hochsommer kannst du es hier wahrscheinlich nicht aushalten.«
Jaques zuckte mit den Schultern. »In Paris aber auch nicht.«
»Na, dann doch lieber den englischen Regen!«, schmunzelte Anne.
Jaques zog seine leichte Jacke aus und band sie sich um die Hüfte. Bis zum Nachmittag würde er sie hier in der Sonne nicht mehr brauchen.
»Ich frage mich nur, wo das alles noch hinführen soll«, murmelte er. »Die Wetterkapriolen, Hitzewellen, Waldbrände.«
Auch Anne holte ihre Flasche hervor und trank. Sie kommentierte Jaques' Aussage nicht weiter. Es war müßig, sich darüber aufzuregen.
Nach einer kurzen Pause stand sie auf, um die Felswand und die Nischen darin zu untersuchen. Aufmerksam leuchtete sie mit einer Taschenlampe in die Spalten.
Um diese Tageszeit waren Schlangen auf der Jagd oder wärmten ihren Körper in der Sonne auf. Die schützenden Nischen würden sie erst wieder heute Abend aufsuchen.
Anne lief die Felswand einige Meter entlang. Sie suchte nach natürlichen Vorsprüngen, breiten Steinblöcken. Bislang hatten sie heute noch keine Schlange entdeckt.
Ob sich ihre Population nach dem Brand noch nicht erholt hatte oder ob sie sich einfach zu gut versteckten – Anne wusste es nicht.
Vor ihr bildeten mehrere Quader eine Art natürliche Treppe, die man erklimmen konnte, wenn man ein wenig sportlich war. Anne begann zu klettern. Von ein paar Metern weiter oben würde sie einen anderen Blickwinkel auf die Felswand haben als von unten und eine bessere Aussicht auf die schroffen Einbuchtungen und schmalen Felsvorsprünge.
Es war eine anstrengende Prozedur, immer wieder zog sie sich hoch und stemmte ihre Füße in enge Spalten.
»Fall nicht runter!«, warnte Jaques sie, der noch immer am Wegesrand saß.
Sie hatte sich schon ein ganzes Stück von ihm entfernt und ignorierte seinen Ruf.
Ihre rechte Hand schlug über ihr auf einen Felsvorsprung.
Erst als sie den weichen, länglichen Körper unter ihren Fingerspitzen fühlte und zugleich ein bedrohliches Zischeln hörte, erkannte sie ihren Fehler.
Sie hatte eine Schlange in ihrem Sonnenbad gestört!
Vorsichtig zog Anne die Hand weg.
Sie musste versuchen, auf einem anderen Weg höher zu kommen, um diese Felsnase einzusehen.
Was für ein Tier, welche Schlangenart verbarg sich dort?
Anne setzte die rechte Hand anders, suchte nach Halt für ihre Füße und schob und zog sich hoch. Was sie sah, als sie endlich über den Vorsprung schauen konnte, hatte sie nicht erwartet.
Auge in Auge erblickte sie die Schlange.
Aber sie war pechschwarz!
Anne stutzte.
Drohend richtete das etwa einen Meter lange und zusammengeringelte Tier seinen Kopf auf. Anne wusste, nun konnte das Tier jederzeit angreifen und blitzschnell zubeißen.
Annes Herz schlug ihr bis zum Hals. Eine schwarze Schlange! In Griechenland! Das war unmöglich! Hatte sie etwa eine neue Schlangenart entdeckt?
Sie krallte sich weiterhin mit der linken Hand am Felsen fest, die Füße fest an die Wand gedrückt, während sie mit der rechten vorsichtig nach ihrem Handy tastete, das in ihrer Gesäßtasche steckte.
Das Reptil beobachtete sie, nach wie vor angriffslustig. Zischelnd fuhr die gespaltene Zunge aus dem Maul und wieder zurück.
Das war auf keinen Fall eine Schwarze Mamba, wie es sie in Afrika gab. Die hatten einen länglicheren Kopf. Der Schädel dieser Schlange war eher rundlich, und die kleinen Augen waren genauso schwarz wie der Rest des Körpers.
»Alles in Ordnung?«, rief Jaques, der sah, wie verkrampft sie auf einmal in der Felswand hing.
Langsam hob sie das Handy. Die schwarzen Schuppen der Schlange schimmerten im Sonnenlicht, als wären sie mit Öl eingerieben. Noch nie hatte sie so eine Schlange gesehen. Und sie kannte alle.
Ihre Hand zitterte, als sie versuchte, einhändig das Handy zu entsperren und die Kamerafunktion zu öffnen. Es konnten nur wenige Sekunden sein, aber ihr kamen sie endlos vor.
Sie betrachtete die Schlange nun durch das Display. Sie fauchte, schlug mit ihrem Kopf Finten in ihre Richtung und rieb ihren Körper in Windungen gegeneinander. Eine weitere Drohgebärde, sie wollte für einen Gegner länger und größer erscheinen, als sie eigentlich war.
Anne musste hier weg. Langsam und vorsichtig den Rückweg antreten. Aber sie musste unbedingt ein Foto machen. Wie sollte sie sonst beweisen, dass es hier eine schwarze Schlange gab?
Sie tippte auf den Auslöser. Nur eine winzige Bewegung.
Blitzartig schoss die Schlange vor und schlug für nur einen Moment ihre Fänge in ihren Handrücken, bevor sie wieder zurückschnellte, als wäre sie aus Gummi.
Anne schrie. Dabei war der Biss an sich mit den relativ kurzen Fängen nicht einmal besonders schmerzhaft. Beinahe hätte sie das Smartphone fallen lassen, aber sie zog ihre Hand stattdessen langsam zurück und steckte das flache Gerät wieder in die Hosentasche.
Noch immer war das Tier vor ihr in Angriffsstellung. Wenn Anne nicht zurückwich, würde ein zweiter, wahrscheinlich tieferer und schmerzhafterer Biss folgen.
»Alles gut, ich tu dir nichts«, flüsterte sie voller Respekt. Denn ein Rückzug in ihrer Situation war einfacher gedacht als ausgeführt.
»Alles in Ordnung, Anne?« Jaques stand wenige Meter unter ihr an der Felswand. Er hatte ihren Aufschrei natürlich gehört.
Zitternd machte sie sich an den Abstieg. Auf ihrem Handrücken perlten dort, wo die Schlange sie erwischt hatte, zwei kleine Tropfen Blut, die sich nun einen Weg über ihre Haut bahnten. Erst als sie etwa einen Meter unter dem Felsvorsprung mit der Schlange war, traute sie sich, Jaques zu antworten.
»Da war eine Schlange, und sie hat mich gebissen.«
»O mein Gott!« Der Franzose fuhr sich vor Schreck durch das schwarze Haar, das dringend einen Friseurbesuch benötigte. »Geht es dir gut? Eine Hornviper?«
Der Abstieg im Felsen war nicht einfacher als der Aufstieg, und Anne brauchte ihre volle Konzentration, um nicht abzurutschen. Den letzten Meter überwand sie mit einem Sprung.
Sie zeigte Jaques ihre verletzte Hand, der behutsam danach griff. Er stülpte seine Lippen auf die Wunde und saugte das Blut heraus, damit sich das Gift, wenn es denn eine Giftschlange war, nicht weiter ausbreitete.
Eigentlich war es für diese Sofortmaßnahme schon zu spät.
Jaques spuckte das Blut auf den Weg.
»Nein, sie war ganz schwarz. Ich habe noch nie eine solche Schlange gesehen. Es war keine Mamba. Ihr Körper glänzte wie ... Autolack!«
Jaques führte sie zu ihren Rucksäcken, die noch immer am Wegesrand standen. Er begann zu wühlen und fand ein Erste-Hilfe-Set, mit dem er ihre Hand verband.
»Wir müssen sofort zurück zum Auto. Ich fahr dich in eine Klinik in Athen.«
Anne war noch immer fasziniert von dem unbekannten Reptil, das sie entdeckt hatte. Das Adrenalin überschüttete jede Angst und jeden Schmerz.
Sie zückte mit der linken Hand ungeschickt ihr Handy und versuchte, das Foto aufzurufen.
»Jaques, schau es dir an, ich habe noch nie ...«
Jaques legte ruhig eine Hand auf ihr Handy und schob es langsam, aber bestimmt zur Seite.
»Das kann warten, Anne. Du bist von einer unbekannten Schlange gebissen worden, vermutlich einer Giftschlange. Du und deine Gesundheit sind jetzt wichtig. Alles andere steht hinten an! Und jetzt gehen wir los! Zügig!«
Ihr Freund und Kollege hatte verdammt noch mal recht. Wie aufs Stichwort begann ihre Hand unter dem Verband zu pochen.
Sie murmelte: »Ja, tut mir leid.«
Und ließ sich von ihm vom Berg führen.
Der Moment, das Foto der unbekannten Schlange zu präsentieren, kam Stunden später, als die Forschungsgruppe am Abend zusammensaß und sich über den vergangenen Tag austauschte.
Keiner von ihnen hatte jemals ein solches Reptil gesehen, was auch nicht verwunderlich war, denn die Schlangenexperten der Gruppe waren Jaques und Anne.
Noch von ihrem Smartphone aus sendete sie es an alle Herpetologen, die sie kannte. Manche antworteten umgehend, einige davon hielten sie für eine Schwarze Mamba, was Anne ja schon ausgeschlossen hatte. Das Foto war nicht besonders gut, was einfach der Situation geschuldet war.
Sie würde einen Artikel für ein wissenschaftliches Magazin über ihre Entdeckung schreiben.
Anne fühlte sich fantastisch, von der Wirkung eines Giftes war nichts zu spüren. Lediglich etwas müde war sie, aber es war ja auch ein aufregender Tag gewesen mit einer stundenlangen Wanderung.
Die Herpetologin beschloss, die gesellige Runde vorzeitig zu verlassen und zu Bett zu gehen. Die Verabschiedung war herzlich, und sie wünschten sich untereinander noch einen schönen Abend und später eine gute Nacht.
Erschöpft betrat sie den Fahrstuhl. Sie drückte den Knopf für die dritte Etage und lehnte sich an die kühle, verspiegelte Wand. Sie seufzte und schloss kurz die Augen. Was für ein Tag!
Und da hörte sie es zum ersten Mal. Ein Geräusch, das sie als Herpetologin nur zu gut kannte. Ein Zischeln, doch es war nur in ihrem Kopf aufgeklungen. Aber nicht wie von einer, sondern wie von Hunderten von Schlangen.
Erschrocken öffnete sie die Augen, und die Schlangen verstummten. Natürlich war sie nach wie vor allein in der Kabine. Nicht eine Schlange weit und breit. Wahrscheinlich war sie einfach übermüdet.
Der Aufzug hielt, sie verließ die Kabine und schritt den mit einem dunklen Teppichboden belegten Hotelflur entlang. Das Team war nicht im Urlaub und residierte nicht in einem Luxusressort. Hier war alles einfach, zweckmäßig, aber sauber.
Anne nickte einem weiteren Gast zu, der an ihr vorbeischlenderte. Dann stand sie vor ihrer Zimmertür, holte ihre Karte hervor und hielt sie vor den Scanner. Summend öffnete sich die Tür.
Der Rucksack flog auf einen Sessel, und Anne schritt geradewegs ins Bad. Sich schnell fertig machen, ab ins Bett, noch ein wenig lesen und mit ihrem Freund in London schreiben, das war alles, was sie noch für heute plante.
Anne betrachtete sich im Spiegel, wobei sie sich auf das Waschbecken stützte. Sie sah müde aus. Dunkle Schatten breiteten sich unter ihren Augen aus. Sie befreite ihr langes schwarzes Haar vom Zopfgummi, es fiel nach vorn und rahmte ihr schmales Gesicht ein.
Sie bürstete ihr Haar und dachte an den glänzenden schwarzen Schlangenkörper. Was für ein wunderschönes Tier! Sie wünschte sich, ihre Haare würden so glänzen wie diese Schuppen.
Ihre Gesichtszüge waren hager. Insgesamt war sie zu dünn für eine erwachsene Frau. Sie aß zu wenig. Ihr Freund Toby ermahnte sie immer wieder, vor lauter Begeisterung über ihre Forschung nicht das Essen zu vergessen. Leider passierte ihr das immer wieder.
