John Sinclair 2482 - Rafael Marques - E-Book

John Sinclair 2482 E-Book

Rafael Marques

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Beschreibung

Mitten in der Nacht wurde ich in meinen eigenen vier Wänden überfallen - von einem Ghoul! Doch bei dem handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Leichenfresser. Er gehörte zu drei Ghoul-Magiern aus der mysteriösen Stadt Lazarus der Engelwelt Aibon! Und dieser Fall brachte mich auch wieder in Kontakt mit dem Halbengel Raniel dem Gerechten und dem Templerkind Clarissa Mignon!

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Das Geheimnis der drei Ghouls

Grüße aus der Gruft

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Das Geheimnis der drei Ghouls

von Rafael Marques

Lazarus, die versunkene Stadt, lag bereits endlos lange Zeit in einem tiefen Schlaf.

Die Gebäude waren seit dem Untergang intakt geblieben, allerdings hatten sie jegliche Farbe verloren. Grau und Schwarz dominierten in den einsamen, stillen Straßenzügen, an der mächtigen Kathedrale und der unheimlichen Festung, die auf einem Hügel thronte.

Nur wenigen Eingeweihten war die Existenz dieser Stadt noch bekannt. Einst hatte sie die beiden Teile Aibons voneinander getrennt und als Sammelpunkt magischer Kräfte und auch Welten fungiert, bis sie ein jähes Ende fand und seitdem ein stilles Dasein fristete.

Ihr Platz war von dem Zwischenreich übernommen worden, einem wilden Land voller Gefahren. Dort galt das Gesetz des Stärkeren, und es kam oft zu Konfrontationen zwischen den Bewohnern des dunklen Reichs und jenes Gebiets, das vom Roten Ryan beherrscht wurde.

Ganz vergessen war Lazarus jedoch nicht. Es war auch nicht so tot, wie es den Anschein machte. Denn in einem Tempel, dessen Eingang das Maul eines versteinerten Drachen bildete, stand ein riesiger magischer Spiegel. Wem es gelang, diesen zu aktivieren, dem stand das Tor in das wahre Lazarus offen, das zwischen den Zeiten weiterexistierte.

Und in dieser Nacht erwachte er zum Leben!

In den vergangenen Wochen hatte Raniel, der Gerechte, mehrmals diesen Ort besucht. Im Keller einer alten Burgruine in der Nähe des verschlafenen spanischen Örtchens Vilanova befand sich ein dunkles Loch in der Wand, das ein Dimensionstor nach Aibon bildete.

Die Ziegelsteinmauer, die es früher verdeckt hatte, war unter den Schlägen eines mächtigen Engels eingestürzt, weshalb der Zugang in das Druidenreich offen stand.

Portale dieser Art gab es auf der Erde mehrere, nur führte dieses in einen Tempel der versunkenen Stadt Lazarus.

Von seinem Freund John Sinclair wusste Raniel, dass es dem mächtigen Höllenengel Aviela nicht nur gelungen war, das Tor zu aktivieren, sondern auch, durch einen magischen Spiegel in die Stadt zwischen den Zeiten zu reisen – gemeinsam mit dem uralten Vampir Iovan Raduc. Beide waren seitdem verschollen, und gerade deshalb hielt Raniel hier wieder einmal Wache.*

Er war in der Lage, über viele Stunden in sich zu ruhen. Mit beiden Händen stützte er sich auf seine mächtigste Waffe ab, dem gläsernen Schwert, hatte die Augen geschlossen und meditierte, wobei er auch Kontakt zu seiner Ziehtochter Clarissa Mignon aufnahm.

Diese befand sich in einer Engelwelt, die der Gerechte und sie als Gäste bewohnten und wo sich Clarissa um ein Kind kümmerte, das sie aus den Fängen der Baphomet-Templer gerettet hatte. Simon lautete nun sein Name, und obwohl das Kind nicht mehr unter dem Einfluss der dämonischen Magie stand, wuchs es erstaunlich schnell heran.

Noch immer war Raniel auf der Suche nach weiteren Engelkindern, die von Viela, Baphomets Medium, als Schläfer unter die Menschen gemischt wurden. Doch inzwischen gelang es ihm kaum noch, ihre Spuren aufzunehmen, was sicher bedeutete, dass die falschen Templer nun geschickter darin waren, ihre Spuren zu verwischen. Das wiederum bedeutete nichts Gutes für jene Menschen, die in die Gewalt dieser Höllenengel gerieten.

Raniel befand sich in einer totenstillen, dunklen Umgebung. Früher war der Keller von magischem Feuer erleuchtet worden, mittlerweile bildete das gläserne Schwert die einzige Lichtquelle. Es sandte einen pulsierenden weißen Schein aus.

Unvermittelt riss Raniel die Augen auf. Eine seltsame Schwingung hatte ihn aus der Konzentration gerissen. Sie ging von dem Dimensionstor aus, das sich ihm als ein schwarzes Loch in der Wand präsentierte. Hätte er es betreten, wäre er nach Aibon gereist, genauer gesagt in die Ruinenstadt Lazarus, die sich tief unter dem Zwischenreich befand.

Das Druidenparadies hatte seine eigenen Gesetze. In gewisser Weise bildete es ebenfalls eine Engelwelt, immerhin war es durch unzählige gefallene Krieger im ersten großen Kampf zwischen den Armeen Luzifers und jenen des Erzengels Michael entstanden. Raniel der Gerechte wollte sich nicht in Dinge einmischen, die ihn nichts angingen, doch etwas war dabei, das Portal zu aktivieren.

Entschlossen hob Raniel das Schwert an und trat vor. Dabei benutzte er die Bibel des Gerechten, wie er seine Waffe nannte, als eine Art Transmitter, um eine Verbindung zwischen sich und den in dem Portal lauernden Kräften herzustellen.

Das aus der durchsichtigen Klinge dringende Licht ging auf die Schwärze über und bildete eine Art Tunnel aus Nebelschaden, der bis in den dahinterliegenden Tempel führte. Auf diese Weise erkannte er, dass der riesige, steinerne Spiegel, der mit einem Rahmen aus ineinander verschlungenen Schlangen und Engeln verziert war, langsam zum Leben erwachte.

Durch die matte Fläche verliefen Risse, bis sie von innen her aufstrahlte und den Blick in eine ferne Vergangenheit gewährte.

Zumindest sollte das so sein, stattdessen erschienen in der Spiegelfläche drei pechschwarze Kugeln mit einem Durchmesser von jeweils gut zwei Metern. Völlig lautlos lösten sie sich aus dem grauen Hintergrund und schwebten in Richtung des Nebels.

Dass es sich dabei um Geschöpfe handelte, die ihm feindlich gesinnt waren, spürte Raniel mit jeder Faser seines Körpers. Dennoch war er nicht in der Lage, etwas gegen sie zu unternehmen.

Der Angriff, den er gerade erlebte, ging völlig lautlos vonstatten. Der Halbengel spürte eine fremde Kraft, die mit den schwebenden Kugeln aus dem Spiegel gedrungen war und nun nach dem Licht seines Schwertes griff. Eigentlich sollte das gar nicht möglich sein, trotzdem verlor er die Kontrolle über seine eigene Waffe.

Von ihr aus lief ein Schauer über seinen Körper, der ihn zur Bewegungslosigkeit verdammte.

Wehr dich nicht, vernahm er eine ferne Stimme. Du bist nicht mein Feind.

Raniel dachte gar nicht daran, der Anweisung Folge zu leisten. Allerdings gelang es ihm nicht, gegen diese fremde Magie anzukommen, die er als immense Gefahr einstufte.

Die schwarzen Kugeln schwebten in gespenstischer Lautlosigkeit durch den Tunnel, bis sie den Keller der Burgruine erreichten. Einst sollten hier druidische Rituale abgehalten worden sein, später waren Geister umgegangen, bis dieser Ort in der Gegenwart von Baphomet-Templern für teuflische Zeremonien genutzt worden war.

Und nun erlebte Raniel, wie der Burgkeller von bestialischem Leichengestank erfüllt wurde, der von den rätselhaften Geschöpfen ausging.

Zu gerne hätte der Gerechte sein Schwert erhoben und die Kugeln mit dem magischen Glas zerschnitten. Leider fesselten ihn die fremden Kräfte auf der Stelle. Doch statt ihn anzugreifen, schwebten die seltsamen Wesen einfach davon in die Dunkelheit.

Raniel hingegen blieb zurück, bis die unsichtbaren Fesseln schlagartig verschwanden. Der Tunnel aus Nebel war da längst nicht mehr zu sehen, ebenso wenig der magische Spiegel.

Wütend krampfte Raniel die Hände um den Griff des Schwerts. Diese Demütigung würde er keinesfalls auf sich sitzen lassen.

Zudem waren die drei Kugeln nicht zufällig erschienen, sondern mit einem bestimmten Ziel, und genau das musste er identifizieren, um sie zu stoppen.

Etwas riss mich, John Sinclair, aus dem vermeintlich schönsten Traum meines Lebens.

Im ersten Moment war ich so irritiert, dass ich nicht einmal wusste, wo genau ich mich befand. Vor allem herrschte in meinem Gehirn blankes Chaos, denn schlagartig waren alle Erinnerungen an meine geistige Reise verschwunden. Ich wusste lediglich, dass es um eine Frau gegangen war, nur um welche, würde mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

Weitaus deutlicher wurde mir hingegen vor Augen geführt, von was ich aus dem Schlaf gerissen worden war.

In meinem Schlafzimmer hatte sich ein Gestank verfestigt, der mir durch meinen Beruf nur allzu gut bekannt war. Es roch nach verwesenden Leichen!

Dieser Gedanke allein elektrisierte mich. Mein Kreuz trug ich stets um den Hals, auf dem Nachttisch lag die Beretta, während der Bumerang leider im Waffenschrank lagerte. Mein erster Griff galt jedoch nicht der Pistole, sondern dem Lichtschalter.

Matter Schein breitete sich in dem Raum aus und erfasste die schwarze Kugel, die etwa in der Mitte zwischen Bett und Decke schwebte. Sie wies einen Durchmesser von gut zwei Metern auf. Warum sie nach Verwesung roch, war für mich nicht erkennbar.

Eilig warf ich mich aus dem Bett und nahm das Kreuz sowie die Beretta in die Hände. Nur mit Shorts bekleidet, machte ich nicht gerade den Eindruck eines Actionhelden, aber immerhin war ich hellwach und bereit, den Kampf gegen das fremde Geschöpf aufzunehmen – wenn es denn wirklich eine Art Wesenheit war.

»Was soll das?«, rief ich dem Gebilde zu. »Wer bist du?«

Ein wenig lächerlich kam ich mir schon vor, mit einer schwebenden Kugel zu sprechen.

Mir kam der Gedanke, es mit einer magischen Apparatur oder gar einer Transzendenz-Sphäre zu tun zu haben, von denen auf der Welt mehrere existierten und durch die einst Johnny Conolly in eine fremde Welt geraten war.

Aus dem geweihten Silber des Kreuzes drang ein grünes Leuchten, ein Hinweis auf die Magie des Landes Aibon. Mein Talisman nahm, wenn er in Kontakt mit dem Druidenreich kam, eine neutrale Haltung ein, die sich in diesem Licht ausdrückte.

Geweihtes Silber zeigt bei den meisten von dort stammenden Kreaturen keine Wirkung, was mich mit meiner Bewaffnung ein wenig hilflos erscheinen ließ.

Völlig lautlos glitt die Kugel zu Boden, wo sie sich nach kurzer Zeit zu verformen begann. Sie beulte sich aus und warf sogar Blasen, die aufplatzten und etwas von der schwarzen Flüssigkeit im Raum verteilten, die den entsetzlichen Gestank abgab.

Einen Moment lang glaubte ich, eine gebückte Gestalt mit bleicher Haut und dem Gesicht eines uralten Mannes zu sehen, der in einen Priestertalar gehüllt war, bevor dieses Bild einer anderen, deutlich abstoßenderen Gestalt Platz schuf.

Plötzlich sah ich mich mit einem bizarren, pechschwarzen Geschöpf konfrontiert. Es hatte einen dünnen, knochigen Schädel mit leeren Augenhöhlen und einem überproportional breiten Maul, in dem sich deutlich gelblich-braune Stiftzähne abzeichneten. Der Körper wies annähernd menschliche Proportionen auf, war aber in stetiger Bewegung begriffen, da sich zahllose Schleimfäden aus ihm lösten, nur um sich am Boden zu verbinden.

Dünne Beine mit spitz zulaufenden, dreieckigen Füßen hielten die Kreatur aufrecht, wobei bräunliche Knochen aus der schwarzen, flüssigen Haut ragten.

Einem derartigen Wesen war ich in meinem ganzen Leben noch nicht begegnet, trotzdem war ich davon überzeugt, einen Ghoul vor mir zu sehen. Zahlreiche kleine Details wiesen auf einen Leichenfresser hin, der mich in dieser Nacht aufgesucht hatte.

Andererseits ließ mich die Fähigkeit, sich in eine menschliche und eine dämonische Gestalt verwandeln zu können, auch an eine Kreatur der Finsternis denken.

»Wer bist du?«, fragte ich erneut, ohne eine Antwort zu erhalten. Die Kreatur neigte ihren Kopf lediglich zur Seite, als würde sie nicht verstehen, was ich ihr mitzuteilen versuchte.

Ich wollte nicht länger auf einen Angriff warten und richtete die Mündung der Beretta auf den hässlichen, von Schleim überzogenen Totenschädel. Als das Wesen einen ersten Schritt auf mich zutrat, drückte ich ab.

In dem engen Raum hörte sich der Schussknall mindestens doppelt so laut an wie sonst.

Aus dieser Entfernung wäre selbst dem schlechtesten Schützen ein Treffer gelungen, weshalb die Kugel zielgerichtet in die Stirn des Ghouls drang.

Die Silberkugel hätte den Schädel zerschmettern und das Wesen vernichten müssen, nur war dies leider nicht der Fall. Das Geschoss wurde von dem Schleim verschluckt, ohne auch nur den geringsten Schaden anzurichten.

Der Leichenfresser reagierte, indem er seinen rechten Arm anhob und vorschnellen ließ. Instinktiv bewegte ich mich zur Seite, sodass die sich unter der zähen Flüssigkeit abzeichnenden Knochenklaue wenige Zentimeter an meiner linken Schläfe vorbeistreifte und in die Schlafzimmertür grub.

Nicht nur das, sie zerschmetterte die Tür auch, wobei sich der Arm unnatürlich weit ausdehnte, bevor er sich ebenso schnell wieder zurückzog.

Ich wollte nicht auf den nächsten Angriff warten und warf mich durch die offene Tür ins Wohnzimmer. Dabei erlebte ich, wie sich aus dem Schleimkörper weitere Arme bildeten, die in meine Richtung zuckten, ohne mich direkt anzugreifen. Mir kam es eher so vor, als würde diese Kreatur mit mir spielen und abwarten, ob ich noch ein Mittel fand, mich gegen sie zur Wehr zu setzen.

Das gab mir die Zeit, einen Schrank aufzureißen und den dort gelagerten Bumerang zu ergreifen. Früher hatten sich dort noch andere Gegenstände befunden, unter anderem das Schwert des Dämonenhenkers Destero und später jenes des Königs Salomo, der Kelch des Feuers und die Kugel der Tanith. Aus diversen Gründen waren sie alle aus meinem Besitz verschwunden, lediglich Frantisek Mareks Eichenpfahl und das Vampir-Pendel ruhten dort noch.

Mit dem Bumerang in der Hand fuhr ich herum. Gerade noch rechtzeitig, da erneut zwei der schwarzen Hände in meine Richtung zuckten.

Geschickt tauchte ich unter ihnen hinweg und benutzte die silberne Banane als Schlagwaffe.

Ein lautes Schmatzen drang an meine Ohren, gefolgt von dem Knacken der Knochen, als sich der Bumerang durch die Arme wühlte und sie zerschmetterte. Kaum dass die abgeschlagenen Hände auf den Boden fielen, verwandelten sie sich in eine kristalline Masse.

Das schien den Ghoul nicht im Mindesten zu interessieren. Ganz so, als würde er mich auslachen, riss er sein Maul noch weiter auf, bevor er zwei Schritte auf mich zukam und weitere Arme aus seinem stetig in Bewegung befindlichen Körper wachsen ließ.

Bevor sie mich erreichten, warf ich mich herum und rannte zur Tür. Mir war es in diesen Momenten relativ egal, dass ich nur mit Shorts bekleidet war. Hier ging es um Leben und Tod, und da ich mit meinen Waffen auf verlorenem Posten stand, musste ich mir Hilfe suchen.

Mein Herz pochte bis zum Anschlag, als ich die Tür aufriss und hinter mir ins Schloss schmetterte. Das hinderte die Hände des Leichenfressers allerdings nicht daran, sie mit einem einzigen Schlag zu zertrümmern und nach mir zu greifen.

Erneut holte ich mit dem Bumerang zum Schlag aus, doch den konnte ich nicht mehr durchführen. Die schwarzen Knochenklauen legten sich um das geweihte Silber und rissen es mir aus der Hand.

Da ich nun quasi waffenlos war, griff ich zum letzten Strohhalm, der mir noch blieb. Suko und ich wohnten in derselben Etage eines Hochhauses im Londoner Stadtteil Soho. Unsere Wohnungen lagen sogar nebeneinander.

Bevor ich überhaupt dazu kam, gegen die Tür meines Freundes zu hämmern, wurde sie bereits von innen aufgerissen. Meine Augen wurden groß, als ich Suko vor mir stehen sah, der ebenfalls lediglich mit einer Schlafanzughose bekleidet war, allerdings seine Dämonenpeitsche schlagbereit in der Hand hielt.

»Was machst du für einen Krach, verflucht noch mal?«, fuhr er mich – nicht ganz ernst gemeint – an.

»Ein Ghoul ist in meiner Wohnung und will mich töten«, erklärte ich ihm mit knappen Worten.

»Deswegen stinkst du so?«

»Weswegen denn sonst?« Ich trat zur Seite, um meinem Partner einen Blick auf die zerstörte Wohnungstür zu gewähren, hinter der sich bereits die Gestalt des Leichenfressers in all seiner Scheußlichkeit abzeichnete.

Um den schwarzen Ghoul waberten inzwischen gleich fünf Hände, die bereits in Sukos Richtung zuckten. Als dieser ihnen entgegenschritt und mit der Peitsche ausholte, zogen sich die Arme unvermittelt zurück und verbanden sich wieder mit dem Körper.

Wie im Zeitraffer erlebten Suko und ich dasselbe Phänomen, das ich bereits in meinem Schlafzimmer beobachtet hatte, wenn auch genau umgekehrt. Der bizarre Körper bildete sich wieder zurück und verformte sich zu einer gut zwei Meter messenden Kugel, die rasant in die Höhe schwebte, durch die Decke glitt und verschwand.

Lediglich der Leichengeruch blieb zurück.

»Was ist denn passiert?«, fragte Shao schlaftrunken, die nun ebenfalls im Flur erschien. Die gebürtige Chinesin trug einen gestreiften Pyjama, und selbst darin sah sie absolut top aus.

»Das wüsste ich auch gern«, murmelte ich und trat auf meine zerstörte Wohnungstür zu.

Suko war bereits über sie hinweggestiegen und betrachtete die kristallinen Überreste der beiden abgeschlagenen Arme. »Das solltest du dir einmal ansehen, John«, rief er mir zu, ohne sich zu mir umzudrehen.

Ich fragte nicht nach, sondern trat an seine Seite und folgte Sukos ausgestrecktem linken Zeigefinger.

Inzwischen zeichnete sich nicht nur die an Zuckerguss erinnernde Masse auf dem Boden ab, sondern auch ein kleiner Zettel mit einer handgeschriebenen Botschaft – und ein goldenes, durchsichtiges Artefakt, das mich verdächtig an das Medaillon des Henry St. Clair erinnerte ...

»Da hat uns wohl jemand eine Botschaft hinterlassen«, mutmaßte ich, was Suko mit einem Stirnrunzeln quittierte.