John Sinclair 2489 - Marlene Klein - E-Book

John Sinclair 2489 E-Book

Marlene Klein

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Beschreibung

Metal-Rock, ein riesiges Festival! Ein Vampir und eine wehrlose Frau, die er zu seiner Braut machen will! Das Hellhound-Festival bei Corfe Castle war ein Magnet für Rock- und Metal-Fans. Über 50.000 Besucher tummelten sich dort, feierten und bejubelten ihre Stars. Doch diesmal war es anders. Diesmal wandelte unter den Festival-Besuchern ein Untoter: Corvin Hades, ein Super-Vampir, hinter dem Suko und ich seit Längerem her waren. Doch er war nicht nur gekommen, um bei schrillen Gitarrenklängen Blut zu saufen. Er wollte eine Frau in die Abgründe seines untoten Daseins zerren, sodass sie auf ewig verdammt war!

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Rock'n'Blood

Grüße aus der Gruft

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Rock'n'Blood

von Marlene Klein

Der Rabe stakste zwischen den Mitarbeitern des Event-Ausrichters und des Veranstaltungstechnikers umher. Um ihn herum herrschte geschäftiges Treiben. Bühnen und Verkaufsstände wurden aufgebaut, Kabel verlegt, Boxen und Scheinwerfer auf große Traversen montiert.

Es war kein gewöhnlicher Rabe, auch wenn man es ihm äußerlich nicht ansah. Eine wilde Vorfreude, die kein normaler Rabe spüren konnte, hatte ihn erfasst. Hätte er mit seinem schwarzen Schnabel lächeln können, er hätte von einem Ohr zum anderen gegrinst. Aber auch Ohren hatte er in dieser Erscheinungsform ja nicht.

Der Vogel flatterte mit den Flügeln, breitete sie aus, und die schwarzen Federn glänzten wie lackiert in der Nachmittagssonne. Seine Flügelschläge wurden stärker, und er erhob sich elegant in den wolkenlosen Himmel.

Er spürte den Wind in den Federn, die wärmenden Sonnenstrahlen. Der Ausblick so hoch am Himmel war atemberaubend. Weite Felder, Dörfer, das blaue Band eines kleinen Flusses, der die englische Landschaft durchschnitt und von hier oben aussah wie der nicht enden wollende Körper einer sich windenden Schlange.

Die Burg thronte auf einem Hügel, und auf den dazugehörigen Äckern und Wiesen würde ab morgen das Hellhound-Musik-Festival stattfinden. Ein riesiges Areal, das nun von Bauzäunen provisorisch in einzelne Zonen unterteilt wurde.

Backstage-Bereich, Zuschauerbereich, Campground, Merchandise- und Wurstbuden.

Der Rabe liebte diese Atmosphäre. Jedes Jahr war er hierhergekommen, als er noch ein Mensch gewesen war. Kein Festival-Wochenende der letzten zehn Jahre hatte er verpasst. Warum sollte er damit aufhören? Weil er nun auf eine andere Art und Weise existierte?

Flügelschlagend beschrieb sein Flug eine Kurve und hielt nun auf eine Wehrmauer der alten Burgruine zu. Seit einigen Wochen schon verschanzte er sich hier.

Die Ruine war touristisch kaum erschlossen und bot zahlreiche Versteckmöglichkeiten, vor allem, wenn man im Dunkeln sehen konnte. Noch in der Luft begann er, sich zu verwandeln.

Die Flügel bildeten sich zurück, und statt Vogelklauen setzten schwarze Herren-Boots auf den mittelalterlichen Steinen auf. Gefolgt von einer schwarzen Jeans und einem schwarzen Shirt mit dem Logo einer Heavy-Metal-Band.

Der Wind spielte mit dem halb langen, schwarzen Haar, Strähnen fielen ihm ins Gesicht und vor die Augen, die er mit einer bereits unbewussten Geste wieder nach hinten schob.

Der Mann lehnte sich auf die Brüstungsmauer und blickte auf das Festival-Gelände in geringer Entfernung am Fuße der Burg herab, das noch recht leer war. Ab morgen früh würde es sich füllen. Menschen würden anreisen, lachen, grölen, Zelte aufschlagen, Wohnwagen parken und Unmengen von Bier trinken. Und dabei, ohne es zu wissen, genau den Stoff zu ihm bringen, von dem er sich ernährte: Blut!

Corvin Hades, einer der mächtigsten Vampire Großbritanniens, tat das, was ihm in seiner Rabengestalt nicht möglich gewesen war: Er lächelte vor Vorfreude. Es würde ein von hämmernder Musik begleitetes, berauschendes Festmahl werden!

Als am nächsten Morgen in aller Frühe die Besucher auf das Gelände strömten, waren alle Aufbauarbeiten abgeschlossen. Bis die erste Band auftrat, würden noch einige Stunden vergehen. Bis dahin richteten sich die feierwütigen Fans häuslich ein, stellten Zelte und Camper auf, bauten Grills und Kochgelegenheiten auf, verstauten Unmengen von Bierdosen in Kühlschränken, Kühlboxen oder auch einfach in dem kleinen Bachlauf, der sich im Schatten alter Eichen durch das Gelände wand.

Alina Davis baute ihren kleinen Informationsstand auf. Sie arbeitete in einem gewagten Outfit. Schwarzen Hotpants, darunter eine schwarze Strumpfhose mit einer dünnen Ziernaht auf der Rückseite. Über der kurzen schwarzen Corsage, die ihre Brüste betonte und ins rechte Licht rückte, trug sie ein wallendes weißes T-Shirt mit dem Logo ihres Heavy-Metal-Clubs in Soho, London, in das sie einen Knoten gebunden hatte, sodass die zahlreichen Tattoos an Hüfte und Bauch wenigstens etwas zur Geltung kamen.

An den Armen war kaum noch ein Zentimeter freier Haut zu sehen. Nur im Gesicht trug sie keine Tätowierung, dafür umso mehr Make-up. Die Augen waren dunkel geschminkt, die Lippen kirschrot.

Das Haar trug sie zu einem wippenden Pferdeschwanz gebunden, den eine klassische Schleife hielt. Sie sah aus wie eine Mischung aus Burlesque-Tänzerin und 60er-Jahre-Pin-up-Girl.

Ihren kräftig rot gefärbten Haaren verdankte sie ihren Spitznamen: Ginger.

Auch wenn viele es ihr aufgrund ihres Äußeren nicht zutrauten, Ginger war eine knallharte Geschäftsfrau. Ihren Club, das ›Albert‹, führte sie, ganz entgegen dem Trend, seit Jahren sehr erfolgreich.

Fünftausend Flyer hatte sie drucken lassen, die sie hier unter das musikbegeisterte Volk bringen wollte. Sie hatte gehörigen Respekt vor der Menge an Kartons, die sich unter einer Stoffbahn verdeckt hinter ihr im Pavillon stapelten. Der Druck und die Standgebühr kosteten ein kleines Vermögen, das musste sich lohnen!

Sie verdrängte alle Zweifel, das war nicht ihre Art. Während ihrer Selbstständigkeit hatte sie schon viel Geld verbrannt, schlimmstenfalls zahlte sie hier Lehrgeld, und die nächste Aktion würde besser laufen.

Ken, ihr Partner und Barkeeper im ›Albert‹, hielt sich im Hintergrund und rauchte. Das ganze Marketing-Zeug war nicht sein Ding. Er unterstützte seine Freundin, indem er Bier zapfte oder heute einen Stand aufbaute und Kartons schleppte.

Ab Mittag, als die meisten Gäste ihre Aufbauten abgeschlossen hatten, wurde es voller auf dem Weg, an dessen Rand Gingers Pavillon stand. Sie brachte sich mit ihrem auffälligen Outfit in Position, einen Stapel Flyer auf einem großen Pad in der Hand. Sie hüpfte auf ihren Pumps wie ein Boxer auf und ab und sprach sich noch einmal Mut zu. Nun kam es darauf an, mögliche Gäste anzusprechen, sympathisch rüberzukommen und Kunden in ihren Club zu locken. Ebenso wie ein Boxer atmete sie stoßweise aus. Es ging los!

»Seh ich gut aus, Baby?«, fragte sie in Kennys Richtung und drehte sich kurz um.

Der nickte nur und hob einen Daumen, bevor die Zigarette wieder in seinen Mund wanderte, um den nächsten Zug zu nehmen.

»Hi!«, sprach sie ein Pärchen an, das an ihrem Pavillon vorbeischlenderte.

Er trug stilecht eine Kutte mit verschiedenen Aufnähern, sie ein schwarzes Shirt mit grinsendem Totenkopf. Beide hatten lange Haare bis weit über die Brust, die sie offen trugen. Sein Handgelenk mit den zahlreichen Bändchen von verschiedenen Festivals wies ihn als potenziellen Gast für ihren Club aus. »Seid ihr ab und zu in London?«

»Ich komme aus London, sie ist aus Liverpool.«

Perfekt! Jetzt den Fisch nicht mehr von der Angel lassen!

Ginger setzte ein süßes Lächeln auf. »Sehr cool. Kennt ihr das ›Albert‹ in Soho?«

»Nee, ist nicht so meine Kante.« Er sprach weiterhin. Das Mädchen aus Liverpool sah schüchtern zwischen ihrem Freund und Ginger hin und her.

Ginger zückte den Flyer. »Schau mal, wir haben Live-Musik von Donnerstag bis Sonntag. Die Bands sind alle erstklassig und von mir persönlich handverlesen. Das Programm für die nächsten Monate steht schon auf der Rückseite. Wenn ihr den Flyer mitbringt, habt ihr ein Bier frei.«

Sie zeigte auf einen goldgelben Stern, der aus dem ansonsten in Rot und Schwarz gehaltenen Flyer herausstach.

Ginger wechselte zu dem Pad, das sie in der Hand hielt.

»Da können wir ja mal hin, wenn ich in London bei dir bin.« Das kleine Mäuschen traute sich also doch zu reden.

»Im Netz findet ihr noch mehr Informationen und Fotos.« Ginger ließ sie einen Blick auf die Fotos auf ihrer Homepage werfen. Plüschige Sofas, eine große Bühne, eine Tanzfläche, die Bar, feiernde Menschen. »Und bei uns seid ihr immer völlig unabhängig vom Wetter. Wird ja auch wieder Herbst und Winter. Ab und zu soll es ja auch regnen, da könnt ihr bei uns super feiern. Die nächste Tube-Station ist nur zweihundert Meter entfernt.«

»Klingt echt cool.« Der junge Mann steckte den Flyer in die Brusttasche seiner Kutte.

»Sagt mir Hallo, wenn ihr kommt, ich würde mich freuen.«

»Ja, geil, wir kommen mal vorbei.«

Das war eine Aussage, die Ginger nicht auf die Goldwaage legen würde, aber besser als nichts. Sie verabschiedete das Paar und wünschte ihnen noch viel Spaß auf dem Festival.

Nach einem letzten Lächeln in ihre Richtung sah sie sich nach neuen Opfern beziehungsweise zukünftigen Gästen um. Und ihr Blick blieb an einem bestimmten jungen Mann hängen ...

Sie sah ihn ganz deutlich – nur wenige Meter von ihr entfernt ging er in aller Seelenruhe über den Weg in Richtung des Campgrounds. Verwechslung ausgeschlossen.

Corvin Hades.

Die Kinnlade klappte ihr herunter, als sie ihm nachsah.

Dieser Mann wurde von Scotland Yard gesucht! Sie hatte mit diesem Yard-Oberinspektor einen sehr angenehmen Abend in ihrem Club verbracht. Auch wenn sie offenbar nichts gemein hatte, hatte da eine gewisse Sympathie zwischen ihnen geherrscht. Sie hatte gehörigen Respekt vor jemandem, der sich beruflich gegen die Machenschaften der Hölle stellte.

Corvin hatte lange Zeit mit seiner Band regelmäßig in ihrem Club gespielt, bis er die Band gesprengt hatte, um sein Studium abzuschließen. Aber das war nicht das Besondere an ihm. Der Grund, weshalb John Sinclair ihn suchte, war ein anderer: Corvin Hades war angeblich ein Vampir!

Sogar einer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Ein Vampir auf einem Festival mit Tausenden von Besuchern!

Sie musste Sinclair anrufen!

Mein Handy meldete sich mit einer dudelnden Melodie. Ein Blick aufs Display zeigte mir, dass ich die Nummer nicht in meinen Kontakten gespeichert hatte, was kein Grund für mich war, den Anruf nicht anzunehmen, schließlich hatte ich in meinem Leben schon unzählige Visitenkarten an Informanten und Zeugen verteilt.

»Sinclair«, meldete ich mich.

»John, hier ist Ginger!«

Kurz musste ich überlegen.

Ginger ... Ginger ... Ginger ...

Ah, die Nachtclubbesitzerin aus Soho, mit der ich vor einigen Wochen einen netten Abend in ihrem Club verbracht hatte. Corvin Hades, seit Kurzem neuer Super-Vampir in London, war früher mit seiner Band in ihrem Club aufgetreten, und ich hatte mir von ihr Informationen über ihn erhofft. Das hatte soweit funktioniert, nur war er uns entkommen.*

»Ginger! Das ist eine Überraschung! Was kann ich für dich tun?«

»Suchst du immer noch nach Corvin Hades?«

Sofort war ich hellwach. Ich gab Suko, der mir gegenüber an seinem Schreibtisch saß, einen kurzen Wink, dass es lohnte, hier mitzuhören. Dann tippte ich auf die Lautsprechertaste. Das Handy legte ich vor mir auf den Tisch.

»Ja, nach wie vor«, gab ich zu. »Und wir sind für jeden Hinweis dankbar.«

»Er ist gerade an mir vorbeigelaufen.«

Suko, der bisher sehr bequem in seinem Bürosessel gelümmelt hatte, fiel fast aus selbigem.

»Wo bist du? Im Club?« Das kam mir jetzt um die Mittagszeit unwahrscheinlich vor.

»Nein, auf dem Hellhound-Festival bei Corfe Castle. Zusammen mit etwa fünfzigtausend anderen.«

Ein Vampir wie Corvin Hades auf einem Gelände mit 50.000 Menschen? Das war nicht gut, das war ganz und gar nicht gut!

Das Hellhound war in der Nähe von Bournemouth, so weit war ich im Bilde.

»Wir sind in ein paar Stunden bei dir.«

Viel mehr Informationen brauchte ich für den Moment nicht. Ich verabschiedete mich von Ginger.

Das Hellhound-Festival, unterhalb der Burgruine von Corfe Castle! Seufzend ließ ich mich in meinen Bürostuhl fallen.

Corvin Hades! Der ehemalige Student war von Justine Cavallo in einen Vampir verwandelt worden, was sich auch für die blonde Bestie als großer Fehler erwiesen hatte. Er hatte eine Doktorarbeit über alte Vampirartefakte geschrieben, die Justine gern in ihre hübschen, untoten Finger bekommen hätte. Allerdings war alles anders gekommen. Er hatte uns ausgetrickst, war schneller gewesen und hatte selbst vom Gehirn des alten Vampirs Bojan Srisrok gegessen. Die Kräfte des alten Supervampirs waren auf ihn übergegangen, er war immun gegen Silberkugeln und Sonnenlicht und konnte sich in einen Raben verwandeln sowie seinen Geist getrennt von seinem Körper auf Reisen schicken, entweder um jemanden zu beobachten oder auch, um zu ihm zu sprechen.*

Diese Fähigkeiten machten es uns nicht einfacher, ihn zu schnappen – und ihn zu vernichten!

»Diesmal müssen wir ihn kriegen, John!« Suko klang entschlossen.

Nach allem, was wir mit Corvin Hades durchgemacht hatten, fehlte es uns nicht an Motivation.

»Wir müssen ihn dort erst einmal finden«, sagte ich. »Und ich bete, dass wir nicht wieder einer Spur aus Leichen hinterherlaufen. Verdammt, fünfzigtausend Menschen auf engstem Raum. Das muss ihm vorkommen wie ein All-you-can-eat-Buffet.«

Suko zuckte mit den Schultern. »Also gut, lass uns Sir James Bescheid geben – und dann nix wie los ins Getümmel.«

Ich erhob mich zusammen mit meinem Partner.

In unserem Vorzimmer sprach uns unsere unersetzliche Assistentin Glenda Perkins an, die zwangsläufig mitgehört hatte. Sie war die gute Seele unseres Büros, die viel mehr konnte, als ihren vorzüglichen Kaffee zu kochen.

Sie drehte sich mit ihrem Stuhl in unsere Richtung und verschränkte die Arme vor der Brust. »So, so, die Herren wollen aufs Hellhound-Festival? Wie viel Festival-Erfahrung habt ihr denn?«

»Null«, kam es beinahe unisono aus unseren Mündern.

Sie zog skeptisch eine Augenbraue hoch.

»Ahhhh! Doch so viel.« Der Sarkasmus troff aus Glendas süßer Stimme. »Da spielt morgen Abend Jason Lamar als Hauptact. Wenn ihr dann noch da seid und irgendwie mit dem Dienstausweis in den Backstage-Bereich kommt, würde ich mich über ein Autogramm freuen.«

»Wer, zur Hölle, ist Jason Lamar?«, fragte ich.

Unsere Assistentin seufzte beinahe mitleidig und drehte sich mit ihrem Bürostuhl wieder ihrem Bildschirm zu. »Vergesst es einfach, Jungs. Ich hab nichts gesagt.«

Suko und ich machten uns perplex auf ins Büro unseres Chefs. Egal, wie die Sache mit Corvin Hades ausging, das Hellhound-Festival würde für uns eine ganz neue Erfahrung werden.

Ich hatte das Gefühl, dass ich mich selbst in anderen Dimensionen wie Aibon besser zurechtfinden würde als dort.

Corvin genoss seinen Spaziergang in der Menschenmenge. So viel Leben um ihn herum, so viel Blut. Er konnte es riechen, wittern. Unmerklich zitterten seine Nasenflügel, als er den süßen Duft in sich einsog. Er musste sich beherrschen, nicht vor lauter Blutgier seine Oberlippe hochzuziehen und seine Vampirzähne freizulegen.

Beinahe kam es ihm vor, als könne er das Blut durch die Adern der Menschen um ihn rauschen hören, aber das war selbst ihm nicht möglich und nur das Ergebnis seiner Fantasie.

Was durchaus real war, waren die unverhohlenen Blicke, mit denen er bedacht wurde. Er verströmte eine vampirische Aura, die vor allem Frauen ansprach.

Zwei junge Mädchen kicherten nach einem kurzen Blickkontakt, steckten die Köpfe zusammen und tuschelten über ihn hinter vorgehaltener Hand.

Diese Ausstrahlung war durchaus praktisch, wenn es darum ging, Beute zu machen. Auch nach seiner Verwandlung in einen Vampir war seine Freundin Joycelyn noch immer verliebt in ihn gewesen, sodass es ihm ein Leichtes gewesen war, sie in seinem Sinne zu manipulieren.

Justine Cavallo hatte sie getötet. Noch immer wollte er sich dafür an ihr rächen, doch Justine war wie vom Erdboden verschluckt.

Nach der Vernichtung der Medusa war er auf die Burg oberhalb des Festivals geflohen. Hier war elf Monate im Jahr recht wenig los, es gab weder Führungen noch eine Gastronomie, nur ein einsames Kassenhäuschen im Torbogen, falls sich doch jemand das verfallene Gemäuer näher ansehen wollte. Nur wenige Besucher verirrten sich hierher.

Für einen Vampir ein ideales Versteck, und als Rabe war der Zugang zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Kinderspiel.

In dem für die Öffentlichkeit gesperrten Tunnelsystem unter der Burg hatte er sich in den letzten Wochen häuslich eingerichtet. Ein Mensch hätte sich dort nicht wohlgefühlt, doch als Vampir brauchte er keinen großen Komfort.