Kiras Weg nach Süden - Kirsten Steiner - E-Book

Kiras Weg nach Süden E-Book

Kirsten Steiner

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Beschreibung

Wie sinnlich ist die Fahrerkabine eines Lkw? Wie fühlt sich Spontansex auf einem Parkplatz an? Als sich Kira von Norddeutschland aus auf den Weg nach Spanien macht, erwartet sie ja durchaus, dass ihr kurzer Rock beim Trampen hilfreich sein wird. Wer sich dann aber von den schönen Beinen der Studentin beeindrucken lässt, ist doch eine Überraschung für sie. Und das soll nicht die einzige Überraschung auf dieser Reise bleiben. In der Serie "Sinnliche Augenblicke" erzählt Kirsten Steiner in loser Folge von erotischen Begegnungen an besonderen Orten oder in besonderen Situationen.

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Seitenzahl: 54

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Kirsten Steiner

Kiras Weg nach Süden

Sinnliche Augenblicke (5)

1: Frauenpower

Eigentlich hätte sie bei diesem dämlichen Satz die geöffnete Beifahrertür sofort wieder schließen müssen – und zwar von außen.

„Na Süße, wo solls denn hingehen?“, hörte Kira von der Fahrerseite des Lkw.

Sie hatte diesen Satz beim Trampen schon des Öfteren gehört. Abgesehen davon, dass sie es grundsätzlich hasste, wenn jemand „Süße“ zu ihr sagte, empfand sie einen solchen Satz einfach nur als abwertend und frauenfeindlich. Sicher, sie hatte den Daumen in den Wind gehalten und damit eine Bitte an alle Autofahrer gerichtet. Und ihr kurzer Rock hatte diese Bitte freundlich unterstrichen. Sie wusste, dass ein solches Outfit durchaus hilfreich war. Allerdings hatte sie schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass ein Autofahrer daraus den Schluss zog, eine gewisse Gegenleistung verlangen zu können – die Kira aber nur in Ausnahmefällen gewähren mochte. Die Dose Pfefferspray in Kiras Tasche befand sich aus gutem Grund dort. Sie hatte so etwas tatsächlich schon einmal benutzen müssen – glücklicherweise aber nur einmal. Immerhin war es beruhigend, das Spray dabeizuhaben.

Wenn ein Autofahrer sie gleich mit einem solchen Satz empfing, dann wusste sie, dass sie hier falsch war. Dass sie an diesem Tag am Autobahn-Rasthof zwischen Hamburg und Hannover dennoch in den Lkw kletterte, lag allein daran, dass dieser Lkw-Fahrer gar kein Lkw-Fahrer war, sondern eine Lkw-Fahrerin.

Kira hatte im ersten Moment gestutzt, eine Frau am Steuer des mächtigen Trucks zu entdecken. Natürlich war ihr bewusst, dass Frauen inzwischen so ziemlich alle Berufe ausübten. Sie selbst studierte Maschinenbau – was ja auch eher eine männliche Domäne war. Dennoch war sie nicht auf die Idee gekommen, dass auch Frauen als Fernfahrer unterwegs waren. Allerdings hatte sie auch noch nie darüber nachgedacht.

Dass diese Frau sie mit einem typisch männlichen Macho-Spruch begrüßte, entlockte Kira immerhin ein überraschtes Lächeln. Bei einem Mann am Steuer, da war sie sich ganz sicher, wäre ihr Blick deutlich unfreundlicher ausgefallen.

„Nach Valencia“, sagte sie, während sie ihren Rucksack hinter dem Sitz verstaute. „Eine Freundin von mir studiert da.“

„Valencia? Das schaffst du heute nicht mehr.“

„Nein, natürlich nicht. Heute bin ich schon froh, wenn ich zumindest bis Süddeutschland komme. Wohin fährst du?“

„Lyon.“

„Wunderbar, das liegt ja direkt auf meiner Strecke.“

„Da komme ich aber heute auch nicht mehr hin, Süße.“

„Zu weit zum Durchfahren?“

Die Frau am Steuer klopfte auf den Tacho in ihrem Armaturenbrett.

„Nicht unbedingt. Ich bin schon ganz andere Strecken am Stück gefahren – jedenfalls mit meinem privaten Pkw. Aber der Fahrtenschreiber hier drin würde mich verraten. Wenn ich kontrolliert werde und meine Pausen nicht eingehalten habe, bekomme ich Ärger.“

Ach ja, Lkw-Fahrer durften ja nur eine gewisse Zeit am Steuer sitzen. Sinnvoll war das natürlich.

„Schade, in Lyon hätte ich schon so ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft.“

„Ich kann dich gern bis Lyon mitnehmen, Süße. Aber ich muss auf dem Weg dahin eine lange Pause machen und schlafen.“

„Ich heiße Kira. Nur damit du mich nicht immer Süße nennen musst.“

Die Fahrerin sah sie an und grinste:

„Ich bin Sandra. Und ich mag es eigentlich auch nicht, wenn mich jemand so nennt. Keine Ahnung, warum mir das immer rausrutscht, Süße.“

„Tja, wer weiß schon, welchen Knoten du da im Hirn hast, Süße“, entgegnete Kira.

Beide Frauen mussten herzhaft lachen.

„Bist du oft als Tramperin unterwegs?“, wollte Sandra wissen.

„Oh ja. Es ist nicht nur die preiswerteste Art zu reisen. Ich mag auch dieses Gefühl dabei. Das hat etwas von Freiheit und Abenteuer.“

„Du bist eine Romantikerin. Was machst du, wenn du nachts im Regen stehst und nicht mitgenommen wirst?“

„Ich sagte ja: Abenteuer. Aber eigentlich werde ich immer ziemlich schnell mitgenommen.“

Sandra warf einen Blick zur Seite und musterte ihre schöne junge Mitfahrerin.

„Kann ich mir denken“, entgegnete sie.

„Vielleicht hat diese Lust am Trampen etwas mit meinen Genen zu tun“, überlegte Kira laut.

„Mit deinen Genen? Was haben die denn damit zu tun?“

„Meine Mutter ist als Studentin auch viel getrampt. Und dabei hat sie sich einmal von einem charmanten französischen Lkw-Fahrer verführen lassen.“

„Sie hatte Sex mit einem Lkw-Fahrer?“

„Ja, und nicht nur das.“

„Was noch?“

„Sie hat sich von ihm schwängern lassen. Sonst würde ich jetzt nicht hier in deinem Lkw sitzen.“

„Spannend. Hast du deinen Trucker-Vater je kennengelernt?“

„Nein, leider nicht. Meine Mutter hatte keine Ahnung, wie sie ihn ausfindig machen sollte. Auf das Nummernschild oder die Beschriftung auf dem Anhänger hat sich nicht geachtet. Sie wusste nur, dass der Mann Pascal hieß, krause schwarze Haare hatte und meist ausgesprochen charmant gelächelt hatte.“

„Wenn du durch Frankreich weitertrampst, wirst du also alle Lkw-Fahrer im passenden Alter nach ihrem Namen fragen, oder?“

„Keine schlechte Idee. Leider ist Pascal aber nicht gerade ein seltener Vorname in Frankreich.“

„Auf jeden Fall eine spannende Vorgeschichte deiner Geburt.“

„Das kann man wohl sagen. Hattest du auch schonmal Sex in deinem Truck?“

Sandra lächelte versonnen und blieb die Antwort schuldig.

Lyon, überlegte Kira. Das war natürlich sehr verlockend, wenn sie mit Sandra so weit kommen würde. Wenn sie vielleicht in diesem Lkw schlafen durfte, dann musste sie unterwegs auch keine Jugendherberge suchen oder ihre Isomatte samt Schlafsack hinter irgendeinem versteckten Gebüsch ausrollen. Das hatte Kira bei Trampen auch schon mehrfach gemacht – obgleich sie wusste, dass das als einzelne Frau so eine Sache war. Aber sie setzte dann immer eine Mütze auf und versteckte ihre langen blonden Haare darunter, sodass niemand sofort erkannte, dass es eine Frau war, die dort schlief. Zudem nahm sie ihr Pfefferspray mit in den Schlafsack und fühlte sich damit kampfbereit.

„Dein Angebot mit Lyon würde ich sehr gern annehmen“, sagte Kira. „Kann man in deinem Lkw denn zu zweit schlafen?“

„Schau mal nach hinten, Süße.“

Kira drehte sich um und stellte fest, dass die Kabine zwei Betten übereinander hatte.

„Super“, sagte sie. „Besser geht’s nicht.“