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Kennen Sie ihn, diesen Zustand zwischen Träumen und Wachen, in dem Ihre Gedanken abschweifen und Sie für einen Augenblick vergessen, was rings um Sie geschieht? Was Ihnen mitunter als mangelnde Konzentration erscheinen mag, ist in Wirklichkeit eine wichtige Fähigkeit: Ohne sie wäre keine Selbsterkenntnis möglich. In der Visionsreise in unser eigenes Inneres finden wir heraus, wer wir wirklich sind. Geführte Meditationen helfen, diese Suche zielstrebiger und klarer zu gestalten. Dieses Buch liefert erstmalig eine systematische Anleitung zur Erkundung Ihres "inneren Hauses" mit all seinen Winkeln und verborgenen Nischen. In zwölf Reiseabschnitten bietet es je drei Visionsreisen an – 36 insgesamt. Bei dieser Forschungsexpedition in Ihr Inneres geht es nicht nur ums Schauen und Kennenlernen, sondern auch darum, neue Potenziale zu entdecken und zu entfalten. Sie sind eingeladen, neue Räume betreten, deren Türen Ihnen bislang womöglich verschlossen waren und dort Begegnungen voll kreativer Leichtigkeit zu erleben. Dieses Buch richtet sich ebenso an Menschen, die noch am Beginn ihres Weges der inneren Entfaltung stehen, wie auch an Fortgeschrittene oder professionelle Berater, die Material für die Arbeit an sich selbst oder mit anderen suchen.
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Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Cory d'Or
Korridorium – Zeitgeistfrakturen
Satiren, Glossen, Miniaturen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
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Nachwort
Impressum neobooks
»Ich betrete den Korridor …« Dieser unscheinbare Satz war am elften November 2011 der Startschuss für das in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche literarische Blog Korridorium.de.
Von diesem Tag an veröffentlichte Cory d’Or Tag für Tag weitere Beiträge: Storys, Fabeln, Offenbarungen, Einwürfe, Glossen und miteinander verwobene Fortsetzungsgeschichten – alle mit dem gleichen Anfangssatz und begleitet von einem Soundtrack passender Länge, komponiert und produziert von Tychonian Soundworks.
Zum angekündigten Ende des Projekts am zwölften Dezember 2012 waren es insgesamt 398 Blogeinträge, darunter auch so ausgefallene wie ein QR-Code, eine Infografik und ein Filmnachspann.
Was anfangs wie eine wilde und genreübergreifende Mischung von Prosa-Miniaturen und Kurzgeschichten wirkt, entfaltet sich Tag für Tag, Kapitel für Kapitel, zu einem Kaleidoskop aus Themen, Figuren, Orten, popkulturellen und historischen Verweisen, Selbstbezüglichkeiten und Erzählperspektiven, dessen einzelne Facetten mit der Zeit verborgene Querverbindungen offenbaren und sich zu einer großen, »pluridimensionalen« Geschichte entfalten – durchsuchbar mit Hilfe einer Reihe von Kategorien und Keywords (wobei Tags wie »Nous« und »K.« in den eingebauten FAQs des Blogs näher erläutert wurden).
Kafkaeske Situationskomik, die skurrilen Erfindungen eines Professors, auf die Schüppe genommene Internet- und Popkultur-»Meme«: Mit surreal-satirischer Feder kitzelt Cory d’Or aus den Phänomenen unserer Zeit kleine, verrückte Korridore hervor. Lesen Sie selbst!
Dieses E-Book präsentiert Ihnen – in einer handverlesenen Auswahl aus den 398 Kapiteln des Blogromans – die in das Korridorium eingebetteten Satiren und Glossen in chronologischer Reihenfolge: Fortsetzungsgeschichten und in sich geschlossene Kurzprosa.
Exklusiv für Sie als Leser eines Korridorium-E-Books erhalten Sie im Nachwort das Passwort für das Original: eine archivierte Version des gesamten fraktalen Blogromans mit allen zwischen dem 11/11/11 und dem 21/12/12 veröffentlichen Texten von Cory d’Or – inklusive der externen Links unter vielen der »Korridore« sowie aller 398 Soundtracks zu den Texten, für das Korridorium komponiert und produziert von Tychonian Soundworks.
Weitere E-Books mit (Fortsetzungs-)Geschichten aus dem fraktalen Blogroman:
• Korridorium – ein pluridimensionaler Thriller
• Korridorium – Storys aus dem Labyrinth
• Korridorium – der SciFi-Fraktor
• Korridorium – Mythenwege, Märchenpfade
• Korridorium – fraktale Romanzen
• Korridorium – magische Abenteuer
• Korridorium – letzte Erkenntnisse
Die acht Korridorium-E-Books, mit Cory d’Ors freundlicher Genehmigung als E-Book-Reihe herausgegeben von Margret Phlippen, enthalten insgesamt 328 der originalen 398 Kapitel des Blogs (mit – aus inhaltlichen Gründen – sieben Dopplungen) sowie sieben bislang unveröffentlichte Bonus-»Korridore« aus der Feder von Cory d’Or, Texte, die es aus unterschiedlichen Gründen zwischen dem 11.11.11 und dem 12.12.12 nicht ins Blog geschafft haben.
23.11.2011
Ich betrete den Korridor: An den Wänden zwischen den Türen, über denen sich jeweils eine Zahlenanzeige befindet, stehen Stühle für die Wartenden. Alle sind besetzt. 312 lese ich auf einer der Anzeigen, 313 auf einer anderen, und die dritte springt gerade von 311 auf 315. Ich sehe auf den Zettel in meiner Hand. 288. Ich hätte nicht trödeln dürfen! Meinen Aufruf jedenfalls habe ich offenbar verpasst.
Ich drehe mich um, will zurück, mir im Foyer eine neue Wartenummer ziehen. Doch auch über der Tür, durch die ich den Korridor betreten habe, befindet sich eine Anzeige: 314. Einen Moment lang bin ich verwirrt. Einen anderen Ausgang gibt es nicht, und – ich blicke mich noch einmal prüfend um – einen Nummernautomaten auch nicht. Aber so leicht gebe ich mich nicht geschlagen.
Die 314 über mir springt mit einem Klacken auf die 316 um. Ein junger Mann steht auf. Das ist meine Chance. Doch als er merkt, dass ich mich einfach mit ihm durch die Tür drängen will, bedenkt er mich mit einem abfälligen Blick und blockiert bis zuletzt den Türspalt. Betont schnell und kräftig zieht er die Tür hinter sich zu.
Ich mustere die anderen Wartenden. Der Blick der meisten geht ins Leere. Manche drehen gedankenverloren ihren Zettel zu Röllchen zusammen oder falten sie. Einige Halbwüchsige sind dabei, die auf ihr Smartphone starren oder mit den Daumen auf eine PSP einprügeln.
Ein Stuhl ist freigeworden. Ich setze mich. Den Gedanken, jemandem hier seine Nummer zu stehlen, verwerfe ich gleich wieder. Die Anzeigen sind dreistellig. Irgendwann wird die 999 erreicht sein. Und dann beginnt wieder alles von vorn. Ich umklammere fest meinen Zettel. Meine Zeit wird kommen.
29.11.2011
Ich betrete den Korridor und pfeife ein fröhliches Lied. Ich weiß schon, wen ich hier so früh morgens auf meinem Weg vom Schlafzimmer ins Bad und dann gleich weiter ins Arbeitszimmer treffen werde. Nämlich Sie. Sie selbst – doch, doch, gehen Sie mal in sich, und dann wissen Sie’s, wo Sie sich kurz vor dem Aufwachen in Ihren Träumen herumtreiben. Bei mir im Flur! Und: Ich bin sehr dankbar dafür, denn Sie sind meine Qualitätskontrolle.
Ich tanze da also an, im Schlafanzug und mit verstrubbelten Haaren, und da stehen Sie und fragen mit ernstem Gesicht: »Und?« (Na, kommt Ihnen da etwas bekannt vor?)
Ich sprudle dann ganz begeistert meine Ideen der Nacht hervor – für weitere tolle Korridorgeschichten, beispielsweise: »Eine Miniatur über einen Chinesen, der kein R aussprechen kann – fängt an mit ›Ich betlete den Kollidol‹!« Und Sie stehen da und schütteln den Kopf mit diesem typischen nur gaaanz leicht abfälligen Lächeln. (Klingelt’s schon?)
Ich lasse mich nicht in meiner Euphorie dämpfen: »Gut, gut, dann nicht. Aber dafür die Korridorgeschichte mit unserer Kindergeheimsprache zu Hause: ›Ichtefich betefe-tretefe-tetefe detefen Kortefor-ritefi-dortefor‹!« Wie erwartet, verdrehen Sie die Augen: »Blöteföd!« (Ganz schön schlagfertig von Ihnen.)
»Okay, dann der Papst«, sage ich und fahre mir mit der Hand durchs zerzauste Haar, weil ich mich zu erinnern versuche, was ich mir da ausgedacht hatte. »Zuerst weiß man natürlich nicht, um wen es sich handelt. Er geht Schritt für Schritt auf den Balkon zu, vor dem ihn eine unüberschaubare Menschenmenge, wo ihn Fernsehkameras und Mikrofone erwarten, und formuliert im Geist seine Ansprache – eine böse Anklage an seine Gemeinde, dass sich alle wie törichte Schafe verhalten und offenbar nicht in der Lage sind, ihren gottgegebenen Verstand einzuschalten und die Menschheitsgeschichte in halbwegs vernünftige Bahnen zu lenken. Dann tritt er an die Brüstung, lächelt in das Meer von Menschen, die erwartungsvoll zu ihm aufschauen, und sagt doch nur wieder ›Urbi et orbi‹! Na?« Für einen kurzen Moment starren Sie mich an, als wollten Sie gleich in Tränen ausbrechen. Sie öffnen den Mund, aber es kommt nichts heraus. »Nicht gut?«, frage ich mit einem treuen Dackelblick, der mir aber wieder mal nichts nützt, weil Sie nur langsam und nachdrücklich den Kopf schütteln. (Da sollten sich aber spätestens jetzt die ersten Erinnerungsfetzen einstellen.)
»Na schön, dann nehmen wir den Jungen im Gymnasium, der mit einem Gewehr die Korridore zwischen den Klassenzimmern betritt und sich überlegt, wie er bei seinem Amoklauf am besten …« Ihre Bewegung lässt mich innehalten: Sie beißen sich in die Faust. Das soll wohl heißen: unerträglich und völlig daneben. Schade. »Könnte ein Tweet werden«, füge ich noch flehentlich an, »ganz kurz.« Doch Ihr kurzes und trockenes Lachen, in dem nicht wenig Verzweiflung mitklingt, sagt mir, dass das Problem dieser Idee nicht in ihrer Länge liegt. (Überprüfen Sie ruhig mal die Knöchel Ihrer rechten Hand auf Bissspuren. Zeichnet sich da was ab?)
»Dann hätte ich da noch einen jüdischen KZ-Häftling zu bieten«, schlage ich vor, und an dieser Stelle ist Ihr Blick einfach unbezahlbar: diese Erwartung von etwas Schrecklichem, und wie Sie inständig hoffen, es ist nicht wahr, aber natürlich fahre ich unerbittlich fort: »Er betritt den Korridor auf dem Weg zur Gaskammer und …« Ein Laut entringt sich Ihrer Kehle, eine Mischung aus Röcheln, Gurgeln und Schluchzen, ganz kurz nur – ich breche ab, denn ich will den Bogen nicht überspannen. Am besten sind die Momente, wenn Sie die Augen zum Himmel verdrehen und die Hände heben, als könne eine Macht von da oben diesen unaufhörlichen Strom halbgarer oder gänzlich unausgegorener Ideen zum Versiegen, mich endlich zum Schweigen und damit der Welt Erlösung bringen. Das machen Sie richtig gut. Ein Anblick für die Götter sozusagen.
Natürlich nicken Sie auch manchmal gnädig, wenn Ihnen eine meiner Ideen mal nicht albern, pubertär oder geschmacklos vorkommt. Sonst würde es dieses Blog ja auch nicht geben. (Ehrlich gesagt schmuggle ich manchmal etwas durch die strenge Qualitätskontrolle durch. Wie diese Miniatur hier.)
Hätten Sie nicht gedacht, was? Sie und ich frühmorgens im Korridor zwischen meinem Schlafzimmer und meinem Bad – und dann der ganze Schmuh, den Sie sich jedes Mal anhören müssen. Dürfen Sie sich eigentlich auch gar nicht dran erinnern, denn sonst würden Sie ja schon alles kennen, was hier im Blog erscheint. Das ist vermutlich genau der Grund, warum wir fast alle von unseren nächtlichen Träumen vergessen: Sonst wär’s einfach nur langweilig.
8.12.2011
Ich betrete den Korridor und notiere es auch gleich in mein Tagebuch: »Ich betrete den Korridor«. Seit ich dafür ein Touchpad benutze statt Notizbüchlein und Stift, kann ich noch viel direkter und zeitnaher festhalten, was ich tue, erlebe, wie ich meinen Tag verbringe – in Realtime sozusagen. Auch kann ich alles Wichtige gleich als Tweet weiterleiten: Vor dem Schlafengehen kann ich dann noch einmal in meinem Twitter-Account meinen Tagesablauf nachverfolgen, in kleine Fragmente aufgeteilt.
Was wollte ich hier im Korridor? Oh, stimmt, ich bin auf der Suche nach dem Ladekabel für das Touchpad. Hier steht es ja auch: »Ich habe das Ladekabel fürs Touchpad verlegt. Vielleicht liegt es in der Küche.« In der Küche kann ich es nirgendwo entdecken. »Aber in der Küche kann ich es nirgendwo …« Aber jetzt gibt das Touchpad einen seltsamen elektronischen Ton von sich, abfallend, wie ein enttäuschtes »Oohch«. Das würde ich gerne notieren und in diesem Fall auch gleich twittern, denn ich höre es zum ersten Mal, und das muss natürlich dokumentiert werden, nur nimmt das Ding jetzt auf der virtuellen Tastatur keine Eingaben mehr ein, sondern speichert als letzte Tat notfallmäßig den Text ab und schaltet sich aus.
Was jetzt?! Wie soll ich das jetzt mitschreiben? In der Küche steht die Rolle mit Küchenpapier, und in einer Schublade finde ich neben den Teelichten einen Kugelschreiber. Das muss alles festgehalten werden! Doch der Kugelschreiber schreibt nicht auf dem Küchenpapier. Ich lecke daran, schüttle ihn, das ganze Programm, aber er will einfach nicht. Auch das alles droht verlorenzugehen, weil ich es nicht aufschreiben kann. Mein Blick fällt auf das Schneidebrett. Könnte ich mit dem Messer etwas hineinritzen? Wenigstens Stichworte? Es ist schon wieder so viel passiert. Küchenpapier bereitstellen, Kugelschreiber lecken, Schneidebrett in Betracht ziehen … Wie soll ich mir das alles merken? Und dazu noch der Versuch, das alles zu memorieren! Ich muss das Ladekabel finden, soviel ist klar. All meine Gedanken dazu, die Aufregung, meine Aktionen – gerade jetzt, wo es endlich mal richtig dramatisch wird und plötzlich krass was abgeht in meinem Leben, kann ich es nicht aufschreiben, geschweige denn twittern!
Das Ladekabel entdecke ich schließlich, als ich im Schlafzimmer nach Stift und Papier suche, neben dem Nachttisch in der Wandbuchse. Mit schon leicht zitternden Fingern schließe ich es an, und das Touchpad erwacht wieder zum Leben.
Ich tippe, so schnell ich kann, um mein Leben wieder einzuholen.
9.12.2011
Ich betrete den Korridor, der meinem Kurzprosa-Blog zu einem hohen Google-Ranking verhelfen soll, mitten hinein in einen Search-Engine-optimierten oder kurz SEO-Text, der nicht so sehr bei seinen Lesern, sondern vordringlich beim Bewertungsalgorithmus der Google-Suche nach den entscheidenen Schlagwörtern, hier »Korridor« und »Kurzprosa«, den Anschein erwecken soll, es handle sich um einen Info-Text, welcher aber in Wahrheit nur dazu dient, die suchrelevanten Keywords (wie z. B. die Wörter Kurzprosa und Korridor) in seinem Verlauf möglichst unauffällig ständig zu wiederholen und zu variieren, um Google und seinem geheimnisumrankten Rankingalgorithmus nahezulegen, dass es sich um einen wichtigen Beitrag zu dem entsprechenden Themenkomplex (etwa Korridor-Kurzprosa oder auch Kurzprosakorridore) handelt, worauf er dann mit einem hohen PageRank auf Googles Ergebnisseite ganz weit oben gelistet wird. Dabei sollte man keinesfalls in einen verkürzten Korridor- oder Tunnelblick verfallen: Aufmerksamkeitsheischende Websites dürfen es dabei mit dem Keyword-Korridor im Text nicht übertreiben und schon gar nicht mehr die zentralen Begriffe (also beispielsweise »KurzprosaKürzestprosaUltrakurzprosa«) in weißer Schrift auf weißem Grund im unteren Bereich der Webpage unzählige Male wiederholen – was nicht einmal mehr Werbelyrik oder -prosa zu nennen wäre, sondern einfach nur zu kurz gedacht ist, denn dies führt inzwischen längst zu einer Abwertung und einer Abschiebung auf die unteren und nur selten beachteten Plätze im Ergebniskorridor der Google-Suche.
Kurz: »Prosa« dieser Art ist kontraproduktiv und spielt kurzerhand der Konkurrenz in die Hände. Anders gesagt: Der Korridor ist lang, die Prosa kurz. Oder noch prosaischer ausgedrückt: Hier werden Sie fündig und können endlich Ihrer Bestimmung folgen (von der Sie vermutlich noch gar nichts ahnten) und – das Kurzprosa-Korridorium betreten.
10.12.2011
Ich betrete den Korridor. Einen Moment lang bin ich hier allein. Gleich wird mein Name fallen, und ich soll raus auf die Bühne treten. In dem Leih-Frack ist mir unwohl. Mit der Fliege am Revers fühle ich mich wie zum Karneval verkleidet. Ich schwitze in dem ungewohnten Aufzug, und als ich mir über die Stirn wische, sind da auch schon die ersten Schweißperlen. Oh Mann! An meinen Magen darf ich gar nicht denken. In was für eine Situation habe ich mich da nur gebracht?
Dabei – führe ich mir vor Augen – habe ich doch jetzt endlich die Chance, viele Menschen zu erreichen. Aber was soll meine Botschaft sein? Wie kann ich etwas bewirken, nicht nur in der Presse und der Blogosphäre, sondern ganz handfest in der Welt?
Meine schweißfeuchten Finger umklammern den Zettel in der Fracktasche mit den Notizen für meine Dankesrede. Dies ist die eine von zwei Versionen, die offizielle, die ich mit den Veranstaltern der Preisverleihung absprechen musste. Die andere, inoffizielle, geheime, existiert nur in meinem Kopf: Eine Kampfansage ans Establishment, ein flammender Aufruf gegen die allgegenwärtige Profitgier und die gedanken- und gnadenlose Plünderung unserer Ressourcen – der literarischen und mythologischen, die unseren Kindern eine leere und lebensfeindliche Welt aus lauter Worthülsen hinterlassen wird.
Vom Saal her dringt gedämpft Applaus zu mir. Gleich ist es soweit. Ich zerknülle den Zettel in meiner Fracktasche und innerlich den mit den Notizen für meine Revolutionsrede. Ich werde da rausgehen, den Korridor verlassen und die Bühne betreten, um dann einfach das zu sagen, was mir einfällt – indem ich mit dem Satz anfange, den vermutlich alle von mir erwarten, ob sie’s wissen oder nicht, und dann improvisiere, wie ich es immer tue, immer schon getan habe.
22.12.2011
Ich betrete den Korridor und umklammere mein Schwert. Irgendwo hier muss das Zimmer Nr. 6007 sein, und dort werde ich das Formular F-B3T-42 erhalten, das es mir endlich erlauben wird, den elenden Bürokraten persönlich gegenüberzutreten und meinen gnadenlosen Kreuzzug gegen sie zu beginnen. In den Gängen des Amtes werde ich in ihrem Blut waten. Ihre mitleidslose Herrschaft wird ein Ende haben, nie mehr werden sie uns mit ihren Vordrucken tyrannisieren. Ich lächle siegesgewiss. Irgendwo hier muss das Zimmer 6007 sein.
23.12.2011
»Ich betrete den Korridor Herberge um ca. Mitternacht und wenn nicht spät Nacht gewesen wäre hätten wir ein anderes gesucht. War sehr heruntergekommen (Gefühl fast unheimlich) und glücklicherweise Schlepptau Männer, die zufällig Aufenthalt kam uns Hilfe mit dem Gepäck. Und das Schlimmste, konnten wir noch nicht einmal fanden unser Zimmer keine. Musste, die Tür abgesetzt und ich war fast innen verschlossen!«
1 von 5 Sternen Zimmer
2 von 5 Sternen Lage
1 von 5 Sternen Sauberkeit
1 von 5 Sternen Check-in/Rezeption
Diese Gästebewertung des Hotels »Blue Corridor Hostel« in Siebensterngasse 15, Wien, Österreich, war für Sie hilfreich / nicht hilfreich (z. Z. deaktiviert).
Übersetzt von: Language Weaver.
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26.12.2011
