Korridorium - Storys aus dem Labyrinth - Cory d'Or - E-Book

Korridorium - Storys aus dem Labyrinth E-Book

Cory d'Or

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Beschreibung

Ein mysteriöser Kinofilm, bei dem man sich selbst am letzten Tag des Lebens beobachten kann; ein Fernkurs zum "Rückwärtsleben"; ein Tyrann, der auf seine Attentäterin trifft (und sich verliebt); ein Museumsbesucher, der sich in einer Installation verirrt – die "Storys aus dem Labyrinth" beginnen alle in einem Korridor, um abenteuerlustige Leser in eigenwillige Welten und Szenarien zu entführen und sie bemerkenswerten Figuren begegnen zu lassen. Ursprünglich im Rahmen eines temporären Blogs und "fraktalen Romans" veröffentlicht, gibt es hier ein Wiedersehen mit 16 der besten klassischen Kurzgeschichten aus dem "Korridorium". (Käufer des Buchs erhalten Link und Passwort zur archivierten Originalversion des Blogs "Korridorium" mit sämtlichen 398 Texten und den dazugehörigen Soundtracks von Tychonian Soundworks.)

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Seitenzahl: 61

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Cory d'Or

Korridorium - Storys aus dem Labyrinth

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

174/398

218/398

219/398

231/398

241/398

246/398

247/398

248/398

256/398

269/398

284/398

292/398

310/398

320/398

345/398

348/398

Bonuskorridor

Nachwort

Impressum neobooks

Vorwort

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

1/398

11.11.11

Ich betrete den Korridor …

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

»Ich betrete den Korridor …« Dieser unscheinbare Satz war am elften November 2011 der Startschuss für das in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche literarische Blog Korridorium.de.

Von diesem Tag an veröffentlichte Cory d’Or Tag für Tag weitere Beiträge: Storys, Fabeln, Offenbarungen, Einwürfe, Glossen und miteinander verwobene Fortsetzungsgeschichten – alle mit dem gleichen Anfangssatz und begleitet von einem Soundtrack passender Länge, komponiert und produziert von Tychonian Soundworks.

Zum angekündigten Ende des Projekts am zwölften Dezember 2012 waren es insgesamt 398 Blogeinträge, darunter auch so ausgefallene wie ein QR-Code, eine Infografik und ein Filmnachspann.

Was anfangs wie eine wilde und genreübergreifende Mischung von Prosa-Miniaturen und Kurzgeschichten wirkt, entfaltet sich Tag für Tag, Kapitel für Kapitel, zu einem Kaleidoskop aus Themen, Figuren, Orten, popkulturellen und historischen Verweisen, Selbstbezüglichkeiten und Erzählperspektiven, dessen einzelne Facetten mit der Zeit verborgene Querverbindungen offenbaren und sich zu einer großen, »pluridimensionalen« Geschichte entfalten – durchsuchbar mit Hilfe einer Reihe von Kategorien und Keywords (wobei Tags wie »Nous« und »K.« in den eingebauten FAQs des Blogs näher erläutert wurden).

Immer ist es ein Korridor und ein erster Schritt – doch wohin die verschiedenen Ich-Erzählerinnen und –Erzähler damit gelangen, gestaltet sich in Cory d’Ors Korridorium immer als Überraschung und Abenteuer: Abu Simbel in Ägypten, das Bundesdenkmalamt in Wind, die Archive des Vatikans, eine indische Palmblattbibliothek, ein begehbares Kunstwerk … Lesen Sie selbst!

Dieses E-Book präsentiert Ihnen eine handverlesene Auswahl Kurzgeschichten und Erzählungen, die sich in den 398 Kapiteln des Blogromans Korridorium finden, in chronologischer Reihenfolge – und zum Abschluss einen kurzen, bislang unveröffentlichten Bonus-Korridor.

Exklusiv für Sie als Leser eines Korridorium-E-Books erhalten Sie im Nachwort das Passwort für das Original: eine archivierte Version des gesamten fraktalen Blogromans mit allen zwischen dem 11/11/11 und dem 21/12/12 veröffentlichen Texten von Cory d’Or – inklusive der externen Links unter vielen der »Korridore« sowie aller 398 Soundtracks zu den Texten, exklusiv für das Korridorium komponiert und produziert von Tychonian Soundworks.

Weitere E-Books mit (Fortsetzungs-)Geschichten aus dem fraktalen Blogroman:

• Korridorium – ein pluridimensionaler Thriller

• Korridorium – Zeitgeistfrakturen

• Korridorium – der SciFi-Fraktor

• Korridorium – Mythenwege, Märchenpfade

• Korridorium – fraktale Romanzen

• Korridorium – magische Abenteuer

• Korridorium – letzte Erkenntnisse

Die acht Korridorium-E-Books, mit Cory d’Ors freundlicher Genehmigung als E-Book-Reihe herausgegeben von Margret Phlippen, enthalten insgesamt 328 der originalen 398 Kapitel des Blogs (mit – aus inhaltlichen Gründen – sieben Dopplungen) sowie sieben bislang unveröffentlichte Bonus-»Korridore« aus der Feder von Cory d’Or, Texte, die es aus unterschiedlichen Gründen zwischen dem 11.11.11 und dem 12.12.12 nicht ins Blog geschafft haben.

174/398

2.5.2012

Ich betrete den Korridor, der mein Haus mit dem Bootsschuppen verbindet. Seit Monaten bin ich nicht mehr hier gewesen – erstens weil durch den strengen Winter der See zugeforen war, und zweitens, weil mich ein anstrengender Job für eine Hilfsorganisation keine Zeit für meine privaten Forschungen finden ließ. Hier im Korridor habe ich einen schmalen Tisch untergebracht, auf dem meine Notizen liegen, neben dem kryptischen Originaltext und meinen Versuchen, das Spielbrett und die Figuren zu rekonstruieren.

Durch einen glücklichen Zufall bin ich vor Jahren auf vergilbte Aufzeichnungen gestoßen, in denen von einem verschollenen Brettspiel die Rede ist, das sich zur Renaissance im südlichen Europa offenbar einer gewissen Beliebtheit erfreute. Es hieß »Zitadelle«, und in der Schrift – einem Brief eines in ferne Länder reisenden Sohns an seinen Vater, der ein Kaufmann war – sind einige der Figuren erwähnt, doch leider nur am Rande und nicht etwa zur Dokumentation des Spiels und seiner Regeln. Die Rekonstruktion gestaltet sich schwierig. Wenn sie mir überhaupt jemals gelingen mag.

Meine aus Balsaholz gesägte Nachbildung des Spielbretts ist wabenförmig. Ich habe die Felder getreu der Aufzeichnungen des unbekannten Autors abwechselnd braun und grün eingefärbt.

Nachdenklich nehme ich die von mir geschnitzten Spielfiguren in die Hände. Von einem »raumgreifenden Kurier« ist in dem Text die Rede, von »Katapulten« und einer »wendigen Prinzessin«. Zu den minderwertigen Figuren zählten offenbar zahlreiche »Vasallen«, die bei mir – da ich keine besonderen handwerklichen oder gar künstlerischen Fähigkeiten habe – wie einfache Obelisken aussehen. Auch die Figuren »Thron« und »Szepter« sind nicht gerade Meisterwerke geworden.

Ich vertiefe mich in meine verschachtelten Notizen. »Henker schlägt Hofnarr«, lese ich da. Aber wie? Muss vielleicht vorher eine symbolische Verurteilung durch einen Richter erfolgen? Wieder einmal nimmt mich das rätselhafte Spiel völlig in Beschlag.

Und dann, als ich mir ausgiebig die müden Augen reibe, sitzt er mir gegenüber, der unbekannte Autor, ein junger, fescher Mann mit einem Schnauzbart und grünem Samtbarett auf dem Kopf. Er setzt mit einem überraschenden Zug seinen Königssohn neben meine Prinzessin. »Thron und Szepter«, sagt er mit einem breiten Lächeln, bevor sich die kurze Vision verflüchtigt.

Das ist es!

Innerlich jubiliere ich, bin ich doch gerade einen großen Schritt weitergekommen: »Thron und Szepter« in dem vergilbten Brief – das beschreibt nicht zwei weitere Figuren, sondern es sind die Worte, mit denen das Spiel endet!

Ich nehme die kleinen ungeschlachten Figuren, die ich für Szepter und Thron geschnitzt hatte, vom Brett und lasse sie achtlos unter den Tisch fallen – und damit beginnt das Spiel plötzlich zu leben, werden mir die Züge und Strategien klar, stehen mir die Regeln plötzlich deutlich vor Augen. Es ist alles so offensichtlich. »Thron und Szepter!«, rufe ich und tanze durch den Korridor.

218/398

15.6.2012

Ich betrete den Korridor in den Fußstapfen von Isidoros, dem Philosophen.

In den Archiven des Vatikans, zu denen ich nach jahrelangem bürokratischen Hickhack Zutritt bekommen hatte, um dort für meine Forschungen über Bilokation recherchieren zu können, stieß ich auf einen unbekannten Text des neuplatonischen Metaphysikers Isidor. Seine Ideen brachte er in Form von Hymnen, die er »Korridore«, diadromoi, nannte, zu Papier.

Ich habe den Text, ein mittelalterliches Palimpsest, aus dem Archiv herausgeschmuggelt, ursprünglich mit der Absicht, eine kommentierte Übersetzung anzufertigen. Sie hätte mich, dachte ich, berühmt gemacht und vielleicht auch ein wenig aus meinen notorischen Schulden herausgeholt. Doch habe ich mich in Isidors verschlungenen Korridoren heillos verirrt und angefangen, statt einer ernstzunehmenden Übersetzung kurze Nachdichtungen der Hymnen zu verfassen, Umschreibungen und unverhohlene Epigonismen, die dann schnell ein sehr seltsames Eigenleben entwickelten.

Ich muss damit aufhören!

Heute in aller Frühe erwachte ich und hatte den Nachklang eines Limericks im Ohr. Ja, auch Limericks zählen zu meinen paraphrasierten Neugestaltungen von Isidors wegweisenden Diadromoi. Das wissenschaftliche Establishment würde mich dafür steinigen. Ach was, mich mit einem Ig-Nobelpreis verhöhnen und auslachen würden sie mich.

Also mach ich jetzt Schluss damit! Ich werde diese vermaledeite Abschrift ins vatikanische Archiv zurückschmuggeln, all meine Aufzeichnungen vernichten und mich wieder an meine ursprünglich beabsichtigte Untersuchung der Bilokation begeben, bei der mich der Geist von Isidor hoffentlich nicht länger heimsuchen wird.

219/398

16.6.2012

Ich trete in den Korridor

und treffe dort auf Isidor,

allhier die Koryphäe,

als die ich mich gern sähe –

statt als »lokaler Matador«.

231/398

28.6.2012