Krieger der Dunkelheit - Ally J. Stone - E-Book

Krieger der Dunkelheit E-Book

Ally J. Stone

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Beschreibung

"Große Fresse - keiner glitzert." Arinas Schuld ist getilgt – aber der Preis dafür ist hoch. Jackson liegt schwer verletzt im Koma und Bruce ist spurlos verschwunden. Shade, der Schatten, der schon lange in seinem Inneren wohnt, hat Bruce‘ Körper übernommen und seine Seele in die Dunkelheit verbannt. Verzweifelt kämpft Arina darum, ihren Mann zurückzubekommen, aber Shade weigert sich, seinen Platz im Licht wieder aufzugeben. Zu lange war er in der Dunkelheit gefangen, getrennt von Beast und der Mission, der er sein Leben widmete. Jetzt ist er frei – und fest entschlossen, den Freundeskreis zu zerbrechen und Beast in Sicherheit zu bringen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Glossar

Welcome back

Housemates

Can we have …?

Please stay

Up all night, up all day

Still don’t like you

Why we are here

Let’s fight

Second first kiss

Memories and Power

Old friends, new friends

Girls Night

Pillow Talk

Are you serious?

Pack a bag and drink some blood

Date Night

The Vampire and the sea

Nap Time

Sea on Fire

Back again … again

Queen of the Vatrá

Tears and Feelings

Best Party ever

You are family

Shade‘s body

Wakey wakey

I am sorry

Epilog – Let’s start over

Danksagung

Die stonebooks-Community

Alle Romane von Ally J. Stone

Über die Autorin

Impressum

Savage 4

Krieger der Dunkelheit

1. Auflage © 2020, Berlin, Ally J. Stone

Alle Rechte vorbehalten.

Das Werk darf ohne schriftliche Zustimmung

der Autorin nicht kopiert, vertrieben oder verwendet werden.

~

Coverdesign

Jaqueline Kropmanns

~

Lektorat

Phoenix Lektorat

~

Korrektorat

Jacqueline V. Droullier

~

Autorenwebseite

www.stonebooks.de

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende.

Nezāmi

Glossar

Arec: In der Sprache der Vatrá bedeutet das Wort so etwas wie ‚Prinz‘ oder ‚kommenderHerrscher‘. Hin und wieder wird es auch als Kosename verwendet.

Arnunta: Feier zum 50. Hochzeitstag

Blutwolf: Ein Blutwolf stammt zur Hälfte von einem Werwolf, zur anderen Hälfte von einem Vampir ab. Sie haben die Fähigkeit, sich in einen Wolf zu verwandeln, müssen aber – wie ein Vampir – auch Blut zu sich nehmen, weil sie auf die Nährstoffe darin angewiesen sind. Blutwölfen wird nachgesagt, eine besonders brutale Rasse zu sein, die abgeschottet in kleinen Rudeln lebt. Da es nicht viele Exemplare ihrer Spezies gibt, gehen junge Wölfe immer wieder auf Wanderschaft, um sich anderen Rudeln anzuschließen und dort frisches Blut in den Genpool zu bringen.

Dyn: Männlicher Gefährte

Ein Leben für ein Leben: Dies ist ein Gesetz, nachdem ein Vampir ein Leben schuldet, wenn er das Leben eines anderen nahm. Es kann aber auch so ausgelegt werden, dass dem Vampir ein Leben zusteht, wenn er jemanden gerettet hat. Zum Beispiel kann dann die Tochter des Geretteten eingefordert werden. Die Schuld ist vererbbar, solange, bis sie eingelöst wurde oder der, dem das Leben zusteht, stirbt.

Puppet: In Ungnade gefallener Vampir oder Vampirin, die in die Sklaverei verkauft oder in dieser geboren wurde. Heutzutage sind Puppets seltener als früher, aber es kommt immer noch vor – und ist nach vampirischem Recht auch immer noch legal. Eine Puppet steht ihren Besitzern mit Blut und Körper zur Verfügung, verrichtet niedere Arbeiten und besitzt keinerlei eigene Rechte oder Besitz. In der Regel wird nur in den höheren Klassen der Vampire mit Puppets gehandelt, in mittelständigen Haushalten kommen sie nicht vor.

Ratnik: Die Ratnik sind Schattenwesen. Der Legende nach stammen sie von den Vampiren ab, haben sich im Laufe der Zeit jedoch in eine andere Richtung entwickelt. So bilden sie zwar ebenfalls Fangzähne aus, sind in ihrer Ernährung aber nicht auf Blut angewiesen. Für sie ist das Trinken eher ein Kick, der besonders bei jugendlichen Ratniks sehr beliebt ist. Seit Jahrtausenden gehen aus ihren Reihen die tödlichsten Krieger der Erde hervor. Sie leben sehr im Einklang mit der Natur und deren Magie, weshalb sie eng mit den Vatrá verbunden sind. Für einen Ratnik-Krieger ist es eine große Ehre, zum Schutz eines Vatrá ausgewählt zu werden.

Udar molotka: Übersetzt bedeutet es ‚Schlag des Hammers‘ und beschreibt einen uralten vampirischen Brauch in Russland. Wenn einem Vampir Unrecht getan wurde, schickt er dem Verursacher einen Fluch in Form einer Münze. Dieser Fluch wird den Verursacher und seine Familie heimsuchen, bis die Schuld beglichen ist und der, dem Unrecht getan wurde, die Münze aus freien Stücken zurücknimmt. Unter den moderneren Vampiren ist dieser Brauch aus der Mode gekommen, die alten Familien besinnen sich jedoch noch darauf und wenden ihn hin und wieder an.

Vatrá: Die Vatrá sind eine uralte Rasse von Feuerwesen. Sie werden nicht nur unglaublich alt, sondern pflanzen sich auch nur sehr selten fort, weshalb ihre Zahl gering ist. Aufgrund ihrer Fähigkeit, Feuer zu erschaffen und zu beherrschen, gelten sie als eine der letzten magischen Rassen der Erde. Die Macht ihrer Königin geht über die übliche Feuermagie hinaus – sie ist in der Lage, Seelenmagie zu wirken. Um den Schutz der wenigen lebenden Vatrás zu gewährleisten, wird bei jeder entstehenden Schwangerschaft ein Ratnik-Krieger erwählt, der die schwangere Vatrá begleitet und das Kind vom Augenblick seiner Zeugung bis zu dessen Tod beschützt.

Welcome back

Die Stimmen eines fernen Gesprächs dringen in Loves Träume ein und holen sie zurück in die Wirklichkeit. Sie öffnet langsam die Augen und braucht einen Moment, bis sie wach genug ist, um zu begreifen, wo sie sich befindet. Im Krankenhaus.

Ihr Blick wandert sofort zum Bett, aber Jackson schläft noch.

„Er ist nicht aufgewacht.“ Shades raue Stimme erklingt vom anderen Ende des Zimmers.

Eigentlich ist es Bruce‘ Stimme, was sie noch immer irritiert. Es ist nicht so, dass sie mit zweiten Persönlichkeiten keine Erfahrung hat. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass sie selbst eine solche Persönlichkeit besaß. Nyssa. Sie war all das, was Love damals nicht sein durfte. Rebellisch. Frei. Grausam.

Nicht, dass sie grausam sein wollte. Sie glaubte auch nicht, dass der Teil von ihr, der Nyssa gewesen war, grausam sein wollte. Die Grausamkeit war unter dem jahrelangen Druck, sich verstellen und einen Teil von sich verleugnen zu müssen, gewachsen. In Nyssa hatte all die Wut und der Frust, den Love nie rauslassen durfte, ein Ventil gefunden.

Dann hatte sich ihr Leben geändert und sie hatte endlich das sein dürfen, was sie ist. Eine Vampirin. Und eine Blutwölfin.

Shade hingegen ist kein Teil von Bruce. Er ist eine fremde Seele, die Bruce‘ Körper besetzt und ihn in einem tiefen Koma gefangen hält. Bruce befindet sich sozusagen im selben Zustand wie Jackson. Nur dass er dabei noch herumlaufen kann, weil Shade das Steuer übernommen hat.

„Franklin hat gesagt, dass er noch eine ganze Weile schlafen wird“, erwidert Love und sieht wieder zu Jackson. Sie rutscht an die Kante ihres Stuhls und lehnt sich vor. Zärtlich streicht sie Jackson durchs Haar und rückt seine Decke ein wenig zurecht.

„Beast und ich sollten gehen, wenn er wach ist. Wir sind schon viel zu lange hier“, sagt Shade und kommt näher. Er tritt an die andere Seite des Bettes, verschränkt die Arme vor der Brust und blickt düster auf Jackson hinunter.

Er wartet allerdings nicht darauf, dass Jackson aufwacht. Shade wartet darauf, dass Beast aufwacht. Denn auch in ihrem Freund steckt eine fremde Seele. Die zwei waren damals im Doppelpack gekommen und hatten sich in den beiden besten Freunden eingenistet.

„Wieso seid ihr überhaupt in Jackson und Bruce eingedrungen?“, will sie wissen. Diese Frage liegt ihr schon lange auf der Zunge, aber bisher hatte es immer andere, dringendere Themen gegeben.

Shade hebt den Blick und sieht sie an. „Wir sind nicht eingedrungen. Es gab eine Abmachung und die Königin hat unsere Seelen übertragen.“

„Aber warum?“, hakt Love nach.

Shade zieht die Augenbrauen zusammen. „Wenn Beast es dir nicht erzählt hat, werde ich das ganz bestimmt nicht tun.“ Damit senkt er seinen Blick wieder auf Jackson und schweigt.

Love seufzt leise und konzentriert sich ebenfalls wieder auf ihren Freund.

Sie sorgt sich genauso um Beast. Als Jackson angeschossen wurde, übertrug Beast ihm etwas von seiner Kraft, um ihn am Leben zu halten. Auch Shade gab etwas dazu, aber bis Jackson aufwacht, wissen sie nicht, ob Beast sich in diesem Moment verausgabt hat oder die Sache unbeschadet übersteht.

Shade ist fast durchgedreht, als Franklin diese Nachricht überbrachte. Seitdem hat er nicht mehr gesprochen. Bis eben.

„Bist du immer so schlecht gelaunt oder machst du dir nur Sorgen um ihn?“, fragt sie den Schatten.

Sie würde gern mehr über ihn erfahren. Schließlich steht man nicht täglich einem Krieger gegenüber, der einer uralten Rasse entstammt, die mehr Legende als Wirklichkeit ist. Leider ist er so verschlossen wie ein Tresor voller Gold.

„Ich bin nicht schlecht gelaunt“, erwidert Shade. Er entfernt sich vom Bett, schlendert zum Fenster und sieht nach draußen. „Ich bin nur nicht der Typ für Smalltalk.“

„Ist mir aufgefallen.“ Love erhebt sich ebenfalls von ihrem Stuhl, um sich zu strecken. Sie hat die letzten Stunden darauf gepennt und das lässt ihr Körper sie nun spüren.

Genüsslich hebt sie die Arme in die Luft und streckt den Rücken durch, kreist ihre Schultern und bewegt vorsichtig ihren Kopf hin und her. „Das wird übrigens nicht funktionieren“, teilt sie ihm mit. „Also, dass du und Beast abhauen. Jackson hat hier ein Leben. Er wird nicht einfach weggehen.“

Zumindest hofft sie das. Bevor sie hierherkam und Jackson und sie ein Paar wurden, war er ein Rumtreiber, der durch die ganze Welt gezogen ist. Seit sie zusammen sind, ist er etwas zur Ruhe gekommen und sie hofft, dass Shades Auftauchen das nicht wieder ändert.

„Du meinst, wegen dir?“, fragt Shade und dreht sich wieder zu ihr.

Der Zweifel, den sie in seinem Gesicht lesen kann, ärgert sie. „Ja, wegen mir. Jackson und ich lieben uns“, erwidert sie eine Spur zickiger als beabsichtigt. Sie verschränkt die Arme vor der Brust und reckt das Kinn. „Außerdem hat er eine Schwester, die gerade ein Baby bekommen hat. Er wird auch sie nicht allein lassen.“

„Wieso, ist seine Schwester unfähig, den Sprössling allein großzuziehen? Sie kann es füttern, darauf aufpassen … Nach der Zeugung hat ein Mann keine Bedeutung mehr für ein Kind“, erwidert Shade.

Diese Aussage macht Love für einen Moment sprachlos. Sie starrt ihn mit offenem Mund an. Dann klappt sie ihn wieder zu. „Was für ein Haufen Bullshit. Natürlich braucht ein Kind seinen Vater.“

Shades Blick wird für einen Augenblick glasig, als würde er nicht mehr sie ansehen, sondern an einen Ort, der sich nicht hier befindet. „Du hattest doch auch keinen“, antwortet er schließlich.

Als Love überrascht die Augen weitet, spricht er weiter. „Bruce hat sich komplett in der Dunkelheit vergraben, trotzdem kann ich auf einige Erinnerungen zugreifen.“ Er zuckt mit den Schultern. „Aber nur vereinzelt und nur nach und nach. Ich muss suchen.“

„Was ich hatte, ist nicht relevant“, sagt Love schließlich. „Jack hat einen Vater und der wird ihm auch erhalten bleiben. Genau wie sein Onkel“, fügt sie spitz hinzu.

„Wenn er einen Vater hat, wozu braucht er dann Jackson?“

„Wieso sollte er nicht?“

„Weil ich ihn mehr brauche.“

Shades letzte Antwort lässt sie stutzen. „Wieso? Um Beast herumzutragen?“

„Natürlich“, entgegnet Shade und streicht sich mit der Hand übers Kinn. „Beast ist wertvoller, als ihr euch alle auch nur annähernd vorstellen könnt. Mein Leben oder das von Jackson und Bruce sind nichts dagegen.“

„Das sehe ich anders“, erwidert Love entschieden. „Aber wenn du unbedingt wegwillst, warum gehst du dann nicht einfach? Und lässt Bruce hier? Kannst du nicht irgendjemand anderen besetzen? Einen verurteilten Straftäter oder so?“

Vermutlich würde der ohnehin besser zu Shade passen. Sie hat immer noch vor Augen, wie er, nur ein paar Sekunden nach seinem Erwachen, die Szene erfasst und ohne mit der Wimper zu zucken mehrere Leben beendet hat.

Beast hatte ihr erzählt, dass die Ratnik von Kindesbeinen an trainiert werden und zu den tödlichsten Kriegern der Erde gehören. Aber sie hatte keine Ahnung, was das in Wahrheit bedeutete.

Und wenn sie die krasse Reaktion des Wetters auf sein Erwachen richtig deutet, besteht sein Können nicht nur darin, Genicke zu brechen oder gut mit Waffen umzugehen.

„Weil wir nicht aus Spaß in diesen Körpern stecken“, antwortet Shade mit einem leisen Grollen.

Love ist überrascht. „Warte, war das gerade eine Gefühlsregung? So eine richtig echte?“

Shade schnaubt und wendet sich wieder ab, um aus dem Fenster zu starren.

„Ich hole mir einen Kaffee“, teilt Love ihm mit. „Willst du auch etwas?“

„Nein.“

Sie blickt noch einen Moment auf seinen Rücken, dann wendet sie sich ab. Beim ersten Mal hatte sie noch Sorge, ihn mit Jackson alleinzulassen. Allerdings könnte Jackson mit Shade im Raum wohl kaum sicherer sein. Solange er sich nicht entscheidet, aufzuwachen und sich von ihm mitschleifen zu lassen. Aber bis dahin würde Shade nirgendwo hingehen. Franklin hatte einige – nicht ungefährliche – Diskussionen mit ihm führen müssen, aber letzten Endes hatte der Schatten eingesehen, dass es Beast nur besser gehen würde, wenn er die Ruhe bekommt, die er braucht.

***

Loves Stimme erklingt in der Ferne. Sie spricht mit jemandem, den er nicht ganz identifizieren kann. Die andere Stimme klingt vertraut und gleichzeitig fremd. Irritiert versucht Jackson, die Augen aufzuschlagen, kann sich aber nicht rühren.

Was zum Teufel ist das? Er versucht es noch einmal, weitet die Anstrengung auch auf die Finger aus, aber nichts passiert. Dann hört er das Geräusch der Tür und Love scheint verschwunden zu sein.

Panisch sucht Jackson nach der zweiten Stimme in seinem Kopf, der Seele, die er jahrelang unterdrückt hat und die ihm in letzter Zeit so nahegekommen ist.

Er ruft nach Beast, aber erhält keine Antwort.

Bemüht, seine Panik in den Griff zu bekommen, horcht Jackson in sein Inneres. Der Vatrá muss dort irgendwo sein. Was auch immer hier los ist, er ist nicht allein.

Er kann nicht allein sein.

„Du bist wach“, hört er die zweite Person sagen, dieses Mal etwas näher. Jackson richtet seine Aufmerksamkeit in die Richtung. Es scheint Bruce‘ Stimme zu sein, aber irgendetwas stimmt damit nicht. Sie klingt wie Bruce, aber es ist nicht sein Sprachstil.

„Was ist, kannst du nicht zurückkommen?“

Jackson hört einen Stuhl schaben, dann wird die weiche Decke von seiner Brust genommen. Er spürt eine Hand auf seinem Brustkorb und … im nächsten Moment durchfährt ein Schock seinen ganzen Körper.

Seine Hand schnellt vor, umfasst den Arm, der auf seiner Brust liegt und krallt sich fest. Jackson holt mit einem tiefen Atemzug erschrocken Luft, so als wäre er kurz vor dem Ersticken, und schlägt dann die Augen auf.

Nur um sie gleich wieder zuzukneifen. Es ist viel zu hell.

„Willkommen zurück. Wo ist Beast?“, begrüßt ihn Bruce‘ Stimme mit einem Brummen.

Jackson blinzelt und als sich seine Augen an das Licht gewöhnt haben, dreht er leicht den Kopf, um seinen besten Freund ansehen zu können. Bruce hat haselnussbraune Augen, aber jetzt sind sie so dunkel, dass sie schwarz wirken.

Es ist der Schatten.

Langsam und bruchstückhaft kommen die Erinnerungen zurück. Er wurde angeschossen. Und Shade ist erwacht. Fuck.

„Ich weiß es nicht“, bringt Jackson mit kratziger Stimme hervor. „Er antwortet nicht. Wo ist Bruce?“

Shade verzieht das Gesicht. Offenbar missfällt ihm Jacksons Antwort. „Weg“, erwidert er knapp. „Ihr müsst euch jetzt mit mir zufriedengeben.“

„Was soll das heißen?“, fragt Jackson und versucht, sich aufzusetzen. Seine Arme knicken gleich wieder weg, weshalb er unzufrieden liegen bleibt. Er hasst es, ans Bett gefesselt zu sein. Solche Momente hat er in seinem Leben oft genug durchgemacht. Als er sich mit Beast versöhnte, hatte er gehofft, so etwas nicht mehr erleben zu müssen.

„Es heißt, dass er nachgelassen hat und ich das nicht tun werde“, brummt Shade. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt und starrt auf Jackson hinab. „Dir ist klar, dass ich dir die Kehle durchschneide, wenn Beast wegen dir tot ist, oder?“

„Ja, Mann, ich hab dich auch vermisst“, grummelt Jackson und schließt die Augen wieder. Erneut tastet er in seinem Bewusstsein nach Beast, aber er kann ihn nicht greifen.

Frustriert schlägt Jackson die Augen wieder auf. Er hätte nie gedacht, die fremde Seele in seinem Körper einmal zu vermissen. Aber tatsächlich fühlt er sich auf eigenartige Art leer.

„Hilf mir, mich hinzusetzen“, bittet er Shade.

Der Schatten zögert einen Moment, doch dann lässt er die Arme sinken und schiebt sie unter Jackson. Er stopft das Kissen in seinem Rücken zurecht und drückt auch auf den Knopf, auf den Jackson deutet. Das Kopfteil des Bettes setzt sich mit einem leisen Brummen in Bewegung, bis Shade den Knopf wieder loslässt. Erleichtert lehnt sich Jackson an und sieht sich im Raum um. „Wo ist Love?“

„Sie holt was zu trinken.“

Jackson nickt und blickt dann wieder Shade an. „Wirst du ihn je wieder freilassen? Unser Leben ist kürzer als eures.“

Shade rümpft die Nase. „Wieso sollte ich? Auch wenn unser Leben länger ist, hat er mich Jahrzehnte in der Dunkelheit eingesperrt. Ich gehe ganz sicher nicht dorthin zurück.“

Auf eine gewisse Art kann Jackson es nachvollziehen. Immerhin hat Bruce den Schatten schon als Jugendlicher überrumpelt. Jetzt als erwachsener Vampir hat er viele Jahre hinter sich, in denen er seinen Willen nur noch mehr gestärkt hat.

„Blöd, dass du den Dickkopf von uns beiden erwischt hast“, sagt Jackson. „Aber ich will ihn trotzdem wiederhaben. Ihr müsst euch irgendwie einigen.“

Shade schnaubt. „Das kannst du vergessen.“

„Du bist wach!“ Love ist in den Raum getreten und sieht ihn mit großen Augen an. Sie eilt zum Bett, stellt ihren mitgebrachten Kaffeebecher auf den Tisch daneben und hat im nächsten Moment schon das Bett erklommen, um sich in seine Arme zu werfen.

„Vorsichtig.“ Jackson schließt für einen Moment die Augen und hält sie einfach nur fest. Ihre Erleichterung ist für seine Sinne fast greifbar.

Shade wendet sich ab und geht zum Fenster rüber.

Erst nach einer ganzen Weile löst Love sich aus der Umarmung und streicht Jackson über die Wange. „Du hast uns ganz schön erschrocken. Könntest du dich das nächste Mal bitte nicht erschießen lassen?“

„Ist notiert“, antwortet Jackson und lächelt. Er schiebt die Hand in ihr Haar und zieht sie für einen sanften Kuss an seine Lippen.

„Wo ist Beast?“, fragt Love und schaut aufmerksam in seine Augen.

Jackson schüttelt leicht den Kopf. „Ich weiß es nicht. Er antwortet nicht.“

„Heißt das … er ist tot?“, flüstert sie besorgt.

Aus Shades Ecke erklingt ein warnendes Knurren.

„Ich weiß es nicht. Er ist einfach nicht da. Und es gibt ja sonst keinen Fall, der so ist wie unserer.“ Es gibt keine Aufzeichnungen oder ähnliches, in denen er nachlesen könnte.

„Das ist nicht wahr“, mischt sich Shade ein. Er hat sich wieder umgedreht. „Die Königinnen der Vatrá wenden diese Praxis seit Jahrtausenden an. Es kommt nur nicht oft vor.“

Love schmiegt sich gegen Jackson. „Er hat vorhin angefangen zu reden. Allerdings kommt nicht viel Gutes dabei rum.“

Shade schnaubt und wendet sich wieder an Jackson. „Du bist wach. Wir sollten diesen Ort verlassen.“

„Jackson ist noch nicht fit genug“, wendet Love ein, aber der Schatten macht eine wegwerfende Handbewegung. „Doch, das ist er.“

„Ich konnte mich gerade nicht mal ohne deine Hilfe aufsetzen“, erinnert Jackson ihn. Auch wenn er zugeben muss, dass er sich tatsächlich schon sehr viel klarer und kräftiger fühlt, als kurz nach dem Aufwachen. Und das in einer erstaunlich kurzen Zeit.

„Ich habe dir etwas von meiner Kraft gegeben, um dir beim Aufwachen zu helfen“, sagt Shade. „Eigentlich, um Beast beim Aufwachen zu helfen. Scheinbar kann man sich nicht aussuchen, was man bekommt.“

„Dito“, gibt Love spitz zurück.

Shade rümpft nur die Nase und geht an den Schrank, um einige Kleidung herauszuholen.

Love rutscht vom Bett und reicht Jackson die Hand. Anscheinend hat Shade sie überzeugt. „Aber mach vorsichtig. Du warst eine ganze Woche weg.“

„Ich hab eine Woche geschlafen?“, fragt Jackson erschrocken. Das wiederrum ist unglaublich lange für eine Schusswunde bei einem Vampir. Nicht, dass sie so lange heilt, sondern das Koma.

„Das wird an Beast gelegen haben. Er wurde sehr geschwächt, als er dir seine Kraft gegeben hat.“ Shade wirft ihm einige Klamotten aufs Bett.

Jackson stellt die Füße auf den Boden und greift sich in den Nacken, um das Bändchen des Krankenhaushemdes aufzuziehen. Unglaublich, dass sie ihn tatsächlich in so ein Ding gesteckt haben.

„Ich bin sicher, dass er zurückkommt“, sagt Jackson. „Wenn ich so lange geschlafen habe, damit Beast sich erholen kann, bedeutet das, dass er noch irgendwo da ist.“

„Beeil dich“, wirft Shade ein und sieht wieder aus dem Fenster.

Jackson streift das Hemdchen ab und nimmt sein Shirt, um es sich langsam über den Kopf zu ziehen. Auch mit Shades Hilfe – was auch immer er da genau gemacht hat – fühlt er sich noch ein wenig zittrig. Vermutlich braucht er noch einige Zeit, um sich von der ganzen Sache zu erholen.

Und er hat verdammt großen Hunger.

Love hilft ihm beim Anziehen, fummelt seine Füße in die Hosenbeine und zieht sie ihm hoch.

„Ich kann das schon“, brummt er, stützt sich aber trotzdem auf ihre Schulter, als er aufsteht. Einen Moment lang wartet er ab, doch als er sicher steht, lässt er sie los, um sich die Hose über den Hintern zu ziehen und zu schließen.

„Fertig?“, fragt Shade. Er ist neben ihn getreten und wirkt unruhig.

„Uns jagt niemand, also entspann dich mal“, murrt Love. Sie zupft an Jacksons Shirt herum und sieht ihn dann prüfend an. „Geht’s dir gut?“

„Wenn‘s mal so wäre“, knurrt Shade dazwischen.

Jackson legt ihm die Hand auf die Schulter. „Das war vor über zehn Jahren. Niemand weiß, dass ihr hier seid“, antwortet er.

Love zieht fragend die Augenbrauen hoch. „Worum geht es hier genau? Hab ich was verpasst?“

„Ich erzähle es dir später“, verspricht Jackson. „Jetzt will ich erst mal jede Menge essen und eine Dusche.“

„Ich rufe Sahra an und sage ihr, dass wir kommen“, meint Love, stellt sich auf die Zehenspitzen und küsst seine Wange. Dann verschwindet sie aus dem Zimmer.

„Wieso willst du es ihr erzählen? Sie muss es nicht wissen“, beschwert sich Shade, kaum dass die Tür geschlossen ist.

„Sie ist meine Partnerin“, erwidert er. „Und auch die von Beast.“

Schließlich ist Beast ein Teil von ihm und irgendwie sind sie in dieser seltsamen Dreierkonstellation gelandet.

Er weiß selbst nicht so genau, wie er das zwischen ihnen bezeichnen soll, aber bisher funktioniert es. Vermutlich ist es die beste Lösung. Wenn sich Beast in eine andere Frau verliebt hätte, wäre ihr Problem sehr viel größer.

„Das glaube ich kaum. Beast ist ein Vatrá und ein Prinz. Er ist viel zu wertvoll für eine Hybridin“, protestiert Shade.

Jackson stößt ein warnendes Grollen aus. „Sie ist …“, setzt er an, bricht aber gleich wieder ab.

Etwas in seinem Inneren rührt sich. Ein warmes Gefühl bildet sich in seiner Brust, wie ein Ball aus Wärme. Er wird immer heißer, strahlt in seinen Bauch, seine Beine und seine Arme aus.

Jackson keucht und neigt sich nach vorn.

Er spürt Shades Hände, die ihn stützen und aufrecht halten. Dann wird er mit einem Ruck zurück in sein Inneres gerissen und Beast übernimmt das Steuer.

Mit einem tiefen Atemzug, wie vorhin Jackson, holt Beast Luft und wankt einen Schritt nach hinten. Shades Griff bewahrt ihn davor, zu stürzen.

Nachdem er sich einen Moment gesammelt hat, dreht er den Kopf und sieht den Schatten an. „Shade.“

„Gut, dass du zurück bist“, antwortet Shade und nickt.

Ein Lächeln breitet sich auf Beasts Gesicht aus. „Es tut gut, dich zu sehen.“ Er öffnet die Arme und zieht Shade in eine Umarmung.

Der klopft ihm leicht auf den Rücken und lässt ihn wieder los.

Beast mustert seinen Beschützer einen Moment. „Du hast Bruce übernommen. Das ist nicht gut.“

Shade schnaubt. „Du weißt, dass er mich wieder einsperrt, wenn ich es nicht getan hätte. Außerdem bekommt er nichts mit. Er ist dort, wo ich vorher war.“

„Aber Bruce hat eine Frau“, erwidert Beast. Er hebt die Hand und streicht Shade über die Wange. „Du wirst ihn ihr zurückgeben müssen.“

Shade senkt leicht den Kopf, bleibt aber stur. „Es tut mir leid, Herr. Aber mein Platz ist an deiner Seite. Ich werde dein Leben nicht noch einmal so gefährden, nur wegen irgendeiner Frau.“

Beast betrachtet ihn wieder, dann seufzt er tonlos. Er kennt Shade, seit sie beide kleine Jungs waren. Wenn man es so betrachtet, ist ihre Freundschaft ähnlich wie die von Bruce und Jackson. Vermutlich war das auch einer der Gründe, warum er Bruce so mochte. Er hat ihn an seinen Freund erinnert, auch wenn er ihn eingesperrt hat.

„Wir sollten erst mal nach Hause gehen“, sagt er schließlich.

Beast öffnet die Tür und läuft beinahe in Love hinein, die gerade das Zimmer betreten will.

„Beast!“, ruft sie und wirft sich in seine Arme.

Mit einem Lächeln legt er seine Arme um Love und drückt sie an sich.

„Ich hab mir solche Sorgen gemacht.“ Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen.

„Tut mir leid wegen dem Urlaub“, sagt er. Da er mit Jackson verbunden ist, hat er inzwischen auch die Erinnerungen zurück von dem kurzen Zeitraum, in dem Jackson wach war und er nicht.

„Das ist schon in Ordnung. Wir können ein andermal fliegen. Hauptsache ist, euch beiden geht es gut.“

„Klärt das zu Hause“, murrt Shade und legt eine Hand an Beasts Rücken, um ihn und Love durch die Tür zu schieben.

Beast schmunzelt und greift nach Loves Hand. Es tut gut, dass sein bester Freund zurück ist, auch wenn es so wie jetzt natürlich nicht bleiben kann. Bruce wird hier gebraucht und Shade kann ihn nicht ewig wegsperren.

Gemeinsam betreten sie den Gang und machen sich auf den Weg nach draußen.

Housemates

„Er kommt heute.“

Léas Worte lassen Julien den Kopf heben. Er lächelt. „Wenn das nicht meine Lieblingswölfin ist.“ Julien lässt das Messer sinken, das er gerade geschärft hat und steht auf, um sie zu begrüßen.

Eigentlich ist Darian schon vor über einer Woche bei ihm eingezogen. Er ist nur nicht lange geblieben, weil seine Schwester in ein Problem mit Vampiren verwickelt wurde.

„Also ist Jackson wach?“, fragt er.

Léa nickt. „Ja, sieht so aus. Er hat eben angerufen.“

Julien neigt den Kopf und legt zwei Finger unter ihr Kinn, um es leicht anzuheben. „Aber? Du siehst nicht sonderlich begeistert aus.“

Léa zieht ihren Kopf ein wenig zurück und er lässt die Hand wieder sinken.

„Du wolltest ihn doch hier haben“, sagt Julien.

„Ja, ich weiß.“ Léa nimmt auf der Holzbank vor seiner Hütte Platz. Sie streicht sich eine Strähne ihres braunen gewellten Haars hinters Ohr und sieht zu ihm, bis er sich neben sie setzt. „Es ist nur … er war gerade erst angekommen und ist schon wieder abgehauen.“

„Na ja, seine Schwester war in einer gefährlichen Situation. Und dann wurde ihr Partner angeschossen und lag im Koma. Sie hat ihn gebraucht.“ Julien rechnet es ihm sogar hoch an, dass er gefahren ist, um seiner Schwester beizustehen. Am Anfang dachte er, dass der Kerl nur die Fortpflanzung im Kopf hat. Aber anscheinend schlägt sein Herz doch nicht nur, um Blut durch seinen Körper zu pumpen.

„Ich weiß“, antwortet Léa. „Aber meine Loyalität gilt unserem Rudel. Und wenn er mein Partner sein will, sollte seine Loyalität auch hier liegen. Es ist klar, dass er ihr helfen musste. Aber was, wenn er immer springt, wenn sie ruft?“ Sie lehnt sich gegen Juliens Seite und schiebt ihren Arm unter seinem hindurch. „Sie hat sich entschieden, mit Vampiren zu leben. Und wenn die ihn ständig rufen, wenn da Ärger ist, dann … wird er hingehen. Er wird eher zu Vampiren halten, als zu unserem Rudel. Und was ist, wenn wir irgendwann Streit mit denen haben? Zu wem wird er dann halten?“

Julien streicht ihr über den Kopf und setzt einen Kuss auf ihr Haar. „Ich verstehe, was du meinst. Ich denke, er wird immer an seiner Schwester hängen. Er hat sie so lange nicht in seinem Leben haben dürfen und ist nur wegen ihr überhaupt hierhergekommen. Ohne sie hätten wir gar nicht die Chance, einen neuen Wolf ins Rudel aufzunehmen.“

„Ich weiß“, murrt Léa. „Aber wenn er zu uns gehören will, dann muss sein Fokus auch auf uns liegen. Und nicht bei einer Schar Blutsauger.“

„Wir sind auch eine Schar Blutsauger“, erwidert er amüsiert.

Als Blutwölfe brauchen sie hin und wieder auch ihre Portion. Darian wird sich vermutlich öfter nähren müssen als sie, weil der vampirische Teil in ihm stärker ausgeprägt ist. Aber das dürfte kein Problem sein. Er wird Léa schon nicht leer saugen.

„Nicht so wie die“, beschwert sie sich und löst sich wieder von ihm. Sie steht auf und macht ein paar Schritte.

Julien lehnt sich derweil auf der Bank zurück und verschränkt die Arme vor der Brust. Sein Blick folgt ihrer unruhigen Wanderung. „Ich bin trotzdem froh, dass er da ist“, sagt er.

„Du kannst ihn nicht mal leiden“, entgegnet sie und streicht sich mit beiden Händen durchs Haar.

„Wir hatten keinen guten Start“, gibt er zu. „Aber abgesehen von seiner übertriebenen Obsession für die Sicherung unserer Art scheint er ganz okay zu sein.“

„Du willst mich also mit ‚ganz okay‘ verpaaren?“, fragt sie und funkelt ihn herausfordernd an.

Julien grinst. „Ist mir lieber als der ursprüngliche Plan. Und ich schätze, dir auch. Du hast ihn ja praktisch direkt vom Markt abgeschleppt.“

„Wir hatten keinen Sex“, protestiert Léa.

„Du und ich auch nicht“, erwidert Julien. „Und ich fände es cool, wenn das so bleibt.“

Léa seufzt und kehrt zu ihm zurück. Dicht vor ihm bleibt sie stehen und wuschelt durch sein Haar. „Ich weiß. Du findest meine Brüste zu groß und meinen Penis zu klein“, neckt sie ihn.

Julien lacht leise. „So kann man es auch nennen.“ Er legt seine Hand auf ihren Unterarm und drückt ihn leicht, als in der Ferne das Brummen eines Motors erklingt. „Da kommt dein Zukünftiger angerauscht“, sagt er und lässt sie los.

„Sieht so aus.“ Léa richtet ihren Blick in die Richtung, aus der das Geräusch kommt.

Julien steht auf und stellt sich neben sie. Er legt einen Arm um ihre Schulter und drückt sie leicht gegen sich. „Ihr beide macht das schon.“

„Hmmh“, sagt Léa und lehnt ihren Kopf gegen seine Schulter.

„Stört es dich, dass er ein Hybrid ist?“ Es ist eine Frage, die schon länger in seinem Kopf herumschwirrt. Und derartige Bedenken wären ja durchaus zu verstehen. Immerhin ist Darian praktisch zu zwei Dritteln ein Vampir und nur zu einem Drittel ein Wolf. Bei einem Blutwolf ist die ganze Sache wenigstens fifty-fifty aufgeteilt.

„Nein“, antwortet Léa. „Aber meine Eltern stellen sich noch die Frage, ob es sie stört. Und ich denke, die Ältesten tun das auch. Wahrscheinlich wäre ihnen ein Werwolf sogar lieber.“

„Nur dass sich Werwölfe genauso wenig mit uns abgeben, wie Vampire“, fügt Julien hinzu.

„Tja, wir sind eben nur das verbotene Ergebnis aus den nicht vorhandenen Verbindungen dieser beiden Idiotenrassen“, grummelt Léa.

Als Darians Jeep näherkommt, lässt Julien seinen Arm wieder sinken und setzt sich zurück auf seine Bank.

„Willst du ihn gar nicht begrüßen?“, fragt Léa. „Er ist schließlich dein neuer Mitbewohner.“

„Ich hab ihn letzte Woche schon begrüßt. Sehnsüchtig auf seine Rückkehr zu warten, ist eher dein Job“, neckt er sie.

„Idiot“, motzt Léa und bleckt die Fänge.

Julien lacht leise. Er liebt es, sie zu ärgern und da er sie so gut kennt, weiß er meist auch ziemlich genau, wie er sie auf die Palme bringt.

Sie an ihrem Stolz zu packen, liegt auf der Liste der Möglichkeiten ganz vorn. Denn sicher wird sie niemals zu Hause hocken und auf irgendeinen Kerl warten. Wenn, wird wohl eher Darian auf sie warten müssen.

Auch wenn Darian nicht den Eindruck macht, als wäre er gut darin, sich zu fügen. Unter der Führung seines Vaters hat es scheinbar funktioniert, aber hier kennt er niemanden. Und Julien ist gespannt, wie das Leben mit dem Hybriden sein wird.

***

Es ist das zweite Mal innerhalb von ein paar Tagen, dass er hierher ins Dorf zieht.

Genau genommen ist er schon umgezogen, aber in den letzten Tagen hat er bei diesem Arzt gewohnt. Der Vampir ist gar nicht mal so übel, dafür, dass er kein Wolf ist.

Darian parkt neben Juliens Jeep und sieht durch die Scheibe bereits Léa am Wagen stehen.

„Hi Léa.“ Er rutscht aus dem Fahrzeug.

„Wie war es?“, fragt Léa, nachdem sie ihn mit einem kurzen Nicken begrüßt hat. „Hat der alte Sack die Frau mitgenommen?“

„Natürlich nicht“, erwidert er. „Wir waren schließlich dagegen.“

Léa schmunzelt. „Angeber.“

„Hi“, begrüßt Darian nun auch Julien, der auf seiner Bank vor der Hütte sitzt und Messer schleift.

Julien hebt den Blick und nickt ihm zu. „Bleibst du diesmal länger?“

„Wieso, hast du mich vermisst?“

Julien schnaubt und schüttelt den Kopf, doch Darian meint, für einen Augenblick so was wie ein Lächeln über seine Lippen huschen zu sehen.

„Jungs, seid lieb zueinander“, sagt Léa vernehmlich und beugt sich vor, um Julien auf die Wange zu küssen. „Ich gehe heim, wir sehen uns zum Abendessen, Darian.“

„Bis später.“ Darian sieht ihr hinterher.

„Es ist also gut gelaufen?“, fragt Julien und legt das Messer beiseite.

„Mehr oder weniger. Der Freund meiner Schwester wurde angeschossen“, brummt Darian. Er kehrt zum Wagen zurück und holt die Reisetasche vom Beifahrersitz, in der seine Klamotten der letzten Tage drin sind.

„Oh. Hat er es überlebt?“ Julien ist aufgestanden und räumt nun seine Werkzeuge zusammen.

„Ja. Es war kurz nicht klar, ob der Vatrá überlebt hat. Aber dem geht es auch gut.“ Darian knurrt leise. „Sind wohl beide nicht totzukriegen.“

„Wäre ja auch ziemlich mies für deine Schwester.“

„Aber dann wäre sie vielleicht jetzt hier“, brummt der Hybrid.

Julien sieht ihn mit diesem Blick an, den er schon beim Thema Fortpflanzung angebracht hat.

Darian rollt mit den Augen. „Jackson ist nicht tot, also entspann dich.“

Er schultert seine Tasche und sieht Julien noch dabei zu, wie er sein Werkzeug zusammenräumt.

Die Temperaturen sind immer noch recht niedrig, aber trotzdem sitzt Julien hier nur in Hose und T-Shirt vor der Tür. Blutwölfe kommen sehr gut mit Kälte klar. Aber auch wenn Darian selbst nicht so schnell friert, kommt er sich gegen reinrassige Blutwölfe immer wie eine Frostbeule vor. Er selbst trägt eine leichte Jacke.

„Wollen wir gleich noch laufen gehen?“, fragt er. In den letzten Tagen war er mehr oder weniger im Krankenhaus eingesperrt, weil er für Love da sein wollte und sie sich weigerte, Jacksons Seite zu verlassen. Zwar war er nicht mit im Zimmer, weil dieser Schatten sonst ständig durchgedreht wäre, aber er saß direkt vor der Tür.

Shade duldete nur Love in ständiger Nähe zu Jackson und manchmal Franklin. Vermutlich weil er mitbekommen hat, dass ihr auch dieser Beast wichtig ist.

„Von mir aus gern. Aber du bist doch noch mit Léa verabredet?“

Darian zuckt mit den Schultern. „Bis zum Abendessen ist noch Zeit.“

Julien nickt. „Okay, gib mir fünf Minuten.“

Die beiden Männer betreten das Haus und Darian macht sich direkt auf den Weg in das kleine Gästezimmer.

Im Zimmer stehen ein kleines Bett, eine Kommode und ein Schreibtisch mit einem Stuhl. Es ist recht spartanisch eingerichtet, hat aber alles, was er braucht.

Darian stellt die Tasche erst mal auf dem Schreibtisch ab und wechselt seine Kleidung. Er zieht seine Boxershorts aus und die Hose ohne wieder an, tauscht Shirt und Jacke gegen einen Pullover und schlüpft dann wieder in seine Schuhe.

Wenn sie als Wölfe unterwegs sein werden, ist es sinnvoll, so wenig Klamotten wie möglich anzuhaben, um sich das aus- und wieder anziehen zu erleichtern.

Als er fünf Minuten später vor das kleine Haus tritt, wartet Julien schon auf ihn. Er trägt immer noch nur ein T-Shirt und mustert seinen Pullover.

„Frostbeule“, sagt Julien.

„Klappe“, erwidert Darian. Dann schlendern sie los in Richtung Wald.

Can we have …?

„Ich werde dich übrigens nicht mehr loslassen“, schnurrt Love und schmiegt sich gegen Jacksons nackte Brust. „Du musst mich jetzt also immer rumtragen.“

Jackson streicht ihr mit den Fingerspitzen über den schweißnassen Rücken und zieht anschließend die Decke noch ein wenig höher.

---ENDE DER LESEPROBE---