Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
An Heike Littgers "Lagerfeuer" sitzen dieses Mal drei Menschen, die offenkundig falsch abgebogen sind – eine AfDAnhängerin, ein Suizidant, der glücklicherweise sein Ziel nicht erreicht hat, und ein Drogensüchtiger. Die Lehre aus den Geschichten: Nur wo man überhaupt abbiegen kann, kann man auch auf die falsche Fährte geraten.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Inhalt
Heike LittgerLagerfeuerMitten durch die Prärie
Die Autorin
Impressum
Heike LittgerLagerfeuerMitten durch die Prärie
Lass dir helfen. Geh zum Psychologen. Da kommst du nicht alleine raus. Stefan Lange erzählt von den Ratschlägen seiner Freunde, die er in den Wind geschlagen hat. Er hat gewählt, nicht neu zu wählen. Um auf dem Weg zu bleiben, den er Jahre zuvor eingeschlagen hat. Unbewusst. »Niemand kommt auf die Welt und läuft absichtlich in die Sackgasse.« Am Ende warteten 40 Tabletten Rohypnol auf ihn. Und ein Erdbeerquark mit Fruchtstückchen. Die haben die Bitterkeit der zerbröselten Schlaftabletten übertüncht.
Lange spricht von Suizid. Nicht von Selbstmord. Auch nicht von Freitod. »Mord« lässt einen an Verbrechen denken. Aus niederen Beweggründen. Einfach so. Bei »Freitod« schwingt etwas Heldenhaftes, Heroisches, Rationales mit. Beide Begriffe werden der höchsten existenziellen Not, in die Menschen abrutschen können, nicht gerecht.
Vor fünf Jahren hat sich Lange für den Osnabrücker Verein Stigma vor eine Kamera gesetzt und über sein Leben gesprochen. Auf YouTube ist das Video mit dem Titel »Komm lieber Tod« abrufbar, unterteilt in 59 Episoden, jede zwischen vier und 17 Minuten lang. Sie alle an einem Stück anhören zu wollen, ist herausfordernd – das liegt nicht nur an der Dauer von mehr als sieben Stunden.
Da ist der gewalttätige Vater, der seinen Sohn durch Prügel, Erniedrigung und Missachtung zum Musterkerl dressieren will. Ein Oberstleutnant, dominant, distanziert und davon überzeugt, dass der Mensch am effektivsten lernt durch Schmerz. Nicht einmal in der hintersten Ecke unterm Kinderbett ist Lange vor seinem Zugriff sicher.
Da ist das Gefühl, nicht gewollt zu sein, »ein Fickfehler«, wie Lange sagt. Im Gegensatz zu seinem knapp ein Jahr älteren Bruder, der aus seiner Sicht immer alles bekommt, was er will. Konkurrenz und Wettbewerb statt Geschwisterliebe.
