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Städte sind natürliche Biotope unterschiedlichster Lebensentwürfe auf engstem Raum. Sie spiegeln den gesättigt modernen Zeitgeist und sind gleichzeitig Keimzellen der Subversion. Aber ist die Stadt heute noch in der Lage, waschechte Revolten hervorzubringen, oder handelt es sich nurmehr um Revöltchen? Um Einzelkämpfer statt Massenbewegung, pragmatisch leise statt symbolisch laut, Strohfeuer statt Flächenbrand? Um Stadtwohl statt Revolte? Eine Suchbewegung in München.
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Seitenzahl: 13
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Inhalt
Heike LittgerZorroRevolte vor Ort: München
Die Autorin
Impressum
Heike LittgerZorro Revolte vor Ort: München
Ende September. Oktoberfest. Es ist einer der letzten Orte, an dem man Maximilian Heisler vermuten würde. Der Typ, der eine Großdemonstration gegen Spekulanten und Miethaie mitorganisiert. Oder eine wilde Absacker-Kneipe übernimmt, nur um sie zu halten. Als Wohnzimmer für die Leute aus dem Viertel. Und als Gegengewicht zu all den neuen, angesagten Smoothie-, Bowl- und Fresh-Salad-Läden, die bereits um 17 Uhr schließen. Gentrifizierung macht die Stadt nicht nur teurer, hat Heisler mal in einem Interview gesagt. Auch austauschbarer, leiser.
Doch das Bild, das man von Heisler hat, dem Münchner Mieteraktivisten, hört auf zu ruckeln, wenn man ihn gefunden hat: Nicht in einem der Megazelte auf der »Disney-Wiesn da drüben«, wie er sagt, sondern auf der Oidn Wiesn ein eigenes Fest, kleiner, nostalgischer, vom übrigen Hulapalu-Wahnsinn abgetrennt durch einen Bauzaun. Schon zum fünften Mal kellnert Heisler hier im Herzkasperlzelt. Eine Reminiszenz an den vor zehn Jahren verstorbenen Kabarettisten Jörg Hube, der im Herzkasperl die Rolle seines Lebens fand. Ein bayerischer Revoluzzer, der alles und jeden infrage stellt.
