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Das Kursbuch 214 widmet sich sowohl den widersprüchlichen Romantiken von Freundschaft als auch den differenzierten Abgründen von Feindschaft. Aktueller könnte ein Thema fast nicht sein. Das Denken in Freund-/Feind-Schemata ist auf der Tagesordnung zurück, mit all seinen Untiefen, seinen Risiken, seinen normativen Implikationen und seinen Konsequenzen. Die Lagerfeuer, die Heike Littger diesmal durch Freundes- und Feindesland geführt haben, führen nach Gelnhausen, irgendwo nach Deutschland und Erding.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Inhalt
Heike LittgerLagerfeuerMitten durch Freundes- und Feindesland
Die Autorin
Impressum
Heike LittgerLagerfeuerMitten durch Freundes- und Feindesland
Triggerwarnung: In diesem Beitrag wird das N-Wort explizit genannt.
Gelnhausen. Südlich vom heutigen Gewerbegebiet mit Rewe, Obi und Fressnapf muss es gewesen sein. Hundertprozentig sicher ist sich Danny Beuerbach nicht, welche Straßen alle dazugehörten. Dammstraße, Fischerweg, An der Pfingstweide. Viel Zeit ist vergangen – aber immer noch zu wenig. Wie eine Fessel liegt die Vergangenheit um seinen Fuß. So richtig kriegt er sie nicht zu fassen, aber da ist was, da war was.
Vor eineinhalb Jahren erhält Beuerbach einen Anruf von einem Karl-Heinz. Der Mann fragt nach seinem Vater, zu dem er selbst keinen Kontakt mehr hat. Sie kommen ins Plaudern. Auch über Beuerbachs Mutter, die inzwischen gestorben ist, und deren Mutter. Wie es so war, in Gelnhausen aufzuwachsen – vor allem in der »Assi-Siedlung Rote Erde, da kamen ja auch deine Leute her«. In der Kleinstadt zwischen Frankfurt am Main und Fulda gab es unten am Ufer der Kinzig ein Areal, das man nicht betreten sollte, feindliches Gebiet. Beuerbach selbst wohnte »auf der besseren Seite, am oberen Stadtrand« – doch Teile seiner Familie mütterlicherseits mussten tatsächlich eine Zeit lang in einer der Baracken gelebt haben. »So richtig wurde nie darüber gesprochen – und ich habe auch nicht gefragt. Als Kind hast du feine Antennen für Tabus.«
