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"Dem gehören aber mal Grenzen gesetzt!", tönt es auf nahezu jeder Hundewiese, oft ungefragt von Fremden. Der Hund möge bitte einfach aufhören, Menschen anzuspringen, Hasen zu jagen, an der Leine zu ziehen oder andere Hunde anzubellen. Meist geht das Unterbinden dieser Verhaltensweisen mit unschönen Erziehungsmethoden einher. Doch was sind eigentlich Grenzen und wie setzt du sie am sinnvollsten durch? Anhand zahlreicher Fallbeispiele macht Sonja Meiburg deutlich, wie unerwünschte Verhaltensweisen bei deinem Hund entstehen und wie du Grenzen auf nette Art setzen kannst. Im umfangreichen Praxisteil zeigt sie, wie du für deinen Hund einen individuellen Trainingsplan erstellst und ihm zeigst, was du dir von ihm wünschst. So wird das Zusammenleben auf beiden Seiten entspannter und das Vertrauensverhältnis vom Hund in seinen Menschen bleibt ungetrübt.
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Seitenzahl: 149
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dieses E-Book ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei KOSMOS erschienen ist. Da es bei E-Books aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht verwendet werden. Stattdessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.
Grenzen setzen“ ist eins der ersten Dinge, die du als Neu-Hundler lernst. Also zumindest dann, wenn es nach all den anderen Hundlern geht, die du so triffst: Trainer/innen, Spaziergänger/innen, Hundewiesenbesucher/innen, Schon-immer-Hunde-gehabt-Haber/innen. Sobald dein Hund irgendetwas tut, was irgendjemand nicht so gut findet, wirst du darauf hingewiesen, dass du da jetzt mal Grenzen zu setzen hast.
Ob dein Wuffel jemanden begrüßen möchte und sich nicht gleich von dir abrufen lässt, ob er am Wegrand nach einer Maus buddelt und nicht sofort alles stehen und liegen lässt, sobald du nach ihm pfeifst. Immer steht gerade jemand hinter dir, der dir mehr oder weniger laut und massiv zu verstehen gibt, dass du da jetzt dringend „Grenzen setzen“ musst. Weil dein Hund dich sonst nicht mehr ernst nimmt. Weil er sofort wissen muss, was er nicht darf, damit er das nie wieder wagt.
Das führt dazu, dass „Grenzen setzen“ in der Regel verbunden ist mit dem Gefühl, den Hund durch Angst- oder Schmerzreize einschüchtern zu müssen. Wenn jemand zu dir sagt, dass du deinem Hund doch bitte zeigen sollst, dass er etwas nicht tun darf, dann ist damit meistens gemeint, ihn zu erschrecken/an der Leine zu rucken/laut zu schimpfen/auf den Boden zu drücken/was auch immer dir an unangenehmen Maßnahmen so einfällt.
Wenn du bei solchen Strafmaßnahmen etwas Bauchweh hast, weil du den Hund, den du liebst und der dir vertraut, einschüchterst oder ihm weh tust, dann lass dir aus ganzem Herzen gesagt sein: Du musst deinen Hund nicht erschrecken oder ihm wehtun! Du kannst deinem Vierbeiner auch auf sehr nette und effektive Weise zeigen, was du von ihm möchtest und wie er sich bitte benehmen soll. Und genau das ist es, worum es in diesem Buch geht: deinem Hund beizubringen, was du möchtest und was du nicht möchtest. Du lernst, welche Wirkungen es haben kann, wenn du deinen Vierbeiner über Schreck- oder Schmerzreize trainierst, welche Ursachen unerwünschten Verhaltens beim Hund oft in der Erziehung unberücksichtigt bleiben, wie du Verhalten, das dir nicht gefällt, schnell auf eine nette Weise unterbrechen kannst und was du tun kannst, damit das blöde Verhalten bei deinem Hund so schnell nicht wieder auftaucht.
Alles, was du dazu brauchst, ist etwas Köpfchen, ein paar Übungen und ein Plan!
Lass uns loslegen!
Liebe Grüße,
Sonja Meiburg
© Anna Auerbach/Kosmos
© Anna Auerbach/Kosmos
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UNERWÜNSCHT!Musst du jetzt Grenzen setzen?
© Anna Auerbach/Kosmos
Dein Hund zeigt ganz sicher ein Verhalten, das dir nicht gefällt. Sonst würdest du dieses Buch vermutlich nicht lesen. Schnapp dir bitte jetzt gleich einen Stift und ein Blatt Papier und schreibe auf, welches Verhalten das ist.
Wenn es um mehrere Verhaltensweisen geht, schreib bitte zunächst nur eine einzige auf. Das, was dich am meisten nervt. Diesen Zettel wirst du in den nächsten Tagen immer mehr erweitern um die Dinge, die du hier im Buch liest. Lege ihn also bitte zusammen mit dem Stift an eine Stelle, wo du ihn jederzeit zur Hand hast. Du hast das Verhalten aufgeschrieben, was dich am meisten stört? Gut, dann kannst du weiterlesen.
„Jetzt setz dich doch mal durch und zeig ihm, wer der Boss ist!“
„Hunde machen das untereinander ja auch so!“
„Grenzen geben doch auch Freiraum“
Kennste, ne? Mir ist bis heute noch kein Hundler untergekommen, der solche Sprüche nicht schon mal gehört hätte.
Was ist es, was dir an deinem Hund gerade so richtig missfällt? Zieht er an der Leine? Keift er andere Hunde an? Jagt er Kaninchen und zeigt dir dabei die Stinkepfote, wenn du versuchst, ihn wieder einzufangen? Klaut er Socken und gibt sie dann nicht mehr her? Welche Situationen fallen dir noch ein? Was ist so richtig nervig?
Hast du was gefunden? Ganz sicher! Irgendeinen Quatsch macht jeder Hund mal und du würdest dieses Buch vermutlich nicht lesen, wenn du nicht irgendein Problem hättest, bei dem du gerne „Grenzen setzen“ wollen würdest.
Aber was ist dran an solchen Sprüchen? Wie viel Wahrheit steckt darin? Das werden wir jetzt gemeinsam herausfinden.
© Anna Auerbach/Kosmos
Manche Verhaltensweisen sind nervig.
Hinter diesem Spruch steckt die alte Denkweise, dass der Hundehalter unbedingt der Rudelführer sein sollte. Nur, wenn der Hund einen Menschen als Rudelführer akzeptieren würde, würde er auch gehorchen. Und so ein Rudelführer darf nicht zimperlich sein! Der muss sich ja andauernd durchsetzen und den anderen Rudelmitgliedern zeigen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist, um seine Alphastellung in der Rangordnung nicht zu verlieren.
Angeblich geht diese Rangordnung mit ganz bestimmten Regeln überein, die wir Menschen unbedingt übernehmen und einhalten müssen.
Ein paar davon hast du bestimmt schon mal gehört:
„Gehe immer vor deinem Hund durch die Tür!“
„Der Alpha frisst immer zuerst, deswegen bekommt auch dein Hund immer erst nach dir etwas zu fressen!“
„Der Hund darf niemals auf die Couch/auf die Treppe/in den ersten Stock, weil immer nur der Alpha erhöhte Liegeplätze aufsucht!“
„Dein Hund darf beim Spaziergang nie markieren, nur pinkeln. Sollte er doch mal markieren, musst du mit deinem eigenen Urin über die Marke deines Hundes drübermarkieren!“
Manche Sachen kommen dir absurd vor? Ja, mir auch. Trotzdem werden sie immer noch propagiert. Zum Mitführen des eigenen Urins gab es eine Zeitlang sogar praktische Urinsprühfläschchen, die man käuflich erwerben konnte. Diese Denke ist allerdings schon ziemlich veraltet. Ein Rudel ist eine Fortpflanzungsgemeinschaft und man kann bestimmt vieles von uns Menschen behaupten, aber in der Regel sind wir nicht besonders interessiert daran, uns mit unseren Hunden fortzupflanzen. Also sind wir schon mal kein Rudel.
© Anna Auerbach/Kosmos
Unsinniges Hilfsmittel
Aber davon abgesehen: Wenn du jetzt mal kurz über das Verhalten nachdenkst, das dir an deinem Hund gerade missfällt, glaubst du dann wirklich, dass er das bleiben lässt, nur weil er nicht aufs Sofa darf?
Nehmen wir zum Beispiel Aggression gegenüber Artgenossen. Dein Hund ist gerade im Teenie-Alter, hat nen fetten Testosteronschub und pöbelt andere Hunde an. Um das Pöbeln abzustellen, lässt du ihn nicht mehr aufs Sofa, isst selbst immer etwas, bevor du deinem Hund etwas zu fressen gibst, und gehst immer vor ihm durch die Tür. Wenn du richtig krass drauf bist und es auf jeden Fall richtig machen willst, zeigst du deinem Hund, dass du DER Alpha bist, indem du über jede seiner Pipistellen selbst drübermarkierst. Mehr Alpha geht wohl nicht. Nach ein paar Wochen intensiven Alphatums gehst du (natürlich vor deinem Hund) durch die Haustür und draußen kommt zufällig gerade der Erzfeind ums Eck. Wenn du die Rudelführer-Denke jetzt konsequent zu Ende denkst, wäre es doch eigentlich logisch, dass dein Hund dich spätestens nach der Markier-Aktion als Alpha anerkannt hat und jetzt darauf wartet, ob du das Zeichen zum Angriff gegenüber dem unverschämten Nachbarsköter gibst, der jedes Mal mit hochgerollten Hemdsärmeln vorbeikommt und unbedingt eine Schlägerei provozieren will. Und? Wartet dein Hund, ob du ihm die Erlaubnis erteilst, den Nachbarsfiffi zu vermöbeln, nur weil er in den letzten Wochen nicht mehr aufs Sofa durfte? Ich denke, du kennst die Antwort.
Über Rudel und Rangordnung muss noch eine ganze Menge geforscht werden, aber es gibt nicht eine einzige Untersuchung, die einen Zusammenhang zwischen dem „Zuerst durch die Tür gehen“ und gesteigerten Gehorsam hätte ziehen können. Das, was wir Menschen aus dieser Rangordnungs-Denke an Regeln abgeleitet haben, ist Quatsch. Ob ich vor meinem Hund durch die Tür gehe oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob mein Hund an der Leine zieht, Kaninchen jagt oder Nachbarshunde verhauen will.
Ja? Was genau machen sie denn untereinander auch so? Gemeint sind damit meist körperliche Rempeleien, über den Fang fassen, im Nacken packen und schütteln oder den Hund kneifen. Und ja, es stimmt, dass Hunde untereinander manchmal körperlich werden können, wenn sie oder Dinge, die ihnen wichtig sind, bedroht werden. Das Problem ist, dass das körperliche Bedrohen oder Bestrafen nur einen sehr kleinen Teil der vielen, vielen Formen hundlicher Kommunikation darstellt. Bevor es wirklich zu einem heftigen Konflikt kommt, senden Hunde sehr viele, kleinere Signale aus. Das tun wir Menschen aber nicht. Wenn du so sein willst wie ein Hund, müsstest du ihm auch zur Begrüßung am Hintern schnuppern. Wenn du deinen Hund auf den Boden drückst, weil er den Nachbarsfiffi vermöbeln will, dann pickst du dir einen sehr kleinen Teil an „Kommunikation“ heraus und hoffst, dass dein Hund dann schon irgendwie versteht, was du meinst.
Du bist aber kein Hund und deswegen kannst du nicht so kommunizieren wie ein Hund. Dir fehlen dazu schlicht der Körperbau und die dazugehörigen Sinneswahrnehmungen. Du hast keine Lefzen, die du kräuseln kannst. Du hast kein Fell, das du aufstellen kannst. Du hast keine Rute, die du bedrohlich und starr erheben kannst. Du kannst deine Ohren nicht so bewegen, wie dein Hund es tut. Du bist also körperlich gar nicht in der Lage, einen Hund nachzuahmen. Sollte das bei dir anders sein, lass es mich bitte wissen.
© Anna Auerbach/Kosmos
Hunde kommunizieren anders als wir.
Wenn du deinen Hund in die Flanke zwickst oder ihn auf den Boden drückst, dann tust du das nicht, weil du dich so verhalten möchtest, wie ein Hund es tut, sondern du tust das, weil du Verhalten hemmen möchtest. Du möchtest, dass dein Hund mit dem, was er tut, sofort aufhört! Je nachdem, wie leicht beeindruckbar dein Hund ist, klappt das mehr oder weniger gut. Du glaubst aber doch nicht einen Augenblick lang, dass dich dein Hund für einen Hund hält, nur weil du ihn anrempelst oder kneifst? Oder dass er dich besser versteht, wenn du ihn im Nacken packst und schüttelst, weil du damit seine Sprache sprichst? Geh mal davon aus: Dein Hund lebt mit dir zusammen und kann deine Körpersprache sehr genau lesen. Der weiß genau, wie du drauf bist. Er weiß nur leider oft nicht, warum du so drauf bist. Zum Beispiel kann es sehr lange dauern, bis dein Hund verstanden hat, dass der Leinenruck immer dann kommt, wenn er an der Leine zieht. Für Hunde kommt diese Strafe sehr häufig unvorhersehbar, willkürlich und ohne für ihn erkennbaren Zusammenhang, weil unser Timing oft sehr schlecht ist und wir bei Schreck- oder Schmerzreizen (ja, so ein Leinenruck ist ein Schmerzreiz!) große Unsicherheit beim Hund verursachen können. Dazu kommen wir später noch in allen Einzelheiten.
Du bist ein Mensch und kannst agieren wie ein Mensch und dein Hund wird dich, wenn du dein Training durchdacht aufbaust, trotzdem verstehen. Wenn du nicht versuchst, dich zu verhalten, wie ein Hund, sondern so wie ein Mensch, dann bist du auch frei, dir zu überlegen, ob es nicht ganz andere Möglichkeiten gibt, dich deinem Hund verständlich zu machen. Und schon bist du im durchdachten Training. Probier es aus.
MERKE
Du musst also gar nicht versuchen, dich so zu verhalten, wie dein Hund es tut.
© Anna Auerbach/Kosmos
Überraschung: Du bist kein Hund!
Es wäre echt klasse, wenn so ein Hund nie nerven würde. Wenn er immer ganz genau wissen würde, was wir gerade von ihm wollen, und das auch genauso durchführen könnte, wie wir es wollen. Wenn das mal nicht klappt, weil der Hund gerade abgelenkt oder auch so richtig mies drauf ist, weil’s ihn gerade irgendwo zwackt oder weil er schlecht geschlafen hat, dann sind wir sehr schnell dabei, ihm zeigen zu wollen, dass wir sein unverschämtes Verhalten nicht dulden.
Leider geht dabei häufig der Sinn und die Wertschätzung für das, was im Zusammenleben mit dem Vierbeiner schon richtig gut läuft, verloren. Überlege: Hast du deinen Hund heute mal für alles, was bei euch schon richtig rund läuft, belohnt? Also nicht nur für das, was gerade euer Trainingsschwerpunkt ist, sondern vor allem für das, was du bisher immer als selbstverständlich angesehen hast. Hast du deinen Hund schon mal gelobt, weil er nicht wie irre an dir vorbei zur Tür rausstürmt? Hast du ihn mal belohnt, weil er bisher immer so schön an der Nachbarskatze vorbeigeht, ohne sie anzumeckern? Dein Hund macht das sowieso immer brav? Ja, super! Das heißt aber nicht, dass das so bleibt. Zeig ihm doch mal, dass du das, was er da macht, gut findest!
Wir leben in einer Fehlerkultur. Schon in der Schule werden in den Aufgaben der Kinder die Fehler rot angestrichen und erhalten dadurch ein Gewicht, die die richtigen Antworten nicht erhalten. Dadurch wird unser Fokus immer wieder auf das gelenkt, was nicht gut läuft.Stell dir doch mal kurz vor, wie es wäre, wenn du besonderen Wert auf das legst, was schon richtig gut funktioniert. Mach eine Liste von all den Dingen, die mit deinem Hund schon richtig gut laufen. Kommt er zu dir gerannt, solange die Ablenkung noch nicht überragend groß ist? Spitze! Legt er sich unter den Tisch, statt dich beim Essen zu belagern? Genial! Kuschelt er sich abends an dich und schnorchelt dann so niedlich? Auch das gehört auf jeden Fall mit auf die Liste! Du wirst bemerken, dass das Bedürfnis, Grenzen zu setzen, immer weniger wird, je mehr du wertschätzt, was mit deinem Hund schon so richtig gut läuft! Weil deine Stimmung steigt. Weil du dich wieder wohlfühlst mit deinem Vierbeiner. Weil du auf einmal merkst, dass du dich viel besser fühlst, wenn du nicht die ganze Zeit darauf lauerst, wann dein Hund sich das nächste Mal danebenbenimmt, sondern wenn du dich die allermeiste Zeit schlicht über das freuen kannst, was er tut. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist auch, dass dein Hund, wenn du gutes Verhalten belohnst, das gute Verhalten immer häufiger zeigt. Und wenn er häufiger gutes Verhalten zeigt, ist weniger Zeit und weniger Gelegenheit für blödes Verhalten. Du schlägst also gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche! Probier’s mal aus!
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Wir legen zu viel Wert auf Fehler!
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Kuscheln geht immer!
Klar geben Grenzen Freiraum … dem, der sie setzt. Dein Hund möchte aufs Sofa, weil es da oben so schön gemütlich ist. Du willst das aber nicht. Also verbietest du deinem Hund, das Sofa zu betreten. Wem geben diese Grenzen denn jetzt mehr Freiraum? Dir oder deinem Hund?
Anstatt Freiraum folgt auf das Grenzensetzen beim Hund häufiger Frust. Das Blöde ist: Frust führt nicht selten zu unerwünschten Verhaltensweisen. Bleiben wir mal bei dem Beispiel mit dem Sofa. Dein Hund wollte gerne gemütlich liegen. Gemütlicher jedenfalls (und in deiner Kuschelnähe) als auf seiner dünnen Decke, auf der er alleine neben dem Sofa liegen soll. Vielleicht zuckt dein Hund mit den Schultern und legt sich wirklich allein auf seine Decke. Vielleicht gibt er sich aber so schnell nicht geschlagen und versucht, an einer von dir entfernteren Ecke das Sofa zu erklimmen. Oder er sucht sich, wenn er etwas kleiner ist, den Wäschekorb mit der frisch gewaschenen Wäsche, um darin zu liegen, weil es da auch noch so schön gemütlich und warm ist. Oder er wird aufgeregt, weil er gerne in deiner Nähe kuscheln wollte, du ihn aber abweist. Dann könnte es passieren, dass dein Hund aus Frust und Aufregung anfängt, zu bellen oder wild herumzuhüpfen. Und alle diese Verhaltensweisen müsstest du dann auch noch unterbinden. Dein Hund hat dann eher weniger Freiraum statt mehr.
Mit den meisten Hunden wäre das Leben ziemlich schwierig, wenn sie permanent machen dürften, was sie gerade wollen. Wenn du deinen Hund überhaupt nicht erziehen würdest und würdest ihn die ganze Zeit einfach selbst entscheiden lassen, wie sein Tag verläuft, wie sähe der dann aus? Vielleicht würde er ständig an der Leine ziehen, weil sein Tempo einfach schneller ist als deins. Vielleicht würde er andauernd bellen, sobald ihn das kleinste Geräusch aufregt. Vielleicht würde er, sobald er zur Tür raus ist, zum Nachbarszaun stürmen und sich erst einmal ein kleines Gefecht mit dem Hofhund von nebenan liefern. Vielleicht würde dein Hund Stunde um Stunde im Wald herumstreunern, weil es ihm riesengroßen Spaß macht, jeden Fuchsbau bis ins kleinste Detail kennenzulernen und den einen oder anderen Hasen quer durch die Felder zu jagen. Auch Leute, die sehr nett mit ihrem Hund umgehen möchten, müssen Grenzen setzen, selbstverständlich.
© Anna Auerbach/Kosmos
Hunde haben andere Hobbys als wir.
Die Frage ist nicht, „ob“ wir unserem Hund Grenzen setzen müssen, sondern „wie“. Wenn zu dir jemand sagt, dass du Grenzen setzen musst, ist das meistens ein etwas schöngefärbter Begriff für „Kneif ihn in die Flanken, wenn er bellt“, „Rucke an der Leine, wenn er zieht“ oder „Drück ihn auf den Boden, wenn er knurrt“.
„Grenzen setzen“ bedeutet also häufig die Anwendung von Angst- oder Schmerzreizen. Wenn du über Angst- oder Schmerzreize deinen Hund erziehen möchtest, solltest du allerdings wissen, dass diese Art der Strafen Regeln unterliegen, die du als Strafender einhalten musst. Zwingend einhalten musst, denn es sind Regeln, die es deinem Hund erst ermöglichen zu verstehen, warum er gestraft wird und wie er diese Strafen vermeiden kann. Schauen wir uns diese Regeln doch einmal an.
„Strafregeln? Wass'n das? Der weiß doch, was er falsch gemacht hat. Das seh ich dem doch an!“ Bist du dir sicher?
Stell dir doch mal vor, dein Hund würde gerne Kaninchen jagen. Und das letzte Mal, als er Kaninchen gejagt hat, hast du ihn so richtig zusammengeschissen, als er zurückkam. Logisch, denn er soll ja endlich verstehen, dass du Kaninchenjagen so richtig kacke findest und dass er ja nicht wagen soll, auch nur ein einziges Kaninchen mit einem halben Auge anzublinzeln! So! Jetzt hast du’s ihm aber gezeigt!
