Lebe anders! - Sven Sohr - E-Book

Lebe anders! E-Book

Sven Sohr

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Beschreibung

Ansätze für ein erfülltes, achtsames und positives Leben Angesichts größer werdender Belastungen und von immer mehr Stress fragen sich viele Menschen, ob es Alternativen gibt. Wie könnte man anders leben? Wie könnte ein erfülltes, achtsames und positives Leben aussehen? Faszinierend einfache und reichhaltige Antworten geben die Achtsamkeitslehre und die jungen Disziplinen des Life Coachings und der Positiven Psychologie. Diese Ansätze werden in diesem Buch mit ihren aktuellen Ergebnissen kompakt vorgestellt und miteinander vernetzt. Indrani Alina Wilms und Sven Sohr laden mit kritischen Selbstreflexionen, inspirierenden Dialogen und über 60 Fallbeispielen aus der Life-Coaching-Praxis dazu ein, diese wertvollen Erkenntnisse umzusetzen. Denn: Ganz anders könnten wir leben.

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Seitenzahl: 339

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Sven Sohr & Indrani Alina Wilms

Lebe anders!

Life Coaching mit Achtsamkeit und Positiver Psychologie

Über dieses Buch

Ansätze für ein erfülltes, achtsames und positives Leben 

Angesichts größer werdender Belastungen und von immer mehr Stress fragen sich viele Menschen, ob es Alternativen gibt. Wie könnte man anders leben? Wie könnte ein erfülltes, achtsames und positives Leben aussehen? 

Faszinierend einfache und reichhaltige Antworten geben die Achtsamkeitslehre und die jungen Disziplinen des Life Coachings und der Positiven Psychologie. Diese Ansätze werden in diesem Buch mit ihren aktuellen Ergebnissen kompakt vorgestellt und miteinander vernetzt. Indrani Alina Wilms und Sven Sohr laden mit kritischen Selbstreflexionen, inspirierenden Dialogen und über 60 Fallbeispielen aus der Life-Coaching-Praxis dazu ein, diese wertvollen Erkenntnisse umzusetzen. Denn: Ganz anders könnten wir leben.

Prof. Dr. Sven Sohr, Psychologe, Philosoph und Coach. Er konzipierte als erster Professor für Life Coaching und Positive Psychologie in Deutschland federführend den Master-Studiengang für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport. http://www.sensor-zukunftswerkstatt.de

Dr. Indrani Alina Wilms, Psychologin, Psychotherapeutin, Traumatologin und international renommierte Achtsamkeitsexpertin. Sie ist die erste an der University of Oxford in Achtsamkeitstherapie qualifizierte Deutsche.

Copyright: © Junfermann Verlag, Paderborn 2023

Coverfoto: © 2013 llaszlo/Shutterstock. No use without permission.

Satz: Peter Marwitz, Kiel (etherial.de)

Covergestaltung / Reihenentwurf Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Digitalisierung: Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Alle Rechte vorbehalten.

Erscheinungsjahr dieser E-Book-Ausgabe: 2023

ISBN der Printausgabe: 978-3-7495-0453-4

ISBN dieses E-Books: 978-3-7495-0454-1 (EPUB), 978-3-7495-0455-8 (PDF).

Welcome

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wie sollen wir leben? Diese Schlüsselfrage der Ethik betrifft alle Menschen, nahezu jeden Tag. In den letzten Jahren erlebten und erleben wir einige grundlegende Veränderungen. Unser Buch sensibilisiert für die konstruktiven Potenziale von drei modernen Disziplinen in Theorie und Praxis:

Life Coaching (Sven Sohr,

Kapitel 1

)

Achtsamkeit (Alina Wilms, 

Kapitel 2

)

Positive Psychologie (Sven Sohr, 

Kapitel 3

)

Alle drei Disziplinen werden mit wichtigen Erkenntnissen und über 60 Fallbeispielen anwendungsorientiert präsentiert, bevor sie in Kapitel 4 (Sven Sohr) in eine Synthese als Essenz münden. Auf dieser Basis reflektieren wir in den Kapiteln 5.1 (Sven Sohr) und 5.2 (Alina Wilms) in Selbstinterviews die Konsequenzen für unser Leben, bevor wir uns über die praktischen Folgen im gemeinsamen Dialog (Kapitel 6) austauschen. Autorin und Autor erklären sich jeweils für ihre eigenen Texte allein verantwortlich.

Beim Schreiben wurde uns mehr denn je bewusst, wie nicht nur die einzelnen Themen zusammenhängen, sondern auch die Interaktionen von individuellem Tun und kollektiven Entwicklungen. So gesehen ist das Persönliche immer auch politisch.

Abschließend wollen wir uns herzlich beim Team des Junfermann-Verlags für die angenehme Zusammenarbeit bedanken. Möge das Buch zum Nachdenken und alternativen Handeln anregen.

Soest – Berlin, Frühjahr 2023
Indrani Alina Wilms und Sven Sohr

Vorwort der Autorin

„Ich bin ich!“

(Dr. Debabrata Das Gupta, 1936–2021)

Schon in früher Kindheit philosophierte ich mit meinem weisen Vater darüber, wie ich mein Sein definieren kann, wer ich bin. Ich bin Kind und Mutter, Lehrende und Lernende, Deutsche und Inderin, Wessi und Ossi, hinduistisch geprägte Buddhistin und zugleich getaufte Christin und naturwissenschaftlich orientierte Glaubensskeptikerin. Qua Geburt bin ich eine Das Gupta, durch Heirat eine Wilms. Mein Vorname ist Indrani und Alina.

Wie ein jeder Mensch bin ich so individuell, dass man mich in viele Kategorien einordnen kann. Doch die Summe aller Kategorien vermag nicht die Essenz meines Seins zu definieren, denn ich bin ich und doch ein unbedeutend verschwindendes Teilchen des Universellen, das bemüht ist, dem Sein mehr Raum als dem Ich zu geben.

Zu meinen prägendsten beruflichen Stationen gehören der Aufbau einer neuen Abteilung für den britischen Gesundheitsdienst NHS, die Leitung der Stabsabteilung von Deutschlands größter Forensischer Psychiatrie, die Konzipierung und gesamtkoordinierende Leitung der psychologischen Nachsorge des Erfurter Gutenberg-Massenmords; sowohl Anerkennungen als Psycho- und Lehrtherapeutin, Supervisorin und Doktorin als auch die Berufung zur Professorin und die Wahl zur Dekanin.

Aktuell engagiere ich mich als CEO für Dr. Wilms Expertise Psychological Consulting, als Matchmaker und Managing Consultant einer Managementberatung. London und die University of Oxford, an der ich mich als erste Deutsche für Achtsamkeit qualifizieren durfte, prägten mein akademisches Leben über zehn Jahre. Ein Herzensprojekt ist eine mit meinem Vater und dem örtlichen Rotary Club in Kalkutta gegründete Schule für Kinder aus den Slums.

Meinem über den Tod hinaus geliebten Vater danke ich für seine spirituellen Anregungen und seine unermüdliche väterliche Pflichterfüllung. Ralf, meinem Ehemann und zugleich größtem Lebensgeschenk, danke ich für nunmehr fast 22 Ehejahre und für seine Toleranz, mit einem so vielschichtigen Wesen gemeinsam zu (er)leben, das einen klassisch westfälischen Juristen mit der für ihn ungewohnten Welt der Achtsamkeit durchaus in seinem SEIN herausfordern kann. Meinen geliebten Söhnen Magnus und Tristan danke ich für ihre tiefschürfenden Fragen, die mich immer wieder zur Reflexion anregen und durch die auch die sprichwörtliche Henne vom geschlüpften Ei lernen darf.

Über konstruktives Feedforward freut sich [email protected]!

Vorwort des Autors

„Be yourself – no matter what they say.“

(Sting)

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ fragte der Philosoph Richard David Precht. Ich bin Sven Sohr – Mensch, Mann, Vater, Psychologe, Philosoph, Coach, Autor und Weltbürger. In meinem Job als Professor für Life Coaching und Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin konnte ich mich in den letzten Jahren mit vielen Fragen beschäftigen, die ich in diesem Buch teilen will. Dabei gehen 30 Jahre Berufserfahrungen als Psychologe in verschiedenen Rollen ein, nicht nur als Coach, sondern auch als Moderator, Mediator, Supervisor oder Trainer.

Neben zahlreichen Menschen danke ich für ihre persönlichen Beiträge insbesondere:

Meiner Studentin Sofia Hill – sie verfasste in ihrem ersten Semester die beste philosophische Studienarbeit, die ich bisher gelesen habe, und inspirierte mich mit einigen Blogbeiträgen, die im Kapitel zur Positiven Psychologie als Entree der Unterkapitel eingeflossen sind.

Meinem Kollegen Oliver Tonndorf – ich war gerade auf der Suche nach einem Dozenten für Ernährung und Sport im Life Coaching, als ich ihm zuerst in der Kirche und nur wenige Minuten später in einer Eisdiele begegnete, wo er mir überraschend erklärte: „Ich bin übrigens Dozent für Ernährung und Sport.“ Von ihm stammen die Fallbeispiele in

Kapitel 1.5

über Ernährung.

Meiner Tochter Luna – sie war im finalen Buchstadium mein Fitness-Coach und berührt mich seit über 15 Jahren mit ihrer außergewöhnlichen Empathie.

Eine Besonderheit des Buchs besteht darin, dass auch bislang nicht veröffentlichte und innovative „wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten“ der jungen und hierzulande einzigartigen Studiengänge „Life Coaching“ (Bachelor) und „Positive Psychologie“ (Master) eingeflossen sind. Darüber hinaus bietet das Literaturverzeichnis mit über 200 Quellen viele Chancen zur Vertiefung.

Unsere unterschiedlichen Identitäten erstrecken sich auch auf die Zeitperspektiven. Selbst wenn wir im Kern immer derselbe Mensch bleiben, sind wir heute anders als gestern. Fragen wir uns, wer wir morgen sein möchten? Möge das Buch motivieren, anders zu leben.

Über Feedback freut sich Sven ([email protected])!

1. Life Coaching

„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, doch leben muss man es vorwärts.“

(Søren Kierkegaard)

„Life Coaching“ wird im Folgenden in sieben Dimensionen präsentiert:

Dimension 1,

Philosophische Perspektiven

“,

stellt grundlegende Fragen nach dem Woher, Wohin und Warum – von den Antworten, die wir auf sie erhalten, hängen unsere Entscheidungen ab.

Dimension 2,

Psychologische Perspektiven

“,

stellt die Gegenstände der Psychologie vor und ihre Bedeutung für ein Life Coaching zur Entwicklung mentaler Stärke.

Dimension 3,

Kommunikative Perspektiven

“,

thematisiert, ausgehend von Modellen der Kommunikation, grundlegende Fragen des Lebens, von der Liebe bis zum Tod.

Dimension 4,

Perspektiven der Gesundheit

“,

versteht Gesundheit multidimensional aus einer physischen, psychischen, emotionalen, sozialen, sexuellen und spirituellen Sicht.

Dimension 5,

Perspektiven der Ernährung

“,

fragt nach zeitlosen Basics der Ernährung, großen Herausforderungen und nach der Sinnhaftigkeit alternativer Ernährungsformen.

Dimension 6,

Perspektiven aus dem Sport

“,

hinterfragt die These, dass Sport Mord sei, um für die Geschenke Bewegung, Teamspirit und Flow-Erleben zu begeistern.

Dimension 7,

Nachhaltige Perspektiven

“,

widmet sich der Frage der Nachhaltigkeit, um nach Diagnosen und Ursachen der Naturzerstörung zu suchen und nach Alternativen.

Die Psychoanalyse versucht, unser Leben rückwärts betrachtet zu verstehen. Im Life Coaching geht es um Entscheidungen für die Zukunft.

1.1 Philosophische Perspektiven: Weisheit lieben

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

(Sokrates)

Die „Liebe zur Weisheit“ ist Gegenstand der Philosophie, die als die Königin der Wissenschaften gilt, denn sie stellt grundlegende Fragen des Lebens nach unserem Sinn.

Seltsamerweise führt die moderne Philosophie heute eher ein Schattendasein, teilweise vielleicht auch selbst verschuldet, wie manche Autoren bemerken: „Mit unermüdlicher Geduld und gleichmäßiger Ausdauer löst die Philosophie der Gegenwart oft Probleme, die keiner hat. Daher mag sie noch so viele Fragen richtig beantworten, das kann Belanglosigkeit und Verstiegenheit nicht ausgleichen. Denn selbst wahre Antworten wiegen nichts, wenn niemand nach ihnen fragt“ (Wetz 1994).

Moderne Philosophie hat den Ruf, sinnlos zu sein und muss um ihre Existenzberechtigung kämpfen. Doch sagt dieser Befund nicht vielleicht mehr über die Moderne als über die Philosophie aus? Zu allen Zeiten fragten sich die Menschen, wer sie sind, woher sie kommen und wohin sie gehen. Aber heute leben wir in einer Zeit, in der es zunehmend Spezialisierungen gibt und unser Blick für das große Ganze immer mehr verloren zu gehen scheint (Sohr 2015). Eine Wissenschaft, die sich mit der Liebe zur Weisheit beschäftigt, droht so ihre Daseinsberechtigung zu verlieren. Was aber passiert mit Gesellschaften, in denen immer weniger Menschen wissen, wer sie sind, woher sie kommen und wohin sie gehen?

Life Coaching ist auch eine Einladung, uns diesen Fragen zu stellen, die uns spätestens wieder einholen, wenn wir unser Lebensende nicht mehr verdrängen. Viele Menschen geben sich im Life Coaching auf die Frage nach ihrer „existenziellen Intelligenz“ – laut Gardner (1991) die Fähigkeit, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden – die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Doch wenn wir auf diese Frage keine Antwort finden, machen auch alle anderen Coaching-Fragen keinen Sinn mehr. So kann es sich lohnen, von der Weisheit der Philosophie zu lernen.

Philosophen in der Antike

Wer sich mit westlicher und östlicher Philosophie beschäftigt, stellt überraschend fest, dass sich ganz ähnliche Weisheiten und Erkenntnisse unabhängig voneinander und parallel entwickelt haben, denn vor mehr als 2.500 Jahren gab es noch kein weltweites technisches Netzwerk, um sich über viele tausend Kilometer miteinander austauschen zu können.

Die beiden bekanntesten Philosophen des Ostens waren Konfuzius und Laotse – nach ihnen wurde der Konfuzianismus und der Taoismus benannt. Beide lebten im 6. Jahrhundert vor Christus. Während Konfuzius eher im Diesseits unterwegs war und auch politisch nach dem rechten Weg suchte („Wenn man sein Land regieren will, muss man als Erstes seine Familie in Ordnung halten“), galt Laotse eher als Asket, der nicht von dieser Welt war. So beginnt sein Hauptwerk Tao te king mit dem Credo: „Das Namenlose ist der Ursprung der Welt des Himmels und der Erde“. Der Weise wirke durch sein „Nicht-Tun“ – nicht zu verwechseln mit „nichts tun“. Er unterlässt aber alle unnötigen Eingriffe in das Geschehen. Denn „wissen, dass man nichts weiß, ist das Höchste“.

Reisen wir von China nach Griechenland, so treffen wir dort mit Sokrates den vielleicht ersten Life Coach der Weltgeschichte an. Er wurde dafür berühmt, dass er mit seiner sogenannten Hebammenkunst die Jugend auf der Straße in Gespräche verwickelte, um ihnen durch „Sokratisches Fragen“ ihr Nicht-Wissen zu zeigen. Mit seiner Kunst galt er als weisester Mensch der Antike, weil er als einziger wusste, dass er nichts weiß. Sein Schüler Platon schrieb alles auf und sorgte dafür, dass die Dialoge von Sokrates für die Nachwelt bis heute erhalten sind. Sokrates ertrug sowohl seine Frau Xanthippe wie auch seine Armut mit stoischer Gelassenheit. Er galt als ein einfacher Mann, der seine Prinzipien auch lebte: „Wie zahlreich sind die Dinge, derer ich nicht bedarf.“ Er folgte stets seiner inneren Stimme, und als er auch in seiner Todesstunde nicht bereit war, seine grundlegenden Überzeugungen zu verleugnen, trug er im Umgang mit seinem Tod – weltgeschichtlich gesehen – zur Geburt des Gewissens bei. Philosophie lehrt nach Sokrates auch das Sterben. Seinem asketischen Vorbild folgte auf radikale Art und Weise Diogenes, der in einer Tonne lebte – im Reinen mit sich und der Welt.

Philosophen der Aufklärung

In der Berlinischen Monatsschrift erklärte Kant 1784: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – der Wahlspruch der Aufklärung.“

Zunächst waren es die britischen Empiristen, die den Zug der Aufklärung ins Rollen brachten, angefangen bei Bacon (1561–1626); er rief die Beherrschung der Natur als Ziel der Wissenschaft aus, denn „Wissen ist Macht“. Es folgten Hobbes (1588–1679), mit einem eher pessimistischen Weltbild („Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, der vor dem „Krieg aller gegen alle“ zu schützen sei), Locke (1632–1704) als Vater des Liberalismus und Hauptvertreter des Empirismus, und Hume (1711–1776), der beim Menschen neben egoistischer Ratio auch warme Gefühle entdecken konnte.

Unter den französischen Aufklärern ragte ebenfalls ein Trio heraus, angefangen bei Descartes (1596–1650), ein Materialist und Rationalist („Ich denke, also bin ich“). Er spaltete alle Gefühle ab und förderte so maßgeblich den Siegeszug von Naturwissenschaften und Technik. Zwei weitere Philosophen bekriegten einander: Das war zum einen Voltaire (1694–1778), der begütert auf einem Schloss lebte und aufgrund seiner Reisen als einer der wirksamsten Missionare der Aufklärung galt, und es war zum anderen Rousseau (1712–1778), der für die Freiheit und den Naturzustand plädierte – ein romantischer Protest im Widerstand zur Aufklärung.

In Deutschland dominierten im 19. Jahrhundert drei Nihilisten. Zu ihnen gehörten Feuerbach (1804–1872), ein radikaler Kritiker der Religion, der in Gott ein ‚Gespenst‘ sah („Der Mensch ist das Maß aller Dinge“); Marx (1818–1883), der den Schritt vom Idealismus zum Materialismus vollzog („Das Sein bestimmt das Bewusstsein“), und Nietzsche (1844–1900), dem es um eine „Umwertung aller Werte“ weg von der christlichen „Sklavenmoral“ hin zu einer „Herrenmoral“ ging. Als Antisemit forderte er die „Vernichtung Millionen Missratener“, weshalb er nach seinem Tod zu einem NS-Philosophen mutierte.

Die drei zuletzt genannten Philosophen starben übrigens alle einen sehr qualvollen Tod.

Philosophen der Postmoderne

Unter den Philosophen des 20. Jahrhunderts erscheinen aus Life-Coaching-Perspektive zwei Strömungen als besonders bedeutsam. Zum einen die französischen Existentialisten, zu denen wiederum vor allem drei Vertreter gehören: Laut Sartre (1905–1980) ist der Mensch ohne Gott in die volle Verantwortung seiner Existenz geworfen und er müsse versuchen, dem Leben einen Sinn zu geben. Sartres Freund Camus (1913–1960) konnte dem Leben keinen Sinn abgewinnen, und für die Sinnlosigkeit fand er das absurde Bild aus dem antiken Mythos von Sisyphos, der dazu verdammt ist, einen Stein immer wieder den Berg hinaufzuwälzen. Als Nietzsche-Nachfolger sprach auch Foucault (1926–1984) vom „Tod Gottes“, wobei er seine persönliche Mission als „intellektueller Zerstörer von Evidenzen“ formulierte.

Eine andere philosophische Strömung setzte sich mit der Herausforderung der Technik auseinander. Zu nennen ist hier zunächst Heidegger (1889–1976), der den modernen Menschen in seiner „Seins-Vergessenheit“ in die Irre gehen sah; angesichts technischer Entwicklungen sei seine Katastrophe vorprogrammiert („Nur ein Gott kann uns noch retten“). Außerdem Bloch (1885–1977), der mit der Technik eine Heilserwartung verband. In seinem mehr als 1.500 Seiten umfassenden Hauptwerk rief er das Prinzip Hoffnung aus.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzten sich zwei weitere Philosophen äußerst kritisch mit der Technik auseinander: Jonas (1903–1993) unternahm mit seinem 1979 erschienenen Prinzip Verantwortung den philosophischen „Versuch einer Ethik für die technische Zivilisation“. Basierend auf der These, die Verheißung der modernen Technik sei in existenzielle Drohungen umgeschlagen, kritisierte Jonas die Hybris des Menschen und forderte in Anlehnung an Kant einen neuen ethischen Imperativ im Sinne einer „Zukunftsverantwortung“. Noch deutlicher war der mit Jonas befreundete Anders (1902–1992); beide waren sie Heidegger-Schüler. Der Endzeitphilosoph Anders konstatierte aufgrund der wachsenden Wahrscheinlichkeit eines atomaren und ökologischen Suizids die Antiquiertheit des Menschen. Für uns als „emotionale Analphabeten“ sah Anders es als dringendes Gebot der Stunde: „Deine Aufgabe besteht darin, deine moralische Phantasie zu erweitern!“

Philosophie der Wissenschaft

Was ist Wissenschaft? Und wie gelangen wir zu unseren Erkenntnissen? Mit diesen forschungsphilosophischen Fragen beschäftigt sich die Wissenschaftsphilosophie als Wissenschaft von der Wissenschaft. Trotz einiger ernüchternder Konsequenzen, etwa die Atombombe oder die Umweltzerstörung, genießt Wissenschaft nach wie vor ein hohes Ansehen – und das, obwohl sie uns bis heute keine klaren Antworten geben kann, was Wissenschaft ist.

Der wohl einflussreichste Wissenschaftstheoretiker war Sir Karl Popper. Von ihm stammt die skeptische Beobachtung: „Wissenschaft baut nicht auf Felsengrund. Es ist eher ein Sumpfland, über dem sich die kühne Konstruktion ihrer Theorien erhebt.“ Laut Popper kann es keine gesicherten Wahrheiten geben. Selbst nach der Beobachtung von 99 weißen Schwänen ist es nicht ausgeschlossen, eines Tages auch einem schwarzen Schwan zu begegnen. Ziel von Wissenschaft sei es, sich der Wahrheit durch Versuch und Irrtum so gut wie möglich zu nähern. Politisch plädierte Popper daher folgerichtig 1945 für eine „offene Gesellschaft“ – ohne die geistige Beschränkung einer Diktatur.

In seinem Essay The structure of scientific revolutions wies der Soziologe Thomas Kuhn 1962 nach, dass unsere traditionelle Beschreibung von Wissenschaften, der zufolge es einen kontinuierlichen Erkenntnisfortschritt gibt, nicht der Wirklichkeit entspricht. Nach Kuhn ist wirkliche Weiterentwicklung erst möglich, wenn eine überalterte Theorie im Zuge wissenschaftlicher Revolutionen zugunsten neuer Perspektiven aufgegeben wird. Ein historisches Beispiel für einen Paradigmenwechsel ist die Einsicht, dass die Erde keine Scheibe ist. Ein aktueller Paradigmenwechsel ist die zunehmende Einsicht, dass wir eine nachhaltige Perspektive brauchen, wenn wir als Gattung überleben wollen.

Eine noch radikalere Infragestellung wissenschaftlicher Autoritäten bietet Feyerabend, ein Schüler von Popper. In seiner anarchistischen Erkenntnistheorie bezweifelt er 1976 die Überlegenheit der Wissenschaft gegenüber anderen Erkenntnisquellen. Er plädiert Wider den Methodenzwangfür das pluralistische Prinzip „anything goes“. Unbeliebt machte er sich bei seinen Kollegen, als er Professoren als „engstirnige Egomanen“ bezeichnete, die oft mehr an sich als an die Wohlfahrt der Menschen denken würden.

Philosophische Gottesbeweise

Im Life Coaching geht es um das ganze Leben, also auch um die ganz großen Fragen unseres Seins. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Gibt es eine göttliche Kraft als Ursprung und Ziel unserer Existenz? Wo Wissenschaft an ihre Grenzen kommt, hören Philosophen nicht auf, Fragen zu stellen, um Antworten zu suchen und auch zu finden.

Der Philosophie verdanken wir diverse „Gottesbeweise“. Einige sind kosmologisch: Gott als letzte Ursache, denn aus nichts kann nichts entstehen, wie bei Thomas von Aquin, der Grundgedanken von Sokrates und Platon aufgreift. Andere sind teleologisch: Die Schönheit der Schöpfung als einmaliges Wunder kann kein Zufall sein, sondern setzt göttliche Genialität voraus, wie Aristoteles argumentiert. Oder sie sind moralisch: Ohne eine jenseitige göttliche Gerechtigkeit erscheint das Leid dieser Welt sinnlos, wie Kant proklamierte. Er nahm einen weisen Welturheber „ohne allen Zweifel“ an, damit gutes und schlechtes Handeln in jedem Fall nachhaltige Konsequenzen haben.

Demzufolge empfahl Voltaire: „Es ist höchste Weisheit, von einem Gott auszugehen, der straft und belohnt“ und bereicherte den Diskurs um den romantischen Gottesbeweis – samt unterhaltsamer Logik: „Denn wer eine schöne Frau küsst, muss ein wohltätiges höchstes Wesen anerkennen.“ Sogar Descartes war sich in dieser Frage ausnahmsweise mit Voltaire einig, bevorzugte jedoch den ontologischen Gottesbeweis: Demnach gibt es eine eingepflanzte Idee Gottes, die uns Menschen angeboren ist. Gottes Existenz sei daher zwingend, sonst gäbe es seine Idee gar nicht. Keine Gottesbeweise brauchte der Mathematiker Blaise Pascal, um trotzdem an Gott zu glauben, denn „es ist das Herz, das Gott fühlt, nicht die Vernunft“. Die philosophische Aufgabe sei es, sich dem Glauben zu beugen, denn die Philosophie könne uns kein Heil bieten.

Atheisten sind unter den klassischen Philosophen dagegen selten – das prominenteste Beispiel ist der Nihilist Nietzsche. Er forderte den „Selbstmord der Moral“ („Gott ist tot“).

Bilanzierend ist festzuhalten, dass es bei der Gottesfrage einen breiten Konsens unter den meisten bekannten Philosophen gibt. Sie offenbaren eine starke Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Schöpfer, den sie annehmen. Hier trifft sich übrigens Philosophie auch mit vielen großen Naturwissenschaftlern, z.B. Albert Einstein oder Max Planck.

Weisheit der Weltreligionen

Retrospektiv lehrt die Beschäftigung von Life Coaches mit der Philosophie bis heute (Rosa 2022): Bei der Frage nach dem Sinn des Lebens brauchen wir die Religion. Es ist deshalb sinnvoll, sich mit den fünf Weltreligionen auseinanderzusetzen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Als wichtigste Gemeinsamkeit fällt ein ethischer Kern auf, mit ähnlichen Grundwerten sowie eine Bejahung des Lebens.

Dennoch dominieren bei einer genaueren Betrachtung die Unterschiede, was sich exemplarisch an der Gottesfrage zeigt. Neben den monotheistischen Transzendenzreligionen Judentum, Christentum und Islam gibt es mit dem Hinduismus und dem Buddhismus im asiatischen Raum auch Religionen, die entweder von vielen oder von keinen Göttern ausgehen. Doch auch im monotheistischen Glauben gibt es stark unterschiedliche Gottesbilder. Im Alten Testament des Judentums begegnet uns häufig ein strafender Gott. Weisheit bedeutet daher, Ehrfurcht vor Gott zu haben. Die jüdische Religion basiert auf vielen Begründern und Propheten, von Abraham über Noah bis Mose. Der bekannteste Jude ist Jesus. Anders als im Christentum gilt er jedoch im Judentum nur als einer unter vielen Propheten. Für Christen ist Jesus der Sohn Gottes und als Erlöser die Brücke zu Gott. Die christliche Ethik der Nächstenliebe, zusammengefasst in der Bergpredigt, geht nicht nur über das jüdische Prinzip von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ hinaus, sondern umfasst auch die Feindesliebe, die es so in keiner anderen Religion gibt. Im Zentrum des Christentums steht die Liebe Gottes. Im Islam dagegen ist das Verhältnis von Gott zu den Menschen eher distanziert. Der religiöse Alltag ist stark reglementiert, insbesondere mit der Pflicht, fünfmal am Tag zu beten. Die größten Unterschiede zwischen christlicher und islamischer Religion offenbaren sich jedoch in den Persönlichkeiten ihrer beiden Propheten, Jesus und Mohammed. Auch zeigen sich deutlich verschiedene Auffassungen über den Umgang mit Frauen oder Andersgläubigen sowie hinsichtlich Liebe und Hass.

Als fundamentale „Rückbindungen“ sind Religionen auch für ein erfolgreiches Life Coaching elementar. Sie bieten Menschen nicht nur in Krisenzeiten eine Art Rückgrat, sondern geben auch Antworten auf Fragen nach dem Sinn und Ziel des Lebens.

Life Coaching als Lebenskunst

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7, 20). Diese Botschaft von Jesus ist auch im Life Coaching wegweisend. Viel wichtiger als hehre Worte sind unsere Taten. Letztlich geht es darum, wie wir unsere Werte in der Praxis leben: „Walk your Talk!“

Der moderne Mensch ist heute mit einer Fülle von Angeboten und Herausforderungen konfrontiert, die ihn leicht überfordern können. In fast allen Lebensbereichen nehmen die vermeintlichen Optionen zu. Man denke beispielsweise an die Möglichkeiten, ein Studium an einer Hochschule aufzunehmen. Jährlich kommen allein in Deutschland Hunderte neuer Angebote hinzu, im Jahr 2021 waren es bereits 21.000 Studiengänge. Nicht nur im Berufsleben, auch im Privatleben scheint der Markt der Möglichkeiten immer diversifizierter zu werden. Wer früher eine Lebenspartnerin suchte, traf in Nähe des Wohnumfelds, in der Dorfkneipe, vielleicht die eine oder die andere Kandidatin. Wer heute im Internet surft, hat scheinbar jederzeit die Möglichkeit, unter Tausenden von Singles einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu finden. Das macht die Entscheidung nicht leichter.

So wächst auch das Angebot von philosophischen Lebensberatern und Life Coaches. Doch wie ist es möglich, im gefühlten Überangebot die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, um den „Wald vor lauter Bäumen“ zu kennen und sich nicht zu verlaufen? Schon beim Blick in die Literatur lassen sich Differenzen in der Seriosität von Angeboten erahnen. Hier gibt es beispielsweise populäre Bücher, die scheinbar von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Positiven Psychologie geschrieben wurden, etwa von Viktoria Lakefield1, mit Empfehlungen wie „Erzählen Sie Menschen einfach, was sie hören möchten, solche Menschen lassen sich problemlos beeinflussen.“ Alternativ gibt es aber auch Philosophen bzw. Life Coaches, wie z.B. Wilhelm Schmid, die wissenschaftlich fundierte und lebenspraktische Bücher über Themen wie Liebe, Gelassenheit, Glück, Sinn, Heimat oder über Selbstfreundschaft schreiben.

Ein guter Life Coach sollte idealerweise auch über ein wissenschaftliches Studium und eine reiche Lebenserfahrung verfügen, wobei er – und das ist wesentlich wichtiger als Methoden, Tools und Techniken – selbst eine Haltung haben sollte, um Halt geben zu können.

 Life Coaching PRAXIS

Wie kann sich Weisheit bei lebenserfahrenen Menschen artikulieren?

Einzel-Coaching: Eine jüdische Dame stand vor ihrem 70. Geburtstag. Sie konnte auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Was könnte sie ihren Kindern und Enkeln hinterlassen? Ich lud sie ein, das Buch ihres Lebens zu schreiben. So trafen wir uns ein Jahr lang einmal im Monat. Schon nach wenigen Fragen sprudelte es aus ihr heraus. Das Tonband lief mit. Nach einem Jahr hielt sie stolz ein 100-seitiges Buch in den Händen, dem sie den Titel Mut zur Veränderung gegeben hatte. Mit diesem Geschenk überraschte sie an ihrem runden Geburtstag ihre Nachkommen, aber das größte Geschenk machte sie damit sich selbst: „Ich fühle mich so erleichtert, denn mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

Einzel-Coaching: Kurz vor seinem 75. Geburtstag, der zugleich sein 50. Hochzeitstag war, entschloss sich ein Mann, im Coaching das Buch seines Lebens zu schreiben. Auch in diesem Fall trafen wir uns ein Jahr lang einmal im Monat, und anschließend hielt auch er ein Buch in den Händen, dem er den Titel Der Weg ist das Ziel gegeben hatte. Auf 150 Seiten fanden sich seine vielen Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die er als friedensbewegter und engagierter Arzt sein Leben lang gesammelt hatte. Im Vorwort formulierte er eine Bitte an die Nachwelt: „Beschäftigt Euch mit den großen Fragen des Lebens und haltet mal inne, um zu fragen: Was ist im Leben wirklich wichtig?“

Einzel-Coaching: Ein Mann kam ein Jahr vor seinem 60. Geburtstag zum Coaching, weil er im Versuch, ein Studium zu vollenden, kurz vor dem Examen gescheitert war. Nun suchte er nach einem grundlegenden Neuanfang. Was war ihm wirklich wichtig? Zuerst verließ er seine negativ besetzte Wahlheimat, um in die Heimat seiner Kindheit zurückzukehren. Hier traf er alte Freunde und pflegte seine Mutter bis zu ihrem Tod. Schließlich entdeckte auch er sein Potenzial als Autor und schrieb einen Liebesroman.

Fazit: Auch im Alter kann Life Coaching sehr wertvoll sein, um Weisheit zu erleben.

Einladung zur Reflexion

Was ist deine Lebensweisheit? Kannst du sie in wenige Worte fassen?

1.2 Psychologische Perspektiven: Mentale Stärke

„Nur ein Mensch kann wissen, ob das, was ich mache, offen, ehrlich und gesund ist, und dieser Mensch bin ich.“

(Carl Rogers)

Die Psychologie ist, nach der Philosophie, eine zweite „Schwester“ im Life Coaching.

Gegenstand der Psychologie ist die „Lehre von der Seele“, aber die moderne Psychologie will von der Seele nichts mehr wissen. Wie kam es dazu? Dieser Frage werden wir zum Auftakt dieses Kapitels nachgehen. Womit beschäftigt sich die Psychologie heute? Was ist ihr wissenschaftlicher Auftrag? Und welche weiteren Fragen ergeben sich daraus?

Psychotherapie gehört zu den „höchsten“ Zielen der Psychologie. Letztlich geht es um Fragen der „Heilung“ – ein Aspekt, der auch im Life Coaching mitschwingen kann.

Eine weitere Schlüsselfrage beschäftigt sich mit der Entwicklung der Persönlichkeit. Welche grundlegenden Themen und hilfreichen Theorien sind hierbei zu beachten?

Im Gegensatz zu unserer Umwelt, die wir meistens nur bedingt verändern können, haben wir viele Möglichkeiten, an uns selbst zu arbeiten. Was ist dabei wichtig?

In der Geschichte der Psychologie gibt es einige klassische Experimente, die die Art und Weise verändert haben, wie wir Menschen wahrnehmen. Einige der spannendsten Beispiele, insbesondere aus der Sozialpsychologie, wollen wir in Erinnerung rufen.

Neben unserer normalen biologisch geprägten Entwicklung gibt es einige Ereignisse, welche die Psychologie als „kritisch“ bezeichnet, auch weil sie viel Stress auslösen. Sind sie nur negativ oder bieten sie eventuell auch positive Entwicklungschancen?

Schließlich geht es im Life Coaching auch um die Entwicklung mentaler Stärke. Was heißt das genau und in welchen Situationen wird sie besonders wirksam?

Die Lehre von der Seele

Der Glaube an die Seele ist so alt wie die Menschheit – und auch heute noch wird er von vielen Menschen auf der Welt geteilt. Auch die Psychologie trägt den Begriff der Seele in ihrem Namen. Friedrich Albert Lange (1866) spricht in seiner Geschichte des Materialismus von einer „Psychologie ohne Seele“, also von einer seelenlosen Wissenschaft. Ist das vielleicht heute das größtes Problem der Psychologie?

Für die Menschen in der Antike war die Seele eine Tatsache. In der griechischen Mythologie war Psyche sogar eine Göttin und zugleich die Geliebte von Amor, dem Gott der Liebe. So gesehen ist die Psychologie die Wissenschaft von der Liebe. Ebenfalls in der Romantik, etwa vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, kam der Seele eine sehr positive Bedeutung zu. Sie verkörperte einen immensen Gefühlsreichtum und die Einheit mit der Natur. Das lässt sich z.B. in Eichendorffs Gedicht Mondnacht (1837) erkennen, das mit den Worten schließt: „Und meine Seele spannte ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.“

Von der Antike über das Mittelalter bis zum Humanismus galt die Seele grundsätzlich als unsterblich, und auch heute gilt das noch in vielen Religionen. Doch mit der Aufklärung und dem Beginn der modernen Naturwissenschaften wurde sie zu einer Störvariablen, nach dem Motto: „Was wir nicht sehen können, gibt es nicht.“ Diese Vorstellung dominiert bis heute an den Hochschulen, wo Psychologie für Studierende zu einer Frage der Statistik mutiert, die sich für den Menschen als Mittelwert interessiert.

Die moderne Psychologie wird definiert als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten, das sie vor allem beschreiben, erklären, kontrollieren, vorhersagen und verändern will. Hierbei handelt es sich um ein stark westlich geprägtes Verständnis von Wissenschaft. In anderen Kulturen spielt der Aspekt des Verstehens die wichtigste Rolle. Tatsächlich ging mit dem Verlust der Seele ein tieferes Verstehen des Menschen verloren, welches es wiederzuentdecken gilt. Und für viele Studierende ist die Seele immer noch präsent, wie eigene Umfragen offenbaren. Die vielfältigen Antworten auf die Frage, was die „Seele“ sei, reichen von „eine CD, auf der alles gespeichert ist“ über „was keiner sieht, jeder hat und ohne das er nicht existieren kann“ bis zum „Teil des Göttlichen“ (Sohr 2006).

Psychologie und Therapie

Wie wir bereits am Beispiel der Philosophie sehen konnten, hängt der „Marktwert“ jeder Wissenschaft davon ab, ob ein Bedarf wahrgenommen wird. Und der Bedarf an einer Disziplin unterliegt offensichtlich auch historischen Schwankungen.

Die erste Diplom-Prüfungsordnung für Psychologie entstand 1941, damals noch mit dem Fach „Völkerpsychologie“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Elend allseits sehr groß, nicht nur Häuser lagen in Trümmern, auch Menschen waren tief geschädigt. So verwundert es nicht, dass die Klinische Psychologie, die sich mit den „Störungen“ des Menschen befasst, zur vorherrschenden Anwendungsdisziplin wurde – auch mit einem hohen Bedarf an wissenschaftlichen Fachleuten.

Zu stark erforschten Gegenständen der Klinischen Psychologie gehören Themen wie Ängste, Depressionen, Süchte, Suizid und Traumata. Aus Life-Coaching-Perspektive besteht die Gefahr, dass Menschen in Schubladen gepackt und pathologisiert werden. So kann jemand wie Donald Trump sogar amerikanischer Präsident werden, obwohl er nach Ansicht vieler Psychiater krank und gemeingefährlich ist. Und es gibt Menschen wie die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Mit ihrer Autismus-Diagnose gilt sie klinisch gesehen als krank, obwohl sie sich wie kaum ein anderer für den Erhalt der Erde engagiert. All diese Themen sind auch Gegenstände der Psychotherapie, wo sie – je nach Schule – unterschiedlich behandelt werden. Zu den bekanntesten Therapieansätzen gehören die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die Gesprächspsychotherapie, denen jeweils unterschiedliche Menschenbilder zugrunde liegen (mehr dazu in Kapitel 3).

Aus Life-Coaching-Perspektive ist die Frage besonders spannend, wovon es abhängt, ob Psychotherapie hilfreich ist. Klaus Grawe (2000) entdeckte die folgenden fünf Wirkfaktoren:

therapeutische Beziehung,

Problemaktualisierung,

motivationale Klärung,

Ressourcenaktivierung,

Problembewältigung.

All diese Komponenten sind unter guten Bedingungen auch im Coaching realisierbar.

Persönlichkeitsentwicklung

Die Entwicklung von Persönlichkeiten ist eines der wichtigsten Ziele unseres Bildungssystems. Ein gutes Life Coaching lädt dazu ein, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Persönlichkeits- und Entwicklungspsychologie gehören zu den wichtigsten Grundlagendisziplinen der Psychologie. Die Persönlichkeitspsychologie erforscht die interindividuellen Unterschiede, also die Frage, wie sich zwei Menschen in einer Eigenschaft unterscheiden. Die Entwicklungspsychologie interessiert sich für die intraindividuellen Unterschiede, also für die Frage, wie sich ein Mensch im Lauf des Lebens verändert.

Persönlichkeitsmodelle gibt es seit der Antike, wo man von vier Persönlichkeitstypen ausging: cholerisch, melancholisch, phlegmatisch und sanguinisch. Teilweise spiegeln sich diese Grundtypen auch heute noch indirekt in modernen Modellen der Persönlichkeitspsychologie wider, etwa im „BIG-5“-Ansatz, der von fünf zentralen Eigenschaften ausgeht: Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Offenheit für Erfahrungen. Humanistische Ansätze hingegen stehen der Idee solcher Zuschreibungen eher kritisch gegenüber. So betont z.B. Gordon Allport mit seinem ideographischen Ansatz die Einzigartigkeit jedes Individuums.

In der Entwicklungspsychologie gibt es Theorien, um den menschlichen Lebenslauf zu beschreiben. Bei Freud z.B. sind es fünf Phasen der Entwicklung im Kindes- und Jugendalter: oral, anal, phallisch, Latenz und genital. Erikson geht von acht Phasen aus und bezieht auch Entwicklungen im Erwachsenenleben mit ein (von der Entwicklung des Urvertrauens in der frühen Kindheit über die Identitätsentwicklung in der Jugend bis zur Entwicklung von Integrität und Weisheit im Alter). Kohlberg, der sich mit der Moralentwicklung beschäftigt hat, identifizierte sechs Stufen. Allerdings erreichen nur wenige Menschen die höchste Stufe.

Moderne Entwicklungspsychologen wie Baltes (1990) gehen von einer lebenslangen Persönlichkeitsentwicklung aus – passend zur Weisheit des türkischen Sprichworts: „Egal, an welchem Punkt eines Irrwegs du umkehrst, es ist immer ein Gewinn.“

Die Psychologie des Selbst

Wie wichtig unser Selbstverständnis ist, hat Rogers (1973) eindrucksvoll in seinem Buch Entwicklung der Persönlichkeit beschrieben. Allerdings hat der Begriff des „Selbst“ viele verwandte Komponenten. Um die Zusammenhänge zu verstehen ist es deshalb hilfreich, die verschiedenen Dimensionen zu erkennen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer kognitiven und einer emotionalen Komponente. Die kognitive Komponente symbolisiert das Selbstkonzept, das unser Wissen über uns beschreibt. Die emotionale Komponente ist das Selbstwertgefühl, was die subjektive Bewertung unserer Persönlichkeit umfasst. Die beiden Komponenten enthalten weitere Haltungen, die unser Handeln beeinflussen (vgl. Mogritz 2022):

Die Selbstwirksamkeit als kognitive Komponente spiegelt unsere Erwartung, dass wir bestimmte Handlungen erfolgreich ausführen können.

Das Selbstbewusstsein hat sowohl eine kognitive (sich seiner selbst bewusst sein) als auch eine emotionale Komponente (als eine bewertete Ausprägung im Sinn von Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten).

Das Selbstwertgefühl als emotionale Komponente lässt uns glauben, dass wir liebenswert sind und als Mensch einen Wert an sich haben.

Die Selbstachtung als emotionale Komponente meint die Achtung vor uns selbst bzw. das Gefühl für die eigene menschliche Würde.

Das Selbstmitgefühl als emotionale Komponente ist ein jüngeres Konzept (vgl. Kap. 3 zur Positiven Psychologie), das Freundlichkeit gegenüber uns selbst beschreibt.

So setzt sich unser Selbstverständnis aus grundlegenden Glaubenssätzen zusammen, also aus tief verankerten Annahmen über uns selbst und die Welt um uns herum. Oft bilden sie sich schon in unserer Kindheit heraus und verstärken sich im Lauf des Lebens. Sind wir in der Lage, sie zu erkennen, können wir auch versuchen, negative in positive Affirmationen zu transformieren, um von einem „Fixed Mindset“ zu einem „Growth Mindset“ zu kommen (z.B. „Ich bin lernfähig“ statt „Ich kann das nicht“). Dennoch gibt es für Entwicklungspotenziale natürlich auch individuelle Grenzen.

Grundlegende Experimente

Die Sozialpsychologie ist eine weitere wichtige Grundlagendisziplin, die sich mit unserem Erleben und Verhalten in Gegenwart anderer Menschen beschäftigt. Hierzu gab es einige aufschlussreiche Experimente, von denen ich nachfolgend eine kleine Auswahl präsentiere, die nachdenklich stimmen mag:

1956 ging Solomon Asch in seinem Experiment der Frage nach, welchen Einfluss die Gruppe auf das Individuum ausübt. Nachdem sechs Personen die offensichtliche Länge von Linien bewusst falsch eingeschätzt hatten, sollten die Versuchspersonen eine Einschätzung abgeben. Nur ein Viertel ließ sich von den falschen Angaben nicht beeindrucken und schätzte die Linien fehlerfrei ein.

1963 untersuchte Stanley Milgram in seinem Experiment, wie sich Menschen unter Autoritätsdruck verhalten. In seiner international vielfach replizierten Studie erteilten zwei Drittel der Versuchspersonen (in Deutschland 85 %!) in der Lehrerrolle ihren vermeintlichen Schülern auf Anweisung eines mit weißem Kittel bekleideten Versuchsleiters (in der Realität absolut tödliche) Elektroschocks von 450 Volt.

1971 führte Philipp Zimbardo ein Experiment durch, bei dem sich Teilnehmer in der Rolle als Gefängniswärter absolut menschenverachtend gegenüber den Insassen verhielten. Das Experiment musste vorzeitig abgebrochen werden.

1993 suchte Eva Fogelman nach Persönlichkeitsmerkmalen und Motiven von Menschen, die während des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens aktiv an der Rettung von Juden beteiligt waren. Unter den Rettern waren vor allem Menschen mit einem lebendigen Gewissen und einem Kern an Werten, die bereits in der Kindheit vermittelt wurden. Rückblickend nannten manche Retter ihr Engagement „die beste Erfahrung meines Lebens“.

Bilanzierend zeigen die Experimente: Unter Konformitäts- und Autoritätsdruck ist die Mehrheit der Menschen manipulierbar. Zugleich ist das Verhalten nicht deterministisch, denn in allen Experimenten offenbart sich eine Minderheit, die den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen, um den eigenen Werten treu zu bleiben.

Stressige Lebensereignisse

Im digitalen Zeitalter nimmt Stress immer mehr zu. Die Weltgesundheitsorganisation spricht gar von einem der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts. Den Begriff „Stress“ prägte 1936 der kanadisch-österreichische Arzt Hans Selye mit einem bio-medizinischen Modell. Er verstand Stress als eine Anforderung an den Organismus, die bei allen Menschen gleich wirke. In seinem psycho-sozialen Modell konnte der amerikanische Psychologe Richard Lazarus jedoch 1974 nachweisen, dass es signifikante individuelle Unterschiede in der Bewältigung von Stress gibt. Generell erweist es sich als hilfreich, Stress nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung wahrzunehmen. So gibt es in der Regel zwei Wege, mit dem Stress umzugehen: Den Stressor möglichst direkt angehen (= problemorientiertes Coping) oder eine andere Haltung einnehmen (= emotionsorientiertes Coping). Wer z.B. Angst vor einer Prüfung hat, kann die Prüfung absagen (problemorientiertes Coping), mehr lernen (problemorientiertes Coping) oder die Prüfung positiver sehen (emotionsorientiertes Coping).

Ein diagnostisches Instrument der Stressforschung ist die Student Stress Scale von Zimbardo (2004), die das Stresspotenzial kritischer Lebensereignisse auf einer Skala von 0 bis 100 angibt. Nachfolgend einige Beispiele von starken Stressoren:

100 Tod eines engen Familienmitglieds

65 Scheidung der Eltern

63 Krankheit

58 Hochzeit

50 Kündigung

Das stressreichste Ereignis im Leben eines Menschen ist der Tod eines nahestehenden Menschen, gefolgt von Scheidung und Krankheit. Spannend ist, dass sogar Ereignisse, welche die meisten Menschen als positiv einschätzen, viel Stress auslösen können (wie z.B. eine Hochzeit). Erfahrungen im Life Coaching zeigen, dass Krisen auch Chancen zur Weiterentwicklung sein können, etwa im Sinne eines posttraumatischen Wachstums. In Luft auflösen lässt sich Stress allerdings nicht.

Mentale Stärke in Prüfungen

Was ist mentale Stärke? Das Ergebnis individueller Überzeugungen und Einstellungen, die dazu führen, dass wir Herausforderungen erfolgreich meistern. Nicht nur im Sport ist mentale Stärke häufig entscheidend für den Ausgang eines Wettkampfs, sondern sie kommt auch in vielen anderen Situationen unseres Lebens zum Tragen, z.B. in Prüfungen. Unser Leben ist voll von Prüfungen, ohne dass uns das immer so bewusst ist, z.B. in Gesundheits- und Beziehungsfragen. Wir verstehen Prüfungen meist im engeren Sinne, vor allem als Qualifikationsprüfungen, z.B. in beruflichen Zusammenhängen. Doch auch von dieser Art von Prüfungen gibt es im Lauf des Lebens relativ viele zu bestehen, sei es in Schule, Ausbildung, Studium oder Bewerbung. Und erfahrungsgemäß hat die Art und Weise, wie wir uns auf eine Prüfung vorbereiten meist einen bedeutsamen Einfluss auf das Ergebnis. Deshalb überrascht es sehr, dass es nur wenige Bücher zum Thema Prüfungs-Coaching gibt – und die wenigen, die es gibt, kommen eher angststeigernd daher.

Ein Beispiel: Auf dem Cover von Beat it! Der Prüfungscoach für Studium und Karriere2 findet sich ein Männchen mit Boxhandschuhen, das einem sehr gefährlichen Drachen die Zähne ausschlägt. Prüfer werden im Buch dämonisiert, und am Ende fragen die Autoren, ob die Angst vor den Prüfungsdrachen irgendwann verschwindet. Eine versöhnliche Antwort bleibt Fehlanzeige: „Besser sie rechnen nicht damit. Drachen können immer beißen.“ Auch andere Bücher tragen traurige Titel wie z.B. Blackout, Bauchweh und kein Bock3.

Auf der Grundlage der Positiven Psychologie und meiner jahrzehntelangen Erfahrungen als Prüfer und Prüfling habe ich ein POWER-Modell in fünf Schritten entwickelt:

P – Passion (Visualisierung einer Zielvision mit Leidenschaft)

O – Overview (Antizipation der Vorbereitung mit Trainingsplan)

W – Work (die Vorbereitung endet einige Tage vor der Prüfung)

E – Energy (fokussierte Antizipation der Prüfung mit Vorfreude)

R – Reflect (Rückschau, Regeneration und Rituale des Feierns)

Das Modell hat sich in meiner Coaching-Praxis als sehr erfolgreich erwiesen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

 Life Coaching PRAXIS

Was kann ein Prüfungs-Coaching bewirken?

Einzel-Coaching: Ein junger Mann, Mitte 20, kam mit großer Angst vor den mündlichen Examensprüfungen in die Praxis; sie sollten in wenigen Wochen stattfinden. Mit schriftlichen Prüfungen hatte er keine Probleme, doch allein die Vorstellung, vor dem Prüfer frei zu sprechen, führte zu Schweißausbrüchen. Im Coaching simulierten wir alle möglichen Interaktionen, und ich spielte den Prüfer. Der schüchterne Mann bestand schließlich alle Prüfungen mit Bestnote und schloss sein Studium erfolgreich ab.

Einzel-Coaching: Ein anderer junger Mann, Anfang 20, stand vor der finalen Prüfung seiner Ausbildung. Auch er machte einen intellektuell fähigen Eindruck, litt jedoch nach eigener Aussage an „Panikattacken und Albträumen“. Da diese jedoch zum Zeitpunkt des Kennenlernens nur einmal aufgetreten waren, fokussierten wir uns auf die inhaltliche Vorbereitung. Er formulierte ein mutiges Ziel: „Ich möchte nicht nur bestehen, sondern der Beste sein!“ Tatsächlich wurde er Jahrgangsbester und von seinem Arbeitgeber erhielt er, neben einem Arbeitsvertrag, eine Prämie als Belohnung.

Einzel-Coaching: Ein mittelalter Mann – von Beruf „Vorarbeiter“ – kam in meine Praxis. Er war schon zweimal durch eine Weiterbildungsprüfung gefallen. Seine Freundin beschimpfte ihn als „Versager“. Sie hatte auch keinerlei Verständnis, wenn er sich mit seiner Prüfung statt mit ihr beschäftigte. Im Coaching beschloss er als Erstes, sich von ihr zu trennen. Danach ging es ihm besser. Ein Jahr lang bereiteten wir uns auf die Prüfung vor, die er bestand. Bei den gescheiterten Anläufen hatte er in allen Disziplinen nur 10–30 % erzielt, jetzt waren es knapp über 50 %. „Ich könnte schreien vor Glück!“, schrieb er mir in einer Mail. Inzwischen ist er auch glücklich verheiratet.

Fazit: Allen Beispielen ist gemeinsam, dass die Vorbereitungen auf die Prüfungen in einer konzentrierten, doch lustvollen Atmosphäre stattfanden – in der freudigen Erwartung, nach dem Bestehen zu feiern. Positive Psychologie ist für Prüfungen hilfreich.

Einladung zur Reflexion