Leben mit Jagdhund - Ines Scheuer-Dinger - E-Book

Leben mit Jagdhund E-Book

Ines Scheuer-Dinger

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Beschreibung

Jagdhunde haben aufgrund ihrer Selektionsgeschichte Eigenschaften und Bedürfnisse, die sie in mancher Hinsicht von anderen Hundetypen unterscheiden. Im Alltag als Familienhund ist es nicht immer einfach, diese Bedürfnisse mit unserer Umwelt unter einen Hut zu bekommen. Nicht selten sind Probleme im täglichen Umgang, aber auch beim Training, vorprogrammiert und Mensch und Hund sind gleichermaßen frustriert. Wer mit einem Jagdhund entspannt den Alltag meistern möchte, muss ihn verstehen und für eine gute und stabile Bindung und Beziehung sorgen. Diese ist auch die Basis für Erfolg im Hundesport oder auf der Jagd. In diesem Praxishandbuch erfahren Jagdhundehalter und solche, die es werden wollen, was sie im Zusammenleben mit einem solchen Hund beachten müssen und wie man mit freundlichen und fairen Methoden das Jagdverhalten in erwünschte Bahnen lenken kann. Außerdem wird erklärt was Jagdhunde im jagdlichen Einsatz leisten müssen und welche Möglichkeiten es gibt, einen Hund für den jagdlichen Einsatz auszubilden. Das hilft auch denjenigen, die keine jagdliche Ausbildung anstreben, das Verhalten ihres Hundes besser zu verstehen und einzuordnen. Das Buch wird vom BHV empfohlen.

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Seitenzahl: 175

Veröffentlichungsjahr: 2018

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(Foto: Kilian Reil)

Ines Scheuer-Dinger

Leben MITJAGDHUND

Praxishandbuch füreinentspanntesMiteinander

Haftungsausschluss:

Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

IMPRESSUM

Copyright © 2018 Cadmos Verlag GmbH, München

Titelgestaltung und Layout: ravenstein2.de

Satz: Pinkhouse Design, Wien

Coverfoto: Kilian Reil

Fotos im Innenteil: Kilian Reil, Ines Scheuer-Dinger

Zeichnungen: Kim McMahon

Lektorat: Maren Müller

Druck: Graspo CZ, a.s., Zlín, Tschechische Republik

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

Printed in Czech Republic

ISBN: 978-3-8404-2525-7eISBN: 978-3-8404-6458-4

INHALT

Vorwort

So arbeiten Sie mit diesem Buch

Jagdverhalten

Seeking und Jagdtrieb

Mythen über das Jagdverhalten

Jagdhundetypen

Grundlagen für eine gute Partnerschaft

Wald und Flur aus Sicht des Hundes

Faires und freundliches Training

Motivation und Belohnung – mehr als ein Keks

Das Markersignal

Training am Jagdverhalten

Die geeignete Ausrüstung

Schritt 1 – Zufriedener Jagdhund – erfolgreiches Training

Schritt 2 – Gemeinsam auf der Pirsch – Stehen am Auslöser

Schritt 3 – Der sichere Rückruf

Weitere Signale und Helferlein

Bedürfnisgerechte Beschäftigung

Jagdliche Führung

Jagdschein nur um des Hundes willen?

Die wichtigsten Zusatzfähigkeiten des Jagdhundes

Einige Worte zum Schluss

Stichwortregister

(Foto: Kilian Reil)

Leben mit Jagdhund

(Foto: Kilian Reil)

Vorwort

Dieses Buch richtet sich an Jagdhundehalter, die (wieder) Freude an ihrem Hund haben oder ihre Bindung und Beziehung zu ihm verbessern möchten. Es spielt dabei keine Rolle, ob Ihr Hund aus dem Tierschutz kommt oder als Welpe bei Ihnen einzieht. Sie erfahren, wie Sie mit ihm als Familienmitglied glücklich werden können, und falls Sie Jagdscheininhaber sind und mehr als nur einen bedingungslos funktionierenden Gebrauchshund haben möchten, erhalten Sie hier außerdem einen Einblick, wie der Weg zu einem zuverlässigen und entspannten Gefährten im Alltag und auf der Jagd aussehen kann.

Ich möchte Ihnen Mut machen, sich näher mit dem Jagdverhalten auseinanderzusetzen und Lösungen und Wege gemeinsam mit Ihrem Hund statt gegen ihn zu erarbeiten. Die Arbeit auf Basis dieses Ratgebers wird nicht dazu führen, dass Ihr Hund Hasen oder Rehe weniger interessant findet, plötzlich kein unerwünschtes Jagdverhalten mehr zeigt und das Zusammenleben mit ihm durchweg problemlos verläuft. Mein Ziel ist es vielmehr, dass Sie ein Gefühl für die Bedürfnisse Ihres Jagdhundes bekommen, denn so wird das Miteinander ganz sicher entspannter. Sie finden hier also Anregungen und Tipps, wie erfolgreiches, tiergerechtes Training aussehen kann und worauf Sie im Alltag mit einem Jagdhund besonders achten sollten.

Das Leben mit Jagdhund kann anstrengend sein, wenn dessen Bedürfnisse speziell sind und/oder er diese in seiner Umwelt nur schwer ausleben kann.

Das Training am Jagdverhalten kann mühevoll sein, denn gerade jagdliche Reize lassen sich oft schlecht kontrollieren. Jagdhunde sind darauf selektiert, schnell und impulsiv zu reagieren. Zudem haben sie meist das Bedürfnis nach viel (uneingeschränkter) Bewegung. Wir sind es unserem Hund schuldig, ihn so zu trainieren, dass es allen Parteien – dem Hund, dem Halter und der Umwelt, also den Mitmenschen und den Wildtieren, gut geht.

Wenn Sie Ihren Jagdhund nicht jagdlich führen, muss Ihnen bewusst sein, dass eine bedürfnisorientierte Haltung je nachdem, wo Sie wohnen, aufwendig sein kann. Ihr Hund hat spezielle Talente, die jahrhundertelang gefördert und verbessert wurden. Sie können einen Jagdhund in den meisten Fällen nicht allein damit glücklich machen, dass Sie mit ihm zweimal täglich eine halbstündige Runde im Park drehen. Er ist auch nicht dafür gemacht, in der Fußgängerzone zu flanieren oder Sie ins Restaurant zu begleiten. Selbstverständlich können Sie ihm das alles mithilfe von durchdachtem Training beibringen, doch als Basis benötigt er in erster Linie die Möglichkeit, seine Bedürfnisse auszuleben. Nur wenn Sie die Haltung Ihres Jagdhundes als reinen Familienhund sein Leben lang als verantwortungsvolle Aufgabe annehmen und immer wieder dafür sorgen, dass er seine Talente und Fertigkeiten unter Beweis stellen kann, ohne in Konflikt mit der Umwelt zu kommen, werden Sie sich auch ohne Jagdschein über einen entspannten und glücklichen Begleiter freuen dürfen.

EIN KURZER DANK VORWEG

Ein Buchprojekt startet immer als zartes Pflänzchen. Damit es wachsen kann, braucht es einen guten Nährboden. Dieser Boden besteht zum einen aus dem, was mir meine eigenen Hunde täglich sehr charmant beibringen und beigebracht haben, und zum anderen aus dem Wissen, das ich mir im Rahmen meiner Ausbildungen, z. B. bei Dr. Ute Blaschke-Berthold und Sheila Harper, aneignen durfte. Dafür bin ich sehr dankbar. Gedüngt wird alles durch den Austausch mit meinen lieben Kolleginnen des CumCane®-Netzwerks; hier danke ich vor allem Heike Benzing und Anja Fiedler. Ein ganz besonderes Dankeschön geht an Esther Follmann, die mir bei Zweifeln und Fragen immer wieder liebevoll mit Rat, Tat und unglaublich viel Fachwissen zu Seite steht.

(Foto: Kilian Reil)

SO ARBEITEN SIE MIT DIESEM BUCH

Beim Thema Jagdverhalten und Jagdhundehaltung sind viele Hundehalter verunsichert und demotiviert. Bei Hundetreffs hört man immer wieder: „Wenn dein Hund einen starken Jagdtrieb hat, kannst du nichts machen“, oder: „Na ja, das ist ein XY-Jagdhund, da hilft nur ein Stromhalsband“, oder: „Wenn der in Spanien beim Jäger Erfolg hatte, dann kannst du da eh nichts mehr erreichen.“ Auch unter Jägern gibt es solche Aussagen, die wenig Hoffnung machen, etwa: „Wenn der einmal anschneidet (Wild anfrisst), ist er zu nichts mehr zu gebrauchen.“

Solche Aussagen führen oft dazu, dass ein Hund keine Chance mehr auf Freilauf oder ein bedürfnisorientiertes Leben erhält. Dabei ist jeder Hund anders und längst nicht alle haben ihre Rassebeschreibung gelesen … Zudem haben sie bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam: Hunde können immer lernen! Sie können ihr Verhalten ein Leben lang anpassen! Es liegt also an uns und den Lern- und Lebensbedingungen, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt. Wir als Trainer unserer Hunde müssen auf die richtigen Bedingungen achten und wissen, wie Hunde lernen.

Wer sein Training mit der Einstellung beginnt, dass sich das unerwünschte (Jagd-) Verhalten des Hundes wohl kaum ändern lässt, wird tatsächlich nur schwer Erfolge erzielen. Voraussetzung ist also, dass Sie an sich und Ihren Hund glauben. Ich habe schon viele Teams betreut, die anfangs bezweifelt haben, dass ihr Hund jemals entspannt mit ihnen durch den Wald laufen, geschweige denn abrufbar sein würde. Und ich kenne auch Hunde von Jägern, die beim Schuss panisch wurden und bei denen niemand glaubte, dass sie jemals wieder mit auf eine Gesellschaftsjagd gehen würden. Dank gut aufgebautem und fleißigem Training haben diese Hunde ihre Menschen eines Besseren belehrt. Falls das Verhalten Ihres Hundes für Sie ein Problem ist, sollten Sie ihm die Chance geben, es zu ändern.

Wenn ich etwas Neues lese und davon überzeugt bin, möchte ich oft am liebsten gleich alles ausprobieren. Sollte das bei Ihnen auch so sein, dann nutzen Sie diese Motivation unbedingt, um loszulegen. Doch am besten starten Sie ohne Hund: Schreiben Sie einen Trainingsplan oder sammeln Sie Belohnungsmöglichkeiten. Tappen Sie nicht in die Falle zu versuchen, direkt all die verschiedenen Dinge mit Ihrem Hund zu trainieren. Man ist sonst ein paar Tage voll dabei und wundert sich dann, warum der Hund nicht versteht, was er tun soll.

Wenn Sie das Verhalten Ihres Hundes ändern möchten, gehen Sie es langsam und geplant an. Bedenken Sie, dass wir Menschen erst mal Zeit brauchen, um alte Gewohnheiten abzustellen oder Neues zu lernen. Wenn Sie bisher noch kein Markersignal verwenden (siehe entsprechendes Kapitel), sollten Sie sich mindestens ein bis zwei Wochen Zeit nehmen, ein solches in Ihren Alltag zu integrieren. Anfangs wird die Umsetzung der neuen Trainingstechnik holprig, unsicher und ungenau sein. Meistens versteht der Hund dann nicht, was Sie von ihm wollen, und es kann ihn auch verwirren oder verunsichern. Haben Sie also nicht nur mit Ihrem Hund Geduld, sondern auch mit sich selbst. Erst wenn Sie nicht mehr über die Verwendung des Markersignals und den Einsatz einer passenden Belohnung nachdenken müssen, können Sie sich ans eigentliche Training wagen.

Wichtig für den Trainingserfolg ist, dass Sie nicht zu viel auf einmal anstreben. Wenn Sie effektiv an der Kontrolle des Jagdverhaltens arbeiten möchten, sollten sie sich einige Zeit nur auf das Projekt „Sicherer Freilauf“ konzentrieren. Würden Sie sich gleichzeitig auf eine Prüfung vorbereiten und vielleicht noch weitere „Baustellen“ bearbeiten, würden Sie zum einen viele Belohnungen für unterschiedliche Dinge „verbraten“ und zum anderen den Hund womöglich überfordern. Kleine Schritte führen letztendlich schneller zum Ziel und erhalten die Motivation. Üben Sie Neues daher so lange, bis es Ihren Ansprüchen genügt, und gehen Sie erst dann zum Nächsten über. Nur wenn Sie motiviert bei der Sache bleiben, Ihr Handeln immer wieder überprüfen, Stolperfallen eliminieren, die Übung sehr häufig wiederholen und sie unter steigender Ablenkung gut generalisieren, wird Ihr Hund Sie mit einem zuverlässigen Verhalten belohnen.

Sollte es Ihnen schwerfallen, über längere Zeit motiviert zu trainieren, lassen Sie sich von einem kompetenten Trainer unterstützen. Überlegen Sie außerdem, wie Sie sich selbst fürs Training mit Ihrem Hund belohnen könnten und was Ihnen sonst noch hilft, am Ball zu bleiben. Sie könnten z. B. Ihr Training dokumentieren. So können Sie später vergleichen und sich vor Augen führen, was Sie schon geschafft haben. Oft ist es auch eine gute Idee, gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin zu trainieren, der/die dasselbe Problem hat. Und vergessen Sie nicht: Was ist schon ein halbes Jahr Training gegen ein Hundeleben lang entspannte Spaziergänge und eine zufrieden schnarchende Jagdhundenase?!

Verhalten Sie sich im Wald rücksichtsvoll und behalten Sie Ihren Hund lieber einmal zu viel als einmal zu wenig an der Leine. (Foto: Kilian Reil)

Bevor Sie mit dem eigentlichen Training beginnen, ist ein wenig Detektivarbeit gefragt. Denn nur wenn die Lernbedinungen gut sind, die Bedürfnisse des Hundes bestmöglich erfüllt sind und er wenig Stress und Frust hat, können die Übungen und das Training greifen.

Wenn Sie Ihren Hund nicht jagdlich führen, aber am Jagdverhalten arbeiten möchten, bedenken Sie bei allem, was Sie draußen mit Ihrem Hund tun, dass Sie im Wohnzimmer von Hase, Reh und Co. zu Gast sind! Versuchen Sie deswegen, das Wild so wenig wie möglich zu stören, bleiben Sie auf den Wegen und vermeiden Sie es, Ihren Hund in der Dämmerung frei laufen zu lassen (zu dieser Zeit ist das Wild am aktivsten). Bereits das Aufsuchen und Nachstellen von Wild erfüllt den Tatbestand der Wilderei. Überprüfen Sie deshalb, bevor Sie eine der hier beschriebenen Übungen machen, ob Sie hierbei das Wild beunruhigen oder stören könnten. Wenn Sie Ihren Hund immer genau beobachten, merken Sie schnell, wo Wildtiere wohnen. Falls Sie sich nicht sicher sind, nehmen Sie Kontakt zum Jagdpächter in Ihrem Gassigebiet auf und informieren Sie sich darüber, wie Sie sich am wildfreundlichsten verhalten können. Fast jeder Jagdpächter freut sich, wenn Hundehalter das Gespräch suchen und mit ihrem Hund trainieren wollen.

Unterwegs in Wald und Feld – Hinweise für Hundehalter

Verhalten in der Brut- und Setzzeit:

Als Hundehaltern sollte uns immer bewusst sein, dass wir uns im „Wohnzimmer“ von Hase, Reh, Wildschwein und Co. befinden, wenn wir mit unserem Vierbeiner in Wald und Feld unterwegs sind. Die Wildtiere können sich allein durch unsere Anwesenheit gestört fühlen. Dementsprechend umsichtig sollten wir uns verhalten, vor allem in der Brut- und Setzzeit.

Von März bis Mitte Juli sind die Tiere in Wald und Feld mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt und besonders empfindlich. Auch wenn der Hund nicht jagt oder sehr gut kontrollierbar ist, kann allein seine Anwesenheit die Elterntiere von ihren Jungen oder Gelegen vertreiben. Diese werden dann nicht mehr ausreichend versorgt oder kühlen aus. Rehe legen ihre Kitze oft ungeschützt in der Wiese oder im Wald ab und äsen an anderen Stellen, ebenso liegen junge Hasen schutzlos herum. Jungtiere drücken sich gut und geben wenig Witterung ab, trotzdem kann es vorkommen, dass der Hund sie stört oder findet. Bitte fassen Sie die Jungtiere keinesfalls an! Vorsicht ist auch an Uferrändern geboten. Dort trifft man nicht selten auf Entenküken, die leichte Beute für den Hund sind. Gerade wenn Ihr Hund an den warmen Tagen gern schwimmen geht, sollten Sie sich daher von Schilf fern halten. Auch Biber, die in unseren Breiten wieder häufiger werden, sind nicht besonders erfreut über die Anwesenheit eines Hundes. Sie sind sehr wehrhaft und verteidigen ihre Jungen auch im Wasser.

In einigen Bundesländern herrscht deshalb in der Brut- und Setzzeit Leinenzwang. Über die Bestimmungen in Ihrem Landkreis beziehungsweise in Ihrer Stadt können Sie sich beim jeweiligen Ordnungsamt informieren.

In der Brut- und Setzzeit ist es sinnvoll, Beschäftigungen wie Suchspiele vor allem auf Wegen, im Garten oder im Haus stattfinden zu lassen. Eine willkommene Abwechslung, die das Wild wenig stört und es dem Hund ermöglicht, auch an der Leine mal Tempo zu machen, ist gemeinsames Joggen oder das Laufen am Fahrrad.

Bitte beachten Sie außerdem:

•Das Einsammeln von Hinterlassenschaften auf Wiesen und Feldern, auch an den Rändern, sollte selbstverständlich sein. Ebenso sollten Sie Ihre gefüllten Kotbeutel mit nach Hause nehmen und in Ihrem Mülleimer entsorgen.

•Das Betretungsverbot von Feldern und Äckern während der Vegetationszeit gilt auch für Ihren Hund, egal ob er frei oder an der Leine läuft. Gerade an und in Maisfeldern ist häufig mit Wildschweinen zu rechnen, und diese sind sehr wehrhaft. Ins Rapsfeld sollte sich ein Hund auch nicht verirren: Durch die Verzahnungen der Pflanzen haben Wildschweine hier gute Chancen, den Hund zu schlagen. Für jagdlich geführte Hunde bei der Arbeit gilt: Die Nachsuche im Raps sollte man besser einem professionellen Schweißhundegespann überlassen.

•Untersuchen Sie ab Juni/Juli Ihren Hund nach Spaziergängen im Feld auf Grannen. Getreidegrannen bleiben häufig im Fell hängen. Sie wandern dann durch ihre Widerhaken an die unmöglichsten Stellen (Ohren, Augen, Pfotenzwischenräume), bohren sich sogar in die Haut des Hundes und können dort schlimme Entzündungen verursachen.

•Ackerrandstreifen und Feldgehölze dienen dem Niederwild als Rückzugsort, Sie sollten dort keine Suchaufgaben machen oder den Hund stöbern lassen.

•Lassen Sie Ihren Hund weder auf Wiesen noch an Wegesrändern Löcher buddeln. Reiter nutzen oft die weicheren Wegränder, um dort zu reiten. Stolpert oder stürzt ein Pferd, können sich Reiter und Pferd schwer verletzen.

(Foto: Kilian Reil)

(Foto: Kilian Reil)

JAGDVERHALTEN

Inwieweit Jagdverhalten als Problem bewertet wird, hängt stark vom jeweiligen Hundehalter ab. Manch einer sieht die Sache eher locker und ist auch dann nicht aus der Ruhe zu bringen, wenn der Hund mal für ein paar Minuten im Wald verschwindet. Andere empfinden es dagegen schon als extrem ungehorsam, wenn der Hund an der Leine einige Meter in Richtung Mäuselöcher zieht. Ein Problem besteht aus Sicht des Menschen also immer dann, wenn seine eigenen Bedürfnisse und die des Hundes auseinanderdriften. Leider sehen viele Hundehalter nicht, woraus sich ein Problem entwickeln könnte, sondern reagieren erst, wenn der Hund bereits mehrfach abgezwitschert ist.

Jagdverhalten kann auch bei einem Hund in Jägerhand zum Problem werden, nämlich dann, wenn es nicht unterbrechbar ist und der Hund beispielsweise einspringt (also ohne Kommando losläuft/seine Arbeit beginnt) oder exzessiv außerhalb des gewünschten Radius stöbert.

„Das Jagdverhalten“ gibt es nicht. Je nach Hundetyp wird Jagdverhalten in verschiedenen Ausprägungen und bei unterschiedlichen Beutetieren oder anderen Auslösereizen gezeigt. Zudem ist das Auftreten von Jagdverhalten abhängig von der Umwelt, in der sich der Hund befindet. Lebt ein Hund, der sich seiner genetischen Veranlagung entsprechend vor allem für Wildschweine interessiert, in einer Stadt, wo es im Park lediglich Kaninchen gibt, kann es sein, dass dessen Jagdverhalten in der momentanen Lebenssituation für die Besitzer unproblematisch ist. Ziehen die Menschen mit diesem Hund dann aufs Land und sind dort viel im Wald unterwegs, kann sich die Situation schnell ändern.

Trotz der vielen beeinflussenden Faktoren und unterschiedlichen Ausprägungen liegt jedem Jagdverhalten die Beutefangsequenz zugrunde. Hierbei handelt es sich nicht um ein problematisches Verhalten im eigentlichen Sinn, sondern um völlig normales Verhalten eines Beutegreifers, das dem Nahrungserwerb dient. Allein schon deshalb kann ein Hund nicht verstehen, warum wir ihm dieses Verhalten verbieten möchten. Wir sollten uns also darüber bewusst sein: Hätten die Vorfahren unserer Haushunde kein Jagdverhalten gezeigt, hätten wir heute auch keine Hunde. Die Jagd sicherte ihr Überleben.

Seeking und Jagdtrieb

Ich spreche hier bewusst vom Jagdverhalten, denn das Modell des „Jagdtriebs“ hat sich als unpassend erwiesen und ist nicht mehr zeitgemäß: Trieb impliziert ein exzessives und vernunftloses Verhalten, was eine fälschliche und vermenschlichende Interpretation ist. Der amerikanische Neuropsychologe Jaak Panksepp gewann neue Erkenntnisse im Bereich Motivations- und Emotionssysteme und ordnete die Beutefangsequenz des Hundes dem Emotionskreis des Seeking-Systems zu. Dieses System bringt ein Lebewesen dazu, nach dem zu suchen, was es als belohnend empfindet. Ist es aktiviert, werden Dopamin und weitere Glückshormone ausgeschüttet. Je weiter die Beutefangsequenz ausgeübt wird, desto mehr. Bei der Endhandlung „Fressen“ ebbt der Dopamincocktail ab und es werden Endorphine ausgeschüttet. Durch gezielte Selektion ist das Seeking-System bei Jagdhunden besonders leicht aktivierbar. Der Hormoncocktail macht den Hund weitgehend schmerzunempfindlich und resistent gegen Frust und Misserfolg, was im jagdlichen Einsatz sinnvoll ist. Dadurch kann die Beutefangsequenz ohne Anzeichen von Ermüdung immer wieder ausgeführt werden, auch dann, wenn sie nicht beendet wird. Allerdings wird das Verhalten dadurch ohne planvolles, kleinschrittiges Training sehr schwer unterbrechbar, was insbesondere für Jagdhundehalter ohne Jagdschein zum Problem wird.

Das letzte Element der Beutefangsequenz, das Fressen der Beute, wurde bei Jagdhunden übrigens weitgehend wegselektiert. Ein Jagdhund soll nicht in Konkurrenz zu seinem Hundeführer stehen, denn dieser möchte das Wild selbst verwerten. Das Knautschen von Beute und das Anschneiden (Wild anfressen/auffressen) sind daher bis heute absolute No-Gos und führen in allen Jagdhundeprüfungen zum Ausschluss.

Im Lauf der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund wurde die Selektion der Jagdhunde immer spezifischer auf die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Je nachdem, auf welche Beutetiere es der Jäger abgesehen hatte und in welcher Umgebung er die Jagd ausübte, musste sein Helfer unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen mitbringen. Daher unterscheiden sich die heutigen Jagdhunde nicht nur hinsichtlich ihrer Beutefangsequenz, sondern auch in Größe, Körperbau, Fellstruktur und Charaktereigenschaften. Bei der Jagd auf größeres Wild in dornigem, felsigem Gelände sind schließlich andere Qualitäten gefragt als bei der Jagd im Kaninchenbau.

Es war zunächst vor allem der Adel, der es sich leisten konnte, für jede Jagdart einen Spezialisten zu haben, und so begann die gezielte Jagdhundezucht in adeligen Kreisen. Hierbei ging es vor allem darum, die besten Eigenschaften für die jeweilige Jagdart beizubehalten beziehungsweise durch Verpaarung der Besten mit den Besten zu fördern. Auf diese Weise hat sich über einen langen Zeitraum hinweg eine Vielzahl an unterschiedlichen Hundetypen entwickelt. Erst seit vergleichsweise wenigen Jahren wird nun bei einigen Rassen nicht mehr auf jagdliche Fähigkeiten selektiert, mit dem Ziel, einen sogenannten Familienhund zu züchten. Diese kurze Zeitspanne steht jedoch in keinem Verhältnis zu der langen Geschichte jagdlicher Selektion. Ein Jagdhund, dessen Eltern nicht aus einer jagdlichen Linie kommen, kann deshalb selbstverständlich genauso leicht aktivierbares Jagdverhalten zeigen wie ein Hund aus jagdlicher Leistungszucht. Leider werden zukünftigen Welpenbesitzern diesbezüglich immer wieder falsche Tatsachen vorgegaukelt, indem man ihnen Jagdhunde als unkomplizierte Begleithunde verkauft.

Die ursprüngliche Form der Beutefangsequenz, die jeder Wildhund genau so zeigt, sieht so aus. (Zeichnung: Kim McMahon)

Die Geschichte der Jagdhunderassen zeigt, dass Jagdverhalten nicht als großer „Klumpen“ betrachtet werden kann, sondern sehr differenziert ist. Deshalb ist auch beim Training eine differenzierte Betrachtung und individuelle Herangehensweise erforderlich, wenn man langfristig Erfolg haben möchte. Zwar ist es z. B. innerhalb einer Rasse aufgrund der Selektion sehr wahrscheinlich, dass bestimmte Bausteine des Jagdverhaltens besonders ausgeprägt sind, es kann jedoch immer Individuen geben, deren Verhalten davon deutlich abweicht. Das bringt Menschen oft zum Zweifeln, etwa weil sie sich doch gezielt für einen XY-Hund entschieden haben, der eigentlich kaum Hetzverhalten zeigen sollte, ihr Individuum dieser Rasse jedoch genau diesen Teil der Beutefangsequenz ausgeprägt zeigt. Fakt ist: Mit Jagdverhalten müssen Sie immer rechnen, auch wenn es nicht in der Rassebeschreibung steht und wenn Sie „von Anfang an alles richtig gemacht haben“.

Mythen über das Jagdverhalten

1. Wenn ein Hund einmal „Erfolg“ hatte, ist er nie wieder kontrollierbar und kann nicht mehr frei laufen.

Jagdverhalten ist immer das Ergebnis von Genetik + Umwelt + erlerntem Verhalten. Die Genetik können wir nicht abstellen, aber die Umwelt unseres Hundes können wir mehr oder weniger beeinflussen, und wir können auch Einfluss darauf nehmen, welche neuen Lernerfahrungen er macht. Wir können z. B. wildreiche Gebiete meiden und jeder Hund kann lernen, dass sich schon das Fixieren von Wild und das Vorstehen lohnen. Das funktioniert auch dann, wenn der betreffende Hund schon mal Wild gehetzt oder gegriffen hat. Säugetiere, und dazu zählen nun mal sowohl Menschen als auch Hunde, können bei geeigneten Bedingungen ihr Verhalten immer ändern, also lernen! Sogar jagdlich geführte Hunde, die im Herbst gezielt auf Bewegungsjagden eingesetzt werden, um das Wild auf die Läufe zu bringen (es anzuhetzen), können nach der Saison durch bedürfnisgerechtes Training lernen, dass die Zeit der eigenständigen Jagd nun wieder vorbei ist.

2. Ballspielen fördert das Jagdverhalten.

Ballspielen ahmt die Beutefangsequenz nach. Das ist an sich nicht schlimm, denn diese ist genetisch fixiert und der Hund kann sie sowieso schon ausführen. Zudem können Hunde sehr gut zwischen Bällen und Wild unterscheiden und für die meisten Hunde ist Wild auch deutlich hochwertiger.