Lehrer werden!? - Rainer Löwe - E-Book

Lehrer werden!? E-Book

Rainer Löwe

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Beschreibung

Deutschland braucht dringend Lehrer. Viele Lehrer. Ambitionierte Lehrer. Gute Lehrer. Ein grundsätzlich sicherer, interessanter und gut bezahlter Job. Stellen gibt's genug. Also: Lehrer werden! Die Arbeitsbedingungen an den deutschen Schulen erscheinen vielen Lehrern heutzutage als unzumutbar. Häufig katastrophale Schulausstattungen, zunehmend Probleme mit Schülern, steigende Gewaltbereitschaft, zu große Klassen, Migration, Inklusion, Dokumentationspflichten und und und. Also: Lehrer werden? Nach einer umfassenden Darstellung des Lehreralltages warnt der Verfasser vor den politischen wie sozialen Folgen eines weiterhin zunehmenden Lehrermangels für die `Bildungsrepublik Deutschland´ und begründet hiermit seine dringenden Forderungen an die Politik.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ein realistischer Blick auf den Lehrerberuf als

Entscheidungshilfe für potentielle Lehramtskandidaten:

Will und kann ich das wirklich?

&

Ein Alarmruf an alle bildungspolitisch Verantwortlichen:

Dringend erforderliche Maßnahmen zur Bekämpfung des

sozialstaats- und demokratiegefährdenden Lehrermangels

Aus Gründen der Vereinfachung sowohl bei der Texterstellung als insbesondere auch beim Lesen des Textes verzichte ich in diesem Buch auf die jeweilige Nennung beider Genderformen (wie bspw. »Lehrerinnen und Lehrer«, »Beamtinnen und Beamte« etc.) oder die gleichermaßen schwierig lesbare Schreibweise mit Gendersternchen wie bspw. Schüler*innen, was keinesfalls als Benachteiligung der Leserinnen verstanden sein soll – mit Bitte um Verständnis.

Anmerkungen zu diesem Buch richten Sie bitte unter Nennung Ihrer wesentlichen persönlichen Daten gern per Email direkt an mich via [email protected].

Rainer Löwe

Meine Entscheidung, Lehrer zu werden, habe ich niemals bereut.

Ich würde sie unter den heutigen Bedingungen jedoch nicht noch

einmal treffen.

Wenn der sozialstaatsgefährdende Lehrermangel effektiv bekämpft

werden soll, muss sich folglich etwas an den Bedingungen ändern.

Vorabbemerkung des Verfassers zu den nachfolgenden Seiten

Kaum waren Manuskript und Layout zu diesem Buch druckfertig abgeschlossen, zeichnete sich nach Ausbruch der COVID-19-Krise zunächst ab, dass einzelne Teile aufgrund einer nunmehr veränderten Ausgangslage auch im Bildungsbereich alsbald inhaltlich überholt sein könnten. Während sich die im ersten Buchteil dargestellten Rahmenbedingungen des Lehreralltages auch nach Wiederaufnahme des krisenbedingt unterbrochenen Lehrbetriebes voraussichtlich nur unwesentlich – wenn überhaupt – ändern werden (schlimmstenfalls gar zum Negativen), bestand zunächst die Befürchtung, die im zweiten Teil formulierten monetären Forderungen an die Politik aufgrund zu erwartender veränderter politischer Prioritätensetzungen in Teilen möglicherweise modifizieren zu müssen; denn im Vordergrund allen politischen Handelns steht jetzt sicher zunächst der Wiederaufbau der Wirtschaft, um hierauf basierend die finanziellen Mittel (sprich: Steuereinnahmen) für eine materielle wie personelle Verbesserung der Lehrbedingungen überhaupt erst generieren zu können.

Gleichwohl: Je schneller dies trotz des ökonomischen Drucks einer historisch beispiellos gestiegenen Staatsverschuldung geschieht und damit der aktuelle Lehrermangel signifikant reduziert wird, desto stärker wird unser Land künftig im internationalen Wettbewerb auftreten können. Somit verliert dieses Buch durch die Corona-Pandemie inhaltlich tendenziell nichts an Aktualität. Im Gegenteil.

Leider bestand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Möglichkeit mehr, einzelne Aspekte insbesondere des zweiten Teiles punktuell umformuliert – unter Berücksichtigung einer veränderten fiskalischen Ausgangslage – anzupassen. Hierfür bitte ich um Verständnis.

Eine Forderung erweist sich aber bereits jetzt – aufgrund der Krisenerfahrung – als begründet und mehr als dringlich: die nach einer beschleunigten Entwicklung medialer Lehrmethoden; Stichwort: Digitalisierung.

Rainer Löwe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Was ich erreichen will

Was ich nicht will

Hauptteil I.

Lehrer werden!

Lehrer werden?

Lehrergesundheit und -motivation

Exkurs für potentielle Lehramtsinteressenten

Hauptteil II.

Fazit: Vorfahrt für Bildung!

Ergo:

Anmerkung

Ein semioptimistischer Blick in die Zukunft

Nachwort

Persönliche Anmerkung

Vorbemerkung

Was ich erreichen will

Ursprünglich als Alarmruf an alle bildungspolitisch Verantwortlichen verfasst, in welchem ich den fortgesetzten, unsere Demokratie nachweislich gefährdenden Lehrermangel für eine parteipolitische Arbeitsgruppe im NRW-Landtag begründet habe, beschreibe ich im ersten Teil dieses Buches zunächst einmal den bundesdeutschen Lehreralltag, auf welchen schließlich examinierte Lehramtsreferendare oder sogenannte Seitenbzw. Quereinsteiger mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen werden. Trotz meines Wohnsitzes am Niederrhein und des hierdurch bedingten Erfahrungs- und Informationsschwerpunktes Nordrhein-Westfalen ist meine hiesige Zielsetzung grundsätzlich allgemeingültig für den gesamten bundesdeutschen Bildungsraum und somit (vereinzelt evtl. mit geringen Abstrichen oder Modifikationen) auf alle Bundesländer übertragbar. Im Gegensatz zu der Vielzahl der bereits veröffentlichten sogenannten »Ratgeber für Referendare und Profis« [Norbert Golluch, Das Survival-Handbuch für Lehrer: Entspannt von Ferien zu Ferien, Kindle-Verlag 2017] bemühe ich mich mit meinen hiesigen Darstellungen um weitgehende, hier und da vielleicht auch mal subjektiv kommentierte Sachlichkeit mit möglichst hohem Informationsgehalt. Insofern sollte zumindest dieser Teil des Buches nach meinem Dafürhalten zur bundesweiten Pflichtlektüre u.a. für alle angehenden Lehramtsstudenten als Entscheidungshilfe erhoben werden, um sie vor einer eventuell falschen Berufswahl – mit möglicherweise katastrophalen psychischen (neben materiellen) Spätfolgen – zu bewahren. Insofern handelt es sich zunächst um eine umfangreiche Aufzählung möglichst aller Tätigkeitsinhalte des Lehrerberufes, folglich auch derer, die bekanntermaßen und typischerweise zum pädagogischen Berufsalltag gehören. Nach Lektüre dieses ersten Teiles sollen sie sich die Frage stellen – und natürlich auch beantworten – können: »Will ich das überhaupt?« oder »Möchte ich mein zukünftiges Berufsleben als potentielles Lehrer-Bashing-Opfer verbringen?«; denn nicht selten hört man Referendare oder Berufsanfänger stöhnen: »Hätte ich das vorher gewusst, was hier auf mich zukommt, hätte ich mich vielleicht nicht für das Lehramtsstudium entschieden.« Wohlgemerkt: vielleicht. Vielleicht aber auch doch. Oder trotzdem. Oder gerade deswegen, weil sich der Leser nicht als mögliches Opfer, sondern selbstbewusst als höchstwahrscheinlich guter und erfolgreicher Pädagoge sieht. Sehr gut dann! Solche Lehrer braucht das Land. Aber es soll mir später bitteschön niemand sagen, er sei in ein offenes Messer gelaufen, weil er die vielseitigen und vor allem umfangreichen Implikationen dieses Berufes nicht kennen konnte.

Während der zweite Hauptteil dieses Buches für angehende Lehramtskandidaten lediglich ergänzenden (dadurch aber keineswegs unwichtigen) Charakter hat, geht die eigentliche Pflichtlektüre für Politiker hier erst richtig los. Als Fazit aus dem ersten Hauptteil beschäftige ich mich hier mit der ausführlich begründeten Forderung an die verantwortlichen Bildungspolitiker nach einer deutlich spürbaren Erhöhung ihrer Investitionsbereitschaft in unsere Folgegenerationen. Dies gilt insbesondere auf Landes-, nach der Mitte 2019 mit dem DigitalPakt Schule (Verwaltungsvereinbarung vom 17.06.2019) endlich beschlossenen Aufhebung, zumindest aber Lockerung des Kooperationsverbotes des Grundgesetzes aber auch auf Bundesebene (die kommunale Ebene hat hier aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit von der Landespolitik einen zu geringen Handlungsspielraum, als dass sie die dringend erforderlichen Maßnahmen in ihrem Zuständigkeitsbereich, vornehmlich der materiellen Versorgung, selbst tragen könnte). Lediglich als möglichst alle relevanten Bereiche umfassende Darstellung der Ist-Situation und deren sichtbarer Konsequenzen konzipiert stellt dieser Teil des Buches den Versuch eines Mittelweges dar zwischen der Komplexität des Themas Lehrermangel (insbes. dessen berufsspezifische Ursachen, Gefahren und Bekämpfung) und einer (vielleicht nicht immer gelungenen) Reduktion auf das Unverzichtbare unter Vermeidung von Redundanzen (weil nicht zielführend unter Verzicht einer Analyse der historischen Ursachen; Stichwort: politische Fehleinschätzungen der Schülerzahlenentwicklung). In seiner Form ist es zunächst weitgehend unwissenschaftlich gehalten, nicht immer mit konkretem Bezug auf fachspezifische Quellen bzw. empirisch belegte Daten. Die objektiven Beobachtungen, häufig gleichwohl ergänzt durch eine Auswahl aus der nahezu grenzenlos scheinenden Menge aktueller Medienberichte, allein sprechen für sich.

Ich bin mir durchaus über den allgemein beklagten Trend, den Mangel an qualifiziertem Fachpersonal nicht nur auf dem Felde der (Schul-)Bildung, sondern übergreifend in diversen bundesdeutschen Wirtschaftszweigen, in der Verwaltung, bei der Polizei, der Justiz wie insbesondere auch im Gesundheitswesen und vielen anderen sozialen Bereichen (Pflege, Kitas etc.), bewusst. Allerorts werden daher (neben den zusätzlich meist steigenden Staatsausgaben bspw. im Sozialbereich oder in der Verteidigung) auch – i.d.R. zurecht – höhere staatliche Investitionen zur Verbesserung dieser negativen Entwicklungen gefordert (z.B. durch Aufwertung insbesondere der Pflegeberufe durch bessere Bezahlung – hier spricht man punktuell bereits von Notstand; beim Lehrerberuf bin ich mittlerweile geneigt, den auch hierauf zutreffenden Notstandsbegriff gleichermaßen zu verwenden), woraus sich letztlich aufgrund des hierfür zur Verfügung stehenden staatlichen Budgets eine Art Verdrängungswettbewerb unter den jeweiligen Anspruchstellern ergibt; denn jeder möchte seinen Anteil am nationalen »Investitionskuchen« – verständlicherweise – zu seinen Gunsten (damit aber leider zum Nachteil der anderen) vergrößern.

Im Fazit begründe ich meine Überzeugung, dass nur durch die qualitative Verbesserung der Bildungsvoraussetzungen (sprich: eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie eine erhebliche Entlastung des Lehrpersonals) auch die Voraussetzungen für die Erfüllung aller weiteren – nachvollziehbaren – Forderungen geschaffen werden können, da eine gute und umfassende – und somit nicht lediglich nach den Kriterien des Programme for International Student Assessment (PISA) zu bewertende – Bildung als eine notwendige, wenngleich für sich allein nicht hinreichende Bedingung für die Schaffung quantitativ wie qualitativ ausreichenden Fachpersonals in allen oben angesprochenen Bereichen betrachtet werden muss.

Im Handelsblatt Morning Briefing vom 22.02.2019 [www.Handelsblatt.com: Vorfahrt für Bildung] fordert der seinerzeitige Wirtschaftsweise Peter Bofinger gar – mit derselben (zutreffenden) Begründung eines ansonsten drohenden Wirtschaftsabschwunges durch den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit – ein 60-Milliarden-Investitionsprogramm für die (berufliche) Weiterbildung über eine Reform der Unternehmensbesteuerung. Die dringende Notwendigkeit einer deutlich höheren staatlichen Förderung der (hier: beruflichen, insbesondere digitalen Weiter-)Bildung stellt in derselben Ausgabe des genannten Newsletters Sven Afhüppe in einem Kommentar heraus. Auch wenn diese Forderung nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den hier beklagten Mängeln im allgemeinbildenden schulischen Bereich in Verbindung steht, so zeigt sie doch auch deutlich, welcher Stellenwert der Bildung, gleich ob schulischer Allgemein- oder beruflicher Weiterbildung, grundsätzlich beizumessen ist.

Wie wichtig Bildung sogar für eine zukünftige Stärkung der Europäischen Union ist, stellt die Abgeordnete im Europäischen Parlament Petra Kammerevert (SPD) heraus: »Durch eine Stärkung des europäischen Bildungsraums« [WZ, 19.02.2019].

An dieser Stelle muss jedoch – schon allein aus Komplexitätsgründen – die Frage nach der Finanzierung (nicht nur) meiner Forderungen weitgehend außen vor bleiben; deren (unter den gegenwärtigen Bedingungen vielfacher dringender staatlicher Investitionsnotwendigkeiten ohne eine – eigentlich nicht wünschenswerte – Neuverschuldung zu Lasten späterer Generationen eventuell gar nicht mögliche) Beantwortung muss der Politik bzw. den hierauf spezialisierten Ökonomen überlassen bleiben (s. hierzu gleichwohl das zusammenfassende Fazit sowie die persönliche Anmerkung des Verfassers am Ende dieses Buches). Aus persönlicher Betroffenheit, Erfahrung wie auch Überzeugung aber messe ich dem Entgegenwirken der aktuellen Negativentwicklung im Bildungsbereich insbesondere aus gesellschaftspolitischen Gründen einen prominenten Stellenwert bei – mit der sich hieraus konsequenterweise ergebenden, insbesondere im zweiten Buchteil umfassend begründeten Forderung an die Politik nach spürbar höheren Investitionen in die Bildung; konkret: zunächst in den materiellen (im Gegensatz zum personellen) Bereich der Bildungs- bzw. Lehrbedingungen. Die personellen Zielsetzungen qua gleichermaßen wichtiger und ansatzweise bereits beschlossener Erhöhung von Lehrerstellen sowie auch der hierfür notwendigen Studienplätze sind ohne Erfüllung der materiellen Voraussetzungen nach meiner persönlichen Überzeugung nämlich nicht erreichbar.

Ein kleiner Schritt zur Finanzierung materieller Verbesserungen wäre möglicherweise die den Schulen in einigen Bundesländern (so u.a. auch in NRW) bereits ermöglichte Kapitalisierung von Lehrerstellen, dann aber nicht nur für personelle, sondern bei Nichtbesetzung der Vakanzen auch für materielle Zwecke, wie sie m.W. derzeit noch nirgendwo vorgesehen ist. Derzeit fließen mangels ausreichender oder geeigneter Bewerber nicht verwendete Mittel in den jeweiligen Landeshaushalt zurück. Ein Betrag von 60-70T € pro Stelle könnte sicher in vielen Fällen bereits eine spürbar positive Wirkung mit Blick auf eine Verbesserung der schulischen Ausstattung bzw. Arbeitsbedingungen erzielen.

Und noch eine kurze persönliche Bemerkung hierzu: Es gibt ihn nicht, den optimalen Zeitpunkt der Veröffentlichung eines auf aktuellen Daten und Trends basierenden Buches wie diesem; denn es ergeben sich permanent neue – meist leider aber nicht unbedingt positive – Entwicklungen im Bereich der bundesweiten Bildungspolitik im Allgemeinen wie auch bei der Entwicklung des hier als folgenschwer kritisierten Lehrermangels im Besonderen. Entgegen aller Befürchtungen jedoch würde es mich im Sinne der nachfolgenden Generationen – ganz ehrlich – mehr als freuen, wenn sich die Basis meiner hiesigen Prognosen aufgrund vernünftiger politischer Entscheidungen irgendwann einmal als überholt herausstellen würde und dieses Buch sodann mangels Aktualität vom Markt genommen werden könnte.

Was ich nicht will

Falsch und kontraproduktiv wäre es, meine nachfolgenden Darstellungen als Warnung vor der Ergreifung des Lehrerberufes zu verstehen. Unser Land braucht dringend motivierte und geeignete Pädagogen. Keinesfalls will ich zudem meinen Beitrag als »Mitleidserregung für die armen, gebeutelten Lehrer« missverstanden wissen. Ich möchte hiermit lediglich einen Beitrag im Sinne eines Denkanstoßes insbesondere an die Politik liefern, dem zunehmenden alarmierenden Lehrermangel, wie er allseits (so u.a. auch auf der Kultusministerkonferenz der Länder, KMK, März 2018) moniert wird, entgegenzuwirken (jenseits der teilweise bereits eingeleiteten, in ihrer Sinnhaftigkeit an dieser Stelle nicht zu hinterfragenden personalpolitischen Maßnahmen; vgl. unten: Beispiel NRW): von den verantwortlichen Bildungsministerien und Bezirksregierungen, den diversen Lehrerverbänden [vgl. z.B. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des DLV u.a. im Göttinger Tageblatt vom 09.08.2018], von den um die Zukunft Ihrer Kinder besorgten Eltern, den (nicht nur) durch die Personalknappheit überlasteten Lehrern und mittlerweile gar auch von Schülerseiten, wo nunmehr »die Zeiten vorbei (sind), in denen sich die Schüler über Unterrichtsausfall vor allem freuten« [vgl. Hannes Leiteritz, damaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, ebd.] – wenn das kein Alarmsignal ist …

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von 40.000 fehlenden Stellen bundesweit [vgl. z.B. ZDF heute vom 15.09.2018], von denen lt. dem DLV hiervon zwar 30.000 Stellen durch Pensionäre, Studenten und Quereinsteiger ersetzt werden konnten, letztlich aber noch immer 10.000 Stellen in diesem Jahr unbesetzt geblieben sind [ebd.]. Die am 12.10.2018 von der KMK veröffentlichten Zahlen [vgl. www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_216_Bericht_LEB_LEA_2018.pdf] belegen diese Diskrepanz und der seinerzeitige KMK-Präsident Helmut Holter stellt in diesem Zusammenhang fest, dass bis zum Jahr 2030 bundesweit einem jährlichen Bedarf für die Einstellung von 31.900 Lehrern lediglich 31.200 Absolventen des Vorbereitungsdienstes gegenüberstehen. »Dies bedeute(t), dass selbst wenn alle Absolventen tatsächlich Lehrer werden, im jährlichen Durchschnitt 700 Stellen (bundesweit, d. Verf.) nicht besetzt werden« [WZ vom 12.10.2018] – die tatsächliche personelle Unterdeckung wird zweifelsfrei weit höher ausfallen.

Auf NRW bezogen ist einem Antrag der SPD-Fraktion an den Landtag zur Weiterleitung der aufgrund nicht besetzter Lehrerstellen nicht genutzten Haushaltsmittel an die Schulen [Drucksache 17/5063 vom 12.02.2019] unter dem Punkt ‚Ausgangslage‘ hierzu zu entnehmen: »Im Jahre 2018 waren nach Auskunft der Landesregierung mehr als 5800 Lehrerstellen nicht besetzt. So musste Schulministerin Yvonne Gebauer vor kurzem eingestehen, dass an den Grundschulen in NRW jede dritte Stelle unbesetzt ist. Dies führt zu Unterrichtsausfall, zur Verschlechterung der Unterrichtsqualität, zu erheblichen Belastungen der Lehrkräfte und verschlechtert die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern erheblich. (…) Es ist momentan nicht davon auszugehen, dass der Großteil der unbesetzten Stellen kurzfristig besetzt wird.« Das war 2018. Während zum Schuljahreswechsel 2018/2019 bereits lediglich knapp 62 Prozent der in NRW offenen Stellen besetzt werden konnten, waren es nunmehr gar 58 Prozent [vgl. WZ vom 24.08.2019]. Kommentar NRW Schulministerin Gebauer am 23.08.2019: »Der Lehrermarkt ist leergefegt. (…) Wir drehen jeden Stein um, damit offene Stellen besetzt werden können« [ebd.]. Offensichtlich sind es die falschen Steine, die dort umgedreht werden, da sich hierunter nicht die so dringend benötigten Lehrer versteckt haben.