Level Two: Hearts at Play - Vanessa Hußmann - E-Book
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Level Two: Hearts at Play E-Book

Vanessa Hußmann

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Beschreibung

Seine Worte sind alles für sie – doch sie hat keine Ahnung, wer er ist …

Louisa lebt für die Schauspielerei und das Schreiben von Fanfiction. Nachts flüchtet sie sich in ein Schreibforum, wo »Nighthawk« ihr Herz mit seinen Nachrichten höherschlagen lässt – obwohl sie sich nie begegnet sind. Als Louisa im neuen Konsolenspiel »Anima« der Hauptfigur ihre Stimme und Bewegungen leihen soll, scheint ein Traum wahr zu werden. Doch Performance und Motion Capture sind härter als erwartet. Unter den kritischen Augen des Regisseurs Henry fühlt sie sich schnell überfordert. Immer wieder geraten sie aneinander, doch Louisa will nicht aufgeben. Nach langen, frustrierenden Drehtagen findet sie Halt in den Nachrichten von »Nighthawk«. Was sie nicht ahnt: »Nighthawk« ist niemand anderes als der launische Henry. Als er auch noch Louisas neuer Mitbewohner wird, kann sie die Anziehung zwischen ihnen nicht länger ignorieren ...
Spice-Level: 3 von 5

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Seitenzahl: 588

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Buch

Louisa lebt für die Schauspielerei und das Schreiben von Fanfiction. Nachts flüchtet sie sich in ein Schreibforum, wo Nighthawk ihr Herz mit seinen Nachrichten höherschlagen lässt – obwohl sie sich nie begegnet sind. Als Louisa im neuen Konsolenspiel Anima der Hauptfigur ihre Stimme und Bewegungen leihen soll, scheint ein Traum wahr zu werden. Doch Performance und Motion Capture sind härter als erwartet. Unter den kritischen Augen des Regisseurs Henry fühlt sie sich schnell überfordert. Immer wieder geraten sie aneinander, doch Louisa will nicht aufgeben. Nach langen, frustrierenden Drehtagen findet sie Halt in den Nachrichten von Nighthawk. Was sie nicht ahnt: Nighthawk ist niemand anderes als der launische Henry. Als er auch noch Louisas neuer Mitbewohner wird, kann sie die Anziehung zwischen ihnen nicht länger ignorieren …

Die Autorin

Vanessa Hußmann wurde 1992 geboren und liebt es, in fremde Welten einzutauchen. Sie hat ein Jahr in den USA gelebt und war in Thailand und Vietnam unterwegs. Am liebsten aber ist sie mit ihrer Familie zu Hause und schreibt zwischen Lichterketten und unzähligen Büchern Geschichten. Dabei kann sie immer auf die Unterstützung ihres Katers Bowie zählen. Wenn Vanessa nicht schreibt, verbringt sie ihre Zeit mit einem guten K-Drama oder den Sims, nur um diese nach wenigen Spielstunden wieder zu vergessen. Weitere Informationen auf Instagram unter: @vanessahussmann.

Vanessa Hußmann

LEVEL Hearts at Play two

Roman

Band 2 der Levels-Reihe

WILHELMHEYNEVERLAGMÜNCHEN

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Originalausgabe 11/2025

Copyright © 2025 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR.)

Redaktion: Nina Bellem

Umschlaggestaltung: www.buerosued.deInnengestaltung unter Verwendung der Bilder von: © Adobe Stock (VRTX, Kaleb, SickleMoon, gdainti, robu_s, veronchick84, paramouse, Vatrha Kewo)

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-32864-1V001

www.heyne.de

Für all diejenigen, die oft genug als Dramaqueens bezeichnet wurden und immer dachten, sie seien zu viel. Ihr seid genau richtig.

Playlist

The Script – Nothing

Anna Nalick – Breathe (2 AM)

Bon Iver – Holocene

One Direction – Right Now

Novo Amor – Sleepless

Mat Kearney – Ships In The Night

Ed Sheeran – Give Me Love

M83 – Wait

Florence + The Machine – Shake It Out

The Strange Familiar – Redemption

Sleeperstar – I Was Wrong

Taylor Swift – Getaway Car

Taylor Swift – Delicate

Daughter – Numbers

New Empire – Little Braver

Daughter – Medicine

Imagine Dragons – Bad Liar

One Direction – Night Changes

Beyoncé – Diva

Millie B – M To The B

Matilda Mann – Everything I’m Not

Taylor Swift – This Love

The Fray – You Found Me

Rosé – Number One Girl

Daughter – The Right Way Around

Tom Twers – Würdest Du’s Nochmal Tun?

TEIL 1 …

Du bist jetzt bereit »Level Two: Hearts at Play« zu starten. Aber denke daran: Es ist nicht bloß eine Geschichte. Deine Emotionen beeinflussen dein Leseerlebnis. Die Contentwarnung findest du hier.

Akt 1

Louisa

Siebenunddreißig.

Siebenunddreißig ist die Anzahl der Absagen, die ich allein in den letzten vier Wochen bekommen habe. Mein Konto schreit nicht mal mehr SOS, weil es mittlerweile in roten Zahlen ertrunken ist. Keine Ahnung, wie ich da jemals wieder rauskommen soll. Einfach nicht aufs Konto zu gucken, funktioniert immer nur so lange, bis ich tatsächlich gezwungen bin, mich der Realität zu stellen. Wenn Rechnungen bezahlt werden müssen oder ich Nudeln mit Tomatensoße nicht mehr sehen kann und es wage, mir etwas zu gönnen.

Ich hasse es.

Nicht nur die schlaflosen Nächte. Sondern auch, dass ich ganz offensichtlich nicht gut genug bin, um es als Schauspielerin zu schaffen. Es reicht nicht mal für billige Werbespots. Niemand will mich.

Vielleicht sollte ich es doch bei Onlyfans probieren. Als ich das neulich meiner besten Freundin Johanna vorgeschlagen habe, wäre sie mir fast ins Gesicht gesprungen. Derzeit übernimmt sie so gut wie alle Kosten. Und auch wenn sie beteuert, dass es ihr nichts ausmacht, ertrage ich den Gedanken nicht, von ihr abhängig zu sein. Vor allem, weil sie in naher Zukunft gerne zu ihrem Freund Lukas ziehen will. Sie macht es nur meinetwegen nicht, dabei ist sie sowieso kaum da. Im Grunde hindere ich Johanna daran, den nächsten Schritt zu gehen, weil sie nicht will, dass ich komplett am Arsch bin.

Ich wälze mich im Bett herum, da sind zu viele Gedanken, zu viele Ängste. Es bringt nicht einmal etwas, die Wohnung aufzugeben, um mir etwas Erschwinglicheres zu suchen, denn nicht einmal das könnte ich mir leisten. Natürlich könnte ich mir jemand Neues suchen, aber die Vorstellung, Johanna so schnell zu ersetzen … So weit bin ich noch nicht.

Oh Gott, am Ende lande ich noch auf der Straße!

Ich ziehe die Decke über den Kopf, kneife die Augen fest zusammen und presse die Beine so eng an meinen Körper, wie es nur geht. Für einige Atemzüge verharre ich in dieser Position, rede mir ein, dass irgendwo eine Rolle auf mich wartet. Dass es jemanden gibt, der an mich glaubt. Der mich sieht.

Du glaubst ja nicht mal selbst an dich. Wie sollen andere dann etwas in dir sehen?

Tränen brennen mir in den Augen, obwohl ich gegen sie ankämpfe. Seit drei Jahren versuche ich, in Berlin Fuß zu fassen, weil es in Hamburg nicht geklappt hat. Eigentlich habe ich eine professionelle Musicaldarsteller*in-Ausbildung an der Stage School absolviert. Damals, mit hundert Träumen im Gepäck, dachte ich, der große Durchbruch würde kommen. Nur um jetzt nicht mal den Kredit für meine Ausbildung abbezahlt zu haben.

Die Gedanken fangen an, mich von innen heraus aufzufressen. Ich habe bereits ständig Magenschmerzen, die mich kaum etwas essen lassen, weil ich das Gefühl habe, mir wäre dauerübel.

Seufzend schlage ich die Decke wieder zurück, richte mich auf und knipse das Licht auf dem Nachttisch an. Es ist drei Uhr morgens. Draußen ist Gelächter zu hören, Stimmen und Gesang. Menschen, die aus dem Urban Oasis torkeln, die frei und voller Lebenslust sind. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich die Einzige, die mit Geldsorgen und Versagensängsten zu kämpfen hat. Die Einzige, die ihren Platz auf der Welt mit sechsundzwanzig immer noch nicht gefunden hat. Dabei habe ich von einer rosaroten Zukunft geträumt und bis zur letzten Sekunde auch daran festgehalten.

Um mich von meinen eigenen Gedanken abzulenken, greife ich nach dem MacBook, das auf dem Boden liegt, und ziehe es auf meinen Schoß. Als ich den Bildschirm aufklappe, springen mir die zuletzt geposteten Kommentare auf der Webseite ins Auge.

Auf Wattpad Fanfictions zu schreiben, ist schon immer meine Zuflucht gewesen. Zwar habe ich nie den Wunsch gehegt, mehr aus den Ideen zu machen – anders als Johanna beispielsweise, die Geschichten für Videospiele schreibt –, aber ich liebe es, mich in meinen eigenen Welten zu verlieren. Vorzugsweise in denen meiner Lieblingsgames. Für die meisten mag es albern klingen, dass ich über Videospielcharaktere schreibe, aber für mich ist es der perfekte Ausgleich, wenn die Realität zusammenbricht.

Vielleicht liegt es an der Anonymität. Daran, dass mich dort niemand für die Fehler, die ich mache, verurteilt. Oder daran, dass ich verstanden werde. Dass ich nicht komisch bin, weil ich für fiktionale Charaktere schwärme.

Ich meine, wie kann man Leon S. Kennedy aus Resident Evil nicht hot finden? Vor allem im Remake des vierten Teils. Dadurch, dass heutzutage hinter fast jedem Charakter echte Schauspieler*innen stecken, die via Motion und Performance Capture die Spiele zum Leben erwecken, klingt so eine Schwärmerei doch auch gar nicht mehr merkwürdig.

Mit einem Lächeln scrolle ich mich durch die Kommentare des letzten Kapitels. Da ich dort seit Jahren regelmäßig Fanfictions veröffentliche, folgt mir mittlerweile eine treue Leserschaft, die mir die dunklen Stunden versüßt.

Der Name über einem der Kommentare fällt mir ins Auge. Die Magenschmerzen rücken etwas in den Hintergrund, während ich unseren privaten Chat öffne und nicht leugnen kann, wie kleine Schmetterlinge in mir erwachen. Es sind nur zarte Flügelschläge, dennoch sind sie da.

Nighthawk.

Ich weiß nicht viel über den Menschen, der hinter dem Pseudonym steckt. Und trotzdem habe ich das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Wahrscheinlich, weil er eine der wenigen Personen ist, die über meine Legasthenie Bescheid wissen. Nach einigen fiesen Kommentaren bezüglich der Rechtschreibung hat er damals angeboten, mein Testleser zu werden. Durch den steten Austausch wurde unser Kontakt enger.

Zumindest was das Schreiben angeht. Egal zu welcher Tageszeit – er ist immer da. Und er hat sich nie über meine Legasthenie lustig gemacht, sondern hilft mir, mich zu verbessern. Nighthawk ist genauso süchtig nach Videospielen wie ich, auch wenn er meine Liebe zu Leon S. Kennedy nicht ganz nachvollziehen kann. Der Austausch mit ihm bedeutet mir alles.

Zu Beginn der Freundschaft haben wir abgemacht, uns niemals Bilder des jeweils anderen zu zeigen und es bei dem Chat auf Wattpad und E-Mails zu belassen. Damals war das in Ordnung für mich. Aber mittlerweile erwische ich mich dabei, wie ich viel zu oft an ihn denke.

Neben Leon S. Kennedy gibt es noch einen anderen Charakter, für den ich ein bisschen zu sehr schwärme. Josh Harrison aus dem Coming-of-Age-Spiel Forbidden Stars. In dem Spiel geht es um verschiedene Highschool-Schüler im letzten Schuljahr, die mit Mobbing zu kämpfen haben, die erste große Liebe erfahren und erwachsen werden. Vom Prinzip her ähnelt es Life Is Strange und Life Is Strange: Before the Storm. Entscheidungen im Spiel haben Einfluss auf die Handlung, vor allem, was die Beziehung zwischen Josh und Grace angeht.

Entwickelt von Exeoh, hat das Spiel weltweiten Erfolg gefeiert. Die wenigsten wissen, dass der Game-Designer Lukas – der gleichzeitig auch Johannas Freund ist – dort einige seiner Erfahrungen aus der Schulzeit verarbeitet hat.

Ich liebe alles an Josh. Seine Stimme, die dunklen, welligen Haare und blauen Augen. Und den Schauspieler und Regisseur Henry Jones, der dem Charakter Aussehen und Stimme in dem Spiel geliehen hat.

JoshHarrisonsGirl:

Bist du noch wach?

Jap. Das ist mein unspektakulärer Profilname.

Nighthawk:

Immer, das weißt du doch. Ist alles in Ordnung? Es ist spät.

Ich tippe schnell, auch wenn ich weiß, dass meine Rechtschreibung darunter leidet und selbst die Autokorrektur Probleme hat mitzukommen. Allein schon aus diesem Grund ist Nighthawk so wichtig für mich – ohne ihn würde ich mich niemals trauen, überhaupt etwas zu veröffentlichten.

JoshHarrisonsGirl:

Ich wünschte, das wäre es. Glaubst du an Wundr? Daran, dass irgndwo die große Chance auf einen wartet, nach der alles lechter wird?

Nighthawk:

Du wirst deine Chance bekommen. Wenn du nicht an dich glaubst, dann glaube ich umso fester an dich :-)

Genau das meine ich. Solche Sätze, solche Worte. Mein Herz beginnt sofort schneller zu schlagen. Ich kichere in mich hinein, tippe etwas und lösche es dann wieder. Dadurch, dass wir die Grenzen so klar kommuniziert haben, weiß ich nicht, wie weit das Geplänkel jedes Mal gehen darf. Wenn es nach mir ginge, würde ich schon gerne wissen, wie er aussieht oder wie er heißt.

Immer wenn wir schreiben, merke ich, dass ich mehr will. Aber ich frage nicht danach, aus Angst, dadurch das zu gefährden, was wir haben. Denn diese Vertrautheit zwischen uns ist weitaus wichtiger als das Kribbeln und das Herzklopfen.

JoshHarrisonsGirl:

Danke dir. Ich hofe, du findest noch etwas Schlaf.

Nighthawk:

Du auch. Bis später <3

Toll. Jetzt interpretiere ich in dieses 2000er-Emoji-Herz, das auch eine Eistüte sein könnte, wieder zu viel hinein. Dabei will ich doch wirklich nur schlafen.

Ich werfe das Handy zur Seite, starre zur Decke, bis ich schließlich das Licht ausknipse. In der Hoffnung, dass der morgige Tag besser wird.

Johanna ist schon weg, als ich aufstehe. Seit sie einen Job bei Deutschlands erfolgreichster Spieleentwicklungsfirma Exeoh bekommen hat, ist sie so viel ausgeglichener. Nicht nur, weil sie jetzt finanzielle Sicherheit besitzt. Sondern auch, weil sie endlich das machen kann, was sie liebt: Geschichten für Videospiele schreiben. Früher jobbte sie in einer Redaktion. Wurde unterbezahlt und musste sexistische Kommentare über sich ergehen lassen. Sie hat das alles hinter sich gelassen, und genau das wünsche ich mir auch für mich.

Nach einem Casting erhalte ich nie Feedback. Ich weiß nicht, wo das Problem ist. Deshalb denke ich immer, wenn sich niemand von den Castingdirektoren meldet, dass es an mir persönlich liegen muss. Leider habe ich bislang keine Künstleragentur gefunden, die mich vertritt und mir Aufträge vermittelt.

»Louisa, es ist zu früh, um dich selbst herunterzuziehen«, murmele ich, trete zur Balkontür und öffne sie, um die Januarsonne hereinzulassen. Zumindest kurz, bevor es zu kalt wird.

Ich liebe die dunklen Jahreszeiten. Lichterketten, Oversize Hoodies und Filmabende lassen sich dann viel besser rechtfertigen als im Sommer, wenn der Tag nie zu enden scheint. Vor allem aber liebe ich es, an regnerischen Tagen zu schreiben, mich von der Außenwelt nicht länger stören zu lassen und alles andere zu vergessen.

Wie gerne würde ich das jetzt auch machen. Aber ich muss mich für meinen ersten Nebenjob fertig machen. Wie immer binde ich mir das aschblonde Haar zu einem Pferdeschwanz und schminke mich mit Make-up von Essence, weil ich mir MAC nicht leisten kann, auch wenn ich es gerne würde. Neulich sind mir ein paar Wimpern abgebrochen, weil ich die Wimperntusche nicht abbekommen habe. Danach sah ich aus wie eine Schlange, weil meine Augen so gerötet waren, dass meine grüne Iris förmlich geleuchtet hat.

Ich atme tief durch, tanke noch etwas Vitamin D und blicke zum Himmel hinauf. Heute ist er nicht januargrau, sondern hellblau und freundlich. Wie ein Versprechen, dass der Tag etwas Gutes mit sich bringen wird.

Und das gibt mir die Motivation weiterzumachen.

Forbidden Stars

Chapter One

Josh:

Als ich am Morgen des ersten Schultages die Augen öffnete, stellte ich ernüchtert fest, dass sich nichts verändert hatte. Ich war nicht über Nacht plötzlich zu Captain America geworden, und der Schulalltag würde sich also auch nicht ändern.

NIGHTHAWK

Captain America ist zwar ein cooler Typ, aber Josh ist es auch. Er weiß es nur noch nicht.

JOSHHARRISONSGIRL

Ich stehe auch eigentlich mehr auf Spider-Man, aka Tom Holland.

Wenn du mir sagst, dass du aussiehst wie Tom Holland, hast du mich für immer an der Backe ;-)

NIGHTHAWK

Ich muss dich leider enttäuschen. Ich bin größer als er.

Bei dem Gedanken an das bevorstehende letzte Schuljahr seufzte ich laut auf und umklammerte fest den Mondanhänger an der Kette, die ich um den Hals trug.

Obwohl ich aufstehen musste, gönnte ich mir ein paar Minuten in meiner eigenen Welt und schloss die Augen wieder. Die Realität würde mich noch früh genug einholen.

Jedes Jahr redete ich mir ein, dass ein neues Schuljahr gleichzeitig bedeutete, alles würde besser werden. Vielleicht entdeckte ich trotz meiner zwei linken Füße ein sportliches Talent, oder ich war plötzlich unsichtbar geworden. Gott, wie oft hatte ich mir das schon gewünscht?

Oder aber Grace stand nach zehn Jahren plötzlich wieder vor der Tür. Meine beste Freundin, die ich seit ihrem Umzug nicht mehr gesehen hatte.

Es verging kein Tag, an dem ich nicht morgens aufwachte und der erste Gedanke ihr galt. Nur der Mondanhänger erinnerte mich an das achtjährige Mädchen mit den wirren Locken, den leuchtenden braunen Augen und dem traurigen Lächeln.

Ob sie wohl den Sonnenanhänger noch besaß? Vermutlich nicht. So, wie Grace mich aus ihrem Leben gestrichen hatte, erinnerte sie sich bestimmt nicht mal mehr an unsere Freundschaft. Nur durch Google wusste ich, dass sie mittlerweile in New York wohnte und in der Cheerleadermannschaft ihrer Schule als Flyer brillierte.

Ich hingegen … Ich war noch immer der stille Josh Harrison, der sich in Tagträumen und Musik verlor und alte, verwaschene Holzfällerhemden trug. Aber ich beschwerte mich nicht. Mom schaffte es kaum, die Rechnungen zu bezahlen und das Haus zu halten, da war Kleidung nebensächlich.

NIGHTHAWK

Genau deshalb mag ich ihn!

Schnell öffnete ich die Augen wieder und versuchte, die Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen.

Immerhin war ich jetzt ein Senior an der Highschool! Nicht mehr lange, und ich konnte endlich aus diesem Kaff hier in Minnesota verschwinden, um hoffentlich an der Juilliard School Musik zu studieren. Die Fratzen aus der Schule ertrug ich die letzten Monate noch, bis es für immer Lebewohl hieß. Irgendwann würden sie staunend vor dem Fernseher sitzen, weil ich Konzerthallen auf der ganzen Welt füllte.

Das half mir dabei, durchzuhalten. Egal, wie hart manche Tage waren.

Mom war schon weg, als ich in die Küche kam. Teller und Töpfe standen in der Spüle, aber da ich getrödelt hatte, musste ich mich später darum kümmern. Die Spülmaschine war seit Monaten kaputt, und nach einem missglückten Versuch, sie zu reparieren, hatten wir uns mit der Situation arrangiert. YouTube-Tutorials halfen halt nicht immer.

Ein gelbes Post-it lag auf der Kochinsel, darauf stand, hastig und unordentlich, etwas gekritzelt. Ich rückte meine Brille zurecht und schmunzelte.

Self love is the biggest middle finger of all time. Der größte Mittelfinger, den man jemandem zeigen kann, ist es, sich selbst zu lieben.

Mom und ihre Sprüche.

Seit Jahren schrieb sie mir morgens solche Worte auf Zettel, um mich zu motivieren, um mir zu helfen, stark zu bleiben. Sie wusste, ich hatte es nicht leicht in der Schule, und weil sie so viel arbeiten musste, plagte sie das schlechte Gewissen.

Wir hatten aufgehört zu zählen, wie oft meine Brille in den letzten zwei Jahren repariert worden war. Aber ich weigerte mich, Kontaktlinsen zu tragen, weil ich sie nicht vertrug.

NIGHTHAWK

kann ihn jemand bitte in den Arm nehmen?

JOSHHARRISONSGIRL

Ich habe mir die Charaktervorlage nicht ausgedacht.

NIGHTHAWK

Ich weiß, aber du hast sie gut umgesetzt.

Erneut las ich das Post-it.

Jedes, das sie mir geschrieben hat, hatte ich sicher in einer Kiste unter meinem Bett aufbewahrt, und in schmerzlichen Momenten kramte ich sie wieder heraus. Der Spruch heute gefiel mir besonders gut, und ich schoss ein Foto davon, um es Sam zu schicken. Wenn jemand diese Worte am frühen Morgen vertragen konnte, dann war es mein bester und einziger Freund.

Ich kannte niemanden, der solch eine Leidenschaft für Videospiele besaß wie er. Außerdem war er ein echter Filmemacher. Er wusste Emotionen und Bilder in Szene zu setzen, und nicht umsonst träumte er von einem Studium an einer Filmhochschule in Kalifornien.

Sam und ich waren auf der Silver Creek High wie zwei einsame Wolfsbrüder. Wir brauchten niemanden außer uns beiden und die Träume, die uns begleiteten. Ich hasste es, dass er noch mehr einstecken musste als ich und bestraft wurde, weil er offen zu seiner Sexualität stand.

Als mein Handy klingelte, wurde ich aus den Gedanken gerissen und blickte auf die Nachricht, die mir geschrieben wurde.

Sam:

Senior, Bro! Ab heute sind wir die Könige der Schule!

Josh:

Ha ha, der war gut!

Sam:

Das wird schon. Dieses Jahr machst du dir endlich Quinn Bennett klar.

Josh:

Alter, wie oft noch? Ich stehe nicht auf Quinn.

Sam:

Alles ist besser, als jedes Schuljahr darauf zu hoffen, dass Grace wiederkommt.

Ich seufzte und merkte wieder einmal, wie erbärmlich das klang. Vielleicht war ich sogar ein kleines bisschen besessen von der Vorstellung, sie irgendwann wiederzusehen.

Sam erinnerte mich regelmäßig daran, dass ich praktisch einer Achtjährigen nachtrauerte, und das klang so unheimlich, dass ich mittlerweile versuchte, mich von den Erinnerungen an sie zu lösen.

Sams Familie – die Greens – wohnten ein paar Straßen weiter, und da wir uns beide kein Auto leisten konnten, fuhren er und ich bei Wind und Regen mit dem Rad zur Schule. Alles war besser, als schon im Bus drangsaliert zu werden.

Der Tag versprach warm und sonnig zu werden. Die Vögel zwitscherten in den Bäumen, Sprinkleranlagen befeuchteten die Vorgärten, und der Geruch von Sommer lag in der Luft. Ein Schulbus fuhr durch die Straße, während ich das Rad aus der Garage schob.

Sam wartete wie gewöhnlich an der Kreuzung auf mich.

»Nächstes Jahr um diese Zeit sind wir auf dem College, Alter! Noch ein paar Monate, und dann verschwinden wir aus diesem Kaff.«

»Glaubst du, dieses Jahr ändert sich etwas?«, fragte ich ihn nachdenklich.

Wir fuhren in einem lockeren Tempo auf einem Nebenweg, auf dem weniger Verkehr herrschte. Dieser Weg war zwar länger, führte uns dafür aber an den Feldern und Seen vorbei, für die Minnesota bekannt war.

Als Kinder hatten wir hier jeden Tag nach der Grundschule am Bach angehalten, gespielt und dabei die Zeit vergessen. Wann genau kam eigentlich der Punkt, an dem man die kindliche Leichtigkeit verlor? Passierte es aufgrund einer Reihe von Ereignissen und Erfahrungen, die einem im Leben widerfuhren?

Sam schnaubte. »Was soll sich denn ändern?«

»Keine Ahnung, ich dachte nur …«

»Du denkst zu viel. Lass uns die letzten Monate so unauffällig wie möglich hinter uns bringen, okay? Das haben wir die letzten Jahre schließlich auch so gemacht. Und dann sind wir frei.«

Sam hatte recht. Ich dachte zu viel nach. In meinem Kopf herrschte nie Ruhe. Selbst mit Dingen, die in weiter Ferne lagen und nicht zu beeinflussen waren. Anderseits förderte das ständige Nachdenken meine Kreativität. Oft lag ich bis tief in die Nacht wach und schrieb Songs, weil ich sonst nicht schlafen konnte.

Dennoch … die meiste Zeit war es bloß anstrengend.

Nach dem Sommer herrschte auf den Gängen reges Treiben und lautes Gemurmel. Alle erzählten sich wilde Geschichten über diverse Camps, Partys und Alkohol. Je abgefahrener, desto besser. Die Wände waren übersät von Bildern der Meisterschaften unseres Sportteams, in den Vitrinen reihten sich Dutzende Pokale und Trophäen. Es war nicht zu übersehen, wie wichtig der Silver Creek Highschool sportliche Erfolge waren. Einer der Gründe, warum Sam und ich uns wie Ausgestoßene fühlten, denn wir waren sportlich beide absolut unbegabt.

Während die meisten hier den Sommer in Sportcamps verbracht hatten, verbarrikadierten wir uns im Keller der Greens und zockten Final Fantasy. Oder er schnitt Videos, und ich komponierte Musik. Viel Sonne sahen wir den Sommer über jedenfalls nicht.

NIGHTHAWK

Ich liebe das Spiel!

JOSHHARRISONSGIRL

Ich auch :) Dann haben wir ja was gemeinsam ;)

Wenn ich den Footballern bei den Spielen zusah, fragte ich mich oft, ob sie sich anders fühlten. Mächtiger? Vielleicht sogar unbesiegbar? Gab es ihnen Befriedigung, wenn sie wie Könige durch die Gänge stolzierten und all jene schikanierten, die nicht zu ihnen aufsahen?

Glücklicherweise lagen unsere Spinde nebeneinander. Ich öffnete mein Fach, aber Carter Beckfield knallte es sofort mit voller Wucht wieder zu. Obwohl er nur wenige Zentimeter größer war als ich, schüchterte mich seine enorme Muskelmasse auf der Stelle ein. Er war der Star-Runningback des Footballteams, besaß ein Stipendium für die Oregon State und war das größte Arschloch der Schule. Alle wussten das, aber niemand wagte es, sich mit ihm anzulegen.

»Du stehst mir im Weg, Harry Potter.«

Ich hasste diesen Typen. Meine Hände ballten sich zu Fäusten, ich versuchte, mein Zittern zu unterdrücken. Gleichzeitig schämte ich mich, weil ich Angst vor ihm hatte.

Obwohl mir das Szenario nur zu vertraut war, wehrte ich mich nicht, als er mir die Brille von der Nase riss, sie auf den Boden schmiss und drauftrat. Anschließend hob er sie auf, stieß sie mir so heftig gegen die Brust, dass ich zurücktaumelte, und grinste höhnisch. »Gern geschehen. Vielleicht kaufst du dir endlich mal ’ne Brille, mit der du auch was siehst, du Loser.«

Erst als Carter außer Sichtweite war, wagte ich es, mich wieder zu bewegen. Mein ganzer Körper bebte vor Anspannung, und gleichzeitig war ich wie gelähmt.

»Scheiße, Josh. Dieser Wichser!« Sam musterte mich entsetzt. »Fuck, Mann. Deine Brille … Nicht schon wieder.«

»Mom killt mich«, war das Einzige, was ich herausbrachte.

Sie würde ausrasten, wenn ich gleich am ersten Tag mit einer kaputten Brille nach Hause kam.

»Vielleicht solltest du wirklich über Kontaktlinsen nachdenken«, murmelte er niedergeschlagen und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. Gleichzeitig war er sichtlich froh, dass es nicht ihn getroffen hatte.

Mit steifen Gliedern holte ich das Mathebuch aus dem Spind, schloss ihn dann langsam und sammelte mich. Ich hatte gelernt, in solchen Situationen keine Gefühle zu zeigen. Denn die machten mich bloß noch angreifbarer.

Der erste Schultag fing genauso beschissen an, wie er vor den Ferien aufgehört hatte. Durch die zersplitterten Gläser konnte ich nur einen Teil meiner Umgebung erkennen, und das Gestell war an einigen Stellen verbogen.

»Wir können auch schwänzen«, schlug Sam hilflos vor. »Wer braucht schon Mathe?«

»Es ist alles in Ordnung«, presste ich tonlos hervor und ließ mir nicht anmerken, wie sehr mich das mitgenommen hatte.

Alle starrten uns an, aber niemand sagte auch nur einen Ton. Niemand fühlte sich verpflichtet zu helfen.

Self love is the biggest middle finger of all time.

Ich musste an Moms Spruch denken. Typen wie Carter verdienten die Genugtuung nicht, vor ihnen zusammenzubrechen, weshalb ich mich in Bewegung setzte und die Blicke und Tuscheleien ignorierte.

Bis ich abrupt stehen blieb und Sam ebenfalls innehielt.

»Was ist los?«, fragte er verdutzt.

»Ich …«

Mir fehlten die Worte. Mein Blick war starr auf das Mädchen gerichtet, das vor dem Büro des Direktors wartete. Sie trug einen bunten Cardigan, ein schwarzes Top und weite Jeans. Abgerundet wurde ihr Outfit von unzähligen Ketten um ihren Hals und Armbändern an den Handgelenken. Sie verlieh dem Boho-Style eine ganz eigene Note.

Zögernd trat ich näher und traute meinen Augen nicht. Die kaputte Brille rief offenbar Halluzinationen hervor.

»Was ist denn plötzlich los mit dir?« Sam wurde ungeduldig. »Kennst du das Mädchen etwa?«

So heftig wie in diesen Sekunden hatte mein Herz seit einer Ewigkeit nicht mehr geschlagen. Sanfte Locken fielen ihr über die Schultern, umrahmten ihr herzförmiges Gesicht, das ich auch unter Tausenden sofort wiedererkennen würde. Es bestand kein Zweifel daran, dass es sich um das eine, ganz bestimmte Mädchen handelte.

»Das ist Grace«, sagte ich.

NIGHTHAWK

OMG ich habe die Szene direkt vor Augen!

Sams Mund klappte auf, aber ihm fehlten die Worte.

»Ich erkenne sie von den Bildern im Internet«, fügte ich leise hinzu und trat einen Schritt näher.

In diesem Moment sah sie zu uns herüber. Ihre Augen trafen auf meine, und es war plötzlich wie in einem dieser Teeniefilme, in denen die Zeit um einen herum zum Stillstand kommt. Grace blinzelte mich einige Wimpernschläge lang ausdruckslos an. Doch dann verschwand sie, ohne eine Reaktion zu zeigen, im Büro des Direktors.

Binnen Sekunden veränderte sich alles. Meine Kehle wurde staubtrocken. Das Mobbing, das sich noch vor einigen Minuten ereignet hatte, war für den Augenblick vergessen. Mein Puls raste, und mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Ich wischte mit den Handflächen über die Oberschenkel und versuchte gleichzeitig, meinen hektisch gehenden Atem wieder zu beruhigen.

Ein Gefühl, das mir bisher unbekannt gewesen war, schob sich unaufhaltsam an die Oberfläche. Wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Es war ein gefährliches Gebiet, das ich da betrat, aber wenn die Hoffnung erst einmal aufflammte, war sie nicht mehr so leicht zu ersticken.

Die Dunkelheit in meinem Leben wurde von dem Mond erhellt, der sich nach zehn Jahren das erste Mal wieder am Himmel zeigte und die Wolken verdrängte.

Akt 2

Louisa

Wenn ich ein wenig Geld übrig hätte, würde ich es für eine Massage ausgeben. Nach einer doppelten Schicht im Urban Oasis schmerzt mir der Rücken. Seit ein paar Wochen übernehme ich zusätzliche Schichten, um irgendwie aus den roten Zahlen zu kommen.

Mit schweren Beinen kämpfe ich mich im Treppenhaus bis in das oberste Stockwerk und halte mich kurz vorm Ziel am Geländer fest. Mein Herz rast, der Puls schießt in die Höhe, obwohl ich erschöpft bin. Ich will nur duschen und schlafen.

Zwar sind es nur noch wenige Meter bis zur Haustür, doch ich setze mich hin, lehne den Kopf an die kalte Wand und schließe die Augen. So fühlt es sich also an, wenn man endgültig am Boden ist. In mir existiert kein Funken Kraft mehr, selbst vierundzwanzig Stunden Schlaf würden nicht ausreichen, um mich wieder zu erholen.

Seit drei Jahren kämpfe ich jeden Tag um eine Rolle, egal wie klein sie ist. Mittlerweile würde ich wirklich alles machen, selbst meine Seele verkaufen. Das klingt makaber, als hätte ich kein bisschen Würde mehr. Und um ehrlich zu sein, ist genau das der Fall.

Johanna wird sicherlich schon schlafen. Ich will dennoch nicht riskieren, dass sie mich so sieht, weshalb ich mir diesen Moment im Treppenhaus nehme. Da die Wohnung gegenüber von uns ohnehin frei ist, wird mich niemand plötzlich überraschen.

Stumme Tränen laufen mir über die Wangen, und mit ihnen verlorene Träume, die für immer unerreichbar sind. Vielleicht ist es an der Zeit, der Wahrheit endgültig ins Auge zu blicken und die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. Zeit, mir einen anständigen Job zu suchen oder noch eine Ausbildung zu machen.

»Louisa, du musst Geld verdienen. Wir zählen auf dich.«

Die Worte meiner Mutter hallen in meinen Ohren wider. Meine Eltern denken, ich würde in Saus und Braus leben, mir hier ein schönes Leben machen, während sie arbeitslos sind und nichts auf die Reihe bekommen. Sie wissen nicht, wie sehr ich mit meinen eigenen Problemen kämpfe. Ich will sie nicht sehen lassen, dass ich versagt habe. Aber wahrscheinlich ist es ihnen sowieso egal, solange sie versorgt sind.

Leider ist das die traurige Wahrheit: Ich bekomme nichts auf die Reihe. Schon auf der Stage School gehörte ich immer nur zum Mittelmaß. Eigentlich hätte ich da bereits wissen müssen, dass aus mir nie eine richtige Schauspielerin werden wird.

Mit hängenden Schultern starre ich ins Leere, fühle alles und nichts und denke darüber nach, einfach hier zu schlafen.

Die Kälte des Treppenhauses dringt durch meinen Mantel. und schließlich rapple ich mich doch auf, um endlich in die Wohnung zu gehen. Nach einer heißen Dusche wird die Welt wieder in Ordnung sein. Die Enttäuschung abzuwaschen, wird für den Moment helfen. Auch wenn ich weiß, sie wird wiederkommen.

Leise schließe ich die Tür auf, drücke sie hinter mir zu und lausche einen Moment, ob sich in der Wohnung etwas bewegt. Aber im Wohnzimmer ist es ruhig, Johanna schläft also. Ich ziehe die Stiefel aus, hänge Mantel und Schal auf und gehe mit dem Handy in der Hand in die Küche. Aus Gewohnheit entsperre ich es, swipe durch ein paar TikToks, ohne wirklich etwas zu sehen, und lege es dann zur Seite. Im letzten Moment jedoch sehe ich eine rote 1 auf der Mail-App.

Mir brennen die Augen vom Heulen, aber mit klopfendem Herzen öffne ich die App. Ich weiß nicht, warum ich auf einmal so nervös bin, zumal ich keine Ahnung habe, wer mir geschrieben hat. Nighthawk bekommt erst morgen ein neues Kapitel zum Korrekturlesen, also kann ich ihn ausschließen.

Dann sehe ich den Absender.

Und meine Welt bleibt stehen.

[email protected]

Liebe Frau Schneider,

für das Fantasyrollenspiel Anima suchen wir zeitnah eine Schauspielerin, die die Rolle der Naila spielt. Vorzugsweise mit Erfahrungen im Bereich Performance und Motion Capture. Frau Höfer hat Sie für die Rolle vorgeschlagen.

Daher möchten wir Sie gerne zum Casting einladen.

Alle Daten und Informationen finden Sie in der beigefügten PDF-Datei.

Mit freundlichen Grüßen

Jakob Kühn

(CEO)

Was?

WAS?

Ich traue mich nicht zu blinzeln, aus Angst davor, dass ich mir die Mail nur einbilde. Passiert das gerade wirklich?

Durch einen Hackerangriff auf das Spiel kam es im Sommer zur Verzögerung des Releases, und von Johanna weiß ich, dass einige Schauspieler*innen aus Termingründen daraufhin abgesprungen sind. Sie hat aber nicht erwähnt, dass sie mich für die Rolle vorgeschlagen hat.

Es fühlt sich an, als hätte man einen Stecker in die Steckdose gesteckt, denn plötzlich schießt Energie durch meinen Körper, wie ich sie lange nicht gespürt habe. Adrenalin packt mich, vermischt sich mit Hoffnung und bläst sämtliche Müdigkeit und Selbstzweifel fort.

Ohne nachzudenken, laufe ich durch den Flur, stoße Johannas Tür auf und springe zu ihr aufs Bett. »Warum hast du denn nichts gesagt?«

Ich halte ihr die Mail vors Gesicht. Mit zusammengekniffenen Augen und verwirrter Miene starrt sie mich an.

»Was zur Hölle soll das? Ich dachte, du bist ein Einbrecher.«

»Klar, ein Einbrecher«, antworte ich flapsig. »Wohl eher Lukas, der bereit für Runde Nummer drei ist.«

»Um Himmels willen, Lou. Nimm das Handy aus meinem Gesicht.«

»Erst liest du dir die Mail durch.«

Ich rutsche von ihren Beinen, damit sie sich aufrichten kann, und mustere sie abwartend.

»Warum hast du mir nichts davon erzählt?«, frage ich empört. »Ich stand wirklich kurz davor, mich bei WikiFeet anzumelden und Bilder von meinen Füßen online zu stellen.«

Dafür ernte ich einen warnenden Blick von Johanna.

»Ich war mir nicht sicher, was für das Casting geplant ist. In den letzten Meetings habe ich ab und zu deinen Namen fallen lassen und gesagt, ich könnte mir dich sehr gut als Naila vorstellen. Dass sie dich wirklich einladen, wusste ich selbst nicht, aber sie haben sich anscheinend sogar die Mühe gemacht, deine Kontaktdaten zu googeln. Aber, o mein Gott!« Johanna scheint erst jetzt bewusst zu werden, was das bedeutet. »Lou, du wurdest zum Casting eingeladen!« Die Müdigkeit ist aus ihrer Stimme verschwunden.

»Das wird funktionieren, oder?«

Sosehr ich mich auch freue – die Angst, zu versagen, wieder nicht genommen zu werden … Sie ist allgegenwärtig. Wie ein ständiger Schatten, der sich nicht abschütteln lässt.

»Es wird funktionieren.« Johanna ist hellwach. »Das wird es.«

Ich nicke stumm, weil ich ihren Worten Glauben schenken will, anstatt sie zu hinterfragen.

»Motion und Performance Capture … Ich habe so gar keine Ahnung. Also, doch, schon … Aber es ist ein ganz anderer Prozess als das, was ich gelernt habe.«

Werden sie mich überhaupt ernst nehmen, wenn sie lesen, dass ich ursprünglich Musical-Darstellerin werden wollte?

Schnell schüttle ich den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Ich will mich freuen, mich vorbereiten auf diese Chance und mein ganzes Herzblut dafür geben.

»Dieses Mal wird alles gut«, sagt Johanna mit Nachdruck. »Darf ich jetzt weiterschlafen?«

Ich klettere von ihr herunter, gehe zur Tür hinaus und kann immer noch nicht fassen, dass diese Mail real ist. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Stattdessen springe ich unter die Dusche, mache es mir im Bett gemütlich und versinke bis in die tiefen Morgenstunden auf YouTube. Videos von Spielen wie The Last Of Us, Silent Hill 2 Remake, Detroit: Become Human oder Until Dawn flimmern über meinen Bildschirm, denn in diesen Games ist mir das Motion Capture besonders im Kopf geblieben.

Es ist eine Welt für sich. Die Schauspieler*innen arbeiten nur mit wenigen Requisiten und tragen bei den Aufnahmen Anzüge, die mit Sensoren versehen sind. Diese zeichnen die Bewegungen auf, sodass sie in Echtzeit als virtuelles Skelett auf einem Computerbildschirm abgezeichnet werden. Auch werden Sensoren im Gesicht angebracht, um die Mimik genau einzufangen. Je nach Charaktervorlage bleibt das Aussehen der Schauspieler*innen bestehen oder wird den Vorstellungen angepasst.

Könnte das wirklich wahr werden? Ich, in einem Spiel?

Und dann auch noch Anima.

Ich kenne die Geschichte in- und auswendig, dennoch lese ich mir den Pitch erneut durch.

Vor über zehn Jahren begann der Krieg, als Kieron die letzte Anima Zhara tötete und sich zum König von Solara ernannte. Dieses schreckliche Ereignis beraubte die Menschen nicht nur der Quellen unendlichen Lebens, sondern auch ihrer Prinzessin, die den Frieden hätte bewahren sollen. Seitdem leben sie unterdrückt und versklavt. Doch das ist nicht alles. Die Menschen haben aufgehört zu fühlen. Wo einst Liebe und Hoffnung existierten, herrschen nun Wut und Trauer. Zharas Tod hat ihnen die Fähigkeit genommen, bestimmte Emotionen zu empfinden, die jetzt überall in Solara verborgen sind. Bis eine junge Frau auftaucht, die das Ebenbild Zahras ist, aber ansonsten nichts mit der Prinzessin gemeinsam hat …

Gänsehaut breitet sich auf meinem gesamten Körper aus. Ich sehe das Spiel vor mir, stelle mir vor, wie ich als Naila durch die Wüstenlandschaft laufe. Ich will das. Ich will diese Rolle so sehr.

Und ich werde alles dafür tun, sie zu bekommen.

In den nächsten zwei Wochen lese ich mir die Mail noch hundertsiebenundachtzig Mal durch. Nur um sicherzugehen, dass wirklich ich gemeint bin. In jeder freien Minute versinke ich in den Vorbereitungen. Vor allem, als mir ein paar Tage vorher einige Szenen zugeschickt werden, die ich auswendig lernen soll.

Seit einer Ewigkeit hat sich nichts mehr so richtig angefühlt wie diese Chance.

»Wirst du beim Casting dabei sein?«, frage ich Johanna am Abend zuvor. Ich bin so nervös, dass ich es kaum schaffe, still sitzen zu bleiben.

»Werde ich. Und ich bin dein größter Fan, egal was passiert, okay?« Sie greift nach meinem Handgelenk und zieht mich auf die Couch. »Morgen wirst du alles rocken. Du hast dich so gut vorbereitet – mehr geht nicht.«

»Ich will diese Rolle unbedingt. Wie cool wäre es, in einem Videospiel mitzuspielen!«

»Du solltest etwas essen. Nicht, dass du vor lauter Hunger umkippst.« Meine beste Freundin reicht mir ein Stück Pizza.

Eigentlich bekomme ich keinen Bissen herunter, auch wenn sie natürlich recht hat. Ausreichend Nahrung und Schlaf sollten heute meine oberste Priorität sein. Aber an beides ist nicht zu denken.

»Lou, du isst jetzt. Keine Diskussion. Ich mache mir langsam echt Sorgen um dich.« Nele mustert mich nachdenklich. Die BWL-Studentin ist mit ihren vierundzwanzig Jahren die Jüngste in unserem Trio, hat ihr Leben aber weitaus besser im Griff als Johanna und ich. Für mich ist sie der Inbegriff der Study-With-Me-Harvard-Girls, die schon um zwei Uhr morgens aufstehen, all ihre To-dos erledigen und es abends trotzdem noch schaffen, ins Gym gehen.

»Wenn ich jetzt etwas esse, kotze ich quer über den Tisch. Ehrlich, Jo. Es fühlt sich an, als wäre das meine letzte Chance. Wenn es dieses Mal nicht klappt, dann höre ich auf.«

Johanna schenkt mir ein gequältes Lächeln. Sie weiß genau, wie es mir geht, welche Ängste mich quälen und an welchem Scheideweg ich mich gerade befinde. Im Sommer erging es ihr noch ganz genauso, ehe sie das Angebot von Exeoh bekam, an Anima zu arbeiten. Nach dem Hackerangriff bat Lukas Johanna, die Geschichte für Anima zu schreiben, um den Prozess zu beschleunigen. Dadurch kamen die beiden sich näher.

Ich will auch ein Happy End. Dabei erwarte ich nicht mal eine Lovestory. Nur endlich ein bisschen Ruhe in meinen wilden Gedanken und sorgenfreie Nächte, weil ich die Miete bezahlen kann.

Ist das zu viel verlangt?

Eine weitere Absage ertrage ich nicht.

»Können wir irgendetwas für dich tun?«, fragt Johanna.

»Nein. Du hast schon genug getan. Ohne dich würde es diese Chance gar nicht geben.«

Es muss einfach klappen. Eine andere Option gibt es nicht.

Schließlich zwinge ich mich doch dazu, ein Stück Pizza zu essen, und sehe mir zusammen mit den beiden noch mal Motion Capture Videos auf YouTube an und analysiere sie. Ich habe Bammel davor, dass es mir an Ausdruck fehlt – denn genau dafür wurde ich oft in der Ausbildung kritisiert. Beim Motion Capture ist der Ausdruck aber essenziell.

In meinem Elternhaus war nie Platz für Gefühle, dafür waren die Geldsorgen zu groß, weswegen ich in meinem Ausdruck sehr zurückhaltend bin. Aber als Schauspielerin liebe ich es aus genau diesem Grund so sehr, in andere Rollen zu schlüpfen, auch um meine eigenen Sorgen zu vergessen. Um jemand anderes sein zu können und mich in all diesen Rollen vielleicht sogar selbst zu finden.

Als Nele sich verabschiedet, klappt Johanna wenig später den Laptop zu, steht auf und zieht mich auf die Beine.

»Komm, wir gehen jetzt schlafen. Lukas holt mich morgen früh ab. Wenn du willst, kannst du mit uns mitfahren.«

»Lieber nicht. Ich will nicht, dass jemand denkt, ich hätte einen Vorteil, weil wir beide befreundet sind.«

»Meinst du denn, deine alte Kiste schafft den Weg?«

Ich verziehe das Gesicht. »Ey, du leihst dir diese alte Kiste oft genug aus. Das passt schon.«

»Okay. Wenn du es dir anders überlegst, dann sag Bescheid. Und tu mir bitte den Gefallen und geh schlafen. Keine langen Nachrichten mehr mit deinem Verehrer.«

Ich verdrehe die Augen und winke ab. »Lass mir den Spaß.«

Natürlich checke ich meine Nachrichten auf Wattpad. Die letzten Tage war ich dort weniger aktiv, weil der ganze Fokus auf dem Casting morgen liegt.

Als ich Nighthawks Namen lese, schmunzle ich, und mein Herz schlägt sofort einige Takte schneller.

Nighthawk:

Hallo, Fremde ;-) Ich wollte nur hören, ob es dir gut geht. So inaktiv kenne ich dich gar nicht.

Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht bei ihm gemeldet habe. Es kostet mich jedes Mal Mühe, meine geschriebenen Sätze noch mal mit der Rechtschreibprüfung auf Fehler abzuklopfen, aber ich will ihm keinen Text schicken, der vor Fehlern nur so strotzt.

JoshHarrisonsGirl:

Tut mir leid, dass ich dir nicht geschrieben habe. Ich hatte superviel zutun. Aber wünsch mir Glück, denn vieleicht wird bald alles gut!

Meine Finger fliegen über das Display, und ich bin mir meiner Fehler bewusst. Umso dankbarer bin ich Nighthawk, weil er meine Texte liest und überarbeitet. Durch ihn habe ich schon viel gelernt. Allein für seine Geduld würde ich ihm gerne irgendwann persönlich danken. Etwas, was meine Lehrer*innen nur selten mit mir hatten.

Nighthawk:

Das wäre großartig. Ich drücke beide Daumen, so fest ich kann, und denke an dich :-) Meld dich, wenn du weißt, ob es geklappt hat.

Ich merke gar nicht, wie breit mein Grinsen wird. Kichernd strample ich auf der Matratze und fühle mich wie ein verliebter Teenager. Auch wenn ich auf keinen Fall wieder sechzehn sein will – aber die Verliebtheit als Jugendliche ist unbezahlbar. Sofern einem nicht das Herz gebrochen wird. Ich hatte nie wirklich lange Beziehungen, weil ich schon damals den ganzen Fokus auf die Schauspielerei gelegt habe. Neben der Schule habe ich viel gearbeitet, um meine Eltern finanziell zu unterstützen, auch wenn sie es mir nie gedankt haben.

Ich wollte es leichter haben als sie …

Tja.

JoshHarrisonsGirl:

Du kannst ja richtig süß sein :-p

Nighthawk:

Für dich immer.

Ah! Wieso schreibt er so etwas? Das geht doch nicht. Nicht um diese Uhrzeit, und auch nicht, weil … Ja, einfach weil!

JoshHarrisonsGirl:

Wirst du mir jemals verraten, warum du nie schläfst?

Nighthawk:

Zu viele Gedanken.

JoshHarrisonsGirl:

Geht mir auch so … Aber wenn wir schreiben, dann vergesse ich oft, wie kacke das Leben sein kann.

Nighthawk:

Geht mir auch so. Okay, zugegeben … Vielleicht gibt es noch einen anderen Grund, warum ich nachts wach bin. Weil ich weiß, du schläfst auch nicht. Und so kann ich sicherstellen, dass du wenigstens nicht allein bist.

Was?

Ich starre so lange auf die Sätze, bis sie verschwimmen, weil ich vergesse zu blinzeln. Das ist neu. Vollkommen neu, und es überfordert mich. Ganz offensichtlich verändert sich die Dynamik zwischen uns. Übertreten wir die Grenzen, die wir uns gesetzt haben? Was befindet sich dahinter?

JoshHarrisonsGirl:

Danke. Mit dir fühle ich mich tatsächlich weniger allein.

Nighthawk:

<3

Da ist sie wieder! Die Herz-Eistüte. Erneut grinse ich, aber belasse es dabei, lege nun endlich das Handy zur Seite. Morgen ist der vielleicht wichtigste Tag in meiner bislang nicht vorhandenen Karriere. Das Casting kann alles verändern.

Aus dem Grund darf ich mir keinen einzigen Fehler erlauben.

Akt 3

Louisa

Natürlich springt das Auto nicht an. Geschlagene zehn Minuten versuche ich, die Karre zum Laufen zu bringen, habe dabei mindestens fünf Zusammenbrüche und bin komplett durchgeschwitzt.

Warum bin ich nicht mit Johanna und Lukas gefahren?

Ich sitze in dem eiskalten Auto, lache und weine gleichzeitig und weiß nicht, was ich tun soll. Doch, eigentlich weiß ich es, aber ich kann mich nicht bewegen. Das ist ein böses Omen, oder nicht? Irgendeine höhere Macht will mir zeigen, ich soll es sein lassen, weil es ohnehin nicht klappt.

Weil ich mir nicht anders zu helfen weiß und längst losmuss, hole ich mein Handy heraus. Keine Ahnung, ob Nighthawk um diese Uhrzeit antwortet, aber ich brauche gerade seine seelische Unterstützung.

JoshHarrisonsGirl:

Ich stecke in einer ernsthaften Krise! Mein Auto springt nicht an, und ich muss zu einem wichtigen Termin. Aber anstatt zur nächsten U-Bahn-Haltestelle zu laufen, schreibe ich dir, weil ich Panik bekomme. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass ich nicht hingehen soll.

Tränen brennen mir in den Augen. Ich bin eine Versagerin, die es nicht mal schafft, ihren Hintern hochzukriegen, um endlich ihr Leben in den Griff zu bekommen. Stattdessen friere ich mir in der alten Kiste den Arsch ab. Das ist Johannas Schuld! Sie hätte das Auto niemals so nennen dürfen. Ich bin etwas abergläubisch, weshalb ich mir diesen Zufall ausgerechnet heute nicht anders erklären kann.

Vielen Dank auch, beste Freundin!

Im Sekundentakt schaue ich nach, ob Nighthawk mir geantwortet hat. Gleichzeitig weiß ich, dass ich wertvolle Zeit verliere. Wenn ich noch ein wenig Vorlaufzeit haben will, muss ich endlich aussteigen. Die nächste Haltestelle ist fünf Minuten entfernt, und insgesamt brauche ich eine halbe Stunde.

Doch meine Beine sind wie paralysiert. Es kommt mir vor, als würde mein Körper sich mit allen Mitteln dagegen wehren, zu diesem Casting zu gehen.

Du hast die letzten zwei Wochen so hart für diesen Tag gearbeitet. Steig endlich aus!

Aber anstatt mich in Bewegung zu setzen, breche ich in Tränen aus. Meine Nerven liegen komplett blank, und ich weiß nicht, wohin mit mir. Bis ich eine Nachricht erhalte.

Nighthawk:

Ganz ruhig. Schließ die Augen und atme durch. Es ist völlig okay, wenn du nervös bist. Das ist sogar gut, denn es zeigt dir nur, wie wichtig dir die Sache ist.

JoshHarrisonsGirl:

Wenn ich das heute vermassle, dann war’s das.

Nighthawk:

Du packst das. Schließ deine Augen und atme einmal tief ein. Und dann steigst du aus dem Auto und schreibst mir. Ich bin da.

Ich will diese Person umarmen.

Ich will Nighthawk umarmen und ihm danken, dass er für mich da ist. Ohne ihn hätte ich bereits vollends den Mut verloren. Mit zitternder Hand schiebe ich das Handy zurück in die Jackentasche, schließe die Augen und konzentriere mich auf meine Atmung. Meine Gedanken sind komplett durcheinander, weshalb es einen Moment dauert, bis ich es schaffe, mich zu fokussieren.

Die ganze Vorbereitung darf nicht umsonst gewesen sein. Du steigst jetzt aus diesem Auto und wirst das durchziehen. Du wirst denen zeigen, dass du keine Versagerin bist.

Ich atme ein letztes Mal tief durch, umfasse den Griff, um die Tür aufzudrücken. Eisiger Wind peitscht mir ins Gesicht, der mich doch kurz zögern lässt.

Aber da Nighthawk auf eine Antwort wartet und ich ihn nicht enttäuschen möchte, setze ich endlich einen Fuß nach draußen. Ohne weiter nachzudenken, gehe ich los, damit mich die Angst nicht erneut ergreift, und nehme gleichzeitig das Handy wieder in die Hand, um ihm zu schreiben.

JoshHarrisonsGirl:

Es hat geklappt. Ich bin jetzt auf dem Weg. Verdamt, was würde ich nur ohne dich machen?

Nighthawk:

Vergiss einfach nicht, zwischendurch tief Luft zu holen. Das macht die Welt für einen Augenblick einfacher.

Während der Fahrt zu Exeoh halte ich mich an seinen Ratschlag. Jeder Muskel in mir ist zum Zerreißen gespannt, und dass mir vor lauter Nervosität nicht das Herz aus der Brust springt, ist auch alles.

Als ich ankomme und das imposante Glasgebäude von Exeoh erblicke, bleibe ich stehen, um mir noch mal bewusst zu machen, um was für eine Chance es sich heute handelt. Es fühlt sich an wie die eine unter einer Million.

Es wird klappen. Es. Wird. Klappen.

Durch Johannas Erzählungen weiß ich, wofür diese Firma steht. Dort zu arbeiten, wäre der absolute Jackpot. Allein die Größe des Gebäudes zeigt den Erfolg, den Exeoh sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Angefangen haben sie in einer kleinen Lagerhalle, und nach einigen Misserfolgen feierte das Team mit seinem Coming-of-Age-Spiel Forbidden Stars weltweite Erfolge.

Und ich will auch dazugehören.

Bei der Anmeldung nenne ich meinen Namen, bevor ich aufs Gelände gelassen werde. Kurz fürchte ich, dass ich nirgendwo verzeichnet bin, aber tatsächlich bekomme ich einen Ausweis, der es mir erlaubt, das Gebäude zu betreten.

Ich atme ein letztes Mal tief durch, bevor ich eintrete. Etliche Frauen und Männer sitzen im Foyer auf Stuhlreihen nebeneinander, unterhalten sich oder murmeln etwas vor sich hin.

Scheiße. Die Konkurrenz ist riesig.

Es ist ganz offensichtlich, dass es sich hier um die Schauspieler*innen handelt, die für das Casting vorsprechen wollen.

Mit zittrigen Knien gehe ich zu der Frau am Empfang herüber, die hinter einem Computer sitzt und beschäftigt aussieht.

»Hey«, begrüße ich sie. »Ähm … Ich bin Louisa Schneider und für das Casting heute hier.« Unsicher drehe ich mich um.

Es ist vermutlich Einbildung, aber niemand sieht auch nur im Ansatz so nervös aus wie ich. Mir ist ganz flau im Magen.

»Hey«, erwidert sie. »Kleinen Moment, du bekommst gleich eine Nummer von mir, und dann wartest du, bis du aufgerufen wirst. Füll bitte das Formular hier aus und bring es mir wieder. Dann kann ich dich ins System einspeisen, und das Team weiß beim Aufruf, um wen es sich handelt.«

Meine Hand zittert, als ich das schwarze Klemmbrett und den Kugelschreiber entgegennehme. Auf ihm ist ein Phoenix eingraviert – das Firmenlogo von Exeoh. Ich bin so nervös, dass ich mich richtig anstrengen muss, meinen Namen nicht falsch zu schreiben. Mein Selbstbewusstsein ist mir komplett abhandengekommen. Die Tür nach draußen wirkt geradezu verlockend, und ich stehe kurz davor zu flüchten. Zwar würde ich mir das nie verzeihen, doch die Panik in mir bläht sich auf, bis mir fast schwarz vor Augen wird. Ich erinnere mich an Nighthawks Rat und atme tief durch, um mich wieder zu fokussieren.

Als ich mir sicher bin, dass ich nicht umkippe, stehe ich auf und bringe das Klemmbrett zurück. Anschließend setze ich mich abseits in die Ecke, um die Gespräche um mich herum nicht mitzubekommen. Es ist wie nach einer Klausur – alle reden darüber, und man merkt dann, wo man überall falschgelegen hat. Dieses Gefühl habe ich früher schon gehasst.

Unruhig zucke ich mit dem rechten Bein, starre auf den Boden und versuche, nicht alles zu zerdenken. Wie meine Outfitauswahl, die ich mittlerweile hasse. Weite helle Jeans mit rubinrotem Rollkragenpullover und Chucks. Dazu einen lockeren Pferdeschwanz und ein Haarband, das den Look abrundet. Scheiße, ich sehe total langweilig aus.

Die anderen Frauen tragen roten Lippenstift und auffälligen Eyeliner. Ich habe mich absichtlich nicht zu sehr geschminkt, weil es nicht zur Rolle von Naila passt.

Die Protagonistin im Spiel kommt als Gefangene in die heilige Stadt Zendegi, weiß überhaupt nicht, was mit ihr geschieht, und muss plötzlich die Rolle der getöteten Prinzessin einnehmen. Das alles nur, weil sie ihr Ebenbild ist und sie eine Prophezeiung erfüllen muss: Die Prinzessin kehrt nach zehn Jahren von den Toten zurück und schenkt den Menschen das ewige Leben.

Es hat sich falsch angefühlt, mich eher langweilig anzuziehen und auf Schminke zu verzichten, denn das ist absolut nicht mein Stil, dennoch bereue ich es jetzt. Ich hätte mich hinter dem Make-up verstecken können.

Die ersten Nummern werden aufgerufen, und nach und nach leeren sich die Stuhlreihen. Eigentlich muss ich dringend auf die Toilette, aber wenn ich jetzt gehe und dann dran bin, macht das keinen guten Eindruck. Also drücke ich die Beine etwas fester zusammen, warte und warte. Ich wünschte, Johanna würde herkommen, um mir zu sagen, dass bislang niemand Passendes dabei gewesen ist und ich mir keine Sorgen machen muss. Was natürlich nicht geht, aber es wäre genau das, was ich brauche, um meine Unsicherheit stillzulegen.

»Nummer 1026 bitte.«

Zwar höre ich, wie ich aufgerufen werde, registriere es aber nicht. Erst als mich jemand unsanft anstupst, reagiere ich. »Ey, das ist deine Nummer.«

»W-was?«

Erschrocken werfe ich einen Blick auf meinen Zettel, lese die Zahlen darauf und springe auf.

»O Gott.«

Ungeschickt komme ich auf die Beine, verliere beinahe das Gleichgewicht und folge dem Typen, der mich gerufen hat.

»Immer mit der Ruhe«, sagt er. »Nicht, dass wir noch einen Krankenwagen rufen müssen.«

»Das wäre schlecht«, murmele ich und spüre, wie meine Wangen ganz heiß werden.

Mit schnellen Schritten folge ich ihm durch die Gänge, versuche, mir die Räumlichkeiten einzuprägen und gleichzeitig nicht zurückzubleiben. Bis wir an einer riesigen Glasfront vorbeilaufen, hinter der sich ein Raum befindet, der aussieht wie eine Turnhalle.

Ich sehe Johanna an einem der Tische darin sitzen. Neben ihr befinden sich Lukas und zwei weitere Personen, die ich nicht kenne. Ein Platz ist noch frei.

»Viel Glück«, sagt der Typ und verschwindet wieder.

Mir schlägt das Herz bis zum Hals, weil ich plötzlich allein bin.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Du ziehst das durch. Und du kriegst die Rolle.

Dann trete ich in einen Raum, von dem ich dank der YouTube-Videos weiß, dass es sich um den MoCap-Raum handelt.

Johanna lächelt sofort, als sie mich sieht, während ich mich positioniere und mich dabei wie die absolute Anfängerin fühle. Ich war auf so vielen Castings, doch der Ablauf ist immer gleich. Man stellt sich vor, spricht eine Szene, die man vorher geübt hat, und geht anschließend wieder. Danach fängt das Warten an. Und wenn nach einer Woche die Telefonleitung und das Mailpostfach noch immer stumm und leer sind, weiß man, man hat verkackt.

Hier ist jedoch alles anders.

Ich bin abgelenkt von dem Raum, denn überall an den Wänden hängen Kameras, die die Bewegungen aufzeichnen. Immerhin weiß ich ein wenig über den MoCap-Prozess Bescheid, wodurch mir das Areal hier nicht ganz fremd vorkommt. Trotzdem unterscheidet es sich komplett von dem, was ich bislang kennengelernt habe. Alles hier ist hell und offen, Grau und Weiß sind die vorherrschenden Farben. Eine riesige Turnhalle, in der man nicht weiß, ob es Tag oder Nacht ist.

»Louisa Schneider, richtig?«, spricht mich auf einmal jemand an.

Sofort schnellt mein Kopf zu den Menschen, die auf meine Vorstellung warten. Verdammt, ich war so abgelenkt von der Umgebung, dass ich total vergessen habe, etwas zu sagen.

Ich nicke eilig. »Hi, ich bin Louisa, sechsundzwanzig Jahre alt und –«

Die Tür springt auf, was mich mitten im Satz innehalten lässt, und jemand betritt den Raum.

»Sorry, das Telefonat hat länger gedauert. Haben wir endlich die passende Besetzung?«

Im letzten Moment schaffe ich es, zu verhindern, dass mir vor Schreck die Kinnlade herunterfällt. Denn auf den freien Platz setzt sich niemand Geringeres als Henry Jones. Er hat bei unzähligen teuren Produktionen Regie geführt und stand bei Forbidden Stars selbst vor der Kamera. Das Problem an der Sache ist, dass sein Charakter eine richtige Schwärmerei bei mir ausgelöst hat. Ich stehe vor der Person, die mir zahlreiche schlaflose Nächte bereitet hat.

Was will er hier? Er führt doch nicht –

Ich sehe das Schild am Rande des Tisches stehen, worauf ganz deutlich steht: Regisseur.

Ach, du Scheiße.

Mir bleiben die Worte im Mund stecken, was am Ende auch egal ist, denn ich habe ohnehin alles vergessen. Vor mir sitzt Henry Jones aka Josh Harrison aus Forbidden Stars. Ich habe das Spiel nur seinetwegen viel zu oft gespielt, mir hinterher noch Let’s Plays und Fanedits angesehen.

Und was soll ich sagen? Henry sieht in echt einfach umwerfend aus. Dunkelbraune wellige Haare, die ihm verwegen in die Augen fallen und sich im Nacken leicht locken, dazu himmelblaue Augen. Unsere Blicke treffen sich, und meine Knie werden weich.

O Gott, ich bin so ein Fangirl.

»Ähm … Also, ich würde gerne die Anfangsszene spielen, in der Naila im Gefängnis erwacht und dann von Jaro mitgenommen wird.«

Es fällt mir schwer, mich wieder zu fokussieren. Besonders, nachdem ich mitten in meiner Vorstellung unterbrochen wurde.

»Alles klar. Fang an«, sagt Henry, ohne mich weiter anzusehen. Stattdessen blättert er in den Unterlagen vor sich – wahrscheinlich, um sich ein Bild von mir zu machen.

Ich werfe einen letzten Blick zu Johanna, die mir nochmals ein Lächeln schenkt, das nur für mich bestimmt ist, und mir damit Mut macht.

Die Rolle gehört mir. Ich werde das schaffen.

Ich gehe in die Mitte des Raumes und rufe mir die Szene in Erinnerung. So ganz ohne Requisiten ist es hart zu spielen, denn alles, was ich transportiere, findet nur in meinem Kopf statt. Doch gerade deshalb müssen meine Mimik und Gestik sitzen, damit es glaubwürdig wirkt.

Langsam setze ich mich hin, visualisiere, wie Naila in der ersten Szene an der Wand lehnt. Sie hält den Kopf gesenkt, hat tagelang nichts gegessen und kaum getrunken. Niemand hat ihr bislang gesagt, wo man sie hingebracht hat. Sie ist voller Angst, weil sie glaubt, sterben zu müssen.

All diese kleinen Gesten und die Gefühle dazu sind in meinem Kopf. Sie sind so klar, dass sie wie ein Film vor meinem inneren Auge ablaufen. Gerade als ich den Mund öffne und die ersten Worte sagen will, schießt mir ein Satz durch den Kopf, der mich auf der Stelle lähmt.

»Bei dir haben wir den Eindruck, als wärst du bloß eine leere Hülle. Kein Gefühl, kein Ausdruck. Da ist absolut nichts. Du wirst es leider nie weit bringen.«

Ich reiße die Augen auf, weil ich mich in die Zeit meiner Ausbildung zurückversetzt fühle. Sehe dabei, wie jeder um mich herum Erfolg hat, während ich immer weiter zurückfalle, weil ich offensichtlich nicht genug Talent habe. Und vielleicht hatten sie recht. Wie soll ich hier überzeugen, wenn ich keine Gefühle rüberbringen kann?

Plötzlich ist mein Kopf wie leer gefegt. Ich kann mich an keinen Satz mehr erinnern, geschweige denn, wie ich es schaffen soll, Naila gerecht zu werden.

»Louisa, ist alles okay?« Johannas Stimme dringt dumpf an mein Ohr. Gerade spricht sie als Freundin zu mir, aber auch als Narrative Designerin von Exeoh. Sie hat die Geschichte von Anima geschrieben, das Spiel ist ihre Schöpfung. Und ich werde sie enttäuschen, einfach weil ich ich bin.

»Ich … glaube …«

Ich werfe Johanna einen Blick zu, schüttle kaum merklich den Kopf. Sofort steht sie auf und sagt: »Hey, was haltet ihr davon, wenn wir fünf Minuten Pause machen? Ich glaube, wir alle brauchen ein wenig frische Luft. Danach versuchen wir es noch einmal.«

Sie erntet von allen, außer von Lukas, fragende Blicke für ihren Vorschlag. Am liebsten würde ich ihr die Füße küssen, weil sie mich aus dieser Situation rettet, und gleichzeitig will ich nur weg.

Ich hätte auf mein Karma heute Morgen hören sollen. Dass der Wagen nicht angesprungen ist, war ein deutliches Zeichen.

Wegen mir wird jetzt eine Pause gemacht. Weil Johanna versucht, mir den Arsch zu retten. Nicht, weil sie eine Pause brauchen. Und normalerweise wäre ich sowieso direkt aus dem Casting geflogen.

Eigentlich sollte ich dankbar sein, weil Johanna sich indirekt für mich eingesetzt hat. Aber alles, woran ich denken kann, ist, dass ich bloß eine leere Hülle bin.

Forbidden Stars

Chapter Two

Grace Pov:

Seit dem Umzug damals hasste ich New York. Also sollte ich froh sein, diesem Ort endlich den Rücken zu kehren und wieder in Silver Creek zu sein. Die ersten acht Jahre meines Lebens hatte ich hier verbracht, aber die meisten Erinnerungen an früher waren eher verschwommen.

NIGHTHAWK

Dort würde ich auch gerne wohnen.

JOSHHARRISONSGIRL

Ich würde sofort mit dir dorthin ziehen ;-)

NIGHTHAWK

Wann geht’s los?

Ich beneidete andere Menschen oft darum, wenn sie von ihrer glücklichen Kindheit sprachen, die voller Regenbogenfarben, Einhörnern und Glitzer war.

Ich schätzte, Adalynn erhoffte sich durch den Umzug einen Sinneswandel bei mir, nachdem ich es in New York gründlich versaut hatte. Das Jobangebot, als Moderatorin für die örtlichen Nachrichten zu arbeiten, hatte sie nur vorgeschoben, um es sich selbst schönzureden. Sie hasste die Vororte, so wie ich riesige Städte.

»Bist du dir sicher, dass du nicht versuchen willst, es ein wenig mehr zu kaschieren? Es ist dein erster Tag und …« Meine Patentante musterte mich skeptisch, aber ich zuckte unbeeindruckt mit den Schultern.

»Ist mir egal, was die anderen über mich denken.«

Sie seufzte und wandte sich ab, um die restlichen Kartons auszupacken.

Das Haus war kein Vergleich zu dem schicken Loft an der Upper East Side, in dem wir bisher gewohnt hatten, und ich fragte mich oft, ob sie es bereute, damals die Patenschaft übernommen zu haben. Sie opferte ihr ganzes Leben, aber ich flog von der Privatschule und kassierte ein blaues Auge.