Libellentango - Maria Bocca - E-Book

Libellentango E-Book

Maria Bocca

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Beschreibung

Mitten im quirligen Paris wird die Französin Juliette durch die aufwühlende Begeg-nung mit der Amerikanerin Sue direkt aus der ehelichen Routine in eine lesbische Affäre katapultiert. Für die kastaniendunkle Juliette das erste Mal. Seit 15 Jahren lebt sie in einer gereif-ten und glücklichen Ehe mit Max, dem Artdirektor einer großen Werbeagentur. Doch als sie die hochgewachsene Amazone mit den fliegenden blonden Haaren, Typ Anni Lennox, in einem offenen britischen Sportwagen in der endlos langen Rue Rivoli erblickt, ist es um sie geschehen. Der Stich geht direkt ins Herz. Unerklärlich. Überwältigend. Ekstatisch. Erst nach einer Verfolgungsjagd quer durch die Stadt stehen sich die beiden Frauen das erste Mal Auge in Auge mit zitternden Knien gegenüber. Kaum auszuhalten. Atem beraubend. Die eigentlich ehetreue Juliette erlebt eine nicht gekannte Zerreißprobe, während Ehemann Max sie derweil zum allwöchentlichen Sundowner im legendären "Ambassador" auf den Champs Élysées erwartet. Er ahnt nicht, dass seine Juliette sich im Taxi auf dem Weg zum ersten Date mit der blonden Sue den ersten Lüsten hingibt, ganz still und nur für sich - und ihren Max schon fast vergessen hat. "Dann rutschen meine Finger, Verzeihung bitte, wie von fremder Hand gezogen, in meinen Schoß, sie schlüpfen unter meinen Rock, gleiten über meine sonnenglatten Oberschenkel hin zu meinem wilden Dreieck. Meine Finger spüren dort die Hitze, füh-len, wie es feucht wird, rutschen schon hinein in meinen Slip, wagen sich durch meine dunklen Kräusellöckchen, meine Finger tasten, suchen, drücken, wow, oh ja, wie gut das tut ..." Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass Juliette auf ihrem Ritt durch die Stadt immer wieder vergisst, dass sie außer ihrer hochgradigen Verwirrtheit noch ein wertvolles Kunstwerk mit sich trägt.

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Maria Bocca

Libellentango

Sturzflüge der Liebe, Sex und wilde Träume: 2

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Libellentango - Eine erotische Erzählung

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Impressum neobooks

Vorwort

Ganz lieben Dank, dass Sie dieses Ebook gekauft haben. Die Geschichte ist Teil eines Sammelbandes, der unter dem Titel.

Maria Bocca.

Liebesstürze ROT

Erotische Geschichten von Sehnsucht, Sex und wilden Träumen

.

als Ebook und in einer gedruckten Version (392 Seiten / 14,99 €) in allen Onlineshops und im Buchhandel erhältlich ist. Weitere erotische Geschichten erscheinen in Abständen zunächst als Ebook. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Freude beim Lesen und natürlich auch im wirklichen Leben!

Ihre Maria Bocca

.

Libellentango - Eine erotische Erzählung

.

Place des Vosges, sechzehn Uhr dreißig, an einem warmen Freitagnachmittag im September. Ich komme gerade von Marcello, meinem italienischen Friseur: neuer Farbton, tiefes Schwarz, leichter Kastanienschimmer, etwas eingekürzt - sehr gelungen. Passt bezaubernd zu meinem Teint. Der ist eher dunkel. Typ Mulattin. 

Die Luft unter den Arkaden des Platzes schimmert herbstlich klar, doch man spürt noch die letzten Flügelschläge des Sommers. Auf vertrockneten Rasenflächen lagern träge hingegossen einzelne Müßiggänger oder auch ganze Familien. Die Kinder spielen Schiffchen und inszenieren mit endlosem Vergnügen kleine Seeschlachten an den Rändern der Springbrunnen. Nach einem hektischen Tag in der Agentur freue ich mich jetzt auf die Verabredung mit meinem Mann. Es ist eine alte, gute Gewohnheit von uns beiden. Schon seit Langem beenden wir die Arbeitswoche mit einem Drink in der Bar auf dem Dach des HotelAmbassador, kurz vor dem Étoile und hoch über den Champs Élysées. Max ist erfolgreicher Art Direktor in der zweitgrößten Werbeagentur von Paris, ich, ganz ohne Komplexe, in einer der kleineren. Wir kennen die Branche und wir wissen jeder genau, was den anderen so umtreibt. Und das nun schon seit fünfzehn Jahren. Natürlich ahne ich nicht im Geringsten, dass unser nettes Ritual kaum zehn Minuten später vom Wirbelwind meiner aufbrechenden Gefühle gnadenlos zerfetzt und in alle Himmelsrichtungen verteilt werden würde.

Ich halte Ausschau nach einem Taxi und ich habe Glück. Gleich nebenan hält ein Wagen. Ein steinreiches Paar, ich sehe so etwas ausgesprochen treffsicher, steigt aus, wahrscheinlich Amerikaner. Sie gehen, ohne sich umzuschauen, in die Galerie von Pascal. Zielstrebig, so sind sie. Time is money. Pascal verkauft zeitgenössische Kunst an wohlhabende Touristen. Meistens überteuert. Schnäppchenjäger haben bei ihm schlechte Chancen, denn er versteht sein Geschäft.

Auf mein Zeichen hin rollt der Mann seinen Mercedes einige Meter zu mir heran. Ich steige ein und setze mich damenmäßig, wie es sich gehört, auf die Rückbank. Der Fahrer entpuppt sich als Marokkaner, so wie viele Taxifahrer in Paris. Sie sind eigentlich Franzosen und sie sprechen perfektes Französisch. Aber die Leute sagen halt gerne, der ist Marokkaner, und dieser ist Tunesier oder jener Vietnamese, obwohl sie alle hier geboren und aufgewachsen sind.

Meine lederne Mappe stelle ich zwischen meine Füße und überprüfe, ob die hinteren Türen des Taxis gut verriegelt sind. Und das aus gutem Grund, denn die Mappe ist im Moment geschätzte sechzigtausend Euro wert. Das ist keine Petitesse. Ich habe einen kleinen Lautrec darin verstaut, eine Radierung von 1892. Nicht gerade zeitgenössische Kunst, aber sehr beliebt bei der zahlungskräftigen Kundschaft. Pascal hat mir das Stück für dreißigtausend in Kommission gegeben. Ein echter Freundschaftsdienst, wie er meinte. Jeder Euro, den ich darüber hinaus erlöse, soll mir gehören. Ich rechne noch einmal mit dreißigtausend. Ein potenter Interessent aus Asien zappelt bereits erwartungsvoll an meiner Angel. Angeblich kauft der abgedrehte Japaner alles, was am Markt von Lautrec aufzutreiben ist. Ich möchte das wunderschöne Exemplar aber noch einige Abende bei uns zu Hause genießen, bevor ich es in klingende Münze verwandele. Ein echter Lautrec, wie der riecht, wie er dich erregt, die bekannten Figuren aus dem leichten Leben des neunzehnten Jahrhunderts ... Und wann hat man so etwas schon mal in den eigenen vier Wänden! Deswegen begleitet mich das wertvolle Blatt zu meinem Sundowner mit old friend Max auf dem Dach des Ambassador. Leichtsinnig, sagt ihr? Na ja, das ist alles relativ, es weiß ja niemand, dass ich außer zwei vertrockneten Croissants von gestern noch andere Kostbarkeiten in meiner unscheinbaren Tasche befördere.

Der Mann am Steuer mit dem dunklen Schnäuzer und dem krausen Haar lässt die Fahrt geruhsam angehen. Sehr viel schneller werden wir um diese Tageszeit ohnehin nicht vorankommen, denke ich und verspüre Lust auf ein freundliches Gespräch. Ich beuge mich nach vorne und möchte wissen, wie lange er heute schon unterwegs ist, an welchem Halteplatz er am längsten warten musste, ob es ein guter Tag war, und so weiter. Halt so Fragen, über die ein Taxifahrer gerne redet. Er gibt bereitwillig und südländisch temperamentvoll Auskunft. Wie es aussieht, wird es mit ihm eine kurzweilige Fahrt werden. Seine kleinen dunklen Augen blitzen mich zwischen den Worten immer mal wieder an. Das mag ich bei diesen Menschen aus dem Maghreb. Es ist wie elektrische Energie, wie ein Schluck heißer Espresso oder wie der erste Chablis beim Schlürfen einer frischen Auster.

Noch bemerke ich nichts Ungewöhnliches. Entspannt und ohne besondere Vorkommnisse fährt mich mein freundlicher Chauffeur, vermutlich Moslem wie die meisten Marokkaner, auf seinen ganz persönlichen Schleichwegen durch das Marais, das jüdische Viertel von Paris, hinüber zur Rue Rivoli. Wir kommen trotz Feierabendverkehr besser voran, als ich erwartet hatte, immer geradeaus der Sonne entgegen in Richtung Westen und in Richtung Champs Élysées. Elend lang ist diese Rue Rivoli, manche nennen sie die Rue sans Fin, die Straße ohne Ende.

Mein Seelenzustand beginnt ein wenig aus seiner beschaulichen Bahn zu hüpfen, als ich einige Wagenlängen vor uns ein rattenscharfes Cabrio mit geöffnetem Verdeck entdecke, einen britischen Morgan in Tizianblau. Max schwärmt schon seit Jahren von diesem Zweisitzer, eine Art von Besessenheit von ihm, die mit der Zeit auf mich übergesprungen ist. Der Morgan sei das einzig wahre Cabrio der Automobilgeschichte, meint er. Aber leider nicht alltagstauglich, im Winter meistens nass und zugig und Gepäck gehe auch nicht rein.

Als wir näher kommen, höre ich das unverwechselbare Grummeln des Motors. Ja, da hat der Max schon recht, so sollte es sich anhören! Ich lehne mich aus dem Fenster, krieche dem Sound hinterher. Der Abstand schmilzt, in Kürze sind wir gleichauf. Dann geschieht es. Der schon erwähnte Wirbelwind der Gefühle überfällt mich, denn erkenne ich, wer den eleganten Wagen steuert, ein Anblick, der mir unerwartet einen Stich direkt ins Herz versetzt. Ein weibliches Geschöpf, eher hochgewachsen, Mitte dreißig, hager, sportlich wirkend mit kurzen mittelblonden Haaren, vom Fahrtwind straff nach hinten gedrängt, Sonnenbrille, na logisch, volle Lippen, ein fast römisches Profil, Typ Anni Lennox, langer Nasenrücken, hohe Stirn. Ich liebe Anni Lennox. Mir kommt ihr großer Hit in den Sinn, Sweet Drems are made of this ... Sweet Drems are made of ... Ich fange an zu summen.

Während die Stimme von Anni Lennox noch durch mein Gehirn weht, kommt mir die Frage, ob es sich bei dieser Anni Lennox überhaupt um eine Frau handelt. Etwas irritiert mich an ihr. Täusche ich mich? Ist die Person am Steuer nicht eigentlich ein Mann, ein kapriziöses schwules Geschöpf, ein Wesen zwischen den Geschlechtern? Ich vermag es nicht mit Sicherheit zu sagen. In dieser Stadt ist vieles möglich. Was ich aber spüre, in diesem Augenblick, tief in mir drin, trotz aller Zweifel, diese Erscheinung strahlt etwas aus, das mich blitzartig gefesselt hat und mich nicht so schnell wieder loslassen wird. Wir fahren jetzt nebeneinander, mein Taxi neben dem Morgan, die Rue Rivoli hinunter, die Rue sans Fin. Mann oder Frau? Ich schwanke. Etwas in mir möchte, dass es eine Frau ist.

In Gedanken sitze ich bereits neben ihr, denn sie fährt den Roadster allein und an ihrer Seite ist noch ein freier Platz. Doch ich schrecke zurück, dieser Fantasie weiter zu folgen. Der Grund ist einfach. Niemals zuvor, niemals in meinem ganzen Leben, habe ich mir gestattet, eine Frau zu lieben, außer meine Mutter natürlich. Lesbische Liebe war für mich kein Thema. Im Gegenteil, unter uns Freundinnen war es nichts weiter als ein Spottthema. Was also geschieht da gerade mit mir, während mein Chauffeur putzige Geschichten über seine jüngste Tochter erzählt, die kleine Anaïs ... Ein freches Kind mit einem eigenen Kopf muss sie sein.

Der Verkehr kommt ins Stocken, wir fahren nur noch Schritt. Beide Wagen immer noch Seite an Seite. Ich kann mich nicht satt sehen an dieser Frau, meine Fensterscheibe bleibt heruntergefahren, und ich starre sie an wie hypnotisiert. Das lässt mich womöglich ziemlich entgeistert aussehen, aber es kommt so über mich, und ich kann nichts daran ändern. Ich bin versucht, ihr ein Zeichen zu geben, sie anzusprechen, zu rufen, ich öffne meinen Mund, doch da ist nichts als ein Gefühl der Lähmung, ich bringe keinen Laut hervor. Sie dagegen souverän, bedient entspannt ihr Radio, blickt in den Rückspiegel, mustert ihr Makeup. Jetzt wieder dieser selbstbewusste Blick nach vorn, das Kinn leicht angehoben, sie schürzt die vollen Lippen, ich komme mir zunehmend klein vor, ihr Profil aus der Nähe erscheint noch eindrucksvoller, ich würde sogar sagen, von einer eigentümlichen Nobelesse. Dann eine kaum merkliche Wendung ihres Kopfes hin zum linken Außenspielgel, dort wo neben ihr ein Taxi fährt, ein kurzer Moment der Irritation, so wie auch ich ihn kenne, wenn ich merke, da fixiert mich jemand von der Seite.

„Nein, bitte, nicht so schnell“, muss ich meinen Fahrer erinnern, ist er doch dabei, den Morgan in einer momentanen Gedankenlosigkeit hinter sich zu lassen. Er bremst gefühlvoll und stellt den alten Zustand wieder her. Wie gut. Ich bin erleichtert. Zwei Autos gleiten über die Rue Rivoli, Seite an Seite, jetzt schon auf der Höhe vom Palais Royale, dann wagt sie einen Blick zu mir, sie blickt mir ins Gesicht. Ich staune wie eine Dreizehnjährige, sie hingegen schmunzelt, erst nur kurz, wie überrascht, dann lacht sie, amüsiert sich über mich, über diese Frau im Taxi neben sich im milden Fahrwind dieses Nachmittags. Es ist ein Lachen, das mich verlegen macht. Ich möchte mich verstecken, spüre, wie ich schrumpfe, wie das kleine Mädchen in mir noch ein wenig kleiner wird.

Ich suche Rettung, indem ich meinen Gedanken erlaube, ganz ähnlich dem Hasen auf der Flucht vor seinem Jäger, zu meinem Mann zu fliegen, zu Max, mit dem alles einfach und klar ist, immer alles einfach und klar war, der mir schon seit langem so viel Kraft gibt und der nun schon seit mindestens zehn Minuten auf mich wartet und sich garantiert sorgenvolle Gedanken macht, warum ich nicht erscheine. Doch diese kleine Flucht bietet mir nur für Augenblicke einen sicheren Hafen. Das markige Geräusch von ihrem Wagen holt mich zurück in die Rue Rivoli