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»Wer hätte gedacht, dass man sich lesend so gut über die Liebe unterhalten kann?« Johanna Adorján
»Katja Eichinger räumt auf. Mit viel Schrott, der in unseren Köpfen über die Themen Leben, Liebe, Tod vor sich hingammelt. Lesen Sie dieses Buch, es könnte Sie etwas intelligenter und lustiger machen.« Inga Humpe
»Katja Eichinger schreibt in ihrem sehr amüsanten Buch Dinge auf, die uns beide weit über das Lesen hinaus beschäftigen – morgens, mittags und abends.« Frauke Finsterwalder & Christian Kracht
Das neue Buch der SPIEGEL-Bestseller-Autorin Katja Eichinger
Furiose Essays über die Liebe von einer der originellsten Stimmen der Gegenwart
Wen begehren wir? Und was erzählt unser Begehren über uns? Wie hängen Lust, Leidenschaft und Liebe zusammen? In ihrem neuen Band »Liebe und andere Neurosen« schreibt Katja Eichinger in zehn elektrisierenden Essays über das Wechselspiel zwischen Verlangen und Verunsicherung. Sie erzählt Familiengeschichten wie die ihrer Urgroßmutter, die ihre Leben lang unter dem Apfelbaum stand und von dem armen Handwerker träumte, den sie nicht heiraten durfte. Und sie erzählt von eigenen Begegnungen, in denen sich ihr das Wesen der Liebe offenbarte. Ein radikal vergnügliches Buch, geschrieben mit wachem Blick für die Magie und Macht von Liebe heute. Mit Fotografien von Christian Werner.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 368
Veröffentlichungsjahr: 2022
Wen begehren wir? Und was erzählt unser Begehren über uns? Wie hängen Lust, Leidenschaft und Liebe zusammen? In ihrem neuen Band »Liebe und andere Neurosen« schreibt Katja Eichinger in zehn elektrisierenden Essays über das Wechselspiel zwischen Verlangen und Verunsicherung. Sie erzählt Familiengeschichten wie die ihrer Urgroßmutter, die ihre Leben lang unter dem Apfelbaum stand und von dem armen Handwerker träumte, den sie nicht heiraten durfte. Und sie erzählt von eigenen Begegnungen, in denen sich ihr das Wesen der Liebe offenbarte. Ein radikal vergnügliches Buch, geschrieben mit wachem Blick für die Magie und Macht von Liebe heute.
Mit Fotografien von Christian Werner.
Katja Eichinger studierte am British Film Institute und arbeitete als Journalistin in London, u. a. für »Vogue«, »Dazed & Confused« und die »Financial Times«. Nach ihrem Bestseller »BE«, der Biographie ihres verstorbenen Mannes Bernd Eichinger, erschien bei Blumenbar 2020 der Essayband »Mode und andere Neurosen«, der ebenfalls ein Bestseller wurde. Neben ihrer Arbeit als Autorin produziert Katja Eichinger Musik. Sie lebt in München und Berlin.
Der Fotograf Christian Werner, geboren 1977, arbeitet für nationale und internationale Zeitschriften wie das ZEITMagazin, 032c, SSENSE und Numéro. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht und lebt in Berlin.
www.christianwerner.org
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Katja Eichinger
Liebe und andere Neurosen
Essays
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Widmung
Motto
Intro
Begehren oder Was dir auch gefallen könnte
Leidenschaft oder Der Mann muss ins Haus, und wenn das Klavier raus muss
Lust
Verlieben oder Warum ich demnächst Dave Grohl heiraten werde
Über die Ehe oder Reich mir die Hand, mein Leben
In the Temple of Love – Zweisamkeit
Wo die wilden Tiere leben – Familie
I Sing The Body Electric – Selbstliebe
Jenseits von Eden – Freundschaft
Surrender to the void – Tod und Trennung
Danke
Impressum
Für alle meine Freunde, die in diesem Buch vorkommen. (Sorry)
But I believe in love. And I know that you do, too.
Nick Cave, Into My Arms
Vor ein paar Tagen war meine Freundin Lena zu Besuch. Wir hatten zuletzt vor einem Jahr länger geredet. Damals, im Herbst 2020, existierte dieses Buch nur als vage Idee, eine Art »Die Liebe in den Zeiten von Corona« zu schreiben – eine Sammlung von Geschichten über zwischenmenschliche Extremsituationen, bedingt durch eine globale Pandemie. Lena hatte mir in dem langen Video-Telefonat das Buch »Figuren des Begehrens« von René Girard empfohlen. Dieses Buch habe Peter Thiel dazu inspiriert, als erster Finanzier in ein zu diesem Zeitpunkt winziges Start-up-Unternehmen namens Facebook zu investieren. Beim Lesen von Girards Buch kamen mir so viele Assoziationen, Querverbindungen und Erinnerungen, dass mir wieder bewusst wurde, die Liebesdramen in Corona-Zeiten finden nicht in einem Vakuum statt. Ähnlich wie in Gabriel García Márquez’ Roman »Die Liebe in den Zeiten der Cholera« oder in Thomas Manns »Der Tod in Venedig« eine Epidemie als Katalysator für die psychischen Prozesse der Protagonisten dient, hat auch Corona ein Vergrößerungsglas auf menschliche Gefühle und Verhaltensmuster gehalten. So entstand schließlich das Konzept für das Buch, das Sie in Händen halten: zehn Essays über diese wunderbare, aber oft so schmerzhafte und immer wieder zutiefst rätselhafte Kraft, die unsere Welt in Bewegung hält: die Liebe.
Zwölf Monate später war ich fertig mit dem Schreiben und teilte Lena mit, ich hätte ein Buch mit dem Titel »Liebe und andere Neurosen« verfasst. Lena sah mich verdutzt an: »Neurosen?« Da sie kein Deutsch spricht, hatte sie mein vorheriges Buch »Mode und andere Neurosen« nicht gelesen. Sie wusste nicht, dass ich da eine gewisse Vorliebe habe. »Ja!«, nickte ich eifrig. »Neurosen im Sinne der anhaltenden Unfähigkeit, eine Entscheidung zu treffen.« Lena zog die Augenbrauen hoch. »Ich denke, Liebe ist das Gegenteil von einer Neurose. Liebe ist immer eine Entscheidung.« Lena ist mittlerweile schon 27 Jahre mit ihrem Mann verheiratet. Als ich später mit den beiden essen ging, konnte ich wieder einmal miterleben, wie nah sich die beiden stehen. Keine Frage, was immer auch Lena und ihr Mann unter Liebe verstehen, es funktioniert. Vielleicht ist die Liebe ja wirklich so einfach. Ich entscheide mich und bleibe bei dieser Entscheidung. Dann ist alles gut. Happy End für immer. Jedem Herz – sei es als Goldkettchen am Hals, als Emoji in der Textnachricht oder als Luftballon zum Geburtstag – wohnt eben genau dieses Versprechen inne: dass Liebe einfach ist. Dass es sich hier um ein klares Gefühl handelt, das alle Widersprüche und Zweifel, alle Ängste, Wünsche und heimliche Begehren ausradiert.
In einer Zeit, in der menschliche Kontakte staatlich reguliert werden, ein Buch über die Liebe zu schreiben, hat sich oft so angefühlt, als würde ich von einer einsamen Sternwarte das Leben auf einem fernen Planeten beobachten. Ein schillernder, faszinierend schöner Planet, wo das verträumte Idyll genauso seinen Platz hat wie der dunkle Abgrund. Diese vermeintlich unvereinbaren Gegensätze sind es, die die Liebe zum zentralen Thema der Menschheit machen. Liebe inspiriert uns eben nicht deswegen zu Musik, Poesie, Malerei, provoziert nicht deswegen Kriege, lässt uns nie gekanntes Glück oder Todesverzweiflung erleben, weil sie so einfach ist. Liebe in all ihren Facetten konfrontiert uns immer mit Widersprüchen. Sei es dem Widerspruch zwischen Nähe und Distanz, zwischen Angst und Begehren oder zwischen Spiegelung und Gegensatz. Es ist das ewig Wechselnde, das Schillernde, das Komplizierte, ja, das Neurotische, durch das wir Liebe und damit uns selbst und andere erfahren.
Als ich mich von Lena verabschiedete, bemerkte ich im Bücherregal neben der Wohnungstür die deutsche Erstausgabe von »Die Liebe in den Zeiten der Cholera«. Auf dem Cover war das Bild von einem Dschungel, über das ich in den Monaten zuvor viel nachgedacht hatte und über das auch Sie einiges in diesem Buch erfahren werden. Der Kreis hatte sich geschlossen. Ich war am Ende angelangt. Ich lächelte Lena an und war in diesem Augenblick so glücklich, dass sie meine Freundin ist. Denn sie erinnert mich immer daran, dass Liebe auch einfach sein kann. Dass dieser einfache Glücksmoment, wenn wir einander in aller Aufrichtigkeit schwören »Ich liebe dich«, dass eben dieser Herzensmoment das ist, wonach wir uns alle sehnen. Doch der Weg zum Einfachen läuft eben meist über das Komplizierte. Das ergibt zwar keinen Sinn, aber genau deswegen ist die Liebe so schön.
Berlin, im Dezember 2021
Ich kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier.
Nina Hagen, TV Glotzer (white punks on dope)
Im Frühsommer 2020 fuhr ich mit einem Mietwagen die Autobahn von München in Richtung Norden. Der erste Lockdown war gerade zu Ende gegangen. Es war früh am Morgen. Außer mir kaum Autos auf der Fahrbahn. Der Mietwagen war so schön neu, und ich war ganz begeistert, wie problemlos er die hessischen Berge hinauffuhr. Das war doch mal was anderes als mein behäbiger alter Mercedes, mit dem ich jetzt schon so lange verheiratet bin und in dem ich die schönsten, aber auch die schwersten Autofahrten meines Lebens verbracht habe. In diesem Moment war ich so euphorisiert von meiner neu gewonnenen Freiheit und den schadstoffarmen Errungenschaften der Technik, ich spielte mit dem Gedanken einer automotiven Scheidung. Zu all den unbegrenzten Möglichkeiten, die hinter dem Autobahnhorizont auf mich warteten, könnte doch auch ein neuer Wagen gehören. Und damit auch ein neues Ich. Hochpoliert, ohne den ganzen schweren emotionalen Ballast im Kofferraum. Die Erinnerungen einfach ausradiert. Ich könnte dann einfach die Autobahn langfahren und wie Arnold Schwarzenegger in »Total Recall« sagen: »I zink I just had a labotomy.« In diesem Augenblick schien mir das wirklich toll.
For each ecstatic instant We must an anguish pay In keen and quivering ratio To the ecstasy
Emily Dickinson
A
Wenn ich liebe, seh’ ich Sterne. Ist’s getan, seh’ ich den Mond. Ach, es war nur die Laterne. Trotzdem hat es sich gelohnt.
Julie Schrader
An meinem ersten Tag in Berlin, nachdem ich den Mietwagen zurückgegeben hatte, ging ich die Straße entlang durch mein Viertel. Überall saßen Menschen vor den Restaurants, redeten miteinander, lachten. Nach den langen Monaten der Isolation im extra strengen Münchner Lockdown war so viel Sozialleben überwältigend. All diese Gesten, Augenblicke, Körper, all dieses zum Ausdruck gebrachte Gefühl. Wie trunken waren wir, betrunken vom Menschsein. Nur dass ich dieses »wir« nicht fühlte. Noch war ich nicht wirklich angekommen. Mir war das alles noch fremd, ja, unheimlich. Sowohl im konkret medizinischen Sinne (Huch! Werden hier keine Viren übertragen?) wie auch im freudianischen Sinne. Freud definierte »Das Unheimliche« als etwas, was einem früher vertraut war, man aber mittlerweile ins Unbewusste verdrängt hat. Ein Erlebnis kann das Verdrängte wieder ins Bewusstsein bringen und Angstgefühle auslösen, die ein Symptom des Verdrängungsmechanismus sind.
Während ich den Bürgersteig entlangging und auf die Menschen in den Restaurants schaute, fiel mir ein Erlebnis aus meiner Kindheit ein. Ich war mit meinen Eltern im Frankreichurlaub und wir besichtigten die Burg der Herzöge der Bretagne in Nantes. Diese Festung hatte im 17. Jahrhundert auch als Gefängnis für die Feinde des französischen Königs gedient. In einem der Kerker, auf dessen schmutzigem Steinboden die Gefangenen an Eisenkugeln gekettet waren, hing von der hohen Kuppel ein Käfig. In diesen Käfig passte gerade mal ein Mensch, doch weder war er lang genug, dass sich der Gefangene darin ausstrecken konnte, noch hoch genug, um darin gerade zu stehen. Dieses Folterinstrument hatte sich ein Kardinal ausgedacht, der dann aber selbst darin eingesperrt wurde und ein schreckliches Ende fand. Ich erinnere mich gut an dieses gruselige Gefühl, unter dem Käfig zu stehen und mir vorzustellen, wie der Kardinal darin die von ihm geschaffene Hölle erlebte. Aber einen noch stärkeren Eindruck machte eine Zelle auf mich, die erst einmal recht geräumig und angenehm wirkte. Dann aber machte die Fremdenführerin das Licht aus. Plötzlich stand ich mit den anderen Touristen in fast kompletter Dunkelheit. Nur durch eine winzige Scharte im dicken Gemäuer fiel ein Lichtschlag auf die gegenüberliegende Wand. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Wand dort, wohin das Licht fiel, mit Zeichnungen und Schriften übersäht war. Jeder Quadratzentimeter war beschrieben. In diesem Moment wurde mir als Kind klar, wie kostbar Licht ist. Ist es doch das Versprechen von Freiheit und von Leben, und gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, unsere Erinnerungen und Sehnsüchte sichtbar zu machen. Dass ich später einmal Filmtheorie studieren sollte, hat sicherlich auch mit diesem Moment zu tun. Es war auch das erste Mal, dass ich mich mit einer Gruppe fremder Menschen in einem dunklen Raum fernab der Außenwelt befand und mit ihnen ein Erlebnis teilte, das sowohl Angst wie auch Erregung auslöste. Damals wusste ich noch nicht, dass die Welt der Erwachsenen voll von solchen dunklen Räumen ist, nicht nur im Kino und dem Konzertsaal, sondern auch in Nacht- und Sexclubs. Orten der sublimierten wie auch der unverhohlenen Lust. Denn Lust ist aufregend, manchmal sogar profund, und nicht selten kann sie uns Angst machen. Und fast immer dreht es sich dabei, wenn nicht um die Überschreitung, dann zumindest um das Vergessen von Grenzen und Verboten. Der Gefangene – leider kann ich mich nicht an seinen Namen erinnern und online lässt sich dazu auch nichts finden, aber ein anderer berühmter Häftling, Gilles de Rais, der als Vorlage für König Blaubart gilt, war es nicht – hatte jahrelang in dieser Zelle im Dunkeln gehockt. Eingeschlossen hinter dicken Mauern und einer eisenbeschlagenen Tür. Fasziniert vom Licht, sehnsüchtig nach der Außenwelt. Irgendwann wurde er begnadigt. Als er zum ersten Mal seine Zelle verließ und das Licht der Sonne erblickte, war der Schock so groß, dass er zusammenbrach und starb. Von der Freiheit getötet.
