Lieblingsplätze in Franken - Friederike Schmöe - E-Book

Lieblingsplätze in Franken E-Book

Friederike Schmöe

0,0

Beschreibung

Weltkultur und Metropolregion, Romantik und Moderne, Weinhänge und Berggipfel - von Oberfranken mit Bamberg und Coburg über den Ballungsraum um Nürnberg, Fürth und Erlangen in Mittelfranken bis nach Unterfranken mit Würzburg können Sie Abwechslung pur erleben. Erkunden Sie versteckte Orte im Stadtgetümmel oder malerische Flecken in der Natur. Setzen Sie sich mit einem Bocksbeutel zwischen Reben oder mit einem Schäufele in einen urigen Biergarten. Suchen Sie die Einsamkeit im Fichtelgebirge oder paddeln Sie mit den Kindern im Kajak den Main entlang. Wandeln Sie zurück in die Vergangenheit und gehen Sie mit dem Fortschritt - tun Sie alles, was Ihr Herz begehrt, und das in Franken!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 142

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Lieblingsplätze in Franken

Friederike Schmöe

Impressum

Autorin und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autorin und Verlag: [email protected]

Aus Gründen der Lesbarkeit und Sprachästhetik wird in diesem Buch das generische Maskulinum verwendet. Mit der grammatischen Form sind ausdrücklich weibliche sowie alle anderen Geschlechtsidentitäten mit berücksichtigt, insofern dies durch die Aussage geboten ist.

Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Friederike Schmöe:

Propstei Wechterswinkel 16; FrankenTherme Bad Königshofen 22; Bayerisches Staatsbad Bad Steben GmbH 48; Michaela Baier 50; rogg-in.de 54; Adrian Keidel (https://adrianinfernus.de) 60; Helmut Meyer zu Capellen 70; Stadtmuseum Erlangen 78; Airport Nürnberg 92;Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim 122; Museum Georg Schäfer Schweinfurt/Foto: Peter Leutsch 158; Verein Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf e.V./Foto: Anand Anders 160; Bayerische Schlösserverwaltung/Foto: Konrad Rainer, Salzburg 174

Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

1. Auflage 2023

© 2023 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat/Redaktion: Ricarda Dück

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz

unter Verwendung der Illustrationen von © SG-design – stock.adobe.com, © Sylwia Nowik, © Wiktoria Matynia, © EH Grafik, © SimpleLine, © actionplanet – stock.adobe.com; © Susanne Lutz; © OpenClipart-Vectors pixabay.com

Kartendesign: © Maps4News.com/HERE

ISBN 978-3-8392-7580-1

Inhalt

Impressum

  Zwischen Kunst und Kulinarik

Vorwort: Kaiserkrone und Bocksbeutel

  Zwischen Berg und Tal

Kapitel I: Von der Rhön übers Fichtelgebirge in die Fränkische Schweiz

  1 Nur Fliegen ist schöner

Rhön: Rother Kuppe

  2 Einfach mal durchatmen

Wechterswinkel: Propstei Wechterswinkel

  3 Ein Hauch Nordsee in Franken

Bad Neustadt an der Saale: Saalewiesen

  4 Das Tor zur Rhön

Münnerstadt: Historische Altstadt

  5 Kleine Kur für zwischendurch

Bad Königshofen: Frankentherme

  6 Blumenduft und Walzerklang

Coburg: Rosengarten

  7 Wo Martin Luther predigte

Coburg: Morizkirche

  8 Schatzkammer Frankens

Coburg: Kunstsammlungen der Veste Coburg

  9 Wo der Flussregenpfeifer wohnt

Obermaintal: Mainschleife zwischen Unter- und Oberbrunn

  10 Ostsee ganz nah

Obermaintal: Bad Staffelsteiner Seenland

  11 Sonnenuntergang im Gottesgarten

Obermaintal: Staffelberg bei Bad Staffelstein

  12 Wie auf Adlers Schwingen

Scheßlitz: Aussichtsfelsen Hohe Metze

  13 Im Tal des Biberclans

Weismain: Kleinziegenfelder Tal

  14 Expedition zum Wasser

Heiligenstadt: Leinleiterquelle und Leinleitertal

  15 Wein, Mittelalter und Gesang

Kronach: Weinstube Alte Torwache

  16 Laufsteg für eine Hasendame

Kronach: Festung Rosenberg

  17 Eine Brotzeit bei Fuchs und Hase

Frankenwald: Bastelsmühle bei Teuschnitz

  18 Mit Herzenslust unterwegs

Frankenwald: Kurpark Bad Steben

  19 Trekking mit Vierbeinern

Frankenwald: Lama-Wandern auf den Döbraberg

  20 Italien in Franken ganz oben

Hof: Hotel am Untreusee

  21 Der Duft von frischem Brot

Weißenstadt: Museum Rogg-In

  22 Auf dem Dach Frankens

Fichtelgebirge: Wanderung auf den Schneeberg

  23 Siegfrieds Drachenschnitzel

Bayreuth: Restaurant Eule

  24 Farbenpracht für alle

Bayreuth: Keramikcafé Paint-me

  25 Auf den Spuren großer Musik

Bayreuth: Richard-Wagner-Museum

  26 Die süßesten Früchte

Pretzfeld: Kirschenweg

  27 Haute Cuisine auf Fränkisch

Egloffstein: Gasthof zur Post

  28 Im Reich der Christrosen

Hersbrucker Schweiz: Naturschutzgebiet Wengleinpark

  29 Roggenmühle und Dampfmaschine

Lauf an der Pegnitz: Industriemuseum

  30 Darf’s eine »Scharfe Inge« sein?

Lauf an der Pegnitz: Restaurant Zwinger Melber

  Zwischen Großstadt und Romantik

Kapitel II: Von der Metropolregion Nürnberg ins Romantische Franken

  31 Der Geschmack von Freiheit

Bubenreuth: Blockhelden – Boulderhalle Frankenjura

  32 Erlangen ganz zauberhaft

Erlangen: Spaziergang durch die Hugenottenstadt

  33 Mal schauen, was der Wald macht

Erlangen: Walderlebniszentrum Tennenlohe

  34 Heilquelle und Kunstgenuss

Veitsbronn: Veitskirche

  35 Geschichte genießen

Cadolzburg: Markt und Burg Cadolzburg

  36 Köstliche Hoffnung

Fürth: Café-Restaurant The Grounds of Hope

  37 Fürths prächtigster Bau

Fürth: Stadttheater

  38 Ein Stück Kaukasus in Franken

Fürth: Deutsch-georgisches Ladencafé Klein aber fein

  39 Für »Fernwehgeeks«

Nürnberg: Albrecht-Dürer-Flughafen

  40 Das Wahrzeichen Frankens

Nürnberg: Kaiserburg

  41 Mit würziger Majorannote

Nürnberg: Restaurant Bratwurst Röslein

  42 Aus dem Nebel der Geschichte

Nürnberg: Museum Henkerhaus

  43 Das pralle Leben

Nürnberg: Opernhaus

  44 Gewagte Bautechnik

Feucht: Brückkanal Feucht

  45 Alles, was glänzt

Schwabach: Erkundungstour durch die Goldschlägerstadt

  46 Ein Hauch Mittelmeer in Franken

Schwabach: Restaurant Fabiano

  47 Wandern am Wasser

Fränkisches Seenland: Rothsee

  48 Grünes Gold

Fränkisches Seenland: Museum HopfenBierGut in Spalt

  49 Karibik so nah

Fränkisches Seenland: Seezentrum Muhr am See

  50 Fränkische Backtradition

Dinkelsbühl: BrotHaus-Café Zunftbäckerei Dinkelsbühl

  51 Von Turm zu Turm

Dinkelsbühl: Spaziergang um die Stadtmauer

  52 Stadtpromenade der grünen Art

Ansbach: Ansbacher Holzweg

  53 Charakter erwünscht!

Ansbach: Michels Whisky-Kontor

  54 700 Jahre fränkisches Leben

Bad Windsheim: Fränkisches Freilandmuseum

  55 Fränkisch und behaglich

Bad Windsheim: Boutique-Hotel Zum Storchen

  56 Original Aischgründer Karpfen

Gerhardshofen: Landgasthof Hammerschmiede

  57 Der Adebar im Karpfenland

Uehlfeld: Erkundungstour durchs Storchendorf

  Zwischen grünen UFern

Kapitel III: Von Forchheim über den Steigerwald in den Spessart

  58 Frankens schrägster Ort

Forchheim: Das Schiefe Haus

  59 Von wegen Toskana!

Litzendorf: Wanderung am Ellerbach

  60 Obstbaum-Promenade

Bamberg: Kloster St. Michael

  61 Bernstein mit Schaumkrone

Bamberg: Brauerei und Restaurant Klosterbräu

  62 Einkehr für Radler und Ruhesuchende

Bamberg: Erlöserkirche

  63 Wild Thing

Bamberg: Restaurant Der.Franke

  64 Frankens höchste Weinlage

Steigerwald: Stollberg bei Handthal

  65 Im wilden Wald

Steigerwald: Schlangenweg

  66 Fachwerk und Wein

Steigerwald: Erkundungstour durch Zeil am Main

  67 Ein Stück Himmel auf Erden

Haßfurt: Ritterkapelle

  68 Auf alten Pfaden

Haßberge: Amtsbotenweg

  69 Perle der Haßberge

Haßberge: Altstadt von Königsberg in Bayern

  70 Fast wie am Meer

Haßberge: Ellertshäuser See

  71 Spitzweg vom Feinsten

Schweinfurt: Museum Georg Schäfer

  72 Perlende Spielfreude

Euerbach: Freilichtbühne Sömmersdorf

  73 Ein Nest über dem Main

Volkach: Die Vogelsburg

  74 Frankens Kulturzeugin

Würzburg: Festung Marienberg

  75 Kraftort über dem Main

Würzburg: Wallfahrtskirche »Käppele«

  76 Barockes Industriedenkmal

Würzburg: Alter Kranen

  77 Einkehr für Rebellen

Würzburg: Weinhaus Zum Stachel

  78 Würzburg kann Japan

Würzburg: Siebold-Museum

  79 Tanz des Rokoko

Veitshöchheim: Rokokogarten und Schloss

  80 Ein Ort friedvoller Stille

Lohr am Main: Pfarrkirche St. Michael

  81 Morgendliche Sinnesfreude

Lohr am Main: Café Rosenkranz

  82 Spuk im Spessart

Lohr am Main: Spessartmuseum im Schloss

  83 Glücklich im bayerischen Nizza

Aschaffenburg: Markt und Schloss Johannisburg

  84 Braukunst seit 1631

Aschaffenburg: Gastwirtschaft Schlappeseppel

  85 Überwältigende Kunstgeschichte

Aschaffenburg: Stiftsbasilika St. Peter und Alexander

  86 Leinen los!

Aschaffenburg: Bootshaus Arche Noah

Karte

  Zwischen Kunst und Kulinarik

Vorwort: Kaiserkrone und Bocksbeutel

Kunstraub gilt als eines der spektakulärsten Verbrechen – selbst wenn er weit in die Vergangenheit zurückreicht. 2007 entbrannte ein alter Streit zwischen den (Alt-)­Bayern und den Franken. Zum 1.000-jährigen Bistumsjubiläum Bambergs – so hatte man es sich in Franken gewünscht – sollte der im Zuge der Säkularisierung 1802/03 nach München gebrachte (eingefleischte Franken sagen: »geraubte«) Bamberger Domschatz, wenn schon nicht zurückgegeben, wenigstens zu Ausstellungszwecken zeitweise an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren. Zu den Kunstschätzen gehört etwa die Kaiserkrone Heinrichs II., Gründer des Bistums. Doch komplizierte Eigentums- und Versicherungsverhältnisse vereitelten den kühnen Plan. Für manche Franken ein neuerlicher Beweis dafür, dass sie von den Bayern mit Repressionen überzogen werden. Denn: Franken ist nicht Bayern – auch wenn beide Volksstämme in einem bayerischen Bundesland beheimatet sind. Und während Reisende mit dem Begriff »Bayern« schnell etwas anfangen können (»Alpen, Oktoberfest, Lederhose!«), fällt vielen zu »Franken« wenig ein. Aber keine Sorge, ich helfe gerne und präsentiere Ihnen meine Lieblingsplätze in Franken – Kraftorte und Inspiration in einem, auch für fränkische Leserinnen und Leser!

Da meine Heimat sowohl mit einzigartiger Natur als auch städtischen Vorzügen punktet, unterteile ich sie in Bergfranken und Flussfranken einerseits und das urbane Franken andererseits. Mit Spessart, Rhön, Frankenwald, Fichtelgebirge, Fränkischer Schweiz, Hersbrucker Schweiz und Fränkischer Alb durchziehen etliche Mittelgebirge die Region, die für Sportskanonen, Mountainbiker und Wanderer echte Attraktionen bieten. So ist der Fränkische Gebirgsweg eine herausfordernde Fernwanderroute, die von Blankenstein im Frankenwald über 440 Kilometer nach Hersbruck führt. Der bedeutendste Strom Frankens ist natürlich der Main, dessen Hauptzufluss die Regnitz bildet. Wassersportler haben also ein großes Wirkungsgebiet. Wer an einem warmen Wochenende etwa in Bamberg am Fluss spazieren geht, sieht viele Paddler, SUP-Freaks und Kanuten ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Hinzu kommen diverse Seen, beispielsweise der Untreusee bei Hof oder das große und bekanntere Fränkische Seenland. In Franken sind die meisten Ziele in der Natur noch nicht überlaufen; immer findet sich ein Wanderweg, ein Kletterfelsen oder ein Flussabschnitt, an dem man allein unterwegs sein kann – mit vielerorts uriger Gastronomie, die auf regionale Produkte setzt.

Überhaupt, die fränkische Küche: Hier kann deftig geschmaust werden, mit »Schäuferla« (Schweineschulter) und Kloß, diversen Fleischgerichten mit Dunkelbiersoßen oder Bratwürsten unterschiedlicher Länge und Würze. Dazu gern ein kühles Bier, hell, dunkel, malzig, hopfig – die Vielfalt ist legendär. Freunden des Rebensaftes bieten die fränkischen Lande ebenfalls Genuss pur. Im berühmten Bocksbeutel, der bauchigen Flasche, findet sich manch edler Tropfen, und zahlreiche Weinfeste ziehen Gäste von nah und fern an.

Natürlich kommt die Kultur nicht zu kurz. Gerade die Metropolregion Nürnberg bietet Museen und Bühnen zuhauf, aber auch in den kleineren Städten blüht das Kulturleben; Highlights bilden etwa das Landestheater Coburg oder die Bamberger Symphoniker. Auch auf dem Land liebt man die Künste. Mein Geheimtipp: Die Sömmersdorfer Freilichtbühne mit ihrem einzigartigen Flair. Das abwechslungsreiche Programm mit seinen (neben der Passion) auch lustigen Stücken macht Kindern genauso viel Spaß wie Erwachsenen. Einige Orte in Franken gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Neben der Altstadt von Bamberg, der Residenz Würzburg und einem Teil des Limes zählt seit 2012 auch das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth dazu. Wer solche Schätze hat, braucht keine Kaiserkrone mehr. Oder?

Wussten Sie schon? Der Silvaner gilt als der Frankenwein schlechthin. Die Rebsorte wird seit dem 17. Jahrhundert angebaut – im Weinberg übrigens gut an den runden Blättern zu erkennen.

  Zwischen Berg und Tal

Kapitel I: Von der Rhön übers Fichtelgebirge in die Fränkische Schweiz

Beginnen wir unsere Reise durch Franken in der Rhön, einem vor circa 20 Millionen Jahren durch vulkanische Tätigkeit entstandenen Mittelgebirge. Eine Region, die durch die Weltgeschichte vielfach zerrissen, jedoch immer wieder zusammengewachsen ist. Das UNESCO-Biosphären-Reservat Rhön, dessen Aufgabe der Schutz von Flora und Fauna ist, liegt heute in drei verschiedenen Bundesländern: Bayern, Hessen und Thüringen. Herb ist sie, die Rhön, oft neblig, manchmal sogar im Sommer. Dafür können wir uns richtig den Wind um die Nase wehen lassen, häufig ganz alleine einen Berg erklimmen und bei einem herrlichen Rundblick die mitgebrachte Brotzeit genießen.

Weiter streifen wir durch das Coburger Land, das Obermaintal mit seinem Gottesgarten, einem besonders lieblichen Abschnitt des Maintales zwischen Ebensfeld und Lichtenfels. Die Besteigung des Staffelberges, eines der Fränkischen Alb vorgelagerten Einzelbergs mit markantem Sattelplateau, ist ein Muss; belohnt werden wir mit einer traumhaften 360-Grad-Aussicht. Sogar die Höhen des Frankenwalds, die nächste Etappe auf unserer fränkischen Tour, sind von hier zu sehen

Dieses mitunter recht dunkle und einsame Mittelgebirge ist eng mit einem traditionellen Handwerk verknüpft, das heute kaum noch bekannt ist: der Flößerei. Holzwirtschaft wurde ab dem Spätmittelalter in diesem Landstrich zum wichtigsten Broterwerb. Über etliche Bäche und Flüsse verfrachteten die Bewohner die Stämme bis hinunter zum Main. Mit dem Bau der Eisenbahn kam dieses Gewerbe zum Erliegen. Heutzutage wissen Gäste vor allem das Netz an Wanderwegen und Loipen zu schätzen. Die kleine Stadt Kronach punktet mit ihrem historischen Erbe; beliebt bei Mittelalterfreunden ist das Stadtfest Crana Historica, das alle zwei Jahre vor der überwältigenden Kulisse der Festung Rosenberg ein mehrtägiges fröhliches Spektakel veranstaltet.

Wir setzen unsere Reise Richtung Fichtelgebirge fort. Seine grünen Bergkuppen sehen zwar nicht sonderlich spektakulär aus, sensationell ist jedoch ihr Alter: Sie begannen vor etwa 750 Millionen Jahren, sich herauszubilden – das ist immerhin ein Fünftel der gesamten Erdgeschichte. Zum Vergleich: Die Alpen haben erst 135 Millionen Jahre auf den felsigen Buckeln. Hier in Oberfranken lassen sich die beiden höchsten fränkischen Berge besteigen, der Schneeberg (1.051 Meter) und der Ochsenkopf (1.024 Meter). Letzterer ist der touristischere von beiden. Ersterer war hingegen lang militärisches Sperrgebiet, was den Pflanzen und Tieren zugutekam – mittlerweile leben dort sogar wieder die streng geschützten Auerhühner.

Von der rauen Landschaft im Nordosten Frankens zieht es uns nun in den Obstgarten der Region: in die Fränkische Schweiz. Auch diese Gegend ist bergig und wirkt dabei hochromantisch, irgendwie kuschelig. Das Klima ist viel milder als in Frankenwald und Fichtelgebirge, sodass im Frühling an den Hängen die überbordende Kirsch- und Apfelblüte ein farbenfrohes Bild bietet. Dem Charme der üppig blühenden Bäume kann sich kaum jemand entziehen. Sobald die Früchte geerntet sind, landen diese nicht nur direkt in den Obstkörben oder auf Kuchen und Torten, sondern werden zudem für die Erzeugung von Spirituosen verwendet. Ein guter fränkischer Kirschgeist betört mit seinen Aromen, und ein Besuch in einer Schnapsbrennerei sollte auf keiner Tour durch die »Fränkische« fehlen, wie die Fränkische Schweiz liebevoll in Kurzform genannt wird.

Wagen wir noch einen Abstecher in die Hersbrucker Schweiz. Auch sie wirkt eher kleinräumig, doch entlang der Pegnitz geht es in Lauf und Hersbruck durchaus städtisch zu. Die Seitentäler dagegen liegen ruhig und ländlich, und wer wandern will, kann hier einsame Wegstrecken finden.

  1 Nur Fliegen ist schöner

Rhön: Rother Kuppe

Frei wie Vögel fühlen wir uns, als wir den gut 22 Meter hohen Turm erklommen haben und die Tür zur Aussichtsplattform aufdrücken. Ein kräftiger Windstoß will uns zurückdrängen, doch so leicht geben wir nicht klein bei. Immerhin haben wir eine anstrengende Wanderung hinter uns, die uns vom Schweinfurter Haus am Gangolfsberg bis auf die Rother Kuppe geführt hat. Die ist zwar mit ihren 711 Metern über Normalhöhennull längst keiner der höchsten Rhöngipfel, aber einer, der mit herrlicher Rundumsicht punktet.

Und das Panorama genießen wir jetzt, in alle vier Himmelsrichtungen öffnet sich ein Traumblick auf die Rhön. Der Spätsommer hat die bewaldeten Flanken der Berge ein wenig eingefärbt. Dazwischen leuchten Weiden und Wiesen in freundlichem Grün. Zarte Schleierwolken pinseln etwas Weiß in den blauen Himmel. Zwei Panoramatische benennen die umliegenden Gipfel und Ortschaften.

Wir befinden uns im Biosphärenreservat Rhön, das insgesamt eine Fläche von über 243.000 Hektar umfasst. Es wurde ausgewiesen, um – unter Berücksichtigung von Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe – einen Raum zu schaffen, in dem die Natur sich bestmöglich geschützt entfalten kann. Auf unserer Wanderung haben wir bereits neiderfüllt die beiden Rotmilane bestaunt, die schwerelos über uns hinwegglitten. Nun sind wir ihnen auf dem Aussichtsturm ein wenig näher gekommen.

Noch lange genießen wir die Weite, ehe wir hinabsteigen und auf der Sonnenterrasse des Berggasthofes Rother Kuppe Platz nehmen. Wenn Sie Süßes mögen: Bestellen Sie ein Stück Rhöner Luft, eine fluffige Torte mit Sahnefüllung und Stachelbeeren oder Mandarinen. Eine Verführung, der man besser sofort nachgibt.

Nur sieben Kilometer entfernt, an der Hochrhönstraße, liegt das Schwarze Moor, eines der bedeutendsten Hochmoore Europas, das über einen Bohlensteg erwandert werden kann – auch für Kinder ein außergewöhnliches Naturerlebnis (www.biosphaerenreservat-rhoen.de).

1

Rother Kuppe

Ausgangspunkt:

Schweinfurter Haus

97656 Oberelsbach

www.schweinfurterhaus.de

 

Berggasthof Rother Kuppe

Rother Kuppe 1

97647 Hausen–Roth

09770 850235

www.berggasthof-rother-kuppe.de

  2 Einfach mal durchatmen

Wechterswinkel: Propstei Wechterswinkel

Das kleine Kirchdorf Wechterswinkel schmiegt sich ins frühlingshafte Grün des Elstales, als ich immer tiefer in die Rhöner Landschaft hineinfahre. Sofort springt mir die große, aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei ins Auge. Gegenüber befindet sich die Propstei Wechterswinkel, einst das Verwaltungsgebäude des Klosters, mit fast ebenso langer Geschichte. Dort haben Christiane Müller und Klaus Dippel eine Herberge für Menschen geschaffen, die sich nach einem Rückzugsort sehnen. Kreativ arbeiten, die Seele baumeln lassen oder auf Wandertour durch die Rhön ziehen – an diesem Platz ist jedes individuelle Ferienprogramm möglich, fern von Hektik und Lärm.

In dem mächtigen Steinbau der Propstei heißt Christiane Müller ihre Gäste willkommen. Schnell stellt sie noch einen Strauß duftender Fliederzweige in eine Vase, bevor sie mir das Haus zeigt. Die Charaktermerkmale dieses historischen Gebäudes, die breiten Gänge, der unregelmäßige massive Steinboden und die hohen Räume verleihen dem Haus seinen besonderen Charme. An kalten und nebligen Rhöntagen sorgen Kaminöfen für behagliche Atmosphäre. Die Propstei beherbergt vier Doppelzimmer und vier Ferienwohnungen, allesamt lichtdurchflutet und gemütlich eingerichtet mit teils antiken Möbeln und Webteppichen auf den Holzböden. Aus den Fenstern fällt der Blick ins Grüne, auf einen bewaldeten Hang und den plätschernden Elsbach.

An einem so herrlichen Maiabend hält es mich nicht lange im Haus. Lieber erkunde ich die Terrasse und den Schwimmteich. Auf dem Steg warten Liegestühle. Bienen summen. Irgendwo quakt ein Frosch, und als ich den Blick hebe, sehe ich einen Graureiher über den Garten hinwegziehen.

Ein Blick in den Veranstaltungskalender der Propstei Wechterswinkel lohnt: Ob kulturelle Events im Sofasalon oder ein handwerklicher Kurs – bestimmt finden Sie eine Anregung für Ihre persönliche Pause vom Alltag.

2

Propstei Wechterswinkel

Klosterstraße 14

97654 Wechterswinkel

09773 8997034 

www.propstei-wechterswinkel.de

  3 Ein Hauch Nordsee in Franken

Bad Neustadt an der Saale: Saalewiesen

Heiß brennt die Sonne, als wir aus dem Zentrum Bad Neustadts gen Süden schlendern. Wir lassen die historische Stadtmauer hinter uns, queren die Fußgängerbrücke. Vor uns öffnet sich ein weites Tal, das allein schon durch sein intensives Smaragdgrün erfrischend wirkt. Und wirklich: Kaum befinden wir uns auf dem Wanderweg Richtung Fränkische Saale, scheint das Gras dicker, saftiger, grüner als die vom Sommer ausgedörrten Halme an anderer Stelle. Fast wie an der Nordsee fühle ich mich, fehlen nur noch Meeresduft und Möwenkreischen.

Tatsächlich ist das Saaletal, ein Areal von circa 155 Hektar südlich Bad Neustadts, als Naturschutzgebiet ausgewiesen, denn es handelt sich um eine besonders schützenswerte Landschaft: um natürliche Salzwiesen mit eigener Flora und Fauna.

Im Frühjahr bilden sich mit der Schneeschmelze große Seen, die die Wiesen überschwemmen und Zugvögeln Rastplätze bieten. Im Sommer finden seltene Wiesenbrüter wie der gefährdete Wachtelkönig einen Nistplatz. An mehreren Stellen tritt aus gut 600 Metern Tiefe salzhaltiges Wasser aus den Gesteinsschichten und sorgt für den hohen Salzgehalt. Im Binnenland sind solche Salzwiesen sehr selten, in Süddeutschland sind diese im Saaletal die einzigen.

Wunderbar erfrischt fühlen wir uns nach einem Spaziergang durch diesen einmaligen Landstrich. Wer gerne weiterwandert, kann die Salzwiesen einmal umrunden (die Wege sind gut ausgeschildert) und zum Schluss noch den Aufstieg zur Salzburg wagen, eine der größten Festungsruinen Deutschlands, um die Aussicht über Bad Neustadt und sein einzigartiges Naturschutzgebiet zu genießen.

Abkühlung gefällig? Dann nichts wie los ins Erlebnisbad Triamare. An kühlen Tagen lockt die Wellnesslandschaft mit Finnischer Sauna und Sole-Dampfbad. Und nach der Massage ein Aperol auf der Dachterrasse!

3

Saalewiesen

Ausgangspunkt:

Busbahnhof

Mühlbacher Straße

97616 Bad Neustadt an der Saale

 

Erlebnisbad Triamare

Mühlbacher Straße 15