Lore-Roman 232 - Helga Winter - E-Book

Lore-Roman 232 E-Book

Helga Winter

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Beschreibung

Es gibt nur wenige, die glauben, dass wahre Liebe im Spiel ist, als die Verlobung des durch Misswirtschaft seiner Vorfahren hoch verschuldeten Gutsbesitzers Jan-Christian von Hölkenau mit der reichen Erbin Ines von Kessel bekannt wird. Aber tatsächlich sind die beiden jungen Herzen füreinander entflammt, wie es kein anderer Mann, keine andere Frau vorher bei ihnen auslösen konnte. Der nicht verstummen wollende Klatsch und Tratsch in der sogenannten feinen Gesellschaft trifft irgendwann aber doch einen wunden Punkt bei Jan-Christian. Niemals will der stolze, tüchtige Mann von einer Frau abhängig sein, und bei aller Liebe schämt er sich doch, Ines nicht den Standard bieten zu können, den sie aus dem Elternhaus gewohnt ist. Als seine Verlobte dann auch noch beginnt, ihm im Überschwang der Gefühle maßlos teure Geschenke zu machen, ist es um die Beherrschung des Gutsherrn geschehen: Aus falschem Stolz trifft er eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben gehörig auf den Kopf stellen wird ...

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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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An der Seite einer reichen Frau

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

An der Seite einer reichen Frau

Schicksalsroman um eine außergewöhnliche Liebesgeschichte

Von Helga Winter

Es gibt nur wenige, die glauben, dass wahre Liebe im Spiel ist, als die Verlobung des durch Misswirtschaft seiner Vorfahren hoch verschuldeten Gutsbesitzers Jan-Christian von Hölkenau mit der reichen Erbin Ines von Kessel bekannt wird. Aber tatsächlich sind die beiden jungen Herzen füreinander entflammt, wie es kein anderer Mann, keine andere Frau vorher bei ihnen auslösen konnte. Der nicht verstummen wollende Klatsch und Tratsch in der sogenannten feinen Gesellschaft trifft irgendwann aber doch einen wunden Punkt bei Jan-Christian. Niemals will der stolze, tüchtige Mann von einer Frau abhängig sein, und bei aller Liebe schämt er sich doch, Ines nicht den Standard bieten zu können, den sie aus dem Elternhaus gewohnt ist. Als seine Verlobte dann auch noch beginnt, ihm im Überschwang der Gefühle maßlos teure Geschenke zu machen, ist es um die Beherrschung des Gutsherrn geschehen: Aus falschem Stolz trifft er eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben gehörig auf den Kopf stellen wird ...

»Du bist eigentlich zu beneiden«, stellte Niels von Prangen fest, aber er machte nicht den Eindruck, als gönne er seinem Freund das nicht, was der besaß.

Jan-Christian von Hölkenau schmunzelte.

Niels fuhr fort: »Du siehst fantastisch aus, bist kerngesund, besitzt ein hübsches Gut, und jetzt verlobst du dich mit dem schönsten Mädchen weit und breit, das außerdem noch ordentlich was an den Füßen hat. Hast du nicht manchmal Angst vor dem Neid der Götter?«

»Absolut nicht«, versicherte der hochgewachsene Freund gelassen. »Trink aus, ich habe noch genug Wein im Keller. Wenigstens etwas, wovon ich genug besitze«, setzte er mit einem Anflug von Bitterkeit hinzu.

»Dein Vater hat einen guten Tropfen zu schätzen gewusst.«

»Leider. Er hat überhaupt Gutes zu schätzen gewusst, aber das Gute kostet in der Regel auch viel Geld ...«

»Und deshalb befandest du dich immer in finanziellen Schwierigkeiten«, ergänzte Niels und reichte Jan-Christian das Glas, damit er ihm nachschenken konnte. »Wie gut, dass ein Mann wie du nicht auf Bankkredite angewiesen ist, wenn er Geld braucht. Du heiratest es einfach. Stimmt es, dass Ines eine Million als Mitgift bekommt?«

Jan-Christian zog die Brauen amüsiert in die Höhe.

»Erzählt man sich das?«, fragte er überrascht.

»Du kannst dir vorstellen, wie über dich geklatscht wird. Heute Abend werden viele Mädchen ihre Kopfkissen nass weinen, weil du jetzt nicht mehr zu haben bist. Was für ein Gefühl ist es eigentlich, wenn all die hübschen Dinger hinter einem her sind?«

»Dann hältst du es also für selbstverständlich, dass ich Ines nur heiraten will, weil sie eine gute Mitgift bekommt?«, wollte Jan-Christian nachdenklich wissen.

»Nicht nur, sie ist darüber hinaus ja eine ungewöhnliche Schönheit. Aber ein vernünftiger Mann wie du wird natürlich darauf achten, dass die schöne Frau auch Geld hat. Du wärest ja dumm, würdest du es nicht tun. Mit dem Geld deiner Frau kannst du Hölkenau wieder in die Höhe bringen.«

»Bisher hat noch niemand mit mir so offen gesprochen wie du«, murmelte der Gutsherr. »Dass auch du mir solche Motive unterstellst ...«

»Stimmen sie etwa nicht?«, gab Niels grinsend zurück. »Als alte Freunde können wir doch offen miteinander reden. Du hast bisher nicht die geringste Neigung gezeigt, den Junggesellenstand mit den Fesseln der Ehe zu vertauschen, aber als Ines mit ihrer Million auftauchte, da ... Man kann doch zwei und zwei zusammenzählen. Außerdem ist es ja keine Schande, wenn man bei seiner Heirat auch ein bisschen den Verstand mitsprechen lässt. Abgesehen davon gibt es genug Männer, die Ines auch ohne einen Pfennig Mitgift nehmen würden. Ihr beide seid ein schönes Paar.« Er hielt sein Glas erneut zum Nachschenken hin. »Dass Ines dich nimmt, ist verständlich, auch wenn du nicht gerade das bist, was man eine gute Partie nennt. Ein Jammer, dass das Geld auf eurem Hölkenau so knapp ist ...«

»Nicht so knapp, wie du offenbar zu glauben scheinst«, stellte Jan-Christian eisig richtig.

Niels schaute ihn an und lächelte ein wenig unsicher.

»Sei nicht eingeschnappt, ich werde ja noch sagen dürfen, was ich denke. Dein Vater hat mehr ausgegeben, als er einnahm. Das ist allgemein bekannt, und du kannst trotz deiner sprichwörtlichen Tüchtigkeit die Versäumnisse der Vergangenheit nicht so schnell in Ordnung bringen.«

»Auf den Gedanken, ich könne Ines heiraten, weil ich sie liebe, kommst du wohl nicht?«, fragte der Freund gelassen.

»Doch, doch. Menschenskind, sei nicht gleich so ärgerlich. Mir ist klar, dass du in Ines verliebt bist. Wäre ein Wunder, würde es anders sein. Sie hat auf dich sozusagen gewartet, denn an Bewerbern hat es ihr nie gefehlt. Da musste erst ein Kerl wie du kommen ...«

Jan-Christian von Hölkenau schaute nachdenklich vor sich hin. So also spricht man über mich, überlegte er. Ihm war klar, dass er sich darüber nicht wundern durfte. Menschen glaubten nun einmal immer das, was sie selbst tun würden, und die meisten Männer waren berechnend, schauten bei der Wahl ihrer Frau hauptsächlich auf ihr Geld, und was sie fürs Herz brauchten, das suchten sie sich dann woanders ...

»Wäre es mir nur auf eine Geldheirat angekommen, dann ...«, sagte er aus seinen Gedanken heraus.

»Du suchtest eben Geld und Schönheit zusammen. Ist dir die Petersilie verhagelt, Jan-Christian? Ich habe mal wieder zu viel geredet, scheint mir. Nimm es mir nicht übel, kennst mich ja, im Gegensatz zu dir trage ich mein Herz auf der Zunge. Ich bin eben nur ein Durchschnittsmensch, nicht solch eine Ausnahme wie du. Du konntest immer alles besser als wir anderen, und dass du dir nie etwas darauf eingebildet hast ... Hätte ich dein Aussehen und deine Begabung, ich glaube, ich wäre ein unausstehlicher Kerl. Und du benimmst dich, als wärest du nichts Besonderes ...«

»Und du benimmst dich, als wäre das letzte Glas für dich zu viel gewesen«, spottete Jan-Christian.

»Wird Zeit, dass wir ins Bett gehen. Die Nacht morgen wird lang.« Niels stand auf und gähnte. »Du bist wirklich ein toller Kerl.«

»Das sagst du jetzt schon zum vierten Mal«, äußerte Jan-Christian.

Niels kann wirklich wenig vertragen, dachte er. Ein netter Kerl, aber man darf ihm nicht zu viel Wein einschenken. Was er da alles gesagt hatte ... Es war kränkend für Jan-Christian von Hölkenau gewesen.

Ein Glück, überlegte er, dass Ines weiß, wie ich zu ihr stehe. Sie jedenfalls wird nie auf den Gedanken kommen, ich hätte es nur auf ihr Geld abgesehen.

Er brachte seinen Freund bis vor die Tür des Gastzimmers und gab ihm dort einen Schlag auf die Schulter.

»Bis morgen früh dann, alter Junge.«

Niels von Prangen gähnte ungeniert.

»Erwarte bloß nicht, dass ich dir schon beim Frühstück Gesellschaft leiste. Wenn es geht, werde ich ausschlafen. Hier bei euch ist es so herrlich ruhig. Wenn ich da an meine Stadtwohnung denke ...«

Jan-Christian schob ihn ins Zimmer und schloss die Tür hinter ihm. Eine steile Falte stand auf seiner Stirn, als er wieder nach unten ging und sich noch einmal vor das Kaminfeuer setzte.

Sie halten mich für einen Mitgiftjäger ... Er versuchte, darüber zu lächeln, denn schließlich wusste er selbst am besten, dass es ihm bei der Wahl seiner künftigen Frau überhaupt nicht auf das Geld angekommen war, obwohl es natürlich eine angenehme Beigabe war.

Ich sollte mir darüber keine Gedanken machen, überlegte er, aber dennoch blieb ein Stachel in seinem Herzen zurück. Er war ein Mann, der sich nichts vorzuwerfen hatte, sein ganzes Leben hindurch, und nun auf einmal hatte der Klatsch ihn zu einem Menschen gemacht, wie er ihn verabscheute: berechnend, egoistisch, kleinlich.

Er trank den Rest Wein aus, während seine Gedanken um die Frau kreisten, die es als Erste verstanden hatte, sein Herz zu erobern. Bisher waren Frauen für ihn eine angenehme Abwechslung im Leben gewesen, alles andere als wichtig. Keine von ihnen hatte er ernst genommen, allerdings auch keiner etwas vorgemacht.

Bis er dann Ines von Kessel getroffen hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, auf beiden Seiten. Sie hatten sich angeschaut und gewusst, dass sie füreinander bestimmt waren.

Kennen wir uns tatsächlich erst seit vier Wochen? Jan-Christian rechnete nach, aber das Datum stimmte. Vor vier Wochen hatte er die bezaubernde Ines zum ersten Mal wiedergesehen, seitdem sehr oft, und morgen war nun ihre Verlobung ...

So etwas gibt es sonst eigentlich nur in Romanen, dachte er. Und dass es gerade mir passieren musste!

Ines war nicht nur eine Schönheit, sie war stolz, besaß eine Vornehmheit, die der seinen glich, nicht angelernt war, sondern von innen kam, besaß einen tadellosen Charakter ... Kurzum, sie war eine Frau, wie man sie sich besser nicht vorstellen konnte. Und dass sie Geld hatte ...

Nein, dachte er, für mich spielt diese Tatsache keine Rolle, nicht die geringste. Und sie wird nicht glauben, ich hätte um sie geworben, weil ich ihre Mitgift wollte ... Nein, sie wird es nicht glauben, weil sie dazu viel zu anständig und vornehm ist. Wer liebt, der ist nicht misstrauisch, der traut dem geliebten Menschen keine niederen Motive zu.

Es ist Unsinn, dass ich mir über Niels' Worte Gedanken mache, sagte er sich. Wichtig ist nur, was Ines von mir glaubt. Sollen die anderen reden, was sie wollen.

Aber wie das ist bei manchen Bemerkungen – obwohl man sie nicht ernst nehmen will, kann man sie nicht vergessen. Jan-Christian von Hölkenau fühlte sich jetzt nicht mehr so unbefangen wie vorher. Er presste die Lippen zusammen, als er sein Glas auf den Tisch zurückstellte und sich dann erhob, um ins Bett zu gehen.

***

Mamsell Trude schloss die Augen, als sie konzentriert das Bratenstück kostete, und dabei merkte sie nicht, dass Lore, ihre Hilfe, sie grinsend von der Seite betrachtete.

»Sehr gut«, lobte Trude ihre eigene Kochkunst. »Was starrst du mich so an?«, ging sie dann auf Lore los. »Lachst du etwa über mich?«

»Ist hier denn noch einer außer Ihnen?«, erwiderte Lore keck.

»Freches Ding! Kein Wunder, dass du noch keinen Mann gefunden hast. Wer wird sich schon mit solch einer vorlauten Göre einlassen wollen?«

»Ich kenne noch jemanden, der keinen abgekriegt hat, Trude.«

»Bei mir war das was anderes, ich hätte oft heiraten können, aber ich wollte nicht.«

»So ähnlich hat sich mal der Fuchs ausgedrückt, als er die Trauben nicht kriegen konnte.« Lore kicherte. »Wenn man kein Geld hat und auch sonst nichts, dann überlegen die Männer es sich, bevor sie heiraten.«

»So ist das nun mal im Leben, Geld will zu Geld«, stellte Trude lapidar fest.

»Nicht immer. Unser Fräulein und der Herr Graf zum Beispiel ... Geld hat der ja nicht, aber wie der aussieht!«

Jetzt machte Lore genau solch ein verzücktes Gesicht wie vorher Trude, als die den kalten Braten gekostet hatte.

»Der Herr Graf, der braucht kein Geld, weil er selbst ...«

»Möchte ja mal wissen, ob er unser Fräulein wohl auch hätte haben wollen, wenn die nicht reich wäre.«

»Ganz bestimmt nicht. Wissen doch alle, wie nötig der Hölkenau Geld braucht. Und was ist denn auch schon dabei? Sein Aussehen ersetzt ein Vermögen. Der kann jede kriegen ...«

»Unser Fräulein aber auch«, behauptete Lore. »So schön wie die ist ... Und du kannst sagen, was du willst, das liegt nicht nur an ihren Kleidern. Brauchst es ihr ja nicht zu verraten, aber ich hab' mal eins von ihren übergezogen ...«

»Was hast du?«, fragte die Mamsell fassungslos.

»Ja. Ich hab' sie mal gesucht, bin in ihr Zimmer gegangen, und da lag ein Kleid von ihr, und da dachte ich ... Also mir stand das Kleid nicht, obwohl es passte.«

»Kann ich mir denken. Wir brauchen uns keine Gedanken über die Herrschaften zu machen, Lore, die sind auf jeden Fall glücklich.«

»Ja, so lange es dauert. Wenn ich so viel Geld hätte wie unser Fräulein, ich glaube, ich würde keinem Mann trauen. Die muss doch immer denken, er hätte es nur auf ihr Vermögen abgesehen.«

»Haben Sie eigentlich nichts zu tun, Lore?«

Das Mädchen schnellte herum und stieß einen erschreckten Schrei aus, als sie das gnädige Fräulein erkannte.

»Ich habe gar nicht gehört, dass Sie reingekommen sind«, stieß sie hervor.

»Ich weiß. Es war mal sehr interessant, Ihnen zuzuhören, Lore.«

Die Küchenhilfe wurde über und über rot.

»Man darf ja wohl noch sagen, was man denkt«, brachte sie dann hervor. Es klang fast trotzig. »Oder ist das hier verboten?«

»Du hältst jetzt besser den Mund«, wies Trude, die Chefin der Küche, sie barsch zurecht. »Sie dürfen nicht auf das hören, was das dumme Ding sagt, gnädiges Fräulein«, wandte sie sich dann an Ines von Kessel. »Jeder redet eben so, wie er es versteht.«

Ines war wirklich eine Frau von bezaubernder Schönheit. Alles an ihr war makellos und gepflegt, sogar die Farbe ihres Haares war echt, ein strahlendes Blond, wie man es in solcher Tönung nur ganz selten findet.

»Ich wollte nur fragen, ob die Käsestangen fertig sind.«

»Das erste Blech ... Aber bis heute Abend ... sie müssen ja frisch sein, wenn sie schmecken sollen ...«

Trude war noch immer verwirrt. Wie peinlich, dass das gnädige Fräulein zugehört hatte.

Ines neigte knapp den Kopf, als sie die Küche wieder verließ. Ihr war nicht anzumerken, was für ein Sturm in ihr tobte. Was fiel der dummen Lore nur ein, so geringschätzig über sie zu sprechen. Jan-Christian würde mich auch heiraten wollen, hätte ich keinen Pfennig, dachte sie.

Würde er das wirklich tun?, fragte eine Stimme in ihrem Innern ganz leise.

Selbstverständlich!, erwiderte ihr Verstand aufgebracht. Er liebt mich.

Aber er braucht Geld ... Die Spatzen pfeifen es von den Dächern ...

Ines presste die Zähne in die Unterlippe, als sie die Treppe hinaufging, die in die riesige Diele führte. Es war nicht anständig, an Jan-Christian zu zweifeln. Und ihr war auch nie der Gedanke gekommen, der Mann könne ihre Gefühle nicht in gleicher Stärke erwidern.

Andererseits wusste sie natürlich, dass Jan-Christian schon mit mancher hübschen Frau in Verbindung gebracht worden war, und bestimmt beruhte das nicht nur alles auf Klatsch. Aber auf den Gedanken, eine seiner verflossenen Freundinnen zu heiraten, war er noch nicht gekommen. Der Gedanke war ihm erst gekommen, als er eine Frau gefunden hatte, die Geld besaß.

Denk nicht mehr daran!, rief Ines sich zur Ordnung. Lore ist dumm. Es ist unter deiner Würde, auf solch ein Gerede etwas zu geben.

»Was machst du denn für ein Gesicht?«, fragte ihre Mutter. »Sind die Käsestangen fertig? Mein Gott, hoffentlich klappt alles. Vielleicht hätten wir doch lieber einen Koch aus einem guten Restaurant aus der Stadt kommen lassen.«

»Dann hätte Trude fristlos gekündigt. Die Käsestangen werden bis heute Abend fertig sein. – Findest du es nicht merkwürdig, dass Jan-Christian so lange Junggeselle geblieben ist? Ein Mann wie er ...«

Regina von Kessel schüttelte den Kopf.

»Warum sollte er heiraten? Er hatte ja auch so alles, was er sich wünschte. – Hätten wir es doch erst hinter uns! Wie gut, dass man sich nur einmal im Leben verlobt. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.«

»Es wird schon alles klappen, auf Trude ist Verlass.« Es gab für Ines im Augenblick ein wichtigeres Problem. »Was meinst du, ob Jan-Christian ... Er behauptet ja immer das Gegenteil.«

»Das Gegenteil wovon?«, fragte Regina Kessel nervös. »Kannst du dich denn nicht etwas präziser ausdrücken?«

»Ob mein Geld für ihn wohl eine große Rolle spielt?«

Nun hatte Ines sie ausgesprochen, diese Frage, konnte sie nicht mehr zurücknehmen.

»Woher soll ich das wissen? Auf jeden Fall ist ihm deine Mitgift sehr willkommen. Glaubst du etwa, er wäre nicht in dich verliebt? Wenn das deine einzige Sorge ist, dann kannst du beruhigt sein: Jan-Christian liebt dich.« Die stolze Mutter konnte das natürlich vollkommen verstehen. »Ob der Sekt reichen wird? Wie peinlich, wenn ...«

»Es ist Sekt genug da«, fiel ihr Ines ins Wort. »Was die Leute immer so reden – eigentlich widerlich.«

»Wir müssen den Musikern sagen, was sie spielen sollen. Solange noch ältere Herrschaften tanzen wollen, muss öfter mal ein Walzer erklingen. Diese neumodische Hopserei ist ja nichts für unsere Generation.«

»Ja, ja. Jan-Christian wollte heute Morgen noch einmal vorbeikommen.«

»Er kommt jeden Tag vorbei. Ich werde nachsehen, ob das Silber auch gut geputzt ist. Wenn man sich nicht um alles selbst kümmert ...« An ihrer Tochter hatte sie keine große Hilfe, fand Regina, Ines überließ alles ihr. »Du solltest dir ein Kleid anziehen. Oder findest du es schön, deinen Verlobten im Reitdress zu empfangen?«

»Bisher hat Jan-Christian nichts an meinem Reitdress auszusetzen gehabt.«

Und selbst wenn, dachte etwas in Ines, hätte er es dann gesagt? Ein reiches Mädchen behandelt man anders als ein armes. Auf ein reiches Mädchen muss man Rücksicht nehmen, wenn man ihr Geld braucht. Reiche, ledige Mädchen gab es nicht viele.

Merkwürdig, dachte sie, dass mir vorher nie der Gedanke gekommen ist, Jan-Christian könne an meiner Mitgift interessiert sein. Er hat immer so überzeugend gesagt, Geld sei ihm gleichgültig, er käme auf Hölkenau auch so zurecht ...

Auf dem Weg nach draußen blieb sie vor dem großen Spiegel in der Diele stehen und betrachtete sich kritisch. Warum sollte er nicht so leidenschaftlich in sie verliebt sein wie er behauptete?, fragte sie sich. Sie war schön. Mehr als ein Mann hatte es ihr schon gesagt, aber nur aus einem Mund waren ihr Komplimente bisher wichtig gewesen.

Und dieser Mund gehörte einem Mann, der Geld brauchte, um sein hoch verschuldetes Gut zu sanieren. Ines schüttelte den Kopf, als sie im Spiegel bemerkte, dass sie die Hände zu Fäusten geballt hatte. Und das alles nur, weil ein törichtes Küchenmädchen eine dumme Bemerkung gemacht hatte.

Sie war gerade vor das Gutshaus getreten, als Jan-Christian ankam. Er winkte ihr von Weitem zu und strahlte über das ganze Gesicht. Bevor sein Pferd noch stand, hatte er sich schon aus dem Sattel geschwungen und riss Ines in die Arme.

Als er sie küsste, verstummten die Zweifel in der Brust des Mädchens, aber als er sie freigab und sie anstrahlte ...

»Was siehst du mich so an?«, fragte Jan-Christian irritiert.

»Wie soll ich dich ansehen?«, gab Ines zurück. Ein merkwürdiges Lächeln umspielte ihre Lippen. »Ich sehe dich an, das ist alles. Hast du etwas dagegen?«