Lore-Roman 43 - Liebesroman - Ina Ritter - E-Book

Lore-Roman 43 - Liebesroman E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Ihr Hochmut wurde bestraft - Sie zerstörte ihr eigenes Glück Lydia ist die Tochter des steinreichen Ludwig Bredehöfft, der ein Sanatorium für gutbetuchte Patienten unterhält. Als rechte Hand ihres Vaters versteht sie es ausgezeichnet, mit Geld umzugehen, aber die Erziehung und ihre Umgebung haben sie standesbewusst, hochmütig und kaltherzig gemacht. Und weil sie es gewohnt ist, dass jeder nach ihrer Pfeife tanzt, glaubt sie, auch Dr. Jordan, den gut aussehenden Chefarzt, um ihren Finger wickeln zu können. Doch Reinhard Jordan hat längst erkannt, was für ein Mensch Lydia ist - ein Mensch ohne Herz, vom Hochmut besessen. Außerdem gibt es in seinem Leben die entzückende Dorothea Norden - ein Mädchen ohne Glanz, aber mit Herz!

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Seitenzahl: 128

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Inhalt

Cover

Impressum

Ihr Hochmut wurde bestraft

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Kiselev Andrey Valerevich / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 978-3-7325-7514-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ihr Hochmut wurde bestraft

Sie zerstörte ihr eigenes Glück

Von Ina Ritter

Lydia ist die Tochter des steinreichen Ludwig Bredehöfft, der ein Sanatorium für gutbetuchte Patienten unterhält. Als rechte Hand ihres Vaters versteht sie es ausgezeichnet, mit Geld umzugehen, aber die Erziehung und ihre Umgebung haben sie standesbewusst, hochmütig und kaltherzig gemacht. Und weil sie es gewohnt ist, dass jeder nach ihrer Pfeife tanzt, glaubt sie, auch Dr. Jordan, den gut aussehenden Chefarzt, um ihren Finger wickeln zu können.

Doch Reinhard Jordan hat längst erkannt, was für ein Mensch Lydia ist – ein Mensch ohne Herz, vom Hochmut besessen. Außerdem gibt es in seinem Leben die entzückende Dorothea – ein Mädchen ohne Glanz, aber mit Herz!

Dr. Norden machte ein grimmiges Gesicht, als seine Tochter Dorothea die Tür hinter dem Patienten schloss.

„Der arme Kerl gehört in ein Sanatorium, aber bei den Preisen, die meine lieben Kollegen verlangen, kann er die Kosten nicht aufbringen. Manchmal möchte ich aus der Haut fahren, wenn ich sehe, wie es diesen Leuten ergeht.“

Dorothea nickte dem Vater knapp zu. Sie wusste, dass er sich noch immer über Ungerechtigkeiten aufregen konnte. Er war Arzt mit Leib und Seele, ein Mann, der um jeden Preis helfen wollte und schon vielen geholfen hatte.

Aber immer wieder stieß er an die Mauer der Armut. Es war kein Geld da für teure Mittel, für Kuraufenthalte, für eine Zeit des Ausruhens.

„Reg dich nicht so auf“, bat Dorothea leise.

Das Gesicht ihres Vaters war unnatürlich gerötet, sein Atem ging schwer. Mit dem Taschentuch tupfte er sich den Schweiß von der Stirn.

„Fast hätte ich Lust, dir zu raten, einmal einen guten Arzt aufzusuchen“, meinte das Mädchen mit feinem Lächeln. „Einen Herzspezialisten.“

Das war ihr Vater nämlich selbst. Heute allerdings schien er für ihren Scherz kein Verständnis aufzubringen, denn seine finstere Miene wollte sich nicht glätten.

„Was schaust du mich so an?“, fragte Dorothea.

Sie blickte an sich hinab. War ihre Tracht irgendwie nicht in Ordnung? Sie half ihrem Vater schon seit vielen Jahren in der Sprechstunde, ohne allerdings eine direkte Ausbildung genossen zu haben. Sie war praktisch in diese Stellung hineingewachsen.

Im Haus Dr. Nordens drehten sich alle Gespräche um Krankheiten und Patienten. Schon als Kind war Dorothea mit allen möglichen Fachausdrücken vertraut gewesen.

Was wird aus ihr, wenn ich einmal sterbe?, fragte sich ihr Vater. Seine Augen waren ganz dunkel. Er hing an ihr, sie war solch ein liebes, nettes Mädchen. Nur schön war sie nicht.

Sie versteht nicht, etwas aus sich zu machen, dachte er. Und die Schuld liegt bei mir. Ich hätte nach Margaretes Tod vielleicht wieder heiraten sollen, damit das Kind eine Mutter bekommt. Aber mir fehlte einfach die Zeit. Und Dorothea fehlte die Zeit, andere Menschen kennenzulernen, auszugehen, vergnügt zu sein.

Seiner Tochter wurde unter seinem starren Blick unbehaglich zumute. Schon häufiger hatte sie den alten Herrn in letzter Zeit dabei ertappt, wie er sie in dieser seltsamen Art musterte.

„Soll ich den nächsten hereinrufen?“, fragte sie ablenkend.

Ich habe schlecht für mein Kind gesorgt, klagte sich Dr. Norden an, ohne Dorotheas Frage zu beantworten. Das Haus gehört mir, die Praxis, eine gute, gewinnbringende Praxis. Nach meinem Tod könnte Dorothea sie verkaufen. Aber viel bekommt sie auch nicht dafür.

Hätte ich sie doch wenigstens etwas Rechtes lernen lassen. Vor seinen Augen trübte sich plötzlich das Zimmer.

Er wusste dieses Warnzeichen zu deuten. Er als Herzspezialist kannte die Symptome. Es wurde Zeit, dass er seine Angelegenheiten auf dieser Welt ordnete.

Früher als sonst schloss er dann seine Praxis. Er fühlte sich erschöpft, ließ sich im behaglichen Wohnzimmer in einen Sessel fallen und griff automatisch nach der Zigarrenkiste.

Dorothea, die ihre weiße Tracht gegen eines der schlichten Hauskleider gewechselt hatte, sprang auf, um ihm Feuer zu holen.

Vater Martin nahm die Zigarre, aber bevor er sie in den Mund steckte, fiel ihm etwas ein. Er war ein leidenschaftlicher Zigarrenraucher. Am besten schmeckte sie ihm mit einem Glas Rotwein zusammen. Gift, dachte er heute. Gift für mein Herz.

Widerstrebend legte er die Zigarre in das Kistchen zurück.

„Ich habe heute keinen Appetit“, behauptete er, wich aber Dorotheas fragendem Blick scheu aus.

Wenn er jetzt auf Zigarren und Wein verzichtete, konnte er vielleicht ein paar Wochen länger leben. Um Dorotheas willen war er bereit, dieses Opfer zu bringen.

„Was hältst du davon, wenn ich einmal ein paar nette, jüngere Kollegen einlade?“, meinte er, als seine Tochter sich wieder gesetzt hatte. „Etwas Leben im Haus würde uns beiden doch guttun, nicht wahr?“

„Mir nicht“, behauptete die junge Dame. „Ich bin abends immer hundemüde und froh, wenn ich in die Falle kriechen kann. Und dir geht es doch genauso, Paps. Willst du mich denn unbedingt schon loswerden?“

Sie setzte sich auf die Lehne seines Sessels und legte den Arm um seine Schultern.

„Ich bin nicht mannstoll, alter Herr, ich brauche keinen Tyrannen, der mich womöglich an die Kochtöpfe jagt und verlangt, ich soll den ganzen Tag Staub wischen.“

„Aber du musst doch einmal …“

„Ich möchte bei dir in der Praxis bleiben. Und außerdem kümmert Anna sich um alles. Sie kann gut kochen, ich möchte wetten, dass dir mein Essen nicht so schmecken würde.“

Das mochte sein, aber es war besser für Dorothea, wenn sie heiratete. Eine Versorgungsehe. Die jungen Männer heutzutage schauten zu viel auf das Äußere. Man brauchte schon eine Zeit, bis man Dorotheas wahres Wesen entdeckte und sie lieb gewann.

Ihre Mutter war eine Schönheit gewesen, elegant, selbstsicher. Sie hatte es verstanden, ein großes Haus zu führen.

„Eigentlich siehst du deiner Mutter ähnlich“, sagte er aus seinen Gedanken heraus.

Dorothea lachte. „Auf solche plumpen Komplimente falle ich nicht herein“, versicherte sie. „Ich bin nun einmal keine Schönheit, auch wenn es dein stolzes Vaterherz enttäuscht. Aber das macht nichts, ich fühle mich in meiner Haut recht wohl.“

Und doch sieht sie Margarete ähnlich, dachte der alte Herr. Sie hat das gleiche Haar, aber es glänzt nicht so. Margaretes Haar strahlte förmlich vor Leben. Dorotheas Haar wirkt tot. Aber es ist die gleiche Farbe.

Und ihre Haut ist auch frisch. „Du müsstest dir eigentlich die Lippen nachziehen“, sagte er.

„Und meine Fingernägel blau anstreichen“, spottete seine Tochter. „Willst du mich unbedingt zu einer Salonschlange machen, Vater? Bist du tatsächlich nicht mehr mit mir zufrieden?“

Martin Norden stieß einen tiefen Seufzer aus.

„Ich könnte mir keine bessere Tochter wünschen als dich“, gestand er. „Aber heutzutage ziehen sich alle Mädchen und Frauen die Lippen nach. Es ist doch nichts Schlimmes. Und dann könntest du irgendetwas mit deinem Haar machen.“

„Ich habe es gestern erst gewaschen“, empörte sich Dorothea.

„Du solltest keinen Knoten tragen. Es fällt mir jetzt erst auf, aber in den letzten Jahren habe ich keine Patienten mit Knoten in der Sprechstunde gehabt.“

„Ein Knoten ist sehr bequem und praktisch. Er erspart mir, alle Augenblicke zum Friseur zu laufen. Stell dir nur vor, was für Zeit das kosten würde. Und was modern ist, das interessiert mich nicht. Die Mode wechselt so häufig, und eines Tages werden sicherlich auch wieder Knoten modern. Ich leg mich jetzt hin, gute Nacht, Paps, und mach dir keine Gedanken um deine Tochter. Denk lieber an dich. Du solltest dir einen Assistenten nehmen, die Arbeit wird dir zu viel. Du siehst wieder recht elend aus.“

„Das liegt am Wetter“, behauptete Martin Norden wegwerfend. Es lag an seinem Herzen, aber das brauchte Dorothea nicht zu wissen.

Was würde sie tun, wenn ich es ihr sagte?, fragte er sich. Ob sie dann einsehen würde, dass es für sie gut ist, möglichst bald zu heiraten? Vernünftig war sie ja, mit ihr konnte man reden wie mit einem guten Kameraden.

Ich werde es bald tun, beschloss er in diesem Augenblick. Und einen Assistenten nehme ich mir auch. Gleich morgen gebe ich eine Anzeige in der medizinischen Monatszeitschrift auf.

Ich werde einen jungen, unverheirateten Herzspezialisten suchen, der möglichst aus armen Verhältnissen stammt. Und wenn der junge Mann nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, dann wird er die Chance sehen, die sich ihm hier bietet.

Dorothea drückte einen liebevollen Kuss auf seine Stirn und ging hinaus. Es war heute spät geworden, schon fast zehn Uhr. Meistens ging sie um neun ins Bett, todmüde und erschöpft. Sie schlief tief und fest.

Um diese Zeit fangen andere erst an wach zu werden, dachte Martin Norden. Und meine Dorothea geht ins Bett. Wahrscheinlich hat sie ein baumwollenes Nachthemd an, von Annas Schwester preiswert angefertigt.

Es war schon ein Jammer, dass ihre schöne, elegante Mutter so früh gestorben war. Sie hätte bestimmt etwas aus Dorothea gemacht, dachte er.

Er als Mann konnte es nicht.

***

„Kommst du mit?“, fragte Dr. Norden seine Tochter am Spätnachmittag des folgenden Tages. „Ich möchte gern einmal mit dem alten Fredrichsen sprechen.“

„Und worum geht es?“ Dorothea nahm schon ihr Häubchen ab.

„Um einen Freiplatz. ‚Waldesruh‘ ist ein großes Haus, es kommt da schließlich nicht auf ein Bett mehr oder weniger an. Mit Fredrichsen kann man sprechen, er ist ein netter Mensch.“

„Der gute alte Onkel Doktor, wie er im Buche steht“, bestätigte seine Tochter. „Ich bin fertig, Vater.“

Sie hatte die Schürze abgebunden, und mit ihrem weißen Kleid sah sie sehr unauffällig aus.

„Dir fehlt Sonnenbräune im Gesicht“, stellte ihr Vater prüfend fest.

„Was hast du jetzt immer nur an meinem Äußeren auszusetzen?“, erwiderte Dorothea lachend. „Du hast wohl plötzlich deinen Sinn für das Moderne entdeckt.“

Klugerweise verzichtete der alte Herr auf eine Antwort. Sein Wagen war nicht mehr das neueste Modell, aber sicher und zuverlässig. Er brachte ihn in einer halben Stunde nach dem Sanatorium „Waldesruh“.

„Solch ein Haus müsste man haben“, meinte er, als er die riesige Fassade bewundernd betrachtete. „Hier fehlt es an nichts.“

„Ein Sanatorium für die ganz Reichen“, stellte seine Tochter nüchtern fest.

„Leider. Na, ich werde mit Fredrichsen schon fertigwerden. Habe ihn lange nicht mehr gesehen, den alten Knaben.“

In der riesigen, marmorverkleideten Halle war es nach der Hitze draußen angenehm kühl. Eine junge und sehr hübsche Schwester empfing sie und erkundigte sich nach ihren Wünschen.

„Ich werde fragen, ob der Chefarzt Zeit hat, Sie zu empfangen.“ Selbstverständlich gab es im Haus nur telefonische Verbindungen. Man brauchte nicht zu laufen, wenn man jemanden finden wollte.

„Der Herr Doktor lässt bitten“, teilte ihnen die Schwester ein wenig herablassend mit. Sie war nur Patienten gegenüber sehr freundlich, dafür bezog sie auch ihr reichliches Gehalt.

Die Millionäre wollten freundliche, junge Gesichter sehen, und deshalb war keine Schwester älter als dreißig Jahre. Aber alle waren schlank und ungewöhnlich hübsch.

Dorothea passte überhaupt nicht hierher, dachte Dr. Norden, als ihre Schuhe auf dem Marmorboden klapperten. Weshalb kauft sie sich nicht einmal irgendein fertiges Kleid! Annas Schwester mag ja sehr solide nähen, aber Schick bekommt sie in ihre Kleider nicht hinein.

Die Schwester, die sie führte, klopfte an die Tür des Arztzimmers. In vergoldeten Buchstaben stand draußen Chefarzt.

„Ich wollte zu Doktor Fredrichsen“, murmelte Martin Norden verdutzt, als er in ein fremdes Gesicht schaute. „Zum Chefarzt.“

„Der bin ich.“ Der noch recht junge Mann kam ihm freundlich ein paar Schritte entgegen, verneigte sich höflich vor Dorothea, ohne ihr allerdings einen zweiten Blick zu gönnen und wandte sein Interesse dann ausschließlich dem Besucher zu.

Er kannte Dr. Nordens Namen, obwohl der alte Herr nur selten einmal einen Patienten nach „Waldesruh“ überwies.

„Was kann ich für Sie tun?“, erkundigte er sich, nachdem er den Nordens höflich Platz angeboten hatte.

Dorotheas Vater brachte sein Anliegen vor. Beim Sprechen musterte er den viel zu jungen Chefarzt abschätzend. War er nun ungewöhnlich tüchtig oder nur ungewöhnlich geschickt?, fragte er sich dabei.

Der Besitzer des Sanatoriums, ein gewisser Bredehöfft, vielfacher Millionär, pflegte sehr auf seine Interessen zu achten. Er wird also sehr tüchtig sein, zog Dr. Norden die Schlussfolgerung.

Der junge Arzt presste die Fingerspitzen nachdenklich zusammen, als Dr. Norden auf seine Entscheidung wartete.

„Leider kann ich über keinen Freiplatz verfügen“, äußerte er schließlich. „Ich bin gehalten, mich in allen wichtigen Fragen den Anweisungen Herrn Bredehöffts zu beugen. Mir untersteht nur der ärztliche Teil des Sanatoriums, für die Verwaltung bin ich nicht zuständig. Aber vielleicht kann ich Ihnen dennoch helfen.“

Als er lächelte, wirkte sein Gesicht plötzlich sehr sympathisch, und fast lausbubenhaft vergnügt.

„Fräulein Bredehöfft befindet sich zufällig im Haus. Sie besitzt alle notwendigen Vollmachten. Wenn Sie einen Moment Zeit haben, werde ich sie rufen lassen.“

Martin Norden beeilte sich zu versichern, dass er Zeit habe. Außerdem war er ein wenig neugierig, Fräulein Bredehöfft kennenzulernen. Man erzählte sich geradezu unwahrscheinliche Dinge über ihren Hochmut. Sie bildete sich angeblich enorm viel auf die Millionen ihres Vaters ein.

Dr. Jordan und Martin Norden erhoben sich höflich, als Fräulein Bredehöfft eintrat. Sie trug ein unglaublich schickes Kostüm. Sie war gut gewachsen, und ihr Gesicht besaß einen aparten Reiz.

Unwillkürlich flog Vater Martins Blick zu seiner Tochter. Wie unscheinbar war doch seine Tochter. Er hätte wetten mögen, dass die kleine Bredehöfft von Natur aus nicht mehr mitbekommen hatte als sein Kind. Sie hatte nur mehr daraus gemacht.

Lydia Bredehöfft hatte es verstanden. Ein dezenter Parfümduft umschmeichelte sie. Martin Norden beugte sich tief über die schmale, gepflegte Rechte, die sie ihm lässig bot.

Für Dorothea hatte die junge Dame nur ein herablassendes Kopfnicken. Um Personal pflegte sie sich nicht zu kümmern.

„Du hast mich hierhergebeten, Reinhard?“, fragte sie, und die vertrauliche Anrede erklärte Martin Norden das Rätsel des jungen Chefarztes.

Er war anscheinend bis über beide Ohren verliebt. Seine Augen leuchteten auf, wenn er Lydia Bredehöfft anschaute, und er hatte sogar einen roten Kopf bekommen, als sie ins Zimmer trat.

Verstehen konnte Martin Norden ihn. Seine Margarete hatte ähnlich ausgesehen wie Fräulein Bredehöfft. Auch sie gehörte zu den Frauen, die überall im Mittelpunkt standen und Aufmerksamkeit und Bewunderung erregten.

Knapp und klar brachte Reinhard Jordan den Wunsch des Besuchers vor.

„Ich bin der Meinung, wir sollten ruhig ein paar Betten armen, erholungsbedürftigen Menschen zur Verfügung stellen“, fügte er hinzu.

Lydias schön geschwungener Mund bog sich leicht nach unten.

„Den Kommentar hättest du dir sparen können“, entgegnete sie. „Du bist zwar ein tüchtiger Arzt, aber auch ein sehr schlechter Geschäftsmann. Wohin kämen wir, wenn wir unser Geld verschenken würden? Es tut mir leid, aber darauf können wir nicht verzichten.“

„Sie haben doch über hundertzwanzig Betten im Haus. Und mein Patient braucht dringend einen Aufenthalt in einem guten Sanatorium“, mischte Martin Norden sich ein. „Das Geld dürfte für Sie doch keine Rolle spielen, gnädiges Fräulein.“

Hochmütig schaute die Tochter des reichen Mannes ihn an.

„Ich fürchte, das können Sie nicht beurteilen“, fertigte sie ihn kurz ab. „Wir haben nichts zu verschenken. Uns schenkt auch niemand etwas. Wer im Leben tüchtig ist, verdient genügend Geld, um für seine Genesung zu bezahlen. Und die anderen …“ Sie zuckte geringschätzig die Schultern.

„Die können krepieren, meinen Sie?“, fragte Martin Norden mit gefährlicher Ruhe.

„Es gibt Menschen genug, lieber Doktor, viel zu viele. Kommt es da wirklich auf einen an?“

„Wenn man selbst der Mensch ist, ja“, knurrte Dorotheas Vater. Er hatte Mühe, diesem zurechtgemachten Frauenzimmer jetzt nicht gründlich seine Meinung zu sagen.

„Fräulein Bredehöfft meint es nicht so“, versuchte Reinhard Jordan zu vermitteln. Auch ihn hatten ihre Worte unangenehm berührt.

Lydia stieß ein silberhelles, klingendes Lachen aus.