Lore-Roman 53 - Ina Ritter - E-Book

Lore-Roman 53 E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Das Hexlein mit den blauen Augen - Schicksalsroman um Liebe und Entsagung
Von Ina Ritter

Der charmante und von allen Frauen heiß begehrte Fabrikantensohn Rupert von Dahlberg lernt Gunda von Hammerstein durch Zufall kennen, aber er ist fest überzeugt, dass es Schicksalsfügung ist. Gilt er als ein Mann ohne Herz, hat er dieses nun doch an die süße Gunda verloren. Rupert ist regelrecht verhext von der blauäugigen Schönheit.
"Geliebtes Hexlein, bald wirst du meine kleine Frau", verspricht er Gunda, und sie glaubt ihm, weil sie ihn über alles liebt.
Doch schon nach viel zu kurzer Zeit zerbricht ihr Glück. Denn Friedl von Melander, eine der zahllosen Affären Ruperts, hat ältere Rechte als Gunda - und sie erwartet ein Kind ...

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Das Hexlein mit den blauen Augen

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: CoffeeAndMilk / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8032-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Das Hexlein mit den blauen Augen

Schicksalsroman um Liebe und Entsagung

Von Ina Ritter

Der charmante und von allen Frauen heiß begehrte Fabrikantensohn Rupert von Dahlberg lernt Gunda von Hammerstein durch Zufall kennen, aber er ist fest überzeugt, dass es Schicksalsfügung ist. Gilt er als ein Mann ohne Herz, hat er dieses nun doch an die süße Gunda verloren. Rupert ist regelrecht verhext von der blauäugigen Schönheit.

„Geliebtes Hexlein, bald wirst du meine kleine Frau“, verspricht er Gunda, und sie glaubt ihm, weil sie ihn über alles liebt.

Doch schon nach viel zu kurzer Zeit zerbricht ihr Glück. Denn Friedl von Melander, eine der zahllosen Affären Ruperts, hat ältere Rechte als Gunda – und sie erwartet ein Kind …

„Ich möchte mich von dir verabschieden!“

Komtess Gunda stand vor ihrer Mutter, die über eine Stickerei gebeugt im Sessel saß.

Cäcilie Gräfin von Hammerstein hob langsam den Kopf und schaute ihre Tochter an, als sähe sie einen fremden Menschen.

„Auf Wiedersehen“, erwiderte sie kühl – und ihr Kopf senkte sich wieder über den Stickrahmen.

„Willst du mir nicht die Hand geben?“, fragte Gunda beklommen.

Ihre Mutter schüttelte kaum merklich den Kopf, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen.

„Gut, wie du willst“, murmelte die Komtess.

In ihr regte sich ein unbändiger Trotz. Sie ging hinaus, ohne noch ein weiteres Wort an die Mutter zu verschwenden. Die Gräfin wollte nicht, dass ihre Tochter studierte. Aber es würde geschehen.

„Eine Komtess Hammerstein studiert nicht, sondern sie wartet, bis sie eine standesgemäße Heirat eingehen kann“, hatte Gräfin Cäcilie gesagt.

Aber Gunda hatte widersprochen – und nun also stand die Komtess vor ihrer Mutter, und die schwieg – wie sie immer geschwiegen hatte, wenn etwas geschah, was sie missbilligte.

Der Graf hatte der Tochter stillschweigend einen Scheck über fünftausend Mark in die Hand gedrückt. Er war keinesfalls so adelsstolz wie seine Frau, aber er hatte nichts zu sagen.

Und nun steuerte Graf Wilfried den Wagen selbst zum Bahnhof.

„Was hat Mutter noch gesagt?“, fragte er verlegen.

„Nichts“, bekannte Gunda wahrheitsgemäß. „Für sie bin ich die verlorene Tochter, das schwarze Schaf der Familie. Ich weiß nicht, wie ich darüber denken soll. Es ist doch kein Verbrechen, wenn ich nach meinen eigenen Wünschen leben möchte.“

Graf Hammerstein nahm seine Hand einen Moment vom Steuerrad und legte sie auf Gundas gefaltete Finger.

„Mit der Zeit wird sie sich an den Gedanken gewöhnen, dass du ein selbstständiges Wesen mit eigenen Wünschen und Interessen bist“, entgegnete er.

„Hoffentlich!“ Gunda machte sich über ihre Mutter keine großen Illusionen. „Ich bin nur froh, dass wenigstens du mich verstehst, Vater“, bekannte sie herzlich. „Ohne deine Billigung würde ich ungern fahren. Nicht, dass ich Angst hätte, auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn andere das schaffen, kann ich das auch.“

Diesen Satz hätte ihre Mutter gesprochen haben können, schoss es dem Grafen durch den Kopf. Er war stolz auf seine Tochter, die gottlob nur wenig von seinem etwas schwachen Charakter geerbt hatte.

Der Abschied auf dem Bahnsteig war kurz und wäre einem Zuschauer nüchtern erschienen. Vater und Tochter reichten sich die Hand, lächelten sich verhalten zu, und dann ruckte der Zug, der hier nur eine Minute Aufenthalt hatte, auch schon an.

Aufseufzend ließ sich Komtess Gunda auf die gepolsterte Sitzbank fallen. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie nicht allein im Abteil war. Ein junger Mann saß ihr schräg gegenüber, das Gesicht allerdings hinter einer großformatigen, ausländischen Zeitung verborgen. Sein Anzug war aus teurem englischem Stoff geschneidert.

Gunda zog ein Buch aus der Handtasche, schlug es auf und begann zu lesen. Allerdings gelang es ihr nicht, sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Ihre Gedanken wanderten zurück nach Schloss Hammerstein, und eine seltsame Wehmut war in ihrem Herzen.

Noch nie war ihr so klar geworden wie heute, dass ihre eigene Mutter sie nicht liebte. Die schöne stolze Gräfin Hammerstein war kalt bis ins Herz. Sie hatte das Buch sinken lassen und schaute vor sich hin.

Der Herr gegenüber hatte seine Zeitung beiseitegelegt und musterte sie verstohlen. Es fiel ihm schwer, sie nicht direkt anzustarren, so lieblich sah sie aus.

Dabei kannte Rupert von Dahlberg die Frauen. Er hatte längst verlernt, sich irgendwelche Illusionen über sie zu machen. Er spottete über die Liebe, über die Treue. Er konnte Frauen nicht ernst nehmen.

Das Buch rutschte von Gundas Knien, und beide Reisenden beugten sich gleichzeitig vor, um es aufzuheben. Ihre Köpfe stießen dabei schmerzhaft zusammen.

Gunda rieb sich verwirrt die Stirn, während der junge Mann sich erhob und eine höfliche Verbeugung machte.

„Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, gnädiges Fräulein, ich war sehr ungeschickt. Haben Sie große Schmerzen?“

„Es geht schon wieder.“

Gunda schlug verwirrt die Augen nieder. Etwas im Blick des jungen Mannes ließ sie erröten. Es war gut, dass Rupert von Dahlberg ihr Herz nicht klopfen hören konnte. Gunda schämte sich ihrer Verwirrung, denn durch ihre tadellose Erziehung war sie bestimmt weltgewandt und wusste sich in jeder Situation zu benehmen.

Unwillkürlich warf Rupert einen Blick auf den Titel des Buches. Es war ein Lehrbuch, in dem seine schöne Begleiterin gelesen hatte. Sollte sie etwa Studentin sein?

Bevor Gunda es sich versah, plauderte sie mit dem fremden Herrn im Zuge. Die Zeit verging ihr so schnell wie noch nie, und mehr als einmal musste sie über eine launige Bemerkung ihres Reisegefährten lachen. Dabei bildeten sich zwei reizende Grübchen auf ihren Wangen. Grübchen, die in Rupert von Dahlberg den Wunsch erweckten, sie zu küssen.

***

Nach einer Stunde näherte sich der D-Zug der Universitätsstadt.

„Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle?“, fragte Rupert. „Bisher habe ich es versäumt.“

„Bitte nein“, platzte Gunda heraus und wurde rot, als sie die Betroffenheit auf seinen Zügen bemerkte. „Was sagen schon Namen? Wir werden uns ja doch niemals wiedersehen. Ich studiere hier und habe nur wenig Zeit, und Sie werden durch Ihren Beruf sicherlich auch ganz ausgefüllt sein.“

„Gut, überlassen wir unser Wiedersehen dem Zufall“, stimmte Rupert ihr zu.

Auf dem Gepäckanhänger ihrer Koffer hatte er ihren Namen und ihre Adresse längst gelesen. G. Hammerstein.

Gunda war fast ein wenig enttäuscht, dass er sich so schnell mit ihrer Ablehnung zufriedengab.

„Darf ich Sie vor Ihrer Pension absetzen?“ Rupert hatte wie selbstverständlich ihre Koffer genommen. „Mein Wagen steht vor dem Bahnhof. Ich habe ihn telegrafisch herbeordert.“

„Eigentlich müsste ich ja Nein sagen, aber der Weg ist wirklich reichlich weit.“ Gunda zierte sich nicht lange.

Das Auto passte zu der eleganten Erscheinung des Mannes. Es war ein Wagen, wie ihn nicht jeder fuhr; irgendein sehr teures Fabrikat.

„Schade, dass wir schon angelangt sind, gnädiges Fräulein. Vielleicht führt der Zufall uns wieder einmal zusammen. Ich würde mich sehr darüber freuen. Und Sie?“

„Ich danke Ihnen für alles, was Sie für mich getan haben“, wich Gunda einer Antwort auf diese verfängliche Frage aus. Sie hastete förmlich in das Haus, in dem sie zwei sehr hübsche Zimmer gemietet hatte.

„Sie kommen heute schon, Fräulein Hammerstein?“

Gundas Wirtin, Alwine Weber, schlug die Hände zusammen, strahlte ihre charmante Mieterin aber dennoch liebevoll an.

„Ich dachte, das Semester beginnt erst in einer Woche.“

„Ich hatte Sehnsucht nach unserem kleinen Städtchen“, log Gunda.

„Sie sind immer sehr fleißig, Sie hatten sicherlich Sehnsucht nach den vielen gelehrten Büchern“, entgegnete die alte Dame mit feinem Lächeln. „Darf ich Sie zu einer Tasse Kaffee einladen, Fräulein Hammerstein? Machen Sie sich etwas frisch und kommen Sie dann, bitte, zu mir herüber.“

„Gern, Frau Weber.“ Wie seltsam, dachte Gunda, dass ich mich in meinen beiden möblierten Zimmern heimischer fühle als auf Schloss Hammerstein. Vielleicht lag es an Frau Weber, die solch eine nette, mütterliche Art hatte. Die Wirtin wusste nicht, dass ihre Mieterin eine Komtess war. Hier in der Stadt war Gunda das einfache Fräulein Hammerstein.

Gunda verabschiedete sich bald. Sie war nach den Aufregungen dieses Tages rechtschaffen müde, fand aber dennoch nicht gleich den ersehnten Schlaf.

Vor ihrem geistigen Auge erschien das schmale, rassige Gesicht eines jungen Mannes, von dem sie nur wusste, dass er sehr nett war. Ich werde ihn nicht wiedersehen, dachte Gunda, und das tat ihr auf einmal schrecklich leid.

***

„Sie, Fräulein Hammerstein?“ Therese Stüwe lächelte Gunda herzlich an. „Das ist ja mal eine Überraschung. Kommen Sie nur herein, Ute sitzt in ihrem Zimmer und arbeitet. Ute, Besuch für dich!“, rief Frau Therese den Korridor hinunter. „Kommen Sie nur ins Wohnzimmer, Fräulein Hammerstein.“

Ute trat ein, ein sehr hübsches dunkelhaariges Mädchen mit großen fast schwarzen Augen. Sie begrüßte Gunda herzlich und zog sie dann in ihr Zimmer. Auf der Universität hatten sie sich kennengelernt und waren Freundinnen geworden.

„Weshalb kommst du schon so früh zurück?“, erkundigte sich das junge Mädchen ohne Umschweife. „Hast du Krach zu Hause gehabt?“

„Ja.“ Gunda fiel es gar nicht schwer, Ute alles zu erzählen, was sich zugetragen hatte. „Ohne Hilfe meines Vaters säße ich auf dem Trockenen“, schloss sie lächelnd.

„Es muss angenehm sein, einen reichen Vater zu haben“, meinte Ute nachdenklich.

„Und was hast du in den Semesterferien gemacht?“, wechselte Gunda das Thema.

„Bis gestern habe ich gearbeitet.“ Ute zeigte ihrer Freundin die Innenflächen ihrer Hände. Man sah ihnen die Spuren körperlicher Arbeit deutlich an.

„Fabrikarbeiterin Stüwe“, stellte sie sich vor und lachte. „Ich war Packerin in der Dahlberg‘schen Fabrik. Keine ganz leichte Arbeit, aber sie wird gut bezahlt. Du, ich habe den jungen Dahlberg einmal gesehen. Ein toller Mann. In den könnte ich mich glatt verlieben.“

„Das lass lieber bleiben“, riet Gunda schmunzelnd, „seit wann kannst du dich so schnell für fremde Menschen erwärmen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe mir immer eingebildet, Männer seien dir völlig gleichgültig.“

„Sind sie auch, aber dieser Dahlberg ist eine Ausnahme. Würdest du ihn einmal kennenlernen, wüsstest du, was ich meine. Hast du in den Semesterferien fleißig gelernt?“

„Es geht so. Ich bin viel geritten, wenn es das Wetter auch nur einigermaßen erlaubte.“

Gunda verabschiedete sich erst spät von ihrer einzigen Freundin. Es fiel ihr immer schwer, das gemütliche Heim der Stüwes zu verlassen.

***

Eine Woche später begann der Lehrbetrieb an der Universität, und Gundas Tage waren vollkommen ausgefüllt. Allerdings ertappte sie sich häufig dabei, dass sie auf dem Weg zur Universität die Straße genauer beobachtete als sonst. Aber niemals sah sie den schnittigen Wagen des Mannes, dessen Bekanntschaft sie in der Eisenbahn gemacht hatte.

Er legt wohl keinen Wert darauf, mich wiederzusehen, dachte sie, und ihr Herz wurde bei diesem Gedanken schwer. Es war verrückt, dieser Zufallsbekanntschaft nachzutrauern, dennoch ließ der Gedanke daran sie nicht los.

Vielleicht fasste sie deshalb den Entschluss, den Semestereröffnungsball mitzumachen. Sie wollte sich ablenken, einmal von Herzen fröhlich sein wie die anderen, und vielleicht lernte sie auch einen netten jungen Mann kennen, der ihr gefiel und das Bild des anderen aus ihrem Herzen verdrängte.

Die Studenten hatten beschlossen, einen Kostümball zu veranstalten. In den Pausen zwischen den Vorlesungen wurden die Pläne der einzelnen eifrig besprochen. An Phantasie fehlte es kaum jemandem.

„Als was willst du gehen?“, fragte Ute ihre Freundin. „Ich weiß es noch nicht“, Gunda zuckte die Schultern. „Ich werde mir irgendetwas kaufen.“

„Ich wüsste schon etwas für dich“, tat Ute geheimnisvoll. „Geh als Hexe. Alle nennen dich Hexlein. Kauf dir eine rote Perücke, und du wirst sehen, dass sich alle um dich reißen. Ein Kostüm findet sich leicht. Einen Besen kann ich dir leihen. Was hältst du davon?“

„Warum nicht?“ Gunda war das Kostüm im Grunde genommen gleichgültig.

Ute half Gunda, ein Kleid zu ändern.

„Du siehst einfach hinreißend aus“, behauptete sie einen Tag vor dem großen Ereignis. Sie selbst würde als Teufel gehen. Als ein sehr verlockender Teufel, für den sich eine Sünde lohnen würde.

Teufel und Hexe, ein passendes Gespann, das bei seinem Eintritt in den großen Mensasaal Aufsehen erregte. Ein paar Studenten pfiffen anerkennend durch die Zähne.

„Habe ich es dir nicht gesagt?“, fragte Ute strahlend. „Du verhext den ganzen Saal, und zum Schluss wird dich der Teufel holen.“

Sie hatten nämlich verabredet, den Heimweg gemeinsam anzutreten. Die Studentenfeste endeten häufig recht ausgelassen, und es war schon besser, nicht zu spät zu gehen.

„Auf dich habe ich schon gewartet, kleine Hexe“, rief ein Mann im Clownkostüm und zerrte Gunda auf die Tanzfläche.

Die nächste Stunde kam Komtess Hammerstein kaum zur Besinnung. Sie wanderte von einem Arm in den anderen, man drückte ihr gefüllte Gläser in die Hand, die sie austrinken musste, und bald schon fühlte sie sich in dem Trubel wohl. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben war sie richtig ausgelassen. Sie vergaß tatsächlich den Fremden mit dem gutgeschnittenen Gesicht und den zwingenden Augen.

Noch hatte die Stimmung ihren Höhepunkt nicht erreicht. Gunda ruhte sich einen Moment erhitzt an der Bar aus, neben sich einen Piraten, der sein Gesicht grässlich angemalt hatte, als ein Mann im Domino sich vor ihr verneigte, ihr das Glas einfach aus der Hand nahm und es auf die Bar zurückstellte.

„Ich wusste doch, dass ich dich finden würde“, raunte er, und wenn er auch eine Maske trug, Gunda erkannte ihn sofort.

Sie merkte, dass sie erbleichte. „Wie haben Sie mich erkannt?“, fragte sie und hörte, dass ihre Stimme bebte.

Ganz fest zog der Mann im Domino sie an sich. Es lag nichts Aufdringliches in der Art, wie er sie hielt, eher etwas Besitzergreifendes. Ganz dicht war sein Gesicht vor ihrem, als er den Kopf zu ihr hinabbeugte.

„Dich würde ich überall erkennen, schönes Hexlein“, sagte er. „Ist es nicht ein Zufall, dass wir uns hier treffen? Ich habe gewusst, dass es so sein würde. Freust du dich auch ein wenig?“

„Ja“, hauchte Gunda.

„Ich habe oft an dich gedacht, Hexlein“, fuhr der Mann fort. „Was hast du mit mir gemacht? Du hast mich verhext. Es ist kein Wunder, wenn mich eines Tages der Teufel holt. Wie hast du es nur angestellt, dass ich dir so verfallen bin?“

Gundas Befangenheit legte sich allmählich. Ihre Augen strahlten ihn an.

„Das verrate ich nicht, Domino“, erwiderte sie keck, „es ist das Geheimnis der Hexen, wie sie Männer verzaubern.“

„Es ist schön, dass du deine Kunst an mir erprobt hast. An wie vielen anderen noch? Zeige sie mir, ich werde sie alle umbringen, bis ich der einzige bin, der zu dir gehört.“

„Bringe den ganzen Saal um, Domino“, riet ihm eine lachende Stimme. Ute hängte sich an seinem freien Arm burschikos ein. „Denn alle sind unserem kleinen Hexlein verfallen. Wer bist du, Domino? Kenne ich dich? Nimm die Maske ab.“

„Später, du frecher kleiner Teufel“, lachte Rupert von Dahlberg, „im Augenblick bin ich mit Hexen beschäftigt. Später, wenn ich zur Hölle gefahren bin, werde ich dir meine Aufmerksamkeit widmen.“

Ute hatte ihn sofort wiedererkannt, den jungen Herrn von Dahlberg, aber er hatte nur Augen für Gunda.

„Treib es nicht zu schlimm mit ihm“, warf sie Gunda hin, drehte sich um und ließ sich von einem Torero fortziehen.

„Meine Freundin“, erläuterte Gunda.

„So“, meinte Rupert desinteressiert. „Ich habe Durst bekommen, du auch? Lass uns etwas trinken. Aber nicht dein Hexenwasser, heute musst du mit Sekt zufrieden sein.“

„Weil du es bist“, gab Gunda übermütig zurück.

Sie wusste nicht, wie ihre Augen ihn anstrahlten und verrieten, was niemals über ihre Lippen gekommen wäre: ihre Freude über dieses Wiedersehen.

Sie trank den Sekt wie Wasser. Eine nie gekannte Leichtigkeit erfüllte ihren Körper. Ihre Füße schienen kaum den Boden beim Tanzen zu berühren, und als der Mann seinen Mund auf ihre Lippen presste, da stieß sie ihn nicht zurück.

Es war das erste Mal, dass Gunda von Hammerstein einen Mann küsste, und Rupert merkte deutlich, dass ihr die Erfahrung fehlte. Rührung stieg in ihm empor, als er sie fest an sich zog.

„Ich habe mich in dich verliebt, du Hexlein mit den blauen Augen“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Wir müssen uns bald wiedersehen, hörst du?“

„Ja …“, erwiderte Gunda leise.

„Ich will dich aber ganz oft sehen, mein Hexlein, jeden Tag. Versprichst du mir zu kommen?“

„Ja, mein Domino. Ich tue alles, was du willst.“ Aus Gunda sprach ein wenig der Sekt und ein wenig auch ihre Sehnsucht.

***

„Komm, ich bringe dich nach Hause.“ Rupert zog Gunda bald nach Mitternacht aus dem Gewühl der Tanzenden. Die Stimmung wurde zu ausgelassen für seinen Geschmack.

„Danke, gern.“ Gunda war es noch immer, als träume sie das alles nur. „Aber wir müssen meine Freundin Ute mitnehmen. Wir wollten zusammen nach Hause gehen.“

„Nein, das lasse ich nicht zu, Hexlein. Ich will mit dir allein sein.“

Gunda schüttelte den Kopf. „Ich habe es versprochen, Domino“, beharrte sie ernsthaft.

„Möchtest du nicht auch lieber mit mir allein sein?“, fragte der Mann und krauste die Stirn.

„Ich habe es versprochen“, wiederholte Gunda.

„Eine Hexe mit Prinzipien. Also gut, suchen wir deine Freundin Ute. Und wie erkennen wir sie?“

„Sie ist der kleine Teufel, der dich vorhin angesprochen hat. Dort steht sie ja.“

Gunda machte sich von Rupert los und drängte sich durch das Gewühl zu Ute hin, die tatsächlich mutterseelenallein an der Wand stand und vor sich hinstarrte.

„Wollen wir gehen?“

Ute schrak zusammen, als Gunda sie ansprach. Es war, als kämen ihre Gedanken aus weiter Ferne in die Gegenwart zurück.