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Der Herzog und das Blumenmädchen
Ein Roman um die Allgewalt der Liebe
Von Ina Ritter
Als Großherzog Karl von Liebenau seinem Sohn Friedrich sagt, dass er zum zweiten Mal heiraten wird, hofft er auf dessen Verständnis. Aber Friedrich weicht entsetzt zurück, als er hört, dass die zweite Frau des Vaters nicht standesgemäß und außerdem noch geschieden ist. Er schleudert dem Vater und der Frau seine ganze Verachtung ins Gesicht.
Der Großherzog dankt letztlich ab und geht außer Landes. Als Friedrich auch beim Abschied nicht zur Versöhnung bereit ist, wünscht ihm sein Vater, er möge sich einmal mit seinem ganzen Herzen in ein Mädchen aus dem Volk verlieben und es dann nicht heiraten dürfen.
Friedrich jedoch lacht nur über diese Worte, und er ahnt nicht, dass der Wunsch des Vaters schon bald in Erfüllung gehen soll ...
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Der Herzog und das Blumenmädchen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Kiselev Andrey Valerevich / shutterstock
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-8138-2
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Der Herzog und das Blumenmädchen
Ein Roman um die Allgewaltder Liebe
Von Ina Ritter
Als Großherzog Karl von Liebenau seinem Sohn Friedrich sagt, dass er zum zweiten Mal heiraten wird, hofft er auf dessen Verständnis. Aber Friedrich weicht entsetzt zurück, als er hört, dass die zweite Frau des Vaters nicht standesgemäß und außerdem noch geschieden ist. Er schleudert dem Vater und der Frau seine ganze Verachtung ins Gesicht.
Der Großherzog dankt letztlich ab und geht außer Landes. Als Friedrich auch beim Abschied nicht zur Versöhnung bereit ist, wünscht ihm sein Vater, er möge sich einmal mit seinem ganzen Herzen in ein Mädchen aus dem Volk verlieben und es dann nicht heiraten dürfen.
Friedrich jedoch lacht nur über diese Worte, und er ahnt nicht, dass der Wunsch des Vaters schon bald in Erfüllung gehen soll …
Das Schloss der Großherzöge von Liebenau lag hoch über der Stadt auf einem Berg. Die Menschen in der Stadt schauten gelegentlich zum Schloss empor, manchmal mit gerunzelter Stirn, manchmal mit einem Lächeln. Die Familienverhältnisse des Herrscherhauses waren überall bekannt und wurden gern diskutiert.
Viele beneideten die großherzogliche Familie um ihre glänzende Hofhaltung. Man gab rauschende Feste, man veranstaltete Konzerte für einen ausgewählten Kreis, und wenn man zur Jagd einlud, kam der ganze Hochadel.
Prinz Friedrich aber hasste das Schloss. Er stand am Fenster, das in die dicken Mauern eingelassen war, und schaute fast sehnsüchtig auf die Dächer der Stadt hinunter. In vielen Häusern der reichen Bürger gab es schon Zentralheizung, alle Räume waren gemütlich warm, während er im Schloss eigentlich immer fror. Der junge Mann in der Offiziersuniform zog die Schultern fröstelnd hoch, als es zu schneien begann. Er sah gut aus, sein Bild wurde von den jungen Mädchen des Landes mit Vorliebe gekauft. Es war in hunderttausenden Exemplaren nach einem Gemälde des Hofmalers auf Postkarten gedruckt worden und hatte sich zu einem Verkaufsschlager entwickelt.
Die großherzogliche Familie als Gruppenbild folgte im Verkauf erst mit großem Abstand. Die Großherzogin war schon lange tot, und Seine Königliche Hoheit, Karl von Liebenau, war beim Volk nicht sehr beliebt. Er zeigte bei offiziellen Anlässen eine Kühle und Gleichgültigkeit dem Volk gegenüber, die viele abstießen.
Sein ältester Sohn Friedrich war da ganz anders, liebenswürdig und aufgeschlossen, ein junger Prinz, der gern lachte, viel Sport trieb und auch in Wissenschaften sehr kundig war. So manchem jungen Mann wurde er als Vorbild hingestellt.
Der junge Mann, der vom Schlossfenster aus die Dächer betrachtete, die allmählich unter einer weißen Schneedecke verschwanden, lächelte bitter. Er hätte gern mit denen getauscht, die ihn um seinen hohen Rang beneideten.
Hatten die dort unten eine Ahnung, wie einsam er lebte! Freunde hatte er nicht, er war von einem Privatlehrer erzogen worden, und seine Spielkameraden wurden vom Hofmeister ausgesucht. Es galt als eine Ehre, mit dem Prinzen spielen zu dürfen, und entsprechend hatten die Kinder sich auch benommen. Sie waren gehemmt und unnatürlich gewesen.
„Königliche Hoheit wünschen Prinz Friedrich zu sprechen“, meldete ein Diener mit tiefer Verneigung.
„Danke.“ Friedrich nickte dem Mann freundlich zu.
„Guten Morgen“, wünschte der Prinz seinem Vater, der in einem riesigen Arbeitszimmer an seinem Schreibtisch über Akten saß. „Du wolltest mich sprechen?“
„Nimm Platz.“ Lässig deutete der Großherzog auf einen hochlehnigen unbequemen Stuhl. Er klappte die vor ihm liegende Akte zu und schaute nachdenklich auf den blauen Deckel. „Ich bin seit vielen Jahren Witwer.“
Prinz Friedrich hob erstaunt den Kopf etwas höher. Er fand die Bemerkung höchst überflüssig, schließlich wusste er ja, dass die Großherzogin schon lange tot war.
„Erinnerst du dich an Frau Dennhardt?“
„Nein.“
„Vor ihrer Verheiratung war sie bei Hof. Ein sehr schönes Mädchen. Dann hat sie diesen Dennhardt geheiratet, einen Fabrikanten. Nun, diese Leute machen heutzutage viel Geld, er sah auch nicht direkt schlecht aus für einen Mann seiner Art … Nun ja, die Ehe ist vor einigen Wochen geschieden worden.“
„Geschieden?“, wiederholte Friedrich von Liebenau pikiert.
Geschiedene Frauen hatten am Hofe nichts zu suchen. Man verkehrte nicht mit ihnen. Man ließ sich nicht scheiden, vielleicht lebte man getrennt, aber man vermied jeden Skandal. Und eine Scheidung war ein Skandal.
„Sie ist auch heute noch eine entzückende Dame. Sie hat Geschmack, sie ist sehr klug … Also kurz gesagt, ich habe die Absicht, sie zu ehelichen.“
Sein Sohn schaute ihn an, als zweifle er an seinem Verstand.
„Du willst eine geschiedene Frau Dennhardt zu deiner Gattin machen?“, vergewisserte er sich, weil er immer noch hoffte, seinen Vater falsch verstanden zu haben.
„Ja.“
„Das ist ausgeschlossen. Eine Bürgerliche an deiner Seite? Wie hast du dir das vorgestellt, Vater?“
„Das Volk wird sich mit Charlotte abfinden. In einigen Jahren wird niemand mehr wissen, woher sie kommt. Und ist es eine Schande, eine bürgerliche Frau zur Großherzogin Liebenau zu machen?“
„Eine geschiedene Frau, Vater. Man wird dich nicht verstehen. Es ist ausgeschlossen, dass du eine geschiedene Frau heiratest.“
„Mein Entschluss steht fest, Friedrich, und ich erwarte, dass du ihn respektierst und dich Frau Dennhardt gegenüber so benimmst, wie es sich für die künftige Großherzogin Charlotte gehört.“
Der junge Prinz schnellte empor.
„Ausgeschlossen, Vater!“ Sein Gesicht glühte vor Erregung. „Du verlangst Unmögliches. Überlege dir deinen Entschluss, besprich ihn mit deinen Räten. Was sagt man im Kabinett?“
„Ich habe die Herren bisher noch nicht zu Rate gezogen. Ihre Meinung ist mir auch gleichgültig, Friedrich. Ich werde Charlotte heiraten, ob es meinen Ratgebern passt oder nicht. Wenn es ihnen nicht passt, können sie ja ihren Abschied nehmen. Ich halte niemanden.“
Prinz Friedrich setzte sich wieder.
„Niemand im Lande wird dich und deinen Entschluss verstehen“, sagte er bedrückt. „Und unsere Verwandten, hast du an sie gedacht? Man wird dich schneiden, weil man mit dir auch diese Frau Dennhardt einladen müsste. Eine Ehe mit ihr würde dich unmöglich machen, Vater.“
Ein verbissener Zug legte sich auf das Gesicht des Großherzogs.
„Ich hatte gehofft, wenigstens du würdest mich verstehen, Friedrich“, bekannte er bitter. „Du bist jung, ich habe dir einen liberal denkenden Mann als Lehrer gegeben, ich hoffte, du würdest über Standesvorurteile erhaben sein.“
„Bist du es denn?“, fragte der Prinz, und seine Augen flammten förmlich vor Zorn. „Vor einem halben Jahr hast du das Heiratsgesuch des Rittmeisters Sandenburg abgelehnt, der ein bürgerliches Mädchen heiraten wollte. Erinnerst du dich noch, was für eine Randbemerkung du auf das Gesuch geschrieben hast?“
„Es war ein Irrtum. Damals … dachte ich eben anders über manches. Jeder Mensch hat das Recht, seine Meinungen im Laufe seines Lebens zu ändern. Warum willst du ausgerechnet mir dieses Recht verwehren?“
„Wenn selbst der Großherzog nicht mehr weiß, was sich schickt, wie sollen unsere Untertanen es dann wissen? Sie schauen auf uns, weil wir ihre Vorbilder sind. Wir leben wie in einem Glaskasten, Vater.“
„Es ist keine Schande, eine bürgerliche Frau zu lieben. Mein Gott, hast du denn kein warmes Blut in den Adern? Du bist doch auch jung, auch dein Herz muss beim Anblick eines hübschen Mädchens schneller schlagen.“
„Es tut mir leid, Vater, aber du irrst dich. Ich kenne meine Pflicht meiner Stellung gegenüber. Ich werde einmal die Regierungsgeschäfte übernehmen, wenn du nicht mehr bist.“
„Manchmal hasse ich meine Herkunft! Wie gut haben es die Bürger unten in der Stadt, die Fabrikanten und Händler. Sie brauchen keine Rücksichten zu nehmen.“
„Jeder Mensch nimmt Rücksicht. Dass ausgerechnet du dich über deine Stellung beklagst … Und das alles einer Frau wegen, die sogar geschieden ist.“
„Ich verbiete dir, Frau Dennhardt daraus einen Vorwurf zu machen.“
„Du hast deine Ansichten über Scheidungen radikal geändert. Ich werde diese Frau jedenfalls niemals als Großherzogin anerkennen.“
„Du wirst es müssen!“
„Niemals!“ Der junge Mann saß steif auf dem unbequemen Stuhl. „Und andere auch nicht! Du wirst allein sein, wenn du diese Dame heiratest.“
„Das ist mir egal. Mein Entschluss steht fest. Du wirst ihn akzeptieren.“
„Nein.“
„Ich warne dich, Friedrich. Als Offizier verlange ich Gehorsam von dir! Du trägst die Uniform meiner Armee!“
„Kein Offizier handelt gegen seine Ehre, Vater. Ich werde die Uniform ausziehen!“
Der Großherzog stützte den Kopf in die linke Hand und starrte vor sich hin.
„Ich hatte gehofft, in dir einen Bundesgenossen zu finden, Friedrich. Bis vor Kurzem habe ich überhaupt nicht gewusst, was Liebe ist. Jetzt kenne ich sie, und ich werde nicht darauf verzichten!“
„Du hast keinen Anspruch auf Liebe. Du wirst Frau Dennhardt vergessen. Schick sie fort, Vater, bevor man beginnt, über dich und diese Frau zu reden.“
„Sie ist im Schloss. Heute Morgen ist sie gekommen. Du wirst sie beim Mittagessen sehen, und ich erwarte von dir, dass du dich wie ein Kavalier benimmst. Sie ist unser Gast.“
Prinz Friedrich wurde blass. „Was ist nur in dich gefahren, Vater? Früher wärest du nie auf den Gedanken gekommen, eine Ehe unter deinem Stand einzugehen.“
„Lass mich allein.“ Großherzog Karl verabschiedete seinen Sohn mit einer müde wirkenden Handbewegung.
***
Die Herren des Kronrats nahmen Haltung an, als Großherzog Karl am nächsten Morgen um neun Uhr den Sitzungsaal betrat. Er war noch niemals zu spät gekommen und erwartete auch von seinen Ministern Pünktlichkeit und Pflichterfüllung bis zum Äußersten.
Sein Blick flog prüfend über die Gesichter, bevor er Platz nahm.
„Ich bitte die Herren, sich zu setzen. Was steht heute auf der Tagesordnung, Exzellenz?“
Der Minister reichte ihm eine Liste und begann seinen Vortrag. Zum ersten Mal seit Übernahme der Regierung hörte Großherzog Karl ihm nur halb zu. Was interessierten ihn heute die Projekte, über die der Minister so weitschweifig sprach?
Er fiel ihm schließlich mit einer ungeduldigen Handbewegung ins Wort.
„Ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen, meine Herren.“
Aus zwölf Gesichtern blickten ihm neugierige Augen entgegen. Man ahnte schon, was kommen würde, aber eigentlich wollte niemand glauben, dass Hoheit ernsthaft erwägen konnten, eine geschiedene Frau zu ehelichen.
„Ich werde wieder heiraten. Die Dame ist Ihnen allen bekannt, meine Herren. Frau Charlotte Dennhardt.“
Das Gesicht des vortragenden Ministers lief rötlich an.
„Meinen Sie die geschiedene Frau Dennhardt?“, fragte er.
„Jawohl, genau die meine ich. Ich erwarte und verlange von Ihnen, dass Sie meiner künftigen Gattin den gleichen Respekt entgegenbringen wie mir. Ich danke Ihnen, meine Herren.“
Er nickte ihnen zu, erhob sich, und seine Minister beeilten sich, gleichfalls aufzustehen. Stumm schauten sie ihm nach, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte.
„Unmöglich!“, rief der Finanzminister erregt. „Hoheit darf diese Dame nicht heiraten! Eine geschiedene Frau …“
„Und sie soll Affären gehabt haben!“, warf der Justizminister ein. „Man spricht über sie.“
„Was sollen wir tun?“, fragte der vortragende Minister nüchtern. „Der Entschluss Seiner Hoheit scheint festzustehen, und wir wissen alle, dass er seine Entschlüsse nicht zu ändern pflegt.“
„Sollte Hoheit diese Frau heiraten, werde ich meinen Rücktritt anbieten.“
„Ich auch“, stimmten verschiedene Herren zu.
Der vortragende Minister ließ seinen Blick über die Gesichter wandern.
„Prinz Friedrich ist ein Mann mit hohen Gaben. Das Volk liebt ihn und schaut zu ihm auf. Das Volk würde es begrüßen, wenn Prinz Friedrich den Platz seines Vaters einnehmen würde. Meinen Sie nicht auch, meine Herren?“
„Sie wollen Seiner Hoheit nahelegen, abzudanken?“, fragte der für die Landwirtschaft zuständige Minister beklommen.
„Ja. Es scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein. Wer von Ihnen, meine Herren, ist anderer Meinung? Ich bitte Sie, Ihre Ansichten in aller Offenheit vorzutragen.“
Niemand sagte etwas.
„Ich bringe den Antrag ein, Seine Königliche Hoheit Großherzog Karl zu bitten, zugunsten des Erbprinzen auf die Krone zu verzichten. Wer von den Herren für meinen Antrag stimmt, den bitte ich, den Arm zu heben.“
Er wartete einen Moment, während sein Gesicht den düster-ernsten Ausdruck behielt.
„Mein Antrag ist also einstimmig angenommen. Ich werde jetzt zu Seiner Hoheit gehen und ihm davon Mitteilung machen.“
„Macht euren Dreck allein!“ Der vortragende Minister war nach einer halben Stunde zurückgekehrt, sehr blass. „Das hat mir Seine Königliche Hoheit ins Gesicht geschrien. Er wird in drei Wochen abdanken.“
Es ging wie ein Stöhnen durch den Raum. Schließlich hatten alle seit vielen Jahren mit dem Großherzog zusammengearbeitet und wussten seine Aufrichtigkeit zu schätzen. Aber hier blieb ihnen keine Wahl. Eine Königliche Hoheit und solch eine Frau, nein, das war ausgeschlossen.
„Hat Königliche Hoheit gesagt, was er nach seiner Abdankung zu tun gedenkt?“, fragte der Justizminister.
„Er wird unser Land verlassen. Er hat sich von uns losgesagt, von seinen getreuen Untertanen. Seine Königliche Hoheit ist sehr verbittert, meine Herren. Er hält uns für undankbar.“
„Weshalb muss er sie denn gleich heiraten?“, fragte einer der Minister. „Diese Dame wird es schon nicht so genau nehmen …“
„Ich muss Sie bitten, Ihre Worte zu bedenken, bevor Sie sie aussprechen.“ Der Ministerpräsident hielt zu seinem Herrscher, auch wenn er seine Entscheidung missbilligte. „Die Sitzung ist für heute geschlossen. Ich danke Ihnen, meine Herren.“
***
„Ich hätte nie gedacht, dass gerade du mir in den Rücken fallen würdest!“ Großherzog Karl ging in dem grünen Salon auf und ab, die Hände auf dem Rücken ineinandergelegt. „Du wirst also Königliche Hoheit. Meinen Glückwunsch.“
„Danke, Vater.“ Prinz Friedrich verneigte sich gemessen und zog es vor, den Spott in der Stimme des Mannes zu überhören.
„Wen wirst du einmal heiraten?“, fragte der Großherzog ironisch. „Sicherlich hast du doch schon fertige Pläne.“
„Nein. Aber jedenfalls werde ich eine Frau wählen, die zu mir passt.“
„Natürlich, korrekt bis in die Fingerspitzen. Weißt du, was ich dir wünsche, Friedrich? Dass du dich einmal verliebst. So ganz ohne Einschränkungen, dass du Tag und Nacht nur noch an das Mädchen denken kannst. Und natürlich ein Mädchen, das für dich nicht infrage kommt. Das wünsche ich dir!“ Er hielt einen Moment inne und atmete schwer. „Aber dir mit deinem Fischblut in den Adern wird so etwas niemals passieren.“
„Ich hoffe es, Vater.“
„Deine Ruhe macht mich verrückt! Freust du dich darauf, an meine Stelle zu treten? Du hättest sonst noch lange warten müssen, Friedrich. Ich bin schließlich kein alter Mann.“
„Ich nehme deinen Platz nicht gerne ein“, erklärte Friedrich offen. „Ich weiß, was für eine Verantwortung du trägst, Vater, noch ist es Zeit. Verzichte auf Frau Dennhardt und bleibe bei uns. Einer Frau wegen gibt man doch nicht alles auf.“
„Nur einer Frau wegen gibt man alles auf. Ich weiß, was du mir alles vorhalten willst, ich habe es mir ja selbst oft genug vorgehalten. Junge, glaube nicht, ich hätte es mir leicht gemacht.“ Sein Ton wurde versöhnlicher und warb um Verständnis. „Aber für mich gibt es keine Wahl. Ich gehöre zu Frau Dennhardt, wir sind füreinander bestimmt.“
„Du gehörst deinem Land, du gehörst deinen Untertanen. Du hast kein Recht auf die Erfüllung deiner Liebe. Du müsstest verzichten.“
Der Großherzog blieb vor dem Fenster stehen und schaute auf die Stadt.
„Vor einem Jahr hätte ich noch so gesprochen wie du heute. Aber dann lernte ich Frau Dennhardt kennen …“
Prinz Friedrich schüttelte unwillkürlich den Kopf. Er verstand seinen Vater nicht.
„Und wir schauten uns an, ich kann dir nicht beschreiben, wie das ist, wenn du plötzlich die Frau siehst, von der du immer geträumt hast. Träume sind uns ja wenigstens noch gestattet“, fügte er bitter hinzu.
„So.“
„Sag das nicht in diesem Tonfall!“ Großherzog Karl schnellte herum. „Ich weiß, was man klatscht. Die Weiber sind neidisch auf ihre Schönheit und Klugheit, deshalb wollen sie ihr alles Mögliche anhängen.“
„Wo Rauch ist, ist auch meistens Feuer.“
„Aber nicht bei Frau Dennhardt. Friedrich, begrüße sie wenigstens. Sie möchte dich so gern näher kennenlernen, ich habe ihr viel von dir erzählt und …“
„Es ist nicht üblich, dass wir geschiedene Damen bei Hof empfangen, Vater. Man würde unten nicht verstehen, wenn ich bei deiner zukünftigen Frau eine Ausnahme machte.“
„Ich bin dein Vater, bedeutet dir das nichts? Ich habe versucht, dir ein guter Vater zu sein. War ich es auch?“
„Ja“, erklärte Prinz Friedrich mit spürbarer Wärme. „Du warst mir immer ein Vorbild. Und gerade deshalb …“
„Dann solltest du versuchen, mich zu verstehen. Frau Dennhardt wartet auf dich. Komm, wir gehen zusammen zu ihr.“
Der Prinz zögerte, dann schüttelte er den Kopf.
„Es ist unmöglich“, entgegnete er leise.
„Joachim würde mich jetzt nicht so im Stich lassen wie du“, fuhr der Großherzog ihn gereizt an. „Er ist ein Mann von Welt und nicht engstirnig. Aber gut, wie du willst. Hier in diesem Lande hat man für einen abgedankten Großherzog keinen Platz mehr. Aber ich bin nicht auf euch angewiesen. Weder auf dich noch auf einen anderen! Die Welt ist groß und schön.“
