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Das Buch ist eine Abschrift von zwei Tagebüchern, die ich in der Zeit vom 10.April bis 20.Mai 2023 geführt habe. Ergänzt um einige Anmerkungen und Erinnerung aus 6 Wochen schönster Lebenszeit. Wer jedoch Packlisten oder Etappenpläne für den Jakobsweg sucht, dessen Erwartungen werden nicht erfüllt werden. Vielmehr findet man zwischen den Zeilen mit welcher Euphorie ich auf den Camino Frances gestartet bin. Welch liebe Menschen ich dort getroffen habe und welche Emotion ich in Santiago de Compostela und später zu Hause erfahren durfte.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2023
Dieses Buch gehört
Lothar Jakob Christ
Lothar Jakob's Weg
…knirsch, knirsch, knirsch, tock
© 2023 Lothar Jakob Christ
ISBN Softcover 978-3-347-99523-9
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Cover
Titelblatt
Urheberrechte
Vorwort
Die Vorbereitung
Rast
Pferd
Pilgerstab
Martin
Regen
Regenbogen
Sonnenschein
Kopfsache
Peregrino a Santiago
Rioja
Tagesziel
Playmobil
Der Augenblick
Phrasen
Schotter Blues
Was einem so durch den Kopf geht.
Schatten
Allein
Zeit
Kuckuck
Tote Orte
Raps
Gedanken
Pilger
Störche und Tauben
Der Sound
Wetter
Hoch und Tief
Erholung
Kurz und Intensiv
Rauf und Runter
Es grünt so grün…..
Rotkehlchen
Zitat von Rick aus Texas
Paul, der Weltenbummler aus Holland sagte zu mir:
Geburtstag
Der lange Weg
Der Camino
Ein letzter Gedanke
Zu guter Letzt
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Titelblatt
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Vorwort
Zu guter Letzt
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Lothar Jakob's Weg
Vorwort
Über den Jakobsweg gibt es hunderte Bücher und über den Camino Frances, den Weg, den ich gelaufen bin, bestimmt nicht viel weniger.
Stellt sich die Frage; warum dem nun noch ein weiteres Buch hinzugefügt werden muss?
Den Jakobsweg laufen jährlich ca. 400tausend Menschen. Die meisten von denen erreichen Santiago de Compostela und bekommen dort eine Pilgerurkunde ausgestellt.
Die wenigsten, nämlich nur 6,5 % laufen den gesamten Weg des Camino Frances von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago de Compostela.
Aber wenn nur diese ein Buch über ihren Weg schreiben würden, dann wären das 26000 völlig unterschiedliche Beschreibungen.
Jeder von diesen Pilgern hätte eine eigene Geschichte zu erzählen. Jeder hätte eine ganz persönliche Erfahrung gemacht, ein eigenes persönliches Motiv gehabt um diese 800 km zu laufen.
Sie hätten ganz besondere Begegnungen gemacht und diese ganz individuell empfunden.
Die Strecke, die all diese Menschen gelaufen sind, die ist exakt die gleiche. 800 km quer durch das nördliche Spanien.
Gestartet in Saint-Jean-Pied-de–Port am Fuße der Pyrenäen in Frankreich, über den IbañetaPass (1410 m) nach Spanien durch die Regionen Navarra, La Rioja, Castillia y Leon und Calicia bis zur Kathedrale de Santiago.
Den Weg, den all diese Menschen gegangen sind, der ist so unterschiedlich wie die Menschen, die darauf laufen.
Auch ich bin meinen Weg gegangen, ganz allein, gestartet mit einer sehr eigenen Euphorie, im Laufe der Wanderung machte ich äußerst persönliche Erfahrungen, hatte unterschiedliche Begegnungen, um am Ziel ganz persönliche Emotionen zu spüren.
Dieses Buch beschreibt nicht den Jakobsweg, gibt keine Tipps zur ultimativen Packliste, gibt keine Hinweise zur besten Etappenplanung, beschreibt nicht die unbedingten Sehenswürdigkeiten und gibt auch keine Beurteilung zu guten und nicht so guten Herbergen.
Wer das sucht, sollte das Buch bereits hier wieder zur Seite legen.
Dieses Buch skizziert meinen Weg:
„Lothar Jakob's Weg“
So wie ich meine Gefühle, meine Erfahrungen, meine Begegnungen, meine Euphorie und meine Emotionen täglich in zwei Tagebücher geschrieben habe, die mir meine Töchter Nadine und Larissa mit auf den Weg gegeben haben.
An der einen oder anderen Stelle ergänzt um Erinnerungen, die mir geblieben sind und nun im Abstand von einigen Wochen wieder bewusst werden.
Die Vorbereitung
auf meinen Camino, das war ein über Jahre dauernder Prozess. Vom Jakobsweg habe ich immer wieder einmal etwas gehört. Von Menschen, die aus religiösen Gründen auf Pilgerfahrten gehen. Ganz in der Nähe von meinem Wohnort befindet sich ein Teilstück des Jakobsweges. Von Worms nach Metz. Oder von Bremen nach Trier.
Als nicht Wanderer fand ich die eine oder andere Information interessant, aber nicht unbedingt so, dass ich das nun unbedingt machen müsste. Bis vor ca. 15 Jahren ein Manager in der Firma, für die ich arbeitete, eine Auszeit nahm, um den Camino Frances zu laufen. Seine Motive waren einleuchtend: Er wollte vom täglichen Stress-Level und dem täglichen Leistungsdruck einfach einmal herunterkommen und Ruhe finden, indem er allein für mehrere Wochen einfach einmal herunterfährt, um vielleicht auch sein damaliges Tun und sich selbst zu hinterfragen. Seine Erzählungen anschließend inspirierten mich, um mich etwas intensiver mit dem Thema zu befassen. Und mir wurde deutlich, dass es nicht allein um religiös motivierte Pilgerfahrten geht, sondern eigentlich um mehr. Auch darum, eine ganz persönliche und eigene Erfahrung zu machen.
In etwa zu dieser Zeit erschien dann der Bestseller von Hape Kerkeling
„Ich bin dann mal weg“
Auch ich habe das Buch gelesen und so, wie es geschrieben war, hat es mich in meinen Gedanken an den Jakobsweg noch einmal bestärkt.
Von da an begann ich mich auch darüber zu informieren, wie eine Packliste für eine sechswöchige Wanderung aussehen könnte. Welche Kleidung sinnvoll und notwendig ist. Wie man eventuell Blasen an den Füßen vermeiden kann, welcher Rucksack und welche Größe sinnvoll ist. Wie sieht es in den Herbergen aus? Was kostet das? Welchen Weg muss man laufen? Wie viel Kilometer am Tag sind zu schaffen, wie ist die Infrastruktur auf dem Weg? und so weiter.
Als ich dann zum ersten Mal darüber nachdachte, wann ich am besten loslaufen könnte, da stellte ich fest, dass ich noch voll im Berufsleben steckte. Eine Beurlaubung von mehreren Wochen konnte ich mir nicht leisten. Meinen gesamten Jahresurlaub zu investieren, konnte ich meiner Frau nicht zumuten. Immerhin wollten wir auch gemeinsame Urlaube verbringen. Und so wurde der Gedanke den Jakobsweg zu laufen wieder etwas in den Hintergrund geschoben. Dann vor acht Jahren veränderte sich mein Leben, als ich aufhörte zu arbeiten. Ich war 61 Jahre alt und zunächst gezwungen und kurz darauf sehr froh darüber, völlig frei über meinen Kalender verfügen zu können. Sofort loslaufen, wäre eine Option gewesen. Aber zum einen hatte ich das Thema Jakobsweg so weit verdrängt, dass es im Mai 2015 einfach nicht präsent genug war. Zum Anderen hätte ich in den Sommermonaten starten müssen, was mir nicht angebracht erschien. Also wäre 2016 im Frühjahr vielleicht ein guter Startpunkt. Ich bestellte mir online einen Pilgerpass und eine Jakobsmuschel und dachte, damit einen guten Grundstein gelegt zu haben. Aber es gab andere Projekte, denen ich dann doch eine höhere Priorität eingeräumt habe. Ich gebe zu, es kamen mir auch eines Tages Zweifel, ob ich mir es körperlich zutraue, 800 km mit Gepäck zu laufen. Zu einem weiteren möglichen StartZeitpunkt stellte ich mir die Frage, ob ich denn wirklich 800 km weit laufen will. Hätte ich wirklich Spaß daran, tagelang bergauf und bergab zu laufen. Wenn das so spaßig ist, warum wanderst du dann nicht hier durch die Landschaft. Angebote gibt es zur Genüge. Wanderwege im Odenwald, in Rheinhessen, im Hunsrück, den Rheinsteig, Wanderungen in Bayern, in den Alpen. So viele Möglichkeiten, die ich noch nie in meinem Leben wahrgenommen habe. Nein: Im Urlaub muss man Sand unter der Liege spüren, das war meine Vorstellung von Freizeitgestaltung im Urlaub. Aber wandern? 800 km weit?
Kurzum: Ich bekam große Zweifel, ob ich das wirklich will.
Pilgern, Jakobsweg, 800 km.
Doch plötzlich hat mich das Thema wieder interessiert und infiziert. Ich weiß nicht, was der Funke dafür war, aber das Interesse war zurück und ein wunderschönes Datum, um zu starten, das hatte ich auch ausgemacht. April/ Mai 2020. Ich würde auf dem Jakobsweg 66 Jahre alt werden und einer Volksweise folgend, fängt das Leben bekanntlich mit 66 Jahren erst so richtig an. Fit genug fühlte ich mich auch und wie zuvor erwähnt, mental war ich auch wieder auf Jakobsweg programmiert.
Nur war da plötzlich ein Problem, mit dem ich überhaupt nicht kalkuliert hatte. Der Jakobsweg war geschlossen. Alle Herbergen zu, alle Bars zu, öffentliche Verkehrsmittel sehr eingeschränkt. Weltweit hatte COVID-19 die Regie übernommen und die Pandemie hatte alles lahmgelegt, inklusive Pilgerwege.
Ich kann nicht mehr genau sagen, ob es Beschäftigungstherapie während des Shutdowns war, aber ich blieb am Thema Jakobsweg dran. Ich habe mir in dieser Zeit eigene Packlisten festgelegt. Habe mir eine Einkaufsliste erstellt, habe mich mit Etappenplänen beschäftigt und habe abgestimmt, mit Conny meiner Frau einen Starttermin festgelegt. Am 8. April 2023 sollte es mit dem Bus in Mainz am Hauptbahnhof losgehen, über Brüssel nach Bayonne und von dort nach Saint-Jean-Pied-de-Port, von wo ich an Ostermontag den 10. April 2023 loslaufen sollte.
Ich habe über die Wintermonate meine Einkaufsliste abgearbeitet und alles, was auf meiner Packliste stand, in meinem Arbeitszimmer ausgebreitet.
Auch musste ich mich für neue Wanderschuhe entscheiden und ich entschied mich für halbhohe Trekking Schuhe. Diese habe ich dann auf vier etwa 9 km langen Etappen ohne Gepäck eingelaufen. Gleich auf den ersten 4,5 km bin ich mir eine riesige Blase gelaufen. Ich habe dann jedoch spezielle Socken bestellt und bekam das Thema Blasen damit scheinbar schnell in den Griff.
Training beendet!
Von allen Seiten sagte man mir nun: „Lothar, du musst laufen. laufen, laufen. Auch mit Gepäck laufen. Mein Argument war: Laufe ich hier mit Gepäck 25 km weit, dann wird mir danach alles wehtun. Ich mache dann vier Tage Pause, laufe wieder 25 km weit und es wird mir wieder alles wehtun.
Ich entschied mich nicht zu laufen. Und argumentierte, dass ich auf dem Jakobsweg genug laufen werde und so habe ich es gemacht. Vorbereitung abgeschlossen.
Den Rucksack habe ich dann am Tag vor der Abreise gepackt und zum ersten Mal auf den Rücken genommen. 9,5 kg hat er gewogen und fühlte sich in den 5 Minuten, in denen ich das Teil auf dem Rücken hatte, gar nicht so schwer an.
08. April 2023
Mainz Hauptbahnhof
Pünktlich um 12:20 Uhr kommt der Flixbus nach Brüssel.
Da sitze ich nun auf Platz 20D. Der Bus ist nicht voll besetzt. Ich höre die 1. und 2. Bundesliga im Radio und erste Gedanken gehen mir durch den Kopf. Fünf Wochen werde ich nun unterwegs sein (am Ende wurden es sechs Wochen) und fühle mich schon jetzt kurz vor Bingen einsam.Die Zeit bis nach Brüssel verging rasch. Um 17:30 Uhr komme ich in Brüssel Nord an. Nun beginnen drei lange Stunden bis zur Abfahrt nach Bayonne. Mir ist es kalt und ich gehe in die wenig einladende Bahnhofshalle. Mir kommt es dort noch kälter vor als zuvor auf dem Bahnhofsvorplatz. In meiner Verzweiflung gehe ich mir bei Starbucks einen Kaffee kaufen und setze mich an einen der kahlen Tische dort. Es war kurz vor sieben. Punkt 19:00 Uhr machte die Starbucks Kaffeebude zu. Nun sitze ich wieder in der Bahnhofshalle, umringt von vielen merkwürdigen Typen, die sich hier offensichtlich herumtreiben. Ich friere und gehe um 19:45 Uhr wieder hinaus auf den Bahnhofsplatz.
Es kommt mir hier draußen nun wärmer vor als drinnen in der Bahnhofshalle. Und um 20:00 Uhr stelle ich meinen Rucksack und meinen Pilgerstab an eine Hauswand an der Bushaltestelle. 20 m Meter entfernt steht eine junge Frau. Daria, wie sich später herausstellt. Daria ist 24 Jahre alt und Kriminalkommissarin. Aber sie möchte raus aus dem Amt. Zunächst auf den Jakobsweg.
Angenehm, die Zeit verging nun wesentlich schneller, wenn man Unterhaltung hat. Wir verbrachten die Zeit im Bus gemeinsam und waren froh, als wir kurz vor 12:00 Uhr am nächsten Tag auf dem schönen Bahnhofsplatz in Bayonne mit Café au Lait und Croissants frühstücken konnten. In Saint-Jean-Pied-de-Port am Bahnhof angekommen wollte Daria noch eine selbst gedrehte rauchen und kam mit einem anderen Pilgerpärchen ins Gespräch. Ich wollte und musste nach 27 Stunden dringend in mein gebuchtes Hotel. Nach dem Duschen und anderen Geschäften ging ich in das Pilgerbüro, um mir meinen ersten Stempel in meinen Pilgerpass drücken zu lassen. Danach kaufte ich Proviant für den nächsten, meinen ersten Wandertag. Von Daria keine Spur.
Telefonnummern hatten wir nicht ausgetauscht.
Ich wollte zu Abend essen, wurde jedoch an einem Restaurant abgewiesen, mit dem Hinweis, dass es erst ab 19:00 Uhr Abendessen geben würde. Ich suchte mir ein sonniges Plätzchen und schrieb ein paar Zeilen in mein Tagebuch. Auf dem Weg zurück zum Restaurant lief mir Daria wieder über den Weg. Was ein Zufall. Wir haben zusammen zu Abend gegessen.
Morgen beginnt mein Camino.
Das Pilgerbüro
war sehr nah bei meinem Hotel auf der anderen Straßenseite.
Saint-Jean-Pied-de-Port war überflutet mit Touristen. Ganz offensichtlich nicht nur Menschen, die den Camino laufen wollen. Es ist wohl so, dass sich hier auch sehr viele Tagestouristen und Wandertouristen tummelten. Ein Hinweis darauf gaben die vielen Souvenir-Geschäfte. Die JakobswegPilger fielen jedoch auch in diesem Gewimmel auf.
Zum einen waren diese alle in Wanderkluft und hatten Rucksäcke auf dem Buckel. Zum anderen strebten sie in Richtung Pilgerbüro. Ich wurde dort von Pierre begrüßt. Ein sportlicher Typ mit Glatze und etwa mein Alter. Er bat mich in das Büro, wo nebeneinander sieben, ich sage einmal Pilgerberater saßen. Gesprochen haben wir englisch und Pierre befragte mich zunächst nach meinem Alter, wo ich herkomme, wo ich hin möchte. Warum überhaupt ich den Jakobsweg laufe. Als das alles für die Statistik festgehalten war, gab er mir eine Karte über den Verlauf der Strecke von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Roncevaux, mit dem Hinweis, dass Roncevaux die französische Bezeichnung für Roncesvalles ist. Auf der Karte waren wichtige Abzweige beschrieben und es wurde auf schwierige WegPassagen hingewiesen. Insgesamt sehr hilfreiche Informationen. Auch meine erste Herberge, die Refuge Orisson war darin gekennzeichnet. Pierre drückte mir den ersten Stempel in meinen Pilgerpass und begann darauf hinzuweisen, dass ich noch eine Jakobsmuschel für an den Rucksack kaufen könne. Hatte ich schon und so begleitete Pierre mich aus dem Pilgerbüro hinaus. Er umarmte mich, und wünschte mir Buen Camino.
Dieses Buen Camino zum ersten Mal zu hören, das war sehr emotional und ich werde wohl nie vergessen, wer mir dieses erste Buen Camino mit auf den Weg gegeben hat.
Daria
war die erste Pilgerin, die ich getroffen habe. Sie sprach mich in Brüssel am Busbahnhof an. Sie erkannte an meinem Outfit meine Pilgerabsicht und wollte zwischen diesen vielen merkwürdigen Typen dort vielleicht nicht allein stehen.Im Gespräch erfuhr ich, dass Daria 24 Jahre alt und Kriminalkommissarin im gehobenen Dienst beim BKA ist.
Ob sie diesen Job ein Leben lang machen möchte? Daran hat sie Zweifel und würde am liebsten aussteigen. Und diesen Ausstieg, den will sie nun auf dem Camino einmal austesten.
Nachdem ich sie in Saint-Jean-Pied-de-Port direkt aus den Augen verloren habe, ist sie mir am Abend noch einmal in die Arme gelaufen. Wir haben zusammen zu Abend gegessen und uns sehr angenehm unterhalten.
Am nächsten Tag ist sie schon um kurz nach sieben an meinem Hotel vorbeigelaufen, um direkt am ersten Tag die 27 km über die Pyrenäen bis nach Roncesvalles zu laufen.
Ich habe Daria während meiner Wanderschaft nicht wieder getroffen.
In Ihrem WhatsApp Status konnte ich jedoch sehen, dass sie Santiago de Compostela zwei Tage nach mir erreicht hat, um bis nach Finisterre weiterzulaufen.
1. Etappe
Saint-Jean-Pied-de-Port
nach
Herberge Orisson
Nur 8,5 km, aber
630 Höhenmeter
10 kg Rucksack nun mit Wasser ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Ich finde noch keinen Laufrhythmus.
Zum Einstieg war die kurze Etappe eine gute Entscheidung
10.04.2023
Saint-Jean-Pied-de-Port nach Herberge Orisson
Um 7 Uhr läutet der Wecker. Ich habe gut und fest geschlafen.
Als ich dann um 8 Uhr meinen Camino starte, geht mir als Erstes der Reißverschluss an meiner funkelnagelneuen Luxus-Wanderjacke kaputt.
Ist das ein schlechtes Omen?
Nein! Antworte ich mir. Bestimmt nicht.
