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Woran müssen Sie denken, wenn Sie das Wort Löwenzahn hören? Wer an Löwenzahn denkt, der erinnert sich meist an warme Sommer und den Spaß beim Spiel mit Pusteblumen aus der Kinderzeit. Dabei ist Löwenzahn nicht nur schön anzusehen, er ist auch essbar und hat medizinische Eigenschaften. Natasja van der Meer zeigt in diesem Buch, was der Löwenzahn so alles kann. Von Gnocchi, Sorbet und Gelee Rezepten zu Likör, Eistee und Oxymel bis hin zu Seife, Papier und Aquarellfarbe. Mehr als 60 nützliche und leckere Verwendungsmöglichkeiten, die begeistern. Die praktischen Rezepte für Haus, Garten und Küche werden abgerundet durch Löwenzahn-Basics im Überblick: Sammeln, Inhaltsstoffe und spannende Extras.
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2026
Der Löwenzahn, der oft als Unkraut angesehen wird, kann uns viel über Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit lehren.
- Robin Wall Kimmerer
(amerikanische Botanikerin)
Natasja van der Meer
LÖWENZAHN
Das Multitalent – von Pesto bis Peeling
Aus dem Niederländischen von Wiebke Krabbe
Vorwort
Name
Verschiedenes
Botanik
Inhaltsstoffe
Sammeln
ESSEN
Aioli
Beignets
Brot
Chips
Flammkuchen
Gnocchi
Gelee
Kapern
Plätzchen
Maulwurfssalat
Essig & Öl
Pfannkuchen
Pesto
Risotto
Pfannengemüse
Brotaufstrich
Suppe
Sorbet
Kartoffelstampf
Tacos
TRINKEN
Chai
Eistee
Kaffee
Kräutertee
Likör
Shot
Sirup
Smoothie
Wein
GESUNDHEIT
Kapseln
Kompresse
Lippenbalsam
Pflegeöl
Oxymel
Wurzeltinktur
Warzenmilch
Salbe
SCHÖNHEIT
Badesalz
Körperbutter
Scrub
Shampoo
Seife
Sonnenschutzcreme
KREATIVITÄT
Blütenkranz
Glasur
Tinte
Löckchen
Matte
Ölfarbe
Papier
Pigment
Pusteblumen
Textilfarbe
Schnur
Wachskreide
Aquarellfarbe
TIERE
Weidetiere
Haustiere
Insekten
Vögel
GARTEN
Kompost
Jauche
Anbau
Weitere Informationen
Dank
Impressum
Im zeitigen Frühjahr, wenn die Natur aus der Winterruhe erwacht, öffnet der Löwenzahn schon früh seine Blüten und verkündet neues Leben. Mit seinen gelben Blüten, die wie kleine Sonnen im Gras aussehen, streut er leuchtende Farbtupfen in die Landschaft. Und wenn sich später die Blüten in flaumige Pusteblumen verwandeln, lässt schon eine leichte Brise die Samen tanzend durch die Luft schweben. Ein poetischer Anblick.
Meiner Meinung nach wird Löwenzahn stark unterschätzt, genau wie die Brennnessel, der ich ebenfalls ein ganzes Buch gewidmet habe. Er wird als unerwünschtes »Unkraut« aus Rasenflächen und Gärten entfernt. Das ist völlig unnötig und sogar schlecht für die Artenvielfalt, denn diese unkomplizierte Pflanze hat viel zu bieten. Früher wussten die Menschen das, aber dieses Wissen ist im Lauf der Zeit verloren gegangen. Grund genug, das Image des Löwenzahns aufzupolieren.
Kaum jemand weiß heute noch, dass alle Teile des Löwenzahns essbar sind: die Wurzeln, Blätter, Stängel und Blüten. Man kann daraus zum Beispiel leckere und gesunde Gerichte wie Beignets und Sorbet zubereiten. Löwenzahn ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen, darum wird er seit jeher als gesunde und heilkräftige Pflanze genutzt. Außerdem kann man aus Löwenzahn Körperpflegeprodukte wie Seife und Sonnenschutzcreme herstellen – und darüber hinaus pflanzliche Tinte, Papier und Schnüre.
Löwenzahn nützt nicht nur den Menschen, sondern auch Tieren und anderen Pflanzen. Mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen ist er für viele Tiere eine hervorragende Ergänzung zum täglichen Futter. Insekten wie Bienen und Schmetterlinge versorgt er mit Nektar und Pollen. Und er gibt sogar an den Gartenboden Mineralstoffe ab, die Nachbarpflanzen gesund und kräftig wachsen lassen.
Der Löwenzahn ist nicht nur hübsch und nützlich, sondern auch sehr robust. Wo andere Pflanzen sich abmühen und schwächeln, findet der Löwenzahn immer einen Weg, sogar zwischen Pflastersteinen oder auf kargem Boden. Er zeigt uns, wie widerstandsfähig die Natur ist. Der Löwenzahn steht für Verwandlung und Beharrlichkeit. Vielleicht kann ich mit diesem Buch dazu beitragen, dass seine Vielseitigkeit und Schönheit wieder mehr geschätzt werden.
Der botanische Name des Löwenzahns lautet Taraxacum officinale. Der Gattungsname Taraxacum stammt wahrscheinlich aus dem Arabischen. Das arabische Wort »tarakhshaqūn« bezeichnet eine Heilpflanze, das Wort »tarāqa« steht für ein Heilmittel bei Augenkrankheiten – und zu diesem Zweck wurde der Löwenzahn früher oft benutzt.
Taraxacum kann auch von dem griechischen Wort »taraxos« abgeleitet sein, das »Störung« oder »Unruhe« bedeutet und »akos« (Heilmittel). Das Wort officinale im botanischen Namen stammt aus dem Lateinischen und bedeutet »medizinisch« oder »aus der Apotheke«. Tatsächlich war die Pflanze schon in der Antike wegen ihrer Heilwirkung bekannt und wurde schon früh von Apothekern verwendet.
Bis ein offizieller deutscher Name eingeführt wurde, gab es eine Vielzahl volkstümlicher, regionaler Bezeichnungen, etwa Butterblume, Hundeblume oder Kuhblume. Viele volkstümliche Namen wie Bettpisser oder Pissnelke beziehen sich, ebenso wie der französische Name pissenlit, auf die harntreibende Wirkung des Löwenzahns.
Der offizielle deutsche Name lautet zwar »Gewöhnlicher Löwenzahn«, doch ich nenne ihn in diesem Buch einfach Löwenzahn. Die englische Bezeichnung dandelion leitet sich vom Französischen dent de lion (Zahn des Löwen) ab und bezieht sich auf die grob gezahnte Form der Blätter. Es gibt außerdem eine Pflanzengattung Leontodon, die nicht mit dem hier gemeinten Löwenzahn verwandt ist, ihm aber ähnlich sieht und mit Schaftlöwenzahn auch ähnlich heißt.
Taraxacum officinale
Die Verwendung des Löwenzahns reicht bis in die Antike zurück. Schon damals war er für seinen medizinischen und kulinarischen Nutzen bekannt. Die alten Griechen, Römer und Chinesen schätzten den Löwenzahn vor allem als Heilpflanze.
Ursprünglich ist der Löwenzahn in Zentralasien und Europa beheimatet. Die Wikinger brachten die Samen nach Island und Grönland. Die ersten europäischen Siedler, die im frühen 17. Jahrhundert nach Amerika kamen, hatten Löwenzahnsamen im Gepäck, um die Pflanze als Nahrungsmittel anzubauen. Heute ist der Löwenzahn fast überall auf der Welt verbreitet.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Löwenzahn in der ehemaligen Sowjetunion zur Herstellung von Naturkautschuk verwendet. Ähnliche Experimente gab es auch in anderen Ländern. Allerdings konnten nur geringe Mengen produziert werden, darum geriet das Verfahren wieder in Vergessenheit, aber in letzter Zeit erwacht das Interesse an dieser nachhaltigen Alternative zu Naturkautschuk wieder.
Löwenzahn taucht in verschiedenen Volksmärchen als Zauber- und Heilpflanze auf. Er steht oft sinnbildlich für Einfachheit, Bescheidenheit oder die Schönheit im Alltäglichen. Einem Aberglauben zufolge geht ein Wunsch in Erfüllung, wenn man alle Samen der flauschigen Pusteblume mit einem Atemzug wegbläst. Der Löwenzahn gilt als die einzige Pflanze, die sowohl die Sonne (Blüte) als auch den Mond (Samenstand) und die Sterne (einzelne Samen) symbolisiert.
In der Signaturenlehre, in der von den äußeren Merkmalen einer Pflanze auf ihre Verwendung in der Heilkunde geschlossen wird, verweist die gelbe Farbe der Blüte auf ihre reinigende und entgiftende Wirkung und somit auf lebenswichtige Organe wie Leber, Galle und Verdauung. Die kräftige Pfahlwurzel steht für Erdung und Bodenhaftung. Der hohle Stängel entspricht den Därmen, dem Magen und der Blase. Dass die Blüte der Sonne zugewandt ist, weist darauf hin, dass der Löwenzahn die Lebenskraft erhöht und die Energie verbessert.
Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Andere Mitglieder dieser Pflanzenfamilie sind zum Beispiel Gänseblümchen und Margeriten. Es gibt Hunderte von Löwenzahnarten, die schwer voneinander zu unterscheiden sind. Die meisten wachsen auf
Wiesen, Weiden und Rasenflächen, an Wegrändern und auf Deichen, denn sie bevorzugen nährstoffreichen, feuchten Boden in der Sonne. Einige Arten haben sich allerdings angepasst und wachsen auf trockenen Sandböden, zum Beispiel in den Dünen.
Diese mehrjährige, winterharte Pflanze hat eine Pfahlwurzel, die sich bis zu einem Meter tief in den Boden bohren kann. Die unbehaarten, hellgrünen Blätter wachsen dicht über dem Boden in Form einer Rosette. Die Blätter haben oft grob gezähnte Ränder, die in Form und Länge stark variieren können und bis zu 30 cm lang werden. Der hohle Blütenstiel ist glatt, rund, unverzweigt und trägt keine Blätter. Wird er verletzt, tritt weißer Milchsaft aus. Der Stängel kann bis zu 50 cm hoch werden.
An jedem Stängel befindet sich ein Blütenstand, der aus zahlreichen goldgelben Zungenblüten besteht, die ein tellerförmiges Körbchen bilden. Diese Zungenblüten werden von der Blütenhülle zusammengehalten. Die Hülle besteht aus einigen Reihen grünlicher Blätter, von denen die untere Reihe nach unten zeigt. Die Blüte öffnet sich in der Morgendämmerung und schließt sich in der Abenddämmerung – sowie bei Regen – wieder. Die Blütezeit reicht vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst, die Hauptblütezeit fällt in die Monate April und Mai.
Nach der Blüte entwickelt sich der bekannte, vom Wind verbreitete Fruchtflaum, der Pappus genannt wird. Es dauert ein bis zwei Wochen, bis aus einer Löwenzahnblüte eine Pusteblume wird. Die Pappushaare sind weiß und bilden eine Art winzigen Fallschirm mit einem Stiel, von dem eine Achäne (Nussfrucht) herabhängt. Die Früchte haben Rillen, die ihnen das Verankern im Boden erleichtern.
Der Löwenzahn vermehrt sich schnell und effizient. Er hat verschiedene Strategien: Samen werden nach der Bestäubung durch Insekten, aber auch durch Selbstbestäubung und sogar ohne Bestäubung gebildet. Wenn die Wurzel abbricht, wächst eine neue Pflanze nach, und nicht alle Blüten öffnen sich zur gleichen Zeit. Die Samen mit ihren »Fallschirmchen« werden vom Wind über weite Strecken transportiert. Durch diese unterschiedlichen Überlebensmechanismen kann sich der Löwenzahn leicht vermehren. Einzelne Pflanzen können fünf bis zehn Jahre alt werden.
Lö|wen|zahn(Substantiv, maskulin)
(zu den Korbblütlern gehörende) besonders auf Wiesen wachsende Pflanze mit länglichen, gezähnten, eine Rosette bildenden Blättern, hohlen, Milchsaft führenden Stängeln und gelben Blüten, die sich zu einem kugeligen Samenstand entwickeln (vgl. Pusteblume) (Quelle: duden.de)
Der Löwenzahn, der oft als bescheidenes Wildkraut betrachtet wird, ist in Wahrheit ein Kraftpaket voller gesunder Inhaltsstoffe. Er enthält beispielsweise Inulin, ein Präbiotikum, das die Darmgesundheit unterstützt, und Bitterstoffe wie Taraxin, die die Verdauung anregen und die Leberfunktion verbessern. Die Blätter sind reich an essenziellen Vitaminen und Mineralstoffen, darunter die Vitamine A, C und K, die zu einem starken Immunsystem und gesunden Knochen beitragen.
Darüber hinaus enthält Löwenzahn starke Antioxidantien wie Flavonoide und Phenolsäuren, die gegen freie Radikale und Entzündungen wirken. Ob zur Förderung der allgemeinen Gesundheit oder zur gezielten Unterstützung bestimmter Organe – der Löwenzahn ist eine natürliche und heilkräftige Pflanze, die in keinem Kräutergarten fehlen sollte.
Die wichtigsten Wirkstoffe auf einen Blick:
Aminosäuren
Betakarotin
Bitterstoffe
Chlorophyll
Enzyme
Fettsäuren
Flavonoide
Mineralstoffe
Calcium
Eisen
Kalium
Magnesium
Mangan
Phosphor
Schwefel
Silizium
Zink
Phenolsäuren
Phytosterole
Schleimstoffe
Sterole
Triterpene
Vitamine
Cholin
Vitamin A
Vitamin B1
Vitamin B2
Vitamin B3
Vitamin B6
Vitamin C
Vitamin E
Vitamin K
Zucker
Inulin
Fructose
Glucose
