Lustbewusst - Simone Hotz - E-Book

Lustbewusst E-Book

Simone Hotz

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Beschreibung

Die Sexualität der Frau ist noch immer schambehaftet und voller Tabus. Genau das soll in diesem Buch anders sein. Lustbewusst versteht sich als Aufklärungsbuch mit Augenzwinkern und kritischen Gedanken. Es geht um Wissen über die eigene Sexualität vor dem Hintergrund eines guten Körperbewusstseins. Die Kenntnis des eigenen Körpers sowie der eigenen Bedürfnisse eröffnet Welten und setzt viel Lebensenergie frei. Dieses Buch richtet sich an Frauen und ihre Lust-Welten, an all diejenigen, die etwas über sich lernen möchten, die nackte Fakten brauchen oder wollen. Damit sexuelle Selbstbestimmung und Erfüllung nicht exklusiv bleiben. Denn nur eine Frau, die ihren Körper gut kennt und weiß, was es alles zu erkunden gibt, die (lust)bewusst für sich selbst sorgt, kann eine erfüllte Sexualität leben.

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Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Originalausgabe

1. Auflage 2021

Verlag Komplett-Media GmbH

2021, München

www.komplett-media.de

E-Book ISBN: 978-3-8312-7079-8

Lektorat: Dr. Katharina Theml | Büro Z, Wiesbaden

Korrektorat: Redaktionsbüro Diana Napolitano, Augsburg

Cover, Umschlaggestaltung & Layout: FAVORITBUERO GbR, München

Foto Klappe: © olerahmsdorf (www.bildundidee.de)

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission Kornwestheim www.brocom.de

Dieses Werk sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrecht zugelassen ist, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.

INHALT

VORSPIEL

ES GEHT ZUR SACHE

SCHAM AM START

VULVA - PULSIERENDES TOR ZUR WELT!

Jetzt wird’s haarig

Vulva – nicht Volvo!

KLEINES FUCHSISCHES QUIZ

Der Herr Pudendus

Klitoris: große lange Perlenkette

Labien: stolze Venuslippen

HINSEHEN!

SCHAU DICH AN !

VAGINA - TIEFE BUCHT ZU DEN STERNEN!

G(enuss)-Fläche: Mösisch mysteriös, mösisch ominös

Zwei Freunde des Herrn Pudendus

Zervix: Lust ganz tief drin?!

Ein Freund vom Freund des Herrn Pudendus

FASS DICH AN!

KLEINES ZWISCHENSPIEL ZUR MASTURBATION

FEUCHTGEBIETE

Nass: Ich spritze ab vor Freude!

Rot + Weiss: Flüsse des Lebens

ORGASMUS – ICH HEBE AB!

Orgasmusthesen

Orgasmuskunde

Orgasmus reine Nervensache?

Orgasmustraining

MIR FEHLEN DIE WORTE …

FINALE

NACHSPIEL – UND JETZT?

HAFTUNGSAUSSCHLUSS #KLEINGEDRUCKTES

ANHANG

BILDQUELLEN

AUFLÖSUNG FÜCHSISCHES QUIZ

LITERATURVERZEICHNIS

ANMERKUNGEN

REGISTER

VORSPIEL

Gespräche unter Frauen oder die Mehrzahl der Bücher von Frauen für Frauen über Sexuelles oder Geschlechtliches, handeln vorzugsweise vom inhaltlich ungefährlichen Zyklusgeschehen, unseren Menstruationsbeschwerden, von Familienplanung (Kinderwunsch), Geburt, Rückbildung oder »Familienvermeidung« (Verhütungsmittel), womöglich von der Menopause, aber unfassbar unendlich viel seltener von Lust oder gar sexueller Unlust. Unsere erogenen Geschlechtsorgane werden von uns selbst eher ausgeblendet und nicht besprochen, im Sinne eines Wissens oder tieferen Bewusstseins darüber. Die Vermeidung ist unsere vermeintlich wahre Vorliebe – oder aber unsere »brave« angepasste Strategie.

Das große Problem dabei ist: Vermeidung unterbindet Konzentration. Lust und Konzentration hängen jedoch zusammen! Wenn ich mich nicht auf etwas konzentriere, dann nehme ich es weder wahr, noch kann ich es denken, geschweige denn tief empfinden. Auch Lust und Intelligenz, sprich die eigene Kenntnis über Lust und körperliche Zusammenhänge, sind eng verknüpft. Das heißt, auch Wissen bedingt Lust! Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß … Wenn also Menschen sexuell im Nebel stehen oder stehen gelassen werden, dann »sehen« sie nicht nur weniger, sie spüren auch weniger als sie könnten, und finden den Weg nicht (zu sich) selbst. Zu ihren individuellen Bedürfnissen. Wahrnehmung ist grundlegend. Ebenso Bewusstwerden und -sein. Guter Sex und sexuelle Erfüllung kommen nicht von ungefähr. Und die gängige Floskel Dumm fickt gut bildet meines Erachtens mehr ein altes Klischee und eine Entfremdung ab, als dass sie Wahrheit transportiert – flache Floskel eben.

Die Lust ist wie eine Ader im Körper. Sie ist da, pulsiert. Doch unseren Puls spüren wir nur, wenn wir bewusst nach ihm tasten, unser Herz hören wir nur, wenn wir uns darauf konzentrieren, womöglich die Hand auf den Brustkorb legen. Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass viele Frauen Orgasmusprobleme haben oder, womöglich als Konsequenz, wenig(er) sexuelles Verlangen. Dieser Sachverhalt kann selbstverständlich in sehr sehr vielem begründet liegen – mitunter auch in der eigenen nicht vorhandenen Konzentration, also einer (sozialisierten) Abnabelung des Sexuellen von uns selbst. Doch je mehr ich mich mit meiner sexuellen Ader beschäftige, desto mehr Lust bekomme ich vielleicht.

Lust macht erfinderisch. Dieses Buch gibt es auch deswegen, weil ich Lust dazu hatte. Ich hatte Lust, über Sex zu sinnieren und meine Gedanken zu bündeln, und zwar so verpackt, dass es womöglich jemand lesen möchte und nachvollziehen kann. Das Wort Lust wird vielfältig verwendet werden. Stellenweise geht es um die bloße körperliche Erregung, stellenweise um ganzheitliche Lust: Körper, Geist und Seele. Lust bezieht sich insofern gleichfalls auf die Sexualität im Ganzen. Sexualität ist Lebensenergie! Den gegenständlichen Hintergrund dieses Buches bildet also ganz energetisierend die weibliche Lust – und zwar ganz bewusst.

In dieses Buch, das ich als Aufklärungsbuch geschrieben habe, sind ergänzende Geschichten, erfundene Erzählungen und Gedichte eingestreut. Ich mache mir buchstäblich meinen eigenen Reim. Aus meinem Leben, meiner Erfahrung (ich bin 39), meinem Dunstkreis. Beschrieben durch meine persönliche Brille, stellenweise mit »spitzer« Feder. Dies hat nichts damit zu tun, dass ich exhibitionistisch veranlagt wäre, sondern diese Methodik ist meiner Überzeugung geschuldet, dass sich Phänomene auf kleinster Ebene auch im großen Zusammenhang immer wiederfinden und umgekehrt sich der große Zusammenhang auch immer auf kleinster, privater Ebene offenbart. Wie Menschen einen Gegenstand, hier Sexualität, im persönlichen, privaten Alltag behandeln oder ihm begegnen, ihn leben, sagt immer etwas über größere Zusammenhänge aus. Mikroebene meets Makroebene. Wer dieses Buch liest, befindet sich, wenn man so will, stellenweise in meiner mikroskopischen Gegenwart. Und ich möchte es dir offenhalten, dich selbst womöglich in dieser Gegenwart wiederzufinden oder dich zu spüren, nicht zwingend ganz und gar, aber vielleicht punktuell, indem ich auch erzähle und nicht nur sachlich, anatomisch-zusammenhängend beschreibe. Wer ein Sachbuch schreibt, braucht Entertainment-Qualitäten … Sonst liest es kein Mensch zu Ende, das sachliche Buch!

Das Erzählte, hier wahre Geschichten oder erfundene Texteinschübe, ist unter anderem durch andere Schriftarten gekennzeichnet. Es handelt sich um Geschichten, die entweder von mir eins zu eins erlebt wurden oder die mir von Menschen erzählt wurden. Dieses Buch ist auch eine Collage. Ohne Kleber, aber dennoch mit Fetzen und Schnipseln, Ausschnitten aus dem Leben. Außerdem behandle ich wissenschaftliche Quellen, meine eigenen Erzählungen, Recherchen aus dem Internet sowie Literatur gleichfalls als Realitätsbezüge – ohne Anspruch auf Wahrheit oder allgemeingültige Verifizierung. Ich habe nicht das Ziel, ein wissenschaftliches Buch zu liefern, denn ich bin keine Wissenschaftlerin. Sondern ich schreibe ein Buch, das schlicht dem gesunden Menschenverstand folgt und meinen persönlichen Blickwinkel, Teile meiner Wirklichkeit abbildet. Nicht die Objektivität ist mein oberstes Prinzip, sondern die Subjektivität im Sinne einer individuellen Reflexion. Davon ausgehend ist das (dialektische) Weiter- oder Umdenken, das Entgegensetzen, Hinterfragen und Forschen dann deine eigene Sache.

Nicht wundern! Dies ist ein Buch mit # – und zwar außerhalb von Twitter und Co. Keineswegs, weil ich auf den aktuellen analogen (# auf T-Shirts) oder digitalen Hashtag-Wahn besonders abfahre beziehungsweise besagtes »Rauten« in seiner inflationären Praxis sehr geistreich finde – ganz im Gegenteil! Vielmehr möchte ich das trendige Vorzeichen als stilistisches Mittel aufgreifen und (literarisch) sinnvoll einsetzen. Als unvermittelte weitere Textebene. Die Stimme aus dem Off, eingebettet in Zusammenhang. #hauptsache_gehashtagt

Ich bin heterosexuell. Deswegen beschreibe ich durch meine heterosexuelle Brille. Nichtsdestotrotz ist dies kein Buch für ausschließlich heterosexuelle Frauen! Es ist ein Buch für alle Menschen, die es interessiert. An einigen Stellen geht es konkret um den besagten Hetero-Blickwinkel. Nicht weil ich jemanden übergehen will oder weil ich denke, dies sei der heilige, wichtigste Fokus, sondern weil ich der Meinung bin, es lohnt sich. Political Correctness wird heute großgeschrieben. Wir müssen gefühlt alles und jeden Menschen, jede Minderheit miteinbeziehen, um an so mancher Stelle überhaupt noch ernst genommen zu werden. Da ich aber glücklicherweise nicht um Wählerstimmen buhle und weil ich eben hetero bin – bis jetzt –, nehme ich es mir heraus, hauptsächlich von dieser Warte aus zu schreiben. Zudem habe ich das leise Gefühl, dass gerade die Heterofrauenwelt punktuell etwas Bewusstseinserweiterung nötig hat. #these Wer möglichst breit behandelt und berücksichtigt, kann nicht unbedingt ins Detail gehen. Ich bin der Auffassung, dass das höchste Wahrheitspotenzial nicht in der möglichst großen (politisch korrekten) Bandbreite liegt, sondern mitunter im kleinen, spezifischen Detail, auf Mikroebene. #heterobrille Sexualität ist zu individuell, um sie allgemeingültig und möglichst breit zu behandeln. Das Transferdenken, das Anwenden auf andere, deine Zusammenhänge oder das Einnehmen bestimmter weiterer Blickwinkel, überlasse ich dir. Das ist dann dein Job. Ganz füchsisch. Apropos

»füchsisch« …

Die Füchsin gilt in der Fabel als ein schlaues Geschöpf mit Weitblick, das sehr genau weiß, was es tut. Kluge Frauen sind toll und wichtig, gerade auch im Zusammenhang mit Sexualität. Eine Frau, die weiß, wer sie ist und was sie möchte, was ihr guttut und gefällt, kann das sagen und vermitteln. Eine Frau, die dies nicht weiß, die unsicher ist oder der es womöglich peinlich ist, etwas von sich zu zeigen, wird im weitesten Sinne übergangen oder sogar unterdrückt. Nicht zwingend, weil man sie unterdrücken möchte (auch dies ist hingegen nie ausgeschlossen!), sondern weil keine andere Person wissen kann, was sie braucht. Jeder Mensch muss selbst herausfinden, was er braucht. Wenn du nicht weißt, was du brauchst und was dir guttut oder es nicht zulässt, weil es dich allzu verlegen macht, so unterdrückst du vielleicht einen wichtigen Teil von dir selbst, der dich letztlich sogar ausmacht und für den du auch geliebt wirst.

Sexualität und Körperlichkeit sind sehr sensible Bereiche, weil wir uns in diesem Zusammenhang auch nackt begegnen und uns dies unter Umständen schnell mit Scham erfüllt. Auch unsere Seele kann sich nackt fühlen, wenn wir beispielsweise ohne Kleidung sind und uns ansehen oder angesehen und berührt werden. Dass uns Nacktheit unangenehm sein kann, hängt mit vielen kulturgeschichtlichen Dingen zusammen. Ebenso mit unserer Erziehung und Sozialisation. Wir tragen Kleidung und bedecken unsere Körper; es gibt Schönheitsideale, die uns vermitteln wollen, wie wir aussehen sollen; es gibt gesellschaftliche oder moralische Verhaltensregeln im Zusammenhang mit Sexualität; es gibt Religionen mit ihren eigenen Traditionen und so weiter. Die Welt ist voll von Idealen. Die Medien sind voll von Idealen. Unsere Köpfe sind voll von Idealen. Das kann einen schon verunsichern, hemmen, sogar lähmen, wenn nicht unglücklich machen: Bin ich schön genug? Bin ich normal?

Dieses Buch möchte sich mit dir gemeinsam auf eine Erkundungsreise zu dir selbst begeben. Es geht dabei um handfeste, nackte Fakten, um Bewegung zu dir und in dir, um Entdeckerinnenlust: Lust ist etwas Wundervolles – sie zeigt dir deine Bedürfnisse! #eine_füchsin_wird_nicht_als_füchsin_geboren

Ich kenne niemanden, der auf Anhieb, ohne Übung oder gar Mut und Lust darauf Fahrradfahren kann. Jeder Mensch muss es lernen und auch üben oder trainieren, bevor es gelingt und sogar Spaß macht. So ähnlich ist es mit der Sexualität: Wir alle lernen Sexualität und, im Unterschied zum Fahrradfahren, sogar unser Leben lang. Unser individuelles Begehren ist offen und veränderlich, denn letztlich gilt: Der Weg … ist das Ziel! #prozess

Sexualität wird in dieser Gesellschaft zwar gelebt und mittlerweile, wenn auch oberflächlich, besprochen oder thematisiert: In der TV-Werbung heben jauchzende Frauen durch Vibratoren ab über die Wolken, es wird offen, fast lässig Sexspielzeug für Homo- und Hetero-Paare beworben, Kinofilme wie 50 Shades of Grey toppen Besucherrekorde. Wir haben die BRAVO gelesen, wissen grob oder fein Bescheid über Safer Sex und so weiter. Nackt oder halbnackt ist allgegenwärtig: in TV-Werbung, an Litfaßsäulen, in Zeitschriften oder im World Wide Web.

Aber!#achtung_jetzt_kommt’s!

Obwohl die Menschen Sex haben, die Illusion von Sex überall sehen können und darüber so einiges hören, denken und reden, also obwohl Sex scheinbar kein grundsätzliches Tabu mehr ist, wissen viele noch immer recht wenig darüber:Sex wird zu wenig sinnvoll – nämlich bewusstseinserweiternd – thematisiert und besprochen.#50_shades_of_null-ahnung Genau das soll in diesem Buch anders sein. Dieses Buch ist ein Sachbuch. Es geht um Wissen, Fakten und Tatsächliches – unter anderem. #schweinkram Ich denke vor allem an ein Wissen über die eigene Sexualität vor dem Hintergrund eines besseren Körperbewusstseins. Ein (Er-) Kennen des eigenen Körpers sowie der eigenen Bedürfnisse und sexuellen (Lebens-)Energien eröffnet Welten. Sexuelles Bewusstsein, erfüllender Sex und Konzentration haben in diesem Sinne sehr viel miteinander zu tun. Das Buch richtet sich an Frauen und ihre Lustwelten, an alle diejenigen, die etwas über sich oder darüber lernen möchten, die nackte Fakten brauchen oder wollen. Es richtet sich an ausgesprochene Körper-Füchsinnen oder diejenigen, die es werden möchten, und an all jene Füchsinnen, die die Welt hinterfragen. Sexuelle Selbstbestimmung und Erfüllung sind exklusiver, als du denkst, denn sie kommen nie von ungefähr, und eine Füchsin wird nicht als Füchsin geboren.

ES GEHT ZUR SACHE

SCHAM AM START

Bevor wir tiefer in die Thematik »eindringen« – es also richtig zur Sache geht –, möchte ich mich einem wichtigen, weil nicht zu unterschätzendenden und allseits bekannten Phänomen widmen. #die_scham_am_start Das Wort Schamhaftigkeit ist heute nicht mehr gebräuchlich. Natürlich schämen wir uns alle hin und wieder und benennen das dann womöglich auch so. Auf jeden Fall fühlen wir es! Doch Scham muss differenziert werden. Es ist klar, dass sie manchmal – nicht immer – durchaus angebracht ist. #werte Aber Worte wie, des deutschen Dichters Wolfram von Eschenbach, empfinden wir zu Recht als schwülstig und sehr mittelalterlich. Scham hat heute nichts zwingend Tugendhaftes mehr, was zu Zeiten des lieben Wolfram definitiv so war. Vor allem in Sachen weiblicher Sexualität. Schamhaftigkeit und Keuschheit (sexuelle Enthaltsamkeit) galten für die Frau als wichtige moralische Verhaltensregeln: Scham hindert Schande, besagt ein weiteres altes deutsches Sprichwort. Eine schamlose oder nennen wir sie geschickter schambefreite Frau taugte nichts, und eine ansatzweise freie selbstbestimmte sexuelle Aktivität der Frau war undenkbar, mehr oder weniger übrigens bis in die frauenbewegten 1968er Jahre. #tomatenwurf Und obwohl jene edle Tugend der Schamhaftigkeit viele Jahrhunderte zurückliegt, obwohl viele Frauen mit oder ohne Tomaten einiges bewegt haben, schämen wir uns. Die Männer auch, doch um die geht es gerade nicht. Mann, Frau, Mensch – Scham ist heute ausgesprochen individuell und gleichzeitig (!) kollektiv. Scham ist, anders ausgedrückt, ein individueller Wert, den es gleichfalls zu respektieren gilt.

»Genau wie wir nicht überall nackt sein wollen, wollen wir nicht überall mit Sex zu tun haben. Dass es Schamgefühle gibt, ist menschlich. Was genau wir aber als Intimität oder Tabu empfinden, ist verschieden: Ob wir uns schämen, weil uns jemand in die Augen sieht oder weil man unseren Bauchnabel sehen kann oder weil wir zwei Hunde ficken sehen, hängt davon ab, wo und wie wir leben. Zu viel Offenheit ist Belästigung. Wir wollen nicht von allen alles hören, und wer allzu offen ist, scheint kein Geheimnis mehr zu haben.«1

Unsere Scham ist natürlich, das beschreibt auch Margarete Stokowski in ihrem Buch Untenrum frei. Untenrum frei, darum geht es in Sachen Scham aber auch. Es geht darum, dass man untenrum frei oder besser gesagt freier sein kann, wenn man es möchte. Dass ein Mehr an Freiheit auch ein Mehr an Verantwortung bedeutet, ist klar. Ich will es an dieser Stelle aber sicherheitshalber noch einmal »von Fuchs zu Hase« erwähnen … #mein_name_ist_hase_ich_weiß_von_nichts! Und es geht darum, dass man sich für seine eigene Freiheit nicht zu schämen braucht, auch nicht als Frau. Dies sollte eigentlich gesetz(t) sein.

Scham ist also mehr oder weniger ein Produkt von Gesellschaft, sprich Erziehung und Sozialisation. Auch von Zeitgeist, siehe Wolfram. #keusch Ich möchte niemanden nötigen, in der Frauendusche des Schwimmbads seinen Badeanzug beim Duschen auszuziehen, wenn frau es nicht möchte und es vorzieht, den Badeanzug untenrum einzuschäumen. Aber umgekehrt möchte ich, dass es ebenso möglich ist, unterm Rock keinen Slip zu tragen, OHNE dabei per se als Schlampe oder gefährlich zu gelten. #vulva_dentata Und ich möchte, dass beide Damen, die mit Badeanzug und die ohne Slip, verstehen, dass die Dinge mit Größerem zusammenhängen.

Dass es ihnen bewusst ist. Es geht mir in diesem Buch, wenn ich von Scham im wolframschen Sinne spreche, nicht um die Abschaffung von Intimität, von individuellen Werten oder Geheimnissen. Sie sind wunderbar und essenziell, gerade im Sexuellen! #ganz_ohne_slip Ich will auch die individuellen Schamgefühle nicht per se als schlecht deklarieren. Sie sind viel mehr wertvoll, interessant und menschlich. Es geht mir dennoch gleichzeitig um Befreiung: um einen möglichst individuellen Freiraum – auch im Sexuellen –, und vor allem um ein Bewusstsein darüber, dass man womöglich unfreier ist als gedacht. Jetzt wirst du vielleicht, fast affekthaft, denken: Wieso? Wir sind doch frei! Jede kann heute schließlich ganz frei von Scham herumvögeln, wenn sie Bock drauf hat!#tinder_wisch_und_ weg Ich denke zur Freiheit: Jein. Zum Vögeln: Ja. Doch, mal abgesehen davon, dass viele Menschen aus dieser Freiheit des Herumvögelns, meiner Meinung nach, eine bewusstlose Challenge oder Jagd machen (#sportlich), sind wir dennoch nicht frei! Und auch nicht zwingend frei von Scham. Und hier meine ich jetzt jene Scham, die uns einengt, die uns davon abhält, uns selbst zu finden und vor allem unser Selbst zu zeigen: unsere ganz persönlichen sexuellen Bedürfnisse, sprich das, was wir brauchen, mögen, lieben, ersehnen. Viele vögeln umher, weil sie der Meinung sind: Hey! Das kann frau heute ganz selbstbestimmt, sie ist schließlich emanzipiert … Und sie denken und handeln so, weil sie kein Bewusstsein besitzen, was sie tief im Innern wirklich wollen und brauchen. #(ver)bindung? #lustleben? #ficken? Sie spüren ihre pulsierenden Adern nicht; haben sich nie darauf besonnen. Begreifen nicht, dass es womöglich um mehr geht.

Verena Bogner, eine junge Bloggerin, erzählt im Internet aus ihrem Leben und schreibt: »Wir sollten aufhören, uns voreinander für unseren Körper zu schämen.« Auch Verena schreibt von bestimmten Regionen am Körper der Frau.

»Ich glaube, dass man schon als kleines Mädchen gewissermaßen eingetrichtert bekommt, dass man bestimmte Körperteile lieber so gut wie möglich unter Verschluss halten sollte – vor egal wem. (…) Frauen, die gerne mal breitbeinig sitzen oder aufreizend angezogen sind, ganz offen mit ihrer Weiblichkeit und ihrer Sexualität umgehen und nicht so tun, als wäre der weibliche Körper ein mystischer Tempel, der zu allen Tagesund Nachtzeiten nach Rosen duftet und dessen Anblick nur für wenige vorbehalten ist, werden oft verurteilt. In den Augen vieler Menschen gelten sie noch immer als Schlampen oder zumindest als verzweifelt.«2

Frauen schämen sich für ihre sichtbaren Geschlechtsteile. Das tun sie natürlich nicht nur, weil diese so heißen wie sie heißen, Schamhaar hin, Schamlippe her, oder weil Wolfram uns ins Ohr flüstert »schäm dich!«, sondern auch, weil uns Scham aktiv eingepflanzt, gelehrt und vorgelebt wird. Von Kindheit an. Ich bin wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, was an Flüssigkeit um ihn herumsifft. So sind alle Menschen! Wir sitzen nicht trocken, abgeschirmt hinter Glaskugeln, und Mama und Papa filtern uns die Welt. Oder träufeln uns hin, was wir dann aufsaugen »dürfen«, was uns als Schwämmchen nicht überfordert. Das ist einerseits gut, wer will schon elterliche Flüssigkeitszensur? Schon gar nicht in der Pubertät oder darüber hinaus! Aber manchmal wäre so ein Schutz, im Sinne von Dosierung, auch gut. Doch so läuft Sozialisation nicht. Denn das ausgewählte Hinträufeln bereitet nicht auf die große weite Welt und das Leben vor. Scham ist etwas Stilles, auch Sozialisation ist still – und gleichzeitig gellend laut und geballt. Man redet nicht, wenn man sich schämt, oder darüber, dass man sich schämt. Man tut es halt nur. Das erfahren, sehen, »riechen« bereits Kinder, und machen es nach.

Wir sind umgeben von Idealen. Ideale, die uns ständig und vehement vermittelt werden – auch medial. Und als ob die Welt nicht kompliziert und anstrengend genug wäre, springen wir drauf, auf diesen Zug, und fahren mit.

Kleiner Exkurs zur optischen Gewöhnung

Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, dass Menschen sich sexuell an optische Reize gewöhnen. Das wird heute auch im Zusammenhang mit Pornografie diskutiert. Man spricht von einem Effekt der Habitualisierung, wenn sich individuelle Erregungsmuster durch Bilder verändern. Durch Gesehenes. Wenn Personen theoretisch nur noch auf Frauen sexuell reagieren, die aussehen wie Porno-Bunnys und sich so verhalten. Ich denke, auch mit der Intimrasur verhält es sich so. Geschlechtsübergreifend. Also nicht zwingend als erregender Stimulus, aber auch. Wir gewöhnen uns an Dinge, Sprache wie Bilder, »nehmen sie mit«, und sie machen etwas mit uns. Wir finden glattrasiert schöner, womöglich begehrenswerter. Auch wir Frauen. Und alle, die in den 1990er Jahren oder danach Teenager waren. Nicht weil es wirklich schöner ist. Sondern weil wir hören und sehen, dass es schöner ist. #mutti_rasiert_jetzt_auch So bearbeiten wir unter anderem unseren Venushügel Tag für Tag (und das ist, um es mal vorsichtig auszudrücken, in der Praxis schon Arbeit, Stress, nervig, zuweilen pickelig, stoppelig, einschneidend – ätzend!). Doch es scheint unsere »heilige Pflicht«3 zu sein. Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss! Wir machen sie weg, die Haare, für die es sich – unfrisiert – seit den 1990er Jahren scheinbar »ungepflegt« zu schämen gilt; und nicht nur untenrum. #achseln #beine #unterarme? Das ist wie gesagt ein Generationending: Natürlich ist es deiner und meiner Oma nicht wirklich unangenehm, dass sie alles stehen lassen können. Omi hat quasi die Absolution zum Wildwuchs (noch!?). Das hängt aber einzig und allein daran, dass Alter und Sexualität für das Gros der Gesellschaft vermeintlich nichts miteinander zu tun haben, weil das Altern ausgeblendet und förmlich verdrängt wird. Alle wollen jugendlich bleiben, weil das in vielerlei Hinsicht schöner ist. Und jugendlich ist eben glatt. #kind Wenn man so will, wird der gealterte Körper als unschön tabuisiert, genauso wie der Sex im Alter. Wie auch immer: Nackt und glatt ist geil und in! Wir gestalten unseren Intimbereich, der einst noch als Privatsphäre galt, denn er war frei von Regeln und Gestaltungsimperativen. Wir werten ihn auf, machen ihn schöner; mittlerweile übrigens nicht nur wir Frauen. Und weil sie – die Vulva – unser nacktes Geschlechtsteil nun sichtbar ist, gibt es auch hier moderne, unbegrenzte Möglichkeiten! Plötzlich bestimmen neue (auch medial vermittelte) ästhetische und ökonomische Ideen, wie etwas auszusehen hat. »Erst seit sich die Intimrasur flächendeckend durchgesetzt hat, gibt es überhaupt Schamlippenoperationen.«4 Die Schamlippenkorrektur, auch Labioplastik genannt, ist im Ranking der Schönheits-OPs kein Schlusslicht.

»Immer mehr Frauen in Deutschland bezahlen Tausende Euro dafür, dass ihnen ein paar Zentimeter überschüssige Haut entfernt werden, die im Alltag nicht sichtbar sind. Sie nehmen dafür eine Woche strikte Bettruhe, Schmerzen und Risiken einer Operation in Kauf. Sie tun dies auch, weil über das weibliche Untenrum in der Öffentlichkeit mehr geschwiegen als gesprochen wird. Weil die Vulva in der Gesellschaft zugleich tabuisiert wird und doch ästhetischen Idealvorstellungen unterliegt.«5#schnittbrötchen

Wieso »korrigieren« wir nicht die Gesellschaft? Sondern beschneiden uns lieber selbst?#schnipp_schnapp_scham_ab #gewöhnung_hin_ oder_her!

Es ist wichtig, die Scham in den Blick zu nehmen, wenn man ein Buch über weibliche Sexualität schreibt. Sie mischt mit oder hängt mit dran an der weiblichen Lust, wie am Wort Scham-Lippe. Apropos! Ich finde, es gibt viel bessere Worte für unsere Lippen … Und eigentlich finde ich auch, eine allzu schambetonte Benennungskultur im Zusammenhang mit einer Sache, bei der es mitunter ganz schön ums Nicht-Schämen geht (#losgelassene_lust #sau_raus!) gehört verboten:

Art. 1 [GG]

(1) 1 Die Würde des Menschen ist unantastbar. 2 Sie zu achten und zu schützen – auch indem weibliche Schamlippen nicht mehr so heißen dürfen, sondern besser Vulvalippen, Charmelippen, Venuslippen, Stolzlippen, Lotuslippen, Herzblätter, Lustlippen, Lustblätter, Engelsflügel bzw. Teufelslippen (Letzteres weil so abgöttisch heiß) – ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Sprache prägt Verhalten. Sie macht etwas mit uns. Wenn man so will, erinnert Sprache uns auch daran, dass wir uns schämen müssen oder uns ganz und gar nicht schämen müssen. #teufelslippen Selbst wenn wir die Scham im Wort Schamlippe oder Schamhaar nicht (mehr) bewusst aufnehmen beziehungsweise denken, schwingt die Bedeutung dennoch mit. Sie dringt in uns ein. #unterbewusst #schwamm

VULVA - PULSIERENDES TOR ZUR WELT!

Ein aktueller Artikel der Süddeutschen Zeitung mit der Überschrift »Die Vulva, ein blinder Fleck« aus dem Jahr 2020 befasst sich mit dem Phänomen, dass unsere Anatomiebücher die spezifischsten Details des menschlichen Körpers zwar erklären und zeigen, »wenn es aber um das weibliche Geschlecht geht, sind die Abbildungen oft vage oder falsch«.6 Wir haben es hier, so der Beitrag weiter, mit einer »Geschichte von Ignoranz, Unterdrückung und Verwirrung« zu tun. Das lässt aufhorchen und macht neugierig darauf, was genau damit gemeint ist! Begeben wir uns also auf die »investigative« Erforschung bestimmter Umstände – auch im Sinne einer Überprüfung. Außerdem möchte ich dir genauer zeigen, was scheinbar zu »erblinden« droht. #also_ran_an_den_fleck! #das_licht_bitte!_das_li-icht!

Jetzt wird’s haarig

Wahre Geschichte: Der Ursprung der Welt

Im Jahr 1866 kreierte der französische Künstler Gustave Courbet ein Ölbild, das eine nachhaltige Wirkung hatte. Es zeigte die behaarte weibliche Vulva ganz offensiv, unverhüllt, realistisch, da von Courbet mit Akribie und aufklärerischem Eifer gemalt. Eine solche hoch erotisierte Darstellung war für die damalige Zeit ein absoluter Tabubruch. Das Gemälde wurde deswegen in Kunstkreisen hoch gehandelt, immer wieder versteckt oder verdeckt im Schwarzhandel angepriesen und während der beiden Weltkriege ins Ausland gebracht. Bis hier noch nichts Besonderes für ein sehr delikates Bild eines berühmten Malers. Da das, was es abbildet, scheinbar jedoch zu anzüglich war, versteckte man es im Lauf der Zeit hinter einer Holzabdeckung, sodass ›der Ursprung der Welt‹ den neugierigen, sich ergötzenden Blicken verborgen blieb oder nur für Auserwählte sichtbar wurde. Erotische Kunst unter Verschluss. Im Jahr 1955 erstand der Psychoanalytiker Jaques Lacan das Gemälde, und auch er ließ dafür einen verschiebbaren Doppelrahmen anfertigen, der vordergründig ein anderes Bild zeigte. Ein solcher Deckmantel nennt sich in Kunstkreisen Maske. Im Jahr 1981, nach Lacans Tod, tauchte das Bild plötzlich wieder auf und ist seit dem Jahr 1996 im Musée d’Orsay in Paris ausgestellt – ohne Maske. Dort sorgt es noch immer für Aufregung. Menschen beschweren sich regelmäßig, dass solche Bilder skandalös wie pornografisch seien und nicht gezeigt gehörten.7Auch online zensiert Facebook im Jahr 2011 das Profil des dänischen Künstlers Frodo Steinicke wegen Courbet und sperrt seinen Account. Steinicke hatte auf der Seite den ›Ursprung der Welt‹ innerhalb eines Artikels auf seiner Pinnwand platziert. Nahezu 150 Jahre nach der Entstehung des Gemäldes scheint es mit der Freiheit und Freizügigkeit von Kunst auf Facebook nicht allzu gut bestellt zu sein. Wie gesagt, Erotik unter Verschluss! Die Abbildung der realistischen Vulva verstoße gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook. Auch gemalte, künstlerische Nacktheit sei, gemäß Facebook, verboten.8

Ich verstehe ja, dass im Zeitalter des inflationären Bildflusses innerhalb sozialer Netzwerke Vorsicht geboten ist. Und Facebook hat selbstverständlich eine nicht zu unterschätzende Verantwortung, die das Netzwerk aus meiner Sicht hingegen mal mehr (nackte Vulva-Kunst) und mal weniger hochhängt (nicht nur die rechtspopulistische Alternative für Deutschland, AFD, bekommt nach wie vor eine gewichtige Stimme durch Facebook, auch »Ronald Mc Donald Trump« findet dort immer noch Gehör). Es ist grundsätzlich die große Frage, was gefährlicher ist? Die naturalistische, öl-gemalte Darstellung einer Vulva, populistische AFD-Parolen, Trumps Weltbild oder eine Unternehmenskultur, welche nackte Profildaten und Persönlichkeitsmerkmale von Facebook-Usern inflationär speichert und damit fette Geschäfte macht? Kurz überlegen … – Die naturalistische Vulva in Öl ist gefährlicher. #logisch

Die Geschlechtlichkeit war Frauen zu Courbets Zeit versagt. Vulven wurden in den Aktmalereien des 17. bis 19. Jahrhunderts regelmäßig durch Tücher, Hände, Schatten oder Körperteile (Schenkel) kaschiert, während der Penis des nackten Mannes eher zeigbar oder abbildbar schien.9 Unter anderem deswegen wurde wohl Der Ursprung der Welt auch später noch regelrecht angestrengt unter Verschluss gehalten. Ein Cover für ein Bild, damit man es nicht sieht. »Schleierhaft«. Aber auch geheimnisvoll und ungemein wertsteigernd! Und das alles vor dem Hintergrund von: sicherheitshalber. Denn in ihrer Natürlichkeit und Anziehungskraft war das behaarte weibliche Geschlecht offenbar allzu gefährlich. Bis heute. Siehe Facebook. #voll_porno

Doch es geht mir um etwas anderes. Um etwas Größeres. Es geht mir um das sexuelle Potenzial der Vulva. Ja, richtig gehört! Es geht um die Macht weiblicher Geschlechtlichkeit und Lust. Und ich meine damit nicht, dass »›erotisches Kapital‹ die wahre Macht der Frau«10 ist oder sein sollte. #ähm_nein! Es stimmt schon: Etwas, das nichts bedeutet, kein erotisches Kapital besitzt, muss auch nicht versteckt werden. Etwas mit viel Bedeutung hingegen schon! Aber im Zusammenhang mit Bedeutung denke ich nicht nur an die sexuelle Anziehungskraft, die visuell von unserem Ursprung der Welt auszugehen vermag, sondern mehr noch an das körperliche Potenzial, das unsere Vulven und Vaginen innehaben. Für andere und vor allem für uns selbst, als Besitzende und fühlende sexuelle Wesen. Es geht um die Tatsache, dass wir Frauen uns oft nur sehr vage im Klaren darüber sind, dass unsere Vulva und Vagina – unser Ursprung der Welt – nicht nur für andere Personen anziehend sein kann, sondern vor allem für uns toll ist! Uns sexuell und darüber hinaus erfüllen kann, und dass deswegen ein besseres, differenziertes weibliches Bewusstsein über den eigenen Körper und die eigene körperliche Lust und Sexualität – ich brauche das, ich will dies, das macht mich an, mir gefällt jenes – vielen Menschen Angst zu machen scheint. Die bewusste Lust der Frau macht Angst. #weil_selbstbestimmt Unter anderem deswegen wird sie bis heute ausgeblendet. Frau abgesprochen. Verschleiert. Maskiert. #verschwörungstheorie? #nö! #bloß_weitergedacht #abstrahiert! Der Nachteil: Wenn etwas ausgeblendet beziehungsweise nicht thematisiert, vermittelt oder besprochen werden kann, dann resultiert daraus ein geringeres Bewusstsein zum besagten verdrängten Etwas, der Sache, dem Körperteil – hier das weibliche Geschlecht. Das gilt nicht nur für die Vulva, sondern für alle anderen Zentren weiblicher Sexualität (und Lustempfindens), die sicherheitshalber kaschiert wurden und werden. Nebenbei: auch der Männerkörper besitzt erogene Regionen, die in der heteronormativen Welt diskriminierend als »ekelhaft« oder »schwul« tabuisiert, sprich maskiert werden. Männer empfinden Lust und Erregbarkeit über die Stimulation der »Phallus-Waffe«11 Penis hinaus. Die männliche Prostata, ein erogener Lustpunkt, stimulierbar über den hochsensiblen Analbereich des Mannes, ist gleichfalls sexuell kaschiert, verdrängt, weil scheinbar nicht männlich. Männersex ist zwingend phallisch, wenn er nicht schwul sein will. Wo hetero drauf steht, muss hetero drin sein oder »stecken« (mit seinem Penis in ihrer Vagina, ihrem Mund oder