Luxus - Lambert Wiesing - E-Book

Luxus E-Book

Lambert Wiesing

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Beschreibung

»Luxus ist der Dadaismus des Besitzens.« Luxus – allein das Wort erzeugt vielfältige Vorstellungen: von teurem Schnickschnack, Überfluss und Verschwendung, von Reichtum und Komfort, Geltungskonsum und Statussymbolen. Und es provoziert offenbar klare Meinungen, denn Luxus wird zumeist entweder scharf verurteilt oder vehement verteidigt. Aber wissen die zahlreichen Kritiker und Apologeten des Luxus überhaupt, wovon sie reden? Es gibt nämlich keine Luxusforschung, die vor aller Bewertung systematisch zu bestimmen versucht, wann etwas Luxus ist. Daher steht die Antwort auf eine scheinbar einfache Frage noch aus. Sie lautet: »Was ist Luxus?« Lambert Wiesing leistet in seinem neuen Buch Pionierarbeit, denn er beantwortet diese Frage, und zwar mit dezidiert phänomenologischen Mitteln. Er zeigt, dass Luxus keine Eigenschaft von Dingen oder Handlungen sein kann, sondern durch eine private ästhetische Erfahrung entsteht: die Erfahrung des Besitzens von etwas, das zwar einen Zweck erfüllt, sich darin aber nicht erschöpft. Wird das Besitzen einer übertriebenen, überflüssigen oder irrational aufwendigen Sache von einem autonomen Subjekt als die eigensinnige Befreiung aus einer vereinnahmenden Herrschaft des Zweckrationalismus und Effizienzdenkens erlebt, so ist das – Luxus.

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Seitenzahl: 292

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Luxus – allein das Wort erzeugt vielfältige Vorstellungen: von teurem Schnickschnack, Überfluss und Verschwendung, von Reichtum und Komfort, Geltungskonsum und Statussymbolen. Und es provoziert offenbar klare Meinungen, denn Luxus wird zumeist entweder scharf verurteilt oder vehement verteidigt. Aber wissen die zahlreichen Kritiker und Apologeten des Luxus überhaupt, wovon sie reden? Es gibt nämlich keine Luxusforschung, die vor aller Bewertung systematisch zu bestimmen versucht, wann etwas Luxus ist. Daher steht die Antwort auf eine scheinbar einfache Frage noch aus. Sie lautet: »Was ist Luxus?«

Lambert Wiesing leistet in seinem neuen Buch Pionierarbeit, denn er beantwortet diese Frage, und zwar mit dezidiert phänomenologischen Mitteln. Er zeigt, dass Luxus keine Eigenschaft von Dingen oder Handlungen sein kann, sondern durch eine private ästhetische Erfahrung entsteht: die Erfahrung des Besitzens von etwas, das zwar einen Zweck erfüllt, sich darin aber nicht erschöpft. Wird der Besitz einer übertriebenen, überflüssigen oder irrational aufwendigen Sache von einem autonomen Subjekt als die Befreiung aus einer vereinnahmenden Herrschaft des Zweckrationalismus und Effizienzdenkens erlebt, so ist das – Luxus.

Lambert Wiesing, geboren 1963, ist Professor für Philosophie und Inhaber des Lehrstuhls für Bildtheorie und Phänomenologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 2005 bis 2008 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik. 2015 wurde er für sein Werk mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung ausgezeichnet.

Im Suhrkamp Verlag sind u.a. erschienen: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes (stw 1737), Sehen lassen. Die Praxis des Zeigens (stw 2046) und Das Mich der Wahrnehmung. Eine Autopsie (stw 2171).

Lambert Wiesing

Luxus

Suhrkamp

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2015

© Suhrkamp Verlag Berlin 2015

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

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ebook-Konvertierung: Greiner & Reichel, Köln

Umschlaggestaltung: Hermann Michels und Regina Göllner

eISBN 978-3-518-74352-2

www.suhrkamp.de

Inhalt

Vorwort

Einleitung

I. Zuerst Spiel, dann Krieg, Angst und Drogen – und jetzt: Luxus

II. Luxus: Der Dadaismus des Besitzens

Namenregister

Ausführliches Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die vage Absicht, über Luxus ein Buch zu schreiben, hatte ich schon Jahre, bevor ich mit der konkreten Arbeit anfing. Schon recht lange erschien es mir unverständlich, warum dieses Thema in der Philosophie eigentlich so gut wie keine Beachtung findet. Dennoch bedurfte es eines Anstoßes von außen, um mich dann wirklich auf das für mich neue Themengebiet einzulassen. Diesen Anstoß gab mir meine Gastprofessur an der Universität Oxford im Trinity Term 2013. Die mir zuvor unbekannte Eigenart dieser Universität, wie ich sie in St Edmund Hall kennenlernte, ließ mich – zu meiner eigenen Überraschung – gleichermaßen Bildung mit Luxus sowie Luxus mit Bildung assoziieren, und dies aus einem einfachen Grund: Luxus und Bildung sind nur für jemanden zu haben, der sich dem teilweise wildgewordenen Effizienzdenken und Zweckrationalismus unserer Zeit verweigert. So entstand jedenfalls bei mir die Idee, Luxus als ein anthropologisches Phänomen, genauer als ein für Menschen wichtiges Befreiungs- und Verweigerungsphänomen zu denken, und ich entschloss mich, diese Sichtweise auf den Luxus detailliert zu beschreiben.

Während der Arbeit an dem Buch in den darauf folgenden zwei Jahren erhielt ich Anregungen und Hinweise, Ermunterungen und Kritiken der unterschiedlichsten Art. Manchmal half mir schon ein kleiner Tipp zu einer speziellen Frage, manchmal waren es eingehende Kommentare zu früheren Fassungen des ganzen Textes. Welche Unterstützung es im Einzelfall auch war, in jedem Fall möchte ich mich dafür herzlich bedanken – bei: Stefan Matuschek, Manfred Sommer, Silke Müller, Jens Bonnemann, Thomas Zingelmann, Wolfgang Ullrich, Thomas Jahn, Eva Gilmer, Ludger Sandknop, Friedrich Lauschke, Stephan Günzel, Katja Vollenberg, Bianca Weiß, Jason Gaiger, Hartmut Rosa, Nico Brömßer, Katerina Deligiorghi, Sascha Prescher, Klaus Vieweg, Andrea Seyfarth, Juliane Köster und Eckhard Meineke.

Sendenhorst, im Mai 2015

L.W.

Einleitung

1752 veröffentlicht David Hume den Essay »Über Luxus«. Schaut man sich diesen heute an, so stellt sich der befremdliche Eindruck ein: Viel getan hat sich ja seitdem nicht! Der Text liest sich, als wäre er erst kürzlich geschrieben worden. Dies gilt insbesondere für eine der zentralen Aussagen. Hume stellt klar heraus: Nur zwei Meinungen bestimmen das Denken über den Luxus: »Männer mit freiheitlichen Prinzipien loben sogar lasterhaften Luxus und bezeichnen ihn als sehr vorteilhaft für die Gesellschaft, während andererseits Männer von strenger Moral sogar den harmlosesten Luxus verurteilen und ihn als Quelle aller Verdorbenheit, Unruhen und Faktionen bezeichnen.«1 Es ist dieser Aspekt, hinsichtlich dessen sich die Situation seit Hume – heute wäre allerdings nicht mehr nur von Männern die Rede – kaum verändert hat. Das ist auch nicht groß verwunderlich, denn insgesamt muss man sagen, dass die Literatur zum Luxus recht überschaubar ist. Man hat es nicht gerade mit einem der zentralen geisteswissenschaftlichen Forschungsgebiete zu tun, und die wenigen einschlägigen Beiträge pendeln – wie eben Hume beschreibt – unaufhörlich und unversöhnlich zwischen Kritik und Apologie hin und her. Bis heute gilt: Egal wo man sich umschaut, ob in der Philosophie, in der Soziologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Theologie oder gar auf dem weiten Feld der Ratgeberliteratur für Lebenshilfen in allen Lebenslagen, man findet fast ausschließlich Spielarten der beiden klassischen Ansichten. Es scheint, als gelte ein unausgesprochenes tertium non datur: Entweder wird Luxus aus sozialen und moralischen Gründen problematisiert, wenn nicht gar vehement verdammt, ebenso wie Jean-Jacques Rousseau es im Emile von 1762 vormacht: »Luxus und schlechter Geschmack sind unzertrennlich verbunden. Überall, wo der Geschmack kostspielig ist, ist er verdorben.«2 Oder aber der Luxus wird aus ökonomischen und politischen Gründen verteidigt, wenn nicht gar emphatisch verherrlicht, letztlich stets mit dem Argument, das man aus Bernard Mandevilles berühmter Bienenfabel von 1714 kennt: »Trotz all dem sündigen Gewimmel/War’s doch im Ganzen wie im Himmel. […] durch den Luxus finden Millionen Armer sich erhalten.«3 Kurzum: Schaut man sich die Literatur zum Luxus in den letzten dreihundert Jahren an, dann lässt sich insgesamt eine »Ambivalenz des Überflüssigen in der Moderne« diagnostizieren – so jedenfalls der treffende Vorschlag und Untertitel des von Christine Weder und Maximilian Bergengruen 2011 herausgegebenen Sammelbandes Luxus.4

Es soll nicht in Zweifel gezogen werden, dass eine Diskussion über Nutzen und Nachteil von Luxus ein sinnvolles Unterfangen ist. Doch mindestens ebenso unstrittig dürfte sein, dass es gerade für eine solche Diskussion von Vorteil ist, wenn man weiß, was überhaupt Luxus ist. Man möchte schließlich gerne wissen, was denn da gelobt und verachtet wird. Das ist allerdings ein ernstes Problem: Denn sieht man sich die Diskussion über den ökonomischen und moralischen Wert beziehungsweise Unwert des Luxus unter diesem Gesichtspunkt an, so muss sich geradezu Enttäuschung einstellen. In der Regel wird nämlich schlicht vorausgesetzt, dass jeder weiß, was Luxus ist. Die Bestimmung des Luxus geschieht – wenn überhaupt – eher nebenbei in Form von wenigen Sätzen oder einer knappen lexikalischen Definition, wie man sie etwa bei Werner Sombart, einem der großen Verteidiger des Luxus, findet: »Luxus ist jeder Aufwand, der über das Notwendige hinausgeht.« Sowohl die Apologeten wie auch die Kritiker arbeiten mit einem schlichten Verständnis von Luxus, bei dem dieser zumeist mit Überfluss und Verschwendung, mit Prestigeobjekten und Statussymbolen, mit Reichtum und Komfort, mit Schmarotzertum oder Geltungskonsum, mit teurem Schnickschnack und angeberischem Protz gleichgesetzt wird. Der Gesamttenor in der Literatur zum Luxus ist eindeutig: Es wird viel bewertet, aber wenig beschrieben. Man hat eine Situation, die man durchaus auch aus anderen Diskussionen kennt. Die Fragestellungen und Interessen, mit denen Luxus nahezu ausschließlich thematisiert wird, entsprechen jedenfalls ziemlich genau denen, welche zum Beispiel die Diskussion über Atomenergie prägen. Auch hier lauten die alles dominierenden Fragen: Ist Atomenergie sinnvoll, notwendig, unsozial, unvermeidbar, verantwortungslos oder unvernünftig? Will man lieber in einer Welt mit oder ohne Atomenergie leben? Dieselben Fragen leiten das Nachdenken über den Luxus: Ist Luxus sinnvoll, notwendig, unsozial, unvermeidbar, verantwortungslos oder unvernünftig? Verschlechtert oder verbessert Luxus das Leben von Menschen? Will man lieber in einer Welt mit oder besser ohne Luxus leben?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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