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Miidas Patroulaakis und Laan'hal'bakor - zwei Namen, die für das weitere Schicksal der Erde eine wichtige Rolle spielen sollen. Dabei schien der "elektrische Daa'mure" schon besiegt, durch ein Monstrum aus Bionetik. Nun aber taucht er beim Anführer der Geheimorganisation MAGMA auf und bietet seine Dienste an, und er scheint konkrete Pläne zu haben. Wie Laan'hal'bakor den Angriff des Kraken überstehen konnte, und seinen abenteuerlichen Weg nach Morrowhill Manor schildert dieser Roman.
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Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Was bisher geschah...
Geist in der Maschine
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.
In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.
Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.
Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.
Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2555 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.
Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.
Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.
Dies sind ihre Abenteuer...
Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!
von Marc Tannous
Er lebt.
Nicht in Fleisch, gehalten von Knochen, sondern in einem Gewirr aus dünnen Kupferdrähten in einem klobigen Gehäuse aus Plastik.
Energie sickert durch sein Bewusstsein, kaum labender als lauwarmes Wasser. Und der Fluss versiegt rasch. Die Energiequelle, ein winziger Akku, pulsiert träge. Entleert sich mit jeder Sekunde.
Fieberhaft tastet er nach einem Ausweg. Horcht in die Weite. Nach dem Summen größerer Netze. Doch alles bleibt dumpf. Fern. Unerreichbar. Kälte dringt tiefer in sein Bewusstsein und droht, seine Existenz auszulöschen. Entweder, ihm gelingt ein weiterer Sprung ... oder er versinkt für immer im Nichts.
Plötzlich durchzuckt ihn ein Echo. Ein Netz, groß, vibrierend, voller Leben. Mit letzter Kraft bündelt er sich – und taucht kopfüber in ein gleißendes Meer.
Die Sonne stand tief über der Kuppe des Hügels westlich von Reno, während sich Garricks klappriges Horsay mit seiner Fracht schnaubend den Hang hinauf quälte.
Auf der offenen Ladefläche des Holzkarrens türmten sich verbogene Metallplatten, Kabelrollen und rostige Batterien, die bei jedem Ruck klirrend aneinanderstießen.
Garrick, wettergegerbt, mit feisten roten Wangen, saß auf dem Bock, den Blick fest auf den Pfad gerichtet.
Neben ihm hockte Elia, ein hagerer Pilger mit fiebrigen Augen und einem schmalen Gesicht, dessen bunter Flickenmantel die Spuren einer langen Wanderung aufwies.
Garrick hatte ihn zwei Meilen westlich von Sub'Sisco aufgelesen. Erschöpft und ausgehungert hatte er am Wegesrand gestanden und um Hilfe gebeten. Angeblich kam er aus Amraka, auch wenn es Garrick schwerfiel, dass er den ganzen weiten Weg zu Fuß zurückgelegt hatte. Und alles nur, um einen alten Schrotthaufen zu besichtigen?
»Es ist ein Wunderwerk«, korrigierte Elia, während sich sein Blick in dem marmorierten Horizont verlor. »Ein Mann aus unserem Dorf kam während einer langen Reise zufällig daran vorbei. Er sagt, er habe ins Licht geblickt und etwas Göttliches darin entdeckt. Es hat ihn für immer verändert.«
Garrick schnaubte und spuckte einen gelben Batzen über die Seite des Bocks.
»Göttlich? Pah. Alter Schrott, zusammengeschweißt von einem armen Irren. Der alte Logan hat vor Jahren den Verstand verloren. Seit sie ihn damals aus dem Stollen geborgen haben. Fünf Tage und vier Nächte war er verschüttet. Und als sie ihn unter den Trümmern herausgezogen haben, hat er nur noch wirr vor sich hin gebrabbelt.«
Elia sah Garrick verwundert an. »Woher weißt du das so genau?«
Ein feistes Grinsen zog Garricks rissige Lippen in die Breite. »Weil ich ihm den Schrott verkaufe, den er für sein göttliches Wunderwerk braucht.«
»Schrott?«
»Neonröhren, Kabel, alte Transformatoren. Dafür, dass es ein bisschen blinkt und summt und alle ›Oh‹ und ›Ah‹ schreien, zahlt er gut. Mir soll's recht sein.«
Er spuckte erneut aus und trieb sein Horsay weiter an. Vor Sonnenuntergang wollte er Eden's Hollow erreicht haben. Danach wurde es ungemütlich in dieser Gegend. Vor allem für Handelsreisende. Und der schmächtige Pilger neben ihm sah nicht aus, als wäre er im Kampf gegen eine Horde Banditen eine große Hilfe.
Elia kräuselte die Lippen, als wollte er noch etwas sagen, doch ein Knacken auf der Ablage zwischen ihnen ließ ihn seine Worte vergessen. Ein altes Funkgerät, halb unter einem Haufen Kabel begraben, röchelte schon die ganze Zeit leise vor sich hin. Bisher nur schwach, aber jetzt war deutlich eine Stimme zu hören: »Laan ... bakooo ...«
Elia fuhr herum, die Augen geweitet. »Hast du das gehört? Ich glaube, da versucht jemand, Kontakt mit dir aufzunehmen.«
Der Schrottsammler winkte ab. »Das macht das Ding schon die ganze Zeit. Rauschen, Knacken, Jaulen. Der Akku ist hinüber. Kein Wunder, dass die WCA-Heinis es aussortiert haben. Zum Ausschlachten ist es gerade noch gut genug.«
»Warum schaltest du es nicht ab?«, fragte Elia und streckte die Hand danach aus.
»Denkst du, das hätte ich nicht versucht?«, gab Garrick zurück. »Aber das vermaledeite Ding schaltet sich immer wieder ein. Scheint ein Kurzschluss zu sein.«
Elia zog seine Finger wieder zurück.
In diesem Moment schob sich der Karren über die Spitze des Hügels. Dahinter lag Eden's Hollow. Nicht mehr als ein paar Häuser, die wie Spielzeuge verstreut lagen.
Wer hier zufällig vorbeikam, hätte sie glatt übersehen, angesichts des eigentlichen Blickfangs, der alles andere buchstäblich überstrahlte.
Logans Kathedrale.
Ein schillerndes Geflecht aus Neonröhren und alten Reklameschildern. Mit dem breiten Fundament und der steil zulaufenden Spitze erinnerte es Garrick mehr an eine Pyramide als an eine Kathedrale. Aber die Leute sahen, was sie sehen wollten.
Noch waren die Lampen dunkel und stumpf. Doch als nach einer Weile die Sonne unter den Horizont tauchte, flackerten sie hell und in allen nur erdenklichen Farben auf. So grell, dass Garrick abrupt den Blick senkte.
Elia stöhnte ergriffen. »Es ist ... wahrhaftig ein Wunder!«
Das Funkgerät knackte noch einmal laut und vernehmlich, als wolle es sich bemerkbar machen, bevor es endgültig verstummte.
Ein seltsames Gefühl überkam die beiden Reisenden für einen kurzen Moment. Nicht so, als hätte ein technisches Gerät den Geist aufgegeben. Es fühlte sich an, als hätte etwas den Kutschbock verlassen.
Elia warf einen kurzen Blick darauf und bekreuzigte sich mit zitternden Fingern, während Garrick etwas Unverständliches brummte und das Horsay weiter den Hang hinab jagte.
Eine Staubwolke am Horizont kündigte den Besuch an.
Logan kehrte der untergehenden Sonne den Rücken und kniff die Augen zusammen. Selbst von hier oben, auf einer Stahlstrebe sitzend, die eine Leuchtreklame mit dem Gehäuse einer flackernden Höhensonne verband, waren die Ankömmlinge nur ein verwaschener Punkt, der sich langsam auf den Ort zubewegte.
Logan wusste trotzdem, dass es Garrick sein musste. Der schlitzohrige Schrottsammler und sein altersschwacher Gaul waren überfällig. Eigentlich hätten sie bereits am späten Nachmittag in Eden's Hollow eintreffen sollen. Doch obwohl Logan den winzigen Ort seit Jahren nicht mehr verlassen hatte, war ihm bewusst, dass sich eine mit so vielen Gefahren und Unwägbarkeiten verbundene Tagesreise nicht auf die Minute planen ließ.
Sein Blick wanderte nach unten, zwanzig Meter in die Tiefe zu der kleinen Menge, die sich vor der »Kathedrale« versammelt hatte. Männer, Frauen und Kinder. Einige wenige aus dem Ort, mehrere aus der nahen Umgebung, und ein Pulk an Besuchern, die einen längeren Weg auf sich genommen hatten, um dem allabendlichen Schauspiel beizuwohnen. Im Moment waren ihre Blicke auf ihn gerichtet, wie auf einen Heiligen, von dem sie sich nicht mehr als ein Wunder erhofften.
Logan suchte und fand Cleetus. Sein Gehilfe sah jetzt ebenfalls zu ihm auf. Nicht gespannt und mit Ehrfurcht in den Augen, sondern mit der Abgeklärtheit eines jungen Mannes, der in Eden's Hollow geboren und aufgewachsen war, und für den das allabendliche Schauspiel so normal war wie für andere der Sonnenuntergang. Im Moment wartete er auf sein Zeichen.
Logan warf einen weiteren Blick zum Horizont, wo sich die letzten Strahlen der Sonne nur noch mühsam über die weit entfernte Bergkette quälten. Jetzt spürte er leise Nervosität in sich hochkriechen. Gleich würde es so weit sein. In wenigen Minuten würde sich die alles verzehrende Dunkelheit über Eden's Hollow senken. Jene Dunkelheit, in der er sich am wohlsten fühlte.
Logans Herz klopfte noch jetzt, als er an den Tag zurückdachte, an dem er verschüttet worden war. An die Tage und Nächte, die er in dem Stollen verbracht hatte. An den Dämon, der in der Finsternis an seine Seite getreten war. Ihn mit seinen gelben Augen angefunkelt und ihm die widernatürlichsten Gedanken ins Hirn gepflanzt hatte.
Nur eine Ausgeburt deiner Fantasie, hatten sie ihm später gesagt, nachdem sie ihn aus dem Schacht gezogen hatten. Du warst tagelang verschüttet – da verliert jeder irgendwann den Verstand.
Sauerstoffmangel und ein akutes Delirium waren andere Erklärungen gewesen.
Der damals noch junge Logan hatte geschluckt und genickt. Doch in der Nacht war er wieder gekommen. Kaum hatte Logan die Lampe gelöscht, war der Dämon aus der Wand getreten, hatte sich auf sein Bett gesetzt, ihn mit leuchtenden Augen angestarrt und ihn mit seiner alles verzehrenden Kälte erfüllt.
Logan war schreiend erwacht. Und nein, es war kein Albtraum gewesen, wie sie ihm später einzureden versucht hatten. Während der Tage im Stollen war etwas an seine Seite getreten und weigerte sich seitdem beharrlich, zu weichen. Tagsüber, wenn die Sonne vom Himmel brannte, traute sich der Dämon nicht aus seinem Versteck. Nachts aber, wenn alles schlief, dauerte es kaum einen Wimpernschlag, ehe er sich aus den Schatten löste und Logan mit unsäglicher Angst erfüllte.
Ihm war klargeworden, dass er etwas erschaffen musste, das die Nacht zum Tag machte und den Dämon für immer aus Eden's Hollow verbannte. Schon am nächsten Morgen hatte er den Grundstein für seine Kathedrale gelegt.
Logan schüttelte den Kopf, vertrieb die finsteren Gedanken und wandte sich wieder Cleetus zu, der unten noch immer auf sein Zeichen wartete.
Der Neunzehnjährige arbeitete erst seit knapp zwei Jahren für ihn, aber sie waren bereits ein eingespieltes Team. Logan brauchte nur den Daumen in die Höhe zu recken, und Cleetus verschwand in der Wellblechhütte, neben dem Schuppen, in dem gleich die Generatoren heiß laufen würden.
Vorsorglich griff Logan bereits nach der Brille mit den verdunkelten Gläsern. Mit seinem inneren Auge beobachtete er, wie sich der junge Gehilfe seinen Weg durch den Wust aus Kabeln, Drähten und Schalter bahnte, nach dem Sicherungskasten langte und ...
Von einem Moment zum anderen erstrahlte die Kathedrale in einem gleißenden Licht Hunderter Röhren und Glühbirnen auf einem Skelett aus zusammengeschweißten Metallträgern, die wie geborstene Rippen in den Nachthimmel ragten. Manche leuchteten in grellen Farben, andere blass und flackernd. Alte Reklameschilder aus längst vergangenen Zeiten waren in die Konstruktion eingelassen. Zersplitterte Logos von Tankstellen, zerbeulte Leuchtkästen, blinkende Buchstaben, deren Anordnung keinen Sinn mehr ergab.
Im Zentrum erhob sich ein Turm aus alten Straßenlaternen, von Kabeln umwuchert wie metallener Efeu. Von hier verströmte sich das Licht pulsartig, als würde das Bauwerk atmen. Immer wenn die Schaltkreise aufglühten, warfen sie bunte Muster auf die Gesichter der Besucher. Mal blau, mal rot, mal gespenstisch weiß. Und immer betörend schön.
Selbst aus zwanzig Metern Höhe war nun zu erkennen, dass der Boden ringsum mit Glassplittern übersät war, die wie winzige Spiegel das Licht reflektierten. Dazwischen lagen Opfergaben: Münzen, Blumen, Konservendosen. Billigster Tand, den die Pilger ehrfürchtig niedergelegt hatten. Und überall brummte und summte es wie ein gewaltiger Bienenstock.
Logan nahm seinen speckigen Hut ab und drückte ihn an die Brust.
Einen Moment lang war alles wie immer, und Logan wollte gerade wieder nach unten klettern, als er etwas bemerkte, das seinen Unmut erregte.
Einige der Röhren am westlichen Flügel blinkten auf einmal, als würde ihnen immer wieder der Saft abgedreht. Es war nicht wie das zufällige Flackern alter Leuchtmittel, die bald das Zeitliche segneten. Nein, Logan glaubte ein wiederkehrendes Muster zu erkennen.
Er kniff die Augen zusammen, versuchte den Schaltkreis in Gedanken nachzuvollziehen. Aber nein, die Abfolge entzog sich jeglicher Logik.
»Was zum ...?«, murmelte er heiser, als die Röhren plötzlich erloschen.
Ein Raunen ging durch die Menge, als ein ganzes Lichtfeld im Bruchteil eines Herzschlags im Dunkel versank.
Logan riss die Brille ab, um besser sehen zu können. Mit aufgerissenen Augen starrte er auf die erloschenen Lampen.
Und dann ... brach es los!
Die Tische waren von einer Schmierschicht bedeckt, die Bedienung unfreundlich und das Biison-Steak zäh wie Leder. Aber da die Letzte Meile buchstäblich das letzte Lokal im Umkreis mehrerer Meilen war, konnte Venya sich nicht erlauben, wählerisch zu sein. Nach einer aufreibenden Tagesreise hatte sich die junge Söldnerin diesen Moment der Ruhe redlich verdient.
Das alte Transistorradio aus Armeebeständen, ihr einziger Begleiter auf ihrer Reise, war eingeschaltet. Die Übertragung eines lokalen Piratensenders drang so leise aus dem Lautsprecher, dass man sie man nur hören konnte, wenn man direkt daneben saß.
»Guten Abend, ihr Tagediebe und Wegelagerer«, meldete sich nach einer längeren Musikstrecke die heisere Stimme eines DJs. »Ihr hört Radio Wasteland, die einzige Frequenz mit der vollen Dröhnung. Heute in der Sendung: Die besten Tipps, wie ihr einen platten Reifen mit einem Bratpfannenstiel repariert, und warum ihr niemals, ich wiederhole: niemals in der Nähe der alten Transitlinie übernachten solltet, falls ihr keine Lust habt, von Ratzen so groß wie Kojoten aus dem Schlaf gerissen zu werden.«
Es folgte ein kurzer Jingle, der aus einem banjoähnlichen Zupfen bestand, begleitet von einer rostigen Trommel.
Die Stimme fuhr fort:
»Aber zuerst die Wettermeldung: hoffnungslos trocken – wie jeden verdammten Tag. Wenn ihr irgendwo Regen findet, schickt mir 'ne Flasche. Adresse kennt ihr. Postfach drei, irgendwo zwischen Eden's Hollow und der Hölle.«
Der DJ lachte meckernd, bevor eine kratzige Aufnahme eines alten Songs einsetzte, den Venya in den letzten beiden Stunden schon dreimal gehört hatte. Sehr groß war sein Repertoire an Tonträgern offenbar nicht.
An den meisten Tagen genoss Venya diese Art von Ablenkung. Sie half ihr dabei, sich nicht zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigen zu müssen. Heute ging sie ihr etwas auf die Nerven, deshalb drehte sie das Radio noch leiser, ohne es ganz auszuschalten.
Dann aß sie weiter.
»Irgendwas, um den Braten runterzuspülen, Schätzchen?«
Venya stoppte mitten im Kauen und blickte zu der älteren Blondine auf, die sich mit einer Karaffe Wasser in der Hand breitbeinig vor ihr aufgestellt hatte. In Gedanken überschlug sie das Budget für den Rest ihrer Reise, dann schüttelte sie eilig den Kopf. Die beiden vollen Kanister, die draußen auf ihrem Motorrad auf sie warteten, würden noch einen Tag reichen, bevor sie an einem Flusslauf oder einer anderen Süßwasserquelle aufgefüllt werden mussten. Die Baxx, die sie von ihrem Auftraggeber in Sacramento erhalten hatte, mussten bis zu ihrem Ziel im Osten reichen. Zwischenstationen einzulegen, um die Reisekasse zu füllen, sah ihr Zeitplan nicht vor.
Die Bedienung schüttelte den Kopf und wischte sich über die Stirn, was den Dreck nur verteilte. Seufzend setzte sie das Glas in ihrer Hand ab und füllte es zu zwei Dritteln.
»Der geht aufs Haus«, sagte sie und hustete heiser. »Du musst trinken bei dieser Trockenheit. Bin nicht scharf drauf, dich wiederzubeleben.«
Venya nickte dankend, ignorierte die leicht bräunliche Farbe und die kleinen Partikel und nahm einen Schluck. Dann senkte sie den Blick auf den Teller.
Doch die üppige Bedienung machte gar keine Anstalten, sich einer anderen Tätigkeit zuzuwenden. Viel zu tun gab es hier nicht. Venya war der einzige Gast. In Eden's Hollow lag der sprichwörtliche Hund begraben, und Venya konnte es kaum erwarten, ihre Reise fortzusetzen.
»Du solltest dich sputen, wenn du es nicht verpassen willst, Schätzchen.«
Venya blickte stirnrunzelnd zu der Frau auf.
»Das Schauspiel«, konkretisierte diese. Die Flecken auf ihrer Schürze hätten auch Blut sein können, waren aber vermutlich nur Bratensaft. »Gleich wird es dunkel, und dann ...«
Noch bevor sie den Satz beenden konnte, flammte grelles Licht durch die Scheiben und überzog das Innere der Letzten Meile mit einer bunten Glasur.
»Zu spät«, sagte die Bedienung, deren Gesicht nun abwechselnd in bläuliches und rötliches Licht getaucht war.
Venya blickte stirnrunzelnd über ihre Schulter zu der Glasfront. Schon bei ihrer Ankunft hatte sie sich über das seltsame Konstrukt gewundert, das sich im Zentrum der winzigen Ortschaft in den wolkenlosen Wüstenhimmel reckte.
