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"mahn-mal" ist eine Streitschrift rund um das einstige Kriegsgefangenenlager Stalag VII A Moosburg und den heutigen Umgang mit seinen Überresten in der Stadtlandschaft. "mahn-mal" will mahnen und erinnern an das Vergangene und gleichzeitig Wege in die Zukunft weisen. Noch heute fällt es vielen schwer, mit dem Erbe des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs umzugehen, sobald es mit greifbaren Hinterlassenschaften, insbesondere den Gebäuden, allzu konkret wird. In Moosburg a.d. Isar existieren noch in öffentlicher Hand befindliche bauliche Relikte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Doch den Resten von drei Wachmannschaftsbaracken und einer Gefangenenbaracke droht zumindest teilweiser Abriss. Die einmalige Dichte, von der Außenstehende mit ihrem ganz eigenen Blick schwärmen, soll verschwinden. Hier werden Interessen gegeneinander ausgespielt. Statt auf Miteinander und Versöhnung zu setzen, ist nur die eine Lösung erwünscht. Doch welche und zu welchem Preis? Es wird auf eine große Vision verzichtet, der Erinnerungsort Moosburg in den virtuellen Raum verschoben und letztlich obsolet. Denn: Stalags gab es viele, doch nur ein einziges noch so existentes deutsches Kriegsgefangenenlager wie das Stalag VII A Moosburg.
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Seitenzahl: 29
Veröffentlichungsjahr: 2021
EDITORIAL
STALAG VII A MOOSBURG
DIE LETZTE IHRER ART
RESTE DER EHEMALIGEN KASERNE
DENKMAL KONTRA SCHULE?
NICHTS ALS NICHT-ORT?
DIE „UNVERSTANDENE“
IM BILD
ERINNERN: EIN JUGOSLAWE
STALAG-KUNST: EINST
STALAG-KUNST: HEUTE
(KEIN) SCHLUSSWORT
Mahnmal: Was für ein schweres Wort an einer Stelle, wo es längst leicht werden sollte.
„mahn-mal“: Die vorliegende Publikation ist vielleicht eher Streitschrift. Ja, sie will mahnen. Sie will erinnern an das Vergangene und gleichzeitig Wege in die Zukunft weisen. Noch heute fällt es vielen schwer, mit dem Erbe des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs umzugehen, sobald es mit greifbaren Hinterlassenschaften, insbesondere den Gebäuden, allzu konkret wird.
Stalag VII A: In Moosburg a.d. Isar existieren noch in öffentlicher Hand befindliche bauliche Relikte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Doch den Resten von drei Wachmannschaftsbaracken und einer Gefangenenbaracke droht zumindest teilweiser Abriss.
Die einmalige Dichte, von der Außenstehende mit ihrem ganz eigenen Blick schwärmen, soll verschwinden. Hier werden Interessen gegeneinander ausgespielt. Statt auf Miteinander und Versöhnung zu setzen, ist nur die eine Lösung erwünscht. Doch welche und zu welchem Preis? Es wird auf eine große Vision verzichtet, der Erinnerungsort Moosburg in den virtuellen Raum verschoben und letztlich obsolet. Denn: Stalags gab es viele, doch nur ein einziges noch so existentes deutsches Kriegsgefangenenlager wie das Stalag VII A Moosburg.
Das Stalag VII A Moosburg war eines der großen Kriegsgefangenenmannschaftsstammlager (= „Stalag“) des Dritten Reichs. Ursprünglich war es für 10.000 Mann angelegt.
Die ersten Gefangenen erreichten das erst im Aufbau befindliche Lager am 19. Oktober 1939. Die größte Gefangenengruppe stellten Franzosen dar, gefolgt von kulturell und ethnisch unterschiedlichen Bewohnern der Sowjetunion. Durch den Einsatz von aus den Kolonien Frankreichs und Großbritanniens stammenden Soldaten fanden sich in Moosburg sogar zahlreiche Kriegsgefangene aus Afrika oder Indien.
In den Jahren des Krieges wurden rund 150.000 Kriegsgefangene registriert und viele davon auf Arbeitskommandos von der Landwirtschaft bis zur Industrie verteilt. Sie mussten die eingezogenen deutschen Männer und deren Arbeitskraft ersetzen.
Das zu diesem Zeitpunkt überfüllte Stalag VII A wurde am 29. April 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit. Zuvor hatte die Lagerleitung entgegen offizieller Befehle entschieden, das Lager kampflos zu übergeben. Nach der Befreiung kam es in Moosburg für einige Tage zu Ausschreitungen, Plünderungen und Vergewaltigungen.
Kurze Zeit später richtete man in den vorhandenen Strukturen ein von den US-amerikanischen Besatzern geführtes Internierungslager ein, das „Civilian Internment Camp No. 6“. Nach dessen Auflösung im März 1948 siedelten sich Heimatvertriebene in den Baracken an. Es entstand der Stadtteil „Neustadt“.
Da die meisten der Gebäudereste aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Privathand waren und noch sind, verschwanden die Zeugnisse über die Jahre immer mehr. Die noch existierenden Bauten stehen nicht unter Denkmalschutz. Dennoch müssten sie aufgrund der Nähe zu den denkmalgeschützten Gebäuden des Stalags und wegen ihrer historischen Bedeutung beachtet werden. Das bedeutet keineswegs unbedingten Erhalt. Eigentümer müssen keine Angst haben, auch nicht davor, wenn das Gelände des einstigen Lagers als Bodendenkmal eingestuft werden sollte.
