Manchmal sind Pläne für die Katz - Wolfgang Pein - E-Book

Manchmal sind Pläne für die Katz E-Book

Wolfgang Pein

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Beschreibung

Gerichtsverfahren sind wohl jedem hinreichend bekannt, hoffentlich nicht aus eigener Erfahrung. Was ist aber, wenn ein Verfahren völlig aus dem Ruder läuft und extrem eskaliert? Was kann passieren, wenn mächtige Bosse selbst aus einer Justizvollzugsanstalt heraus ihre Macht demonstrieren - wenn Menschenleben völlig egal sind? Besonders pervers, wenn dafür Menschen und helfende Institutionen missbraucht werden! Aber - geht es überhaupt immer um Menschen? Verfolgen sie ein äußerst spannendes Geschehen rund um die Aufklärung eines Verbrechens, bei dem ein Doppelmord selbst nur die "Zweite Geige" spielt.

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Hinweise:

Sämtliche Personen sind fiktiv.

Keine davon – sei es persönlich

oder namentlich –

ist mir bekannt.

Sollten reale Namen

der in meinem Roman spielenden Personen

existieren, so ist dies rein zufällig.

Wolfgang Pein

Inhaltsverzeichnis

Prolog

In einem Polizeipräsidium - Kommissariat 1 - 3. April, 8.oo Uhr

In einer Justizvollzugsanstalt - 3. April, 13.50 Uhr

Im Kommissariat 1 - 4. April, 7.00 Uhr

Fahrt zur Haftprüfung - 4. April

Der Haftprüfungstermin - 10.00 Uhr -

Verhandlungspause

Ergebnis der Haftprüfung

Ein ergänzendes Gutachten - 6. April

Ein zweiter Plan – 6. April

7. April

8. April

9. April

Landgericht - Strafabteilung – Aktenregistratur –

Am selben Abend

Kriegsrat

10. April

Plan B

Das Ziel

Die Hauptverhandlung - Tag Eins

Hauptverhandlung - Zweiter Tag

Epilog

Prolog:

Die besten Pläne nutzen der Maus gar nichts, wenn ihr die Katze dazwischen kommt.

Dies ist kein Tier- Roman.

Somit keine Angst - Mäusen und Katzen passiert in diesem Roman nichts.

Aber dass nicht alle Pläne auch gut gehen, wie man sich das so vorgestellt hat, weiß wohl jeder. Sind Pläne noch so sehr durchdacht, schon ein einziger Zufall kann sie zunichtemachen. Und wer kann schon alles vorab bedenken. Zufälle einzuplanen ist eben nicht so einfach. Doch wozu sind Zufälle denn da, wenn sie ihrem Namen nicht alle Ehre machen würden.

in einem Polizeipräsidium - Kommissariat 1 - 3. April, 8.oo Uhr

Kriminalhauptkommissar Hubert Kwote sitzt an seinem Schreibtisch. Vor ihm steht ein Glas Wasser, in dem eine Tablette ihr bestes gibt, um sich aufzulösen. KHK Kwote kommt es vor, dass er sich auch gleich auflösen wird. Irgendwie scheint heute nicht sein Tag zu sein. Während er auf das Glas vor sich blickt - ziemlich ungeduldig - um endlich seinen erlösenden Drink zu bekommen, saust er auf seinem Bürostuhl abwärts.

„Verdammter Drehstuhl!“ murmelt er - zu schwach, um noch heftiger aus der Haut zu fahren, „Ich will meinen alten Stuhl zurück! Wenn ich Aufzug fahren will, dann steig ich in einen solchen, nochmal verdammt!“

Eine Woche hat KHK Kwote schon seinen neuen Drehstuhl, körpergerecht, gesundheitsgerecht. Aber Kwote ist noch weit entfernt davon, sich mit ihm anzufreunden. Missmutig schraubt er sich samt Stuhl wieder in die Höhe und testet diesen ganz vorsichtig, ob die anvisierte Höhe auch hält.

Zusätzlich zu seinem ohnehin schon heute mehr als empfindlichen Magen hat dieser Ruck nach unten KHK Kwote überhaupt nicht gut getan.

Endlich hat sich die Tablette aufgelöst. Kwote spült alles auf Ex hinunter und überlegt, ob er sogleich noch eine Sprudelmischung nachlegen soll.

An seinem „Zustand“ hat er selbst schuld – das weiß er wohl nur allzu gut. Gestern war es sehr spät geworden. Eigentlich war es schon heute Morgen, als er ins Bett fiel.

Eigentlich hatte Kwote allen Grund, gut drauf zu sein, wären da nicht der Bohrer in seinem Kopf und irgendein Unhold, der seinen Magen aufmischen will. KHK Hubert Kwote hatte ziemlich heftig mit Kollegen und Kolleginnen vom Kommissariat 1 gefeiert. Grund war die Festnahme eines ziemlich schlimmen Typen, dem mehrfacher Mord vorgeworfen wurde. Die Verhaftung war zwar schon ein paar Wochen vorher erfolgt, jedoch hatte das Kommissariat wegen anderer Strafverfolgungen, Krankheit und permanenter Unterbesetzung noch keinen gemeinsamen Termin hin bekommen – aber gestern war es endlich soweit.

KHK Kwote hat seinem Namen phonetisch mal wieder alle Ehre gemacht. Allgemein schneiden ja die Dezernate für Tötungsdelikte bundesweit quotenmäßig hervorragend ab. Er gehört mit seinem Team unbestritten zu den Favoriten auf Platz eins ganz oben in den TOP 10, sollte es jemals eine solche Hitliste geben.

Der Kommissar stand auf, ging ein paar Schritte in seinem Büro auf und ab, setzte sich wieder und sah auf die gegenüberliegende Wand. Dort hing eine Schautafel über die Fahndungserfolge des Kommissariats 1. KHK Kwote sah auf die wellenförmige Erhebung der Fälle, betrachtete dann das Bild nebenan. Das war bei einer internen Betriebsfeier aufgenommen worden war. Kwote fand, dass das Foto schief hing. Er schloss kurz die Augen, öffnete sie dann wieder, was ihm aber keinen anderen Eindruck verschaffte. Das Bild sah immer noch schief aus – auch beim 2. Versuch.

Dann dämmerte es ihm langsam. Er wusste plötzlich, dass es wohl an der Kriminalstatistik mit ihrem auf und ab lag, sowie an dem Bild selbst, wo alle Beteiligten darauf irgendwie so etwas wie eine La-Ola-Welle vollbrachten.

Der Kommissar schmunzelte: „Also ist mein Kopf doch nicht ganz so durcheinander, wie er sich anfühlt.“

Er entschloss sich trotzdem dazu, noch eine weitere Brausetablette aufzulösen.

Inzwischen zeigte die Büro-Uhr 8.51 Uhr. KHK Kwote wunderte sich ein bisschen, dass schon so viel Zeit vergangen war – seitdem er sein Büro um kurz vor 8.00 Uhr betreten hatte. Die Feier der letzten Nacht hatte fast eine ganze Nachtschicht lang gedauert, und Kwote schüttelte den Kopf, was ihm sogleich nicht gut bekam.

„Eigentlich ist es nach so einem Event viel zu früh, um schon hier zu sitzen“, dachte er sich, und widmete sich sogleich doch der Akte, die vor ihm auf dem Tisch lag.

KHK Kwote zwang sich, seine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was da vor ihm aufgeschlagen lag. Es war die polizeiliche Ermittlungsakte über die Festnahme des Gangsters, dessen Festnahme das Team gestern und bis heute früh nachträglich gefeiert hatte. Wie es sein Körper soeben zuließ, hakte der Kommissar Seite für Seite ab.

„Morgen darf nichts schief gehen.“ murmelte der Kommissar vor sich hin.“ Seine Konzentration wurde langsam intensiver, sein Kopf langsam klarer. Morgen war ein ganz wichtiger Tag.

Morgen wird er seine weitere erfolgreiche Festnahme untermauern. Der Anwalt des Festgenommenen hatte eine Haft-Prüfung beantragt. KHK Kwote wird es denen zeigen, dass keine Erfolgsaussicht besteht. KHK Kwote wird dafür sorgen, dass der Bursche in Haft bleibt.

Bis in die Mittagstunden ging Hubert Kwote die Akte durch, sah penibel auf jedes Wort. Morgen war also der Tag der Wahrheit – in diesem Fall. Ansonsten war der Tag einer Verurteilung beim Gericht der wichtigste Tag nach einer Ermittlung. Aber die Frage, ob der Festgenommene auch nach der Prüfung in Haft verbleibt, das macht eben auch einen wichtigen Tag im Verfahren aus.

Morgen ist die Vorführung. Kwotes Kollegen nennen es immer die Vorführung des Opfers. Denn „Opfer“, so betiteln die Kollegen Kwote`s Beute, die selten eine Chance hat, ihm zu entwischen, ihm und seinem Team.

Der Kommissar schwenkte seinen ungeliebten Drehstuhl und sah auf die Wand hinter sich. Dort hatten die lieben Kollegen und Kolleginnen zu seinem 25. Dienstjubiläum einen Spruch erschaffen und eingerahmt. Da hing er nun.

Kwote kriegt sie alle!!!

KHK Kwote schwenkte schmunzelnd zurück Richtung Schreibtisch. Sein Bürostuhl machte mit, es gab diesmal keine Fahrstuhlfahrt abwärts.

Der Kommissar war sich, nachdem er ein weiteres Mal einige Kapitel der Akte geprüft hatte, völlig sicher, dass der morgige Tag erfolgreich für ihn ausgeht. Für ihn war alles klar, klar – wie Kloßbrühe. Schließlich lag ein eindeutiger Beweis vor - was soll da schief gehen? Er war sich zu 100 % sicher. Das wird der morgige Tag auch zeigen.

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in einer Justizvollzugsanstalt - 3. April, 13.50 Uhr

Geronimus Habrecht parkte seinen Wagen auf dem vorgesehen Parkraum für Rechtsanwälte. Heute noch muss er ein wichtiges Gespräch führen. Sein Mandant sitzt in dieser Justizvollzugsanstalt seit drei Monaten ein. Zwar waren schon einige Mandanten-Gespräche erfolgt, dieses heutige ist jedenfalls noch enorm wichtig, denn morgen ist der Haftprüfungstermin beim Gericht. Rechtsanwalt Habrecht hatte versucht, diesen Termin schon eher vorzuziehen, aber erfolglos. Alle Anträge hatten Gericht und Staatsanwaltschaft abgelehnt.

Der Vorwurf gegen seinen Mandanten lautet auf Mord. Das erschien den Behörden angemessen, den vom Gesetz vorgesehenen Drei-Monats-Termin für die erste Haftprüfung einzuhalten.

Der Anwalt erreichte die Pforte, zeigte seinen Ausweis vor und erklärte den Justizbediensteten im Eingangsbereich, dass er seinen Mandanten zu sprechen wünscht – Medal Dolchskisky.

Rechtsanwalt Habrecht wurde in einen Besprechungsraum geleitet. Karg eingerichtet ist der, Luxus ist hier auch nicht erwünscht. Außer Stühlen und einem Tisch enthält der Raum nichts, was ihn von einer gewissen Trostlosigkeit erlösen kann.

Der Anwalt trommelte mit seinen Fingern auf der Tischplatte herum. Bewusst war ihm das nicht. Die Anspannung war einfach zu groß, ließ ihm nicht die geringste Chance auf Entspannung.

Viele Verfahren hatte er schon geführt. Für etliche Mandanten bewirkte er Freisprüche, doch dieser Fall hier, der hat es in sich. Zwar gibt es keinerlei Zeugen für die Tat, denn niemand würde sich trauen, gegen seinen Mandanten auszusagen. Medal Dolchskisky war jemand in seiner Branche. Aber da war etwas, was auch ein guter Anwalt nicht aus der Welt schaffen konnte. Es würde auf einen Indizien-Prozess hinaus laufen. Und das Indiz war „hieb- und-stichfest“ - im wahrsten Sinne des Wortes. Es gab ein Tatmesser. Darauf waren die Fingerabdrücke seines Mandanten, behaupteten jedenfalls die Behörden. Natürlich würde die reine Behauptung nicht auseichen, aber da war auch das Gutachten eines Sachverständigen, das für seinen Mandanten sehr schlecht ausfiel.

Rechtsanwalt Habrecht sah auf seine Uhr - was sich in der letzten Viertelstunde ziemlich oft wiederholt hatte.

Gerade wollte er missmutig nachhaken, wo sein Mandant bleibt, da hörte er Schließgeräusche, und es öffnete sich die Tür zum Besprechungsraum. Ein uniformierter Justizvollzugsbeamter führte Medal Dolchskisky an den Tisch, wo sein Anwalt aufgestanden war, um seinem Mandanten die Hand zu schütteln.

Der Beamte verließ den Raum, weil es ein vertrauliches Gespräch von Anwalt zu Mandant war, ganz im Gegensatz zu Gesprächen, wenn einfach nur normaler Besuch angesagt war. Da bleibt eine Aufsicht im Raum, und Berührungen sind nicht erwünscht.

Rechtsanwalt Habrecht wusste genau, wen er da vor sich hatte. Er hatte den Auszug mit den Vorstrafen des Mandanten ausführlich gelesen, und es war eine lange Liste. Ein Mordvorwurf war bisher nicht dabei gewesen.

„Kein Kunststück“, dachte sich Habrecht, „wenn man seine Leute für manche Sachen hat.“

Und der Anwalt war sich im Klaren darüber, dass er einen guten Job vorzeigen musste, denn sein Mandant konnte sehr mies werden, war unberechenbar.

Schon die Miene seines Gegenübers allein konnte manch einem wohl Angst einjagen. Was würde passieren, wenn Dolchskisky verurteilt wird und in Haft muss – in eine ziemlich lange Haft? Rechtsanwalt Habrecht schüttelte sich innerlich bei dem Gedanken und versuchte, das nicht nach außen dringen zu lassen.

„Haben sie mir noch etwas zu sagen, Herr Dolchskisky“, eröffnete der Anwalt das Gespräch. „Gibt es etwas, das ich wissen muss? Gibt es etwas, was ihnen noch eingefallen ist?“

Dolchskisky guckte grimmig aus der Wäsche. Dann schüttelte er mit dem Kopf. Reden war nicht gerade seine Stärke – das hatte sein Anwalt schon mitbekommen. Alles musste man aus dem heraus-ziehen.

Der Anwalt versuchte es noch einmal: „Sie wissen, dass wir morgen schlecht da stehen werden. Es gibt das Messer und das Gutachten.“