Mao siegt - Guillaume Paoli - E-Book

Mao siegt E-Book

Guillaume Paoli

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Beschreibung

Transparenz ist der Tod des Begehrens. Eine total transparente und liberale Gesellschaft würde nicht nur das Begehren töten, sondern auch Monstrositäten auf den Plan rufen. Mao siegt ist ein Versuch über den Sinn von Grenzen und die Grenzen des moralischen Liberalismus.

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Guillaume Paoli

Mao siegt

Sieg dem Narzissmus-Nihilismus

MSeB

Inhaltsverzeichnis

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Mao siegt. Sieg dem Narzissmus-Nihilismus

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Impressum

Mao siegt. Sieg dem Narzissmus-Nihilismus

Dem Fall Mao Sugiyama wurde bisher zu wenig kritische Aufmerksamkeit geschenkt, wobei dieser emblematisch für wesentliche Züge der liberalen Utopie im Endstadium ihrer Verwirklichung steht. Im April 2012 ließ der 22jährige Japaner seine eigenen Genitalien medizinisch abschneiden, beauftragte einen Chefkoch Penis, Testikel und Hodensack anzuschmoren und servierte diese, mit Pilzen und Petersilie angerichtet, eigens zu der besonderen Verkostung per twitter geladenen Gästen. Die Portion kostete hunderttausend Yen, der knappe Vorrat reichte für fünf Personen. Da jedoch siebzig Interessenten kamen, mussten sich die übrigen Gäste mit Krokodilfleisch begnügen. Schlagartig kursierte die Geschichte im Internet, mit Farbabbildungen der Aufschnittteller versehen. Für die japanische Justiz besteht keine Straftat: Die Vertragspartner hatten schriftliche Vereinbarungen getroffen, außerdem ist Kannibalismus in Japan (wie in Deutschland auch) nicht gesetzlich verboten.

Übertrieben wäre der Reflex, solch einen Extremfall beispiellos zu nennen. Monströse Taten lassen sich in allen Epochen finden. Sie haben Spuren in der Chronik hinterlassen, weil sie bei den Zeitgenossen Ekel und Abscheu erregten. Sie erweckten die archaische Furcht vor der Hybris und der konsekutiven Rache der Götter. Insbesondere der Kannibalismus stand schon immer für das Außermenschliche schlechthin, und wenn keine Fälle davon nachzuweisen waren, wurden sie schlicht erfunden. Gleichwohl übt jeder Bruch mit der gemeinsamen Regel eine gewisse Faszination aus. Als in den zwanziger Jahren die junge Violette Nozière ihre beiden Eltern umbrachte, verklärten die Surrealisten die Geschichte als Familienkritik und Beitrag zur Auflösung der verhassten bürgerlichen Verhältnisse.