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Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Annegret Wolters blickte sich suchend in ihrem großen Garten um. Wo mochte sich Natalie nur wieder versteckt haben? Das fünfjährige Mädchen hielt seine Oma ständig auf Trab und sorgte so dafür, daß die rüstige Rentnerin jung blieb. Natalies Mutter, die bildhübsche Architektin Bettina Wolters, war sehr in ihren Beruf eingebunden und dankbar, daß sie ihr Kind nicht zu fremden Leuten in Obhut geben mußte. »Ha, jetzt habe ich dich gesehen!« rief Annegret triumphierend. »Du hast dich hinter dem Johannisbeerstrauch versteckt! Möchtest du nicht ins Haus kommen, die Kartoffelpuffer sind nämlich fertig!« Wie auf Kommando erschien ein blonder Lockenschopf zwischen den Zweigen. Kartoffelpuffer waren schließlich Natalies Lieblingsessen, und sie kalt werden zu lassen, wäre die reinste Schande. »Ich komme schon, Oma!« Fröhlich hüpfte die Kleine über den Rasen, wo Annegret ihre Arme aufhielt und sie lachend empfing. »Darf ich ganz viel Puffer haben?« fragte Natalie, während sie gemeinsam ins Haus gingen. »Ich habe einen Riesenhunger.« »Soviel du magst.« Annegret blickte zärtlich zu ihrer niedlichen Enkeltochter hinab. »Allerdings erst, wenn du dir die Hände gewaschen hast.« »Wann kommt Mama denn heute?« fragte Natalie, als sie dann in der Küche Platz genommen hatte. »Ich muß ihr so viel vom Kindergarten erzählen. Die ganzen letzten Tage war Mama abends viel zu müde zum Zuhören.« Liebevoll strich Annegret der Kleinen über den Blondschopf. Bettina arbeitete eindeutig zuviel – doch im Laufe der Jahre hatte sie sich zu einer erfolgreichen Architektin hochgearbeitet, was immer mehr Aufträge nach sich zog. Von Natalies Vater hatte sich Bettina kurz nach der Geburt getrennt, da er eine etwas eigenwillige
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Annegret Wolters blickte sich suchend in ihrem großen Garten um. Wo mochte sich Natalie nur wieder versteckt haben? Das fünfjährige Mädchen hielt seine Oma ständig auf Trab und sorgte so dafür, daß die rüstige Rentnerin jung blieb.
Natalies Mutter, die bildhübsche Architektin Bettina Wolters, war sehr in ihren Beruf eingebunden und dankbar, daß sie ihr Kind nicht zu fremden Leuten in Obhut geben mußte.
»Ha, jetzt habe ich dich gesehen!« rief Annegret triumphierend. »Du hast dich hinter dem
Johannisbeerstrauch versteckt! Möchtest du nicht ins Haus kommen, die Kartoffelpuffer sind nämlich fertig!«
Wie auf Kommando erschien ein blonder Lockenschopf zwischen den Zweigen. Kartoffelpuffer waren schließlich Natalies Lieblingsessen, und sie kalt werden zu lassen, wäre die reinste Schande.
»Ich komme schon, Oma!« Fröhlich hüpfte die Kleine über den Rasen, wo Annegret ihre Arme aufhielt und sie lachend empfing.
»Darf ich ganz viel Puffer haben?« fragte Natalie, während sie gemeinsam ins Haus gingen. »Ich habe einen Riesenhunger.«
»Soviel du magst.« Annegret blickte zärtlich zu ihrer niedlichen Enkeltochter hinab. »Allerdings erst, wenn du dir die Hände gewaschen hast.«
»Wann kommt Mama denn heute?« fragte Natalie, als sie dann in der Küche Platz genommen hatte. »Ich muß ihr so viel vom Kindergarten erzählen. Die ganzen letzten Tage war Mama abends viel zu müde zum Zuhören.«
Liebevoll strich Annegret der Kleinen über den Blondschopf. Bettina arbeitete eindeutig zuviel – doch im Laufe der Jahre hatte sie sich zu einer erfolgreichen Architektin hochgearbeitet, was immer mehr Aufträge nach sich zog. Von Natalies Vater hatte sich Bettina kurz nach der Geburt getrennt, da er eine etwas eigenwillige Vorstellung von der Verantwortung für das gemeinsame Kind hatte. Seitdem erzog Bettina ihre Tochter mit Unterstützung der Mutter alleine.
Annegret seufzte. »Ja, weißt du, Schatz, für deine Mama ist es nicht so einfach, pünktlich Feierabend zu machen wie andere Mütter, die in irgendeinem Büro arbeiten. Deine Mama hat oft Aufträge, die noch abends erledigt werden müssen, und dann ist sie natürlich sehr müde, wenn sie heimkommt. Möchtest du noch Apfelmus?«
Natalie nickte und aß eine Weile schweigend. Doch dann hob sie das Köpfchen und fragte: »Omi, können wir Mama nicht mal vorschlagen, daß es nichts macht, wenn sie weniger Geld verdient, aber dafür mehr Zeit für mich hat? Mir macht es bestimmt nichts aus, kein teures Spielzeug mehr zu bekommen.«
Trotz der ernsten Situation mußte Annegret schmunzeln. »Das wird nicht so einfach sein, Mäuschen. Du weißt doch, daß Mama ein eigenes Büro hat und die Verantwortung für einige Mitarbeiter trägt. Außerdem wollen die meisten Leute, daß deine Mama persönlich ihre Häuser entwirft – das kann sie nicht einfach ablehnen, sonst kommen bald keine Leute mehr mit ihren Aufträgen zu ihr. Das verstehst du doch, oder?«
Natalie nickte, obwohl sie eigentlich gar nichts verstand. Sie war der Meinung, daß ihre Mutter nicht so viel arbeiten würde, wenn sie einen Mann hätte.
»Oma?«
»Hm?«
»Warum heiratet Mama denn nicht, dann hat sie den ganzen Tag für mich Zeit, und ich hätte endlich auch einen Papa wie die anderen im Kindergarten.«
Annegret lachte. »Das ist ziemlich schwierig zu erklären, Schätzchen. Ich glaube, deine Mama fühlt sich ohne Mann ganz wohl. Und außerdem gibt es bestimmt nicht so viele Männer, die deiner Mutter – und dir – gefallen würden.«
»Aber Mama ist doch so schön, sie würde bestimmt schnell einen Mann finden.« Natalie hielt der Oma ihren Teller hin. »Darf ich noch einen Puffer haben?«
Annegret stand auf und ging zum Herd. »Aber ja, du scheinst heute wirklich einen gesegneten Appetit zu haben.«
Sie hoffte, daß ihre Enkelin sich mit einem anderen Thema ablenken ließ. »Was habt ihr denn heute im Kindergarten gemacht?«
»Gespielt.« So schnell ließ sich Natalie nicht auf andere Gedanken bringen. »Oma, du mußt Mama davon überzeugen, daß ich einen Papa haben möchte.«
Annegret holte tief Luft und erwiderte: »Ach, Kind. Ich weiß doch, daß die jetzige Situation nicht ganz einfach für dich ist. Aber Mama hat doch viel zu wenig Zeit, um einen Papa für dich zu suchen.«
Schweigend beugte sich die Kleine wieder über ihren Teller. Wenn ihre Mutter keine Zeit hatte, sich einen Mann zu suchen, könnte sie selbst sich ja mal umsehen. Doch davon erzählte sie ihrer Großmutter lieber nichts, die hätte sicherlich kein Verständnis dafür.
*
Bettina Wolters lehnte sich mit geschlossenen Augen in dem bequemen Sessel zurück. Endlich Feierabend! Sie hatte es wieder nicht geschafft, einkaufen zu gehen, und war heilfroh, daß ihre Mutter ihr mit Lebensmitteln fürs Abendbrot ausgeholfen hatte.
»Mama, bist du sehr müde?« Natalies zaghaftes Stimmchen neben sich ließ Bettina schnell wieder die Augen öffnen.
»Es geht.« Sie strich ihrer kleinen Tocher mit einer zärtlichen Geste über die Wange. »Warte noch fünf Minuten, dann mache ich dir etwas zu essen.«
Die Kleine nickte geduldig. »Du hast immer viel Arbeit, nicht?«
»Ja, mein Schatz. Schließlich muß ich für uns beide sorgen und die Kosten für unsere Wohnung zahlen. Das kostet einiges im Monat.«
Natalie dachte einen Augenblick mit gerunzelter Stirn nach. Dann fragte sie: »Wenn du noch Leute einstellen würdest, hättest du doch weniger Arbeit, oder?«
Bettina beugte sich vor und erwiderte: »Weißt du, mein Engel, die Hauptarbeit werde immer ich machen, ganz egal, wie viele Mitarbeiter ich noch einstellen würde. Schließlich bin ich die Chefin – und außerdem…«, sie seufzte,
»… könnte ich es mir nicht leisten, noch mehr Personal einzustellen. Aber das verstehst du noch nicht.« Sie erhob sich, um in die Küche zu gehen.
Natürlich verstand Natalie! Daß die Erwachsenen sie immer für zu dumm hielten, machte sie ärgerlich. Sie hüpfte der Mutter nach und blieb an der geöffneten Küchentür stehen.
»Warum suchst du dir nicht einen Mann, der für uns beide das Geld verdient?« fragte sie forsch. »Dann wärst du abends auch nicht mehr so müde.«
Bettina hielt im Brotaufschneiden inne und blickte überrascht auf. »Na, du kommst ja auf Ideen.«
»Die meisten Mütter von meinen Freunden sind den ganzen Tag zu Hause, weil die Väter Geld verdienen«, erklärte die Kleine ernst. »Und deshalb dachte ich…«
»Deshalb dachtest du, daß ich es ebenso machen könnte, ja?« Bettina mußte schmunzeln. »Ach, Schatz. Selbst, wenn ich einen Mann hätte, würde ich deswegen mein Geschäft nicht aufgeben. Dafür habe ich jahrelang studiert.«
»Aber du könntest weniger arbeiten!« rief Natalie trotzig und trat näher. »Und ich möchte so gerne einen richtigen Papa haben wie andere Kinder.«
Bettina legte das Brotmesser fort und hockte sich vor ihre Tochter. Ihr Stimmchen hatte so traurig geklungen, daß es Bettina fast das Herz brach. »Es ist nicht ganz einfach, einen lieben Papa zu finden.« Dabei dachte sie mit Schaudern an Olaf, Natalies leiblichen Vater.
Natalie zog einen Flunsch. »Das hat Oma auch schon gesagt – aber ich könnte dir doch dabei helfen, einen zu suchen.«
»Untersteh’ dich!« rief Bettina entsetzt. »Was Oma gesagt hat, ist sehr vernünftig, Schätzchen.«
Sie stand wieder auf und deckte den Küchentisch. »Nun laß mal das Köpfchen nicht hängen, wir beide haben es doch schön hier. Und bei der Oma bist du doch auch sehr gerne, oder?«
»Ja, ich habe die liebste Oma der Welt«, gab Natalie spontan zurück und lächelte zu Bettinas Erleichterung. »Und sie hat den schönsten Garten auf der ganzen Welt und macht die besten Kartoffelpuffer der Welt…«
Bettina lachte. »Du machst mich ja richtig eifersüchtig. Möchtest du Pfefferminztee oder Kakao haben?«
»Kakao«, entschied das Mädchen rasch. »Den ollen Pfefferminztee muß ich doch immer im Kindergarten trinken.«
»Der ›olle‹ Pfefferminztee ist aber sehr gesund«, erwiderte Bettina, stellte dann jedoch das Milchtöpfchen auf den Herd. Als Wiedergutmachung für die wenige Zeit, die sie mit ihrer Tochter verbringen konnte, verwöhnte sie die Kleine gerne.
Während des Essens erzählte Natalie voller Begeisterung von ihrem Vormittag im Kindergarten. Sie hatte das zwar alles schon ihrer Großmutter geschildert, aber auch Mama sollte immer auf dem neuesten Stand sein.
»Sag’ mal, was hältst du davon, wenn wir am Sonntag in den Zoo gingen?« fragte Bettina, als Natalie in ihrem Bettchen lag und auf die Gute-Nacht-Geschichte wartete.
Natalies müde Augen weiteten sich überrascht. »Wirklich? Du mußt nicht arbeiten?«
»Ach, jetzt halte mir doch nicht ständig unter die Nase, daß ich hin und wieder am Wochenende den Schreibkram erledigen muß«, schimpfte Bettina sanft. »Ich verspreche dir hiermit hoch und heilig, daß ich mich diesmal nur um dich kümmern werde.«
Natalie richtete sich auf und umarmte ihre Mutter. »Ich freue mich so, Mama!«
Bettina war gerührt von der Dankbarkeit ihrer Tochter, und sogleich beschlich sie wieder ein schlechtes Gewissen. Ja, es wäre schön, wenn sie weniger Zeit bei der Arbeit und dafür mehr Zeit mit Natalie verbringen könnte…
*
Bis zum Wochenende redete Natalie kaum von etwas anderem als von dem bevorstehenden Zoobesuch. Annegret hörte der Kleinen geduldig zu, wenn sie immer und immer wieder den Tagesablauf plante.
»Ob Mama mit mir danach in einen Hamburger-Imbiß geht?« fragte sie zweifelnd. »Die habe ich schon lange nicht mehr gegessen.«
Annegret legte ihr Strickzeug zur Seite. Sie saß mit ihrer Enkelin auf der Terrasse hinter ihrem schmucken Siedlungshäuschen, das sie nach dem Tode ihres Mannes allein bewohnte.
»Wenn du Mama lieb bittest, geht sie bestimmt mit dir dorthin, um so einen fürchterlichen Hamburger zu essen«, sagte sie und schüttelte sich übertrieben. »Ich für meinen Teil würde einen leckeren Eisbecher vorziehen.«
Natalie rutschte aufgeregt auf ihrem Gartenstuhl hin und her. »Kann ich ja danach noch essen.«
»Ja, und dann verdirbst du dir den Magen und mußt im Bett liegen bleiben«, sagte Annegret schmunzelnd und nahm das Strickzeug wieder auf. Sie arbeitete an einem Jäckchen für Natalie, denn die Abende wurden langsam kühler. »Morgen können wir die ersten Pflaumen ernten. Hast du Lust, mir beim Einkochen zu helfen?«
»Na klar«, gab Natalie erfreut zurück. »Und ich sammle alle Pflaumen auf, die auf dem Rasen liegen, dann mußt du dich nicht so mit deinem alten Rücken bücken.«
Annegret sah verblüfft auf. Das hatte sie nun davon! Erst kürzlich hatte sie erwähnt, daß sie nicht mehr die Jüngste war, als Natalie einen Wettlauf mit ihr veranstalten wollte.
»Das ist sehr lieb von dir, mein Kind.« Annegret blickte lächelnd zu ihrem kleinen Sonnenschein hinüber, der da so unschuldig saß und grinste. Was sie nicht wußte, war, daß der Sonnenschein sich bereits vorgenommen hatte, während des Zoobesuchs am Sonntag nach einem Heiratskandidaten für ihre Mutter zu suchen…
*
Zu Natalies großer Enttäuschung gefiel ihr keiner der männlichen Zoobesucher besonders. Entweder waren sie mit ihrer ganzen Familie da oder sahen aus, als würden sie keine kleinen Mädchen mögen.
Bettina fiel nicht auf, daß ihre Tochter mehr Ausschau nach Besuchern als nach den vielen Tieren hielt. Sie genoß es, den Tag ohne Zeitdruck mit Natalie verbringen zu können, und fühlte sich sehr glücklich dabei. Sie wünschte sich, daß es mehr von solchen Tagen gäbe – doch da war ihr Architektenbüro, das auf dem besten Wege war, eines der erfolgreichsten der Stadt zu werden.
Während Natalie vor dem Schimpansengehege stand und den Affen Grimassen schnitt, setzte sich Bettina auf eine der Bänke in der Nähe. Sie musterte die anderen Besucher und fühlte plötzlich einen Stich vor Neid, als sie die vielen jungen Familien sah. Und zum ersten Mal seit der Enttäuschung mit Natalies Vater spürte sie Sehnsucht nach einem Mann, der sie liebevoll in die Arme nahm und ihrer Tochter ein guter Vater war.
»Mama, ich habe Hunger.« Unvermittelt stand die Kleine neben der Bank. »Können wir nicht was essen?«
»Aber natürlich.« Bettina war erleichtert, daß Natalie sie auf andere Gedanken brachte. »Worauf hast du denn Appetit?«
»Auf Hamburger«, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. »Auf ganz viele Hamburger.«
Bettina lachte. »Die gibt es hier nicht. Wie wäre es, wenn wir uns im Zoorestaurant eine Kleinigkeit bestellen und auf dem Heimweg in einen Imbiß einkehren würden?«
Das Mädchen nickte begeistert und lief zurück zu ihren geliebten Affen. Ein Schimpansenbaby hatte es ihr ganz besonders angetan; es sah so drollig und putzig aus, daß Natalie sich vor Lachen krümmte.
Den Mann neben sich bemerkte sie erst, als er bereits mehrere Minuten neben ihr stand. »Die Affen gefallen dir, nicht wahr?«
»Ja, sie sehen fast aus wie Menschen.«
Der Mann erwiderte schmunzelnd: »Sie benehmen sich auch wie manche Menschen, nicht wahr?«
Natalie hielt kichernd die Hand vor den Mund. Dieser Mann hatte Humor und sah eigentlich ganz sympathisch aus – auch wenn er bereits etwas älter war und schon eine Glatze hatte.
»Bist du mit deinen Eltern hier?« fragte der Mann. »Und wo sind sie?«
Natalie wies auf die Bank, auf der Bettina noch immer saß und mit geschlossenen Augen die Sonnenstrahlen genoß. »Da drüben ist meine Mutter, einen Papa habe ich leider nicht.« Fast hätte sie gefragt, ob er nicht Lust hätte, ihre Mama näher kennenzulernen.
»Das ist aber schade«, sagte der fremde Mann bedauernd. »Ich habe auch zwei kleine Töchter. Ich bin nämlich mit meiner Frau und meinen Kindern hier vor diesem Gehege verabredet.«
Enttäuscht wendete sich Natalie ab. Wieder Fehlanzeige! Als der Mann dann auch noch einer jungen Frau mit zwei Mädchen an den Händen zuwinkte, ging Natalie zu ihrer Mutter zurück. Vielleicht gab es im Hamburger-Restaurant ein paar nette Männer, die als Väter in Frage kämen…
*
Interessiert lauschte Annegret Wolters dem Bericht der Enkelin, bei der exakten Beschreibung der Schimpansen mußte sie herzhaft lachen. »Du hast wirklich eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe – das wird dir später in der Schule zugute kommen.«
Wie jeden Tag hatte Annegret die Kleine vom nahe gelegenen Kindergarten abgeholt und schlenderte mit ihr nun gemächlich durch die Siedlung. Noch waren die Tage herrlich sonnig und warm, und Annegret bedauerte, daß die Zeit bald vorbei war, in der Natalie den ganzen Nachmittag im Garten spielen konnte.
»Warum kann Mama denn nicht einfach mal Urlaub machen und mit mir verreisen, Omi?« fragte Natalie, als Annegret das Gartentor öffnete. »Das hat sie doch früher auch gemacht.«
»Ja, aber da war sie noch in einer Firma angestellt. Jetzt, wo Mama ihr eigenes Büro hat, geht das nicht mehr so einfach.«
