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Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Das fröhliche Lachen des kleinen Jungen drang durch das weit geöffnete Küchenfenster, und während Verena Fischer die Kartoffeln schälte, warf sie immer wieder einen Blick in den Vorgarten, in dem ihr dreijähriger Sohn Jan und ihr Lebensgefährte Ralf versuchten, Maikäfer zu fangen. Gerührt wandte sich Verena ab, damit das Mittagessen pünktlich fertig wurde. Mit der derzeitigen Situation war sie rundum glücklich, denn sie hatte eine harte Zeit hinter sich, als sie den gut aussehenden Heizungsbauer Ralf Böcking kennen lernte. Das war neun Monate zuvor gewesen, und als Ralf sie gefragt hatte, ob sie mit ihrem Söhnchen zu ihm in sein schmuckes Reihenhaus ziehen würde, hatte Verena spontan eingewilligt – und es nicht bereut. Jans Vater hatte sich bereits vor der Geburt abgesetzt, doch Verena war zu stolz gewesen, um ihm nachzurennen, sondern hatte für ihren Knirps alleine gesorgt. Ihr Chef, der Rechtsanwalt Dr. Daniel Steinbach, hatte ein Herz für die allein erziehende Mutter, gab ihr ein übertarifliches Gehalt und sorgte dafür, dass Verena pünktlich Feierabend machte, damit sie Jan vom Kindergarten abholen konnte. Noch immer arbeitete sie in der Kanzlei, obwohl Ralf ihr mehrmals vorgeschlagen hatte, sich nur noch um den Haushalt zu kümmern. Doch das kam für Verena nicht infrage, sie wollte Ralf nicht auf der Tasche liegen und lieber ihr eigenes Geld verdienen. Jan hing mit abgöttischer Liebe an Ralf, in dem der Kleine schnell einen Papa gesehen hatte, denn seinen richtigen Vater hatte er nie zu Gesicht bekommen. »Oh, das riecht aber gut.« Unbemerkt war Ralf in die Küche gekommen und hinter Verena getreten. Er umfasste ihre schmale Taille und küsste zärtlich ihren Nacken. »Niemand macht den Sauerbraten so gut wie du.« Geschmeichelt drehte sich Vere? na um. »Wie war die Maikäferjagd?« »Nicht sehr erfolgreich. Immer, wenn wir glaubten, einen sicher im Glas gefangen zu haben, entwischte er uns. Inzwischen habe ich aufgegeben, und ich vermute, dass Jan auch bald die Lust vergeht.«
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Das fröhliche Lachen des kleinen Jungen drang durch das weit geöffnete Küchenfenster, und während Verena Fischer die Kartoffeln schälte, warf sie immer wieder einen Blick in den Vorgarten, in dem ihr dreijähriger Sohn Jan und ihr Lebensgefährte Ralf versuchten, Maikäfer zu fangen.
Gerührt wandte sich Verena ab, damit das Mittagessen pünktlich fertig wurde. Mit der derzeitigen Situation war sie rundum glücklich, denn sie hatte eine harte Zeit hinter sich, als sie den gut aussehenden Heizungsbauer Ralf Böcking kennen lernte. Das war neun Monate zuvor gewesen, und als Ralf sie gefragt hatte, ob sie mit ihrem Söhnchen zu ihm in sein schmuckes Reihenhaus ziehen würde, hatte Verena spontan eingewilligt – und es nicht bereut.
Jans Vater hatte sich bereits vor der Geburt abgesetzt, doch Verena war zu stolz gewesen, um ihm nachzurennen, sondern hatte für ihren Knirps alleine gesorgt. Ihr Chef, der Rechtsanwalt Dr. Daniel Steinbach, hatte ein Herz für die allein erziehende Mutter, gab ihr ein übertarifliches Gehalt und sorgte dafür, dass Verena pünktlich Feierabend machte, damit sie Jan vom Kindergarten abholen konnte.
Noch immer arbeitete sie in der Kanzlei, obwohl Ralf ihr mehrmals vorgeschlagen hatte, sich nur noch um den Haushalt zu kümmern. Doch das kam für Verena nicht infrage, sie wollte Ralf nicht auf der Tasche liegen und lieber ihr eigenes Geld verdienen.
Jan hing mit abgöttischer Liebe an Ralf, in dem der Kleine schnell einen Papa gesehen hatte, denn seinen richtigen Vater hatte er nie zu Gesicht bekommen.
*
»Oh, das riecht aber gut.« Unbemerkt war Ralf in die Küche gekommen und hinter Verena getreten.
Er umfasste ihre schmale Taille und küsste zärtlich ihren Nacken. »Niemand macht den Sauerbraten so gut wie du.«
Geschmeichelt drehte sich Vere?na um. »Wie war die Maikäferjagd?«
»Nicht sehr erfolgreich. Immer, wenn wir glaubten, einen sicher im Glas gefangen zu haben, entwischte er uns. Inzwischen habe ich aufgegeben, und ich vermute, dass Jan auch bald die Lust vergeht.«
Kaum hatte er die letzten Worte ausgesprochen, kam Jan in die Küche gestürmt, mit erhitztem Gesichtchen und zerzausten blonden Haaren.
Er stellte das leere Marmeladenglas auf den Tisch und sagte grinsend: »Wenn Ralf schneller gewesen wäre, hätten wir alle Maikäfer gefangen, die auf dem Baum saßen.«
»Was höre ich da?« In gespielter Empörung stemmte Ralf seine Fäuste in die Hüften. »Na warte, wenn ich dich erwische!«
Jauchzend flitzte Jan davon, Ralf dicht auf den Fersen. Sekunden später hörte Verena beide lauthals im Badezimmer lachen, wo sie sich die Hände wuschen.
Verena hatte sich immer gewünscht, dass ihr Sohn ein normales Familienleben haben konnte, und mit Ralfs Erscheinen war dieser Traum in Erfüllung gegangen.
*
Später saßen die Erwachsenen auf der sonnigen Terrasse, während Jan fröhlich in dem kleinen Wasserbecken planschte, das Ralf eigens für den Kleinen angeschafft hatte.
Wohlig seufzte Verena auf. Ihr erschien es noch immer wie ein Wunder, dass sie einen verständnisvollen Mann wie Ralf kennen gelernt hatte, für den Jan nicht ein lästiges Anhängsel, sondern ein Sohn war.
Er warf ihr einen schiefen Blick zu. »Warum seufzt zu denn? Ist dir die Sonne zu heiß? Dann können wir gerne wieder ins Haus gehen.«
»Nein, nein! Im Gegenteil, es ist so schön hier draußen nach den vielen Regentagen. Ich habe nur geseufzt, weil ich so glücklich bin.«
Ralf rückte näher an sie heran und strich ihr liebevoll eine blonde Locke aus der Stirn. »Bist du wirklich wunschlos glücklich?«
»Aber ja. Du etwa nicht?«
Seine Hand sank herab, und sein Gesicht nahm einen bekümmerten Ausdruck an. Halbherzig winkte er Jan zu, der bettelte, dass sein Stiefvater zu ihm ins Planschbecken steigen sollte.
Alarmiert richtete sich Verena auf. »Warum siehst du plötzlich so betrübt aus? Habe ich etwas Falsches gesagt?«
»Natürlich nicht, Liebling.« Wie auf Kommando setzte Ralf wieder sein Lausbubenlächeln auf. »Ich bin auch sehr glücklich ...«
»Aber?«
»Na ja«, er fuhr sich nervös durch die Haare, »ich habe mir immer eine Familie gewünscht, das weißt du. Du und Jan, ihr seid mein Leben, doch unsere Beziehung wäre durch ein gemeinsames Kind erst vollkommen.«
Wortlos nickte Verena; es war nicht zum ersten Mal, das Ralf seinen Kinderwunsch zur Sprache brachte. Doch eigentlich war sie nach den Jahren der Entbehrungen noch nicht bereit für ein weiteres Kind, das hatte sie bereits mit Ralf besprochen.
»Irgendwann werden wir ein Baby haben«, sagte sie schließlich in überzeugendem Ton. »Gib mir noch ein wenig Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, Schatz.«
Ralfs Grinsen fiel eher kläglich aus, als er erwiderte: »Wozu warten? Wir werden beide nicht jünger.«
»Du klingst, als stünden wir kurz vor dem Vergreisen«, gab sie lachend zurück. »Ich bin erst siebenundzwanzig und du einunddreißig, viele Paare denken in diesem Alter noch gar nicht an Nachwuchs.«
Umständlich goss Ralf sich eine weitere Tasse Kaffee ein. »Das mag stimmen, aber denk doch nur an meine Position. Ich bin nicht Jans leiblicher Vater, und das schmerzt manchmal so sehr.«
Verena stand auf, trat zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß. »Das bist du mehr als sein biologischer Vater. Der Junge liebt dich voller Hingabe, und du liebst ihn auch.«
Ralf hauchte kleine Küsse auf ihren nackten Arm. »Gut, das waren einige Argumente gegen ein gemeinsames Baby. Aber was spricht dagegen? Hast du Angst um deine Selbstständigkeit, wenn du wieder ein Baby hast? Immerhin könntest du dann nicht mehr in der Kanzlei arbeiten, weil du ans Haus gebunden wärst.«
Verena überlegte sich die folgenden Worte gründlich, denn sie wollte Ralf nicht vor den Kopf stoßen. Er war so großzügig und liebevoll zu ihr und ihrem Sohn, er hatte es nicht verdient, enttäuscht zu werden.
Sie räusperte sich, bevor sie vorsichtig sagte: »Ich arbeite gerne, wie du weißt – nicht nur wegen des Geldes. Ich brauche den Umgang mit Menschen, und allein der Gedanke, den lieben langen Tag zu Hause zu sitzen und auf dich zu warten, raubt mir den Verstand. Das verstehst du doch, oder?«
»Nein.« Ralf schüttelte heftig den Kopf. »Nein, das verstehe ich nicht. Ich würde alles darum geben, nicht jeden Morgen aus dem Haus gehen zu müssen, sondern mich um meine kleine Familie kümmern zu dürfen.«
Resigniert erhob sich Verena und setzte sich wieder auf ihren Sonnenstuhl. Eine Weile saßen sie schweigend da und beobachteten Jan, der in seinem Becken imaginäre Seeungeheuer zur Strecke brachte.
»Du traust mir wohl nicht zu, allein für eine vierköpfige Familie zu sorgen«, maulte Ralf schließlich. »Ist es das, was dich beunruhigt?«
»Überhaupt nicht. Du hast einen gutbezahlten Posten und kannst mit Leichtigkeit eine Familie ernähren ... Es ist nur so, dass ich noch nicht meine Selbstständigkeit aufgeben möchte.«
Sie schrak zusammen, als Ralf sich abrupt erhob und die Terrassentür ansteuerte. An der Schwelle blieb er stehen und sagte, ohne sich umzudrehen: »Wenn du mich wirklich lieben würdest, wärst du glücklich, mit mir ein gemeinsames Kind zu haben.«
Bevor Verena protestieren konnte, war er bereits im Haus verschwunden.
»Was hat Ralf denn?« Pitsch?nass kam Jan auf die Terrasse gerannt. »Er hat mir doch versprochen, mit mir zu planschen.«
Verena griff nach dem Badetuch neben sich und begann, den Kleinen abzutrocknen. Sie war irritiert und schockiert über Ralfs Äußerung und wusste nicht recht, wie sie sein Verschwinden erklären sollte.
Doch dann setzte sie ein fröhliches Lächeln auf und sagte betont munter: »Ralf war es zu warm hier draußen. Bestimmt ist er gleich wieder da.«
Tatsächlich erschien Ralf wenig später, bekleidet mit einer Badehose, und gesellte sich wie versprochen zu Jan ins Planschbecken. Allerdings war die gelöste Stimmung dieses wunderschönen Sommertages verdorben, wie Ve?rena zu ihrem Bedauern feststellen musste.
In Jans Beisein gab sich Ralf glücklich und gelöst, doch als der Junge später schlief, sprach Ralf kaum ein Wort mit Verena.
*
Am nächsten Morgen schien seine üble Laune jedoch verflogen zu sein. Er weckte Verena mit einem zärtlichen Kuss, pfiff unter der Dusche sein Lieblingslied und verzehrte mit großem Appetit sein Frühstück.
Verena war darüber sehr erleichtert, allerdings machte sie sich nichts vor. Ralf würde immer wieder auf seinen Kinderwunsch zurückkommen, und sie hoffte, dass er genügend Geduld aufbringen konnte, bis auch sie für ein weiteres Kind bereit war.
Wie üblich plapperte Jan während des Frühstücks ununterbrochen, man konnte ihm ansehen, wie glücklich er war. Obwohl die Woche erst angefangen hatte, machten er und Ralf bereits Pläne für den kommenden Samstag. Jan hatte sich in den Kopf gesetzt, im Garten zu zelten, wenn das schöne Wetter anhielt, und Ralf versprach, sein altes Zelt aus Junggesellentagen aus dem Keller zu holen und aufzubauen.
Er war der Erste, der morgens das Haus verließ, verabschiedete sich von Verena liebevoll, und nichts wies mehr auf seine Verstimmung vom Vortag hin.
Verena blieb noch Zeit, die Küche aufzuräumen, bevor auch sie aufbrechen musste.
»Darf ich im Zelt auch übernachten, Mama?«, bettelte Jan, während er sich sein Kindergartentäschchen umhängte. »Bitte, Mama.«
»Darüber reden wir noch«, gab Verena lächelnd zurück. »Eigentlich ist es mir nicht recht, wenn du da draußen so ganz alleine schläfst.«
»Aber du bist doch in der Nähe, und vielleicht leistet Ralf mir ja Gesellschaft, dann bin ich nachts nicht so allein.«
Darauf erwiderte seine Mutter nichts, sondern ermahnte ihren Sprössling, sich zu beeilen, denn sie wollte nicht zu spät in die Kanzlei kommen. Dr. Steinbach war schon so großzügig, das wollte Verena nicht ausnutzen.
Tatsächlich erreichte sie pünktlich ihren Arbeitsplatz, auf dem sich bereits mehrere Aktenordner häuften. Verena teilte sich ihre Stelle mit einer Kollegin, die bis zum Abend arbeitete.
»Guten Morgen, Frau Fischer!«, grüßte Dr. Steinbach freundlich, der kurz nach Verena eingetroffen war, und wies auf den Aktenstapel. »Es gibt viel zu tun heute, wie Sie sehen. Was steht für heute denn alles im Terminkalender?«
Jeden Morgen gingen sie gemeinsam den Tagesablauf durch, an diesen Tag war der Kalender randvoll.
Dr. Steinach seufzte. »Ich habe den Eindruck, dass sich alle Ehepaare scheiden lassen wollen.« Er machte eine kurze Pause, dann fragte er: »Wie geht es Ihrem Jungen?«
»Prächtig. Seit ich in einer Beziehung lebe, ist Jan wie ausgewechselt. Er und Ralf sind richtige Kumpels, aber dennoch weiß er, wo seine Grenzen sind und hat Res?pekt vor meinem Lebensgefährten.«
Der Anwalt nickte lächelnd. »So sollte es auch sein.«
Verena blickte ihm nachdenklich nach, als er in seinem Büro verschwand. Eigenartig, dass dieser attraktive elegante Mann nicht verheiratet war und Kinder hatte, er würde ein großartiger Vater sein.
Dann beugte sie sich über den Aktenstapel und fuhr den Computer hoch. Während des Vormittags war sie so sehr beschäftigt, dass Ralfs Kinderwunsch und die damit verbundenen Probleme in den Hintergrund traten.
*
Tatsächlich hielt sich das Wetter, und am Freitagnachmittag baute Ralf das Zelt auf – unter Jans fachmännischer Anleitung natürlich. Es hatte dem Jungen kaum Mühe bereitet, Ralf zum gemeinsamen Übernachten im Freien zu überreden, und Verena hatte den Eindruck, dass er sich auf das kleine Abenteuer genauso freute wie ihr Sohn.
»Wenn du dich nachts einsam fühlst, kannst du ja zu uns ins Zelt kriechen«, feixte Ralf später und zwinkerte Verena zu. »Es kann natürlich auch sein, dass unser Knirps plötzlich Angst bekommt und heimlich in unser Bett kommt.«
»Ich glaube weder das eine noch das andere«, erwiderte Verena lachend. »Eher mache ich mir da?rüber Sorgen, dass sich Jan verkühlt, wenn er sich weiterhin weigert, nachts den Jogginganzug anstatt seiner kurzen Shorts anzuziehen.«
Aber auch für dieses Problem fand Ralf schnell eine Lösung. Er schloss mit dem Jungen einen Kompromiss: Ohne Jogginganzug gab es keine Übernachtung im Zelt. Ohne Widerspruch ließ sich der Kleine daraufhin umziehen.
Als Verena schlafen ging, war es im Zelt bereits mucksmäuschenstill. Sie fühlte sich tatsächlich recht verloren in dem großen Bett, und während sie auf den Schlaf wartete, dachte sie daran, wie sehr sie Ralf liebte und dass sie ihn vermisste. Ein schrecklicher Gedanke fuhr ihr durch den Kopf – was wäre, wenn sich Ralf von ihr trennen würde, weil sie sich gegen eine neue Mutterschaft sträubte?
Diese Aussicht ließ sie schwer atmen und unruhig von einer Bettseite auf die andere werfen. Sie wollte Ralf nicht verlieren, nur weil sie eigensinnig und egoistisch war. War es nicht selbstverständlich, dass ein Mann mit der Frau, die er liebte, ein gemeinsames Kind haben wollte?
Bevor Verena einschlief, nahm sie sich fest vor, in Zukunft auf die Pille zu verzichten.
*
Genau drei Monate später war Verena schwanger. Jan jubelte, weil er bald ein Geschwisterchen haben würde, und Ralf schnappte fast über vor Freude. Verena hatte ihm verheimlicht, dass sie die Pille abgesetzt hatte, und so war für Ralf die Überraschung umso größer.
Zärtlich nahm er Verena in die Arme, sah sie liebevoll an und sagte mit vor Ergriffenheit heiserer Stimme: »Du hast mir meinen Herzenswunsch erfüllt, Liebling. Nun werden wir endlich eine vollkommene Familie sein.«
»Verzeih, dass ich mich gegen ein Baby gesträubt habe«, entgegnete sie verlegen und umschlang Ralfs Nacken. »Nachdem ich mich mit diesem Gedanken angefreundet hatte, wollte ich auch so schnell wie möglich schwanger werden. Und nun freue ich mich genauso sehr darüber wie ihr beiden.«
Er blickte ihr tief in die Augen. »Wenn du es dir wegen der Hochzeit doch noch anders überlegen solltest, lass es mich wissen.«
*
Für Verena hatte von Anfang an festgestanden, dass sie zunächst nicht heiraten wollte, daran änderte auch die Schwangerschaft nichts. Und wegen eines Kindes geheiratet werden, wollte Verena schon gar nicht.
»In Ordnung«, sagte sie gespielt feierlich. »Wenn es mich danach gelüstet, in einem weißen Kleid vor dem Traualtar zu stehen, sage ich dir Bescheid.« Sie sah von Ralf zu ihrem Sohn, der mit leuchtenden Augen neben den beiden stand. »Der Einzige, der sich nicht so sehr auf das Baby freuen wird, ist Dr. Steinbach.«
Ralf verzog das Gesicht und winkte ab. »Dein Chef kann uns doch egal sein.«
»Aber er hat viel für mich getan.«
»Na und? Das hat er sicher nicht aus Nächstenliebe gemacht, sondern weil du eine tüchtige Arbeitskraft bist. Er wird schon nicht zu Grunde gehen, wenn er sich nach einem Ersatz für dich umsehen muss.«
Verena mochte es nicht, wenn Ralf so abfällig von Dr. Steinbach sprach, den er noch nicht einmal persönlich kannte. Doch sie behielt ihre Meinung für sich; in diesem Punkt blieb Ralf stets bei seiner Ansicht.
»Das Baby kann mit in meinem Bett schlafen«, schlug Jan aufgeregt vor. »Das ist groß genug für uns beide.«
