So sehr gewünscht – so sehr geliebt - Lisa Simon - E-Book

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Lisa Simon

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Mit kritischem Blick überprüfte Filialleiter Friedrich Bock die Stapel ordentlich zusammengelegter Mohairpullover im Regal seines Bekleidungsgeschäftes. Unsaubere Arbeit fiel ihm sofort ins Auge und wurde umgehend mit einer entsprechenden Rüge bestraft. Doch diesmal schien er zufrieden zu sein und die beiden Verkäuferinnen Daniela Sievers und Nadine Hagen atmeten erleichtert auf. »Der Chef ist heute mal wieder besonders genau«, raunte Nadine der Kollegin zu, die auch gleichzeitig eine gute Freundin war. »Heute kommt doch Herr Waldheim persönlich vorbei.« Danielas Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen. Ihr war schon öfters aufgefallen, daß Olaf Waldheim, der Besitzer der Ladenkette, ihr bewundernde Blicke zuwarf. Der Mann war ungefähr zwanzig Jahre älter als Daniela, sah jedoch umwerfend gut aus und hatte eine athletische, gut durchtrainierte Figur. Insgeheim schwärmte Daniela für Olaf Waldheim, träumte davon, daß er eines Tages vor ihr auf die Knie fallen und ihr seine heimliche Liebe gestehen würde. Immerhin war Daniela mit ihren zwanzig Jahren noch nie in ihrem Leben richtig verliebt gewesen. Nadine stieß ihren Ellenbogen unsanft in Danielas Seite und zischte: »Sag' mal, wo bist du gerade mit deinen Gedanken? Herr Bock hat eben zu uns gesagt, daß wir morgen mit der Inventur beginnen sollen – und du grinst ihn auch noch dankbar an!« »Entschuldige«, murmelte Daniela verlegen und wurde prompt rot. »Ich war tatsächlich mit meinen Gedanken ganz woanders. Hat der Chef wirklich gesagt, wir sollen schon morgen mit der Inventur anfangen?« Nadine nickte heftig. »Und zwar nach Feierabend – und dabei wollte ich morgen endlich mal wieder ins Fitneßcenter gehen…« Eine gutgekleidete Dame hatte die kleine, jedoch exklusive Boutique betreten und blickte sich suchend um.

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Mami – 1962 –So sehr gewünscht – so sehr geliebt

Leid bleibt Daniela dennoch nicht erspart

Lisa Simon

Mit kritischem Blick überprüfte Filialleiter Friedrich Bock die Stapel ordentlich zusammengelegter Mohairpullover im Regal seines Bekleidungsgeschäftes. Unsaubere Arbeit fiel ihm sofort ins Auge und wurde umgehend mit einer entsprechenden Rüge bestraft. Doch diesmal schien er zufrieden zu sein und die beiden Verkäuferinnen Daniela Sievers und Nadine Hagen atmeten erleichtert auf.

»Der Chef ist heute mal wieder besonders genau«, raunte Nadine der Kollegin zu, die auch gleichzeitig eine gute Freundin war. »Heute kommt doch Herr Waldheim persönlich vorbei.«

Danielas Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen. Ihr war schon öfters aufgefallen, daß Olaf Waldheim, der Besitzer der Ladenkette, ihr bewundernde Blicke zuwarf. Der Mann war ungefähr zwanzig Jahre älter als Daniela, sah jedoch umwerfend gut aus und hatte eine athletische, gut durchtrainierte Figur.

Insgeheim schwärmte Daniela für Olaf Waldheim, träumte davon, daß er eines Tages vor ihr auf die Knie fallen und ihr seine heimliche Liebe gestehen würde. Immerhin war Daniela mit ihren zwanzig Jahren noch nie in ihrem Leben richtig verliebt gewesen.

Nadine stieß ihren Ellenbogen unsanft in Danielas Seite und zischte: »Sag’ mal, wo bist du gerade mit deinen Gedanken? Herr Bock hat eben zu uns gesagt, daß wir morgen mit der Inventur beginnen sollen – und du grinst ihn auch noch dankbar an!«

»Entschuldige«, murmelte Daniela verlegen und wurde prompt rot. »Ich war tatsächlich mit meinen Gedanken ganz woanders. Hat der Chef wirklich gesagt, wir sollen schon morgen mit der Inventur anfangen?«

Nadine nickte heftig. »Und zwar nach Feierabend – und dabei wollte ich morgen endlich mal wieder ins Fitneßcenter gehen…«

Eine gutgekleidete Dame hatte die kleine, jedoch exklusive Boutique betreten und blickte sich suchend um. Sofort machte der Filialleiter eine unauffällige Kopfbewegung zu seinen beiden Verkäuferinnen.

»Ich werde die Kundin bedienen«, sagte Nadine. »Und du kannst dich derweil schon mal im Lager umsehen und unsere Bestände sortieren. Dann geht es morgen schneller mit dem Zählen.«

»In Ordnung – und viel Spaß mit der Kundin. Sie sieht aus, als wäre sie sehr wählerisch.« Daniela zwinkerte der Freundin zu und verschwand durch den roten Samtvorhang in den hinteren Teil des Geschäftes.

Während sie Kartons und Kisten mit Ware öffnete, blickte sie immer wieder zur Uhr. Sie wollte unbedingt fertig sein, wenn Olaf Waldheim der Filiale einen Besuch abstattete, um wenigstens einen Blick auf ihn werfen zu können.

Eine halbe Stunde später hatte Daniela den Bestand sortiert, so daß es am nächsten Tag zügig mit dem Zählen vorangehen konnte. Dank Herrn Bocks akribischer Genauigkeit gab es auch im Lagerraum der Boutique keine Unordnung.

Als Daniela zurück in den Verkaufsraum trat, war Nadine noch immer mit der Kundin beschäftigt. Auf einem der Verkaufstische hatte Nadine bereits einen Stapel Seidenblusen in den verschiedensten Farben ausgebreitet; doch die elegante Dame schien noch immer nicht das gefunden zu haben, wonach sie suchte.

»Frau Sievers, übernehmen Sie doch bitte«, sagte der Filialleiter leise. »Frau Hagen scheint Probleme mit der Kundin zu haben.«

Daniela konnte nur mühselig ihre Wut ausdrücken. Nadine traf keine Schuld, wenn einige Frauen so wählerisch waren und nicht das Richtige fanden.

Dankbar lächelte Nadine der Freundin zu. »Die Dame sucht eine Bluse, die eine schlanke Figur macht und zu ihrem Kaffeeservice paßt.«

Erstaunt blickte Daniela zu der etwas molligen Frau. »Ja, wie sieht denn Ihr Service aus?«

Diskret machte sich Nadine aus dem Staub, froh darüber, sich nicht mehr mit der unzufriedenen Kundin herumärgern zu müssen.

»Es ist weiß mit blauen Fresien«, erwiderte die Frau von oben herab. »Doch wie ich sehe, gibt es in diesem Geschäft nicht das Passende für mich…«

Erschrocken blickte sich Daniela um. Friedrich Block haßte nichts mehr als Kunden, die die Boutique verließen, ohne etwas gekauft zu haben – und ließ seinen Ärger darüber oft genug an den beiden Verkäuferinnen aus.

»Wie wäre es mit diesem Stück?« Daniela nahm vorsichtig eine weitere Bluse vom Bügel. »Es handelt sich um ein außergewöhnliches Einzelstück.«

Die Kundin blickte skeptisch. »Aber die ist doch viel zu bunt, Fräulein!«

»Überhaupt nicht. Sehen Sie dieses Blau? Es ist genau die Farbe von Fresien – und wenn Sie die Bluse zur Kaffeetafel tragen wollen und einen bunten Frühlingsstrauß auf den Tisch stellen, werden Sie feststellen, daß all diese Blumen auch in der Bluse vorhanden sind.«

Das schien die Frau zu überzeugen, und zog sich mit dem Kleidungsstück in eine der Umkleidekabinen zurück.

»Eine Bluse passend zum Kaffeegeschirr«, flüsterte Nadine leise. »Auf solche Ideen können aber auch nur Leute mit viel Geld kommen.«

Daniela hob die Schultern. »Hauptsache, wir werden den Ladenhüter vom letzten Jahr los.«

Die beiden jungen Frauen warfen sich einen verschwörerischen Blick zu, als die Kundin mit hochzufriedenem Blick aus der Kabine kam. »Ich danke Ihnen für die Beratung. Sie haben vollkommen recht, mit diesem Stück werde ich bei meinen Freundinnen Eindruck machen.«

Erleichtert nahm Daniela die Bluse und trug sie zur Kasse, wo Friedrich Bock schon wartete. Die Kundin zahlte den Preis von zweihundert Mark ohne mit der Wimper zu zucken und dankte mit einem Nicken zu Daniela für die fachmännische Beratung.

Herr Bock geizte zwar nie mit Kritik, jedoch häufig mit Lob. Doch diesmal sagte er: »Beeindruckend, wie Sie die letzte Bluse aus der alten Kollektion losgeworden sind.«

Bevor Daniela antworten konnte, ging erneut die Ladenglocke, und Olaf Waldheim betrat sein Geschäft. Sofort stürzte Friedrich Bock auf ihn zu und verbeugte sich leicht vor seinem Arbeitgeber.

»Guten Tag, Herr Waldheim. Möchten Sie gleich die Bücher sehen?«

Olaf Waldheim blickte sich suchend um und entdeckte Daniela, die schnell zu Nadine hinübergeeilt war, um ihr beim Aufräumen der Seidenblusen zu helfen. Dabei tat sie, als würde sie die Blicke des Mannes gar nicht bemerken.

»Nicht so hastig, Herr Bock«, erwiderte Waldheim lachend. »Erst einmal möchte ich einen Blick auf die Herbst-Winter-Kollektion werfen.«

»Selbstverständlich.« Der Filialleiter nickte diensteifrig. »Ich habe mich beim Einkauf auf die Bedürfnisse unserer Stammkundinnen konzentriert.«

Der andere nickte zufrieden. »Vielleicht könnte eine der Damen mir die Kollektion zeigen?«

Sein Blick streifte Daniela erneut, die jedoch tat, als würde sie das Gespräch der Männer nicht interessieren. Aber im Inneren bebte sie vor Anspannung, und als Friedrich Bock nach ihr rief, hob sie in gespieltem Erstaunen den Kopf.

Ihre Hände zitterten leicht, als sie das eine oder andere Kleidungsstück auseinander faltete, vor Olaf Waldheim ausbreitete und eine passende Erklärung dazu hatte.

»Wie lange arbeiten Sie eigentlich schon in meinem Geschäft?« unterbrach Waldheim sie schließlich. »Sie machen Ihre Sache sehr gut.«

Daniela strich das halblange, dunkle Haar mit einer verlegenen Geste nach hinten. »Seit einem halben Jahr, vorher war ich in einem Kaufhaus beschäftigt. Meine Freundin Nadine – ich meine Frau Hagen – vermittelte mir die Arbeit in dieser Boutique.«

»Aha. Und sind Sie zufrieden?«

»O ja, sehr sogar«, gab Daniela schnell zurück. Es war das erste Mal, daß Olaf Waldheim mit ihr direkt sprach. »Es ist hier viel ruhiger und gepflegter als im Kaufhaus, und auch der Kundenkreis ist sehr viel niveauvoller.«

Waldheim nickte lächelnd. »Schön zu hören. Ich danke Ihnen vielmals, daß Sie mich in unsere neue Kollektion eingeführt haben.« Er blickte auf seine goldene Armbanduhr. »Jetzt muß ich mich aber beeilen, mein Flugzeug geht in einer guten Stunde.«

Er hatte nicht nur das Stammgeschäft von Waldheim-Moden exklusiv in Berlin, sondern lebte auch dort. Hin und wieder stattete er seinen Geschäften, die im ganzen Land verstreut waren, sporadische Besuche ab, um sich persönlich vom Zustand der einzelnen Filialen zu überzeugen. Dies alles wußte Daniela von Herrn Bock.

Sehnsüchtig blickte sie Olaf Waldheim nach, als er mit elastischen Schritten das Geschäft verließ.

*

Erst spät am Samstagabend war die leidige Inventur abgeschlossen, und Daniela freute sich auf ein warmes Bad. Ihre Überraschung war groß, als sie im Briefkasten ein schmales Kuvert vorfand, dessen Absender niemand anderes als Olaf Waldheim war!

Mit klopfendem Herzen öffnete Daniela den Umschlag. Für einen Augenblick befürchtete sie ihre Kündigung, doch dann sah sie, daß ihr Chef etwas ganz anderes im Sinn hatte: Auf reinweißem Büttenpapier lud er sie für seinen nächsten Aufenthalt in Niederbach zum Essen ein!

Immer wieder las Daniela in ungläubigem Staunen die wenigen Zeilen. Einen Moment spielte sie mit dem Gedanken, Nadine anzurufen, doch dann fand sie, daß es noch früh genug war, die Freundin am Montag im Geschäft einzuweihen.

Was mochte Olaf Waldheim denn nur von ihr wollen? Daran zu denken, daß er möglicherweise tatsächlich ein persönliches Interesse an ihr hatte, fand sie zu absurd.

Daniela war viel zu aufgeregt, um den freien Sonntag zu genießen. Rastlos eilte sie in ihrer kleinen Wohnung auf und ab, nahm eine Hausarbeit auf, um sie im nächsten Augenblick wieder niederzulegen und weiter hektisch von einem Raum zum anderen zu gehen.

Sie konnte an nichts anderes denken als an Olaf Waldheims Einladung. Stunden verbrachte Daniela an diesem Tag mit kritischem Blick vor dem Spiegel – war sie hübsch genug, um einem Mann wie Olaf zu gefallen?

Doch an ihrem Spiegelbild gab es nichts auszusetzen. Das brünette Haar lag locker auf ihren schmalen Schultern, ihr Gesicht war von einer beneidenswerten Ebenmäßigkeit, und mit ihrer schlanken Figur hätte sie auch als Fotomodell Geld verdienen können.

Als am Sonntagabend das Telefon schrillte, durchfuhr Daniela ein eisiger Schreck. Das konnte nur Olaf Waldheim sein, der sich für das Versehen, sie zum Essen eingeladen zu haben, entschuldigen wollte!

Doch es war Nadine, die sich für den kommenden Vormittag frei nehmen wollte. »Ich habe meiner Mutter doch versprochen, sie zum Arzt zu fahren, mit dem Gipsfuß kann sie schlecht die Straßenbahn benutzen. Zu dumm, daß sie nicht an meinem freien Tag einen Termin bekommen hat.«

»Schon gut, ich werde dich bei Herrn Bock entschuldigen«, erwiderte Daniela sofort. »Am Montag ist ohnehin nicht viel los bei uns, das schaffe ich schon alleine.«

Nadine atmete hörbar auf. »Du bist ein Engel. Gibt es etwas Neues bei dir?«

»Nun, das könnte man sagen…« Nur eine Sekunde lang zögerte Daniela, dann erzählte sie von dem Brief Olaf Waldheims. »Was meinst du, soll ich die Einladung annehmen?«

Die Freundin schwieg zunächst verblüfft, dann sagte sie: »Na ja, ich würde es schon tun – immerhin ist er dein Chef. Ich glaube, ich weiß auch, was er von dir will…«

»Ach ja?« Danielas Herz schlug um einige Takte schneller.

»Seit dem Tag, als du in der Boutique zu arbeiten angefangen hast, ist mir aufgefallen, daß er dich sehr interessiert mustert.«

Daniela tat erstaunt. »Tatsächlich?«

»Tatsächlich.« Nadine kicherte. »Tu nicht so, als hättest du das nicht bemerkt! Aber ich kann dich nur davor warnen, dich von seinem Charme einwickeln zu lassen.«

»Ich weiß gar nicht, was du meinst«, hauchte Daniela in den Hörer. »Ich finde Herrn Waldheim äußerst attraktiv.«

Nadine seufzte. »Ach, Daniela, er ist nicht nur dein Vorgesetzter, sondern könnte vom Alter her fast dein Vater sein. Versprich mir, daß du keine Dummheiten begehst.«

»Wo denkst du hin? Ich werde bestimmt nicht vergessen, daß ich seine Angestellte bin. Aber davon ganz abgesehen – ich mag Männer in reiferem Alter, mit jungen Männern weiß ich gar nichts anzufangen.«

Wieder kicherte Nadine. »Seit wann ist dir denn das bewußt geworden? Doch nicht etwa, nachdem du Olaf Waldheim kennengelernt hast?«

»Nein, dieser Meinung war ich schon immer«, gab Daniela leicht verärgert zurück. Sie mochte es nicht, daß die Freundin die Schwärmerei für ihren Chef nicht ernst nahm.

*

Voller Ungeduld wartete Daniela in den folgenden Tagen, daß sich Olaf Waldheim wieder für einen Besuch in der Boutique anmeldete. Doch es sollten drei weitere Wochen vergehen, bis Friedrich Bock mit hektischen Flecken im Gesicht verkündete, daß der Geschäftsinhaber wieder zur Kontrolle kommen wollte.

In der Mittagspause zupfte Daniela etwas nervös an ihren Haaren. »Wenn ich vorher gewußt hätte, daß er heute kommt, hätte ich einen Termin beim Friseur gemacht.«

Nadine schickte einen bezeichnenden Blick zur Zimmerdecke. »Jetzt übertreibe aber nicht. Du bist hübsch genug – und im übrigen viel zu jung für Herrn Waldheim.«

»Fängst du schon wieder damit an?« Daniela stöhnte leise auf. »Man könnte fast annehmen, daß du neidisch bist.«

Verblüfft ließ Nadine ihr Wurstbrot sinken. »Du tust mir Unrecht. Aber wir sind Freundinnen, und ich möchte einfach nicht, daß du von einem Mann wie Olaf Waldheim enttäuscht bist.«

»Du glaubst also nicht, daß er ein ehrliches Interesse an mir hat?« fragte Daniela unsicher. »Er will mich nur zum Narren halten, denkst du?«

Nadine hob abwehrend die Hände. »Das habe ich nicht gesagt! Doch für Männer wie er sind blutjunge attraktive Frauen meistens doch nur ein Spielzeug.«

»Ich denke, du irrst dich. Überleg’ doch mal: Ich bin seine Angestellte, die Leute könnten schlecht über ihn reden, wenn sie es erführen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Herr Waldheim ein Mensch ist, der es auf einen Skandal anlegt.«

Nadine warf ihr Butterbrotpapier in den Mülleimer. »Berlin ist weit weg, Daniela. Niemand dort würde etwas erfahren, wenn er in einem Provinzstädtchen wie Niederbach eine Affäre mit einer kleinen Angestellten anfangen würde.«

Doch Daniela hörte kaum zu, was die Freundin sagte. Fieberhaft überlegte sie, was sie anziehen sollte, wenn Olaf Waldheim sein Versprechen wahr machte und sie am Abend zum Essen einlud. Nadines besorgte Blicke übersah sie geflissentlich.

Als Waldheim dann schließlich sein Geschäft betrat, beriet Daniela gerade eine Kundin, die sich partout nicht zwischen zwei Cocktailkleidern entscheiden konnte. Aus den Augenwinkeln sah sie jedoch, daß Olaf sie aufmerksam musterte.

Erst, als die Kundin die Boutique wieder verlassen hatte, nickte Daniela ihrem Chef mit einem schüchternen Lächeln zu. Auf seiner Miene stand eindeutig die Frage, ob sie seine Einladung annehmen würde.

»Herr Bock hat nicht schlecht gestaunt, als ich sagte, daß ich Sie zu um acht Uhr zu Hause abhole«, sagte Olaf Waldheim gutgelaunt, als Daniela abends etwas steif neben ihm in seinem italienischen Sportwagen saß. »Ich schätze, der gute Mann hat für den Rest des Tages nichts anderes zu tun, als darüber nachzugrübeln, warum wir beide uns treffen.«

Obwohl auch Daniela dies noch nicht genau wußte, stimmte sie in sein Lachen ein, verteidigte den Filialleiter jedoch sofort. »Herr Bock ist ein überaus korrekter Mann. Es ist zwar manchmal recht anstrengend, unter ihm zu arbeiten, aber trotzdem macht es viel Spaß.«

Waldheim nickte. »Ich höre gerne, daß meine Angestellten zufrieden sind. Aber jetzt wollen wir mal vergessen, daß ich Ihr Chef bin. In Ordnung?«

»Ja«, sagte sie leise und wagte kaum zu atmen. Für sie wurde von Minute zu Minute deutlicher, daß Olaf sie nicht eingeladen hatte, um über ihre Arbeit zu reden.

Das Restaurant, in dem er einen Tisch bestellt hatte, kannte Daniela nur vom Hörensagen. Dort speiste ausnahmslos die Oberschicht der kleinen Stadt, und man mußte angeblich lange, bevor man dort essen wollte, einen Tisch reserviert haben.