Melvin, der Weihnachtswichtel - Dieter Gerhard - E-Book

Melvin, der Weihnachtswichtel E-Book

Dieter Gerhard

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Beschreibung

Der Unterschied zwischen mir und Santa Claus ist, dass ich morgens um fünf Uhr wach werde und mein Körper "hui" sagt, während Santa sich noch mal umdreht und meint: »Was soll der Scheiß, so früh aufzustehen, ich hab ja Melvin.« Meine Aufgabe ist es für den reibungslosen Ablauf des Vertriebes, der Inventur und sämtlicher innerbetrieblichen Vorgänge zu sorgen. Doch was passiert, wenn mir am Heiligabend eröffnet wird, dass der Schlitten defekt ist, dass einige Geschenkanhänger vertauscht wurden, dass Rudolph krank im Stroh liegt, der Arzt aber mit dem Schneepflug einen Ausflug macht und somit auch die Rollbahn nicht vom Schnee befreit werden kann, dass die Prognose der Wetterplaudererstation auf einen Sturm hindeutet, das Waisenheim auf Süßigkeiten verzichten muss, weil die Röstmaschine ihren Geist aufgab, und zwischendurch immer wieder neue, bemerkenswerte, fast unerfüllbare Wünsche eintreffen, die noch realisiert werden müssen? Da ist dann der Moment gekommen, wo man sich vorkommt, als wenn man im Park die Enten füttert und die einfach das Brot zurückschmeißen. Ein Ohrfeigenrundgang.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis:

Melvin,der Weihnachtswichtel

Prolog: Mein Name ist Melvin, Prokurist oder auch gehobener Sekretär von SC

Santinale, ein weihnachtliche Sportereignis

Wir Elfen und Wichtel sind es, die Weihnachten zu dem machen, was es ist

Verwirrung im Raum der Geschenke

SC wir haben da ein Problem

Der emotionale Zustand eines Chaos fing erst richtig an

Eine Katastrophe kommt selten allein

Immer weiter schlug sich das Pech auf meine Seite

Es war wie bei einem Katastrophendomino

Plötzlich ein Nebel, ein weißer Nebel aus dem eine Gestalt hervortrat

Es war ein kabarettistische Erlebnisshow mit viel Spaß und Spannung auf hohem Niveau für sie und Überraschung für mich

Dann der Start und Weihnachten konnte beginnen

Wenn es mal wieder Scheiße regnet, sollte man wissen, aus welcher Richtung der Wind bläst

Prolog:

Mein Name ist Melvin, Prokurist oder auch gehobener Sekretär von SC

Mein Name ist Melvin, ein Name, der gerechter Freund, Energie und Kraft bedeutet. Er stammt von normannischen Adligen aus dem Ort Malleville ab, gehört zu meiner Identität und begleitet mich schon ein ganzes Leben. Namen helfen dabei, uns voneinander zu unterscheiden. Wäre ja auch schlimm, wenn man jemanden anreden müsste mit: ey kleiner Pharao, Karottenrambo oder gar Double von Schweinchen Dick. Oder durch ein spezielles Hindeuten: nein der kleine Dünne da drüben, neben dem Dicken.

Ich habe auch keinen akademischen Titel, kein Berufstitel, Ehrentitel und auch keinen Adelstitel, weil … mit einem Titel ist man schließlich nicht wichtiger als andere. Gut, mit einem Titel hat man wichtige Fähigkeiten erworben, kann diese erfolgreich einsetzen und sich damit identifizieren. Aber auch ohne Titel kann man hervorragende Leistungen erbringen, sich quasi von unten emporarbeiten.

Nichtsdestotrotz bleibt mein Name Melvin, wie der amerikanische Bodybuilder Melvin Anthony, der englische Schriftsteller Melvin Burgess oder auch der deutsche Kinderdarsteller Melvin Maximilian Eisenstein. Allerdings habe ich im Gegensatz zu diesen bekannten Persönlichkeiten keinen Familiennamen. Das brauche ich auch nicht, denn wir sind alle eine große Familie und benötigen diese Abgrenzung der einzelnen Familienzugehörigkeiten nicht.

Es reicht, wenn wir uns mit dem Vornamen anreden, mich also mit Melvin, ein Wort, sechs Zeichen, zwei Silben, Morsezeichen: -- · ·-·· ···- ·· -· Buchstabiertafel: Martha – Emil – Ludwig – Viktor – Ida – Nordpol.

Wir wohnen auch alle im gleichen Dorf, in Christmas Village. Natürlich jeder in seiner eigenen Hütte. Es ist ein kleines Dorf oben am Nordpol, umgeben von Tannen und polarem Eis und für kein menschliches Auge sichtbar. Dort ist alles so beeindruckend und voller Wunder. Alles fällt einem sehr leicht. Wir müssen uns nie sagen: Ich kann das besser oder ich kann mehr leisten.

In dem Betrieb, wo ich arbeite, dass sich gleich neben Christmas Village befindet, ist es der Stil des Hauses, dass man sich in der dritten Person Plural anredet, ohne dabei die Wertschätzung des Anderen zu entsagen oder gar jemanden auf die Füße zu treten. Es gehört einfach zur Unternehmenskultur, dass wir uns duzen, und soll bei persönlichen und zwischenmenschlichen Kontakten, die familiäre Atmosphäre noch weiter vertiefen.

Ich für meine Wenigkeit bin in den besten Jahren, so, um die …, äh …, also ich bin …, ähm keine Ahnung, vielleicht …? Hm …, ich kann mich kaum noch daran erinnern. Als ich mal angefangen hatte zu zählen, wie viele Male ich Weihnachten schon erlebt hatte, da bin ich allerdings bei ungefähr einhundert siebenundsiebzig oder war es zweihundert fünfundfünfzig? …, na ja ich weiß nicht, zumindest war es wie das Schafe zählen: Ich bin eingeschlafen. Oh ja wir können schon ein hohes Alter erreichen und kein Bart und auch keine Falten im Gesicht können diesen Eindruck verhindern.

Als Alleinstehender habe ich aber viele Freunde, bin nicht unfreundlich aber auch nicht aufdringlich und verbringe die meiste Zeit auf meiner Arbeitsstelle. Überschwängliche Emotionen sind mir nicht fremd, dagegen aber das Geschnatter um unnützes Zeug.

Das Unternehmen, in dem ich arbeite, ist exorbitant und außerordentlich und beschäftigt sich mit der Herstellung von Spielsachen, Spielwaren und Spielzeugen. Hier werden von Puppen & Puppenkleidung, Sandkastenspielzeug, hochwertige Holz- und Kunststoffspielsachen bis hin zu Kreativ-Sets wie Experimentierkästen und Lern-Mikroskope, hergestellt.

Es sind Spielsachen, die den Kindern ein schönes Lächeln ins Gesicht zaubern und deren Augen zum Funkeln bringen. Kein Kind auf der Welt ist abgeneigt, Spielzeug zu mögen. Während für die Kleinen eher das Lernen, wie Aktions- und Zuordnungsspiele und das Bauen, wie Gegenstände stapeln und Häuser errichten an erster Stelle stehen, sind es für die Größeren das Denken, wie Lege- und Knobelspiele und das Gemeinschaftsspiel, wie Karten- und Brettspiele. Dem Spielwaren-Sortiment sind keine Grenzen gesetzt. Fantasie heißt die Welt, in der Kinder leben.

In diesem Unternehmen gibt es einen Geschäftsführer, ein Kerl der Entscheidungen trifft, der wie ein Kapitän auf der Brücke dem Steuermann zuruft, welchen Kurs er einschlagen soll. Neben dem Geschäftsführer gibt es den stellvertretenden Geschäftsführer, so eine Art Prokurist oder auch gehobener Sekretär. Eine berufsspezifische Beschönigung, so wie etwa aus einer Putzfrau eine Raumpflegerin wird. Oder auch Großwesir, persönlicher Berater, Spielkamerad des königlichen Throns, was eher nach Kaffeekochen als nach rechter Hand klingt.

In dieser Position kann er schalten und walten, wie der Kopf des Unternehmens selber, nur das er dafür seinen eigenen Kopf nicht hinhalten muss. Diese verantwortungsvolle Position, die neue Impulse in einem weckt, die voller Adrenalin, Verantwortung und Spannung steckt, die entwicklungsfähig und dynamisch ist, solche Position bekleide ich.

Neben mir gibt es noch Führungskräfte, wo der eine für die Technik zuständig ist, der andere für die Verwaltung, dann wieder einer für die Holzverarbeitung, einer für …, na ja und so weiter und so weiter. Meine Aufgabe ist es unter anderem über die Auslieferung eines neuen Produktes zu entscheiden, besonders dann, wenn die Führungskräfte wieder mal Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich einer kreativ entwickelten Idee haben. Ansonsten bin ich für den reibungslosen Ablauf des Vertriebes, der Inventur und sämtlicher innerbetrieblichen Vorgänge verantwortlich.

Das Betriebsklima ist vorbildlich, die Arbeitsplätze modern und schön und jeder ist um das Wohlergehen des anderen bemüht. Arbeitsintern und außerbetrieblich wird viel gesungen und gelacht, und zwischendurch auch mal gescherzt, was sich wie eine Lockerungsübung für das Gehirn auswirkt. Dabei verhält man sich nett und vorbildlich seinen Kollegen gegenüber.

Auch ich war so. Oft musste ich mich bremsen, um nicht meinen Chef mit meinem Frohsinn zu erschrecken. Schon eine verschneite Landschaft, die in weiße Schneeflocken gehüllt ist, der aromatisch würzige Harzgeruch mit dem angenehm duftenden Waldaroma und dem Citrus Geruch frisch geschlagener Bäume oder gar ein Glas warme Schokolade mit selbst gebackenen Plätzchen, können mir den ganzen Tag versüßen.

Ein positives Betriebsklima ist für jedes Unternehmen sehr wünschenswert, da dadurch die Arbeitsmotivation der Mitarbeiter gesteigert wird. Selbst die Führungskräfte geben jedem ihrer Teammitglieder das Gefühl, das sie jederzeit mit ihren Problemen an ihre Tür klopfen können.

Wir alle verstehen uns als Botschafter, haben das Gefühl, das wir ein wenig mit Kinderaugen durchs Leben gehen und das wir uns das ganze Jahr an den kleinen Dingen erfreuen, die wir hören, sehen und fühlen.

Der Chef dieses Unternehmens ist der König. Er regiert über seine Belegschaft …, na ja er versucht zumindest über seine Belegschaft zu regieren. Doch die Fäden halte ich in der Hand. Als höher gestellter Mitarbeiter, als Commander oder auch als Top-Manager, übernehme ich zwar bedeutende und verantwortungsvolle Aufgaben, stehe aber in der Hierarchie immer unter dem Geschäftsführer.

Wichtig ist, neben anderen Fähigkeiten, dass man sich mit dem Chef menschlich versteht, Zeit investiert und stets loyal arbeitet. Dabei trage ich eine große Verantwortung, stehe immer unter Druck, ständig unter Beobachtung und muss auch mal anpacken, wenn Not am Mann ist.

Unser Chef ist ein guter Mann, der eine wunderbare Aufgabe hat, nämlich Kinder glücklich zu machen. Er ist zwar ein bisschen adipös, aber nicht dick, mehr voluminös, mollig oder auch füllig, rundlich, nah eben wohlgenährt. Er liebt die Farben Rot und Weiß, wie die klassische Beilage zu Pommes frites. Sein spartanisch eingerichteter Kleiderschrank beinhaltet vierundzwanzig rote Jacken mit weißer Fellborte an der Knopfleiste, an den Ärmeln und am unteren Rand sowie vierundzwanzig rote Hosen mit Gummibündchen und vierundzwanzig rote Mützen mit weißem Fellrand und weißem Bommel. Gleiche Anzahl Stiefel mit Fellbesatz stehen unten im Schrank, nicht weniger schwarze Gürtel mit goldener Schnalle in der Schublade. Er mag diese Art der Kleidung und trägt sie jeden Tag.

Wir hingegen haben nicht nur ein rundes, lustiges und verschmitztes Gesicht mit großen Kulleraugen, wir mögen Zipfelmützen und an unserer Kleidung kann man sofort erkennen, dass wir es gerne bunt und auffällig mögen. Schließlich sind wir Wichtel und Elfen die kleinen Helfer des Weihnachtsmannes.

Ja und der Mann in seiner rot/weißen Kleidung, der runden Nickelbrille und dem gütlichen Lächeln, der schon seit …, ach … schon vor einer Ewigkeit das Rasieren aufgegeben hatte und sich so einen Vollbart wachsen ließ, das ist unser Chef, Santa Claus oder auch je nach Land und Brauch Weihnachtsmann, Père Noël, Papá Noel oder Noel Baba, Joulupukki, Djed Mraz oder Mele Kalikimaka genannt wird.

Der Unterschied zwischen mir und Santa Claus ist, dass ich morgens um fünf Uhr wach werde und mein Körper "hui" sagt, während Santa sich noch mal umdreht und meint:

»Was soll der Scheiß, so früh aufzustehen… ich hab doch den ganzen Tag Zeit.«

Benjamin Franklin ist jeden Morgen um fünf Uhr aufgestanden, um ungestört Bürgermilizen zu planen, die Verfassung der USA zu entwerfen und den Blitzableiter erfinden zu können. Auch der Philosoph Immanuel Kant stand um diese Zeit auf, um eine Pfeife zu rauchen, zu meditieren und sich seiner Erkenntnistheorie zu widmen oder sich einfach eine Redewendung auszudenken wie: Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.

Auch ich bin ein Frühaufsteher, leide aber nicht unter dem Zwang der Morgenarbeit. Denn der frühe Vogel gilt als fleißig und diszipliniert.

So bin ich jeden morgen früh hoch, mit klaren Gedanken, Zielen, Plänen, meiner Selbstdisziplin und der Zeit, die ich für mich habe. Um diese Uhrzeit kann ich Sachen schaffen, die sich fantastisch anfühlen, die mich nach vorne bringen und mich stolz werden lassen, die mich aktiver machen und ein höheres Leitungsvermögen und Verantwortungsgefühl geben.

Was am wichtigsten ist, muss zuerst getan werden. Denn tagsüber drängen sich immer mehr wichtige Dinge in den Vordergrund, die erledigt werden müssen.

Während Santa sich noch seiner Bettflucht widmet, tief in einen Traum versunken ist, bin ich schon geistig am Arbeiten. Eine Bestandsaufnahme muss durchgeführt werden, um zu sehen, ob wir im Zeitplan sind. Gegebenenfalls müssen einige Aktivitäten neu koordiniert, einige Elfen und Wichtel umgesetzt werden.

Eine Arbeit, die sich dadurch auszeichnet, dass man kurzfristig die richtige Entscheidung trifft und auch die Verantwortung für die Umsetzung übernimmt. Es ist ein physisch und psychisch anstrengender Job, der mich immer wieder bis aufs Äußerste fordert.

1. Santinale, ein weihnachtliches Sportereignis

An diesem Morgen erwachte ich mit dem seltsamen Gefühl der Freunde und der Zuversicht. Kein Wunder, es war Heiligabend und wie jedes Jahr, der wichtigste Tag in unserem Unternehmen und zugleich auch er stressigste. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, es war erst vier Uhr fünf. Etwas zu früh zum Aufstehen dachte ich mir. So lag ich im Bett und genoss die Ruhe. Niemand nervte mich, kein Rufen, kein Reden, kein Fragen, nicht mal das Leben kam mir in die Quere. Doch dann zerfiel ich in einen Traum.

Jedes Jahr im Dezember findet das Fest der Santinale statt, ein Wettkampf um sportliche Leistungen. Der Gewinner darf am Heiligen Abend Santa Claus bei seiner nächtlichen Aktion begleiten, wenn die Kinder mit all den schönen Spielsachen beschenkt werden. Für alle ist es der Traum schlechthin, einmal mit ihrem Santa Claus ganz alleine die Geschenke auszuteilen.

Einen Tag vor Heiligabend ist das Finale dieses Wettkampfes. Die letzten drei übrig gebliebenen Teilnehmer kämpfen um den Sitzplatz neben Santa auf den Schlitten. Nach dem Wikinger-Schneeschach, dem Schneebilder treten, Schneefußball, der Pisten-Kellnerei und dem Snow-Kegeln, waren nur noch zwei Ausscheidungsdurchgänge zu bewältigen, das Schneeschuhlaufen im kniehohen Schnee und das Rodeln auf aufgepumpten Lkw-Schläuchen, die das Aussehen eines übergroßen Bagel hatten, eines typischen amerikanischen Backwerkes.

Während die Teilnehmer schon mal ihre Schneeschuhe für die nächste Disziplin bereitlegten, sich dann mit den Schläuchen auf den Weg hinauf zur Oberfläche des Hangs machten, fragte ich:

»Na klingelt da was bei dir?«

»Wobei?«

»Na dabei«, wobei ich auf die Schläuche hindeutete.

»Ach das, ja … Father Christmas hatte mal von einem seiner weihnachtlichen Touren solche XXL-Schläuche mitgebracht«, antwortete Santa und schwelgte dabei in kindlicher Erinnerung. Dabei standen wir zusammen mit all den anderen Elfen und Wichteln hinter der Absperrmarkierung und fieberte dem Höhepunkt des sportlichen Events entgegen.

»Mann war das eine Gaudi damals«, fuhr er fort, »als wir allein durch den Hangabtrieb, mit dem Fahrtwind im Gesicht und den Bergen von Schnee vor den Augen, uns den Hang hinunter stürzten. Hach, dabei stand mancher Baum im Wege und Schürfwunden an den Beinen und Armen war das Ergebnis. Manchmal landeten wir auch in Gräben.«

»Ich weiß. Du warst damals gerade zehn Jahre alt und Mother Christmas verstand da kein Spaß. Sie hatte mit Father Christmas geschimpft, dir so ein Geschenk mitzubringen. Es sei doch gefährlich mit so einem Reifen zu rodeln. Sie sind schlecht lenkbar, haben keine Bremse und überall stehen Bäume, wo man gegen prallen und sich verletzen könnte, hatte sie gesagt.«

»Ja Mom war schon immer leicht besorgt um mich.«

»Stimmt, das war sie! Aber sei froh, dass er dir nicht so ein Schlauch von einem Monster-Truck-Reifen mitgebracht hatte, da hättest du allein schon eine Leiter gebraucht, um aufzusitzen.«

»Das wäre doch der Hammer, ein Brüller, ein absoluter Knüller. Da hätte man mit mehreren drauf sitzen und über den Schnee rotieren können. Über den Berghang abheben, fast schwerelos durch die Luft schweben, dabei an nichts zu denken und dann wieder sanft und weich wieder auf den schneeverwehten Boden aufsetzen und dahin gleiten, wie ein Curlingstein auf Eis. Wow, da hätte man so richtig Spaß inne Backen gehabt.«

»Na von Gleiten kann man da wohl kaum sprechen, die Dinger sind aus Kautschuk und da Kautschuk auf Schnee schlecht bremst, werden sie extrem schnell. Aber ich meinte nicht die Reifen, ich dachte eher an die Schneeschuhe, nur sahen sie damals ein klein wenig anders aus.«

»Ach die Dinger meintest du. Ja die sahen früher aus, wie überdimensionale Tennisschläger. Dad hatte sie aus einer gebogenen Holzleiste gebastelt und sie mit einem Ledernetz versehen. Mit zwei Riemen konnte man sie an den Füßen festbinden. Mann sah das bescheuert aus, wenn wir durch den hohen Schnee um die Wette liefen.«

»Manchmal sahst du aus, wie der übergroße Grizzlybär aus dem Himalaja Gebirge.

»Du meinst wie die Jedis?«

»Nein wie der Yeti. Die anderen sind Star Wars Ritter mit Lichtschwertern.«

»Denkst du, ich könnte das heute noch?«

»Was?«

»Na an so seinem Wettrennen teilnehmen? Mit dem Schlauch den Berg herunter sausen, das ist nichts anderes, als wenn ich mit Rudolph unterwegs bin. Da müssen wir auch immer wieder irgendwelche Pisten herunterjagen und mit den Schneeschuhen um die Wette laufen?, man wie oft latsche ich durch kniehohen Schnee um die Häuser der Kinder zu besuchen.«

»Wer? Du willst …?«

»Ja was schaust du mich so an, natürlich ich. Das ist, wie Fahrradfahren. So was verlernt man nie.«

»In deinem Alter?«

»Nun auch in alten Kirchen wird noch die Messe gelesen.«

»Ja aber alte Kirchen sind oft baufällig.«

»Nicht baufälliger, als andere Gebäude auch.«

»Mit dir zu diskutieren«, schüttelte ich den Kopf, »ist wie mit einem Schlitten bergauf zu rodeln«

»Irgendwie kribbelt es in meinen Fingern, wieder mal auf so einen Schlauch zu sitzen und solche Schneeschuhe unter den Füßen zu haben. Ich werde mal nachfragen, ob ich da nicht mitmachen kann«, und ehe ich überhaupt einen Einwand erheben konnte, war Santa Claus im Schatten der umliegenden Tannen verschwunden.