Santa Claus - Dieter Gerhard - E-Book

Santa Claus E-Book

Dieter Gerhard

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Beschreibung

Seit Generationen schon reist ein Mann namens Santa Claus im rot/weißen Kostüm, mit Rauschebart, Brille und einem gütlichen Lächeln am Heiligabend durch die Gegend und beschenkt brave Kinder. So entstand mit der Zeit der Eindruck, dass Santa Claus unsterblich wäre. Tatsächlich aber muss auch Santa Claus für die Evolution mit der Fortpflanzung sorgen, denn nur so kann er die Identität des Weihnachtsmannes von Generation zu Generation weitergeben, damit die Weihnachtsdynastie nicht ausstirbt. Auf der Suche nach der entsprechenden Partnerin landete er beim Speed Dating, beim Blind Date, bei Kontaktanzeigen bis hin zur Singlebörse für Partnersuchende im Internet. Doch das alles brachte nichts, bis ihm eine Elfe auffiel, die als Einzige in einem Pulk ihresgleichen wie eine einzelne Blume auf einer grünen Wiese herausschaute. Hier dein Kaffee…, mit wenig Zucker… aber viel Sahne, waren die wundervollen Worte, die ihm irgendwann… den Kopf verdrehten und sein Herz wie eine Nähmaschine rattern ließ.

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Seitenzahl: 160

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Eine weihnachtliche Geschichte

von Mr. Unscheinbar

und Mrs. Unwiderstehlich

Foto Umschlagseite: Gerhard Voss

"Weihnachtsmann und küssende Szenerie"

Inhaltsverzeichnis:

Weihnacht ist längst vorbei, für die Einen: endlich, für die anderen: tschüss bis nächstes Jahr

Entweder man möchte ein frisch produziertes Baby oder lieber die stubenreine Version

Ein Parallel-Dating ist, sich mit mehreren Interessentinnen zu treffen

Man muss schon Hellseher sein, um die Flirtsignale mancher Frauen zu verstehen

Zeitweilig kommt man sich wie eine Waschmaschine vor, die nach der Garantiezeit zu Bruch geht

Es war ein Date, wie, als wenn man unterm Teppich Fahrrad fahren würde

Viele Wege führen nach Rom, doch einer nur zu Santa

Das Schicksal eines Findelkindes namens Eva

In Christmas-Village sind die Möglichkeiten auszugehen arg begrenzt in freier Natur jedoch unerschöpflich

Ein richtiges Date live und in Farbe

Santa und die geheime Multifunktions-Eventlocation

Er beabsichtigte eine Gefangennahme im beiderseitigem Einvernehmen

Das vierzig-Wochen-Update begann

Auch wenn man verheiratet ist, gibt es Tage wo man allein ist, so wie heute

Babys sind wie Erwachsene, nur Kleiner und hilfloser

1. Weihnacht ist längst vorbei, für die einen: endlich, für die anderen: tschüss bis nächstes Jahr

Das Weihnachtsfest ist längst vorbei. Für manche war es nicht ganz ruhig, nicht immer besinnlich, dafür aber anders, anders als im letzten Jahr und anders auch als im Jahr davor.

Wie jedes Jahr wurden die in teuren, bunten Seidenpapier eingewickelten Geschenke gewaltsam aufgerissen, und kaum kamen die Spielsachen zum Vorschein, fingen die ersten Kinder an zu quengeln. Eine Gegebenheit, die die weihnachtliche Stimmung besonders begünstigte.

Die kulinarische exzessive Schlemmerei des Festtagsbratens ist bereits seit Tagen vergessen, bereits mehrmals verdaut worden und der Gieper nach fetter, süßer, üppiger Nahrung entfiel.

Zwischenzeitlich sind auch die Geschenke längst in Vergessenheit geraten, das Geschenkpapier wurde schon vor langer Zeit in der blauen Tonne entsorgt, die Kekse aufgegessen und der ausgediente Tannenbaum wurde von "Knut" unvorhergesehen durch das häusliche Wohnzimmerfenster entsorgt.

Für manche ist der Zeiger der Personenwaage gefährlich in die Höhe geschnellt, was bedeutet, dass den Fettpölsterchen der Kampf angesagt werden muss. Der einst mit leckeren Sachen gefüllte Kühlschrank verbirgt dann nur noch Joghurt, Obstsäfte, Kompott und Gemüse.

Und auch auf die noch vorhandenen bunten Teller, gefüllt mit leckeren Plätzchen, Nüssen, Lebkuchen, Marzipankartoffeln, Dominosteinen, Spekulatius und Schokoladen, verzichtet man und lässt sie lieber vor sich hin trocknen.

Selbst die Schulferien der Kinder sind seit Langem vorbei und der gewöhnliche Trott hat seine Arbeit aufgenommen. Der Alltag ist eingekehrt, das tägliche Einerlei, der Treue Begleiter des Mittelstandes.

Aber auch die Industrie ist wieder munter geworden und genau wie hier in dieser Fabrik geht der Trubel erst richtig wieder los. Die Bestände müssen aufgefüllt werden, neue Idee werden kreiert und verwirklicht. Es ist eine Produktionsstätte, die eine große Anzahl unterschiedlicher Arbeitsvorgänge vereinigt und die mit wesentlicher Hilfe von Maschinen, Mitarbeitern und einer Betriebsführung Erzeugnisse herstellt.

Hierbei handelt es sich um eine Spielwarenfabrik, dessen umfangreiches Sortiment die Kinder auf ihren Entdeckungsreisen begleitet, die ergonomische, altersgerechte Spielsachen für jeden Einsatz herstellt, die sich in ihrer Stärke, Robustheit und Widerstandsfähigkeit widerspiegelt.

Die Herstellung von Spielsachen boomt. Jedes Spielzeug ist geeignet für ein bestimmtes Alter und für glänzende Kinderaugen werden immer wieder gerne neue Produkte entwickelt.

Nur Mitarbeiter mit flinken Fingern, froher Natur, wachem Verstand haben die Voraussetzung eine solche Tätigkeit auszuüben, die dann noch durch besonders gewandte Spezialisten geschult wurden. Für viele ist es der Traumjob schlechthin, in einer solchen Fabrik arbeiten zu dürfen. Es ist die Erinnerung an die zuerst meist gehasste Kindheit, später aber die Zeit, die man sich sehnlichst zurückwünscht.

Erinnerungen an das treue Transistorradio auf den Schultern zum Mädchen imponieren wurden in einem wach, an die erste Zigarette, die man rauchte, weil es cool war und weil jeder in der Clique rauchte sowie an die kleinen Lichtpunkte, die eine Discokugel mit ihren kleinen Spiegeln erzeugte und an die Schneemänner, die wir als Kinder bauten. Wir nahmen Steine, um ihnen mit Augen, Mund und eine Knopfleiste auszustatten. Als Nase diente eine Mohrrübe, als Kopfbedeckung der alte Kochtopf von Mama, um den Hals einen Schal von Oma und im Arm hielt er den Reisigbesen von Opa Willi. Wir hatten den schönsten Schneemann, den man sich vorstellen konnte. Ja, Erinnerungen im Alter sind wie Träume in der Jugend.

Ich befinde mich immer noch auf dem Gelände einer Spielzeugwarenfabrik. Es ist ein riesiges natürliches Gelände, mit ruhigen Ecken, in einer reizvollen Gegend, die den Fokus auf Ruhe und Entspannung legt, aber auch ganze Entertainment Areale bietet. Hier befinden sich auch die Wohnungsunterkünfte der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Das hat natürlich den Vorteil, dass die Mitarbeiter in einem Stand-by-Modus leben und dass, wenn Not am Mann ist, sie abends und auch am Wochenende greifbar sind. So kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Team nachts durcharbeitet.

Selbst der Chef über alles, der Geschäftsführer, der Magnat, der Leiter dieses wirtschaftlichen selbstständigen Unternehmens und Oberhaupt des christlichen Schenkens, hat sein Zuhause auf dem Terrain dieser stadtähnlichen Produktionsstätte. Er nimmt gern mal seine Arbeit mit nach Hause, wo er sich ein Büro eingerichtet hat und immer wieder abends einige seiner Handhabungen erledigt.

Endlose Freizeitangebote sollen den Mitarbeitern als Entschädigung dienen, wie das Snowboarden, das Fahren mit einem Brett auf Schnee oder das Freestyle-Skiing, das Springen über Buckelpisten. Auch das Skibergsteigen, das Besteigen von Bergen mit Ski und der anschließenden Talfahrt wird angeboten, sowie das Eisstockschießen, ähnlich dem Curling, wo man mit einem wasserkesselähnlichen Gerät versucht so nah wie möglich an den Mittelpunkt eines Zielkreises zu gelangen. Nicht zu vergessen das Eisklettern mit Steigeisen, Eistauchen unter einer zentimeterdicken Eisdecke, Eissegeln auf Kufen, Wettrennen mit Motorschlitten, Schneemobilsafari und vieles mehr.

Und das sogar alles während der Arbeitszeit, denn die Arbeit, die man hat, kann man sich einteilen, wie man will, nur muss sie am Ende des Tages erledigt sein.

Auch für das leibliche Wohl ist vorgesorgt. Eine Kantine mit einer echten Gourmet-Küche. Einem Souschef, der die Verantwortung nach dem Chef der Cuisine trägt, einem Saucier der nur Soßen macht, einem Pâtissier, der für Süßspeisen zuständig ist, einen Potager für Suppen, einen Rôtisseur für Gebratenes, einen Poissonnier für Fisch, sowie diverse Commis als Köche, sorgen rund um die Uhr für die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Das Betriebsklima ist vorbildlich, die Arbeitsplätze modern und schön und jeder ist um das Wohlergehen des anderen bemüht. Arbeitsintern und außerbetrieblich wird viel gesungen und gelacht, was sich wie eine Lockerungsübung für das Gehirn auswirkt. Man verhält sich nett und vorbildlich seinen Kollegen gegenüber. Ein positives Betriebsklima ist für jedes Unternehmen sehr wünschenswert, da dadurch die Arbeitsmotivation der Mitarbeiter gesteigert wird.

Gerade zu Weihnachten läuft die Produktion von Spielsachen auf Hochtouren. Da werden viele kreative Ideen umgesetzt und Neuheiten vorgestellt. Selbst für Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine und Co. läuft die Produktion bereits im Juli an, wenn normale Freibad-Temperaturen herrschen. Bei Printen sogar noch früher, nämlich im Mai. Im September füllen dann die Supermärkte ihre Regale mit weihnachtlichen Süßigkeiten und auch der erste Schokoweihnachtsmann geht bereits im Herbst über die Ladentheke. Anfang Dezember, wenn sich die Kinder über die Leckereien in ihren Nikolausstiefel hermachen, ist die Weihnachtsproduktion meistens schon wieder beendet.

Die Weihnachtstage sind aber nun schon lange vorbei und für die einen hieß es: endlich alles vorbei, für die anderen: tschüss bis nächstes Jahr. Langsam werden die Nächte wieder kürzer und die Vorbereitung auf das nächste Fest setzt sich langsam wieder voll in Bewegung.

Ein Rundgang durch die Fabrikationsstätten dieser Werksanlage ist normalerweise immer wieder eine Entdeckungsreise mit laufend ergänzten Neuheiten und Ideen. Hier geht es nicht ohne abgefahrene Techniken. Auf zahllosen hochmodernen vollautomatischen Bereitstellungssystemen wurden zig Spielsachen gelagert, doch nun sind sie fast leer.

Der Weihnachtsbaum der Belegschaft steht noch mitten in der Halle. Er hat den weihnachtlichen Anschein verloren und wurde bereits auf die fünfte Jahreszeit eingestimmt. Staunend stand nun der Mann davor, der jedes Tun und Sagen in dieser Fabrikationsstätte bestimmt.

»Oh …, was für ein ungewöhnlicher Schmuck für eine Douglasie«, murmelte der Mann sich in seinen Bart.

Vor ihm stand ein Baum, der mit Luftschlangen geschmückt war. Man hatte die dünnen Papierstreifen durch Pusten durch den Ring zu einer schlangenförmigen Bewegung gebracht, welche sich dann effektvoll entrollt hatten und auf den Zweigen der Tanne landeten. Oben auf der Spitze eine Narrenkappe, eine Narrenkappe mit Kronenzacken und mittig auf dem Scheitel ein angebrachter Hahnenkamm.

Auf den Spitzen der Zweige hingen Halsbandschlüsselanhänger und Trillerpfeifen sowie reichlich Konfettikanonen, die so groß wie zylindrische Kanonenschläge waren. Sie hatten an einer Seite eine Reißleine, die besagt, nur einmal leicht ziehen und ein Schwall von bunten Papierschnipseln würde durch die Luft fliegen.

Der Mann schaute sich vorsichtig um. Keiner hatte ihn bisher bemerkte. Alle Mitarbeiter ringsherum schienen in ihrer Arbeit vertieft zu sein. Hier unten sind überwiegend männliche Mitarbeiter am Werkeln, da sie ansprechender und vielfältiger für eine körperliche Arbeit prädestiniert sind.

In den oberen Bereichen sich die Kolleginnen, die eine entsprechende ihrer körperlichen Konstitution gestellten Aufgabe verrichten, wie zum Beispiel das Arbeiten in der Nähstube, das Zusammensetzen von Stofftieren, das Batiken von Textilien teils mit Hilfe von Kartoffelstempeln und so weiter, und so weiter.

Es sind alles durchaus tüchtige Mitarbeiter, äußerst hilfsbereit und begabt. Meistens ist es nicht leicht sie zu bemerken, da sie sich sehr leise bewegen, eigentlich mehr tippeln, etwa wie in einer schnellen Bewegung bei sehr geringer Geschwindigkeit.

Hinzu kommt noch, dass sie nicht besonders groß sind, nicht größer als das Stockmaß eines Ponys, dafür aber stämmig gebaut. Und da sie es verstehen, unbemerkt zu kommen und zu gehen, passiert es schon mal, dass man sie nur durch das Vorbeihuschen im Augenwinkel bemerkt. Draußen im Schnee ist ihre Anwesenheit im Allgemeinen nur an den kleinen Fußspuren im Schnee zu sehen. Viele bezeichnen sie als Elfen oder Wichtel. Doch in Wirklichkeit und das weißt doch jeder auf der Welt, sind sie die Gehilfen von Santa Claus, dem Weihnachtsmann.

Der Mann bewunderte immer noch den Tannenbaum und ganz besonders haben ihn die Konfettikanonen angetan. Am liebsten würde er mal an so einer Reißleine ziehen, um die funktionale Beschaffenheit einer solchen Kanone zu testen.

»Guten Morgen Santa«, sprach plötzlich eine Stimme hinter ihm und das ausgerechnet in dem Augenblick, wo der Mann – der nun wirklich auch noch Santa hieß - die kleine Reißleine zwischen den Daumen und dem Zeigefinger hielt. Er erschrak, zuckte zugleich zusammen und zog reflexartig, ohne Absicht und ohne es zu wollen, unabsichtlich, unbewusst, versehentlich, wider willig an der Schnur.

Da stand er nun, mitten im herauskatapultierten Konfettiregen, der sich flatternd und tänzelnd zu Boden bewegte. Es war wie die Wirkung eines vom Himmel langsam zu Boden sinkenden Seesterneffektes mit roten, grünen, gelben und blauen Flimmerkometen. Santa schaute zu Melvin, zu dem Office Commander, dem Oberwichtel, zu seiner rechten Hand, der ihm jedes Jahr über die Verteilung der Gaben berät. Ausgerechnet dieser Wichtel hatte nun Santa in eine Schockstarre versetzt, der daraufhin mit brummiger Stimme sprach:

»Wie kann ein Morgen gut sein, wenn er so Anfang?«,

Melvin wiederum konnte sich bei dem Anblick von Santa kaum wieder einfangen und haute sich immer wieder auf die Oberschenkel. Er fing an zu hecheln, als wenn er einen Lachflash erzwingen wollte, keuchte als hatte er einen Marathonlauf verloren und holte dabei Luft das sich anhörte wie ein rollendes "R". Gleichzeitig keuchte er den wohl grausamsten Suizid aus sich heraus:

»Ha, ha, ha …, ich lach mich Tod.«

Unterdessen schauten sämtliche Mitarbeiter aus ihren Werkstätten heraus und fingen ebenfalls an zu grinsen, begannen zu toben und verfielen schlagartig in ein höllisches Gelächter. Einige kreischten, andere brüllten. Mit kaum einem anderen Ereignis kann man ein Publikum so begeistern wie mit fliegenden Papierschnipseln.

Das Gelächter erstarb nach einem Augenblick, wovon sich Santa jedoch nicht verunsichern ließ, denn kurz darauf fing der Lachflash von vorne an und brachte das Lachgetriebe zum Starten.

Mit weit geöffneten Mündern und mit stark nach oben gezogenen Augenbrauen gackerten, grinsten und grölten sie alle wieder, wobei sich bei einigen Freudentränen in den Augen bildeten. Vereinzelnde hielten sich den Bauch, weil ihnen bereits das Zwerchfell wehtat, während den anderen die Luft wegblieb und dessen Gesichtsfarbe sich langsam von Rot zu blau verfärbte.

Bei einem Lachkrampf oder Lachflash kann man sich vor lauter Lachen kaum halten, es sei denn, man ist die Lachnummer so wie Santa.

Santa wischte sich die Papierschnipsel aus dem Gesicht und rief:

»Noch mehr Konfetti, bitte.«

Das ließ sich kein Elf und auch kein Wichtel zweimal sagen, denn sie sind nicht nur klein und strebsam, sondern auch für jeden Schabernack zu haben.

Und schon wurden sämtliche Konfettikanonen von den Zweigen geholt und ein Bombardement entwickelte sich, das Santas Kleidung in kürzester Zeit einer Papierhülle glich, die seinen Körper umwickelte und mit mehreren bunten Farbtönen übergossen wurde.

Jeder kennt das. Man sieht, dass Konfetti gestreut wird und schon weiß man, dass etwas Besonderes vonstattengeht, dass etwas Eindringliches hervorgehoben wird.

Früher war es bei diversen Festivitäten oft üblich, dass die Gäste mit einem Konfettiregen begrüßt wurden. Dies war ein großer Ausdruck von Freude und Feierlichkeit. Bei Hochzeiten war es Brauch, das Brautpaar mit Reis zu bewerfen, damit sie ordentlich viele Kinder bekommen. Doch irgendwann hatte man festgestellt, dass man mit dem Bombardieren von Reis gar nicht schwanger werden konnte und so verbot man diesen Brauch.

Konfetti hingegen setzt noch heute ein Statement und das sagt: "Hier findet etwas Besonderes statt." Und das stimmt auch, denn die neue Saison hatte begonnen, die Vorbereitung auf das nächste Christfest, auf den perfekten Weihnachtsabend, auf die Erfüllung der Wunschzettel von Millionen von Kindern. Oft sind es materielle Dinge, die gewünscht werden, manchmal auch andere wie ein Brüderchen oder ein Schwesterchen oder von noch anderer Art: eine neue Mami, weil die derzeitige immer schimpft.

Doch nicht immer kann Santa Claus die Wünsche erfüllen, da manche erheblich überzogen sind, wie zum Beispiel letztes Jahr der von Lucas. Er wünschte sich ein Fitnessband aus Latex, um seine Deutschlehrerin damit zu fesseln.

Santa stand immer noch da wie ein begossener Pudel, während die Wichtel und Elfen noch immer lachend ihm umringten.

Doch, was bleibt nach so einer Konfettischlacht? Außer einem ziemlichen Saustall auf dem Boden und Papierschnipsel im Haar? Ein schöner Gedanke an ein durchaus gutes und erfolgreiches Jahr und so staubte Santa sich die Papierschnipsel vom Mantel und aus dem Haar und sprach:

»In Ordnung Leute. Wir haben unseren Spaß gehabt, nun geht der Ernst des Lebens weiter. Das zurückliegende Jahr war sehr erfolgreich und nach der ganzen schweren Arbeit, hattet ihr euren Urlaub wirklich verdient. Aber jetzt ist es an der Zeit, mit den Vorbereitungen für das nächste Weihnachtsfest zu beginnen.«

Alle jubelten und freuten sich. Zipfelmützen wurden in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Dann sprach Santa weiter:

»Jedes Spielzeug soll ein gutes Zuhause bekommen und achtet darauf, dass alles in einem guten Zustand verpackt wird, bevor es in der Logistik landet. Also rann an die Arbeit.«

Im Nu waren sämtliche Elfen und Wichtel wieder an ihrem Arbeitsplatz und es wurde erneut gehämmert, geklopft, genagelt, gesägt, geschliffen und geschweißt. Dabei sangen sie wie italienische Hilfsarbeiter bei der Ernte, die dabei einen gleichmäßigen Arbeitsrhythmus herstellen und so den Druck durch die schwere Arbeit abbauen. Es sind sehr lebendige Texte mit einer komplexen Melodie und einem energischen Charakter und o schallte es fröhlich durch die Halle:

Fiori e fantasia

la lala lala

forza che sei tutti noi

la lala la lala

fiesta di colori

la lala lala la

pigia forte

e canta insieme a noi …

Während Santa sich noch ein wenig dem Gesang widmete, machte sich Melvin bemerkbar, indem er ihn vorsichtig am Ärmel zupfte.

»Ich muss mit dir sprechen.«

»Jetzt?«

»Ja jetzt!«

»Hm …, na gut dann lass uns ins Büro gehen.«

2. Entweder man möchte ein frisch produziertes Baby oder lieber die stubenreine Version

Sie gingen durch die Halle der Geschenkherstellung. Ein Komplex mit weitläufiger Produktions- und Lagerfläche auf zwei Stockwerken. In der oberen Etage befand sich ein kleiner Bürotrakt mit einem einladenden Foyer, das als Ausstellungsraum für neu entwickelte und für jahrhundertealte, traditionelle Spielsachen benutzt wurde, sowie einem Fotodienst.

Hier lag auch der Konstruktionsbereich, der durch den anschließenden Flur erreicht werden konnte, sowie die Kantine und die Teestube. Der Zwischenboden der Halle ermöglicht zusätzlichen Lagerraum, sollte mal das im Nebengebäude befindliche Lager für fertige Geschenke nicht ausreichen.

Präzision ist das Wort, das vom ersten bis zum letzten Arbeitsgang vorgeschrieben wird. Dabei steht am Anfang immer ein Plan, eine als Prinzip wirkende Idee, ein tragender Grundgedanke, eine Konzeption. Zuständig sind dafür die eigenen Konstruktionsabteilungen mit qualifizierten Direktoren, wie zum Beispiel für Plüschtiere der Stoffguffel Juan oder für technische Geräte der Mechanik Imp oder Wichtel Jan Morrow, der Gestalter für das visuelle Marketing und noch viele andere.

Ob selbstständig was erzeugt wird oder nach Vorlage einer technischen Zeichnung: Präzision hat Priorität. Jede Form, jedes Modell, jedes Muster und jedes Spitzendesign-Produkt wird hier im Hause entworfen und auch die Produktkonstruktion stetig weiterentwickelt.

Somit liegt die Forschung und Entwicklung, die Werkstatt und Fertigung, die Vormontage und Konfektionierung, die Holz-, Blech- und Kunststoffbearbeitung, alles in einer Hand.

Bevor sie die Produktionsstätte verließen, machte Santa noch einen Abstecher in die Betriebskantine.

»Ein Kaffee wäre jetzt angemessen«, sprach er zu Melvin, der ihn schweigend folgte.

Santa betrat den operational Dining, ein Saal, den der Gourmet-Wichtel Gusteau jeden Tag aufs Neue, aus einer Mischung aus traditioneller und kreativer Küche, in eine kulinarische Verbindung zaubert.

Überall stehen Pflanzen als Sichtschutz. An den Decken akzentuierende Leuchten, die eine angenehme Raumatmosphäre schaffen. Längsseits Stehtische für den schnellen Imbiss.

»Guten Morgen Santa«, sprach plötzliche eine äußerst sanfte Stimme hinter ihm. Santa drehte sich um und da war sie wieder, diese Elfe Elif mit dem rot-grünen Samtkleid und dem breiten Gürtel, der besonders ihre Figur betonte. Ihre Augen erinnern an die erste Mondlandung, an die Bilder, die einst an die Erde gesandt wurden mit den tiefblauen Ozeanen. Sie hatte ein besonderes Lächeln, wunderschöne weiße Zähne wie die Frau aus der Zahnpastawerbung. Sie ist schon eine Schönheit, die normalerweise einem nur von Plakaten herunter lächelt oder auf Titelseiten von Illustrierten posiert.

»Guten Morgen, Elif«, antwortete Santa. »Mach mir bitte einen Kaffee.«

Kurze Zeit später kam der Becher, dampfend heiß, goldbraun.

»Hier dein Kaffee …, mit wenig Zucker … aber viel Sahne.«

»Danke, mein Kind.«

Er nahm den Becher, nippte selbstsicher daran und verkündigte dabei noch den Wohlgeschmack des Heißgetränkes. Dabei nutzte er den Augenblick, um ihr nochmals in die tiefen blauen Augen zu schauen. Danach verschwand er zusammen mit dem Office Commander Melvin.

Im Büro hielt ihm Melvin diverse Statistiken, Analysen und Ergebnisse sowie Erfolge und Misserfolge unter die Nase. Dabei sprach er:

»Wie ich schon letztes Jahr berichtete, Santa, werden wir alle nicht jünger. An der Lorenzkurve der grafischen Darstellung kannst du dir veranschaulichen, wie du im Laufe der Jahre immer mehr Zeit in Anspruch nimmst, um die Geschenke zu verteilen.

Letztes Jahr krähte schon der Hahn, als du zurückkamst. Deine Ausrede war, dass du einem angeblichen Kollegen zeigen wolltest, wie man unbemerkt in ein Haus gelangt. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um einen ganz gewöhnlichen Einbrecher handelte, der sich nur so tarnte, um nicht aufzufallen.«

»Das war so ein netter Mann, verteidigte sich Santa. »Wie sollte ich das denn auch wissen. Er war genauso gekleidet wie ich.«