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"Metropolen des alten Orients" von Heday Seyed-Ashraf befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der Metropolen in der antiken Welt des Orients. Neben der Behandlung der Geschichte, Religion, Sprache, Sakralarchitektur und des Alltags wird auf Besonderheiten der jeweiligen Metropole hingewiesen: - die Entstehung der ersten Stadt vor ca. 7000 Jahren in Eridu im äußersten Süden des heutigen Irak, - die Erfindung der Schrift vor ca. 5400 Jahren in Uruk, 50 Kilometer nördlich von Eridu, - die Existenz eines politischen Parlaments vor ca. 5000 Jahren in Ur, 20 Kilometer nördlich von Eridu, - die Gründung der ältesten Staatsbibliothek vor ca. 2600 Jahren in Ninive im Norden des heutigen Irak, - die Erstellung der umfangreichen Sammlung von Rechtssätzen (Kodex Hammurabi) vor ca. 3700 Jahren in Babylon, 90 Kilometer südlich von Bagdad, - die Entwicklung der Kunst, insbesondere der Keramik vor mehr als 5500 Jahren in Susa im Südwesten des heutigen Iran. Letztlich werden Gründe, die zum Verfall und Niedergang der Metropolen geführt haben, näher betrachtet.
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Seitenzahl: 235
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Meiner Enkelin gewidmet
Vorwort
Allgemeines
ZEITTAFEL I: Fruchtbarer Halbmond Zeitraum 2 000 000–1200 v.Chr.
ERIDU
Eridu-Keramik
Glanz und Fall von Eridu
ZEITTAFEL I: Historische Epochen in Südmesopotamien
BYBLOS
Bestattungen
Tempelbau und geschichtliche Entwicklung (Zeittafel I)
Byblos als Vasall der Großmächte
ZEITTAFEL I: BYBLOS – Geschichtliche Entwicklung
Die Königsliste von Byblos
URUK
Erfindung der Schrift
Religion
Tempelbau
Gesellschaft
Uruk-Keramik
Astronomie
Wissenschaft und Technik
Uruks Untergang
ZEITTAFEL I: Epochen der sumerischen Zeit
TABELLE I: sumerische Götter
UR
Bau von Tempeln und anderen Einrichtungen
Organisation, Verwaltung und Recht
Volksversammlung und erste Versuche in Richtung Demokratie
Bestattungen
Gesellschaft-Alltagsleben
Der Niedergang von Ur
ZEITTAFEL I: Regierungszeiten der Könige von Ur I., Akkad und Ur III.
ZEITTAFEL II: Bedeutende Herrscher des 3. Jahrtausends
NINIVE
Das prähistorische Ninive (Zeittafel I)
Religion
Heiligtümer und Tempel
Königspaläste
Bibliotheken und Archive
Geschichtlicher Hergang – wie alles begann
Der Fall von Ninive und das Ende des assyrischen Reiches
Tabelle 1: Chronologische Tabelle mit Kurzbezeichnungen der Perioden und der für die Regionen charakteristischen Organisationsformen
Tabelle 2: Massendeportation in der Zeit des Neo-Assyrischen Reiches
ZEITTAFEL I: Fundschichten der Keramik im prähistorischen Ninive
ZEITTAFEL II-IV: Herrscher Assyriens
BABYLON
Religion und Kult
Tempel und Paläste
Alltagsleben
Kalender und Astronomie
Mathematik und Arithmetik
Herrscher von Babylon
Alt-Babylonische Zeit 1900–1600 v.Chr. (Zeittafel I)
Kassitische Dynastie 1570–1150 v.Chr. (Zeittafel II)
Post-Kassiten 1155–650 v.Chr. (Zeittafel III)
Neobabylonische Zeit – Dynastie der Chaldäer 626–539 v.Chr. (Zeittafel IV)
Babylon nach dem Fall des babylonischen Reichs
ZEITTAFEL I–IV: Babylonische Herrscher
SUSA
Susa, Elam und das Volk
Elamische Sprache
Protoelamische Schrift (um 3200 v.Chr.)
Religion
Tempel und heilige Gärten
Alltagsleben
Das Rechtssystem
Mutterrecht und Thronfolgerecht
Könige von Elam und Susa
Awan-Dynastie – um 2600–2100 v.Chr. (Zeittafel II)
Simash-Dynastie – um 2100–1900 v.Chr. (Zeittafel III)
Haus der Epartiden – um 1900–1500 v.Chr. (Zeittafel IV)
Mittelelamische Epoche – um 1450–1100 v.Chr. (Zeittafel V)
Neuelamische Epoche – um 750–519 v.Chr. (Zeittafel VI)
Angriffe Assyriens gegen Susa
Susas Wiederaufstieg und Fall
Susa – Keramik und Kunst
ZEITTAFEL I: Sumerische Könige und deren Verhältnis zu Elam und Susa
ZEITTAFEL II-VI: Könige von Elam und Susa
D ie kulturelle Entwicklung im alten Orient vollzog sich überwiegend in den Metropolen und Stadtstaaten. Hier befanden sich die Schreibschulen und bedeutende Tempel, in denen gelernt und gelehrt wurde. In diesen Zentren bestand die Möglichkeit, Neues zu experimentieren und zu entdecken. Hinzu kam, dass der wirtschaftliche und kulturelle Austausch zwischen den Zentren diese Entwicklung förderte. Das erforschte Material und die gewonnenen Erkenntnisse wurden meist in Archiven und Bibliotheken festgehalten. In Metropolen Mesopotamiens, die als Wiege der Zivilisation gelten, entstanden so bedeutende Fortschritte auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik.
Aufgrund des regen Interesses für die Geschichte des Altertums und im Zusammenhang mit der Besichtigung der meisten hier behandelten historischen Stätten im Rahmen zahlreicher Studienreisen kam mir die Idee zur Niederschrift dieses Buches, wobei versucht wurde, die bis dato vorhandenen Erkenntnisse möglichst zu berücksichtigen und die Besonderheiten der jeweiligen Metropolen hervorzuheben.
So die frühe städtische Entwicklung in Eridu ein Ort, der zum ersten Mal die Voraussetzungen einer Stadt erfüllte, mit Tempeln, Wohnhäusern, Handwerksbetrieben und einem außerhalb der Stadtmauer befindlichen Friedhof. Die Keramik-Kunst erreichte hier um 5500 v.Chr. eine beachtlich hohe Qualität.
Die Erfindung der Schrift, die Einführung des sexagesimalen Zahlensystems und die Entwicklung der wissenschaftlichen Astronomie im 4. vorchristlichen Jahrtausend in Uruk.
Die Entstehung einer Zentralregierung mit straffer Organisation und einer bürokratisch strukturierten Verwaltung in Ur ähnlich der Planwirtschaft, weiterhin die Abfassung eines Gesetzes-Codex (Codex Urnammu) um 2100 v.Chr.
Die Gestaltung der Stadt Ninive in einer ästhetisch anspruchsvollen Metropole mit einer massiven inneren und äußeren Stadtmauer, Bau großer Tempel und Paläste, die Entstehung der babylonisch-assyrischen Nationalbibliothek und die Errichtung von Aquädukten zwecks Versorgung der Stadt und deren Umgebung mit Wasser.
Der Bau des Turms zu Babel, die Erstellung einer umfassenden Gesetzgebung (Codex Hammurabi) in Babylon, die Weiterentwicklung der Astronomie, Mathematik und Arithmetik, die Geburt der Zahl Null.
Die Wertung des psychologischen Elementes beim Zustandekommen der Verträge in Susa, Mutterrecht im Zusammenhang mit Thronfolgerecht, die Originalität der Kunst, insbesondere der Keramik-Kunst, in Susa.
Neben Hinweis auf Beziehungen zwischen den Metropolen und ihren gegenseitigen Einflüssen werden die Umstände, die zu deren Niedergang führten, näher betrachtet.
Mein Dank gebührt meiner Frau, meiner Tochter und meinem Schwiegersohn für ihren Einsatz bei der Erstellung des Manuskriptes.
Hamburg, im April 2015
Heday Seyed-Ashraf
D ie Sesshaftigkeit der Menschen stand mit der Entdeckung der Landwirtschaft als Lebensgrundlage zusammen. Die Veränderungen der klimatischen Verhältnisse im vorderen Orient gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 17 000 Jahren führten dazu, dass das Klima dort wärmer und feuchter wurde und die Ausbereitung des wilden Getreides am Fuß der Hügel und der Bergketten ermöglichte.
Die Vorteile, die die Natur in diesem Bereich bot, brachte die altsteinzeitlichen Jäger und Sammler dazu, ihre geschützten Plätze und Höhlen, die sie ursprünglich als Unterkunft benutzten, aufzugeben und sich dauerhaft anzusiedeln (Zeittafel 1).
Auf dem Gebiet des fruchtbaren Halbmonds, Palästina, Obermesopotamien, Südost-Türkei und Südwest-Iran, waren die Voraussetzungen für die Nahrungsmittelproduktion am besten gegeben (Abb. 1).
Der Prozess der Ansiedlung und Sesshaftigkeit geschah dabei in Palästina früher als in anderen archäologischen Kulturen der Erde. Dieser Prozess vollzog sich dort bereits in der Jungsteinzeit.
Auf frei liegenden Plätzen entstanden die ersten kreisförmigen Bauten, die zur Hälfte im Boden versenkt waren (Abb. 2). Unter der Verwendung von Stein und Holz als Baumaterial entstanden die ersten dauerhaft bewohnten Unterkünfte.
Die ersten Siedlungen müssten, wie eine Ansammlung von Wohnstätten in Mallaha im Westjordantal aus der Zeit der Natufien-Kultur um 12 500 v.Chr. zeigt, 200 bis 300 Einwohner umfasst haben (1).
In Wadi Hammeh, am Rande des Jordangrabens, sind große, teilweise aus mehreren konzentrischen Steinreihen gebildete Rundstrukturen zu beobachten, die sich als Wohnbauten interpretieren lassen. Sicheln aus Knochen und Horn, Mörser, Stößel, pickelförmige Geräte aus Feuerstein sind zuverlässige Zeugnisse dafür, dass diese Werkzeuge damals zur Herstellung pflanzlicher Nahrung benutzt wurden.
Die Sesshaftigkeit im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelproduktion war ein Prozess, der für die kulturelle Entwicklung der Menschheit von entscheidender Bedeutung war. Diese Entwicklung wird deshalb als „neolithische Revolution“ bezeichnet.
Eine neue Lebensweise zeichnet sich ab: Landwirtschaft sowie später die Viehzucht als Lebensgrundlage und Wohnen in befestigten Wohnstätten.
Nur war das Leben von Menschen jener entfernten Epochen nicht nur auf Ackerbau und Tierzucht beschränkt. In ihren Wohnstätten befanden sich Kultgegenstände, woraus hervorgeht, dass sie sich mit mythischen Themen befassten. Für die rituellen Zwecke gab es sogar gesonderte Gebäude ähnlicher Einrichtungen.
In Göbekli Tepe im Südosten der Türkei hatten die Menschen im 10. Jahrtausend v.Chr., also in der Zeit der frühesten Bauwerke der Menschheit, eine Stätte von primär religiösem Charakter geschaffen.
Hier befinden sich mehrere Steinkreise, die einen Durchmesser von bis zu 20 Metern erreichen.
Jeder Steinkreis besteht aus bis zu 10 T-Kopf-Pfeilern mit einer Länge von 4 Metern über dem Bodenniveau (Abb. 3).
Ein T-Kopf-Pfeiler in diesem Ort, der in einem Steinbruch liegen geblieben war, hatte sogar eine Länge von 7 Metern und eine Kopfbreite von 3 Metern, Felsgewicht ca. 50 Tonnen. Die Pfeiler tragen meist Reliefzier wie Gazelle, Stier, Fuchs, Schlange usw. (Abb. 5).
Die Pfeiler in diesem Ort sollen steinerne menschengestaltige Wesen darstellen, sie tragen Stola, die unter dem Kinn beginnt und bis zur Unterkante des Pfeilers reicht. Man geht davon aus, dass es sich hier um ein rituelles Zentrum und um ein Monument des Totenkults handelt. Die Skulpturen sollen Götter darstellen (2). Die Verwendung des Begriffs Tempel für dieses steinzeitliche Sondergebäude scheint durchaus treffend zu sein. Das große Gewicht des Religiösen in dieser Epoche ist eindeutig.
Auch wenn für die Herstellung der Pfeiler die Arbeitskraft größerer Menschenmengen erforderlich war, geht man nicht davon aus, dass bei Göbekli Tepe es sich um eine dörfliche Gemeinschaft, sondern um eine reine Kultstätte handelte.
Mit Blick auf T-Pfeiler von Göbekli Tepe soll der Turm von Jericho, der wie Göbekli Tepe um 9600 v.Chr. entstanden ist, in einem neuen Licht betrachtet werden.
Die übermodellierten Schädel, die man in Jericho fand, könnten ähnlich den auch in Göbekli Tepe entdeckten übermodellierten Schädeln einen kultischen Hintergrund gehabt haben. Handelte es sich dort vielleicht um einen bevorzugten Bestattungsplatz?
Aufgrund der menschlichen Skelette, die man im Bereich der Mauer und des Turms in Jericho gefunden hat und aufgrund der Tatsache, dass man Skelette junger Menschen fand, könnte es sich dort um eine Menschen-Opferstelle gehandelt haben oder um Soldaten, die im Verlaufe der Verteidigung dort gefallen sind.
Im Falle Jericho stellt sich so die Frage, ob die Verwendung des Begriffes „Stadt“ zutrifft und welche Kriterien erfüllt sein müssen, um mit Blick auf eine Siedlung von einer Stadt zu sprechen.
Unter den Fachleuten gibt es hierzu keine eindeutige Meinung.
Am Beispiel Catal Höyük, ein Ort im Südosten der heutigen Türkei, der oft als eine prähistorische „Stadt“ bezeichnet wird, wurde diese Frage näher untersucht (3).
Seitens der Prähistoriker werden folgende Kriterien für die Bezeichnung eines Ortes als Stadt angeführt:
Größe und Dichte des Siedlungsgebietes
Zentralfunktion, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht
Hoher Grad beruflicher Spezialisierung
Bauliche Organisation und Differenzierung
Langlebigkeit
Befördert man nun Catal Höyük, ein Ort, der die meisten oben genannten Kriterien erfüllt, als „Stadt“ so vermisst man die kommunalen Einrichtungen und die zugehörigen entfernten Siedlungen und Dörfer aus dieser Zeit.
Paläolithikum (Altsteinzeit) Jägerkulturen in der Eiszeit
2 000 000–10 000
Spätpaläolithikum (Jungsteinzeit – Natufien-Kultur – Holozän)
13 000–10 200
Präkeramisches Neolithikum A : PPNA
10 200–8800
Präkeramisches Neolithikum B : PPNB
8800–6900
Präkeramisches Neolithikum C : PPNC
6900–6500
Präneolithikum : PN
6500–6000
Chalkolithikum (Steinkupferzeit)
6000–3300
Bronzezeit
3300–2000
Eisenzeit
1200–450
1 Caubert, Annie und Pouyssegur, Patrick: „Alter Orient 12 000–300 v.Chr.“, Paris (1998), S. 18.
2 Schmidt, Klaus: „Sie bauten die ersten Tempel“, München (2006), S. 127.
3 Schmid, Klaus: „Sie bauten die ersten Tempel“ (s.o.), S. 249–250.
Abb. 1: Der fruchtbare Halbmond nach Fagan, Brian M. in: Die siebzig großen Geheimnisse der alten Kulturen, München (2001/2005), S. 116.
Abb. 2: Modell eines Rundhauses – 10. Jahrtausend v.Chr. nach Caubet, Annie und Poussegur, Patrick in: Alter Orient 12 000–300 v.Chr., Paris (1998), S. 19.
Abb. 3: Steinkreis, bestehend aus mehreren T-Kopf-Pfeilern nach Schmidt, Klaus in: Sie bauten die ersten Tempel, München (2006), Abb. 77, S. 169.
Abb. 4: T-Kopf-Pfeiler mit dem Relief eines Fuchses nach Schmidt, Klaus in: Sie bauten die ersten Tempel (s.o.), Abb. 51, S. 134.
Abb. 1: Der fruchtbare Halbmond
Abb. 2: Modell eines Rundhauses, das teils in die Erde eingelassen ist, (im 10. Jahrtausend v.Chr., Mureybet/Syrien).
Abb. 3: Steinkreis aus mehreren T-Kopf-Pfeilern (Göbekli-Tepe, Südost-Türkei).
Abb. 4: T-Kopf-Pfeiler mit dem Relief eines lebensgroßen Fuchses (Göbekli-Tepe, Südost-Türkei).
„Eridu die erste Stadt, die erschaffen wurde, als das ganze Land noch Wasser war.“
SUMERISCHE LEGENDE ÜBER DIE ERSCHAFFUNG DER WELT1
1 Faud, S.; Mustafa, M. A.; Lloyd, S.: „Eridu”, Bagdad (1981), Abb. 3 C, S. 52.
ENTSTEHUNG DER ERSTEN STÄDTE
Häufig wird Eridu im Süden des heutigen Irak 170 Kilometer nordwestlich von der Stadt Basra als die älteste Stadt der Welt zitiert. Die nächstliegende Stadt ist Nasirira, 35 Kilometer nordöstlich von Eridu (Abb. 1).
Anders als Catal Höyük oder Jericho kann von Eridu als von einem Ort gesprochen werden, der die Voraussetzungen für eine Stadt erfüllte und der Ausgangspunkt für eine Zivilisation war.
Nach der Legende der Schöpfung der Welt, die in Sippar gefunden wurde, war Eridu die erste Stadt, die erschaffen wurde, als das ganze Land noch Wasser war (1).
„Ein Baum war geschaffen,
Ein Schiff gab es nicht,
Ein Haus war nicht gebaut,
Eine Stadt war nicht gebaut,
Das Land stand unter Wasser,
Dann Eridu wurde gebaut.“
Laut sumerischer Literatur lag Eridu, heute Abu Shahrain, an einem See. Stratigraphische Forschungen bestätigen dies jedoch nicht, die Stadt könnte allerdings am Ufer eines großen Sumpfes gelegen haben, der durch die Überschwemmung des Euphrats entstanden war. Ursprünglich soll die Stadt allerdings näher am Golf gewesen sein, durch die Versandung verschob sich ihre Lage nach und nach ins Landesinnere und befindet sich heute etwa 20 Kilometer vom Golf entfernt (Abb. 2).
Erste Ausgrabungsversuche in Eridu wurden im Jahre 1845 von J.E. Taylor im Auftrag vom British Museum begonnen und wurden dann 1918 vom Campbell Thomson und ab 1919 vom H.R. Hall ebenfalls im Auftrag des British Museum fortgeführt.
Weitere eingehende Ausgrabungen folgten 1946 bis 1949 unter der Leitung vom Sayyid Faud Safar im Auftrag des irakischen Kulturministeriums.
Die Geschichte von Eridu ist für die Entwicklungsgeschichte der Zivilisation deshalb so wichtig, weil die Ursprünge dieser Stadt höchstwahrscheinlich auf Vorflutzeit zurückgehen.
Nach Entstehung einer Siedlung Anfang des 6. Jahrtausends v.Chr. wurde hier der erste Tempel während der Vor-Obeid-Epoche um 5570 v.Chr. gebaut (Abb. 2).
Bei der Obeid-Kultur handelt es sich um die wichtigste archäologische Kultur des Chalkolithikums im alten Orient (6. bis 4. Jahrtausend v.Chr.), benannt nach der Siedlung El-Obeid im Süd-Irak.
Um den Tempel formierten sich nach dessen Fertigstellung neue Siedlungen, von denen die spätere Stadt Eridu die südlichste und dem Golf am nächsten war.
Der Tempel bestand aus einem 4,5 x 3,6 Meter großen Raum mit einem Altar und einem Opfertisch in der Mitte des Raumes, ab Obeid-Epoche kamen auch Nebenräume hinzu. Im Tempel befanden sich neben Gottesstatue auch Opferschalen, Trankopfergefäße und andere kultische Gegenstände. Große Mengen von entdeckten Fischknochen deuten darauf hin, dass in dieser Epoche Fische im Tempel geopfert wurden.
Auf den Ruinen eines anfänglich kleinen Tempels wurden im Laufe der Zeit neue Tempel gebaut.
Insgesamt siebzehn Tempel wurden von der Obeid-Epoche bis zur Ur-Periode, in einer Zeitspanne von über dreitausend Jahren nach und nach auf der gleichen Stelle errichtet (Abb. 3).
Beim Bau neuer Tempel hat man versucht, durch die Vergrößerung der Plattform und die Erhöhung der Decke die alten Fundamente und die Wände des alten Tempels zu erhalten und im Neubau zu integrieren. Dies wohl auch aus religiösen Gründen, um das Bestehende zu erhalten (2). Die Ausgrabungen zeigen die kontinuierliche Entwicklung des Tempelbaus an diesem Ort, wo während der dritten Dynastie von Ur in der Herrschaft vom Dynastiegründer Ur-nammu um 2114 v.Chr. mit dem Bau des großen Tempels (Zikkurat) von Enki (Abb. 4) begonnen wurde (3).
Enki, der Hauptgott von Eridu, galt als Gott des schöpferischen Geistes und Gott des Untergrund-Frischwassers. Neben Enki gehörten Enlil und An zum Göttertrias.
Erste Spuren von Menschenleben in Eridu zeigen eine Hausmauer, die mit Backsteinen gebaut war, bei deren Herstellung Stroh verwendet wurde. Die Backsteine hatten die Abmessungen 50 x 25 x 6 Zentimeter (3). Die Stadt, die eine Fläche von 8–10 Hektar besaß, beherbergte neben mehreren Tempeln einen Friedhof außerhalb der Stadtmauer mit fast tausend Gräbern, die auf einen unterschiedlichen sozialen Status in dieser Stadt hinweisen.
Eridu besaß in der Zeit um 4500 v.Chr. wahrscheinlich um die 5000 Einwohner.
Es gab, wie die Ausgrabungen gezeigt haben, eine große Anzahl Familiengräber. Die Tatsache, dass nicht mehr als zwei Skelette in einem Grab lagen, kann vielleicht als Beweis dafür gesehen werden, dass für die Menschen in der Obeid-Epoche das Prinzip der Monogamie galt. Das dritte Skelett, das gelegentlich im Grab gefunden wurde, gehörte zweifellos einem Kind (5).
Bei der Bestattung trugen die Verstorbenen Perlenschmuck und andere Juwelen in Form von Halsketten und Armbändern. In den Gräbern befanden sich auch Schalen, Gefäße und andere keramische Gegenstände.
Die keramischen Erzeugnisse aus Eridu sind unter der Bezeichnung Eridu-Keramik bekannt.
Sie stammen aus verschiedenen Orten der Stadt wie Wohnvierteln, Tempeln und aus dem Friedhof.
Flache (nicht vertiefte) Schalen mit nach unten schmal verlaufendem zylindrischem Sockel sind die frühen Formen dieser Keramik.
Die keramischen Erzeugnisse aus Eridu werden auf der Basis ihrer Verzierung und Färbung in vier Phasen aufgeteilt:
Eridu-Keramik um 5500 v.Chr.
Haji-Mohammad um 5300 v.Chr.
Obeid um 4800 v.Chr.
Spät-Obeid um 4400–3900 v.Chr.
Die Eridu-Keramik wird als Vor-Obeid-Epoche betrachtet (Abb. 5: Gegenstände 8–42) und die Erzeugnisse aus der nachfolgenden Haji-Mohammad-Periode (Abb. 5: Gegenstände 1–7) als Bindeglied zwischen Vor-Obeid und Obeid. In dieser Zeitspanne kann eine Kontinuität in Form und Dekoration festgestellt werden.
Die Keramik aus der Vor-Obeid-Epoche um 5500 v.Chr. zeichnet sich durch besonders feine Qualität aus: einfarbig bemalt, dunkelbraun bis schwarz und manchmal rot.
Karomuster, Gitter und quer laufende Schraffur kommen genauso häufig vor wie Zickzackformen zwischen parallel laufenden Bändern. Die flachen Teller tragen häufig Verzierungen am Rand, die Schüssel und Schalen aus dem Beginn dieser Epoche sind oft außen mit Zickzackformen und innen mit großen Dreiecken versehen.
In der Haji-Mohammad-Epoche (um 5300 v.Chr.) werden die Keramik-Erzeugnisse sowohl außen wie auch innen bemalt, außen breitbandig mit dazwischen eingefügten Dreiecken in Abständen und innen mit Gitter-Muster. Ein anderes typisches Merkmal der Keramik aus dieser Epoche ist der Gebrauch von Zickzack in den Zwischenräumen.
Die Obeid-Periode, ab ca. 4800 v.Chr., zeichnet sich durch die einfachere Verzierung aus, die Originalität in der Ausführung bleibt aber bestehen. Die geometrische Verzierung ist nach wie vor charakteristisch, die Linienführung ist mehr durch Kurven betont und weniger gradlinig.
Die spätere Phase dieser Periode ist durch das vermehrte Auftreten von Uruk-Keramik (ab 3900 v.Chr.) und das vollständige Fehlen der sogenannten Vor-Obeid-Keramik gekennzeichnet.
Auch wenn die Gegenstände weniger geschickt bemalt sind, ein Bruch im Stil kann nicht festgestellt werden. Der Schwerpunkt liegt nun mehr in der Vielfalt der Formen und weniger in der Qualität.
Es handelt sich um die letzte Phase der bemalten Eridu-Keramik.
Der Unterschied der Keramikqualität zwischen den Epochen Vor-Obeid und Spät-Obeid ist eindeutig. Die Erfindung der drehenden Töpferscheibe in der Übergangsphase von Obeid- zu Uruk-Periode führte zur Abnahme der bemalten Keramik, zur Massenherstellung und folglich zum Verschwinden der kunstvollen Handwerksberufe in dieser Branche (6).
Die Eridu-Keramik zeigt Ähnlichkeiten mit den Erzeugnissen aus Samarrah und Susiana.
Die Form und die Dekoration der Schalen und Schüssel lassen eine Verwandtschaft insbesondere mit den Erzeugnissen aus Susiana (im Südwesten des heutigen Irans) zu. Diese Verbindungen sind eindeutig und können aufgrund folgender Feststellungen kaum bestritten werden:
Hinsichtlich des Entwurfes gibt es Ähnlichkeit zwischen Eridu und Jaffarabad. So wurden keramische Erzeugnisse in beiden Regionen entdeckt, die Motive mit schräg laufenden Linien zeigen.
Es gibt Ähnlichkeit zwischen Jaffarabad und Haji Mohammad, diese liegen hauptsächlich in der Machart, so sind die Schüssel in beiden Regionen sowohl innen als auch außen bemalt. Auch die Technik der Verwendung von Motiven zwischen den Linien ist typisch für Jaffarabad.
Ähnlichkeit besteht zwischen Keramiken aus Giyan und Haji Mohammad; noch deutlicher ist jedoch die Ähnlichkeit zwischen den Erzeugnissen aus Tepe Jowi und Haji Mohammad, was insbesondere die Farbe und die Verzierung betrifft.
Es gibt aber keine eindeutigen Beweise dafür, dass die Keramik aus Susiana älter ist als die Eridu-Keramik.
Eridu entwickelte sich von einer anfänglich kleinen Siedlung im Laufe von mehreren Jahrhunderten kontinuierlich und verwandelte sich um 2900 v. Chr. zu einer wahrhaftig lebendigen Stadt mit Tempeln, Ziegelsteinhäusern und Handwerksbetrieben. Um 2100 v.Chr. begann man hier, wie bereits vorher erwähnt, mit dem Bau des großen Tempels (Zikkurat) vom Hauptgott Enki.
Amar-Sin, der dritte Herrscher der dritten Dynastie von Ur (2046–2038 v.Chr.) baute an diesem Tempel weiter und vervollständigte ihn. Danach verlor die Stadt nach und nach an Bedeutung und war Ende des 3. Jahrtausends v.Chr. eher ein Wallfahrtsort und nicht mehr bewohnt (7).
Inzwischen traten andere aufstrebende Städte in der Region auf. Während die Obeid-Kultur sich langsam zu Ende neigte, erschien nun die Uruk-Kultur, deren Anfänge auf 3900 v.Chr. zurückgehen und die sich bis 2000 v.Chr. behauptete.
Die meisten Quellen zeigen das Auftauchen der Sumerer in der Obeid-Periode. Anhand der Entwicklung von Keramik und des Fortbestands der Religion kann nachgewiesen werden, dass die sumerische Zivilisation der Obeid-Kultur nachgefolgt ist.
Die Entwicklung von Eridu erfolgte seit deren frühester Epoche bis zur Uruk-Periode ohne Unterbrechung. Die kulturelle Kontinuität zeigt, dass es in diesem Zeitraum dort keinerlei Anzeichen einer fremden Invasion gab (8).
Vor-Obeid Periode
6000–5500 v.Chr.
Eridu
5500
Haji Mohammad
5300
Obeid
4800
Spät-Obeid
4400–3900
Früh-Uruk
3900
Früh-Mittel-Uruk
3700
Spät-Mittel-Uruk
3400
Spät-Uruk
3100
Jamadat Nasr
3100–2900
Frühdynastie I–II
2900–2600
Frühdynastie III.
2600–2350
Akkad
2350–2200
II. Dynastie von Lagash
2200–2112
III. Dynastie von Ur
2112–2004
Isin-Larsa
2004–1763
Alt-Babylon
1763–1595
1. Heidel, Alexander: „The Babylonian Genesis: The Story of Creation”, Chicago (1974), S. 62.
2. Oates, Joan: „Ur and Eridu, the Prehistory”, Iraq 22 (1960), S. 45.
3. Lloyd, Seton: „Ur-AL Ubaid, Uqair and Eridu – An interpretation of some Evidence from the Flood-Pit”, Iraq 22 (1960), S. 31.
4. Faud, Safar; Mustafa, Mohammad Ali; Lloyd, Seton: „Eridu”, Veröffentlichung von Ministry of Culture and Information – The Organization of Antiquites and Heritage, Baghdad, Iraq 1981, S. 86.
5. Faud, Safar; Mustafa, Mohammad Ali; Lloyd, Seton: „Eridu”, (s.o.) S. 119.
6. Oates, Joan: „Ur and Eridu, the Prehistory“, (s.o.) S. 35–39.
7. Lloyd, Seton: „Abu Shahrain: A Memorandum“, Iraq 36 (1974), S. 139.
8. Oates, Joan: „Ur and Eridu, the Prehistory” (s.o.) S. 47.
Abb. 1: Landkarte von Südmesopotamien nach Faud, Safar; Mustafa, Mahammad Ali; Lloyd, Seton in: Eridu, veröffentlicht durch Ministry of Antiquities and Heritage, Baghdad, Iraq (1981), Abb. 1, S. 30.
Abb. 2: Lageplan von Eridu nach Faud, Safar; Mustafa, Mohammad Ali; Lloyd, Seton: ebenso, Abb. 3, S. 32.
Abb. 3: Grundrisse der Tempel in Eridu nach Lloyd, Seton in: Abu Shahrain – A Memorandum, Iraq 36 (1974), Plate XIX.
Abb. 4: Große Tempel (Zikkurat) von Eridu nach Faud, Safar; Mustafa, Mohammad Ali; Lloyd, Seton in: Eridu, (s.o.), S. 51.
Abb. 5: Eridu-Keramik nach Oates, Joan in: Ur and Eridu, the Prehistory, Iraq 22 (1960) Plate V.
Abb. 1: Geographische Lage von Eridu, Uruk und Ur
Abb. 2: Lageplan von Eridu mit der Stadtmauer und Friedhof außerhalb der Stadt
Abb. 3: Grundrisse der früheren Tempel in Eridu
Abb. 4: Zikkurat von Enki in Eridu
Abb. 5: Eridu und Haji Mohammad Keramik aus Eridu
7000 Jahre Byblos: die älteste ständig bewohnte Stadt der Welt2
2 Nina Jidejian: „Byblos throughout the Ages”, Beirut (1968).
Die an der libanesischen Küste liegende Stadt Byblos zählt zu den ältesten Städten der Welt und ist wahrscheinlich die älteste ständig bewohnte Stadt auf der Erde. Der historische Teil der Stadt war bis Mitte des 19. Jahrhunderts von Plantagen und Häusern zugedeckt und somit weit unbekannt.
Erste Ausgrabungsarbeiten wurden im Jahre 1860 von Ernst Renan begonnen, die dann 1926 bis 1959 von Maurice Dunand fortgeführt wurden. Die Hafenstadt trägt heute den Namen Jbail und befindet sich ca. 45 Kilometer nördlich von Beirut (Abb. 1).
Die erste Ansiedlung des Ortes begann in der neolithischen Epoche vor ca. 7000 Jahren (Abb. 2).
Die Behausung bestand, wie die Ergebnisse der Ausgrabungen zeigen, aus einräumigen Unterkünften mit ovalem Grundriss. Das Fundament bestand aus Kieselsteinen, die aus dem Flussbett gewonnen wurden: Auf das Fundament kam ein Fußboden aus Gips. Die Wände wurden aus dem gestampften Lehm gebaut. Baumzweige, mit Lehm verputzt, dienten als Dachbedeckung.
Um 4500 v.Chr. bestand die Mauer der einzelligen Hütten jeweils aus mehreren Steinschichten, sie unterstützten die Holzpfeiler, die das Dach trugen. Eine Kleistermasse, bestehend aus zermalmten Kalksteinen, wurde auf dem Fußboden ausgebreitet und anschließend poliert, wahrscheinlich mit Hilfe eines größeren Steins (1).
Gegen Ende der Jungsteinzeit wurden Keramikbehälter zur Lagerung von Nahrungsmitteln verwendet. Die von Hand aus Lehm geformten Behälter wurden später gebrannt.
In dieser Zeit entstehen hier die ersten Kunstwerke in Form von Zeichnungen auf den Keramikerzeugnissen. Kreise werden mit Reet und Einritzungen mit Hilfe von Zweigen bzw. Fingernägeln gemalt. Weitere Kunstwerke aus dieser Zeit sind auf den länglichen Kieselsteinen eingeritzte Menschengestalten.
Die Bautechnik der einräumigen Häuser ändert sich gegen Ende des 4. Jahrtausends. Beim Bau der Gemäuer werden nun die Steine fischgrätenartig Schicht auf Schicht verlegt. Die einräumige Bauweise bleibt; zur Erweiterung werden zusätzlich einräumige Häuser dicht an dicht nebeneinander gebaut, weshalb man hier von agglutinierenden Häusern spricht.
In der Zeit um 3100–2900 v.Chr. wird ein neues System beim Hausbau in Byblos eingeführt.
Die Häuser waren jetzt rechteckig und nicht mehr oval. Das eingesetzte Material bestand nicht mehr aus den Kieseln aus dem Flussbett, sondern aus den Sandsteinplatten, die aus den Felsen in der Umgebung gehauen wurden. In dieser Zeit entstehen zahlreiche solide Steinhäuser, Byblos ist keine ländliche Gemeinde mehr.
Um 2800–2700 v.Chr. trat eine neue Volksgruppe in Byblos ein, die neben einer neuen Lebensweise auch die drehende Scheibe bei der Herstellung der Keramik mit sich brachte.
Die Toten wurden in der Zeit um 4500 v.Chr. entweder ausgestreckt oder in Hockerform, liegend mit den Knien am Kinn unter den Häusern beigesetzt.
Die Art der Bestattung ändert sich mit der Zeit, die Toten werden später in eiförmigen Töpfen in Hockerstellung beigesetzt. Zu diesem Zweck wird ein großes Loch in den Topf eingeschlagen und das entstandene Loch mit der herausgeschlagenen Scherbe wieder zugeschlossen.
Die Schädelfunde der Kinder und Erwachsenen aus dieser Epoche zeigen Deformierungen; die überlängten Schädel müssten durch das Anbinden des kindlichen Kopfes zustande gekommen sein.
Auf den Henkeln der Töpfe befinden sich manchmal Siegelabdrücke der Epoche Djemdet-Nasr des Zweistromlandes, was einer Datierung um 2900–2800 v.Chr. entspricht (2).
Im großen Friedhof von Byblos entdeckte man 700 Gräber, in denen man oft Töpfe mit eingeritzten Dekorationen fand. Auch Silberwaren wie Ringe, Ohrenschmuck und Stirnbänder aus dünnem Silberblatt fand man in den Gräbern. Die Stirnbänder sollten allerdings eher die persönliche Stellung des Verstorbenen in der Gesellschaft markieren (3).
In einigen Gräbern fand man Dreier-Gefäßgruppen, die sicherlich Essen und Getränke beinhalteten.
Die Art des Begräbnisses zeigt, dass die Menschen in dieser Epoche, so M. Dunand (1), an ein jenseitiges Leben glaubten.
Gegen 2800 v.Chr. wird das Fundament des Tempels Baalat-Gebal oder Balaat-Gubla, die Herrin von Byblos, gelegt und die Stadt mit einer massiven Stadtmauer versehen (Abb. 3). Es gab zwei Eingänge, einen Landeingang und einen Eingang auf der Seeseite. Einer der frühesten Versuche der Stadtplanung in der Weltgeschichte wurde so in Angriff genommen.
Schon zu Beginn dieser frühen Phase der Stadtgründung führte eine winklige Straße vom Stadtzentrum zu der Stadtmauer. Von dieser Straße zweigten sich schmale Gassen zu den Wohnhäusern ab. Es existierte ein Kanalsystem, um das überflüssige Wasser abzuführen. Ein Brunnen lieferte das benötigte Wasser und der Brunnenplatz war das Zentrum des Stadtlebens. Von nun an verwandelt sich Byblos in eine wichtige urbane Stadt. Eine Periode des Wohlstands, Reichtums und lebhaften Handels fängt in diesem Stadtstaat mit seinem wichtigen Seehafen an.
Handelsleute aus Ägypten und aus dem Zweistromland nutzten Byblos als Umschlaghafen für den Export ihrer Waren. Byblos war außerdem ein bedeutender Hafen für den Export von Zedernholz, das als Baumaterial, auch im Schiffbau, in der damaligen Welt begehrt war.
Es gab rege Kontakte zwischen Byblos und seinen benachbarten Ländern, vor allem mit Ägypten.
Ein Zeichen für enge Beziehungen zwischen Byblos und Ägypten ist eine Inschrift auf einem Vasen-Bruchstück mit dem Namen Chachemui, der letzte König der 2. Ägyptischen Dynastie, der in der Zeit 2734–2707 v.Chr. regierte. Diese und die Inschrift von Cheops und Mykerinos, beide Könige der 4. ägyptischen Dynastie (2575–2150 v.Chr.) wurden laut Erwin J. Wein (4) in den Trümmern in der Nähe des Tempels bzw. im Hof des Tempels der Göttin Baalat Gebal gefunden.
An diesem Tempel wurden im Laufe der Zeit zwecks Erweiterung nach und nach mehrere Komplexe in agglutinierender Bauweise angebaut (s. Plan von Byblos Abb. 4, Ziffer 3).
Ein anderes großes Heiligtum der Reshef-Tempel, ein Heiligtum des männlichen Gottes, wurde in der Zeit zwischen 2450 und 2190 v.Chr. in Byblos gebaut.
Zwischen 2500 und 2150 v.Chr. wird die Stadt von Nomadenstämmen heimgesucht, die aus dem Zweistromland stammten und unter dem Namen Amoriten bekannt waren.
