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Zufällig trifft die blinde Schriftstellerin Julia in einer Bar auf den grobschlächtigen Wrestler Scott. Nachdem sie seine Schmerzen auf geistiger Ebene durch sanften Kontakt lindert, kommen sich die beiden näher und es entwickelt sich eine zarte Romanze. Connie Herzogs neuer Roman spielt diesmal gewohnt humorvoll, emotional und unterhaltsam im Wrestling-Milieu.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
1. KAPITEL
2. KAPITEL
3. KAPITEL
4. KAPITEL
5. KAPITEL
6. KAPITEL
7. KAPITEL
8. KAPITEL
BÜCHER VON CONNIE HERZOG
Impressum
Scott wuchtete sich mühsam auf einen Barhocker. Er war total erschöpft und fühlte sich völlig erschlagen. Seit Wochen tourten sie schon quer durch Deutschland, mit einem kurzen Abstecher nach Österreich. Das war extrem anstrengend und nach jedem Auftritt im Ring fühlte er sich erschöpfter. Er ließ seinen Blick über die anderen Gäste schweifen und ihm fiel eine junge Frau auf, die am anderen Ende der Bar saß und an einem Glas nippte. Verwundert stellte er fest, dass sie eine Sonnenbrille trug. Scott runzelte die Stirn. So ein Blödsinn! Bei dem Dämmerlicht hier, brauchte man nun wirklich keine Sonnenbrille. Er ließ keinen Blick von der jungen Frau. Irgendwas brachte ihn aber dazu, sie immer wieder anzusehen, ohne dass er hätte sagen können, was ihn so faszinierte.
„Hey, hast du mir schon ein Bier bestellt?“
Krachend landete eine Hand auf seiner Schulter und Scott bekam fast einen Herzschlag vor Schreck.
„Bist du übergeschnappt?“,
fauchte er seinen Freund an.
„Du hast mich zu Tode erschreckt…“
„Tschuldigung“,
murmelte Larry.
„Also, wo ist mein Bier?“
„Ich habe noch gar nicht bestellt“,
brummte Scott und versuchte, an Larry vorbeizusehen.
Aber sein Freund versperrte ihm die Sicht auf die junge Frau. Schließlich packte Scott Larry bei den Schultern und schob ihn neben sich.
„Setz dich hin und halt die Klappe“,
sagte er unwillig und richtete seinen Blick sofort wieder auf das Ende der Bar.
Aber nun war der Platz leer. Hastig ließ Scott seinen Blick über die Tische schweifen. Vielleicht hatte sie sich nur an einen Tisch gesetzt, aber sie war wohl gegangen.
„Jetzt ist sie weg…“,
brummte Scott vorwurfsvoll in Larrys Richtung.
„Darf ich wieder was sagen?“,
erkundigte der sich vorsichtig.
„Wenn es sein muss…“
Larry rollte die Augen gen Himmel.
„Was ist denn los mit dir? Und wer ist weg?“
Scott zögerte. Sollte er seinem Freund wirklich von der jungen Frau erzählen?
„Hey, ich hab dich was gefragt!“
Larry verpasste ihm einen freundschaftlichen Rippenstoß.
„Die junge Frau, die da hinten gesessen hat.“
„Wo?“
Larry spähte neugierig über Scotts Schulter.
„Ich sagte doch, sie ist nicht mehr da.“
Larry zuckte zusammen bei den scharfen Worten seines Freundes.
„Mann, bist du schlecht drauf.“
Er drehte sich um und stützte sich mit beiden Händen auf dem Tresen auf. Scott holte tief Luft. Larry konnte ja nun wirklich nichts dafür.
„Tut mir leid.“
„Ja, ja.“
Larry versank wieder in Schweigen. Er starrte in sein Bierglas, als sei der Weisheit letzter Schluss darin zu finden. Scott richtete seine volle Aufmerksamkeit auf Larry.
„Dir scheint es auch nicht gerade gut zu gehen.“
„Mir tut alles weh. Ich wünschte, die Tour wäre endlich vorbei.“
„Da geht es dir wie mir. Ich bin schon froh, dass wir zweimal hintereinander in derselben Stadt antreten. So müssen wir wenigstens morgen nicht so früh aufstehen.“
Scott sah sich um. Mittlerweile hatten sich noch andere Wrestler in der Bar eingefunden und auch ein paar Fans kamen herein. Eine junge Frau steuerte sofort zielsicher auf Larry und Scott zu.
„Du wirst gleich angequatscht“,
raunte Scott seinem Freund zu und Larry stöhnte auf.
„Halt sie mir vom Leib“,
bat er und Scott setzte so eine böse Miene auf, dass die junge Frau zögernd stehenblieb und sich dann doch entschloss, auf den weniger finster dreinblickenden Rocky zuzugehen.
„Du kannst aufatmen. Sie ist weg.“
„Das ist gut.“
Larry versank wieder in Schweigen und Scott holte tief Luft.
„Du bist ja heute auch wahnsinnig gesprächig“,
meinte er sarkastisch.
„Ich bin müde, das ist alles.“
„Dann geh ins Bett und schlaf.“
„Würde ich ja gerne, wenn ich könnte. Aber immer wenn ich im Bett liege, fange ich an zu grübeln.“
„Worüber?“
„Blöde Frage, denk mal scharf nach.“
„Über Caro? Na daran bist du doch selber Schuld“,
stellte Scott mitleidslos fest.
„Vielen Dank für deine Anteilnahme“,
fauchte Larry.
„Was soll ich denn sonst sagen? Ich habe doch recht…“
Nun war auch Scott eingeschnappt.
Schweigend saßen die beiden nebeneinander und tranken ihr Bier. Ihre ganze Haltung drückte Ablehnung aus und so wagte sich auch der mutigste Fan nicht an sie heran. Nachdem sie sich eine ganze Zeit angemault hatten, fing Larry schließlich ein Gespräch an und Scott ging dankbar darauf ein. Er wusste einen guten Freund zu schätzen, er hatte nicht viele davon und Larry war so ein Freund. Und da mochte er es gar nicht, wenn der dann böse mit ihm war. Die beiden blieben nicht mehr lange an der Bar. Nachdem sie ausgetrunken hatten, zahlten sie und gingen auf ihre Zimmer. Scott ließ sich langsam aufs Bett gleiten und machte sich lang. Es dauerte nicht lange, da war er fest eingeschlafen. Larry tat es ihm gleich. Er zog sich aus und legte sich aufs Bett. Er schloss die Augen und schlief wider Erwarten rasch ein.
Am nächsten Tag schliefen sich die Wrestler mal wieder richtig aus. Sie waren alle von der langen Tour ausgelaugt und erschöpft. Am späten Nachmittag ging es dann in die Halle und als sie nach den Kämpfen ins Hotel zurückkamen, zog es Scott sofort wieder an die Bar. Er hoffte, die junge Frau noch einmal zu sehen, die ihn gestern so fasziniert hatte. Sein Herz schlug ein paar Takte schneller, als er sie an der Bar sitzen sah. Neben ihr war alles frei und Scott wuchtete sich auf den Barhocker neben ihr. Der Anfang war gemacht, nur was nun? Scott hatte nicht viel Übung in solchen Dingen. Er hatte seiner Meinung nach nicht gerade ein ansprechendes Äußeres und eigentlich noch nie das Bedürfnis gehabt, jemanden in der Bar anzusprechen. Verzweifelt suchte er nach einem Gesprächsthema. Dabei musterte er sie möglichst unauffällig von der Seite. Sie trug wieder eine Sonnenbrille und schien sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, denn sie schaute stur nach vorn. Die junge Frau war sehr attraktiv und irgendwie ging etwas Magisches von ihr aus. Plötzlich drehte sie den Kopf in seine Richtung und schnell sah er weg. Es dauerte aber nicht lange, da begann er wieder, sie verstohlen anzuschauen. Er konnte einfach nicht anders. Sie griff nach ihrer Handtasche und die fiel herunter.
„Mist“,
murmelte sie leise und begann, von dem Barhocker zu steigen.
Plötzlich begriff Scott, warum sie eine Sonnenbrille trug. Die junge Frau war blind. Mit dem Fuß schob er die Tasche in ihre Richtung. Julia griff danach und setzte sich wieder auf den Barhocker. Sie zahlte ihren Drink und wandte sich Scott zu.
„Vielen Dank, dass Sie mir geholfen haben.“
„Gern geschehen“,
antwortete Scott automatisch und fügte rasch
„Woher wissen Sie?“,
hinzu.
„Ich meine…“
Verlegen brach er ab, aber die junge Frau lachte.
„Das braucht Ihnen nicht peinlich zu sein. Ich kann es spüren, wissen Sie. Ich bin übrigens Julia Klaas.“
Spontan streckte Julia die Hand aus. Scott ergriff sie.
„Scott Menken. Was machen Sie hier im Hotel? Verzeihen Sie meine Neugier.“
„Aber nein, ich habe mich hier mit meinem Verleger getroffen und bei der Gelegenheit auch gleich eine Lesung gegeben, ein paar Bücher signiert und unzählige Fragen beantwortet.“
„Sie haben ein Buch geschrieben?“,
fragte Scott und Julia hörte das Erstaunen in seiner Stimme.
„Ja, über mein Leben als Blinde.“
„Das werde ich mir gleich morgen kaufen“,
versprach Scott.
Auf einmal hatte er gar keine Lust mehr, auf sein Zimmer zu gehen. Die junge Frau gefiel ihm. Sie war so natürlich und offen.
„Wissen Sie was? Ich schenke Ihnen eines. Ich habe noch ein Exemplar auf meinem Zimmer. Wenn Sie mitkommen, gebe ich es Ihnen.“
„Sehr gern, vielen Dank“,
meinte Scott erfreut.
Rasch bezahlte er sein Bier und stand auf.
„Darf ich meine Hand auf Ihren Arm legen?“
„Selbstverständlich.“
Scott nahm ihre Hand und führte sie zum Fahrstuhl. Julias Zimmer lag im vierten Stock und dort angekommen, bat sie ihn, einen Moment Platz zu nehmen. Da keine andere Möglichkeit vorhanden war, setzte er sich aufs Bett. Julia holte das Buch, schrieb eine Widmung hinein und setzte sich neben ihn.
„Danke.“
Scott schlug das Buch auf.
„Eine nette Begegnung ist wie ein Sonnenstrahl an einem Regentag“,
stand auf der ersten Seite.
Außerdem noch „Alles Gute Scott“ und ihre Unterschrift.
Berührt klappte er das Buch zu.
„Vielen Dank, ich freue mich sehr.“
„Darf ich Sie etwas fragen?“
„Natürlich, was Sie wollen“,
meinte Scott großzügig.
Gleich darauf bereute er seine Großzügigkeit.
„Sie haben Schmerzen, nicht wahr?“
Scott schwieg. Er hasste es, anderen gegenüber Schwäche zu zeigen.
„Scott…“,
drängte Julia sacht.
„Sie können es mir ruhig sagen. Ich kann es an Ihrer Stimme hören.“
Sanft legte sie ihre Hand auf sein Knie. Scott wollte protestieren, aber das Wort blieb ihm im Hals stecken. Die Stelle, die Julia berührte, wurde auf einmal sehr warm.
„Was ist mit deinem Knie?“
Unbewusst ging sie zum DU über. Scott hätte später nicht sagen können, was ihn dazu brachte, Julia alles zu erzählen. Vielleicht war es ihre sanfte Stimme oder ihre einfühlsame Art. Schließlich waren sie sich heute zum ersten Mal begegnet und doch hatte er das Gefühl, er würde sie seit Jahren kennen. Sie strahlte eine unheimliche Wärme und Geborgenheit aus. Scott spürte, dass er ihr vertrauen konnte.
„Ich bin Wrestler und da bleibt es nicht aus, dass man sich ab und zu mal verletzt. Mein Knie ist vor vier Monaten operiert worden und von Zeit zu Zeit macht sich die Verletzung noch bemerkbar. Mal mehr, mal weniger.“
„Kannst du denn nicht länger pausieren? Es ist doch sicher nicht gut, wenn du das Knie so stark belastest, oder?“
„Nein, das war auch so nicht geplant, aber zwei meiner Kollegen haben sich ernsthaft verletzt und ich bin für einen eingesprungen. So läuft das bei uns nun mal“,
fügte er fast entschuldigend hinzu.
„Jetzt sind wir schon seit vier Wochen auf Tour und das geht stark an die Substanz. Uns geht es allen nicht gut. Jeden Abend in den Ring und tagsüber mit dem Bus von einer Stadt in die nächste. Das schlaucht natürlich.“
Scott verstummte.
„Vielleicht kann ich dir helfen.“
„Wie willst du mir…?“,
irritiert brach er ab.
Julia hatte ihre Hände auf seinen Nacken gelegt und sofort machte sich eine wohlige Wärme breit. Sacht begann sie, seinen verkrampften Nacken zu massieren.
Scott schloss die Augen. Ihre Berührungen taten ungeheuer gut. Manchmal ließ sie die Hände einfach ruhig auf einer Stelle liegen, bis er das Gefühl hatte, zu kochen. Dann wieder zog sie kleine Kreise über seinen Nacken und seine Schultern. Julia spürte, wie er sich immer mehr entspannte.
„Ich will dein Knie noch ein wenig behandeln“,
sagte sie in die Stille hinein und Scott zuckte zusammen.
Er hatte sich so auf ihre Hände konzentriert, dass alles andere in den Hintergrund gerückt war.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.“
Sie legte ihre Hände auf sein Knie und konzentrierte sich voll auf die Schmerzen.
Scott konnte es kaum glauben.
„Wie machst du das?“,
fragte er flüsternd, als hatte er Angst, den Zauber zu zerstören.
„Man nennt das Reiki. Ich beschäftige mich schon sehr lange damit. Wenn ich dich berühre, kann ich dir durch die Kraft meiner Gedanken die Schmerzen nehmen. Bei dir müsste ich das allerdings regelmäßig machen und nicht nur einmal. Bleibt ihr noch länger hier in der Stadt?“
„Morgen noch, dann geht es weiter in die nächste Stadt. Es wäre sehr schön, wenn du mich nochmal behandeln könntest. Das ist kein Vergleich zu den anderen Massagen, die ich schon bekommen habe.“
„Wir können uns doch morgen treffen. Vielleicht eine Stunde, bevor ihr in die Halle fahrt“,
schlug Julia vor.
„Das wäre toll. Ich würde dich sehr gern wiedersehen“,
sagte Scott leise und legte fast schüchtern seine Riesenpranke auf ihre Hand.
„So klein und zart und doch steckt so viel Kraft in ihnen“,
wisperte er kaum hörbar und Julia wurde ganz warm ums Herz.
Sie schwiegen und schließlich räusperte sich Scott.
„Ich werde dann mal gehen.“
„Ja gut, wir sehen uns morgen. Ich hinterlasse dir an der Rezeption eine Nachricht.“
Ihre Hand lag ruhig und fest auf seiner Schulter.
„Ganz langsam und vorsichtig“,
mahnte sie leise.
Diese Stimme! Was war das nur, was ihn so gefangen nahm, was seine Mauer, die er so mühselig um sich herum gebaut hatte, ins Bröckeln kommen ließ. Und das, obwohl er sie erst seit ein paar Stunden kannte. Scott konnte es nicht fassen. Gefolgt von Julia ging er zur Tür und nahm ihre Hand.
„Ich freue mich sehr, dass wir uns kennengelernt haben. Gute Nacht, schlaf schön.“
Er führte ihre Hand zum Mund und hauchte einen Kuss darauf. Unmittelbar darauf fiel die Tür ins Schloss. Julia war allein. Nachdenklich zog sie sich aus und legte sich ins Bett. Sie dachte noch eine ganze Weile an Scott und versuchte, ihn sich vorzustellen. Er war sehr groß und muskulös, das hatte sie beim Massieren spüren können. Bestimmt hatte er liebe Augen, das konnte sie an seiner Stimme hören. Sie freute sich auf das Wiedersehen und da die Behandlung sehr viel Kraft gekostet hatte, schlief sie bald ein.
Scott war gerade in seinem Zimmer, als es klopfte. Vielleicht hatte Julia etwas vergessen? Unsinn, sie wusste ja gar nicht, in welchem Zimmer er war. Trotzdem hastete er so schnell er konnte zur Tür und riss sie auf. Es war natürlich nicht Julia, sondern Larry.
„Du bist es, was willst du jetzt noch?“,
brummte er unfreundlich.
„Na du hast ja vielleicht Humor. Ich habe mir Sorgen gemacht. Du hast vorhin gar nicht gut ausgesehen und wir zwei waren verabredet. Wo warst du denn?“
„Ich habe an der Bar eine Frau kennengelernt und bin mit ihr auf ihr Zimmer gegangen.“
„Du hast was getan?“
Larry starrte seinen Freund an, als hätte der plötzlich zwei Köpfe. Er kannte ihn schon so lange, aber das hatte Scott noch nie gemacht.
„Nicht das was du denkst. Es gibt im Leben noch was anderes als Sex. Wenn du dir das ein bisschen öfter gesagt hättest, wäre deine Ehe vielleicht noch intakt“, blaffte Scott seinen Freund an.
Larry lief rot an.
„Hör mal…“
Scott winkte ab.
„Sie ist anders. Sie hat mich behandelt… mit Reiki. Hast du schon mal was davon gehört?“
„Caro hat mir mal davon erzählt. Ich glaube, sie hat Bücher darüber zu Hause.
