Verwandelte Rache 2 - Connie Herzog - E-Book

Verwandelte Rache 2 E-Book

Connie Herzog

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Beschreibung

Der Umzug in ihr neues Heim hält für Sarah, Rick und die Kinder zahlreiche Überraschungen bereit. Alte und neue Freunde sorgen für jede Menge Turbulenzen, und dann taucht auch noch plötzlich ein mysteriöser Fremder in der Einfahrt vor ihrem Haus auf...

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

Bücher von Connie Herzog

Impressum

1. Kapitel

„Da... sie macht ein Auge auf“, wisperte Colin kaum hörbar.

„Aber auch nur, weil Lisa an den Augenlidern zieht“, flüsterte Bobby genauso leise.

„Lasst sie doch schlafen. Wer weiß, wann sie schlafen gegangen ist. Und ihr habt Daddy gehört, wir sollen sie auf gar keinen Fall wecken“, redete Bobby weiter.

Die Stimmen der Kinder drangen nur langsam in Sarahs Bewusstsein und während sie noch überlegte, ob sie so tun sollte, als schliefe sie noch, steckte Lisa ihr einen Finger ins Ohr. Sarah musste lachen und schlug die Augen auf. Sie holte die kleine Prinzessin zu sich ins Bett und setzte sie auf ihren Bauch.

„Guten Morgen, ihr Rasselbande. Habt ihr gut geschlafen?“

„Haben wir, du auch?“

„Nicht unbedingt lange genug, aber dafür habe ich etwas Wunderschönes geträumt“, gestand Sarah.

„Von Daddy?“, wollte Philip neugierig wissen.

„Ja, von deinem Daddy. Ich war mit ihm auf einer einsamen Insel. Ohne Kinder...“

„Was habt ihr da gemacht?“

„Den ganzen Tag geschlafen“, antwortete Sarah.

„Wie langweilig“, fand der Kleine.

Lisa hatte inzwischen begonnen, Sarahs Bauch als Trampolin zu benutzen und Sarah stöhnte auf.

„Du wirst auch von Tag zu Tag schwerer. Ich denke, ich sollte dich mal auf Diät setzen. Geht ihr doch schon mal in die Küche. Ich komme gleich. Ist euer Vater schon weg?“

„Schon lange“, behauptete Colin.

„Er hat auch gesagt, wir sollen dich schlafen lassen“, meinte Bobby etwas schuldbewusst.

„Bist du uns jetzt sehr böse?“

„Ach Quatsch. Und nun geht schon. Und nehmt die kleine Maus hier mit.“

Bobby hob ihre Schwester hoch und stellte sie auf die Füße. Blitzschnell krabbelte Lisa wieder zu Sarah ins Bett.

„Isa muse...“, verlangte sie und drängte sich an Sarah.

Sarah legte den Arm und sie und ehe sie bis drei zählen konnte, kroch auch Philip zu ihr ins Bett.

„Ich will auch schmusen!“

Sarah legte den anderen Arm um ihn und machte den beiden Größeren ein Zeichen.

„Na, worauf wartet ihr noch? Legen wir eine Schmusestunde ein, bevor ich aufstehe.“

Bobby und Colin ließen sich das nicht zweimal sagen. Obwohl sowohl die 14-jährige Bobby, als auch der 12-jährige Colin sonst nicht genug betonen konnten, dass sie schließlich schon fast erwachsen waren, eine Schmusestunde mit Sarah ließen sie sich nicht entgehen. Sarah, die nach dem plötzlichen Tod der Mutter als Haushälterin und Kindermädchen zu ihnen gekommen war und die nun nach vielen Missverständnissen bald ihren Vater heiraten würde. Die fünf blieben noch eine ganze Weile im Bett. Sie schmusten, kuschelten und besprachen, was sie heute noch alles machen wollten. Schließlich löste Lisa die Schmusestunde wieder auf, weil sie nachdrücklich verlangte, aufs Töpfchen gesetzt zu werden. Sarah kam der Bitte nach und ging anschließend unter die Dusche. Draußen schien die Sonne und nach vier Tagen Dauerregen konnten es alle kaum erwarten, wieder draußen toben zu können.

Als Sarah in die Küche kam, hatten die Kinder den Hund schon in den Garten gelassen. Nun rannte er bellend durch das noch feuchte Gras, von einer juchzenden Lisa verfolgt, die vergeblich versuchte, Sam einzuholen. Sarah kochte Kaffee und machte für die Kinder und sich Frühstück. Sie hatten sich gerade hingesetzt, da tauchte Jane auf. Sie hatte ihre kleine Tochter auf dem Arm und nahm am Tisch Platz.

„Hast du einen Kaffee für mich? Michelle hat mich die halbe Nacht nicht schlafen lassen. Sie bekommt Zähne“, erklärte sie gähnend.

„Sarah, dürfen wir unsere Sandwichs draußen essen?“, unterbrach Bobby das Gespräch und als sie nickte, ging Bobby mit ihren Brüdern raus.

Nur Lisa blieb in der Küche. Sarah schenkte Jane lachend einen Kaffee ein und nahm ihr Michelle ab. Das fand Lisa gar nicht gut. Sofort versuchte sie, auch noch auf Sarahs Schoß zu krabbeln und als es ihr nicht sofort gelang, stampfte sie wütend mit dem Fuß auf. Sie bekam Michelles Arm zu fassen und zog daran.

„Meine Sasa... meine Sasa...!“, rief sie laut und Michelle verzog das Gesicht.

„Aber Lisa!“

Sarah war richtig erschrocken.

„Was soll denn das? Hör sofort damit auf!“, befahl sie streng.

Lisa ließ den Arm los, blieb aber traurig vor Sarah stehen.

Sarah legte Michelle von einer Seite auf die andere und half Lisa, auf ihren Schoß zu krabbeln. Sofort kuschelte die Kleine sich an sie.

„Das hat sie noch nie gemacht“, wunderte Sarah sich.

„Sie ist eifersüchtig“, meinte Jane seelenruhig.

„Das ist völlig normal. Vermutlich wird es noch schlimmer, sobald du ein Baby bekommst. Denn bis jetzt ist sie dein Baby und das weiß die kleine Maus auch nur zu genau.“

„Ein Baby? Jane, ich habe schon vier Kinder“, schmunzelte Sarah und gab Lisa einen Kuss auf die Haare.

„Na und? Du willst mir doch nicht allen Ernstes erzählen, dass du von Rick kein Baby möchtest? Ich meine ein eigenes? Jetzt hör aber auf!“

„Ja, aber schließlich hat Rick auch schon vier Kinder. Ich weiß doch gar nicht, ob er noch ein fünftes möchte.“

Jane brach in Gelächter aus.

„Ich glaube es einfach nicht, du solltest dich jetzt mal sehen. Du wirst ja richtig rot!“

Jane amüsierte sich königlich und Sarah nahm die Farbe einer überreifen Tomate an.

„Schön, dass du deinen Spaß hast“, meinte sie leicht säuerlich.

„Rick und ich haben einfach noch nicht über weitere Kinder gesprochen, das ist alles. Außerdem, ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass...“

Sarah brach ab. Vergeblich suchte sie nach den richtigen Worten.

„Was kannst du dir nicht vorstellen? Ein Baby von Rick zu bekommen? Überhaupt ein Baby zu bekommen? Hey Sarah… rede mit mir!“

Jane beugte sich vor und ihr Blick nagelte die junge Frau fest. Sarah stellte Lisa auf den Boden und legte Michelle auf eine Decke. Dann schenkte sie nochmals Kaffee nach.

„Ach Jane, können wir nicht das Thema wechseln?“

„Kommt gar nicht in Frage“, grinste Jane.

„Dazu bin ich viel zu neugierig und das weißt du. Also?“

Sarah nahm einen langen Zug.

„Weißt du, Rick und ich haben noch nicht einmal einen Hochzeitstermin festgesetzt. Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Bis auf den Ring an meinem Finger...“

Jane legte den Kopf schief.

„So langsam bekomme ich eine Ahnung, worauf du hinaus willst. Aber sprich ruhig weiter.“

„Nichts weiter. Mehr wollte ich dazu nicht sagen.“

„Du willst also damit sagen, dass ihr aus Rücksicht auf die Kinder noch in getrennten Zimmern schläft?“

„Ja, das wollte ich damit sagen“, meinte Sarah erleichtert.

„Das ist aber noch nicht alles.“

Das war mehr Feststellung als Frage und Sarah seufzte leise. Ihr war klar, dass Jane nicht eher locker lassen würde, bis Sarah ihr auf alle Fragen geantwortet hatte.

„Und was ist, wenn die Kinder mal nicht in der Nähe sind, oder wenn sie schlafen? Das soll ja auch bei vier Kindern ab und zu vorkommen.“

Jane ließ Sarah nicht aus den Augen und die wusste schon gar nicht mehr, wo sie hinschauen sollte.

„Dann erledige ich die Hausarbeit, die den ganzen Tag über liegengeblieben ist“, wich Sarah aus.

„Sarah!!“

„Was willst du denn hören?“

„Ich will Einzelheiten.“

„Die würde ich dir auch gerade erzählen!“

„Ach Sarah, du weißt doch, was ich meine. Was ist denn so abwegig daran, von Rick ein Baby zu bekommen?“

Sarah wurde schon wieder rot und das machte Jane stutzig.

„Ich meine, ihr habt doch schon, oder etwa nicht?“

Sarah sah peinlich berührt zu Boden und Jane fixierte sie mit Blicken.

„Ihr habt nicht“, stellte sie fest.

„Das darf doch nicht wahr sein. Warum denn nicht?“

„Ach Jane, wann denn?“

„Nachts, wenn euch gar nichts anderes übrig bleibt. Ich bin auch gerne bereit, euch mal für einen ganzen Tag die Kinder abzunehmen, falls es daran liegen sollte. Außerdem wart ihr doch über eine Woche in Australien. Hattet ihr denn da keine Gelegenheit? Ich meine...“

„Diese eine Woche war stressiger als vier Wochen hier. Ich hatte mit Bobby und Lisa zusammen ein Zimmer und war froh, wenn ich abends im Bett lag und schlafen konnte“, brummte Sarah.

„Hast du denn keine Sehnsucht danach, mal neben ihm einzuschlafen?“

„Bin ich schon, öfter als du denkst“, gestand Sarah.

„Ich kann es noch immer nicht glauben. Da seid ihr seit drei Monaten verlobt und habt noch nicht zusammen geschlafen. Soviel Geduld hätte ich Rick gar nicht zugetraut“, grinste Jane.

„Oh bitte, hör auf. Du machst mich verlegen“, gestand Sarah.

„Warum?“, fragte Jane unbekümmert.

„Wir sind doch unter uns. Michelle wird schon nichts ausplaudern.“

„Michelle nicht, aber Lisa“, meinte Sarah.

„Ach was, Lisa hört uns gar nicht zu... nicht wahr, Mäuschen?“

Lisa sah nicht mal hoch.

„Wollt ihr etwa warten, bis ihr verheiratet seid? Das ist ja sooo romantisch“, schwärmte Jane.

Sarah musste lachen.

„Du bist wirklich unmöglich.“

„Das solltest du doch langsam wissen. Falls ihr es euch doch noch anders überlegt, lass es mich wissen, dann nehme ich euch die Kinder mal ab.“

Jane stand auf und nahm ihre Tochter auf den Arm. Sarah atmete tief durch, dann stand auch sie auf und konnte Lisa gerade noch daran hindern, den Mülleimer auszuleeren.

„Das lassen wir wohl besser. Wollen wir nicht auch rausgehen und mit den anderen spielen?“

Lisa ließ sich auf den Arm nehmen und die beiden gingen hinaus. Sarah war nicht so ganz bei der Sache. Das Gespräch mit Jane ging ihr nicht aus dem Kopf. Sicher sehnte sie sich manchmal danach, ganz nah bei ihm zu sein, in seinen Armen zu liegen und seinen Körper zu spüren. Aber es hatte sich einfach noch nicht ergeben. Über ein paar Küsse und Streicheleinheiten waren sie noch nicht hinweggekommen. Es hatte sich wirklich nicht viel geändert. Sie waren verlobt, aber sie lebten noch genauso zusammen, wie vor der Verlobung. Ob er wohl gerne mit ihr schlafen würde? Warum machte er dann nie irgendwelche Anstalten? Ob er sie wirklich liebte oder nur deshalb heiraten wollte, weil sie so gut mit den Kindern klarkam? Das Spiel der Kinder zog an ihr vorbei. Ihre Gedanken kreisten nur noch um Rick.

So vergingen ein paar Tage. Sarah war still und längst nicht so fröhlich wie sonst. Wenn die Kinder in der Nähe waren, ließ sie sich nichts anmerken, aber wenn sie allein war, fiel die Fröhlichkeit von ihr ab, wie eine Maske. Rick bemerkte es ziemlich schnell, obwohl sie sich auch in seiner Gegenwart ungeheuer zusammennahm. Er spürte, dass sie etwas quälte, aber sie wollte nicht mit der Sprache heraus, was es war. Eines Abends stritten sie deswegen fast. Rick ging schließlich nach draußen, um sich abzureagieren. Im Garten traf er auf Jane, die ein paar Blumen schnitt.

„Mensch, was machst du denn für ein Gesicht?“

„Ich hatte Streit mit Sarah“, gestand Rick.

„Sie ist in den letzten Tagen so seltsam. Ich wollte wissen, was los ist. Das will sie mir aber ums Verrecken nicht sagen.“

Jane sah ihn nachdenklich an.

„Lass mich mit ihr reden. Ich denke, ich weiß was los ist. Und wenn ich mit meiner Vermutung recht habe, dann bin ich daran nicht ganz unschuldig.“

„Du wirst mir aber vermutlich auch nicht sagen, was es war, oder?“, brummte Rick.

„Nein, werde ich nicht. Überlasse es mir. Du geh wieder rein und sei so normal wie immer.“

„Wenn du meinst...“

Nicht mehr wütend, aber dafür sehr niedergeschlagen, ging Rick wieder ins Haus. Von Sarah war nichts zu sehen. Rick räumte den Geschirrspüler aus und stellte das Geschirr auch gleich weg. Er hatte sich den ganzen Tag darauf gefreut, den Abend mit ihr zu verbringen. Er hatte auf dem Set den ganzen Tag gedrängelt, damit er früher gehen konnte. Und nun das! Rick ging in sein Arbeitszimmer und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Er starrte vor sich hin und dachte an Sarah. Die war oben in ihrem Zimmer. Lang ausgestreckt lag sie auf dem Bett und starrte mit offenen Augen an die Decke. So ein verdammter Mist! Da kam Rick ausnahmsweise mal früher nach Hause und dann mussten sie sich streiten. Und das, obwohl sie in der letzten Zeit ohnehin schon so wenig Zeit füreinander hatten. Nein, so konnte sie nicht schlafen gehen. Sarah stand auf und ging aus dem Zimmer. Leise klopfte sie bei Rick an und ging schließlich hinein, aber in seinem Schlafzimmer war er nicht. Rick war inzwischen auch klar, dass er keine Ruhe finden würde, solange er nicht noch einmal mit Sarah gesprochen hatte. Also stand er auf und ging langsam die Treppen rauf. Genau in der Mitte begegneten sie sich.

„Sarah...“

„Rick...“

Gleichzeitig begannen sie zu sprechen.

„Du zuerst“, ließ Rick ihr den Vortritt.

„Es tut mir leid. Ich bin nicht so gut drauf in letzter Zeit, aber das gibt sich schon wieder. Ich wollte dich vorhin nicht so anfauchen.“

„Mir tut es auch leid. Ich hatte mich nur so auf den Abend mit dir gefreut und ich möchte doch wissen, was dich bewegt.“

Rick ging noch eine Stufe höher.

„Wenn ich irgendwas falsch gemacht habe, dann sag es mir bitte...“

„Ach Rick, du hast doch nichts falsch gemacht. Es tut mir leid. Ich wollte uns den Abend nicht verderben. Wie wäre es, trinkst du ein Bier mit mir?“

„Nein, da habe ich eine bessere Idee. Ich hole uns eine Flasche Wein und wir machen es uns gemütlich.“

„Eine tolle Idee!“

Sarah schnurrte wie ein Kätzchen.

„Wunderbar, ich hole den Wein und du die Gläser.“

Gut gelaunt sprang Rick die Treppen wieder runter und Sarah folgte ihm langsamer. Die Gläser waren schnell geholt und Sarah ging wieder rauf. In seinem Schlafzimmer hockte sie sich im Schneidersitz aufs Bett und wartete auf Rick, der auch kurz darauf erschien. Er hatte die Flasche schon geöffnet und goss die Gläser voll.

„Worauf trinken wir?“

„Auf einen gelungenen Film?“

„Lieber auf uns.“

Sie stießen an und tranken einen Schluck, dann nahm Rick ihr das Glas aus der Hand und stellte es zusammen mit seinem eigenen auf dem Nachtschrank ab. Sein Gesicht näherte sich ihrem und sie küssten sich. Sehr zärtlich und doch so voller Verlangen, dass Sarah ganz anders wurde. Sie drängte sich an ihn. Rick fühlte ihren schlanken, anschmiegsamen Körper und seine Hände glitten unter ihr Shirt. Er strich über ihre weiche Haut und Sarah bekam Atemnot. Rick rollte sie auf den Rücken. Nun lag er halb über ihr. Sarah konnte den Blick nicht von ihm lassen.

„Wusstest du, dass du lauter kleine Punkte in deinen Augen hast?“, fragte Rick leise.

Sarah runzelte die Stirn.

„Ehrlich?“

„Ja ganz ehrlich.“

Seine Lippen suchten ihren Mund, und nach einem langen Kuss fuhr er mit seinen Lippen langsam ihren Hals hinab, bis zum Ansatz ihrer Brüste. Sarah hielt den Atem an. Sie strich mit ihren Händen über seinen Rücken und Rick erschauerte. Die beiden gaben sich ganz ihren Gefühlen hin, bis sie von kläglichem Weinen unterbrochen wurden. Die beiden fuhren auseinander, brauchten aber eine Weile, um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Ihrer beider Atem ging schwer. Rick rappelte sich auf und drehte sich in Richtung Tür.

Dort stand Lisa. Tränen strömten über ihre Wangen, aber sie rührte sich nicht von der Stelle.

„Mäuschen, was hast du denn? Hast du schlecht geträumt?“

Rick stand auf und nahm seine Jüngste auf den Arm. Er ging mit ihr zum Bett zurück und setzte sich. Sarah streckte die Arme aus und Lisa kroch hinein. Sie kuschelte sich an Sarah, die sie sacht hin- und herwiegte. Aber Lisa wollte sich einfach nicht beruhigen. „Aua... aua...“, jammerte sie wieder und wieder.

„Wo hast du aua?“, fragte Sarah leise.

„Aua... Bauch aua“, schluchzte die Kleine.

Sarah begann ihren Bauch zu massieren, aber Lisa schrie nur noch lauter. Sie zog die Beine an und Sarah warf Rick einen besorgten Blick zu.

„Das ist doch nicht normal“, flüsterte sie ihm zu.

„Sie hat nichts Außergewöhnliches gegessen und auch nicht mehr oder weniger als sonst. Ich weiß nicht, irgendwie macht mich das nervös.“

„Was sollen wir denn machen?“

„Keine Ahnung“, antwortete Rick ratlos.

„Bauch aua“, jammerte Lisa wieder und entschlossen stand Rick auf.

„Ich sage schnell Bobby Bescheid, dass wir mit Lisa ins Krankenhaus fahren.“

Er stürzte davon und Sarah stand mit Lisa am Arm auf.

„Keine Angst, meine Süße. Daddy und ich fahren mit dir zum Onkel Doktor. Der hilft dir dann, damit deine Bauchschmerzen weggehen.“

Sie wickelte die Kleine in eine Decke und gab sie Rick, damit sie sich ihre Schuhe anziehen konnte. Bobby war aufgestanden und begleitete sie noch bis zur Tür. Rick holte den Wagen aus der Garage und sie fuhren los.

Rick fuhr ziemlich schnell und so erreichten sie das Krankenhaus in Rekordzeit. In der Notaufnahme war es ziemlich ruhig und so konnte sich der diensthabende Arzt sofort um die leise weinende Lisa kümmern. Sarah legte sie auf die Behandlungsliege und nahm ihre kleine Hand in ihre.

„Alles wird wieder gut“, murmelte sie beruhigend.

Der Arzt untersuchte sie rasch aber gründlich.

„Der Blinddarm ist es nicht“, sagte er nach einer Weile und sowohl Rick als auch Sarah atmeten auf.

„Gott sei Dank! Ich hatte schon Angst, sie müsse operiert werden“, seufzte Sarah hörbar auf.

„Ja aber, was hat sie denn dann? Sie weint doch nicht umsonst so...“

Mit großen Augen sah Rick den Arzt an und Sarah griff nach seiner Hand. Sacht drückte sie seine eiskalten Finger, als wolle sie ihn allein durch die Berührung ein wenig beruhigen.

„Es sind Blähungen. Ziemlich heftige allerdings. Ich gebe der Kleinen ein paar Tropfen, dann wird es bald besser. Keine Angst, in ein paar Minuten lacht sie wieder.“

Der Arzt lächelte und strich Lisa sacht übers Gesicht. Er verschwand und kam kurz darauf mit einem Löffel wieder.

„So meine Kleine, das schluckst du jetzt runter und dann sind deine Bauchschmerzen bald verschwunden.“

Lisa beäugte den Löffel in seiner Hand misstrauisch und drehte auch prompt den Kopf weg, als er sich ihrem Mund näherte.

„Lisa, Schatz, das hilft dir, wieder gesund zu werden“, flüsterte Rick seiner Tochter zu.

„Lassen sie es mich versuchen“, bat Sarah und der Arzt reichte ihr vorsichtig den Löffel.

„Komm’ Süße, Mund auf...“

Sarah lächelte und Rick hob sacht Lisas Köpfchen an. Von Sarah ließ sie sich den Löffel in den Mund stecken und verzog das Gesichtchen.

„Bähbäh“, sagte sie und die Erwachsenen mussten lachen.

„Wir warten jetzt noch einen Moment, aber es müsste wirklich gleich besser werden. Nehmen Sie sie ruhig auf den Arm. Ich komme gleich wieder.“

Sarah nahm Lisa hoch und die Kleine ließ ihren Kopf auf ihre Schulter sinken. Rick nahm die Decke und wickelte sie wieder darin ein. Sarah setzte sich mit ihr in einen Besuchersessel und nahm sie wie ein Baby in die Arme. Rick ging vor ihr in die Hocke und strich seiner Jüngsten sanft über den Kopf. Das Geflüster, welches entstanden war, hörten die beiden gar nicht. Zwei Krankenschwestern und eine Lernschwester unterhielten sich leise, ohne die drei aus den Augen zu lassen.

„Mensch, das ist doch Rick Harding. Erinnert ihr euch nicht? Seine Frau ist doch bei der Geburt seiner Tochter vor zwei Jahren gestorben.“

„Das muss dann wohl die Kleine sein. Aber wer ist die Frau?“

„Vielleicht seine Freundin, oder das Kindermädchen.“

Die Pflegekraft gab sich einen Ruck.

„Ich werde ihn jetzt um ein Autogramm bitten“, sagte sie, aber die beiden anderen hielten sie sofort auf.

„Du spinnst wohl!“, kam es unisono von beiden.

„Er wird jetzt wohl andere Sorgen haben, als einem übergeschnappten Fan ein Autogramm zu geben.“

„Ja, aber...“

„Kein aber. Er ist mit seiner Tochter mitten in der Nacht nicht in die Notaufnahme gekommen, um Autogramme zu geben, also halt dich zurück“, befahl die Nachtschwester streng und die Pflegekraft verschwand beleidigt.

Rick und Sarah hatten von all dem nichts mitbekommen. Sie hatten nur Augen für Lisa, die an ihrem Daumen nuckelte. Ihre Augen wurden immer kleiner und ganz eindeutige Geräusche ließen darauf schließen, dass es tatsächlich Blähungen gewesen waren. Sarah lächelte Rick zu, und über dem Kopf des Kindes hinweg trafen sich ihre Lippen zu einem kleinen Kuss. Die beiden Schwestern warfen sich einen vielsagenden Blick zu.

„Wohl doch mehr, als das Kindermädchen“, stellte die eine fest.

„Offensichtlich...“

Der Arzt kam zurück und Lisa wurde nochmals untersucht. Auch er lächelte erleichtert. „Na also, das hätte sich also erledigt“, lächelte er zufrieden.

„Ja, vielen Dank Herr Doktor.“

Rick gab ihm die Hand und der Arzt wehrte ab.

„Dazu bin ich ja da.“

Sarah nahm Lisa wieder auf den Arm, die beim Anblick des Arztes die Augen wieder aufgerissen hatte. Er hatte einen Vollbart und das kannte die Kleine nicht. Als er sich jetzt nochmals über sie beugte, griff sie mit beiden Händchen nach dem Bart und zog daran. „Hey Kleines, nicht... das tut doch weh.“

Verlegen wandte Rick sich an den Arzt, aber der lachte nur.

„Keine Panik, das kenne ich schon. Fast alle kleinen Kinder können der Versuchung nicht widerstehen. Meine eigenen auch nicht. Kommen Sie gut nach Hause!“

Sarah und Rick gaben dem Arzt die Hand und gingen. Lisa schlief noch im Auto ein und wachte auch nicht auf, als Sarah sie in ihr Bettchen zurücklegte.

Bobby war noch wach und Rick setzte sich noch kurz zu ihr ans Bett. Er erzählte, was der Arzt gesagt hatte und Bobby war beruhigt. Sarah stand noch an Lisas Bett und bewachte ihren Schlaf, als Rick dazukam. Rasch legte sie einen Finger auf ihre Lippen.

„Sie schläft ganz fest. Lass uns rausgehen, bevor wir sie wieder aufwecken!“

Die beiden schlichen aus dem Zimmer, aber Sarah ließ die Tür einen Spalt auf. Wie selbstverständlich gingen sie wieder in sein Schlafzimmer. Sarah setzte sich auf die Bettkante und holte tief Luft.

„Meine Güte, ich hatte echt Angst. Ich dachte wirklich, es wäre der Blinddarm“, gestand sie leise und Rick griff nach ihrer Hand.

„Denk nicht mehr dran. Lass uns froh sein, dass er es nicht war“, gähnte Rick.

Er saß neben Sarah auf dem Boden und ließ den Kopf an ihre Beine sinken. Plötzlich fühlte er sich total ausgelaugt. Sarah strich ihm übers Haar.

„Leg dich hin. Du siehst völlig fertig aus“, bat sie leise.

„Bin ich auch.“

Rick schloss die Augen und ließ sich von Sarah den Nacken massieren. Sarah, die spürte, dass er sich immer mehr entspannte, beugte sich näher zu ihm.

„Liebling, nicht einschlafen“, flüsterte sie ihm ins Ohr.

„Du musst dich noch ausziehen.“

Rick murmelte irgendwas und Sarah stand auf. Sie ging neben ihm in die Hocke und umfasste seinen Kopf mit beiden Händen.

„Rick... Schatz! Komm, mach die Augen wieder auf.“

„Ich mag nicht. Ich bin so verdammt müde.“

„Dann leg dich ins Bett und schlaf.“

Sarah zog ihm die Schuhe aus und hob ihn sanft aber energisch in die Höhe. Sie half ihm Hemd und Jeans auszuziehen und Rick ließ sich, ohne Sarah loszulassen, in die weichen Kissen fallen. Ziemlich unsanft landete sie halb auf ihm und rappelte sich mühsam wieder hoch. Das war gar nicht so einfach, weil er sie noch immer fest umschlungen hielt. Als sie es geschafft hatte, erhob sie sich, beugte sich aber noch einmal über ihn und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn.

„Schlaf dich aus, mein Schatz.“

Rick fasste schnell nach ihrer Hand.

„Wo willst du hin?“

„Ins Bett.“

„Da bist du doch schon.“

Mit einer einzigen Bewegung zog er an ihrem Arm und Sarah fiel wieder neben ihn.

„Lass mich nicht allein, nicht jetzt! Bleib noch ein paar Minuten bei mir“, murmelte er.

Sarah legte sich neben ihn und schlang einen Arm um ihn. Rick kuschelte sich an sie. „Ich hatte solche Angst“, gestand er nach einer Weile leise.

„Ich ertrage es nicht, noch einmal jemanden aus dieser Familie zu verlieren.“

Sarah drückte ihn an sich.

„Das wirst du auch nicht. Keine Angst, es ist doch alles wieder gut“, meinte sie beruhigend.

Wieder war es eine ganze Weile still und sie dachte schon, er wäre eingeschlafen, da murmelte er:

„Philip hat recht. Du bist wirklich schön kuschelig...“

Kaum ausgesprochen, schlief er ein. Sarah lächelte still vor sich hin und schlich ein paar Minuten später rüber in ihr eigenes Zimmer. Aber nur, um es gleich wieder zu verlassen. Sie schaute nochmals nach Lisa. Die Kleine schlief ganz fest.

„Das sollte ich auch tun“, dachte Sarah und legte sich hin.

Trotzdem war an Schlaf nicht zu denken. Sie war noch immer zu aufgewühlt. Einerseits wegen Lisa, andererseits wegen dem, was vorher geschehen war. Sie hatte Ricks Erregung deutlich spüren können und wenn Lisa nicht gekommen wäre, wer wusste das schon. Sarah überprüfte nochmals ihren Wecker und legte sich dann schlafen. Sie musste morgen früh raus und auch sonst würde es sicher ein anstrengender Tag werden.

2. Kapitel

Als um halb sechs Uhr früh am nächsten Morgen der Wecker klingelte, hatte Sarah das Gefühl, erst vor wenigen Minuten eingeschlafen zu sein. Sie stellte vom Piepton auf Musik, und zu der samtigen Stimme der Heartbreakers ging sie ins Bad. Nach einer schnellen Dusche zog sie sich an und ging in die Küche Kaffee kochen, Tisch decken, Milch und Cornflakes auf den Tisch stellen. Das alles konnte sie mittlerweile schon fast im Schlaf.

Als der Kaffee wenig später fertig war, füllte sie zwei Becher voll und balancierte sie vorsichtig nach oben. Noch vor der Tür hörte sie Rick schnarchen und ging grinsend hinein. Sie stellte die Kaffeebecher auf dem Nachtkästchen ab und beugte sich über ihn. Nachdem sie einen sanften Kuss auf seine Lippen gehaucht hatte, flüsterte sie:

„Guten Morgen Liebling, Zeit zum Aufstehen.“

Rick drehte sich mit einem unwilligen Brummen auf die andere Seite.

„Rick... Rick, nicht weiterschlafen. In einer Stunde wirst du auf dem Set erwartet. Ich habe dir einen Kaffee mitgebracht. Schnupper doch mal.“

Sie hielt ihm den Becher unter die Nase und vorsichtig öffnete Rick ein Auge. Allerdings nur, um es gleich wieder zu schließen.

„Von dem Kaffee werde ich nicht wach. Wenn du mich aber nochmals küssen würdest.“

Sarah lachte leise und ihre Lippen legten sich auf seine. Diesmal erwiderte Rick den Kuss. Er zog sie zu sich ins Bett und nach ein paar leidenschaftlichen Küssen schob er sie energisch von sich.

„Auf diese Art und Weise kriegst du mich nie aus dem Bett“, wisperte er mit rauer Stimme.

„Vielleicht will ich das ja auch gar nicht“, entgegnete Sarah kühn.

Rick setzte sich auf. Er schlang die Arme um Sarah und strich mit seinen Fingern ihre nackten Arme rauf und runter. Dabei hauchte er zärtliche, kleine Küsse in ihren Nacken und sie erschauderte.

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne ich jetzt mit dir in diesem Bett bleiben würde. Aber...“

„Ich weiß“, unterbrach Sarah ihn lächelnd.

„Du musst zum Set und dann sind da noch vier Kinder, die versorgt sein wollen.“

Sarah stand auf, aber Rick hielt sie fest. Ohne sie loszulassen, stand auch er auf und nahm sie in die Arme.

„Ich weiß, dass das alles sehr schwierig ist. Glaube mir, es gibt Tage, da kann ich an nichts anderes denken, als dir ganz nah zu sein. Aber wenn ich dann abends vom Drehen komme...“

„Dann bist du müde, die Kinder maulen oder streiten sich, ich habe noch massig viel Hausarbeit. Das weiß ich doch alles.“

Rick strich über ihren Rücken und verbarg den Kopf an ihrer Schulter.

„Ich hätte so gerne mehr Zeit für dich. Ich möchte öfter mit dir zusammen sein. Allein, ohne die Kinder.“

Er seufzte tief auf und zog sie noch ein wenig enger an sich. Ein paar Minuten standen die beiden so da und in diesen wenigen Minuten waren sie sich so nah wie nie zuvor. Lautes Wutgebrüll von Philip unterbrach die zärtliche Szene und die beiden lächelten sich an.

„Der Alltag ruft“, flüsterte Sarah.

„Ich gehe nachschauen und du gehst duschen. Du musst dich beeilen.“

Sarah löste sich endgültig aus seinen Armen, um nach den beiden Streithähnen zu schauen. Colin und Philip brüllten sich an und es war ein reines Wunder, dass Lisa noch nicht aufgewacht war. Als Sarah auf der Bildfläche erschien, versuchten beide gleichzeitig, ihr den Grund für die Schreierei zu erklären, ohne die Lautstärke zu vermindern. Sarah verstand kein Wort. Sie brauchte ein paar Minuten, um sich Gehör zu verschaffen. Schließlich packte sie die beiden Streithähne am Kragen und schob sie in Colins Zimmer.

„Haltet die Klappe!“, fuhr sie die beiden an und die zwei schwiegen überrascht.

Normalerweise reagierte Sarah nicht so heftig.

„Was ist los?“

„Philip hat...“

„Colin ist...“

Sarah drehte die Augen gen Himmel.

„Ruhe!“, donnerte sie erneut.

„Der Reihe nach bitte... was ist passiert?“

„Colin ist doof“, maulte Philip.

„Und warum?“

„Weil er mich nicht ins Bad lassen wollte. Und ich musste ganz nötig auf die Toilette.“

„Aber ich muss mich fertig machen. Ich muss doch zur Schule.“

„Ich etwa nicht?“

„Schluss jetzt. Man sollte doch wohl meinen, dass es in diesem Haus genug Badezimmer gibt, oder? Philip, du gehst in mein Bad und du Colin gehst nach unten. Und ich erwarte euch beide in fünfzehn Minuten am Frühstückstisch“, kürzte Sarah die Diskussion ab.

Die Jungs stoben auseinander und Sarah schaute in Bobbys Zimmer.

Das junge Mädchen war schon fix und fertig angezogen und grinste ihr fröhlich entgegen.

„Na, konntest du den Streit schlichten?“

„Ich hoffe es. Du hast dich ja heute so schön gemacht. Hat das einen besonderen Grund?“

„Nö...“, wehrte Bobby ab.

Dabei überzog ein Hauch von Röte ihr Gesicht und Sarah schmunzelte.

„Schöne Zeit der ersten Liebe“, dachte sie.

Sie schaute nach Lisa, die zu ihrem Erstaunen noch schlief. Vermutlich musste sie den entgangenen Schlaf der letzten Nacht nachholen.

Als sie in die Küche kam, saßen die Kinder einträchtig am Tisch und aßen. Sarah schenkte sich einen Kaffee ein und setzte sich dazu. Rick war auch da und versuchte mit mäßigem Erfolg zu entschlüsseln, worum es bei dem Streit gegangen war. Sarah setzte dem Ganzen ein Ende, in dem sie ihn bat, doch mal auf die Uhr zu schauen. Rick tat es und sprang auf.

„Verdammt, ich muss los!“

Er kramte in seinen Hosentaschen nach seinen Autoschlüsseln.

„Wo sind meine Schlüssel? Hat jemand meine Schlüssel gesehen?“

Vier Finger zeigten auf die Anrichte und mit einem dankbaren Lächeln griff Rick danach. Er war schon an der Tür, da drehte er sich noch einmal um. Mit einem Satz war er wieder bei Sarah und sie bekam einen flüchtigen Kuss, der irgendwo zwischen Nase und Mund landete.

„Ich liebe dich“, raunte er ihr zu, dann verschwand er.

Die Kinder grinsten sich an und Sarah traute sich kaum, sie anzusehen. Das Hupen des Schulbusses erlöste sie und nun sprangen auch die Kinder auf.

„Tschau Sarah!“

„Bis nachher.“

„Gehen wir später Eis essen?“

Das kam natürlich von Philip.

Sarah brachte die Kinder noch zur Tür. Von jedem bekam sie eine Umarmung und dann waren sie weg. Sarah holte tief Luft. Lisa war noch immer nicht wach und sie beschloss, die kleine Maus aus dem Bett zu holen. Normalerweise war sie um diese Zeit schon eine Stunde wach. Sie musste jetzt aufstehen, sonst kam sie total aus dem Rhythmus. Sarah ging in ihr Zimmer und zog die Vorhänge auf. Dann beugte sie sich über das Bettchen und nahm die reichlich verschlafene Lisa hoch.

„Guten Morgen, Herzchen. Was macht dein Bauch? Hast du noch Aua?“

„Keine Aua da.“

Lisa schlang die Arme um Sarahs Hals und kuschelte sich an sie.

„Fein“, meinte Sarah und stellte Lisa auf die Füße.

Sie zog ihr den Schlafanzug aus und setzte sie aufs Töpfchen. Es dauerte nicht lange, da stand die Kleine wieder auf.

„Isa Pipi macht“, teilte sie Sarah mit, die inzwischen frische Sachen herausgesucht hatte.

Sie hielt ihr auch gleich das Töpfchen unter die Nase.

„Das hast du toll gemacht. Schau mal, was möchtest du lieber anziehen? Diese Hose oder diese?“

Lisa entschied sich für die rote und Sarah suchte ein passendes T-Shirt raus. Sie nahm Unterwäsche, Söckchen und die anderen Sachen in die Hand und ging mit Lisa in ihr Badezimmer. Dort ließ sie Badewasser ein und als es die richtige Temperatur hatte, stellte sie die Kleine in die Wanne. Sie seifte sie gründlich ein, und beim Abbrausen riss Lisa ihr plötzlich die Brause aus der Hand und Sekunden später war Sarah nass bis auf die Haut. Lisa fand das toll. Sie kreischte vor Vergnügen und es dauerte ein paar Minuten, bis Sarah die Gewalt über Brause und Kind wieder an sich reißen konnte.

„Jetzt sieh dir mal an, was du gemacht hast. Ich bin ganz nass. Nun muss ich mich umziehen und Lisa muss ganz kurz alleine spielen.“

„Isa pielen.“

„Nach dem Frühstück gehen wir einkaufen. Aber erst mal muss ich mich umziehen.“

Es klingelte an der Tür und Sarah nahm Lisa auf den Arm. Ihr nasses Shirt klebte am Körper, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Sie ging die Treppen runter und öffnete. Vor ihr stand ein junger Mann, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Sie hätte aber nicht sagen können, woher.

„Ja bitte?“

„Ich wollte mich nur kurz vorstellen. Ich bin heute nebenan eingezogen. Oh, mein Name ist Billy Harris.“

Er streckte ihr die Hand entgegen und Sarah ergriff sie.

„Freut mich sehr. Ich bin Sarah Sander und das hier ist Lisa.“

„Guten Tag, junge Dame.“

Billy griff nach Lisas Hand und deutete mit einer kleinen Verbeugung einen Handkuss an. Lisa schaute den jungen Mann mit großen Augen an und Sarah lächelte. Während Sarah noch überlegte, ob sie es wohl wagen konnte, den neuen Nachbarn auf einen Kaffee ins Haus zu bitten, kam Jane um die Ecke.

„Hey Billy, hier bist du. Hallo Sarah.“

Sie musterte die junge Frau.

„Wie siehst du denn aus?“

„Lisa hat mich abgebraust“, erklärte Sarah.

„Okay, ich wollte dich gerade holen und dir Billy vorstellen. Das hat sich ja jetzt erledigt. Kommst du gleich rüber auf einen Kaffee?“

„Ja, gerne.“

Jane verschwand mit Billy im Schlepptau und Sarah zog sich rasch etwas anderes an. Kurz darauf klopfte sie bei ihren Nachbarn an die Hintertür. Anne öffnete fast sofort. Die beiden waren allein in der Küche und Sarah nutzte die Zeit, um Anne zu fragen, wer dieser Billy Harris war.

„Den kennst du nicht? Das ist der Newcomer des Jahres. Des vergangenen und auch wohl von diesem.“

„Deshalb kam er mir so bekannt vor“, sinnierte Sarah.

„Geh doch schon mal ins Wohnzimmer. Jane wartet schon auf dich. Offenbar hast du großen Eindruck auf Billy gemacht...“

„Ach ja?“

Sarah ließ das ziemlich kalt. Sie ging mit Lisa an der Hand ins Wohnzimmer und Billy erhob sich sofort, als er sie sah. Lisa machte sich los und tippelte auf Michelle zu, die auf einer Decke saß und mit einer Puppe spielte. Sie ließ sich auf die Decke fallen und begann sofort, der staunenden Michelle eine Geschichte zu erzählen. Sarah setzte sich zu Jane aufs Sofa und schon bald war eine angeregte Unterhaltung im Gang. So angeregt, dass Sarah fast das Mittagessen vergessen hätte. Nach einem Blick auf die Uhr sprang sie auf und rief:

„Meine Güte, ist das schon so spät? Ich muss mich verabschieden. Meine Kinder kommen bald aus der Schule.“

Billy stand ebenfalls auf. Er gab Sarah die Hand und schaute ihr tief in die Augen.

„Wir sehen uns sicher bald wieder.“

„Wird sich nicht vermeiden lassen, da wir ja nun Nachbarn sind“, meinte Sarah fröhlich und nahm Lisa auf den Arm.

Sie ging rüber und begann das Mittagessen vorzubereiten. Mitten in die Vorbereitungen platzte Jane.

„Störe ich?“

„Wenn du dich ruhig irgendwo hinsetzt nicht.“

„Du hast mächtigen Eindruck auf Billy gemacht“, fing sie ein Gespräch an.

„Ach ja? Auf dieses Kind?“

„Der ist älter als du denkst.“

„Kann sein, auf mich wirkt er wie ein grüner Junge, der glaubt mit seinem Charme alles erreichen zu können.“

„Würdest du auch so denken, wenn es Rick nicht geben würde?“

Erstaunt sah Sarah sie an.

„Aber sicher, was soll die Frage?“

„Ich kenne Billy schon länger. Und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann will er es um jeden Preis durchsetzen. Rick sollte besser gut auf dich aufpassen.“

Sarah ließ sich auf einen Stuhl fallen und brach in Gelächter aus.

„Das kann doch unmöglich dein Ernst sein. Du weißt doch, dass ich Rick liebe.“

„Habt ihr gestern noch miteinander geredet? Ich hatte den Eindruck ihr habt euch gestritten.“

„Gestritten nicht unbedingt. Er wollte wissen, was ich habe und ich wollte es ihm nicht sagen.“

„Kann es sein, dass ich dich ein wenig verunsichert habe?“

„Ja, ich hatte plötzlich die Befürchtung, er würde mich nur wegen der Kinder heiraten“, gestand Sarah.

Jane legte eine Hand auf Sarahs Arm.

„Das darfst du nicht denken. So etwas würde Rick nie tun. Er liebt dich.“

„Ich weiß“, unterbrach Sarah sie lächelnd.

„Wir hatten nach dem Stress letzte Nacht heute Morgen ein klärendes Gespräch.“

„Stress? Wieso Stress?“, wollte Jane sofort wissen und Sarah erzählte ihr von den Stunden im Krankenhaus.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr beunruhigt wart. Gut, dass es nicht der Blinddarm war. Die arme Kleine, aber es geht ihr schon wieder gut, nicht wahr?“

„Ja, sie ist wieder okay.“

Die Kinder, die in dem Moment aus der Schule kamen, lösten das Gespräch auf. Sarah deckte schnell den Tisch und ein paar Minuten später konnte gegessen werden. Während der Mahlzeit standen die Münder der Kinder nicht still. Nur Bobby war ungewohnt schweigsam. Nach dem Essen gingen die Kinder auf ihre Zimmer. Sie hatten es beibehalten, ihre Hausaufgaben auf ihren Zimmern zu machen. Nur Lisa und Bobby blieben in der Küche. Lisa hatte wirklich zu lange geschlafen, denn sie krähte fröhlich vor sich hin. Sie war putzmunter und an Mittagsschlaf war gar nicht zu denken. Sarah versuchte es gar nicht erst. Sie räumte den Tisch ab und stellte das benutzte Geschirr in die Spülmaschine.

„Du Sarah...“, fing Bobby nach einer Weile an.

„Ja, Schatz?“

Sarah schmunzelte in sich hinein. Jetzt kam wohl die Erklärung, warum Bobby die ganze Zeit so schweigsam war.

„Ich wollte heute Nachmittag mit jemandem aus meiner Klasse Hausaufgaben machen. Geht das?“

„Natürlich, wie heißt sie denn?“

„Nun ja... es… es ist keine Sie. Es ist ein Er“, gestand Bobby stotternd.

Sarah drehte sich um. Bobby hatte einen roten Kopf bekommen und traute sich kaum, sie anzusehen.

„Ein ‚Er’ also. Hat er auch einen Namen?“

„Tom Barret...“

„Und mit diesem Tom möchtest du Hausaufgaben machen?“

Sarah hatte Mühe, sich das amüsierte Grinsen zu verkneifen.

„Er ist dann auch wohl der Grund, weshalb du dich so schick gemacht hast?“

„Ach Sarah...“

„Schon gut, ich frage nicht weiter. Ihr dürft natürlich zusammen Hausaufgaben machen. Und du kannst wählen, wo. Entweder hier in der Küche oder in deinem Zimmer. Entscheidest du dich für dein Zimmer, bleibt die Tür auf“, bestimmte Sarah.

Bobby wollte protestieren, ließ es dann aber doch.

„Ich kann ihn also anrufen?“

„Ja, los ruf ihn an.“

Sarah sah dem jungen Mädchen lächelnd nach, die mit dem Telefon im Arbeitszimmer ihres Vaters verschwand.

Sarah ging mit Lisa in den Garten. Die Kleine war wirklich nicht müde und sie verbrachten eine vergnügliche Stunde mit Spielen und Toben. Sehr zur Freude von Sam, der sich an dem Ballspiel lebhaft beteiligte. Gegen drei Uhr kam besagter Tom Barret und Bobby stellte ihn Sarah vor. Der Junge sah unverschämt gut aus und Bobby verschwand nach der Vorstellung mit Tom in ihrem Zimmer. Die Tür ließ sie offen. Colin und Philip kamen in den Garten und nun spielten sie zusammen. Philip erinnerte sie an das Eis und Sarah überlegte einen Moment. Schließlich ging sie langsam die Treppen rauf. Trotz halb offener Tür klopfte sie kurz an und ging dann hinein.

„Ich gehe mit den Kindern Eis essen. Soll ich euch eins mitbringen?“

„Wir kommen mit.“

Sie nickte und gemeinsam gingen sie die Treppen wieder runter. Tom und Bobby gingen dicht nebeneinander und Sarah rechnete jeden Moment damit, dass er nach ihrer Hand greifen würde, aber er tat es nicht. Und als sie dann vor dem Eisstand standen, waren die beiden plötzlich keine Teenies mehr, sondern wieder Kinder, die sich nicht entscheiden konnten, welches Eis sie nun wollten. Sarah fühlte sich plötzlich wieder an ihre eigene Jugend zurückerinnert. Eis schleckend gingen sie zurück zum Haus. Lisa hatte auch eine Kugel bekommen und sie sah zum Fressen aus, wie sie eifrig bemüht war, mit ihrer kleinen Zunge das Eis zu lecken. Das meiste landete bei dem Versuch in ihrem Gesichtchen und auf ihrem Shirt. Die Hände bekamen auch noch was ab. Sarah hatte damit gerechnet und ein feuchtes Reinigungstuch mitgenommen, mit dem sie zwischendurch immer wieder Lisas Hände abwischte.

Wieder zu Hause verzogen Bobby und Tom sich sofort wieder auf Bobbys Zimmer. Colin und Philip gingen zu Mike und Scott und Sarah nahm bei Lisa eine gründliche Reinigung vor. Mittlerweile machte sich auch der fehlende Schlaf bemerkbar. Die Kleine wurde quengelig. Sarah setzte sich mit ihr in den Garten ins Gras und las ihr etwas vor. Es dauerte nicht lange, da nahm Lisa ihr das Buch aus der Hand und warf es weg. Sarah versuchte es erneut. Lisa begann mit den Händen auf das Buch zu schlagen und zog schließlich so heftig an einer Seite, dass sie sie herausriss. Sarah legte das Buch weg und versuchte, die Aufmerksamkeit der Kleinen auf Sam zu lenken, der mit Fliegen fangen beschäftigt war. Aber auch das zog nicht. Nach ein paar Versuchen, ging sie mit ihr ins Haus und machte ihr ein Sandwich zum Abendbrot. Es war zwar noch sehr früh, aber das war nicht so wichtig. Lisa war todmüde und so würde sie eben mal früher als sonst schlafen gehen. Lisa wollte nicht essen. Sarah musste ihr jeden Bissen einzeln in den Mund schieben. Ein halbes Sandwich schafften die beiden, dann spuckte sie jeden Bissen wieder aus. Sarah versuchte es erneut, aber Lisa wollte nicht. Als das Brett mit Schwung auf dem Boden landete, schimpfte Sarah mit Lisa.

„So nicht, meine Kleine. Ich weiß, dass du müde bist, aber deshalb darfst du das nicht einfach auf den Boden werfen.“

Noch während sie das Brett wieder aufsammelte, pfefferte Lisa ihren Becher mit Milch hinterher.

„Lisa... jetzt reicht es aber!“

Lisa, die genau wusste, dass Sarah jetzt böse war, begann zu brüllen. Aber im Moment war Sarah wirklich zu sauer, um darauf zu reagieren.

„Schau dir an, was du gemacht hast. Alles ist voller Milch!“

„Sasa nich böse“, weinte die Kleine laut.

„Doch, wenn du das absichtlich machst, dann ist Sarah böse. Das macht man nicht.“

„Isa Buppe haben...“

„Lisa kriegt aber jetzt keine Suppe. Du wolltest vorhin ein Sandwich. Das kannst du essen.“

„Isa Buppe haben...“

„Nein Lisa, es gibt jetzt keine Suppe“, wiederholte Sarah nachdrücklich.

Lisas Weinen verwandelte sich in lautstarkes Brüllen. Mit voller Wucht schlug sie auf den Tisch. Sarah versuchte nochmals ihr ein Häppchen vom Sandwich in den Mund zu schieben, aber angewidert drehte die Kleine den Kopf weg. Als auch noch das Sandwich auf dem Boden landete, hatte Sarah genug. Sie nahm die unleidliche kleine Dame aus dem Hochstuhl und ging mit ihr nach oben. Als Lisa bemerkte, wo Sarah mit ihr hinging, versuchte sie, sich aus ihren Armen zu winden. Sie wollte noch nicht ins Bett. Sie strampelte mit den Beinen und Sarah blieb nichts anderes übrig, als sie auf der Treppe einmal abzusetzen. Sie nahm sie aber gleich wieder hoch.

„Isa aufe... Isa aufe...“

„Du willst laufen? Bitte schön.“

Sarah stellte sie auf die Füße, fasste aber gleichzeitig nach ihrer Hand. Lisa versuchte sich ihr zu entreißen, aber Sarah hielt eisern fest. Überrascht stellte sie fest, was für eine Kraft die Kleine entwickelte. Die beiden fochten einen richtigen Kampf aus und Sarah verlor endgültig die Geduld. Sie nahm Lisa wieder auf die Arme und ging mit ihr ins Schlafzimmer. Es kostete sie einige Mühen, Lisa aus ihren Sachen zu schälen. Die sonst so friedliche Maus schrie, tobte und stampfte immer wieder wütend mit dem Fuß auf.

„Nich pafe... Isa nich pafe...!“, schrie sie.

„Doch, Lisa schläft jetzt schön. Lisa ist nämlich todmüde. Darum bist du auch so quengelig.“

Sarah sprach ruhig auf die Kleine ein und für einen Moment sah es so aus, als hätte sie Erfolg damit.

---ENDE DER LESEPROBE---