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Rad- und Wandertouren über mehrere Tage, mit und ohne Gepäck, können sehr entspannend und unterhaltsam sein. Man muss kein Profi sein, um mit dem Rad oder auf Schusters Rappen Land und Leute kennenzulernen. Lange Touren teilen, oder auch nur Teile auszuwählen, wie es die eigene Fitness erlaubt - das Erlebnis ist in jedem Fall garantiert.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Als ich die Postkarten mit den Urlaubsgrüßen meiner Bekannten in den Karton legen wollte, in dem sich die Kartengrüße der vergangenen Jahre befinden, fiel mir eine besonders auf. Es war keine der üblichen Ansichtskarten. Auf der Vorderseite stand:
SCHLECHTE LAUNE
UND
FAHRRAD FAHREN
DAS PASST GAR NICHT !
Den Text ergänzte ein Fahrrad älterer Bauart. Während ich die Karte in den Händen hielt, erinnerte ich mich an die längeren Fahrradtouren, die wir in früheren Jahren zu viert gemacht haben, und heute aus unterschiedlichen Gründen im Doppelpack unternehmen. Ja, es stimmt. Auf keiner unserer Touren war die Laune mies, und wenn doch einmal, hielt dieser Zustand nicht lange an. Außerdem hat das Radeln einen nicht unerheblichen Anteil an unserer Fitness.
Zu allen Touren habe ich Tagebuch geführt. Warum sollte ich nicht einige in einem Buch zusammenfassen? Warum sollten andere, die vielleicht noch zögern, eine längere Tour in Angriff zu nehmen, nicht von unseren Erlebnissen und unserer Art Rad zu fahren angeregt werden?
Wir können aber auch anders. In einigen mehrtägigen Wandertouren haben wir das Fahrrad gegen die Wanderschuhe getauscht. Rad- und Wandertouren über mehrere Tage mit und ohne Gepäck können sehr entspannend und unterhaltsam sein.
Man muss kein „Profi“ sein, um mit dem Rad oder auf „Schusters Rappen“ Land und Leute kennenzulernen. Lange Touren in Abschnitte teilen, oder auch nur einen bestimmten Teil einer Tour auswählen, wie es die eigene Fitness gestattet, das Erlebnis ist in jedem Fall garantiert.
Der Schwarze-Elster-Radweg
Von Waren/Müritz ins Ruppiner Land
Radtour im Grumsiner Forst
Der Radweg Berlin–Kopenhagen
Teil I Rostock–Kratzeburg
Teil II Kratzeburg–Zehdenick
Teil III Rostock–Gedser–Kopenhagen–Gedser–Rostock
Wir können auch anders
Wandern im Hainich
Wandern auf dem Märkischen Landweg und im Nationalpark Unteres Odertal
Wieder einmal hatte uns ein Logo in seinen Bann gezogen: Eine Elster, stilisiert auf einem Flusslauf, das Logo für den „Schwarze-Elster-Radweg“.
Die Schwarze Elster entspringt am Hochstein bei dem Ort Kindisch in der Lausitz und mündet bei Elster in Sachsen-Anhalt in die Elbe. Der Radweg beginnt am Geierswalder See und endet offiziell in Gorsdorf kurz vor der Mündung des Flusses in die Elbe. Gudi und ich entschieden uns für die Strecke zwischen Senftenberg und Jessen. Zwei Tage hatten wir für diese Distanz von über 110 Kilometern eingeplant. Gudi hatte wie immer alles gut vorbereitet und so stand dem Tourenbeginn nichts mehr im Wege.
Heute beginnt unsere Fahrt. Als ich aus dem Fenster schaue, regnet es. Die Wetterprognose ist nicht besonders positiv. Schon seit Tagen hängt über Deutschland ein Tief, eingeklemmt in zwei Hochdruckgebiete. Aber was soll es, die Tour ist geplant und wir müssen los. Regensachen habe ich genügend eingepackt. Bei Gudi brauche ich mir darüber keine Gedanken zu machen. Sie ist in solchen Dingen immer perfekt.
Unser Treffpunkt ist der S-Bhf Schöneweide. Ab da geht es gemeinsam weiter Richtung Königs Wusterhausen. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, bis Schöneweide zu radeln. Aber als ich los will, regnet es immer noch. Kurzentschlossen wähle ich für meine Anreise die S-Bahn und das bedeutet mehrmaliges Umsteigen. Das wollte ich eigentlich vermeiden, nehme es aber nun in Kauf, mit allem, was der Service der DB zu bieten hat. Beide Aufzüge in Karlshorst sind außer Betrieb und am Ostkreuz Berufsverkehr. Doch es gibt keine nennenswerten Probleme. In Baumschulenweg stelle ich fest, dass die S-Bahn nach Königs Wusterhausen auf dem selben Bahnsteig verkehrt, also steige ich spontan aus. Vielleicht erspare ich mir mit dieser Entscheidung ein weiteres Fahrradtragen.
Ich bin zu früh und kann mich nun ganz entspannt auf die Weiterreise konzentrieren. Aber da ist noch jemand auf dem Bahnsteig, Gudi. Auch sie ist heute zu früh. Und so steht schon ab Baumschulenweg einer gemeinsamen Weiterreise nichts mehr im Wege. Für den Anschluss in Königs Wusterhausen ist genügend Zeit und auch die Weiterfahrt ab Cottbus klappt perfekt.
Einzig das Wetter bereitet uns Sorge. Während der Zugfahrt schauen wir immer wieder aus dem Fenster. Nicht die Landschaft hat unsere Aufmerksamkeit, es ist das Wetter. Mal regnet es, mal ist es trocken, der Himmel ist tief verhangen mit Regenwolken. Als wir in Senftenberg ankommen, nieselt es. Ehe wir uns nach draußen wagen, wird das Gepäck regensicher eingepackt. Immer noch auf besseres Wetter hoffend, bleiben die Regencapes erst mal im Gepäck. Dann geht es los! Schließlich sind es 57 Kilometer bis zu unserem Tagesziel. Das Wetter ist für eine Stadtbesichtigung nicht optimal. Und so entschließen wir uns, direkt zum Senftenberger See zu fahren. Auf dem kurzen Weg durch die Stadt ist zu spüren, dass Senftenberg auf kulturellem Gebiet einiges zu bieten hat. Auch an einigen Bildungseinrichtungen fahren wir vorbei, die darauf hinweisen, dass Senftenberg Hochschulstadt ist. Außerdem treffen sich hier fünf Radfernrouten.
Bevor wir den See erreichen, tangiert ein Fluss unseren Weg. Auf dem Schild steht „Schwarze Elster“. Wir verlieren ihren Lauf wieder. Unmittelbar in Nähe des Sees stehen Reste der ehemaligen Amtsmühle von Senftenberg. Selbst das, was von der Mühle übriggeblieben ist, beeindruckt. Dann sind wir am See. Kurzes Verweilen am Stadthafen und der Seebrücke.
Dass der Senftenberger See einer der größten künstlich angelegten Seen ist, wird durch den Blick auf das Wasser, trotz des diesigen Wetters, deutlich. Auf der Uferpromenade entdecken wir auch das Logo der „Elster“. Entlang der Uferpromenade fahren wir in Richtung Gartenstadt „Marga“. Diese Siedlung wurde in den Jahren 1907–1915 von der ILSE Bergbau AG als Werksiedlung für die Stammbelegschaft gebaut. Heute steht die gesamte Gartenstadt unter Denkmalschutz.
Noch immer fahren wir im Uferbereich des Senftenberger Sees, tangieren einen Campingplatz und dann weist uns die „Elster“ den Weg in Richtung Niemtsch mit der ersten Herausforderung. An einer Weggabelung keine Beschilderung und so landen wir erst einmal am Wasserwerk von Senftenberg. Zurück bis zur Weggabelung und über eine Holzbrücke in Richtung Ruhland.
Der Radweg, umsäumt von Bäumen, ist gut ausgebaut. Es hat aufgehört zu nieseln und das Tief scheint sich für heute zurückzuziehen. Wir begleiten eine kurze Strecke den Lauf des Flusses. Dann führt uns der Radweg über offene Wiesen mit kleinen eingestreuten Waldflächen. Bald schon sehen wir am Horizont die Dächer von Ruhland. Auf dem Marktplatz von Ruhland halten wir an. Es ist Markttag und eine gewisse Geschäftigkeit nicht zu übersehen. Wir machen die erste Rast. Gegenüber der alten restaurierten Postsäule entdecken wir ein Bäcker-Café. Mit etwas Herzhaftem und einem Kaffee stärken wir uns. Danach schieben wir die Räder und entschließen uns zu einem Rundgang durch die Stadt. Wir werden nicht enttäuscht. Die restaurierte Altstadt ist einen kurzen Aufenthalt wert. Aus Ruhland wieder auf den Radweg zu finden ist nicht ganz einfach. Aber wir schaffen es, wieder in „Begleitung der Elster“ zu fahren.
Nächstes Ziel ist Plessa. An einer Weggabelung das Gleiche wie in Niemtsch. Die Beschilderung fehlt und wir fahren – in die falsche Richtung. Gudi hat ein Gespür dafür und stoppt nach etwa einem Kilometer. Die Frage, ob wir in die richtige Richtung fahren, scheitert daran, dass der Radweg entlang der Bundesstraße 169 führt. Die Autos fahren mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei und Fußgänger sind nirgends zu entdecken. Wir fahren zurück. Endlich entdecken wir einen Angler am Fluss. Er bestätigt uns, dass wir nun den richtigen Weg eingeschlagen haben. Der Radweg folgt dem Flusslauf, der sich durch ein stetig wechselndes Landschaftsbild windet. Andere Radler treffen wir kaum. Die Ruhe, der Duft der Natur und die einzigartige Landschaft lassen uns in aller Ruhe dahin radeln.
Eine pinkfarbene Stele weist auf ein Denkmal hin, die Elstermühle Plessa. Nicht zu übersehen ist das sechs Meter große Wasserrad der Mühle. Sie wurde 1420 erbaut und ist sehr gut erhalten. Neben einer Gaststätte befindet sich auch ein Museum in dem Gebäude. Wir verzichten auf eine Besichtigung und begnügen uns mit der Information an der Holzstele. Weiter geht es in Richtung Elsterwerda.
Kurz hinter Plessa müssen wir laut Karte die Schwarze Elster überqueren. Wieder ist die Beschilderung nicht eindeutig. Wir wählen den Weg geradeaus über die Straße zum Deich am linken Flussufer. Der Weg scheint naturbelassen, ist aber durchaus als Radweg zu akzeptieren. Am anderen Ufer an der Flussböschung ein Meer von Mohnblumen, Natur pur. Wir sind von der Schönheit dieser Landschaft so beeindruckt, dass wir gar nicht realisieren, dass der Weg fast nicht mehr befahrbar ist, hohes Gras, holprig, sehr viel Natur. Aber wir fahren irgendwie weiter. Als der Pfad, es ist schon kein Weg mehr, den Damm verlässt und am Rand eines Feldes in einer Ackerfurche endet, werden wir stutzig. Gudi kramt die Karte aus ihrer Tasche und stellt fest, wir sind verkehrt. Wir müssen auf die andere Seite des Flusses, zu den Mohnblumen. Zurück schieben wir die Räder, bis der Weg wieder einigermaßen befahrbar ist und wundern uns, dass man hier überhaupt Radfahren kann. Wieder an der Straße angekommen, überqueren wir den Fluss und erreichen den wahren Radweg, asphaltiert in bestem Zustand. Die Mohnblumen, die wir aus der Ferne so bewundert haben, säumen nun direkt unseren Weg. Und so erleben wir diese beeindruckende Landschaft noch einmal.
Beim Wetter hat sich Sonnenschein durchgesetzt, so dass wir unsere Jacken im Gepäck verstauen können. Der Radweg tangiert die Ländergrenze zu Sachsen und damit ist Elsterwerda schon sehr nahe. Am Stadteingang sind die Bockwindmühle und der Miniaturenpark nicht zu übersehen. Rund 8.500 Einwohner hat Elsterwerda. Im Zentrum überragt die Stadtkirche Sankt Catharina alle anderen Gebäude. Der Marktplatz, umgeben von restaurierten Häusern, lädt zum Verweilen ein. Aber wir müssen weiter. Denn durch unser unfreiwilliges Verlassen der Radroute zeigt unser Tacho, dass unsere Tagesetappe mindestens zehn Kilometer länger werden wird. Aber für eine Einkehr in einem netten Café reicht die Zeit doch noch.
Das Logo der „Elster“ verlässt uns in der Stadt oft, aber wir finden es immer wieder. Dabei sind die Auskünfte der Einheimischen nicht sehr hilfreich. So unterschiedlich sie uns den Weg beschreiben, von einer Bahnunterführung, die wir dann auch schließlich finden, sprechen alle. Auf geht es nach Saathain. In Saathain neue Irritationen. Laut Karte folgt der Radweg dem Flusslauf, aber es geht nicht weiter. Eine Brückensperrung und damit Sperrung des Radweges ist angezeigt, aber eine ausgeschilderte Umleitungfehlt. Wir verlassen den Radweg und fahren über Haida nach Zeischa. Trotz aller Umwege und Irrungen haben wir Zeischa gegen 17:00 Uhr erreicht, aber nicht, ohne uns noch einmal zu verfahren. Die Straße ist abschüssig und wir rollen am Friedhof vorbei, vorbei am Schild „Zimmervermietung Müller-Gesell“, wohl wissend, dass unsere Unterkunft in der Straße am Friedhof sein soll. Erst an der nächsten Kreuzung realisieren wir, dass wir an unserer Unterkunft bereits vorbei geradelt sind. Zu müde, zu sehr von den Umwegen am Tage gestresst ...?
Statt der vorgesehenen 57 Kilometer sind es 69 geworden. Wir werden bereits erwartet, erhalten eine Einweisung für das Zimmer, denn immerhin müssen wir uns unsere Unterkunft hinsichtlich Küchen- und Badbenutzung mit einigen Bauarbeitern teilen. Aber alles ist perfekt. Duschen steht jetzt bei uns vor allen anderen Bedürfnissen an erster Stelle.
Wir sind wieder fit und es wird Zeit, die Räder regensicher unterzustellen, denn über uns braut sich etwas zusammen. Mit dem Hausherren machen wir noch einen kleinen Rundgang über das große gepflegte Grundstück. Taubenzucht ist sein Hobby und so lernen wir die uns bis dahin unbekannten „Kings Tauben“ kennen. Die Tiere sind so groß wie Hühner. Wir sind ganz schön beeindruckt.
Langsam macht sich bei uns beiden Hunger bemerkbar. Wir essen den Rest vom Mitgebrachten und brühen uns einen Tee. Und ... draußen tobt ein Gewitter. Es regnet wie aus Eimern geschüttet. Kein Fernsehen, der Körper möchte relaxen.
Das erste Geräusch, das ich nach dem Aufwachen wahrnehme, ist das Prasseln der Regentropfen auf die Fensterscheiben. Der Himmel ist grau in alle Richtungen. Sollte unsere Etappe heute wirklich zu einer im Regen werden?
Das Frühstück, das uns Frau Müller-Gesell angerichtet hat, erfüllt alle Wünsche; reichlich und sehr lecker. Während wir die Sachen zusammenpacken und das Zimmer bezahlen, hat sich am Himmel auch einiges getan. Der Regen hat aufgehört, die aufgerissene Wolkendecke macht ersten Sonnenstrahlen Platz.
Gegen 9:00 Uhr verlassen wir unsere Unterkunft und fahren in Richtung Bad Liebenwerda. Der Regen der vergangenen Nacht hat für eine angenehme Kühle am Morgen gesorgt. Noch ehe wir richtig in Tritt sind, erreichen wir Bad Liebenwerda.
Bad Liebenwerda ist mit seinen 9.500 Einwohnern nicht sehr groß, aber man merkt dem Ort den Kurbetrieb an. Mitten im Ort die spätgotische Stadtkirche Sankt Nikolai. Nicht zu übersehen ist der Kurpark mit der Wäldchenbrücke am Eingang.
Kurz hinter Bad Liebenwerda führt der Radweg wieder unmittelbar am Fluss entlang durch eine überwiegend flache Landschaft mit bestellten Feldern und üppig bewachsenen Wiesen, unterbrochen von kleinen Waldflecken. Über Wahrenbrück-Neumühl, immer dem Flusslauf folgend, führt uns der Weg nach München. Hinter München verlassen wir den Radweg und benutzen den die Landstraße begleitenden Radweg nach Herzberg.
Bei Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen erreichen wir Herzberg. Auf dem Marktplatz halten wir an. Der restaurierte historische Stadtkern ist beeindruckend.
Der gestrige Tag hat einige Umwege und auch Irritationen in der Wegeführung gebracht. Um das heute auszuschließen, wollen wir uns in der Touristinformation Auskunft zu irgendwelchen Baumaßnahmen und damit verbundenen Umleitungen holen, denn heute sind wir zeitlich an den Fahrplan der Deutschen Bahn in Jessen und Lutherstadt Wittenberg gebunden.
Eine Touristinformation finden wir nicht. Wir fragen bei den Einheimischen nach und erhalten die Auskunft, dass diesen Service in Herzberg die Kirche übernommen hat.
Gudi ist bereit, sich um die Information zu kümmern, mich mit dieser Aufgabe zu betrauen würde bei meiner unterentwickelten Ortskenntnis nichts bringen. Während Gudi sich also um eine stressfreie Weiterfahrt kümmert, beobachte ich, wie die Schüler vom Phillip-Melanchthon-Gymnasium ihr Unterrichtsende zu schätzen wissen.
Langsam bekomme ich Hunger. Und als Gudi nach einer gefühlt unendlich langen Zeit mit einem Packen kopierter Karten erscheint, ist Mittagspause. In einem kleinen Café mitten im Trubel der Stadt finden wir Platz; Zeit für ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee. Wir sichten das Kartenmaterial und besprechen die weitere Streckenführung. Ehe wir wieder aufs Rad steigen, sehen wir uns noch das Rathaus, ein bemerkenswertes Bauwerk im Renaissance-Stil, an. Immer noch Sonnenschein, obwohl sich um uns herum am Himmel Wolken auftürmen. Wir liegen gut in der Zeit und können die letzten Kilometer ruhig angehen.
Das Kartenmaterial, das wir erhalten haben, birgt auch so manche Tücken in sich. Wir hangeln uns von Ortschaft zu Ortschaft und bekommen so noch manches landschaftlich und bauliche Kleinod zu sehen. Der kleine Ort Arnsniesta überrascht uns mit einer Fachwerkkirche. Alle diese kleinen Ortschaften sind Straßendörfer und machen einen sehr gepflegten Eindruck. Schließlich erreichen wir über Premsendorf wieder den Schwarze-Elster-Radweg, der uns über Löben nach Schweinitz führt.
Kurz vor Schweinitz machen wir die letzte Rast. Ein kräftiger Imbis – Thüringer Knackwurst – gibt uns die nötige Kraft für den letzten Abschnitt unserer Tour. Während wir im Gras liegen, resümieren wir ein erstes Mal über die zwei Tage auf dem Schwarze-Elster-Radweg.
Unser erstes Fazit: Der Schwarze-Elster-Radweg bietet viel Sehenswertes. Er folgt größtenteils dem Flusslauf durch eine urwüchsige Felder- und Wiesenlandschaft. Auf dem überwiegend asphaltierten Weg ohne größere Steigungen war das Radeln nicht anstrengend, bis auf die Tatsache, dass in den größeren Ortschaften die Wegeführung irreführend oder schwer zu finden war. Als wir wieder auf die Räder steigen, ist zu spüren, dass es bergiger wird. Wir haben die Jessen-Schweinitzer Berge erreicht. Es ist eines der nördlichsten Weinanbaugebiete Deutschlands. Direkt am Radweg, wir sind schon vor den Toren Jessens, steht eine Holzhütte – Weingut Hanke –, verkauft wird kein Wein, sondern Erdbeeren. Wir halten an und dürfen kosten. Die Früchte sind aromatisch und süß, einfach lecker. Und während wir probieren, erzählt uns der Winzer, Herr Hanke, viel Interessantes über den Weinanbau in dieser Gegend. Eigentlich würden wir gern noch ein wenig bleiben, aber wir müssen zum Zug. Ehe wir uns verabschieden, sagt er so nebenbei, dass der landschaftlich schönste Abschnitt des Schwarze-Elster-Radweges der Teil von Jessen bis zur Mündung des Flusses in die Elbe ist.
Eine Schale mit Erdbeeren hat noch Platz in unserem Gepäck. Das Wissen um den in dieser Gegend produzierten Rebensaft und dass wir das Stück des Radweges bis zur Flussmündung nicht gefahren sind, nehmen wir mit nach Hause.
