Verlag: Books on Demand Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Mit Seifenblasen fliegen lernen E-Book

Eni Lu

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E-Book-Beschreibung Mit Seifenblasen fliegen lernen - Eni Lu

Dass die Liebe nicht immer einfach ist, musste Emilia schon in jungen Jahren erfahren. Der plötzliche und unerwartete Kontaktabbruch zu ihrer ersten großen Liebe hat tiefe Narben hinterlassen, die auch nach 10 Jahren noch nicht verblasst sind. Dass sie ihn nicht aus dem Kopf bekommt, könnte daran liegen, dass es sich bei ihm um keinen geringeren als Liam James Carter handelt, dem weltbekannten und erfolgreichen Rockstar, der von den Medien und der Frauenwelt vergöttert wird. Was auch immer Liam versucht, um seine geliebte Milli zu vergessen, es will nicht funktionieren. Doch die Schmerzen, die sie ihm zugefügt hat, sitzen noch immer tief. Selbst sein Image, das eines egoistischen und rotzfrechen Machos, kann er nicht aufrechterhalten, wenn es um seine erste große Liebe geht. Eine Geschichte über Freundschaft, Verbundenheit und die Einsicht, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Enthält explizit beschriebene Liebesszenen.

Meinungen über das E-Book Mit Seifenblasen fliegen lernen - Eni Lu

E-Book-Leseprobe Mit Seifenblasen fliegen lernen - Eni Lu

»Der Zauber der ersten Liebe liegt darin, dass man sich nicht vorzustellen vermag, sie könnte jemals enden.«

- Benjamin Disraeli

Inhaltsverzeichnis

Wer braucht schon einen Rockstar?

Die Liebe ist ein seltsames Spiel…

Ja? Nein? Vielleicht?

Milli & Liam … für immer!

Ich komme nie mehr von dir los!

Fuck auf die Vergangenheit

Alles oder nichts!

Endlich wieder leben!

Er liebt mich, er liebt mich nicht…

Ach wie gut, dass niemand weiß…

Sekunden wie Stunden, Minuten wie Jahre!

Wie das Leben so spielt…

Freud und Leid

Glücklich steht uns gut!

Briefe, Träume, Seifenblasen

Ein kleiner Schritt zur Wahrheit

Flieger, grüß mir die Sonne!

Enttäuschung

Ich brauche einen Rockstar!

Alle lieben Milli!

Ein Jahr später…

Ein weiteres Jahr später…

Gerdis Liste

Danksagung

Über die Autorin

Leseprobe One-Way-Ticket – Solange du neben mir liegst

Wer braucht schon einen Rockstar?

Emilia

Ich hasse Beerdigungen und werde mich wohl nie daran gewöhnen, jemanden auf diese Weise zu verabschieden. Leider gehörte es zu meinem Alltag als Altenpflegerin, dass Menschen aus meinem Leben verschwinden. Menschen, die mir über Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind. Menschen, die nicht mehr von ihren Familien besucht werden, da sie zur Last geworden sind. Menschen, die nicht mehr in der Lage dazu sind, sich um sich selbst zu kümmern. Menschen, denen ich jeden Tag Kekse mitbringe, an denen sie knabbern, als wären sie kleine Hamster, und deren Augen für diesen Moment so sehr strahlen. Meine verrückten Hamster, die mir jeden meiner Tage auf dieser ungerechten und gemeinen Welt verschönern. Warum diese Welt ungerecht und gemein ist? Der Grund, der mich zu dieser Annahme bringt, saß genau drei Reihen vor mir, auf der Beerdigung seines Opas und brachte mich durch seine bloße Anwesenheit zur Weißglut. Ja, ich weiß; es war die Beerdigung seines Opas und ich sollte etwas nachsichtig sein, aber das ist mir bei diesem … diesem … diesem Arschloch einfach nicht möglich.

Liam James Carter. 26 Jahre alt, Leadsänger und Gitarrist der berühmten Band Outsiders, begehrtester und heißester Junggeselle der

Welt und meine verdammte erste große Liebe. Und auch, wenn ich mich selbst dafür hasse; mein Herz klopft noch immer schneller, wenn ich ihn sehe. Was aber auch daran liegen könnte, dass mir der Hass zu Kopf gestiegen ist und sich die Mordgedanken auf mein Herz auswirken. Wie auch immer die Erklärung lautet, er hat mir mein Herz gebrochen. Hat es rausgerissen, es auf den Boden geschmissen und ist mit seinem sexy Hüftschwung darauf rumgetänzelt. Bei seinem rüpelhaften Benehmen, das man immer wieder in Zeitungsartikeln und Fernsehberichten sehen kann, hat er wahrscheinlich auch noch draufgespuckt. Oder Schlimmeres.

Wir kennen uns schon eine gefühlte Ewigkeit, denn er war mein direkter Nachbar. Fenster an Fenster haben wir unsere Kindheit und unsere Jugend verbracht. Als er drei Jahre alt war, zog er mit seiner Familie in das Haus seiner Großeltern. Vorher lebte er in Australien, denn von dort stammt sein Vater. Damals, als seine Mutter ein Auslandsstudium in Australien begann, war er ihr Sitznachbar, und es war Liebe auf den ersten Blick. Schon nach wenigen Monaten wurde sie schwanger. Nachdem beide das Studium abgeschlossen hatten, zogen sie nach Deutschland, da die Jobaussichten gut waren und Liams Großeltern ihn endlich kennenlernen sollten. Und an diesem Tag beginnt unsere Geschichte, denn unsere Mütter sind die besten Freundinnen, die man sich nur vorstellen kann. Die Wiedersehensfreude war damals so groß, dass sie an dem Tag beschlossen, sich niemals wieder zu verlieren. Auch, dass sie Kinder im selben Alter hatten, schweißte sie noch mehr zusammen, denn ich bin nur zwei Monate jünger als Liam. So wurden wir im Kindesalter gezwungenermaßen zusammengeführt und daraus entstand eine knallharte Freundschaft. Auch, wenn wir uns am Anfang gegenseitig mit unseren Schüppen im Sandkasten verhauen haben, konnten wir irgendwann nicht mehr ohneeinander.

Genauso hatten es unsere Eltern geplant, da war ich mir von Anfang an sicher. Alles haben wir miteinander unternommen und jeden Tag gab es für uns irgendetwas Neues zu entdecken. Die Welt stand uns offen, wir hätten alles zusammen meistern können, bis uns die Pubertät in die Quere kam und wir Gefühle füreinander entwickelten. Und nun saß ich hier, mit klopfendem Herzen und Tränen in den Augen, gerührt von der Beerdigung und dem Wissen, dass es nie wieder so sein wird, wie es war, und starrte auf seinen verdammt attraktiven Hinterkopf.

»Und nun bitte ich Emilia Engelhard zu mir nach vorne, die gerne noch ein paar Worte über unserem Verstorbenen sagen möchte.«

Zum wohlmöglich ungünstigsten Zeitpunkt wurde ich nach vorne gerufen, damit ich meine Rede halte, um die mich Elisa, Liams Oma, gebeten hatte. Denn ich war für Helmut immer die Enkelin, die er sich wünschte, und kümmerte mich in den letzten Jahren um ihn, als wäre er mein eigener Großvater. Ich zuckte bei der Nennung meines Namens unweigerlich zusammen und musste feststellen, dass es nicht nur mir so erging. Auch Liam zuckte kurz und spannte sich sichtbar an, denn wir hatten uns noch nicht gesehen. Als ich mit einigen Bewohnern aus dem Heim, die Helmut alle gut kannten, die Kirche betrat, saß er schon in der vordersten Reihe. Auch meine Eltern saßen dort, doch ich zog es vor, mich neben meinen Lieblingshamster Gerdi zu setzen. Eine 87-jährige Frau, die verrückter und lebensfroher nicht sein könnte.

»Emmi, Kindchen, du musst nach vorne!«, sie tätschelte meine Hand, so wie es nur Omas können und ich nahm all meinen Mut zusammen, stand auf, wischte mir die Tränen weg, die meine Augen schon verlassen hatten, und ging los. Vorbei an Heimbewohnern, Nachbarn, Freunden der Familie und an Liam, dem ich keinen Blick würdigte. Ich stellte mich hinter das Podium, legte mit zitternden Händen meine vorbereitete Rede ab, atmete tief durch und begann zu sprechen.

»Als Elisa mich bat, ein paar Worte über Helmut zu sagen, wusste ich zuerst nicht, über was ich reden sollte. Wie beschreibt man jemanden am besten, den man sein ganzes Leben lang kannte und immer als selbstverständlich betrachtet hat? Für mich war es selbstverständlich, dass er da war, für jeden, zu jeder Zeit. Es war selbstverständlich, dass er mir jeden Morgen aus dem Küchenfenster gewunken hat und mir, bis zuletzt, jeden Tag mit seinen Komplimenten die Schamesröte ins Gesicht trieb. Wie er mich jedes Mal zum Lachen brachte, wenn er ein Telefonat mit ‚Emmi, gut siehst du aus!‘ begann. Zumal er immer nur anrief, wenn mein Hase in seinem Garten saß, um seine heiligen Blumen anzuknabbern. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er mehrmals mit Messer und Gabel hinter ihm herlief, und mir dabei zurief, wie gut Hasenbraten doch schmecken würde.«

Alle lachten auf, denn sie wussten, dass Helmut immer für einen Spaß zu haben war. Auch ich musste bei dem Gedanken an früher schmunzeln, konnte mich jedoch kaum auf etwas konzentrieren, da ich genau spürte, dass er mich keine Sekunde aus den Augen ließ. Seine Blicke lösten etwas in mir aus, das ich nicht beschreiben konnte und auch vorher noch nie gefühlt hatte. Schnell fasste ich mich wieder und setzte meine Rede fort.

»Es war selbstverständlich für mich, dass ich zwei Mal in der Woche mit ihm einkaufen ging und er mir jedes Mal danach ein Eis kaufte; auch im Winter! Ob Tag oder Nacht, ich konnte ihm zu jeder Zeit mein Herz ausschütten, konnte ihm alles erzählen. Er war für mich der Großvater, den ich nie hatte und wenn er eins ganz sicher nicht war, dann selbstverständlich. Denn alles, was er tat, tat er mit so viel Liebe, so viel Begeisterung, dass es niemals als selbstverständlich angesehen werden sollte und ich wünschte, dass ich ihm genau das noch hätte sagen können. Er war ein großartiger Mensch, der ein ausgefülltes, glückliches Leben mit seiner großen Liebe führen durfte. Ich werde ihn schrecklich vermissen und hoffe, dass es einen extra Himmel für Hasen gibt, denn sonst hat Fluffy jetzt ein großes Problem!«, auch wenn meine Tränen liefen, konnte ich mir bei dem Gedanken ein Lachen nicht verkneifen. Auch Elisa und all die anderen stiegen mit ein und wir prusteten gemeinsam los.

»Er wird Fluffy in die Hölle schicken, da bin ich mir sicher!«, gleichzeitig lachend und weinend kam Elisa auf mich zu und nahm mich in den Arm, bedankte sich für die Rede und sagte mir, dass Helmut meine Ansprache geliebt hätte, wie er auch mich geliebt hat. Tief schluchzend umarmte ich sie fester und wollte zurück an meinen Platz, doch wurde von Liams Eltern aufgehalten.

»Emilia, das war wunderschön! Danke für deine Worte!«, seine Mutter nahm mich in den Arm, während sein Vater mir anerkennend auf den Rücken klopfte. Als ich mich freundlich von ihr löste, drehte ich mich um und hoffte, dass ich Liam nicht sehen würde. Doch als ich einen Schritt nach vorne ging, knallte ich fast gegen eine starke, breite Brust, die sich vor mir aufbaute. Wir waren uns so nah, dass mir sein Geruch die Sinne vernebelte. Er roch so unglaublich gut, nach Aftershave und einfach nur Liam. Obwohl ich ihn zehn Jahre nicht gerochen hatte, ich würde ihn unter Tausenden erkennen. Mein Blick heftete noch an seiner Brust, denn auch mit Absatzschuhen, die ich heute trug, reichte ich ihm lediglich bis unter sein Kinn.

»Milli, ich …«, ich hob meine Hand und stoppte ihn.

»Nenn mich nicht so!«, ich schloss für einen kurzen Moment meine Augen, nahm noch einen tiefen Zug seines unglaublichen Duftes und wollte schnellen Schrittes an ihm vorbei. Es fiel mir unglaublich schwer, ihm nicht in sein Gesicht oder gar in seine Augen zu sehen. Ich konnte es nicht. Wollte es nicht. Und tat es doch …

Die Liebe ist ein seltsames Spiel…

Liam

Die Nachricht, dass mein Opa aus Deutschland gestorben war, traf mich wie ein Schlag. Ich stand hinter der Bühne und bereitete mich auf die zweite Hälfte unseres Auftritts vor, als es mir beiläufig von unserem Manager erzählt wurde. Er sagte es, als wäre es nichts, doch für mich brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Seit fast 6 Jahren hatte ich ihn nicht mehr gesehen, telefoniert haben wir zuletzt vor 7 Monaten. Ich war ein schlechter Enkel, ein schlechter Sohn, ein schlechter Mensch. Selbst meine Eltern hatte ich seit 4 Monaten weder gesehen, noch gehört, was ich natürlich immer auf den Stress schob, den so eine Tour mit sich bringt.

»Wer hat dir das gesagt? Woher weißt du das?«, ich stand auf und ging ruhigen Schrittes auf unseren Manager Eric zu, fast schon gefährlich langsam.

»Deine Mutter hat mehrmals versucht dich zu erreichen. Irgendwann ging mir das Geheule auf die Nerven, da habe ich gefragt, was los ist. Du sollst sie bei Gelegenheit mal anrufen. SO, UND JETZT ALLE WIEDER AUF DIE BÜHNE!«, völlig perplex stand ich neben ihm und verarbeitete seine Worte. Als mir klar wurde, was er da grade von sich gegeben hat, holte ich aus und schlug ihm meine Faust ins Gesicht. Er fiel sofort in sich zusammen und lag bewusstlos auf dem Boden, Blut strömte aus seiner Nase.

»Carter! Hast du sie noch alle?«, meine Bandkollegen Ethan, William und Cooper eilten zu mir und stellten sich neben mich, alle schauten auf Eric herab.

»Habt ihr das etwa nicht mitbekommen? Mein Opa ist gestorben und er hat nichts Besseres zu tun, als es mir beiläufig zu sagen und meine heulende Mutter mehrmals abzuwimmeln! Und jetzt soll ich auch noch auf die Bühne gehen und weitere 2 Stunden meine scheiß Show abziehen? Einfach so, als wäre nichts gewesen?«, zitternd und den scheiß Tränen verdammt nah, stand ich vor ihnen und hoffte auf ihre Zustimmung.

»Fuck, Carter. Das tut mir leid!«

»Ich habe ja schon mehrmals gesagt, lasst uns den Manager wechseln, aber hier hört ja kein Mensch auf mich! Mein Beileid, Bro!«

»Scheiß drauf! Mir ist die Lust auch vergangen! Ich werde mal zu dem Veranstalter gehen und die Sache klären.«

William eilte los, um den Auftritt zu beenden, Ethan kümmerte sich um den Wichser, der noch immer blutend und wimmernd auf dem Boden lag, und Cooper reichte mir ein Bier, das ich jetzt dringend brauchte.

»Jungs, ich bin gleich wieder da. Danke für euer Verständnis, ihr habt einen gut bei mir!«, ich schnappte mir mein Handy aus Erics Tasche und wählte die Nummer meiner Mutter.

»Bro, dasselbe würdest du auch für uns tun!«, Ethan drehte sich zu Cooper und sah ihn fragend an.

»Also, umbringen und vergraben oder aufhelfen und feuern?«, ohne die Antwort abzuwarten, verließ ich den Raum und wartete darauf, dass meine Mutter das Gespräch annahm.

»Carter.«

»Mum? Ist es wahr?«

»Oh mein Gott, Liam! Es tut so gut deine Stimme zu hören! Ja, leider ist es wahr.«

Das Schluchzen am anderen Ende der Leitung wurde lauter und auch bei mir stauten sich die Tränen.

»Fuck! Wie … wann?«

»Schon heute Morgen, kurz nach dem Frühstück. Er ist einfach zusammengebrochen, die Ärzte vermuten einen Herzstillstand.«

»Wie geht es Oma?«

»Den Umständen entsprechend. Sie hat immerhin nach 51 Ehejahren ihre große Liebe verloren, das steckt man nicht einfach so weg.«

»So eine verdammte Scheiße! Ist sie jetzt etwa alleine?«

»Nein, die Engelhards sind bei ihr und wir fliegen morgen. Liam?«

»Ja?«

»Du solltest mitkommen! Oma hat nach dir gefragt und die Beerdigung ist schon in zwei Tagen! Kannst du das irgendwie einrichten?«

»Mum, wir sind mitten in der Tour! Die kann man nicht einfach so absagen!«

»Liam James Carter! Es geht hier um deine Familie!«

»Ich weiß, Mum. Ich verspreche dir, dass ich alles in meiner Macht Stehende versuchen werde, um mit euch zu kommen!«, ich sagte das nicht nur, um sie zu beruhigen, sondern meinte es ernst. Ich hätte es mir nie verzeihen können, mich nicht richtig von meinem Großvater verabschiedet zu haben.

»Danke, mein Schatz. Ich habe dich lieb!«

»Ich dich auch, Mum. Grüß Dad von mir. Ich melde mich später!«

»Ich verlasse mich auf dich!«, ein Klicken in der Leitung ließ mich wissen, dass sie aufgelegt hatte und genau in diesem Moment, löste sich die erste Träne.

***

Schon in der nächsten Nacht saß ich in einem Flieger, der mich nach Deutschland bringen sollte. Zwar hatte ich es nicht mehr geschafft, mit meinen Eltern zu fliegen, doch wenigstens kam ich so noch pünktlich zur Beerdigung. Ich stand in dem großen Bad der ersten Klasse und sah mich im Spiegel an. Meine Augenringe waren kaum zu übersehen, mein Dreitagebart, den ich sonst trug, wurde durch einen Siebentagebart ersetzt. Meine dunklen Haare lagen wie immer perfekt durcheinander. Schlechte Frisuren gab es bei mir nicht. Eines der positiven Dinge, die das Rockstarimage mit sich brachte. Die Frisur kann sitzen, wie sie will, es scheint immer perfekt und so gewollt zu sein. Nachdem ich mir kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, um meine grünen Augen wenigstens etwas wach wirken zu lassen, ging ich zurück in meine Kabine und bestellte mir etwas zu essen. Ja, für weltberühmte Rockstars gab es auch nachts noch etwas zu essen. Egal wo. Egal wann. Egal wie. Serviert wurde das Ganze natürlich von einer wunderschönen Stewardess, deren Kleid viel zu kurz war, und die mich schon mit ihren Blicken auszog. Wenn ich auch sonst nicht ablehnen würde, heute war ich nicht in Fickstimmung. Seit feststand, dass ich nach Deutschland reise, bekam ich sie nicht mehr aus dem Kopf. Eigentlich bekam ich das nie. Ich würde sie wiedersehen, nach zehn verdammten Jahren. Emilia Engelhard. Meine Milli, meine Liebe, die mir mein verficktes Herz gebrochen hat.

***

»Liam! Mein wunderschöner Enkel! Sieh dich an, du bist ja riesig geworden!«, meine winzige, zerbrechliche Oma stand mit großen Augen vor mir und schlug sich die Hände vor den Mund.

»Auf den Fotos siehst du irgendwie immer kleiner aus! Und wie breit du bist! Du musst unglaublich stark sein!«, sie fasste an meine Arme und staunte nicht schlecht. Nicht umsonst wurde ich die letzten vier Jahre von Millionen Frauen zum ‚Mister Body‘ gewählt. Wenn ich nicht gerade auf der Bühne oder im Tonstudio stand, verbrachte ich die meiste Zeit im Fitnessstudio.

»Ich war auch schon so groß, als wir uns das letzte Mal sahen. Ich bin nur etwas breiter geworden. Vielleicht bist du ja seitdem geschrumpft, Omi?«, ich hob sie hoch und nahm sie in den Arm, was sie freudig aufschreien ließ. Als ich sie wieder absetzte, sah sie mir mit trauriger Miene in die Augen.

»Du bist deinem Großvater so ähnlich! Er hat dich über alles geliebt, das weißt du, oder?«

»Oma, ich … ich war ein so schlechter Enkel. Ich hätte viel öfter da sein müssen. Es tut mir so unendlich leid.«

Während ich dagegen ankämpfte, wie ein kleiner Junge zu heulen, schluchzte meine Mutter hinter mir auf.

»Bub, du kannst die Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst es in der Zukunft besser machen. Dein Opa wusste, wie sehr du ihn liebst. Mach dir bitte keine Vorwürfe.«

Wieder schlang sie ihren kleinen Körper um meinen Bauch und drückte mich fest, was ich nur erwidern konnte. Schon kurz nach meiner Ankunft bereiteten wir uns auf die Beerdigung vor und fuhren zur Trauerkapelle, in der sie stattfinden sollte. Ich setzte mich in die erste Reihe, direkt neben meine Eltern und hatte gemischte Gefühle, als sich Millis Eltern neben uns setzten. Denn sie war nicht da. So sehr ich sie auch hasste, für das, was sie mir angetan hatte, so sehr vermisste ich sie auch. Jeden verdammten Tag. Seit zehn Jahren.

Die Trauerfeier wurde mit viel Liebe gestaltet, doch ich bekam kaum etwas davon mit, da ich vollkommen in meinen Gedanken verloren war. Ich spürte sie. Sie musste hier sein. Ob ich mich einfach umdrehen sollte? Was, wenn ich ihr dann direkt in die Augen sah? Ich haderte mit mir, hatte mich fast dazu entschlossen, bis auf einmal ihr Name aufgerufen wurde. Ein Schauer zog durch meinen Körper und meine Muskeln verspannten sich. Jeden Moment sollte sie nach vorne treten, genau vor mich, und eine Rede über meinen Opa halten. Meine Atmung wurde schneller, meine Hände zitterten. Fuck!

Was war nur los mit mir? Sie hat mir mein scheiß Herz gebrochen, und trotzdem klopfte es jetzt wie verrückt! Als sich hinter mir etwas regte, wusste ich, dass sie jeden Moment an mir vorbeigehen würde. Und plötzlich war es so weit. Ich konnte nicht hinsehen, aber ihr Duft, der im Vorbeirauschen meine Nase erreichte, rief in mir alle Erinnerungen hoch. Die weichen Haare, die blauen Augen, der rosarote, volle Kussmund, die warme, perfekte Haut, der zierliche Körper. Ich musste hinsehen. Mein Blick glitt nach oben und meine Augen weiteten sich, als ich die wahrlich schönste Frau, die ich je gesehen habe, vor mir sah. Wie ein Engel stand sie hinter dem Podium und sah mit traurigen Augen auf die Trauergäste. Ihre Haare fielen in langen Locken über ihre Schultern, die dunklen Augenbrauen waren leicht zusammengekniffen und ihre Lippen zu einem Strich geformt. Sie trug ein schwarzes, knielanges Kleid, das ihrer immer noch perfekten Figur schmeichelte. Als sie anfing zu sprechen, schlug mein Herz plötzlich noch schneller und meine Atmung ließ sich kaum kontrollieren. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihr nehmen, war wie erstarrt von ihrem Anblick. Die Worte, die ihren Mund verließen, klangen so ehrlich, so nach ihr. Schon immer sprach sie direkt aus dem Herzen, nahm kein Blatt vor den Mund und ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Das ist eines der vielen Dinge, die ich an ihr liebe. Liebte. Fuck. Keine Ahnung.

Nachdem sie die Rede beendet hatte, die wirklich jeden berührte, wollte sie wieder zurück an ihren Platz, doch wurde von meinen Eltern aufgehalten. In meinem Kopf hämmerte es, denn ich wusste nicht, was ich tun sollte. Aufstehen und sie in den Arm nehmen? Vorbeigehen lassen? Ein Bein stellen, damit sie hinfällt? Okay … Letzteres würde ich nicht machen. In der letzten Sekunde entschied ich mich dazu, aufzustehen, und ihr meinen Dank für einfach alles auszusprechen.

Immerhin war sie für ihn da, als ich es nicht war. Als sie kurz vor mir zum Stehen kam, wurden tatsächlich meine verdammten Knie weich und mein Mund staubtrocken.

»Milli, ich …«, gerade, als ich meine Sprache gefunden hatte, unterbrach sie mich, indem sie ihre Hand hob. Sie schaute mich nicht an, ihr Kopf senkte sich und sie schloss ihre Augen.

»Nenn mich nicht so!«, sie zischte mir die Worte regelrecht entgegen und setzte einen Schritt zur Seite, um an mir vorbei zu kommen. In dem Moment, als ich ihre Hand nehmen wollte, denn ich konnte sie einfach nicht gehen lassen, sah sie mich mit tränenüberfluteten Augen an und mein Herz setzte für einen Schlag aus …

Ja? Nein? Vielleicht?

Emilia

Frische Luft. Das Einzige, das in meinem Kopf noch einen Sinn ergab, waren diese zwei kleinen Worte. Zum Glück dauerte die Trauerfeier nur noch wenige Minuten und ich konnte endlich die Kapelle verlassen. Ich atmete tief durch, blendete kurz alles um mich herum aus und schüttelte die letzten Minuten von mir ab. Die letzten Minuten, in denen ich in diese unglaublich großen, grünen Augen sah, die mich innerhalb von Sekunden gepackt hatten und mir eine Gänsehaut vom Feinsten bescherten. Sein Blick, der mir wie ein Blitz durch den Körper zog. Wie ich zu meinem Platz eilte und mich setzte, den Tränen freien Lauf ließ. Ob er sich noch mal zu mir rumgedreht hatte? Ich konnte es nicht sagen, denn ich konnte nichts mehr sehen, außer seinen sorgenvollen, traurigen Augen und war froh, als ich endlich aufstehen konnte. Nun stand ich hier, mit einer alten Dame im Arm, und versuchte, alles aus meinem Kopf zu atmen.

»Kind, geht es dir nicht gut?«, Gerdi nahm meine Hand und schob sich mit der anderen ihre Brille auf die Nase, schaute mich mit ihren nun vergrößerten Augen an.

»Mach dir keine Sorgen, ich musste nur mal durchatmen.« Sie nickte mir wissend zu und sah in Liams Richtung.

»Das ist er, oder? Der Junge, von dem du schon so oft erzählt hast. Seinetwegen warst du eben am Weinen.«

Vollkommen überrumpelt sah ich sie an und schüttelte wild mit dem Kopf.

»Wegen ihm? Nein … wie kommst du darauf? Ich war einfach nur … ergriffen … von … meiner eigenen Rede!«

»Emmi, ich bin vielleicht alt und fast blind, aber ich bin nicht blöd! Als ihr euch eben angesehen habt, habe selbst ich die Luft anhalten müssen. Das ist die wahre Liebe und das ist auch euch eben bewusst geworden, habe ich recht?«, fassungslos über ihre direkte, ehrliche Antwort, starrte ich sie an und wusste nicht, was ich sagen sollte.

»Jetzt guck nicht so, mein Kind. Du liebst ihn noch immer. Das wusste ich schon, als du mir das erste Mal von ihm erzähltest!«

»Du weißt aber auch, dass er mir mein Herz gebrochen hat. Er wollte ein Leben ohne mich, jetzt hat er es und scheint damit sehr glücklich zu sein …«, bevor ich weitersprechen konnte, kamen meine Eltern auf mich zu und nahmen mich in den Arm. Sagten mir, wie toll meine Ansprache war. Nachdem vor der Kapelle noch etwas geplaudert wurde, fuhren die Frauen aus unserem Dorf zum örtlichen Gemeinschaftshaus, in dem es Kaffee und Kuchen geben sollte. Für mich war es selbstverständlich, dass ich bei solchen Anlässen meine Hilfe anbot. Ich deckte also die großen Tafeln ein, kochte Kaffee und schmierte ein paar Brötchen. Der typische Streuselkuchen wurde von meiner Mutter geschnitten. Als die Trauergäste eintrafen, sah alles feierlich schön aus und die Stimmung hellte sich auf. Elisa bat alle darum, nicht um Helmuts Tod zu trauen, sondern sein Leben zu feiern und so wurde neben Kaffee, auch Bier serviert. Ich ging also zu den verschiedenen Tischen und nahm Getränkebestellungen auf, schenkte Kaffee aus und versuchte durchgehend, meinen Blick nicht zu Liam schweifen zu lassen, denn ich spürte, dass er mich keinen Moment aus den Augen ließ.

»Emmi, willst du dich nicht auch mal setzen und ein Stück Kuchen essen? Du rennst die ganze Zeit nur durch die Gegend!«, meine Mutter stand sorgenvoll vor mir und sah mich mit ihrem eindringlichen, befehlerischen Blick an.

»Ich muss nur noch zu dem Kindertisch, dann setze ich mich.«

»Nein, du setzt dich sofort. Ich übernehme das. Neben Liam ist auch noch ein Platz frei.

Ihr habt euch doch so lange nicht gesehen, da gibt es bestimmt viel zu erzählen!«, da meine Mutter keine Ahnung davon hatte, was zwischen uns vorgefallen war, meinte sie es natürlich nur gut. Ich nickte ihr lächelnd zu und ging in die Richtung des Tisches, an dem meine Hamster saßen, und nahm neben Gerdi platz. Nachdem ich mir ein Stück Kuchen genommen hatte, hörte ich den Gesprächen am Tisch zu.

»Ich weiß ja nicht, was die jungen Leute heutzutage immer mit diesen Bemalungen auf der Haut haben. Das sieht doch fürchterlich aus.«

»Und es bleibt auch noch ein Leben lang. Das kann man nicht einfach so wegwischen!«

»Also ich finde ja, es passt zu ihm. Er macht doch diese Rockmusik, da gehört das wohl mit dazu!«

»Quatsch, so etwas gehört sich gar nicht! Er trägt ein Hemd und überall kommen diese schwarzen Zeichnungen hervor, das sollte verboten werden!«, natürlich mussten sie sich über ihn unterhalten, über seine Tattoos und seine Lebensweise. Nicht sehr höflich, dafür aber bitter nötig, äffte ich das Gerede nach und stopfte mir ein großes Stück Streuselkuchen in den Mund, als ich ein tiefes, melodisches Lachen vernahm. Ich sah in seine Richtung und stellte fest, dass sich Liam über meine Geste kaputtlachte. Auch ich prustete in diesem Moment los, denn einerseits war mir die Situation peinlich, andererseits war sein Lachen und dieser unbeschwerte Moment zwischen uns einfach ansteckend. Wir sahen uns weiterhin in die Augen, auch, als das Lachen langsam abnahm. Unsere Mienen wurden immer ernster und irgendwann sahen wir uns nur noch an. Traurig, sorgenvoll und hoffnungslos. Hoffnungslos verloren. Die Tränen brannten in meinen Augen und ich war froh, als sich drei Mädchen in unser Blickfeld schoben, die scheinbar ein Foto mit ihm wollten. Wissend tätschelte Gerdi meinen Rücken. Ich hatte oft das Gefühl, das diese Frau meine Gedanken lesen konnte. Nach einem kurzen Lächeln, das mir Gerdi schenkte, stand ich auf und brachte mein Gedeck in die Küche.