Mittsommerwind – Neue Chancen - Nicola Förg - E-Book

Mittsommerwind – Neue Chancen E-Book

Nicola Förg

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Beschreibung

Ida und ihre beste Freundin Anna verbringen die Sommerferien bei Idas Mutter auf deren Reiterhof Dörmhäst in Schweden. Doch die Stimmung auf dem Hof ist gedrückt. Negative Internetbewertungen schrecken Feriengäste ab, und dann bekommt auch noch die Fjordistute Ebba eine Kolik. Zudem scheint es zu spuken: Essen verschwindet, Gegenstände fallen einfach um… Zum Glück ist auch Larissa wieder mit von der Partie. Gemeinsam legen sich die drei Mädchen auf die Lauer - und finden kein Gespenst, sondern Alice. Alices Familie besitzt auch einen Reiterhof, aber wegen der schweren Krankheit von Alices Vaters steht dieser kurz vor dem Aus. Alice offenbart, was sie nach Drömhest verschlagen hat. Sie willden Hof nicht aufgeben, schon gar nicht ihre geliebten Gotlandponys. Ida, Larissa und Anna beschließen, Alice zu helfen. Wird es den Pferdefreundinnen gelingen, den Reiterhof und seine Pferde zu retten?

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Kapitel 1

Früh war ja okay, aber musste es wirklich so früh sein? Um drei Uhr nachts war Ida aus dem Bett gestiegen und hatte Anna geweckt, die seltsamerweise sofort hellwach gewesen war.

Ida hatte schon befürchtet, dass ihre Freundin in der Nacht vor der Reise schlecht schlafen würde. Anna war nämlich noch nie geflogen. Bisher war sie in den großen Ferien mit ihren Eltern nach Kroatien gefahren, und zwar mit dem Auto. Aber diesen Sommer durfte Anna nach Schweden mitkommen.

Der Flug ging um zwanzig vor sieben, und Idas Großeltern hatten erklärt, dass man schon vor fünf Uhr am Flughafen sein müsse. Mitten in der Nacht sozusagen! Das war auch der Grund, warum Anna bei Ida übernachtet hatte. Nicht dass noch irgendetwas schiefging und sie den Flieger verpassten!

Idas Opa nahm das alles recht gelassen, die Oma hingegen war mit den Nerven am Ende. Ida war zwar schon mehrfach nach Schweden geflogen, aber Flugzeuge blieben für Oma nun mal Teufelszeug. Und die Tatsache, dass Anna diesmal mitkommen sollte, stresste die Oma noch mehr.

Ida freute sich. Ihre beste Freundin Anna würde die gesamten Ferien mit ihr in Schweden verbringen! Natürlich würde sie ihr alle vorstellen: Steffi, Ingrid, Kristoffer und natürlich auch Magnus, den Anna noch gar nicht kennengelernt hatte. Magnus war der neue Freund ihrer Mutter, ein eher spezieller Typ. Aber Anna würde sie alle lieben. Zwar war Anna kein richtiges Pferdemädchen, aber Ida hoffte, dass ihre Freundin sich auf der Drömhäst Ranch für Pferde begeistern würde, einfach weil dieser Pferdehof der beste Platz war, um reiten zu lernen.

In den letzten Tagen war sie Anna ein bisschen auf die Nerven gegangen mit ihrer Schwärmerei. Am Ende hatte ihre Freundin gesagt: »Ich wundere mich ja nur, dass du nicht doch zu deiner Mutter gezogen bist.«

Idas Mutter Andrea war vor einiger Zeit nach Schweden gegangen, wo sie einen Reiterhof mit einem angegliederten Hotel betrieb. Im vergangenen Sommer hatte Ida eine Wahl treffen müssen – zwischen Schweden und Bayern. Letztlich hatte sie sich für Oma und Opa, für ihre Schule und ihre Freunde in Deutschland entschieden – und auch für ihren Vater, der noch einmal geheiratet hatte und mit seiner neuen kleinen Familie ganz in der Nähe der Großeltern lebte. Er hätte die Mädchen gerne an den Flughafen gefahren, aber in seinem Bergsportladen fand gerade eine Eventwoche mit Vorträgen und Materialtests statt, bei der er unabkömmlich war.

Auch wenn Ida sich für ihr altes Leben entschieden hatte, war die Drömhäst Ranch doch zu ihrer zweiten Heimat geworden, und mittlerweile fand sie es ziemlich cool, so was wie einen Zweitwohnsitz in Schweden zu haben.

Sonst war sie immer nach Stockholm geflogen, doch diesmal würde es nach Kopenhagen gehen. Steffi, die Reitlehrerin auf der Drömhäst Ranch, war auf einem Kurs in der Nähe von Malmö gewesen und hatte versprochen, Ida und Anna zum Reiterhof mitzunehmen. Das hieß, die beiden würden vom Kopenhagener Flughafen aus mit dem Zug nach Malmö fahren müssen.

»Aber, Mädele, Kopenhagen liegt doch in Dänemark!«, hatte Idas Oma entsetzt gerufen.

»Herrgott Sakrament!«, hatte Idas Opa entgegnet. »Von Dänemark führt doch diese Brücke über den Dingsdasund, da ist man blitzschnell in Schweden. Das ist so ähnlich wie die S-Bahn in München.«

Der Opa meinte die Öresundbrücke, und man brauchte wirklich nur gute zwanzig Minuten vom Flughafen Kopenhagen nach Malmö. Idas Mutter, die neben dem Reiterhof und dem Hotel auch noch ein Onlinereisebüro betrieb, hatte den Mädchen die Tickets schon aufs Handy geschickt. Sie hatte ihrer Tochter auch genau erklärt, wo der Zug in Kopenhagen abfuhr.

Natürlich schafften sie es mehr als rechtzeitig zum Flughafen. Idas Großeltern verabschiedeten die beiden Mädchen am Flugsteig und wünschten ihnen eine gute Reise. Die Freundinnen vertrieben sich die Zeit bis zum Abflug in einem Shop mit bayerischen Souvenirs. Ida kaufte ihrer Mutter und Magnus den bayerischen Senf, den sie so mochten, für Ingrid eine Schürze mit einem Dackel drauf und für Steffi ein großes Lebkuchenherz mit der Aufschrift I mog di.

Sie hatte etwas Bammel vor dem Flug, aber das wollte sie vor Anna nicht zugeben. Die starrte nämlich wie hypnotisiert auf den Sitzrücken vor ihr, während das Flugzeug abhob. Sie traute sich erst, aus dem Fenster zu sehen, als sie über den Wolken waren. Der Flug nach Kopenhagen dauerte nicht lang. Bald schon begann der Landeanflug. Es rüttelte etwas, und dann war plötzlich Wasser unter ihnen zu sehen. Ziemlich nah.

»Wir fallen gleich ins Meer!«, rief Anna entsetzt.

»Alles easy«, sagte Ida beruhigend, dabei machte ihr Magen bei der Landung auch einen ganz schönen Hüpfer.

Nachdem sie ausgestiegen waren, liefen sie ewig lang zur Gepäckausgabe.

»Da hätten wir von München ja gleich wandern können«, meinte Anna, die langsam wieder so entspannt war wie sonst. Ida lachte.

Als sie zur Gepäckausgabe kamen, standen die beiden Koffer schon bereit. Wenig später saßen sie im Zug, und es war wirklich ein bisschen wie in der S-Bahn, nur schienen sie hier übers Wasser zu fliegen. Auf der Brücke über den Öresund, die fast acht Kilometer lang war, fuhren oben Autos und unten der Zug. Der erste Halt war Malmö-Hyllie. Plötzlich waren Polizei, Zoll und ein schwarzer Drogenhund im Zug, und sie mussten ihre Ausweise vorzeigen. Bald darauf fuhr der Zug in Malmö C ein, dem Hauptbahnhof, und sie packten ihre Rucksäcke und ihre Koffer.

Auf dem Bahnsteig empfing sie Steffi, die wie wild winkte. Sie strahlte, lief auf sie zu und umarmte erst Ida, dann Anna.

»Ich freu mich so! Anna, wie schön, dich kennenzulernen!«

Steffi war einfach so herzlich, so lieb!, dachte Ida.

»Ich freu mich auch«, sagte Anna. »Ich hab schon so viel von euch gehört.«

Steffi sah an sich runter. »Sorry, ich hab noch Reitsachen an. Ich komme direkt vom Kurs.«

Ida lachte. »Macht nichts. Ich liebe diesen Pferdegeruch. Und jetzt sag schon, wie war der Kurs? Was hast du überhaupt gemacht?«

»Erzähl ich gleich, lasst uns erst mal hochgehen.«

Es war ziemlich trubelig am Bahnhof. Als sie hinaustraten, stellte Ida fest, dass tiefe, graue Wolken über der Stadt hingen. Die Backsteingebäude waren zwar imposant, aber irgendwie kam es ihr so vor, als hätte jemand einen Grauschleier davorgezogen. Schade, sie hätte sich gewünscht, dass das Wetter für Anna strahlend gewesen wäre.

Steffi hatte den Kleinbus gleich hinter dem Bahnhof geparkt. Zum Glück hatte sie Sandwiches und Getränke dabei. Ida merkte nämlich, dass sie erstaunlich hungrig war.

»Wie lange fahren wir?«, fragte Anna.

»Na ja, so fünfeinhalb Stunden schon«, meinte Steffi. »Aber ihr könnt doch zwischendurch schlafen, ihr seid ja wahnsinnig früh aufgestanden.«

Es war Anna anzumerken, dass ihr fünfeinhalb Stunden wie eine Ewigkeit vorkamen. Aber Schweden hatte nun mal ganz andere Dimensionen, und auf schwedischen Autobahnen glitt man stressfrei dahin. Der Bus war geräumig, und Anna streckte sich auf einer der Sitzbänke aus. Schon bald war sie eingeschlafen.

»Ich freu mich so«, sagte Steffi. »Drömhäst ist endlich wieder komplett.«

»Erst wenn Larissa da ist«, meinte Ida. Larissa, die sich letzten Sommer von der Oberzicke zur Freundin gemausert hatte, lebte in Wien und würde auch bald eintreffen. Fehlten nur die Zwillinge.

Steffi schien Gedanken lesen zu können. »Wirklich schade, dass Leni und Paul nicht kommen können. Grüß sie mal von mir, wenn ihr euch schreibt.«

»Mmm«, machte Ida. Kein gutes Thema. »Aber sag, wie geht es den Pferden?«, erkundigte sie sich, statt das Thema Paul zu vertiefen.

»Denen geht es prima. Ach, und ich wollte dir ja vom Kurs erzählen. Es war ein Workshop fürs Gangpferdereiten. Eine ganz tolle isländische Reiterin war da, die schon mehrfach auf Weltmeisterschaften geritten ist und deren Stute beim Landsmót gewonnen hat.«

»Echt?«

»Ja, und das Coole ist, dass die Stute im Stall oder auf der Weide eigentlich ziemlich unspektakulär und verpennt aussieht, aber unter der Reiterin eine Weltklasse-Tölterin ist. So viel Energie. Du kannst dir vorstellen, dass ihre Fohlen ein Vermögen kosten.«

Ida nickte. Die Preise für Isländer waren generell sehr hoch, und bei Pferden, die so hochkarätig liefen, waren das Summen, die sich Ida gar nicht ausmalen konnte. Sie wollte unbedingt auch einmal ein Landsmót auf Island besuchen. Es war das wichtigste Sportevent für Isländer weltweit – sogar noch wichtiger als die Weltmeisterschaft. Da Islandpferde zwar exportiert werden, nicht aber wieder einreisen durften, nahmen die isländischen Topreiter auf die WM nie ihre besten Pferde mit, sondern diejenigen, die sie sowieso zum Kauf vorgesehen hatten. Eine Wiedereinreise für die Pferde war verboten, weshalb man die allertollsten Pferde nur auf Island sah.

»Und das Sternchen, wie macht es sich?«, fragte Ida. Stjärnfall war ihre Lieblingsstute, seit sie und ihre Mutter sie damals als Fohlen mit der Flasche aufgezogen hatten.

»Sie ist sehr lieb, auch wenn sie keine Supertölterin ist und das auch nicht mehr werden wird. Dreigängig läuft sie sehr schön, und ihr Galopp ist prima.« Steffi sah zu Ida hinüber. »Deinem Sternchen geht es wirklich gut. Sie ist ein erwachsenes Pferd geworden, sehr kooperativ, nur eben kein Gangwunder.«

»Aber süß!«

»Das auf jeden Fall.«

»Und wie machen sich die Dölepferde?«, fragte Ida.

»Du wirst staunen. Lars ist noch mal gewachsen, und Lotte … na ja … sie ist ein klein bisschen hysterisch. Ein Schulpferd wird sie nicht. Sie sucht sich ihre Reiter aus. Für uns natürlich nicht so toll.«

»Aber meine Mutter will sie doch nicht etwa hergeben?«, fragte Ida erschrocken.

»Nein, nein«, sagte Steffi, aber Ida fand, dass ihre Antwort irgendwie komisch klang. Es lag eine ungute Stimmung in der Luft.

Ida sah aus dem Fenster, wo die schwedische Landschaft vorbeiflog. Hier im Süden des Landes war es flach. Es gab große Felder, immer wieder Höfe und ein paar alte Windmühlen, die in merkwürdigem Kontrast zu den neuen hochbeinigen Windrädern standen.

»Gut, dass ihr da seid«, sagte Steffi nach einer Weile. »Die Pferde tun grad recht wenig. Wir haben eine holländische Gruppe da, lauter nette Kinder, aber die reiten nicht so viel.«

Ida wunderte sich. Es war August, und normalerweise müsste der Hof aus allen Nähten platzen. Welches Kind, bitte schön, ritt denn wenig, wenn es die Pferde vor der Nase hatte? Natürlich hatte das Vorteile für Ida, dann kam sie selbst mehr zum Reiten.

Auch Ida nickte ein und wachte erst auf, als Steffi an einer preem-Tankstelle tankte und sich einen Kaffee holte. Ida mochte das Logo, der preem-Bär grinste so nett. Steffi brachte den beiden Cola mit, denn Ida war noch immer ziemlich müde, und Anna war auch nicht besonders gesprächig.

Es war vier Uhr nachmittags, als sie in die Auffahrt der Drömhäst Ranch einbogen. Ida freute sich über Annas staunenden Blick. So hatte sie beim ersten Mal auch geschaut. Die Ranch war schon eine imposante Anlage. Links der Stall, rechts der Reitplatz und frontal das schöne Herrenhaus.

Idas Mutter und Ingrid kamen angelaufen und nahmen sie in Empfang. Umarmungen, Lachen. Auch Fossman, Ingrids Norrbottenspitz, kam angerannt und begrüßte Anna, indem er ihr mit der Zunge einmal quer übers Gesicht schlabberte.

»Fossman, du Ferkel!«, rief Ingrid lachend.

»Passt«, sagte Anna. »Ich wollte eh duschen.«

»Hallo, Anna, so schön, dass du mitkommen konntest. Groß bist du geworden«, bemerkte Idas Mutter. Sie hatte Anna zum letzten Mal vor eineinhalb Jahren gesehen, und seitdem war Anna noch mal ganz schön in die Länge geschossen. Nur sie selbst wuchs eher mäßig, fand Ida. Sie würde wohl kaum größer als eins fünfundsechzig werden, sie war kein Zwerg und auch keine Pappel, sondern irgendwas dazwischen. Genauso durchschnittlich wie ihre langweilige Haarfarbe, die sich irgendwo zwischen Dunkelblond und Hellbraun bewegte.

Gerade tauchte Kristoffer auf, der auch auf dem Reiterhof arbeitete, und es gab noch mehr Begrüßungen. Natürlich zog es Ida jetzt zum Stall. Zusammen mit Anna ging sie hinüber, gefolgt von Ingrid und Andrea. Ida wollte endlich das Sternchen sehen und alle anderen. Die Pferde hatten die Nasen im Heu, nur das Sternchen blickte hoch und wieherte ganz leise.

Ida schossen ein paar Tränen in die Augen, und sie wandte sich ab, weil es ihr peinlich war. Dann erklärte sie Anna die ganze Truppe.

»Schau, das sind unsere Isländer. Laxi ist der Fuchs mit der großen Blesse, und Faxi ist der Rappe. Daneben steht meine süße Stjärnfall-Maus, als Schimmel natürlich mal wieder total eingesaut. Und Frenja, ihre Mutter, ist die windfarbene Kratzbürste! Die vier Isis kennst du ja noch aus Bayern, oder?«

Anna nickte.

»Das da sind die Shetlandponys. Pit ist der Schecke und Punkt der Tigerschecke.«

»Megasüß die beiden«, meinte Anna. »Und so winzig. Punkt sieht ja voll so aus wie das Pferd von Pippi Langstrumpf, nur in klein.«

»Stimmt! Dann kommen die Fjordis, also die Norwegischen Fjordpferde. Elsa ist ein Falbe, so nennt man diese helle Färbung. Außerdem ist sie eine ältere Dame und ein bisschen trampelig.«

»Na!«, rügte Ingrid.

»Komm, Ingrid, sie ist echt ein kleines Trampeltier. Daneben steht Ebba, eine Rotfalbe. Sie ist auch schon eine ältere Dame und ein bisschen faul. Der Helle mit dem Wahnsinnshals ist Olsen, der ist echt ein Muskelpaket. Und neben ihm steht Olaf, ein Graufalbe. Ich liebe ihn!«

Anna grinste. »Kann ich verstehen, der sieht richtig hübsch aus.«

»Und schließlich gibt es noch die beiden Dölepferde Lars und Lotte. Lars ist der Braune, und Lotte ist isabellfarben. Schön, oder?«

»Hmm«, sagte Anna. »Ob ich mir die alle merken kann?«

»Das lernst du schon noch«, sagte Angelika, die ebenfalls in den Stall gekommen war. Sie war Larissas Mutter und zugleich Andreas rechte Hand im Hotel. »Hallo, ihr beiden. Wie schön, dass ihr da seid! Wann seid ihr losgefahren?«

»Mitten in der Nacht«, platzte Anna raus.

Alle lachten.

»Ich denke, ihr bezieht mal euer Zimmer. Alles Weitere besprechen wir dann morgen«, meinte Andrea.

Die Mädchen zogen ab. In Idas Zimmer sank Anna auf ihr Bett. »Ist das cool hier! Das Zimmer ist ja riesig!«

»Stimmt. Magst du auf der Schlafcouch liegen?«

»Ja, klar! Ich bin echt alle. Kann ich zuerst duschen?«

»Logisch.«

Während das Wasser rauschte, sah Ida aus dem Fenster. Angelika und Andrea redeten noch miteinander und sahen ernst aus. Zwei junge Frauen und sechs Kinder bogen um die Ecke. Schon komisch irgendwie, dass nur so eine kleine Gruppe hier ist, dachte Ida.

Um sechs gab es Essen. Ida war froh, dass Ingrid nur Gemüsesticks, Dips und vegetarische Pattys anbot. Sie hatte im Auto wohl doch zu viele Sandwiches gegessen. Magnus war nicht da, deshalb saßen sie mit Ingrid im Privatbereich des Hotels. Hier aß Ida am liebsten, weil sie es oben in der Wohnung von Magnus und ihrer Mutter immer etwas steif fand. Ida verteilte ihre Geschenke, und Ingrid meinte lachend:

»Ach, du willst, dass ich gar nicht mehr aus der Küche rauskomme?«

»Nein, aber der Dackel war so süß!«

Die Gespräche gingen hin und her. Ida hatte ein paar Mal das Gefühl, dass ihre Mutter den Fragen zu den Pferden auswich. Hatte es doch irgendwas mit Lotte zu tun?, fragte sich Ida. Womöglich war sie aber einfach nur zu müde.

Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten gingen sie und Anna um halb neun ins Bett. Gerade als sie das Licht ausgemacht hatten, gab Idas Handy ein Signal von sich. Es war eine Nachricht von Leni.

Hi, Ida. Alles gut bei dir? Seid ihr inzwischen angekommen?

Alles gut. Die Reise war nur megaanstrengend.

Glaub ich dir. Ich wär so gern dabei. Life sucks.

Ja, wär total schön mit euch. Steffi vermisst euch auch. Ich soll euch grüßen von ihr.

Grüß zurück. Und die Pferde? Alle fit?

Ja. Das Sternchen ist richtig erwachsen geworden.

Meld dich bald wieder, ich will alles wissen.

Ok, schlaf gut.

Bye, bis bald.

Hätte sie Leni von ihrem unguten Gefühl erzählen sollen? Aber womöglich war sie einfach übermüdet und hatte sich das alles nur eingebildet.

Weil sie so früh schlafen gegangen war, saß Ida am nächsten Morgen um sieben Uhr putzmunter im Bett. Sie zog sich leise an, um Anna nicht zu wecken, und lief zum Stall. Unterwegs fiel ihr auf, dass sie ganz einfach nach einer kurzen Jeans und einem geringelten Shirt gegriffen hatte, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, wie das wohl aussah. Zu Hause überlegte sie viel mehr, bevor sie in die Schule ging, denn ein paar von ihren Mitschülerinnen waren echte Fashion-Victims und lästerten schnell mal ab, wenn man nicht die richtigen Klamotten anhatte, vorzugsweise teure Markenkleidung.

Steffi und Kristoffer waren gerade mit dem Füttern fertig. Soeben ließ Kristoffer den Traktor an und rumpelte vom Hof. Steffi lehnte mit einer Tasse Kaffee am Paddock. Sie war eindeutig kaffeesüchtig und lange genug in Skandinavien, um sich das ständige Kaffeetrinken angewöhnt zu haben.

»Wo ist Anna?«, wollte Steffi wissen. »Sie macht einen sehr netten Eindruck.«

»Na klar, Anna ist ja nicht umsonst meine BFF. Sie schläft immer noch, und wenn sie aufwacht, muss sie bestimmt erst mal mit ihren Eltern telefonieren. Gestern Abend waren wir viel zu müde. Sie hat ihren Eltern nur noch eine kurze WhatsApp geschrieben.«

»Mensch, ich freu mich so, dass du da bist«, sagte Steffi. »Hab ich gestern schon gesagt, aber das kann man ja nicht oft genug sagen.«

»Ich freu mich auch«, erwiderte Ida etwas lahm.

»Na ja, begeistert klingt aber anders«, kommentierte Steffi.

Ida atmete tief durch. »Steffi, es kann sein, dass du jetzt sagst, ich … also ich …«

»Ida, jetzt eiere nicht so rum!«

»Hier ist eine ganz komische Stimmung«, gestand Ida. »Klar, alle sind nett und so, aber irgendwas stimmt doch nicht. Jetzt sag schon, was los ist.«

Steffi sah weg.

»Steffi!«

»Deine Mutter hat gesagt, wir sollen erst mal nichts sagen.«

»Was sollt ihr nicht sagen?« In Ida schrillten alle Alarmglocken. Wollten sie doch ein Pferd hergeben? Lotte? Es war ja gestern angeklungen, dass die junge hübsche Dölestute sich nicht ganz so entwickelt hatte, wie Idas Mutter gehofft hatte. Lotte war sehr sensibel und kam mit ständig wechselnden Reitern nicht gut klar. Sie brauchte eine feste Bezugsperson. Als Schulpferd auf einem Reiterhof war das natürlich schwierig. Auch Frenja war kein Schulpferd, aber sie war dafür so etwas wie Steffis Pferd, die Leitstute, die die Ausritte anführte.

»Es geht um Lotte, oder?«, fragte Ida.

»Nein, da mach dir mal keine Sorgen. Lotte bleibt hier. Magnus will züchten. Er arbeitet sich gerade ins Thema Zuchtlinien ein. Wenn sie nicht das perfekte Reitpferd wird, ist das auch egal. Wirklich!«

Aber was konnte sonst passiert sein?

»Ist jemand krank?«, fragte Ida. Ingrid womöglich? Das wäre für die Drömhäst Ranch das Schlimmste, was passieren könnte.

»Ida, schau nicht so erschrocken!«, rief Steffi. »Nein, es ist niemand krank. Es ist nur so, dass …«

»Dass was? Jetzt eierst du herum!«

»Stimmt, also gut. Deine Mutter wollte nicht, dass du dir Sorgen machst. Aber wir bekommen seit einiger Zeit sehr negative Bewertungen im Internet.«

»Wie?«

»Die Drömhäst Ranch wurde auf Google und Tripadvisor bisher sehr positiv bewertet, aber seit einiger Zeit stehen da lauter schlechte Besprechungen.«

»Aber wie kann das sein? Drömhäst ist doch der beste Reiterhof der Welt!«

Steffi lachte. »Wohl nicht der beste der Welt, aber wir bemühen uns wirklich sehr.«

»Und was steht da so?«, fragte Anna, die plötzlich neben ihnen stand.

»Schön, dass du wach bist«, meinte Ida. »Hast du schon mit deinen Eltern telefoniert?«

»Ich hab gehört, wie du aufgestanden bist. Dann hab ich schnell daheim angerufen, meine Mutter konnte aber gerade nicht. Sie ruft nachher zurück. Also, was ist los? Worüber redet ihr gerade?«

»Stell dir vor, der Reiterhof hat schlechte Bewertungen im Internet«, sagte Ida.

»Jetzt sag schon, was steht denn da genau?«, wollte Anna wissen.

»Nichts Gutes.«

»Hast du hier draußen einen Laptop, damit wir uns das mal anschauen können?«, fragte Anna. »Ich habe mein Handy drinnen gelassen.«

»Na klar, kommt mit.«

In der Sattelkammer gab es eine kleine Sitzgruppe mit einem alten Holztisch, auf dem die große Kaffeekanne stand und der auch als Bürotisch diente. Hier plante Steffi normalerweise ihre Reitkurse. Jetzt schaltete sie den Laptop ein und rief die Bewertungen auf Google und Tripadvisor auf.

»Lest mal, was hier steht«, sagte sie. »Die hätten uns Geld zahlen müssen, nicht wir denen. Wir sind fast nie geritten, wir mussten immer nur ausmisten.«

»What?«, rief Ida. »Kein Gast muss hier ausmisten! Das macht doch Kristoffer. Er hasst es sogar, wenn irgendjemand seine Abläufe stört. Gäste würde er nie ausmisten lassen.«

»Wir wissen das, aber die Interessenten natürlich nicht«, sagte Steffi. »Und hier steht: Wir sind zum Reiten gekommen, nicht für ein blödes Rahmenprogramm.«

»Aber das steht doch im Programm, wie oft man bei so einem Kurs reitet und was sonst noch so angeboten wird?«, wandte Ida ein.

Steffi zuckte mit den Schultern.

Anna las noch eine Bewertung vor. »Das Essen war eklig und viel zu wenig. Ich hab zwei Kilo abgenommen.«

»Das ist ja noch größerer Quatsch!«, rief Ida. »Das Essen, das Ingrid kocht, ist das allerbeste und mehr als genug. Da ist sogar ein Vielfraß wie Paul satt geworden.«

Während sie den Namen aussprach, versetzte es ihr einen Stich. Der letzte Sommer mit Paul war der schönste Sommer ihres Lebens gewesen. Und seit sie wieder hier war, musste sie immer wieder an Paul denken. Es kamen so viele Erinnerungen hoch.

»Das kann ich nach dem Abendessen gestern nur bestätigen«, meine Anna. »Diese Dips waren himmlisch.«

Sie beugte sich zum Laptop vor und wandte sich an Steffi: »Darf ich kurz?«

Steffi nickte, und Anna surfte ein wenig. »Die Bewertungen kommen mir irgendwie komisch vor. Manches ist auch so vage gehalten, als wäre derjenige gar nicht hier gewesen«, sagte sie schließlich.

»Ja, das haben wir auch festgestellt. Wir sind uns ziemlich sicher, dass das Fake-Bewertungen sind. Aber wer macht so etwas?«

»Jemand, der euch nicht mag«, sagte Anna.

»Aber müssten da nicht viel mehr gute Bewertungen stehen?«, entgegnete Ida.

»Es sind ja auch total positive Besprechungen dabei, aber die meisten, die mit ihrem Aufenthalt zufrieden sind, schreiben halt keine Bewertungen«, meinte Anna. »Kommentare hinterlassen vor allem diejenigen, die sauer und enttäuscht sind.«

»Woher weißt du das?« Steffi sah sie interessiert an.

»Wir hatten in der Schule mal einen Medientag, bei dem es um soziale Netzwerke ging. Bei uns gibt es auch manchmal so Aktionen wie eine Digital-Detox-Woche.«

»Das ist ja toll«, sagte Steffi. »Dann wisst ihr bestimmt auch, wie schwer es ist, Fake-Bewertungen von echten zu unterscheiden, oder?«

»Unsere Deutschlehrerin hat mit uns mal darüber gesprochen«, erzählte Ida. »Bei Bewertungen sollte man genau hinschauen, wer sie geschrieben hat und ob derjenige vielleicht ganz viele Bewertungen in ganz kurzer Zeit schreibt. Dann kann gerade bei Reiseportalen irgendwas nicht stimmen.«

»Mein Onkel hat ein Lokal und hat schon öfter unangemessene Beiträge bei Google gemeldet«, ergänzte Anna. »Aber bis die so was löschen, kann das dauern. Oder die löschen das gar nicht.«

»Das haben Andrea und Magnus auch probiert«, erzählte Steffi. »Sie werden jetzt wohl einen Anwalt einschalten, aber das Problem ist ja trotzdem, dass die Leute glauben, was im Internet steht. Manche rufen an und fragen nach, die kann man dann beruhigen. Aber wie viele lesen das und haben dann kein Interesse mehr an der Drömhäst Ranch!«

»Wann hat das denn angefangen mit diesen negativen Bewertungen?«, fragte Anna.

»Nach Ostern. Das Blöde war, dass wir in dieser Zeit zwei Reitwochen hatten, bei denen das Wetter schlecht war und wir wirklich nicht alles machen konnten. Einige Ausritte sind ausgefallen, und der Trail stand unter Wasser. Natürlich haben wir dafür andere Sachen angeboten und zusätzlich noch Ausflüge mit den Kindern unternommen, aber was das Reiten betrifft, sind die Möglichkeiten bei Dauerregen natürlich begrenzt.«

»Für das Wetter kann doch keiner was!«, warf Ida ein.

»Stimmt, und nach Ostern ging der Betrieb auch erst mal ganz normal weiter, und da lief auch alles super. Die meisten Gästen buchen ihren Reiturlaub ja auch einige Zeit im Voraus, da hat sich das noch nicht gleich ausgewirkt. Aber irgendwann dann schon.«

Anna surfte noch eine Weile herum. »Die ganzen Bewertungen sind auf Deutsch«, sagte sie.

»Ja, wir haben ja auch fast nur Gäste aus dem deutschen Sprachraum und manchmal ein paar holländische Kinder, wie die sechs, die jetzt gerade da sind. Die machen heute übrigens auch wieder einen Ausflug, statt zu reiten.«

»Wenn die alle auf Deutsch sind, können wir aber davon ausgehen, dass die Bewertungen nicht von einem schwedischen Mitbewerber in Auftrag gegeben wurden, oder?«, meinte Anna.

»Du Detektivin!« Steffi lächelte. »So, Mädels, wollt ihr jetzt nicht erst mal frühstücken gehen und dann ein bisschen reiten?«

Ida strahlte. »Ja, klar!«

»Und du, Anna?«

»Reiten ist nicht so meins«, sagte sie.

»Ach komm, Anna!«, rief Ida. »Steffi nimmt dich an die Longe.«

Anna nickte. »Na gut.«

»Dann warte ich auf euch«, sagte Steffi.

»Das ist so übel! So unfair«, meinte Ida, während sie zum Haus liefen. »Und meine Mutter sagt natürlich kein Wort.«

»Na ja, ich hätte das an ihrer Stelle auch nicht gleich am ersten Tag erzählt.«

In der Küche war niemand. Die beiden griffen sich zwei Croissants, machten sich zwei Tassen Tee und gingen zum See hinunter. Den kannte Anna ja auch noch nicht.

»Und der See gehört euch auch?«

»Ja, oder besser gesagt, er gehört Magnus, aber das ist in Schweden kein so großes Ding. Das kommt öfter vor, dass Leute einen See besitzen, davon gibt es ja gefühlt Millionen.«

»One in a million«, sagte eine männliche Stimme hinter ihnen.

Sie fuhren herum.

»Magnus, hallo!« Ida umarmte ihn.

»Ida, schön, dass du da bist! Willkommen, Anna! Und das mit dem See ist echt kein großes Ding. Wie Ida eben gesagt hat, gehört zu etlichen Grundstücken in Schweden ein See. Unserer hat allerdings den Vorteil, dass er sogar über einen kleinen Sandstrand verfügt.«

Das stimmte. Vom Badeplatz konnte man am schönsten dem Sonnenuntergang zusehen, und Ida erinnerte sich wieder daran, dass sie letztes Jahr mit Paul hier gesessen hatte.

»Entschuldige, Anna, ich bin unhöflich, aber ich habe gleich einen Termin in Stockholm«, erklärte Magnus. »Ich bereite einen Film über Rentiere vor. Es geht unter anderem darum, wie sie mit dem Klimawandel umgehen. Ich muss los. Wir sehen uns!« Er winkte ihnen zu und ging.

Anna blickte ihm nach. »Wow! Der sieht aber gut aus. Und erzählt mal eben im Nebensatz, dass er grad einen Film über Rentiere dreht. Cool.«

Sah Magnus gut aus?, überlegte Ida. Er war der Freund ihrer Mutter, und sie hatte nie groß über sein Aussehen nachgedacht. Natürlich hatte sie Anna erzählt, dass er Tierfilmer war, aber auch Ida war ziemlich beeindruckt gewesen, als sie ihm das erste Mal gegenübergestanden hatte. Und bis heute fand sie es fast ein wenig erschreckend, wie gut er sich in den verschiedensten Bereichen auskannte.

Anna schaute über die Wasserfläche. »Ist wirklich nice, so was hätte ich auch gern hinterm Haus.«

»Komm, wir haben den Ebertshausener Weiher, da ist es doch ganz nett.«

»Na ja, wenn nicht gerade Badeverbot wegen Blaualgen ist«, wandte Anna ein.

»Außerdem können wir nach Dasing ins Freibad.«

»Da wird doch ständig irgendein Becken saniert. Ist ja toll, aber in der Zeit kann man da auch nicht baden. Außerdem hängt da Lara mit ihrer Clique ab.«

Lara war Annas most hated bitch in der Schule, ein Modepüppchen mit großer Klappe und wenig Hirn, wie Ida fand. Und noch weniger Herz.

»Zum Ammersee ist es auch nicht so weit«, schob Ida hinterher.

»Aber ein eigener See ist schon sehr cool.« Anna grinste. »Ida ist im Sommer eine Prinzessin, in einem Schwedenschloss mit See.«

»Das ist kein Schloss. Nur ein Herrenhaus oder so was. Letztlich waren das etwas reichere Bauern. Und jetzt lass uns zu den Pferden gehen«, schlug Ida vor. »Das wird dir bestimmt gefallen, Steffi ist echt eine super Reitlehrerin.«

Anna schien noch immer nicht ganz überzeugt zu sein, aber natürlich folgte sie ihrer Freundin zum Stall.

»Ida mit dem Schwedenschloss«, sang sie vor sich hin, »reitet auf dem hohen Ross!«

»Jetzt hör aber auf, sonst gehst du in Zukunft über die Dienstbotentreppe.«

»What?«

»Das Zimmer neben unserem, oben in der Wohnung, das war früher das Dienstbotenzimmer, und es gibt eine ganz enge schmale Treppe, die in die Küche runterführt. Zeig ich dir nachher.«

Steffi wartete schon. »Prima, dass ihr da seid«, sagte sie. »Ida, du machst Stjärnfall fertig, und ich hole Ebba. Unsere ruhige Fjordstute müsste für Anna ganz gut passen.«

Kapitel 2

Wenig später waren beide Pferde am Putzplatz angebunden. Das Sternchen war wirklich erwachsen geworden. Die Stute hatte an Muskeln zugelegt, ihre Brust war breiter geworden, sie war ein ausgewachsenes Pferd. Trotzdem gab sie den linken Vorderhuf noch immer sehr schlecht und zog ihn beim Auskratzen weg. Ida hatte Mühe, ihn festzuhalten.

»Das macht sie immer noch?«, fragte Ida ungläubig.

Steffi grinste. »Ja, damit testet sie, wer es draufhat. Das ist ihre ganz persönliche Note. Und ich glaube, dass sie das macht, damit sie auch eine Marotte hat. Sie ist ansonsten so ein liebes artiges Pferd, irgendwas Albernes muss sie ja machen.«

Für solche Sätze liebte Ida sie. Steffi sah in jedem Tier ein Individuum.

Anna hatte schon angefangen, Ebba zu putzen, und machte das sehr routiniert.

Steffi lächelte. »Dafür, dass du nicht reitest, machst du das sehr gut. Wie ein Profi.«

»Wenn ich bei Ida bin, da putzen wir öfter mal die Kaltblüter von ihrem Opa. Und in unserer Klasse sind sowieso lauter Pferdebekloppte. Unsere Freundin Maja zum Beispiel hat zwei Haflinger, die putz ich auch gerne.«

»Du nennst mich eine Pferdebekloppte?«, fragte Ida lachend.

»Allerdings!«

»Was machst du denn für einen Sport?«, fragte Steffi.

»Früher war ich beim Schwimmen, aber ich hab das gechlorte Wasser nicht so gut vertragen.«

»Und jetzt?«

Anna schwieg.

Ida grinste. »Sie spielt Golf, das ist ihr aber immer total peinlich.«

»Echt?«, fragte Steffi.

»Ja, ich weiß, was jetzt kommt«, meinte Anna. »Schickimickisport und so. Aber das ist gar nicht wahr. Ich hab mir zum Beispiel gebrauchte Schläger gekauft, die waren gar nicht so teuer, und man muss auch gar nicht mehr Mitglied in so einem Klub sein, es gibt nämlich inzwischen auch immer mehr öffentliche Golfplätze. Für Jugendliche ist es sowieso günstiger als für Erwachsene. Davon abgesehen sind wir echt keine Schickimickis. Meine Mama ist Krankenschwester, und mein Papa ist Holzfacharbeiter. Er fällt Bäume für den Staatsforst. Golfen ist …«

»… ein großartiger Sport«, fiel ihr Steffi ins Wort. »In Schweden und in vielen anderen Ländern ist Golfen gar nichts Elitäres mehr. Früher habe ich auch mal in Norwegen und in Island gearbeitet. Und in Island gibt es Plätze, die gehören einem Bauern, da wirft man Geld in einen Blechkasten und spielt einfach. Da liegen dann Schafe auf dem Green.«

Ida sah Steffi zweifelnd an. »Woher weißt du das so genau?«

»Ich spiele auch ein bisschen«, erzählte Steffi. »Ziemlich schlecht, aber ich habe immerhin eine Platzreife.«

»Mega!«, rief Anna. »Gibt es hier einen Platz? Dann spielen wir mal!«

Steffi lachte. »Erst einmal reiten wir, dann können wir über Golf reden.«

Anna führte Ebba erst einmal ein paar Runden auf dem Platz.

»Das geht doch schon ganz gut. Du solltest aber nicht das Pferd ansehen, sondern einfach gehen. So, und jetzt halt an«, sagte Steffi.